29 September 2006

Testfahrt: Phantomschmerz im linken Arm

Yamahas Tourer-Flaggschiff FJR 1300AS fehlt ein kleines, aber entscheidendes Bauteil: der Kupplungshebel.

Statt dessen wurde ein Chip eingebaut, der automatisch kuppelt. Bewährt sich das in der Praxis?

Die ersten Male tut es richtig, richtig weh. Bei der Ausfahrt aus dem Hof, beim Abbiegen an der Kreuzung oder wenn die rote Ampel den rollenden Verkehr aufstaut – wenn die Yamaha FJR 1300 AS gestoppt werden soll, findet der Schaltfuß wie üblich den Hebel.

Doch die linke Hand greift im Reflex ins Leere, und schlagartig brennt die Kopfhaut unterm Helm. Die Synapsen kreischen: Alarm! Wo zum Teufel ist mein Kupplungshebel geblieben?

Weg. Er ist weg.

In die neue AS-Version der FJR1300 bietet Yamaha seit Juli 2006 als erster Motorrad-Hersteller ein System an, das im Automobil-Bereich schon längst Standard ist: Anfahren und Gangwechsel ohne zu kuppeln – Automatik.

Doch genau bei diesem Wort wird Yamaha-Meister Heuser, der mich in die Maschine einweist, richtig kiebig: “Schreiben Sie bloß nichts von Automatik, das isses nämlich nicht.“ Hat er ja Recht.

Das neue Yamaha-System YCC-S (Yamaha Chip Controlled Shift) ist kein Automatik-Getriebe, sondern eine Art Tiptronic-Schaltung, wie sie z.B. Audi oder Citroen in einigen Modellen anbieten: Geschaltet wird wahlweise über den Fußhebel oder einen Kippschalter am linken Lenkergriff, doch gekuppelt wird ohne manuelles Zutun. Die Kontrolle bleibt also vollständig beim Fahrer: Er entscheidet, wann er welchen Gang einlegt.

Geregelt werden die Schaltvorgänge statt von Bizeps und Handgelenk nun von einer elektronischen Blackbox. Und Schalten ist für die 32 Bit-Unit ein durchaus komplexer Vorgang: Nach dem elektronischen Impuls durch den Fußhebel oder den Tiptronic-Schalter wird von der Elektronik zunächst überprüft, dass der angewählte Gang bei der aktuellen Geschwindigkeit ins nutzbare Drehzahlband bis maximal 8000 Umdrehungen passen. Versucht man z.B. bei Tempo Achtzig brachial vom dritten in den ersten Gang runterzuschalten, ist nach dem zweiten Gang Schluss.

Wenn die Drehzahl allerdings ins Programm passt, wird vom Chip der erste Auftrag an den Kupplungs-Stellmotor geschickt: Einkuppeln! Und zwar just so lange, bis der Gangwechsel im Getriebe durch den zweiten Elektromotor erfolgt ist. Ist das Getriebe so weit, meldet es Vollzug an die Steuereinheit, die daraufhin den zweiten Auftrag im Rahmen des Schaltvorgangs an den Stellmotor schickt: Auskuppeln! Nach Angaben von Yamaha dauert der komplette Schaltvorgang mit YCC-S im Schnitt 60 Millisekunden – schneller als ein Wimpernschlag.

Zurück auf die Straße: Hat man sich erst einmal an den Phantomschmerz durch den verschwundenen Kupplungshebel gewöhnt, und das geht erstaunlich schnell, ist das Fahren wunderbar. Gang einlegen – Achtung, der Leerlauf liegt hier am Ende der Skala und nicht mehr zwischen dem ersten und zweiten Gang – und vorsichtig Gas geben.

Bei 1500 Umdrehungen ruckt es kaum merklich, ab 1800 Umdrehungen schieben die 270 Kilo der FJR sanft los. Ist die Fuhre dann erst einmal am Rollen, sollte man sich entscheiden: Schaltet heute die Hand oder der Fuß? Wer dauert hin und her wechselt, wird irgendwie verwirrt, was nicht zuletzt an einem Schwachpunkt des Systems liegt: Die Handwippe am Lenker ist viel zu klein geraten und liegt fummelig unter der Hupe und zu nah am Schalter fürs Aufblendlicht.

