28 August 2008

Isle of Man 2009: Strecke frei für Elektro-Racer


Die Tourist Trophy-Rennen auf der Isle of Man werden grüner: Ab 2009 werden auf der Insel auch Rennläufe mit Elektro-Motorräder ausgetragen. Aktuell allerdings haben die Veranstalter noch mit türkischen Hackern zu kämpfen.

Die empörten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: "Was soll das? Kriegen wir bald gentechnisch modifizierte Hamster im Rad, die unsere Maschinen antreiben sollen, statt dem Parfüm von Zweitaktern und Castrol-Rennöl?" schreibt Harley Davidson aus Liverpool auf der Website der "Isle of Man Today".

Sieht ganz so aus, Harley. Gestern wurde in London der TTxGP angekündigt. Die Veranstaltung wird das erste emissionsfreie Grand Prix-Rennen ausschließlich für Fahrzeuge sein, die von Elektromotoren oder anderen "alternativen Antrieben" befeuert werden.

Der TTxGP soll in der ersten Juniwoche 2009 auf dem traditionsreichen Rundkurs in verschiedenen Klassen ausgefahren werden. Neben Herstellern von Elektrorollern und -motorrädern sowie Universitäten sollen auch "Garagenfirmen" und private Bastler durch die Klassifizierung eine Chance auf den Gesamtsieg erhalten.

Vorgestellt wurde der TTxGP, der mit dem konventionellen Rennbetrieb radikal bricht, von John Shimmin, dem Umweltminister der Isle of Man: "Seit über hundert Jahren werden hier Rennen gefahren, mit Maschinen, die Beispiel stetiger Innovationen waren. Jetzt läuten wir ein neues Kapitel ein, nämlich state-of-the-art und umweltfreundliche Technologie."

Die ersten von 30 angekündigten Starter mit Maschinen, die Geschwindigkeiten bis zu 175 km/h erreichen sollen, waren auf der Pressekonferenz dabei: Gemeldet haben bereits Brammo Motorsports mit einer Rennversion des Elektrobikes Enertia und ein Team der Kingston University aus South West London.

Initiator des Rennens ist der englische Unternehmer Azhar Hussain, der allerdings noch mit Pech und organistorischen Problemen zu kämpfen hat: Der angekündigte Phototermin für das Enertia-Rennbike wurde abgesagt, weil der Fährbetrieb zur Isle of Man wegen einer Kollision in Liverpool eingestellt wurde. Und gestern war die eigene Website des Öko-Rennens nicht sehr aussagekräftig: Sie war zeitweise gesperrt, nachdem sie von türkischen Hackern mit Tiraden gegen die USA und dem Slogan "No War"gehijackt worden war. Siehe screenshot ...

11 August 2008

Testfahrt Hyosung Aquila GV 650i: Barockes Cruisen für Sparsame

Chopper-Fahrer schwelgen gerne in Chrom und ergötzen sich am Geblubber massiver Motoren. Die Koreaner von Hyosung drängen nun mit ihrer Aquila in die Schaulauf-Klasse und haben zwei überzeugende Argumente: Leistung und Kampfpreis.

Bei Flusskilometer 598 der Elbe, am Zollenspieker Fährhaus, verbindet eine Fähre das Städtchen Hopte mit dem Hamburger Stadtteil Kirchwerder. In den Sommermonaten sind die Zollenspieker Fährköpfe - wie z.B. die Berliner Spinnerbrücke – ein Kult-Treff zum Schaulaufen anerkannter Biker-Tribes.

Kapitäne der Landstraße segeln ihre fetten Harleys, die aussehen wie nach einem Sturz ins Chrombad, hart am Wind bis zum Currywurststand. Die Piloten der scharfen japanischen Supersportler stolzieren über den Parkplatz und gleichen sich dabei wie ein Pfauenei dem andern: verspiegelte Visiere und Leder-Overalls, passend zur Marke in Farbe und Aufschrift.

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Graumelierte Herrenfahrer mit den BMW-Reiseenduros, aufgerüstet mit GPS und Tourenkoffern, stehen etwas abseits in ihrer Wagenburg und schauen wie alte Platzhirsche misstrauisch rüber zur Italo-Fraktion, wo die Trockenkupplungen der Ducatis im Leerlauf schrabbeln wie ein geprügelter Sack Schrauben.

Koreanische Maschinen haben bei den Marken-Taliban am Zollenspieker keinen guten Ruf; die Aquila GV 650i Sport-Cruiser macht da keine Ausnahme: "Was soll das denn sein, ein verkleideter Reiskocher?" und "Keine Euronen auf Tasche, aber choppern wollen..." sind noch die besseren Kommentare, die ich einfahre.

Macht mal halb lang, Freunde, und schauen wir mal auf die Fakten. Die Aquila GV 650i, die der koreanische Mischkonzern Hyosung seit vergangenem Jahr im Programm hat, soll nach der Firmenphilosophie die Fahrleistungen eines Sportmotorrads mit den langen, flachen Linien eines modernen Cruisers verbinden.

Kampf-Ninja statt Marlboro-Mann

Technisch ist die Sportlichkeit allemal gelungen umgesetzt. Hyosung baut seit einigen Jahren einen potenten 90°-V2-Motor mit 647 ccm, der auch in der parallelen GT650-Baureihe seinen Dienst versieht. Auch in der Aquila spielt das Aggregat – das erste, das Hyosung in seiner inzwischen 30-jährigen Firmengeschichte über dem Halbliter-Limit auf die Beine gestellt hat - seine Stärke aus: Ab etwa 4000 Umdrehungen geht die Musik richtig ab, und der Vortrieb aus 80 PS schiebt die Aquila schnell auf 195 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Da staunt der Edelchopper-Fahrer verdutzt von hinten in die koreanische Zwei-in-Eins-Auspuffanlage.

