26 Juni 2005

Auf den Spuren des "Englischen Patienten"

Eine Expedition unter Leitung des Deutsch-Libanesen Samir Lama erkundete im März 2003 den Gilf Kebir. Das Wüstenplateau im Länderdreieck Ägypten-Libyen-Sudan ist eine gottverlassene Stein- und Sandwüste. Und deshalb unwirklich schön.

Der Gilf Kebir und das Jebel Uweinat-Gebirge – zusammen so groß wie die Schweiz – wurden erst ab 1934 systematisch erforscht und kartografiert. Im Frühjahr 2003 besuchten der Expeditionsleiter Samir Lama und der 77-jährige Peter Clayton, der Sohn des damaligen Landvermessers Patrick Clayton, das Gebiet auf den Spuren und mit den Originalkarten seines Vaters.

Der alte Clayton, Anfang der dreißiger Jahre oft mit dem legendären "Englischen Patienten" Graf Ladislaus Almásy unterwegs, inspirierte den Autor Michael Ondaatje zur Person des "Mason" in seinem verfilmten Bestseller.

Für Samir Lama, einen Kosmopoliten mit italienisch-libanesischen Wurzeln und deutschem Pass, wurde der Gilf Kebir zur letzten Fahrt: Der alte Wüstenfuchs starb im Frühjahr 2004.

Hier der Link zum Film >

Und dazu noch einige Fotos aus dem moto1203-Flickr-Archiv.



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© Jochen Vorfelder

20 Juni 2005

Zehn Jahre Brent Spar: Prost Shell!

Brent SparHeute vor zehn Jahren entschied der Ölkonzern Shell, einen Schiffskonvoi mit der ausrangierten Ölsammelstation "Brent Spar" im Schlepptau auf dem Weg in den Nordatlantik zu stoppen.

Ganz freiwillig fällte Shell die Entscheidung nicht. Nach wochenlanger Kampagne von Greenpeace hatten sich erst zwei, dann vier Aktivisten an Bord verschanzt und die Öffentlichkeit verfolgte mit wachsender Empörung, was da draußen geschah: Die Brent Spar war tagelang allabendlich in aufreizender Ruhe durch die Tagesschau gezogen worden und der Konzern stand unter schwerem Druck. In Hamburg wurde eine Shell-Tankstelle beschossen.

Wenige Wochen, nachdem die Kampagne für Greenpeace glücklich endete, habe ich das Buch "Brent Spar und die Zukunft der Meere" veröffentlicht.

Hören Sie das erste Kapitel des Buches , das einen Eindruck von der Kampagne und der Stimmung vor exakt 10 Jahren vermittelt.

© Jochen Vorfelder

15 Juni 2005

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Ein alter französischer Klassiker! Aber mit deutscher Besetzung! Und im Gegensatz zu den anderen Werken des Romancier Jules Verne (geboren im Jahr 1828 - hundertster Todestag war am 23. März 2005) ) sind in „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ die teutonischen Nachbarn keine trotteligen Diener oder perfiden Betrüger.

Nein, in dem spannenden Abenteuerepos, das Jules Verne 1864 verfasste, sind der Hamburger Professor Lidenbrock und sein Neffe Axel zwar kauzige, aber durchaus sympathische Zeitgenossen auf spannender Mission.

Alles beginnt damit, dass Lidenbrock, ein angesehener Geologe, in einer alten Chronik eine geheimnisvolle Karte des isländischen Alchimisten Arne Sacknussem findet. Durch Zufall kann Axel das Dokument entziffern: Ein Reisender gelangt, wenn er in der Krater des Vulkans Snaefellsjökull steigt, zum Mittelpunkt der Erde.