Doch spätestens nach dem ersten Stop-and-Go im Berufsverkehr hat man YCC-S zu schätzen gelernt. Kein Zerren mehr an den Sehnenscheiden, alles klappt wie programmiert: Gas weg; im Stand ist es der 1300 AS egal, ob der Leerlauf oder der erste Gang eingelegt ist. Auch auf Landstraßen und beim Cruisen auf der Autobahn versieht das System klaglos seinen Dienst.

Doch Restzweifel bleiben. Kann die Automatik-Kupplung wirklich alles? Wer Dickschiffe wie die FJR1300 bewegt, setzt z.B. in engen Alpen-Kehren im ersten Gang gern die schleifende Kupplung als Manövrierhilfe ein. Und tatsächlich stößt der Chip bei der Simulation dieser Fahrsituation an seine Grenzen.

Mit dem Fuß auf der Hinterradbremse und etwas Spiel am Gas wälzt sich die FJR1300 ganz langsam um die spitze Ecke, doch dann glaubt die Blackbox zu wissen: so langsam, da will einer anhalten. Sie lässt auskuppeln, weil die ganz, ganz langsame Schubfahrt nicht vorgesehen ist. Der Fahrer geht automatisch von der Bremse, weil er sonst nach innen kippt – und gleichzeitig signalisiert die etwas erhöht Drehzahl, dass wieder eingekuppelt werden soll. Ein Dilemma für tumbe Elektronik: Binnen Sekunden verwandelt sich die extrem spurtreue, gutmütige Tourenmaschine in ein ruckelndes 270-Kilo-Monster.

Doch konstruierte Gemeinheiten bei Seite: In 99 Prozent aller Fälle ist die automatische Kupplung an Güte und Gutmütigkeit nicht zu überbieten. Sie funktioniert fast perfekt und lässt Schalten zur Nebensache werden; ich freue mich schon auf die ersten Supersportler mit der neuen und vor allem schnellen Kupplungstechnik. Sie macht gute Motorräder noch besser.

Wobei wir wieder bei der FJR 1300AS wären – neben dem YCC-S kann der 2007er Yamaha-Tourer mit ABS und einem seit 2001 ständig verfeinerten Konzept punkten. Knapp 144 Pferdestärken und ein gewaltiges Drehmoment von 134 Nm bei 7'000 U/min bringt die Maschine mit; da ist es fast egal, welcher Gang am Ortsausgang eingelegt ist. Ein Dreh am Gas und ab geht die Post mit einem Fahrwerk, das die Yamaha zu einer der ruhigsten Maschinen auf der Straße macht.

Die FJR 1300AS (es gibt sie auch konventionell ohne YCC-S als 1300A) erreicht mit der kommoden Sitzposition hinter der breiten Verschalung und der verstellbaren Scheibe einen Reisekomfort, mit dem sie dem Klassenprimus, der R1200 RT von BMW, erfolgreich Paroli bietet. Der Yamaha-Tourer ist mit YCC-S und Reisekoffer-Set für 17500 Euro und mit konventioneller Kupplung für 15500 Euro zu haben.

© Jochen Vorfelder

26 September 2006

Bologna: Ragù, Motoren und Archäologen

Neben den italienischen Klassikern Rom, Florenz und Venedig wird Bologna oft unterschätzt.

Doch ein Kurztrip in die Heimat von Pierluigi Collina kann ziemlich lustig werden.


Eigentlich gab's nie einen besonderen Grund nach Bologna zu fahren. Ok, Bologna ist mit einem ansehnlichen Zentrum mit sonnendurchfluteten Arkaden versehen, aber man trabt - seien wir mal ehrlich – bei einem Städtetrip doch ziemlich oft ziellos durch eine Altstadt. Könnte auch Pisa oder Verona sein... Die einzigen Assoziationen, die mir zu Bologna spontan einfielen, waren - in dieser Reihenfolge - das Ducati-Werk, der Bombenanschlag auf den Bahnhof im Jahr 1980, bei dem Faschisten mehrere Dutzend ahnungslose Mitmenschen töteten, und natürlich Pierluigi Collina.

Sie kennen Collina nicht? Doch, den kennen Sie. Der Mann ist neben Ministerpräsident Romano Prodi wohl der bekannteste Bologneser, ein Fußballschiedsrichter, der nicht mehr pfeift, und jetzt für Opel Werbung macht: große, aus den Höhlen quellende Glubschaugen und eine makellose Glatze – beides die Folge übrigens nicht der Werbetätigkeit für Opel, sondern einer frühen Stoffwechselerkrankung. Sehen Sie, Sie kennen ihn doch, den Mann mit dem strengen Blick.

