Manchmal fallen die Dinge einfach wie magisch zusammen - oder mit Ex-Kanzler Willy Brandt zu sprechen: "Da wächst zusammen, was zusammen gehört...".
Man nehme z.B. den Song "New Slang" einer extrem relaxten Pop-Band aus Albuquerque, New Mexico namens "The Shins"und lege ihn unter die Video-Aufnahmen eines Veteranentreffens - in diesem Fall das Post Classic Race Meeting im australischen Eastern Creek vom Oktober 2007.
Herausgekommen ist eines der besten Rennvideos, das ich in der letzten Zeit gesehen habe.
Post Classic Race Meet - Eastern Creek Oct 2007 from Deus Cycles on Vimeo
Zum DEUS-Rennteam: DEUS ist eine Schrauber-Garage mit angeschlossenem Mode-Label aus New South Wales, an der der Gründer des Australien-Weiten Kult-Labels MAMBO beteiligt ist. Siehe www.deus.com.au
19 Mai 2011
11 Mai 2011
Auktion von Steve-McQueen-Motorrad: 400 Kubik gegen den rasenden Wahnsinn
Für Steve McQueen war es der Ritterschlag: Im August 1971 schaffte es der Hollywood-Star auf dem Titel des Fachblattes Sports Illustrated - auf einer obskuren Geländemaschine. Jetzt kommt McQueens „Husqvarna 400“ in Kalifornien unter den Hammer. Am 14. Mai treffen sie sich auf dem jährlichen Quail Motorcycle Gathering auf dem gepflegten Geläuf der Quail Lodge in Carmel, Kalifornien: die Devotionalien-Sammler und Oldtimer-Fans. Das Auktionshaus Bonhams versteigert in diesem Jahr Nachbauten der beiden Chopper aus Easy Rider. Doch die meisten Bieter werden wohl ihre Kreditkarte zücken, wenn eine Husqvarna 400 mit Rahmennummer MI3845 aus dem Jahr 1971 aufgerufen wird. Bonhams rechnet für diese Husqvarna mit einem Zuschlag zwischen 50.000 und 70.000 Dollar – überraschend für einen Oldtimer, der in diesem Zustand sonst für rund 6.000 Dollar zu haben ist. Der Grund: MI3845 ist die Original-Husky, mit der die Hollywood-Größe Steve McQueen 1971 auf dem Titel der stockkonservativen Sports Illustrated abgebildet wurde - mit nacktem Oberkörper. Ein kleiner Skandal im damals prüden Amerika, aber passend zum Charakter des Motorrads und des Machos McQueen: rüpelig, laut und kaum kontrollierbar.
Zur Fotostrecke bei Spiegel Online:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-67798.html Frank Bullit fährt nach Erfurt McQueen, der strahlende Hollywood-Star, war – das ist die bittere Wahrheit – ein Schizophrener mit manisch-depressiven Phasen. Privat war er „wie eine Landmine, leicht erregbar und willkürlich explosiv“, schreibt der Autor Christopher Sandford, der die bisher beste McQueen-Biografie veröffentlicht hat. Und weiter: "Zu Hause lümmelte McQueen rum, mit seinen Bierdosen und Motorrädern, mit seinen Gewehren, seinen hässlichen Hunden und noch hässlicheren Aufpassern – und vor allem – seinen Stimmungen.“ Seine erste Frau Neile Adams ließ sich scheiden, weil McQueen sie betrunken und unter Drogen hemmungslos prügelte und bedrohte. Dass der Mann mit diesen vielen dunklen Seiten zumindest öffentlich die Balance halten konnte, ist McQueens Elixier außerhalb des Rampenlicht zu verdanken – seinem Leben als Rennfahrer und Biker. Wenn McQueen mit einem Motorrad unterwegs war, wirkten die Kilometer wie Betablocker gegen seinen latenten Wahnsinn. Sandford zitiert ihn dazu: „Jedes Mal, wenn die Welt um mich herum nur noch schlecht ist, denke ich an Leute da draußen, die eine gute Zeit auf dem Motorrad haben. Das gibt mir einen andere Perspektive.