Manchmal fallen die Dinge einfach wie magisch zusammen - oder mit Ex-Kanzler Willy Brandt zu sprechen: "Da wächst zusammen, was zusammen gehört...".
Man nehme z.B. den Song "New Slang" einer extrem relaxten Pop-Band aus Albuquerque, New Mexico namens "The Shins"und lege ihn unter die Video-Aufnahmen eines Veteranentreffens - in diesem Fall das Post Classic Race Meeting im australischen Eastern Creek vom Oktober 2007.
Herausgekommen ist eines der besten Rennvideos, das ich in der letzten Zeit gesehen habe.
Post Classic Race Meet - Eastern Creek Oct 2007 from Deus Cycles on Vimeo
Zum DEUS-Rennteam: DEUS ist eine Schrauber-Garage mit angeschlossenem Mode-Label aus New South Wales, an der der Gründer des Australien-Weiten Kult-Labels MAMBO beteiligt ist. Siehe www.deus.com.au
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19 Mai 2011
07 November 2008
Canning Stock Route Australien: Sprit bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E
Schuld waren die Zecken. Als die Rinderbarone des Kimberleys im äußersten Nordwesten Australiens um 1870 Zebu-Rinder aus Afrika importierten, brach eine Biblische Seuche über die Herden herein. Die mit den Zebus eingeschleppten Zecken vermehrten sich massenhaft; die Wasserstellen färbten sich feuerrot durch den Urin der kranken Tiere, die nach Abkühlung und Linderung ihres hohen Fiebers suchten.
Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.
Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".
Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.
1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.
Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.
Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.
Bilderstrecke von der Canning Stock Tour
Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.
Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.
Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.
Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.
Video von der Canning Stock Tour:
Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de
Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.
Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".
Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.
1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.
Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.
Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.
Bilderstrecke von der Canning Stock Tour
Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.
Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.
Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.
Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.
Video von der Canning Stock Tour:
Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de
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15 Februar 2008
Perth & Fremantle: Australiens ungleiche Schwestern
Während das geschäftige Perth den Ruf der steifen Metropole loswerden will, lockt das quirlige Fremantle mit Laissez-Fair und Nightlife.

In Perth gehen die Uhren anders. Die Millionen-Metropole von Western Australia ist bar jeder geografischen Logik an der Zeitzone des weit westlicher liegenden Singapur andockt. Den Sinn erschließt erst ein Spaziergang durch den zentralen Business-Distrikt – in Perth denken die Locals derzeit nur an Geschäfte. An der Hay Street schießen die neuen Wolkenkratzer von internationalen Banken und asiatischen Konzernen in den Himmel. Der Laden Perth brummt.
Die Folge: Die Nadelstreifen- und Krawattenträger-Dichte ist die höchste in Western Australia. Das verbreitet Downtown in den Fußgängerzonen und Coffee Shops eine gewisse Hektik. Gut, dass es den pieksauberen Kings Park, die relaxten Stadtquartiere wie Northbridge und Subiaco sowie die sportlichen Strandvororte am Indischen Ozean gibt.
Dort liegt auch Fremantle, das - wenn man Einheimische aus „Freo“ befragt - weitaus bessere Perth. Seit 1983 die Yacht Australia II in den Gewässern vor Fremantle den America’s Cup gewann, boomt das Städtchen an der Mündung des Swan Rivers. Außer dem imposanten Maritime Museum gibt es einiges zu sehen und erleben: Die alteingesessen Hippies gehen mit der Zeit und haben schicke Designer-Läden eröffnet.
Die University of Notre Dame sorgt für junges lustiges Volk und interessantes Programm. Und die Brauereien, Restaurants und Pubs rund um den Hafen und auf dem „Cappuccino-Strip“ an der South Terrace sind längst auf dem Trend-Radar der internationalen Party- und Club-Szene.

Was tun vor Ort? Wir haben fünf Tipps.
Natur und Staat en Miniature
Seit 1901 wurden 400 Hektar im Herzen von Perth zu einer wunderbaren Parklandschaft und einem Spiegelbild von Western Australia, seiner Bewohner und ihrer wechselhaften Geschichte kultiviert.
Die Gärtner haben ein Refugium für 2500 Baum-, Blumen- und Pflanzenarten geschaffen. Die ranken rund um das moderne Design- und Kulturzentrum und die Memorials für die australische Expeditions-Korps vom Ersten Weltkrieg bis aktuell in den Irak; die Palmen an den Alleen wurden von den Müttern der toten Soldaten gestiftet. Der grandiose Federation Walkway aus Glas und Stahl schwebt durch die Baumwipfel und gibt den Blick auf Innenstadt und Swan River frei.
Kings Park, Fraser Avenue, Perth
Tel: +61 8 9480 3600
www.bgpa.wa.gov.au/kingspark
Wo das Herz schlägt
Nach Büroschluß ist das Zentrum von Perth – mit Regierungsviertel, Shopping-Malls und Financial Centre - ziemlich ausgestorben. Der Puls der Stadt schlägt weiter in den Stadtteilen Subiaco und vor allem im begehrten Wohnquartier Northbridge rund um die Francis Street.