Aber egal, zurück nach Bologna. Ich mußte hin, weil im Vorort Borgo Panigale die Ducati-Motoräder gebaut werde, und ich eins der Teile dort abholen sollte. Ich flog von Hamburg aus ein; direkt. Das kann - wenn man nicht auf ein Wochenende fixiert und einigermaßen flexibel ist - durchaus billig sein: Germanwings fliegt hin und zurück ab 68 Euro. Ein Taxi vom Flughafen Guglielmo Marconi in die historische Altstadt schlägt mit rund 20 Euro zu Buche. Da rentiert sich auch ein 48-Stunden-Städtetrip. Der Flug kommt am frühen Nachmittag an. Zeit genug, um im etwas außerhalb gelegenen Hotel Amadeus einzuchecken, und anschließend nach einem ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt in einem Cafe unter den typischen Arkaden den Sonnenuntergang mitzubekommen.

Die Arkaden, darauf sind die Einheimischen besonders stolz: 38 Innenstadt-Kilometer wurden beginnend im Mittelalter überdacht, um zusätzlichen Wohnraum (aufgesetzt auf die Arkaden) zu schaffen. Heute sind die praktischen Überbauten äußerst elegante Shopping-Rennbahnen. (Meine Frau jedenfalls spitzte die Ohren und schloß deduktiv: Schuhläden! Nächstes Mal fahren wir zusammen!) Das ganze kulturelle Angebot konzentriert sich - praktisch, weil in Fußnähe - in einem Radius von rund einem Kilometer um die zentrale Piazza Maggiore: die Wahrzeichen der Stadt, die beiden Geschlechtertürme Torre Garisenda und Torre degli Asinelli, die Sala Borsa, der historische Lesesaal der Börse mit den römischen Ausgrabungen an den Fundamenten, und natürlich die Basilika San Petronio.

Der Bau dieser Kirche, einer der größten gotischen Gebäude der Welt, wurde um 1390 begonnen und ist bis heute nicht für vollendet erklärt worden. Aktuell wird das Gebäude mal wieder renoviert. Ein Flügel ist wegen eines religiösen Streitfalls ohnehin auf längere Zeit gesperrt: In einem der Reliefe der Butzenglasfenster soll sich eine herablassende Darstellung Mohammeds des Propheten eingeschlichen haben. Ja, ja, immer diese mittelalterlichen Provokateure.

Unterwegs in Bologna fühlt man sich aus einem Grund ziemlich schnell ziemlich alt. Es gibt Horden von Studenten in der Stadt - eingeschrieben an einer der ältesten Lehranstalten der Welt; gegründet im Jahr 1088, zu einer Zeit also, zu der die Teutonen noch im dunklen Wald hockten. Das studentische Treiben hat neben den optischen Anreizen durch sommerlich gekleidete Ragazzi noch weitere hervorzuhebende Folgen: Das Nachtleben von Bologna ist legendär und die Kneipen sind billig. Die meisten der Etablissements, vor denen sich die Szene trifft (natürlich draußen, im Sommer sowieso, und im Winter wegen des Rauchverbots drinnen), servieren zum Drink leckere Schnittchen, wie der Norddeutsche so sagt. In Bologna heißen die Mini-Pizzen, Knabberstangen und Käsestückchen natürlich anders, aber wie, habe ich vergessen.

Erinnern kann ich mich noch an den Namen des nettesten Cafes (Caffe Maxim in der Via Majani 1) und die Kneipe mit den besten Spaghetti Bolognese: Rosarose Bistrot in der Via Clavature 17. Aber Achtung: Das Gericht wird man auf der Speisekarte unter diesem Namen nicht finden. Es heißt in Bologna warum auch immer Tagliatelle al Ragù. Wer richtig gute Antipasti und guten, preiswerten Montepulciano bei Live-Musik sucht, wird im Quindici, Via Mirasole 15, gut bedient. Dort kann man gut sitzen, bis es gegen drei Uhr morgens etwas kühler, aber nicht unbedingt ruhiger wird. Was bringt Tag zwei in Bologna, bevor es abends wieder in die Kneipen geht? Ganz klar: Museen.