Und los geht die Reise in vorweg genommener "Indiana-Jones"-Rasanz: Nach Kopenhagen und Island geht es über Gletscher, Vulkane und Höhlen tief in den Erdkern, der manche Endeckung und Überraschung für die wackeren Forscher bereithält. Soviel sei verraten: Einige Plots aus Stephen Spielberg's Dinosaurier aus "Jurassic Park", Tom Hanks epische Flossfahrt in "Verschollen" und die Verfilmung von "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" kommen einem nach der Lektüre des immerhin 140 Jahre alten Buches seltsam bekannt vor, offensichtlich hat der eine oder andere Drehbuchschreiber freimütig Anleihen genommen.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist mit knapp über 200 Seiten ein idealer Reisebegleiter für Langstreckenflieger, die der Videofilm-Berieselung überdrüssig sind und sich einem Original widmen wollen. Denn als solches kann neben dem Buch auch Jules Verne selbst gelten: Während er seinen Lebensunterhalt tagtäglich als Börsenmakler verdiente, versank er in seiner Freizeit in eine Welt, die voller Ballone, Luftschiffe, Stahlstädte, U-Boote und Propellerinseln seiner Zeit ganz weit voraus war.

Die Wertung: kurios, aber amüsant. Im Jules-Verne-Jahr 2005 unbedingt lesen!

© Jochen Vorfelder

11 Juni 2005

Balsam für die Fantasie

Die bizarren Bilder verlieren sich in der Weite der Wüste. Im Westen Ägyptens, wo Staub und Luft verschmelzen, wo Felsen wie Brucheis aussehen, kann Reisen zur Meditation werden.


N 27° 27. 747’ E 28° 42. 817’
An der Karawanenstraße


Es muss ein fideler Heiligabend gewesen sein für den deutschen Afrika-Forscher Gerhard Rohlfs, jener 24. Dezember 1873 – sein Diener brachte ihm den Tischwein und als Überraschung das Geschenk seiner Frau Gemahlin: handgestrickte Hausschuhe. Die passten zwar nicht in die karge Wüste, doch Rohlfs war dennoch hoch erfreut. Just zum Weihnachtstag hatte seine Karawane auf dem Weg zum Großen Sandmeer und nach Libyen die Djara-Tropfsteinhöhle erreicht, die er als erster Weißer betrat.

Auch 128 Jahre später ist Djara an der alten Karawanenstraße von Assiut nach Bahariya im Westen Ägyptens noch immer eine Sensation: In einem Hügelfeld verbirgt sich in einer Felsspalte eine schmale Öffnung, hinter der sich eine teilweise zwölf Meter hohe und tennisplatzgroße Höhle öffnet. Tausende von Stalaktiten hängen an der Decke, am Boden befinden sich Stalagmiten – vom Flugsand umbrandet. In die Wände sind Zeichnungen geritzt.

Eine Nebenhöhle mit Feuerspuren, wie alt mögen sie sein? Wie kommt Tropfstein in diese wasserlose Einöde? Und was mochte Rohlfs gedacht haben?

Wir sind seit zwei Tagen auf seiner Fährte: Die Hand voll Oasen im Westen Ägyptens sind trotz asphaltierter Straßen und regelmäßigen Busverkehrs nach Kairo immer noch Entdeckerland. Dramatische Wüsten, menschenleere Winkel, überraschende Grabfunde wie im Tal der Mumien und Geschichten von Liebe und Entbehrung – das endlose Land westlich des Nil schlägt den Besucher mit einer Vielfalt von Eindrücken in den Bann, wenn, ja wenn er sich auf gelegentliche Strapazen einlässt.

Von Bahariya, einer der Oasen im westlichen Ägypten, waren wir mehr als 100 Kilometer Richtung Osten vorgedrungen, hatten die zwei Toyota-Geländewagen durch tiefe Wadis und auf hohe Plateaus geprügelt und waren dann an einem Gebirge aus Sanddünen gen Süden abgedreht, bevor wir die Djara-Höhle erreichten. „Abdel, wie findest du diese Höhle, wo alle Hügel hier gleich aussehen?“ Abdel Kadr el-Badramany, Rektor der Grundschule von Bahariya und unser Führer durch die Wüste, lacht und zieht an seiner Zigarette. „Einfach den Spuren nach, auch wenn du keine siehst. Kann jeder von uns Badramanys. Frag Magdi, Wüste liegt uns im Blut.“ Auch Magdi Badri el-Badramany, unser zweiter Fahrer, navigiert völlig entspannt durch das raue Niemandsland, vor allem, weil bei dieser Exkursion außer zwei zahlenden Fahrgästen viele Freunde aus der Oase mit an Bord sind: Abdel, der Onkel, Achmed, Abdullah und Peter Wirth, der Deutsche, der mit seiner japanischen Frau Miharu in Bahariya ein Hotel betreibt.