Trödler, Straßenkünstler und Musikanten vor und in Designer-Boutiquen, hippen Restaurants, coolen Bars und Nachtclubs – wenn etwas trendy ist in Perth, liegt es meist nördlich der Innenstadt in dem Viertel mit dem leicht verruchten Ruf. Was in den angesagten Läden läuft, listet das wöchentlich erscheinende Xpress-Magazin auf.
www.xpressmag.com.au
Neues Wahrzeichen am historischen Landepunkt
Näher können Tradition und Gegenwart nicht zusammen rücken. Nur wenige Fußminuten vom ältesten Gebäude West Australiens, dem „Round House“, ragen an der Mündung des Swan Rivers die strahlend weißen Stehlen des Western Australian Maritime Museums in den Himmel.

Das Gebäude macht architektonisch der Sydney Oper locker Konkurrenz und auch seine Exponate haben viel zu bieten. Hier erfährt man alles über die maritime Vergangenheit des Fünften Kontinent, die alten Kontakt zu Asien, die Geschichte der modernen Handels- und Containerschiffahrt und die verrückte Liebe der Australier zur See.
The Maritime Museum, Victoria Quay, Fremantle
Tel: +61 8 9431 8334
www.museum.wa.gov.au/maritime
Designer-Bier aus der Blechgarage
Auf so eine Idee muss man erst mal kommen: Auf ein Grundstück am Hafenrand eine Billig-Blechhalle hochziehen, eine komplett transparente Brauerei und einen riesigen Pizza-Ofen installieren, und das Ensemble als Designer-Ambiente mit dem verwirrendem Namen „Little Creatures“ vermarkten.
Die Szene von Perth und Fremantle hat es begeistert angenommen; der Laden mit ellenlanger Bar und wechselnden Fotoausstellungen ist jeden Tag brechend voll und kann neben Italo-Küche und preisgekrönten Bieren eine großartige Stimmung bieten.
Little Creatures
40 Mews Rd, Fremantle, Tel. +61 8 9430 5155
www.littlecreatures.com.au
Früher Gefängnis, heute Wochenendparadies
Als die holländischen Entdecker 1696 auf dem Eiland 12 Seemeilen von Fremantle landeten, verwechselten sie die kleinen Quokkas – nachtaktive Beuteltiere – mit Ratten; daher der Name „Rattennest“. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden verurteilte Aborigines nach Rottnest Island deportiert.
Heute ist die Insel mit den langen Sandstränden ein autofreies Paradies für Surfer, Segler und Taucher. Am Wochenende und in den Schulferien sollte man den Besuch tunlichst meiden; unter der Woche dagegen sind die Bungalows und Pensionen selten ausgebucht.
Tägliche Fährverbindung nach Rottnest Island, Returnticket ab 53 A$: Rottnest Express, C' Shed, Victoria Quay, Fremantle
www.rottnestexpress.com.au
Wo kann man bleiben?
Hotel Northbridge
Grand Hotel von 1912 im Herz von Northbridge, etwas verblichen, aber mit viel Charme. DZ ab 149 A$.
210 Lake Street, Northbridge, Perth, Tel: +61 8 9328 5254
www.hotelnorthbridge.com.au
Norfolk Hotel
Absolut zentral gelegen auf der Party-Meile von Fremantle, mit beliebtem Biergarten, funktionale DZ ab 82 A$.
47 South Terrace, Fremantle, Tel: +61 8 9335 5405 www.norfolkhotel.com.au
Esplanade Hotel Fremantle
Vier-Sterne-Komfort, 2006 renoviert, 300 Zimmern, aber überraschend familär. Zentral und ruhig. DZ ab 235 A$.
44-54 Marine Terrace, Fremantle, Tel: +61 8 9432 4000
www.esplanadehotelfremantle.com.au
Wo gibts was auf den Teller?
The Cappucino-Strip
Die heiße Meile von Fremantle, besteht aus Market Street und South Terrace mit Cafes, Snackbars, Restaurants und Nachtclubs. Hier tobt das Leben.
Sail & Anchor Pub Brewery
Eine Aussie-Institution. Sports-Pub, feines Restaurant, eigene Biersorten.
64 South Terrace, Fremantle
Tel. +61 8 9335 8433
www.sailandanchor.com.au
Thai Elephant
Wenn Asiaten in Perth Essen gehen, dann in den thailändischen Gourmet-Tempel.
3/323 William Street, Northbridge, Perth, Tel. +61 8 9227 5738
Wo kann ich mein Geld loswerden?
Fremantle Markets
Souvenirs, Krimskrams und erlesene Antiquitäten in historischen Markhallen.