Am späten Vormittag (Montags geschlossen) vielleicht das Museo Civico Archeologico di Bologna, im Palazzo Galvani in der Via dell'Archiginnasio 2. Es ist durch seine Daueraustellung mit Artefakten aus etruskischen, griechischen und römischen Perioden über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Parallel dazu gibt es jeweils sehenswerte Sonderausstellungen – bis zum Januar 2007 wird noch eine Sammlung von Werken des Malers und Kupferstechers Annibale Carracci (geboren am 3. November 1560 in Bologna) gezeigt. Carracci gilt neben Michelangelo als einer der Väter der italienischen Barockmalerei. Doch Barock hin und her, es gibt in Bologna ein weiteres Museum, das definitiv mehr nach meinem Geschmack ist: das Ducati-Museum draußen in Borgo Panigale am Stadtrand.

Der Rundbau mitten im Motorrad-Werk ist für Besucher offen von Montag bis Freitag; es gibt täglich zwei Touren um 11:00 und um 16:00 Uhr. Adresse: Ducati Motor, Via Ducati 3, Bologna. Als ich dort war, war die 60 Minuten-Tour überbucht mit zwei Bologneser Schulklassen und einem Trupp englischer Biker - laut, aber lustig ging's zu auf den rund 1000 Quadratmetern, wo die Maschinen des italienischen Edel-Herstellers präsentiert werden. „Sie können mich einen Archäologen für italienisches Motorrad-Design nennen!", führte sich Kurator Livio Livio ein, bevor es auf eine nachempfundene Rennstrecke ging.

Auf ihr werden 33 ausgewählten Maschinen präsentiert, die die bewegte Ducati-Geschichte seit 1926 erzählen. Lodi, der meist selbst vor Ort und immer in Erzähllaune ist, wenn es um die rote "Diva di Bologna" geht, ist ein wandelndes Lexikon. Befragt nach einer der ausgestellten Modellen, erwähnt er nicht nur archivarische Daten wie PS-Zahl und Produktionsbeginn, sondern auch die Namen von Konstrukteuren und Ducati-Arbeitern, die er mit den Exponaten in Verbindung bringt.

„Was sind die Maschinen ohne die Menschen, die sie geschaffen haben,“ sprudelt es aus ihm heraus, „ich kenne alle, die hier in den letzten zwanzig Jahren gearbeitet haben.“ Lodi stammt selbst natürlich aus Borgo Panigale, sein Vater wurde 1955 der erste Betriebsarzt im Werk. „Die liebsten Führungen machen ich mit Leuten hier aus Bologna, weil ich dann spüre, dass Ducati nicht eine anonyme Aktiengesellschaft ist, sondern ein Teil der Nachbarschaft, der Gemeinschaft hier in Borgo Panigale. Ohne diese Wir-Gefühl, das wir auch mit der Ausstellung transportieren wollen, hätten wir als kleiner Hersteller gegen die Großen wie Honda oder Yamaha nie durchgehalten.“

Beim Abschied schwört der Kurator noch Bein und Stein, dass auch Pierluigi Collina schon mehrmals im Museum war: „Ich sage ihnen, Collina schaut wirklich sehr streng.“ Und angeblich soll der Ex-Schiri eine Ducati Monster fahren. Na ja, wenn's stimmt, hat er bei der Wahl des Zweirads mehr Emitionen bewiesen als bei seinem Werbeauftritt. Wer begeistert sich schon für einen Opel Vectra?

Mehr Infos:
Ducati-Museum
Hotel Amadeus http://www.amadeushotel.it/
Anflug
Pierluigi Collina in der Opel-Werbung

(c) Jochen Vorfelder

25 September 2006

Ducati - So bindet man eine Community...

Ich hatte die Wochen schon öfter den formidablen Desmo-Blog von Federico Minoli, CEO von Ducati, erwähnt: ein Beispiel dafür, wie man einen Corporate Blog authentisch gestaltet - indem der Chef selber schreibt und seine Zielgruppe ernst nimmt.

Heute nun ein weiteres Indiz dafür, dass Ducati bzw. Minoli das neue Medium Blog / respektive die Möglichkeiten von Web 2.0 verstanden hat: Zwei VIPs haben die Einladung zum SBK-Rennen in Imola am kommenden Wochenende kurzfristig abgesagt. Was macht Minoli? Er organisert kurzer Hand einen kleinen Contest unter den Besuchern seines Blogs: Wer erkennt die drei Bauteile auf dem Desmo-Blog?