“ Der erfolgreiche Schauspieler McQueen konnte es sich leisten, am Set lange Pausen zur „Erholung“ einzufordern – tats, und brach sofort mit Biker-Freunden zu Offroad-Trips oder zu Rennen auf. Auch dabei war er durchaus erfolgreich: In seinem Nachlass finden sich die Pokalen der Motocross- und Wüstenrennen, an denen er teilnahm. Im September 1964 fuhr McQueen im US-amerikanischen Team bei der Internationalen Six-Days-Trial-Trophy, einer Zuverlässigkeitsfahrt durch die DDR. Weil er in Erfurt mit geprellten Rippen früh ausschied, fand er Zeit, nach London zu fliegen, um dort über zwei neue Rollen zu verhandeln: "The Cincinnati Kid" und „Frank Bullit“ machten McQueen endgültig zum Superstar. Als McQueen im Herbst 1970 mit seinen Rennfahrer-Epos "Le Mans" beginnen sollte, verschob er kurzfristig den Drehbeginn. Der Grund: Er hatte sich unter dem falschem Namen Harvey Mushman für die "Baja 1000" angemeldet, einem Geländerennen längs der mexikanischen Halbinsel – und er brauchte die Aufnahmen für eines der Projekte, die ihm besonders am Herz lagen: die Motorrad-Dokumentation „On Any Sunday“. Kapriolen für die Kamera McQueens Rennfilme waren allesamt erfolgreich: "Le Mans", der Film über das Traditionwelle 24-Stunden-Rennen in Frankreich, spielt heute noch Tantiemen ein. "On Any Sunday", den er 1971 für den Regisseur Bruce Brown teilweise finanzierte, ist gar ein echtes Phänomen und Dauerbrenner: Die dramaturgisch langatmige, aber schräge Hommage an eine Handvoll amerikanischer Profi-Rennfahrer und Dropouts wurde für rund 300.000 Dollar produziert, aber hat in den letzten vierzig Jahren über 26 Millionen Dollar eingespielt. Geliebt und bei Amazon in den Warenkorb gelegt wird „On Any Sunday“ nicht zuletzt wegen seiner Schluss-Sequenz: Steve McQueen und zwei Kumpels kariolen über den Strand, stürzen, lachen und reiten der Sonne entgegen – der Star auf der Husqvarna. Das Ende von "On Any Sunday" bei Youtube: http://youtu.be/1qODJEH1JhE Spätestens mit dieser Einstellung und dem Cover von Sport Illustrated im gleichen Jahr hatte McQueen die Maschine zum Kult unter amerikanischen Bikern gemacht hat. Ein kleines Marketing-Wunder: Cross-Maschinen in den siebziger Jahre und besonders Zweitakter wie Husqvarna waren für ihre technische Anfälligkeit und gelinde gesagt eigenwilliges Fahrverhalten bekannt; sie sicher durchs Gelände zu steuern und am Ziel anzukommen, war Schwerstarbeit, verbunden mit einem Quentchen Glück. Doch Dank McQueens Faible für die Renner mit dem roten Tank erlebten die obskuren Fahrgeräte einen nie wieder erreichten Verkaufsboom in den USA – bevor sie in den Jahrzehnten danach wieder in der Versenkung verschwanden. Heute erlebt die Marke ein Revival: Die ehemals schwedische Marke ist seit 2007 eine Tochter von BMW Motorrad und wird im italienischen Varese produziert. In ihrer Heimat Schweden werden unter dem Namen nur noch Nähmaschinen und Kettensägen hergestellt. „Steve muss diese Husky viel gefahren, aber nicht richtig gepflegt haben. Nicht richtig abgespritzt nach dem Einsatz. Der Rahmen hatte Spuren von Salzwasser und Rost,“ sagt der Ex-Rennfahrer und Mechaniker Marty Tripes, der MI3845 originalgetreu restauriert hat und zur Versteigerung eingeladen ist. Wenn Quail in den Siebziger statt gefunden hätte – Steve McQueen wäre sicher gekommen. Er war auch in Sachen Motorrad ein Zwangscharakter, ein manischer Sammler. Nach McQueens Tod im November 1980 war der Bestand an Motorrädern in seinen Garagen auf über zweihundert Stück angewachsen. Neben MI3845 waren noch weitere Huskys darunter. Steve McQueens Husky 400 bei Bonhams at Quil: http://www.bonhams.com/usa/auction/19391/lot/101/04 Mai 2011
KTM Duke 125: Hardware für die Generation Facebook
Der österreichische Hersteller KTM macht sich um den Nachwuchs verdient: Mit der Duke 125 hat er ein Leichtkraftrad in Umlauf gebracht, das den Vergleich mit großen Naked Bikes nicht scheuen muss. Auch der Preis für den Novizen-Renner stimmt.