Henderson Street Ecke South Terrace, Fremantle, geöffnet Fr. (9-21 Uhr), Sa. (9-17 Uhr) und So. (10-17 Uhr)
www.fremantlemarkets.com.au
Weiter Infos zur Güte:
Western Australian Visitor Centre
Albert Facey House, Wellington Street, Perth, Tel: +61 8 9483 1111 www.experienceperth.com
Fremantle Visitor Centre
Kings Square, High Street, Fremantle, Tel: +61 8 9431 7878 www.fremantlewesternaustralia.com
(c) Jochen Vorfelder

In Perth gehen die Uhren anders. Die Millionen-Metropole von Western Australia ist bar jeder geografischen Logik an der Zeitzone des weit westlicher liegenden Singapur andockt. Den Sinn erschließt erst ein Spaziergang durch den zentralen Business-Distrikt – in Perth denken die Locals derzeit nur an Geschäfte. An der Hay Street schießen die neuen Wolkenkratzer von internationalen Banken und asiatischen Konzernen in den Himmel. Der Laden Perth brummt.
Die Folge: Die Nadelstreifen- und Krawattenträger-Dichte ist die höchste in Western Australia. Das verbreitet Downtown in den Fußgängerzonen und Coffee Shops eine gewisse Hektik. Gut, dass es den pieksauberen Kings Park, die relaxten Stadtquartiere wie Northbridge und Subiaco sowie die sportlichen Strandvororte am Indischen Ozean gibt.
Dort liegt auch Fremantle, das - wenn man Einheimische aus „Freo“ befragt - weitaus bessere Perth. Seit 1983 die Yacht Australia II in den Gewässern vor Fremantle den America’s Cup gewann, boomt das Städtchen an der Mündung des Swan Rivers. Außer dem imposanten Maritime Museum gibt es einiges zu sehen und erleben: Die alteingesessen Hippies gehen mit der Zeit und haben schicke Designer-Läden eröffnet.
Die University of Notre Dame sorgt für junges lustiges Volk und interessantes Programm. Und die Brauereien, Restaurants und Pubs rund um den Hafen und auf dem „Cappuccino-Strip“ an der South Terrace sind längst auf dem Trend-Radar der internationalen Party- und Club-Szene.

Was tun vor Ort? Wir haben fünf Tipps.
Natur und Staat en Miniature
Seit 1901 wurden 400 Hektar im Herzen von Perth zu einer wunderbaren Parklandschaft und einem Spiegelbild von Western Australia, seiner Bewohner und ihrer wechselhaften Geschichte kultiviert.
Die Gärtner haben ein Refugium für 2500 Baum-, Blumen- und Pflanzenarten geschaffen. Die ranken rund um das moderne Design- und Kulturzentrum und die Memorials für die australische Expeditions-Korps vom Ersten Weltkrieg bis aktuell in den Irak; die Palmen an den Alleen wurden von den Müttern der toten Soldaten gestiftet. Der grandiose Federation Walkway aus Glas und Stahl schwebt durch die Baumwipfel und gibt den Blick auf Innenstadt und Swan River frei.
Kings Park, Fraser Avenue, Perth
Tel: +61 8 9480 3600
www.bgpa.wa.gov.au/kingspark
Wo das Herz schlägt
Nach Büroschluß ist das Zentrum von Perth – mit Regierungsviertel, Shopping-Malls und Financial Centre - ziemlich ausgestorben. Der Puls der Stadt schlägt weiter in den Stadtteilen Subiaco und vor allem im begehrten Wohnquartier Northbridge rund um die Francis Street.
Trödler, Straßenkünstler und Musikanten vor und in Designer-Boutiquen, hippen Restaurants, coolen Bars und Nachtclubs – wenn etwas trendy ist in Perth, liegt es meist nördlich der Innenstadt in dem Viertel mit dem leicht verruchten Ruf. Was in den angesagten Läden läuft, listet das wöchentlich erscheinende Xpress-Magazin auf.
www.xpressmag.com.au
Neues Wahrzeichen am historischen Landepunkt
Näher können Tradition und Gegenwart nicht zusammen rücken. Nur wenige Fußminuten vom ältesten Gebäude West Australiens, dem „Round House“, ragen an der Mündung des Swan Rivers die strahlend weißen Stehlen des Western Australian Maritime Museums in den Himmel.

Das Gebäude macht architektonisch der Sydney Oper locker Konkurrenz und auch seine Exponate haben viel zu bieten. Hier erfährt man alles über die maritime Vergangenheit des Fünften Kontinent, die alten Kontakt zu Asien, die Geschichte der modernen Handels- und Containerschiffahrt und die verrückte Liebe der Australier zur See.
The Maritime Museum, Victoria Quay, Fremantle
Tel: +61 8 9431 8334
www.museum.wa.gov.au/maritime
Designer-Bier aus der Blechgarage
Auf so eine Idee muss man erst mal kommen: Auf ein Grundstück am Hafenrand eine Billig-Blechhalle hochziehen, eine komplett transparente Brauerei und einen riesigen Pizza-Ofen installieren, und das Ensemble als Designer-Ambiente mit dem verwirrendem Namen „Little Creatures“ vermarkten.
Die Szene von Perth und Fremantle hat es begeistert angenommen; der Laden mit ellenlanger Bar und wechselnden Fotoausstellungen ist jeden Tag brechend voll und kann neben Italo-Küche und preisgekrönten Bieren eine großartige Stimmung bieten.