Keine leichte Aufgabe - aber die ersten beiden richtigen Einsender werden auf Ducati-Kosten am kommenden Wochenende in Imola eingeflogen und haben ungehinderten Zugang zum Fahrerlager und der Ducati-Box.

Mitmachen? Dann aber schnell!

Der Platzwart

21 September 2006

30 Jahre XT 500: Das Jubiläums-Geschäft kommt langsam in Gang

Hätte mich auch gewundert: Da wird eines der famosesten Fahrzeuge der neueren Zweiradgeschichte 30 Jahre alt.

Über 9.000 Exemplare der XT500 treiben sich noch auf den bundesdeutschen Straßen rum - und ich soll der Einzige sein, der darüber schreibt? (und zwar hier...)

Nein, inzwischen sich haben noch mehr Blogger-Kollegen des Themas liebevoll angenommen - z. B. Marc vom Motorrad Blog. Mal sehen, was noch kommt vor/auf der Intermot, auf der selbst Yamaha etwas machen will...

Der Platzwart

20 September 2006

Video: Long way round bei Stefan Raab

Im April gab es schon mal einen Anlaß, über Ewan McGregor und Charley Boorman zu berichten.

Die beiden englischen Schauspieler - und fanatischen Motorradfans - waren im April 2004 von London aus zu einer Tour durch Europa, Russland und Nordamerika gestartet - ein episches Unterfangen auf zwei BMW GS und einer der coolsten Touren auf zwei Rädern.

Ok, andere haben das auch schon gemacht, aber die beiden sind einfach Meister der Vermarktung: ein Buch, dann eine TV-Serie bei der BBC und im April dieses Jahres dann auch die DVD auf dem deutschen Markt zusammen mit dem Print-Platzhirsch MOTORRAD.

Heute abend nun der nächste Promotion-Streich: Die Beiden treten bei TVTotal auf und quatschen Stefan Raab die Hucke voll. Wir erwarten Bilder, Video-Ausschnitte und hoffentlich Überrraschungen. Vielleicht geht Raab ja mal mit auf Tour; für schräge Unternehmungen ist er ja gern zu haben. Termin merken: Mittwoch, 20.09.06, 22:20 Uhr, Prosieben.

PS: Woher kennen wir die beiden Jungs eigentlich? Ewan McGregor natürlich aus "Star Wars": Episode I, II, III und beide gemeinsam aus dem "Schlangenkuss".

Der Platzwart

15 September 2006

Intermot 2006: Triumph Tiger 2007 und Ducati Hypermotard

Rund vier Wochen vor der wichtigsten deutschen Motorradmesse - der Intermot in Köln (11. - 15. Oktober) - tauchen nach den Phantasiezeichnungen der Moppedzeitungen langsam die ersten Bilder der neuen Modell 2007 auf. Nein, es handelt sich nicht immer um komplett neue Entwicklungen; interessant sind oft auch die feinen Modifikationen an Maschinen, die seit Jahren oder fast Jahrzehnten gebaut und erprobt sind.

Beispiel Triumph Tiger: Die Reiseenduro der englischen Zweiradschmiede ist die einzige Maschine in diesem Segment mit einem 3-Zylinder-Viertakt. Der Kraftprotz hatte bisher 955 ccm und knapp 106 PS; in der 2007er Ausführung wird ein neues Aggegat mit 1050 Kubik und 115 PS Dienst tun. Der Motor ist fast identisch mit der Maschine aus der Triumph Sprint ST; der Alu-Gussrahmen, das ABS und die Nissin-Bremsen sind ebenfalls aus der Sportlinie von Triumph bekannt. Optisch ist der Oldtimer, der seit 1999 angeboten wird, erheblich aufgemotzt worden. Der trutschige Glubschkugel-Stil der letzten Jahrgänge musste einer aggressiveren Verkleidung weichen, die jetzt mehr auf Streetfighter macht.

Optik und Alter hin und her - die Tiger ist immer noch eine klasse Maschine. Ich bin sie Ende letzten Jahres gefahren und war trotz des hohen Gewichts von über 220 Kilo ohne Sprit begeistert. Da wird sich mit der 2007er Ausführung etwas tun: Neun PS mehr und sage und schreibe 17 Kilo abgespeckt, das schreit nach aggressiveren Beschleunigungswerten und heftigem Durchzug. Der Motor ist ohnehin eines der laufruhigsten Aggregate auf dem Markt und säuselt wie eine Turbine in den roten Bereich; das Fahrwerk ist ausgereift, das Zubehör massiv. Könnte man unbesehen kaufen - wahrscheinlich für knapp über 10.000 Euro. Der genaue Preis kommt zur Intermot.