So richtig samtweich geht die durchaus lustvolle Beschleunigung allerdings nicht von Statten: Der Motor, der akustisch eher an einen streitlustigen Ninja als an den Bass des Marlboro-Manns erinnert, will stets unter Zug gehalten werden und vibriert vehement durch die gummierten Chopper-Fußpedalerie. Zuweilen kommen seltsame Tonsequenzen dazu: Beim Hochschalten durch das Fünfgang-Getriebe hakelt es schon das eine oder andere Mal, wenn die Maschine beim Stop-and-Go in der Stadt richtig warm gelaufen ist.

Rüdes Fahrverhalten

Die Bremsen passen sich dem rustikalen Old-School-Eindruck an. Es gibt kein ABS, und die Doppelscheiben am Vorderrad verlangen nach einem ziemlich festen Griff; nicht zu vergleichen zum Beispiel mit den beißenden Brembo- oder Nissin-Anlagen, die andere Hersteller heute verbauen. Positiv zu vermerken ist der wartungsfreie Belt-Drive, der allerdings bei grobem Drehen am Gas heftig am Antriebsritzel ruckt, weil er ohne gefederte Ausgleichsrolle wie etwa bei der Buell daherkommt.

Ob diese Begleiterscheinung der sportlichen Fortbewegung oft zum Tragen kommt, ist in der Cruiser-Praxis eher unwahrscheinlich: Im Regelbetrieb schubt die Aquila, geführt von einer justierbaren Upsidedown-Gabel, gemütlich auf dem 180er-Hinterrad dahin und der Fahrer genießt den tiefen Schwerpunkt. Der sorgt in Verbindung mit dem langen Chopper-Radstand für enge Erdverbundenheit und ein sicheres Gefühl auch in schnelleren Kurven. Begrenzt wird die Schräglage nur durch die weit vorne und tief montierten Fußrasten, ohne die beim Choppern anscheinend nichts geht.

Plaste und Elaste aus Fernost

Um dem optischen Anspruch eines Cruisers gerecht zu werden, haben sich die Designer bei den Teuer-Originalen und den Klassikern bedient: Der offene Rohrrahmen erinnert an die Harley V-Rod und die Chromverkleidung zwischen den Zylinderköpfen ist eine Reminiszenz an alte Luftfilter-Verkleidungen. Überhaupt spiegelt, schillert und blitzt es überall an der Maschine. Wer das Chopper-Barock mag, bekommt es bei Hyosung jedenfalls konkurrenzlos billig: Die Aquila GV 650i kostet nur 6995 Euro.

Wieso können die Mannen von Hyosung, die inzwischen einen 1000er Motor planen, ein so günstiges Angebot machen? Abgesehen von einem langfristigen Konzept zur Marktpenetration und einer Mischkalkulation mit Verlusten durch einzelne Pioniermaschinen wird bei der Fertigung an vielen Ecken gespart - und das sieht man.

Da wird an der linken Spiegelhalterung eine verchromte Schraube verbaut, rechts nur eine verzinkte. Die Kabel der Elektronik werden mit Kabelbindern verschiedener Stärke befestigt; ein Rohr der Ölleitung vibriert an einer Plastikverkleidung, von denen es Unmengen zur Vortäuschung eines massiven Aggregats gibt. Und einen Drehzahlmesser sucht man vergeblich.

Doch wie gesagt: Wer Old-School-Chopper mag und den Geldgürtel enger schnallen muss, wird bei dem Hyosung-Kampfpreis die verzeihbaren Kinderkrankheiten gern in Kauf nehmen. Und auf die Zukunft hoffen: Bei den Autos haben die koreanischen Hersteller auch bescheiden angefangen.

Auch am Zollenspieker wird die Zeit kommen, in der Koreaner echte Konkurrenten sind und einen eigenen Tribe haben. Freunde, wetten, dass der Wirt neben Currywurst und Fischbrötchen bald auch eine schnelle Wok-Pfanne anbietet?

(c) Jochen Vorfelder

01 August 2008

China: 14277 Motorräder planiert...

Die Chinesen sind eigen - das wurde vorgestern mit dem Blockade solch subversiver Internet-Server wie dem der Deutschen Welle mal wieder bewiesen.

Und chinesische Behörden sind rigide; dafür haben sie am gleichen Tag den Beweis angetreten: In Shenzen, der Economic Zone, die an Hongkong angedockt ist,wurden auf einen Schlag von Baggern und Bulldozern 14277 konfiszierte Motorräder platt gemacht, berichtet die Lokalzeitung "Daily Sunshine.

(Wie würde sich eigentlich eine deutsche Boulevard-Zeitung mit dem blumigen Titel "Nie mehr Regen!" machen...)

Die Daily Sunshine vermeldet nicht, wie der Tatbestand der Illegalität in Shenzen erfüllt wird, berichtet aber, dass seit 2005 über 580.000 "illegale" Motorräder zerstört wurden.

Die regelmäßigen Aktionen - im April wurden schon einmal fast 10.000 Bikes niedergewalzt - sind Teil der Verkehrsberuhigung in Shenzen und "aktive VErbrechensbekämpfung", weil ein Großteil der Taschen- und sonstiger Habseligkeitsdiebstähle mit Rollern und Motorrädern begangen werden.