Little Creatures
40 Mews Rd, Fremantle, Tel. +61 8 9430 5155
www.littlecreatures.com.au
Früher Gefängnis, heute Wochenendparadies
Als die holländischen Entdecker 1696 auf dem Eiland 12 Seemeilen von Fremantle landeten, verwechselten sie die kleinen Quokkas – nachtaktive Beuteltiere – mit Ratten; daher der Name „Rattennest“. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden verurteilte Aborigines nach Rottnest Island deportiert.
Heute ist die Insel mit den langen Sandstränden ein autofreies Paradies für Surfer, Segler und Taucher. Am Wochenende und in den Schulferien sollte man den Besuch tunlichst meiden; unter der Woche dagegen sind die Bungalows und Pensionen selten ausgebucht.
Tägliche Fährverbindung nach Rottnest Island, Returnticket ab 53 A$: Rottnest Express, C' Shed, Victoria Quay, Fremantle
www.rottnestexpress.com.au
Wo kann man bleiben?
Hotel Northbridge
Grand Hotel von 1912 im Herz von Northbridge, etwas verblichen, aber mit viel Charme. DZ ab 149 A$.
210 Lake Street, Northbridge, Perth, Tel: +61 8 9328 5254
www.hotelnorthbridge.com.au
Norfolk Hotel
Absolut zentral gelegen auf der Party-Meile von Fremantle, mit beliebtem Biergarten, funktionale DZ ab 82 A$.
47 South Terrace, Fremantle, Tel: +61 8 9335 5405 www.norfolkhotel.com.au
Esplanade Hotel Fremantle
Vier-Sterne-Komfort, 2006 renoviert, 300 Zimmern, aber überraschend familär. Zentral und ruhig. DZ ab 235 A$.
44-54 Marine Terrace, Fremantle, Tel: +61 8 9432 4000
www.esplanadehotelfremantle.com.au
Wo gibts was auf den Teller?
The Cappucino-Strip
Die heiße Meile von Fremantle, besteht aus Market Street und South Terrace mit Cafes, Snackbars, Restaurants und Nachtclubs. Hier tobt das Leben.
Sail & Anchor Pub Brewery
Eine Aussie-Institution. Sports-Pub, feines Restaurant, eigene Biersorten.
64 South Terrace, Fremantle
Tel. +61 8 9335 8433
www.sailandanchor.com.au
Thai Elephant
Wenn Asiaten in Perth Essen gehen, dann in den thailändischen Gourmet-Tempel.
3/323 William Street, Northbridge, Perth, Tel. +61 8 9227 5738
Wo kann ich mein Geld loswerden?
Fremantle Markets
Souvenirs, Krimskrams und erlesene Antiquitäten in historischen Markhallen.
Henderson Street Ecke South Terrace, Fremantle, geöffnet Fr. (9-21 Uhr), Sa. (9-17 Uhr) und So. (10-17 Uhr)
www.fremantlemarkets.com.au
Weiter Infos zur Güte:
Western Australian Visitor Centre
Albert Facey House, Wellington Street, Perth, Tel: +61 8 9483 1111 www.experienceperth.com
Fremantle Visitor Centre
Kings Square, High Street, Fremantle, Tel: +61 8 9431 7878 www.fremantlewesternaustralia.com
(c) Jochen Vorfelder
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22 November 2007
Elektroroller: Das muss mal gesagt werden...
Irgendwie scheinen die Themen Elektroroller und alternative Zweiradantriebe im Allgemeinen die Gemüter zu erregen.
Hatte gerade einen Kommentar zu der heute veröffentlichten Geschichte "Elektroroller: Absolution aus der Steckdose", den ich in seiner epischen Breite nicht veröffentlichen möchte - jedenfalls kulminierte er im Vorwurf, dass so eine Verherrlichung von "beschissenen, lautlosen E-Schleichern" nur jemandem einfallen könne, der ein "ahnungsloser journalistischer Sesselfurzer" sei, der vom "echten Motorradfahren" keine Ahnung habe.
Naja, was ist echtes Motorradfahren? Samstags mittag das Superbike putzen, kurz ausführen, und Sonntags sich dann MotoGP reinziehen? Ich weiss auch nicht.
Den Vorwurf des Sesselfurzers will ich jedenfalls nicht auf mir sitzen lassen. Hier ein kleiner Video von meiner letzten längeren Ausfahrt...
Der Platzwart
Hatte gerade einen Kommentar zu der heute veröffentlichten Geschichte "Elektroroller: Absolution aus der Steckdose", den ich in seiner epischen Breite nicht veröffentlichen möchte - jedenfalls kulminierte er im Vorwurf, dass so eine Verherrlichung von "beschissenen, lautlosen E-Schleichern" nur jemandem einfallen könne, der ein "ahnungsloser journalistischer Sesselfurzer" sei, der vom "echten Motorradfahren" keine Ahnung habe.
Naja, was ist echtes Motorradfahren? Samstags mittag das Superbike putzen, kurz ausführen, und Sonntags sich dann MotoGP reinziehen? Ich weiss auch nicht.
Den Vorwurf des Sesselfurzers will ich jedenfalls nicht auf mir sitzen lassen. Hier ein kleiner Video von meiner letzten längeren Ausfahrt...