Auch noch keinen festen Preis hat das neue Spielzeug aus dem Hause Ducati - die Hypermotard. Auf der letztjährigen Messe in Milano angekündigt, ist das Ducati-Supermoto aus Bologna inzwischen im Bau- und Teststadium.

Die ersten Bilder, die durch das Presse-Embargo leckten, belegen, dass die Maschine extrem schmal baut und noch leichter in die Kurven zu werfen sein wird als die ohnehin schon agile und putzmuntere Multistrada.

Technisch wird die Hypermotard keine wesentlichen Überraschungen bieten: Der Motor ist der langjährig erprobte, luftgekühlte 1000er, der auch bei einigen Monster-, Sports-Classic- und Multistrada-Modellen zum Einsatz kommt. Auch die Rahmengeometrie passt fast wie eine Blaupause auf die Multistrada. Einige Details, die bei der Vorstellung noch für Furore sorgten, fehlen inzwischen: So ist der offene Kupplungsdeckel wie zu erwarten verschwunden; ebenso die Klappspiegel mit integriertem Blinker, die bei einem Geländeeinsatz zum Handschutz mutieren sollten.

Spass scheint das Gerät - da auch noch extrem leicht - dennoch zu machen. Auf dem zweiten Hypermotard-Bild verbirgt sich unter dem Helm Federico Minoli, CEO von Ducati, höchstpersönlich. Das mag ich an den Italienern - da kocht der Chef noch selbst. (Und übrigens: Die Beiträge im DESMOBLOG sind - so hat er mir jedenfalls bei einem Pressegespräch in die Hand geschworen - tatsächlich auch von ihm. Er findet dazu genug Zeit, so sagt er, weil er "zahllose Stopovers in Business-Lounges und endlose Stunden auf Langstreckenflügen" verbringt. Das hat man davon, wenn man in Italien arbeitet und die Familie in den USA wohnt.)

Stay tuned.

© Jochen Vorfelder

12 September 2006

Produktpiraten: Die neue Jialing JL600 ist die alte BMW F650

Als uns der Kollege Gabor Steingart am Montag im Spiegel-Titel "Angriff aus Fern-Ost" die Welt der Globalisierung zu erklären versuchte, fielen mir spontan drei kleine Anekdoten dazu ein.

Ad 1: Nach einer Untersuchung der französischen Unternehmervereinigung UNIFAB wurden 2005 mit gefälschten Produkten der Edelmarken Louis Vuitton, Chanel, Prada und Gucci um den Faktor siebzehn höhere Umsätze gemacht als mit den Originalen. Die Fälschungen kämen, so UNIFAB, zu "95 Prozent aus dem Land der Mitte".

Ad 2: Der bayrische Ministerpräsident Stoiber hat sich im Februar heftig über die chinesischen Partner des Siemens/ThyssenKrupp-Konsortiums beschwert: "„Was da in China läuft, riecht schon nach Technologie-Klau", hatte Stoiber zuvor in der „Bild“-Zeitung gesagt, nachdem in Shanghai die Pläne für den Bau einer einheimische Version des Transrapids bekannt wurden.

Ad 3: Stoiber hätte gleich noch ein Ortsgespräch investieren und der Motorrad-Sparte bei BMW sein Mitgefühl aussprechen sollen.

Gerüchte über Teile-Klau, Ersatzteil-Kopien und sogar identische Nachbauten von KTM-Kindermotorrädern schwirren seit Monaten durch die Zweirad-Branche. Doch bisher hat noch keiner der chinesischen Hersteller ein Original so dreist auch optisch kopiert wie Jialing mit seiner JL600 die gute alte BMW F650 von 1993.

Jetzt wird der Viertakter-Einzylinder mit 600 Kubik und 40 PS auch offiziell in Europa angeboten - auf der Website des Schweizer Importeurs Sidam kann man die Maschine unter dem Namen Rocane ordern. Sidam vertreibt nicht nur für Jialing: CFMOTO hat mit der V3 ebenfalls eine Maschine für den Export - sieht aus wie eine RT 1200 für Arme, ähnlich wie das Logo (siehe links), das ebenfalls an BMW erinnert.

Und dann gibt es bei SIDAM natürlich noch die Chinesen von Regal Raptor - mit einem chromblitzenden 125er Chopper. Das Logo? Mensch, wo haben wir denn das bloß schon mal gesehen....