Mehr Bilder unter http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-67522.html
KTM hätte den einfachen Weg gehen können, um den jüngsten Sproß in der Duke-Familie auf die Straße zu bringen. Einen Motor aus Fernost kaufen, ein vorhandenen Rahmen aus der heimischen Sportler-Schmiede zurecht schneidern, möglichst kostengünstige Standardteile plus orange Verkleidung anbauen, und das Markenlogo fürs Zielgruppen-Marketing aufkleben. Aber die Entwickler im Mattighofener Werk waren ehrgeizig. Und Billigware? Das wollte sich KTM nicht leisten, das sieht man auf den ersten Blick. Das Einsteigermodell steht so kompakt und bullig da wie die großen Dukes, und posaunt den Marken-Slogan laut raus: „Ich bin KTM. Ich bin ready to race!“ Entsprechend hochwertig sind die Komponenten: ein edler Gitterrohrrahmen, eine Upside-Down-Gabel mit 43 Millimetern Tauchrohrdurchmesser wie beim hauseigenen Superbike RC 8, ein Federbein vom Spezialisten WP Suspension, ein 150er Hinterradreifen in filigraner Gussschwinge. Alles perfekt abgestimmt. Dass KTM es vermeiden wollte, seinen guten Ruf mit einem Discounter-Bike zu beschädigt hätte, belegt auch der Motor der 125er. Ein seit 2008 geplantes und entwickeltes Triebwerk, ein wassergekühlter Einzylinder-Viertaktaggregat, das sich für die Leichtkraftrad-Klasse mit 15 PS begnügt, aber in der Technik den großen KTM-Maschinen in nichts nachsteht. Zwei oben liegende Nockenwellen betätigen die vier Ventile über Schlepphebel, fünfstellige Drehzahlen damit sind locker drin; die Einzylinder-typischen Vibrationen minimiert eine Ausgleichswelle. Im Betrieb bläst das kleine Kraftwerk in einen Kastenauspuff, der nicht übermäßig laut, aber kräftig wie eine offene Renntüte blubbert – in der Tat ist die Kombination für mehr Schmackes gemacht: In Zukunft soll eine 200 Kubik-Version für den asiatischen Markt und eine weiter aufgebohrte Euro-Variante für die 250er-Klasse folgen; das Fahrwerk verträgt sicher auch 350 Kubik. Auch der Rest der Ausstattung ist der Achtelliter-Klasse schon längst entwachsen. Das Faust-große LCD-Display bietet Informationen, die man selbst bei größeren und weitaus teureren Motorrädern sucht: Tachometer, Drehzahl- und Ganganzeige, eine Tankuhr, kombiniert mit einem vollwertigen Bordcomputer, der Werte wie z.B. die Fahrzeit und den Verbrauch (ca. vier Liter auf Hundert Kilometer) anzeigt. Unterm Strich: Die 125er ist ein erwachsenes Motorrad für Heranwachsende. Grinsen auf der Strecke Zugegeben: Der Umstieg auf die kleine Duke mit ihren nur 15 PS ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Doch wenn die Kleine mit ihrem hervorragenden Fahrwerk erst mal ins Rollen kommt, macht sie richtig Spaß. Kein Stottern bei niedriger Drehzahl oder bei der Gasannahme (logischerweise Vollgas, es gibt nur Vollgas bei 15 PS). Die sechs Gänge lassen sich präzise durchschalten, das Motörchen dreht spritzig bis über 11.000 Umdrehungen. Auf dem abgesperrten Rund-Parcours des ADAC Lüneburg folgt die kleine Duke mit ihren 138 Kg (vollgetankt) leichtfüßig und ohne das geringste Drudeln der Ideallinie: Sauberes Handling wie eine kleine Supermoto. Kurvenverhalten? Überragend, leider gibt es hier so wenige Schikanen. Auch die Bremsen (von der Tochter Bybre der Edelmarke Brembo) sind mehr als ausreichend und lassen beim Auslauf spektakuläre Stoppies zu. ABS gibt es nicht. Auch auf der Landstraße ist man mit dem Leichtkraftrad als Anfänger gut bedient: genügend Reserven zum flüssigen Überholen, eine ergonomisch korrekte Sitzposition; auch die Freundin hat hinten genügend Platz. Happy cruising, Motorradfahren kann so einfach sein. Darum legt KTM die Klein-Duke Fahrschülern mit einem kostengünstigen Leasing-Paket besonders ans Herz. Indische Connection Das Kalkül, das hinter der Duke 125 steht, heißt: Ist der Fahrer erst mal angefixt, bleibt er später bei der Marke. Doch der Grund, warum KTM das Spaßgerät für den Nachwuchs zum Kampfpreis von 3.995,00 Euro anbieten kann, lautet Rajiv Bajaj. Der indische Zweirad-Krösus, der etwas über ein Drittel Anteile an der österreichischen KTM Power Sports AG hält, fertigt Rahmen und Motor und baut die Maschinen in Indien zusammen. Die Qualität hat darunter nicht gelitten – das darf sie auch nicht. Für KTM ist die kleinste Duke weit mehr als ein weiteres Fahrzeug in der Modellpalette – in Mattighofen spricht man angesichts der immensen Investitionen in die neue Klasse, in der man sich etablieren will, von einer „breiten Zukunftsplattform“ und von einem „Jugendprojekt“. Das löbliche Unterfangen für eine schwächelnde Branche, deren Kundschaft im Schnitt inzwischen auf die Altersteilzeit zusteuert, schlägt sich auch in der Vermarktung nieder: bunte Styling-Sets zur Individualisierung der Maschinen, ein kaum den Kinderschuhen entwachsener 125er-Stunt-Fahrer, ein quietsch-buntes Klamotten-Sortiment als Zubehör und eine Facebook-Page, die mittlerweile über 50.000 Fans hat. Unter ihnen hat KTM auch seine „125 Squad“ als Markenbotschafter rekrutieren können – mit dem richtigen Tonfall für die junge Generation Facebook: „Hey, wir denken, die Welt braucht Motorräder, die verdammt gut aussehen, genauso gut fahren und mit günstigen Preisen in Anschaffung und Unterhalt erfreuen. ARE YOU READY?“ Mit der Duke 125: „YES.“
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