Der Platzwart
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21 November 2007
Australien: Bei Krokodilen und Co. im Kakadu National Park
Angenehm ist es, morgens gegen fünf Uhr im Zelt. Ein laues Lüftchen und der sternklare Himmel über dem Cooinda Camp hat die Tropennacht auf zweiundzwanzig Grad runtergekühlt. Die Moskitos sind erschlagen; jetzt wäre an ruhigen Schlaf zu denken.
Doch jetzt singt ein liebestoller Dingo zwischen den Camper-Vans und irgendwo im Busch marodiert eine Herde Brumbies. So heißen die australischen Wildpferde. Die Kakadus, notorische Frühaufsteher, beschimpfen sich in der Dämmerung lautstark im Flug. Jetzt klingelt auch noch mein Wecker. Soll das Urlaub oder gar das vielbesungene Weltkulturerbe sein?
„Die besten Eindrücke kriegt man auf der ersten Fahrt am frühen Morgen, also Aufstehen!“ hatte Margret Basset befohlen, die seit vier Jahren Bootstouren vom Yellow Water Billabong in den Jim Jim Creek führt. Margret, Mitte Vierzig, hat eine Karriere gemacht, die für viele Weiße im Northern Territory typisch ist: Vorgestern noch Sachbearbeiterin bei einer Versicherung in Sydney, gestern als Aussteigerin im VW-Bus nach Norden unterwegs und irgendwie hängen geblieben. Heute manövriert sie ihr Alu-Boot mit zwei Dutzend Touristen an Bord so souverän durch die Wasserlilien, als hätte sie ihr Lebtag nichts anderes getan.
Als sich auf dem stillen Wasser die ersten Sonnenstrahlen spiegeln, wird klar, warum der Kakadu National Park ein Refugium für Naturfreunde ist. Der Seeadler, der staksige Reiher und der Ibis, der majestätische Jabiru und der nervöse Jacana mit dem roten Helm, alle spreizen sie die Federn; misstrauisch beäugt von den Waranen und den hungrigen Krokodilen, die an der Böschung und auf den Schilfinseln nach Wärme und einem beiläufigen Frühstück gieren.
„Wir haben eigentlich für alle was im Park; für Ornithologen, Angler, für Wanderer und für Kulturbeflissene. Zumindest in der Trockenzeit“, erklärt Marget am Abend an der offenen Bar der Lodge. In der Trockenzeit? „Ja, zwischen Dezember und April sind viele der Stellen, die man unbedingt gesehen haben sollte, nicht zu erreichen. Außerdem sind die Fußwege komplett verschlammt. Vor sechs Wochen stand das Wasser hier auf dem Campingplatz noch knietief. Ich war eine der wenigen, die nicht evakuiert wurden.“ Der Rest geht in tosendem Beifall unter. Wir sitzen unter den Bildschirmen, auf denen eine Rugby-Live-Übertragung läuft.
Zum Glück ist Margret eine der raren Aussies, die von eiförmigen Lederbällen nicht sekundenschnell hypnotisiert werden. Eisern trotz sie den lärmenden Fans und arbeitet auf die Schnelle einen Plan für die nächsten Tage aus: Zunächst am Vormittag Ubirr mit seinen Felsengalerien und den ältesten Felsmalereien im Park, dann nach einer Wanderung am East Alligator River zurück über den Ort Jabiru. Am späten Nachmittag noch Nourlangie Rock mit dem herrlichen Ausblick und dem Sonnenuntergang über dem Arnhem Land-Plateau.
Was sie als krönenden Kakadu-Abschluß von den Jim Jim und den Twin Falls hält, will ich noch wissen. Margret winkt ab: „Sind den langen Weg nicht wert; fast sechzig Kilometer Schlammpiste.“ Und fügt geschäftstüchtig an: “Komm doch lieber noch mal mit raus auf den Billabong, kein Morgen ist wie der andere.“ Da hat sie natürlich Recht. Und außerdem: Ausschlafen kann man auch zu Hause.
HINKOMMEN:
Ab Darwin ca. 200 km über den Arnhem Highway, im eigenen Fahrzeug oder mit Guide im 4x4-Bus. Geführte Touren dauert zwischen zwei und fünf Tagen mit Übernachtung in Lodges oder Zelten; die Anbieter wie z.B. www.kakadudreams.com.au oder www.kakadutours.com.au sind allesamt kurzfristig buchbar in Darwin. Beste Reisezeit ist Anfang der Trockenzeit im Mai und Juni.
ANKOMMEN:
Zur Orientierung zunächst das Bowali Vistor Centre (www.deh.gov.au/parks/kakadu) anlaufen (täglich 09.00 bis 17.00 Uhr). Stellplätze für Camper - von einfachen Bush-Camp bis hin zur Sterne-Lodge - gibt es je nach Jahreszeit an 17 Stellen. Sehr zentral liegt die Gagudju Lodge Cooinda mit angeschlossener Campsite, Swimmingpool und Restaurant/Bar. (www.gagudju-dreaming.com) Gagudju bietet Boots-Touren zum Yellow Water Billabong am Jim Jim Creek an (ab 45 AUSD pro Person).