Abends am Lagerfeuer, als ich mein GPS-Gerät auspacke und mir von den Satelliten am Sternenhimmel die Koordinaten unseres Camps berechnen lasse, kommt das Thema noch einmal auf. „Manchmal glaube ich, dass die Beduinen den richtigen Weg riechen wie Kamele das Wasser“, sinniert Wirth abschließend aus seinem Schlafsack.

Mir kommt dazu eine Passage aus den „Sieben Säulen der Weisheit“ von T.E. Lawrence in den Sinn: „Meine Führer witterten gleich Hunden in der Luft, führten mich von einem verfallenen Raum in den anderen und erklärten: ‚Das hier ist Jasmin, das Veilchen, das Rose.‘ Aber zuletzt zog mich Dahoum mit sich: ‚Komm und rieche den schönsten Duft von allen.‘ Wir gingen in den Hauptraum, traten an die gähnenden Fensterhöhlen und tranken dort mit offenem Mund den leichten, reinen, unbeschwerten Wüstenwind, der uns umfächerte. Das ist der beste, sagten sie zu mir: ,Er hat keinerlei Geschmack.‘“

Was gibt es Schöneres, als in fast schmerzhafter Stille unter dem Sternenhimmel im Sand zu liegen? Die Reinheit und Leere der Wüste – wer sich auf sie einlassen kann, wird mit einer meditativen Reise durch eine einzigartige Landschaft belohnt. Vor rund 70 Millionen Jahren lag diese trockenste Zone der Erde noch auf dem Boden eines Urmeeres. Doch seither haben Wind und Sand aus dem abgelagerten Sediment- und Kalkgestein verschiedenste Formationen und Gegenden geschaffen – wie die Schwarze Wüste, wo Kegel- und Pyramidenformen dominieren, changierende Brauntöne, der allgegenwärtige Schiefer und anderes schwarzes Gestein. In der Weißen Wüste dagegen gibt es nur Sand und weißen Kalkstein. Doch wer denkt, das sei langweilig, täuscht sich gewaltig – die genial einfache Mischung lässt der Fantasie viel Raum.

N 27° 15. 763’ E 28° 11. 708’
Camp in der Weißen Wüste


Wenige Tage nach dem Trip zur Djara-Höhle sind wir mit Magdi und Samy, einem der jüngeren Brüder aus dem Badramany-Klan, wieder unterwegs. Es wird Abend, die Hitze des Tages lässt nach. Während Magdi und Samy das Lager aufschlagen, wandern Andreas, der Fotograf, und ich in der Weißen Wüste umher. Die Kalkstein-Skulpturen liegen unter sanftem Licht und werfen lange Schatten.

Das kurze Intermezzo zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit ist die Mußestunde der Wüste; jetzt zeigt sie sich von ihrer milden Seite. Alle Lebewesen, die sich unter Tage vor der unbarmherzigen Sonne versteckt hatten, erwachen zum Leben. Käfer, schwarz und groß wie ein Fünf-Mark-Stück, wagen sich aus der Deckung. Ein paar Wüstensteinschmätzer, die an den wenigen Wasserstellen leben, schwirren herum.

Mein Blick fällt immer wieder auf die Erde, die Wüste liegt mir in Form von Souvenirs zu Füßen – Scherben römischer Amphoren, Bruchstücke von Straußeneiern und fossile Muscheln.

Die Gedanken schweifen zurück, zur Abfahrt. Der schnelle Abschied von Bahariya, wo wir den Wüstentrip ohne Probleme innerhalb eines halben Tages organisiert hatten, kam uns zupass. Der Unterhaltungswert der Wüsten-Enklave tendiert nach einem Tag intensiver Erkundung gegen null; abendlicher Höhepunkt sind der Spaziergang vom Hotel zur Hauptstraße und die warme Pepsi vor dem Kaffeehaus, während auf der Straße das Leben tobt: Bauern treiben ihre Esel durchs Dorf, vor dem Bäckerladen werden Brotfladen kunstvoll gestapelt. Die Wasserpfeifen blubbern; der Geruch von süßem Apfeltabak signalisiert: Der Tag ist gelaufen, aber morgen geht’s wieder weiter – wie seit tausend Jahren.