© Jochen Vorfelder

09 September 2006

InTouch: War Britney Spears eine Kuh?

Vorgestern war ich in der Sauna, doch darum soll's hier eigentlich gar nicht gehen.

Sondern um das absurde Magazin "InTouch", das dort auslag, und das ich in Ermangelung einer Alternative von vorne bis hinten durchblätterte - etwas, was ich nicht tun würde, wenn ich nicht mit einem Hirn versehen, welches von der Hitze auf die gefühlte Größe einer Walnuss geschrumpft wurde, faul und bräsig auf dem Rücken liegen würde.

Zurück zu InTouch. Das bunte Knallblatt berichtet über so existenzielle Themen wie "Shakira - Die größte Party der Welt. Da wurde New York zum Global Village!" und "Glatter, fester, voluminöser: Haben Farrah Fawcett und Ashlee Simpson operativ nachgeholfen?"

And natürlich über die üblichen Verdächtigen aus dem Kreis der Reichen und Schönen, der Jungen und Blöden: "Britney Spears bringt in den nächsten Tagen ihr zweites Baby zur Welt. Für alle, die gratulieren wollen, hat sie ihre Wunschliste fürs Baby zusammengestellt." Doch darum soll's heute auch nicht gehen, um Britney Spears.

Mir fiel bei der Lektüre nur der Aufstand wieder auf, den Spears Anfang des Jahres verursacht hatte, als sie - dumm wie Stulle - mit ihrem Neugeborenen auf dem Schoß hinter dem Steuer ihres SUVs von einem Paparazzi erwischt wurde.

Nun kann man darüber spekulieren, ob die Dame ihren Sohnemann mit einem Airbag verwechselt hat, aber andrerseits gibt es in vielen Gegenden dieser schönen Erde unzählige Menschen, die die Verve, mit der dieser banale Vorfall in unserer Knallpresse diskutiert wurde, überhaupt nicht nachvollziehen können.

Sie wissen nicht, wovon ich rede? Nun, mir fielen beim aktuellen InTouch-Artikel über Spears nicht nur ihr Ausflug vom Februar wieder ein, sondern auch einige Motorrad-Fotos aus Indien, die seit geraumer Zeit auf meiner Harddisk ablagern, und die nun in diesem Zusammenhang nachgerade nach ihrer Veröffentlichung schreien.

Denn dort in Indien werden Kleinkinder nicht nur auf dem Schoß transportiert, sondern auf dem Gepäckträger, dem Tank und stehend auf der Sitzbank.

Und nicht nur einzeln, sondern die komplette Sammlung der Orgelpfeifen: Wenn man genau hinsieht - auf dem unteren der beiden Fotos sind es sogar SECHS Personen auf zwei Rädern.

Der indische Motorist hat offensichtlich die Ruhe weg. Kein Gurt, kein Helm, kein Airbag - nur die feste hinduistische Überzeugung, daß nach dem plötzlichen scharfen Bremsen, der überraschenden Kollision mit einer heiligen Kuh und dem schnellen Ableben die spätere Wiedergeburt winkt. Vielleicht ist Britney Spears ja auch eine Wiedergeburt. Der Kuh.

© Jochen Vorfelder

04 September 2006

Internetvertrieb: Yamaha bietet neun Modell in Einzelteilen zum Selbstbau an

Der japanische Hersteller Yamaha schlägt neue Wege des Motorradvertriebs weltweit ein und will dabei das Internet in Zukunft verstärkt nutzen.

Insgesamt 9 Modelle - vom Motocrosser YZ450FM über den Supersportler YZR-M1 bis hin zum Nakedbike AJR1300 und der VMAX - sind über die Yamaha-Website abruf- und bis ins Haus lieferbar. Verblüffend: Die Lieferung der Maschinen erfolgt kostenlos und ohne Wartezeit.

Der neue Service setzt allerdings ein Mindestmaß an Werkstattausrüstung und nicht geringes technisches Geschick voraus: Neben einem hochwertigen Drucker und einer scharfen Nagelschere sind für die Modelle verschiedene Papierqualitäten zum Ausdruck und Kleber zum Zusammenfügen der Einzelteile von Nöten. Ansonsten setzt Yamaha auf internationale Standards: Die Maschinen kommen als pdf.

Viel Spaß beim Basteln. Der Platzwart