RUMKOMMEN:
Mit 20.000 Quadratkilometern ist das Weltkulturerbe Kakadu etwa so groß wie Rheinland-Pfalz. Von Süd nach Nord an die Küste des Van Diemen-Golfs wechseln sich steinige Hügellandschaften, Savannen mit Buschland und Eukalyptus-Bewuchs, feuchte Monsunwälder mit Schwemmgebieten und ausgedehnte Mangrovenwälder ab.
Am besten zu erschließen sind die großartigen Landschaften mit Bootsfahrten auf dem Jim Jim Creek, dem West Alligator und dem East Alligator River. Die schönsten Felsmalereien und die höchsten Aussichtpunkte findet man bei Gunlom Waterfall Creek, am Nourlangie Rock und bei Ubirr an der Grenze zum Arnhem Land.
(c) Jochen Vorfelder
Doch jetzt singt ein liebestoller Dingo zwischen den Camper-Vans und irgendwo im Busch marodiert eine Herde Brumbies. So heißen die australischen Wildpferde. Die Kakadus, notorische Frühaufsteher, beschimpfen sich in der Dämmerung lautstark im Flug. Jetzt klingelt auch noch mein Wecker. Soll das Urlaub oder gar das vielbesungene Weltkulturerbe sein?
„Die besten Eindrücke kriegt man auf der ersten Fahrt am frühen Morgen, also Aufstehen!“ hatte Margret Basset befohlen, die seit vier Jahren Bootstouren vom Yellow Water Billabong in den Jim Jim Creek führt. Margret, Mitte Vierzig, hat eine Karriere gemacht, die für viele Weiße im Northern Territory typisch ist: Vorgestern noch Sachbearbeiterin bei einer Versicherung in Sydney, gestern als Aussteigerin im VW-Bus nach Norden unterwegs und irgendwie hängen geblieben. Heute manövriert sie ihr Alu-Boot mit zwei Dutzend Touristen an Bord so souverän durch die Wasserlilien, als hätte sie ihr Lebtag nichts anderes getan.
Als sich auf dem stillen Wasser die ersten Sonnenstrahlen spiegeln, wird klar, warum der Kakadu National Park ein Refugium für Naturfreunde ist. Der Seeadler, der staksige Reiher und der Ibis, der majestätische Jabiru und der nervöse Jacana mit dem roten Helm, alle spreizen sie die Federn; misstrauisch beäugt von den Waranen und den hungrigen Krokodilen, die an der Böschung und auf den Schilfinseln nach Wärme und einem beiläufigen Frühstück gieren.„Wir haben eigentlich für alle was im Park; für Ornithologen, Angler, für Wanderer und für Kulturbeflissene. Zumindest in der Trockenzeit“, erklärt Marget am Abend an der offenen Bar der Lodge. In der Trockenzeit? „Ja, zwischen Dezember und April sind viele der Stellen, die man unbedingt gesehen haben sollte, nicht zu erreichen. Außerdem sind die Fußwege komplett verschlammt. Vor sechs Wochen stand das Wasser hier auf dem Campingplatz noch knietief. Ich war eine der wenigen, die nicht evakuiert wurden.“ Der Rest geht in tosendem Beifall unter. Wir sitzen unter den Bildschirmen, auf denen eine Rugby-Live-Übertragung läuft.
Zum Glück ist Margret eine der raren Aussies, die von eiförmigen Lederbällen nicht sekundenschnell hypnotisiert werden. Eisern trotz sie den lärmenden Fans und arbeitet auf die Schnelle einen Plan für die nächsten Tage aus: Zunächst am Vormittag Ubirr mit seinen Felsengalerien und den ältesten Felsmalereien im Park, dann nach einer Wanderung am East Alligator River zurück über den Ort Jabiru. Am späten Nachmittag noch Nourlangie Rock mit dem herrlichen Ausblick und dem Sonnenuntergang über dem Arnhem Land-Plateau.
Was sie als krönenden Kakadu-Abschluß von den Jim Jim und den Twin Falls hält, will ich noch wissen. Margret winkt ab: „Sind den langen Weg nicht wert; fast sechzig Kilometer Schlammpiste.“ Und fügt geschäftstüchtig an: “Komm doch lieber noch mal mit raus auf den Billabong, kein Morgen ist wie der andere.“ Da hat sie natürlich Recht. Und außerdem: Ausschlafen kann man auch zu Hause.
HINKOMMEN:
Ab Darwin ca. 200 km über den Arnhem Highway, im eigenen Fahrzeug oder mit Guide im 4x4-Bus. Geführte Touren dauert zwischen zwei und fünf Tagen mit Übernachtung in Lodges oder Zelten; die Anbieter wie z.B. www.kakadudreams.com.au oder www.kakadutours.com.au sind allesamt kurzfristig buchbar in Darwin. Beste Reisezeit ist Anfang der Trockenzeit im Mai und Juni.