Nicht ganz so altvordern wie die lokalen Sitten, aber doch auch von bemerkenswerter Verweildauer sind die Toyotas, mit denen Magdi und seine Kollegen die Touristen durch die Wüste fahren. Mehrfach umgebaute und zerbeulte Allrad-Veteranen aus den siebziger Jahren sind keine Seltenheit, neumodischer Schnickschnack wie Scheibenwischer, Klimaanlagen und elektrische Fensterheber zwar bekannt, aber unerwünscht. Was es nicht gibt, kann auch nicht kaputtgehen.

Gutes altes Auto, stundenlang waren wir an Bord des Landcruisers wie auf einem Schiff durch den Sand geschlingert. Die Zeit verging wie im Flug. Am Morgen noch die Gesteinspyramiden im Aqabat, der Bruch-Region, in der das vom Nil kommende Plateau in die Farafra-Senke übergeht. Dann weite Stein- und Geröllebenen mit Sandinseln und einsamen Tamarisken und Akazien, die wie ein Wunder die Trockenheit überleben.

Gegen Mittag Magic Spring und Ain Hadra, zwei artesische Brunnen mit einem Büschel Dattelpalmen, zu deren Füßen schon römische Söldner Rast machten. Die Gegend, die von den Einheimischen „die Zelte“ genannt wird, wo zahllose Kalkhügel wie Muffins frisch vom Backblech aus dem Boden wachsen.

Die Bilder verlieren sich in der Weite der Wüste, die endlos erscheint am Horizont, wo das zärtliche Abendlicht und der Staub in der Luft miteinander verschmelzen wie Eindrücke und Fantasie. Hier, die hellen Quader, die aus dem weißen, verkeilten Brucheis und den Schneeverwehungen ragen, könnte das nicht die Antarktis sein? Und dort, die hoch aufragenden Riesenpilze und Kreidebrocken – im schwindenden Licht verwandeln sie sich in Trolle, Kamele und Pharaonen.

Es ist fast dunkel geworden, und die Badramanys haben über dem Holzfeuer das Abendessen gezaubert: Tomaten- und Gurkensalat, gebratene Hähnchen, Reis und süßen Beduinen-Tee. Nach dem Essen machen wir es uns bequem unter den Sternen. Magdi erzählt von seiner Familie, die seit Menschengedenken in der Wüste lebt: „Die letzten Kamel-Karawanen über Bahariya bis ins libysche Kufra sind in den sechziger Jahren gezogen“, sagt er mit einem Anflug von Bedauern, obwohl er die Mühen dieser Touren aus den Erzählungen seines Großvaters kennt.

Dessen Vater wiederum war einer der ersten Badramanys, die aus dem Wissen, wie man in der Wüste überlebt, Kapital schlugen: Er fuhr Anfang der dreißiger Jahre mit dem ungarischen Adligen Ladislaus Almásy und dem Engländer P.A. Clayton auf der Suche nach der geheimnisumwitterten Oase Zarzura in den noch unerforschten Süden der Westlichen Wüste. Almásy entdeckte im Gilf Kebir, einem Hochplateau von der Größe der Schweiz, prähistorische Wandmalereien wie die „Schwimmer in der Wüste“. Die Funde belegten, dass vor 10 000 oder mehr Jahren noch Krokodile und Giraffen in der Gegend gelebt hatten, und wurden zu einem Thema in der romantischen Romanverfilmung „Der englische Patient“.

N 28° 20. 342’ E 28° 51. 608’
Zurück in der Oase Bahariya


„Jala, hier rechts rein!“ Peter Wirth dirigiert Fahrer Achmed – der seit 30 Jahren der Chef der örtlichen Ausweisstelle und damit gehobener Beamter ist, aber seinen Lebensunterhalt damit bei weitem nicht bestreiten kann – in eine staubige Seitenstraße von Bawiti. Achmed quittiert Wirths Anweisungen mit einem müden Seitenblick; er kennt hier jeden Weg.