ANKOMMEN:
Zur Orientierung zunächst das Bowali Vistor Centre (www.deh.gov.au/parks/kakadu) anlaufen (täglich 09.00 bis 17.00 Uhr). Stellplätze für Camper - von einfachen Bush-Camp bis hin zur Sterne-Lodge - gibt es je nach Jahreszeit an 17 Stellen. Sehr zentral liegt die Gagudju Lodge Cooinda mit angeschlossener Campsite, Swimmingpool und Restaurant/Bar. (www.gagudju-dreaming.com) Gagudju bietet Boots-Touren zum Yellow Water Billabong am Jim Jim Creek an (ab 45 AUSD pro Person).
RUMKOMMEN:Mit 20.000 Quadratkilometern ist das Weltkulturerbe Kakadu etwa so groß wie Rheinland-Pfalz. Von Süd nach Nord an die Küste des Van Diemen-Golfs wechseln sich steinige Hügellandschaften, Savannen mit Buschland und Eukalyptus-Bewuchs, feuchte Monsunwälder mit Schwemmgebieten und ausgedehnte Mangrovenwälder ab.
Am besten zu erschließen sind die großartigen Landschaften mit Bootsfahrten auf dem Jim Jim Creek, dem West Alligator und dem East Alligator River. Die schönsten Felsmalereien und die höchsten Aussichtpunkte findet man bei Gunlom Waterfall Creek, am Nourlangie Rock und bei Ubirr an der Grenze zum Arnhem Land.
(c) Jochen Vorfelder
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29 Oktober 2007
Kimberley-Video: Am Ende aller Wege
Nachdem ihr es nun in den letzten Postings in aller Ausführlichkeit lesen durftet und die Details des Kimberley-Trips bei Google Maps nachschlagen könnt, will ich euch auch den Video nicht vorenthalten.
Hauptdarsteller: Andreas Rust aus Deutschland, Wally Ross aus Australien und meine Wenigkeit auf XT 600, Hardy Meyer aus Australien vom Veranstalter Biketours Australia im Landcruiser.
Der Videowart
Hauptdarsteller: Andreas Rust aus Deutschland, Wally Ross aus Australien und meine Wenigkeit auf XT 600, Hardy Meyer aus Australien vom Veranstalter Biketours Australia im Landcruiser.
Der Videowart
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26 Oktober 2007
Kimberley 4: Neunhundert Millimeter Wasser
Der Weg zu den dreistufigen Kaskaden führt zwingend durch eine tückische Furt am King Edward River. Wally war sichtlich beeindruckt: „In der Mitte liegen große Felsen unter Wasser, ich bin mir wirklich nicht sicher, ob wir das hinkriegen.“ Verständlich; mit seinen Einssechzig standen ihm die Fluten bis zur Hüfte.
Auch Hardy, der nicht zum ersten Mal an einer kritischen Flussdurchfahrt stand, war sich nicht sicher: „Über neunhundert Millimeter Wasser ist schon ziemlich viel Holz für die Enduros. Wenn eine kippt, läuft uns die Brühe in die Luftfilter und den Motor. Dann ist Ende, Schluss mit lustig.“
Wir schlugen unsere Zelte gemütlich weiter unten am Fluss auf und beratschlagen am Lagerfeuer die Lage. Hardy holte noch ein Bier aus der Eisbox, stocherte in der Glut und fasste lapidar zusammen: „Eine Fahrt durch das Kimberley verläuft selten nach Plan. Aber Spaß hat man allemal.“
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
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25 Oktober 2007
Kimberley 3: Vegemite für die XT-Ketten
Schotter und Staub. Unter diesen Verhältnissen ist keine elaborierte Verkehrsführung zu erwarten: Die Gibb River Road ist zwar die Lebensader der Region und kommt auf der Straßenkarte als fette Linie daher. In Wahrheit ist sie eine rund 700 Kilometer lange und kurvige, bucklige und staubige, extrem hinterhältige Lehm- und Waschbrettpiste. Auf ihr wechseln sich tückische Sprunghügel mit überraschenden Flussdurchfahrten und tiefe Spurrillen mit üblen Schlammlöchern ab.
Mit knappen Worten: Die Strecke ist eine der schönsten Urlaubsrouten, die man in Australien finden kann.
Auf halber Strecke zwischen Kununurra und Derby liegt an der Gibb River Road das Mount Barnett Roadhouse. Mit „Free Coffee for Drivers“ hatte die Tankstelle, die zu einer kleinen Aborigines-Gemeinde gehört, gelockt. Hinter dem Tresen steht Mary Swenson, Mitte Fünfzig, energisch, mit sonnengegerbtem Gesicht und fast türkisen Augen. Mary ist eine strenge Mamsell, bis sie ins Erzählen kommt. Wie die meisten „Einheimischen“ ist auch sie nur Teilzeitkraft. Die weitaus meisten Stationen im Kimberley sind in der Regenzeit dicht. Die Angestellten wie Mary verbringen die Zwangsferien dann im Süden oder Queensland. Mary sagt, dass ihr der Wechsel gerade recht kommt: „Nach zwölf Monaten im Kimberley wäre ich total verbuscht.“
Der kleine Laden führt neben Sprit alles, was man so braucht: Zeitungen, nur drei Tage alt. Säcke voller Eis, Bier in Dosen, eine kleine Auswahl an frischem Gemüse, tief gefrorene Känguruh-Steaks und natürlich Vegemite, die Kraft-Paste mit Suppenwürfelgeschmack, für Wally. Hardy hat zu dem für echte Australier unerlässlichen Frühstücks-additiv seine eigene Meinung: „Wenn Wally es nicht alle macht, nehmen wir's zum Schmieren der XT-Ketten.“
Im Mount Barnett Roadhouse werden auch die Tickets für den Zeltplatz am Manning River verkauft, zu dem wir über einen sieben Kilometer langen, ausgewaschenen Knüppelpfad gelangen. Das Lager ist wieder schnell aufgeschlagen; Hardy kocht wie üblich wie ein junger Küchengott. Der Abend am Feuer und die Nacht vergehen lau und sternenklar. Das Kreuz des Südens und die Milchstraße sind so gleißend und eindrucksvoll, als seien sie direkt auf die Netzhaut gelasert.