Bahariya ist wie die anderen Oasen Siwa, Farafra, Dakhla und Kharga kein schöner Ort; das Klischee vom verträumten Winkel unter Palmen, die sich dicht um eine einsame Wasserstelle drängen, stimmt nur bedingt. Bahariya etwa besteht aus rund einem Dutzend Weilern, die teilweise bis zu 30 Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Orte sind Verwaltungszentren, Militärstützpunkte und Marktflecken mit Neubauten und verfallenen Lehmhäusern; die Bewohner mancher Orte müssen noch heute auf Strom verzichten. Keine Wüstenromantik, nur nackte Hausmauern und versandende Gärten.

Hunde bellen, Kinder johlen. Der Jeep hält vor einem Sandhügel, Geröll und Steinen; obendrauf zwei Hütten, die in der Mittagshitze oszillieren. Ein typisches Anwesen in Bawiti, wäre da nicht ein kleiner Unterschied: Unter dem Schutt liegen die Gräber des vorchristlichen Oasen-Herrschers Zed Amun Ef Ankh und seines Sohnes Banentiu. Ihre letzte Heimstatt wurde vor mehr als zwei Jahrtausenden in den Sandstein gemeißelt; die mit Hieroglyphen bemalten Wände erzählen von mächtigen Herrschern und glanzvollen Siegen – Bahariya scheint mal ein spannender Ort gewesen zu sein.

In allen fünf westlichen Oasen stößt man auf historische Stätten; in Kharga etwa auf Bagawat, einen der ältesten christlichen Friedhöfe Ägyptens. In Dakhla stehen 20 Grabanlagen auf dem Besuchsprogramm, nahe der libyschen Grenze liegt der Tempel des Orakels von Siwa, das schon Alexander der Große konsultierte. Für Hotelier Peter Wirth sind diese Altertümer touristische Schätze, die im Verborgenen schlummern. „In ein paar Jahren haben wir hier Reisegruppen aus Japan.“

Dass Wirth mit seiner Prognose wahrscheinlich Recht behalten wird, ist auf den Fehltritt eines Esels in der Oase Bahariya zurückzuführen. Der alte Zausel stolperte und brach mit einem Huf durch ein dünnes Gewölbe. Darunter taten sich Welten auf: In der Katakombe lagen Leichname, mumifiziert, mit vergoldeter Gesichtsmaske geschmückt, dicht an dicht.

Die Ausgrabungen fördern die Spuren versunkener Zivilisationen aus dem sechsten vorchristlichen bis zum vierten nachchristlichen Jahrhundert zu Tage. Ein Ende der sensationellen Funde ist nicht abzusehen: Die Gruft unter der Oase erstreckt sich schätzungsweise über sechs Quadratkilometer; die Wissenschaftler vor Ort rechnen mit mindestens 8000 Mumien. Anfang des Jahres 2001 hatten sich die Helfer von Dr. Zahi Hawass, dem verantwortlichen Ausgrabungsdirektor, bis zu Gad Khensu Eyuf Ankh, dem Herrscher über die Oase zwischen 589 und 570 vor Christus, und seiner Gemahlin, der Königin Naas, vorgegraben. Deren Mumie im vergoldeten Kalksteinsarg war gut erhalten und mit 100 goldenen Amuletten geschmückt.

Inzwischen wird darüber spekuliert, wie die Oasen-Noblen zu solch spektakulären Reichtümern kamen und warum ihre Macht schwand. Hatten sie bisher unbekannte Kolonien im Süden? Waren sie die Herrscher über geheime Karawanenrouten, die das Mittelmeer mit dem fruchtbaren und an Bodenschätzen reichen Schwarzafrika verbanden?

Warum verarmten die Oasen? Auch Zahi Hawass kann diese Frage nicht beantworten. Doch er ist überzeugt, dass nun ein Teil des Reichtums in Form von Devisen zurückkehren wird: „Mit Königin Naas bringen wir die Oasen endgültig auf die touristische Landkarte.“

© Jochen Vorfelder

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