Dann ist Morgen und auch der ist perfekt: Wally und ich sitzen in Badehosen auf einem Fels an der Manning Gorge, die man über einen Fußpfad durch den Busch erreicht. Die Mühe und der einstündige Anmarsch haben sich gelohnt. Wir lassen uns von oben berieseln, und lauschen dem Wasserfall, der neben uns über kleine Stufen mäandert, und in unser Tauchbecken stürzt. Libellen schwirren vorbei; die Sonne bricht sich in der Gischt und wirft einen kleinen Regenbogen. Der Himmel ist berauschend blau.
Das ist im Kimberley nicht immer so. In der „Wet Season“ ist die Gibb River Road und damit fast jeder Zugang gesperrt, weil zwischen November und April sintflutartige Regenfälle niederprasseln. Erst ab Mai weichen die dunklen Wolken, die tagelang wie eine feuchte Rheumadecke über dem Gebiet hängen, den ersten Sonnenwochen.
Die beste Reisezeit: die Monate der „Dry Season“ ab Mai, wenn die Gräser der Savannen und die Eukalyptus-Wälder in vollem Saft stehen. Dann treiben die flaschenförmigen Boab-Bäume, die nur im Kimberley zu finden sind, aus und die weiten Ebenen verwandeln sich in wogende Blumenmeere. Es duftet und riecht nach frischem, feuchten Leben; die Wasserfälle, Tümpel und versteckten Badestellen, die den Besuch des Kimberley so einzigartig machen, quellen über vor Nass.
Schon Wochen später – im August oder September – lernt man das zweite Gesicht des Kimberley kennen. Nur noch klägliche Rinnsale tröpfeln über die nackten Felskaskaden und die unbarmherzige Tropensonne („Between eleven and three slip under a tree!“) hat jegliches Sprießen und Ranken ausnahmslos verdorrt. Fünfundvierzig Grad im Schatten sind in den Kimberley-Sommern keine Seltenheit.
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
Mit knappen Worten: Die Strecke ist eine der schönsten Urlaubsrouten, die man in Australien finden kann.
Auf halber Strecke zwischen Kununurra und Derby liegt an der Gibb River Road das Mount Barnett Roadhouse. Mit „Free Coffee for Drivers“ hatte die Tankstelle, die zu einer kleinen Aborigines-Gemeinde gehört, gelockt. Hinter dem Tresen steht Mary Swenson, Mitte Fünfzig, energisch, mit sonnengegerbtem Gesicht und fast türkisen Augen. Mary ist eine strenge Mamsell, bis sie ins Erzählen kommt. Wie die meisten „Einheimischen“ ist auch sie nur Teilzeitkraft. Die weitaus meisten Stationen im Kimberley sind in der Regenzeit dicht. Die Angestellten wie Mary verbringen die Zwangsferien dann im Süden oder Queensland. Mary sagt, dass ihr der Wechsel gerade recht kommt: „Nach zwölf Monaten im Kimberley wäre ich total verbuscht.“
Der kleine Laden führt neben Sprit alles, was man so braucht: Zeitungen, nur drei Tage alt. Säcke voller Eis, Bier in Dosen, eine kleine Auswahl an frischem Gemüse, tief gefrorene Känguruh-Steaks und natürlich Vegemite, die Kraft-Paste mit Suppenwürfelgeschmack, für Wally. Hardy hat zu dem für echte Australier unerlässlichen Frühstücks-additiv seine eigene Meinung: „Wenn Wally es nicht alle macht, nehmen wir's zum Schmieren der XT-Ketten.“
Im Mount Barnett Roadhouse werden auch die Tickets für den Zeltplatz am Manning River verkauft, zu dem wir über einen sieben Kilometer langen, ausgewaschenen Knüppelpfad gelangen. Das Lager ist wieder schnell aufgeschlagen; Hardy kocht wie üblich wie ein junger Küchengott. Der Abend am Feuer und die Nacht vergehen lau und sternenklar. Das Kreuz des Südens und die Milchstraße sind so gleißend und eindrucksvoll, als seien sie direkt auf die Netzhaut gelasert.
Dann ist Morgen und auch der ist perfekt: Wally und ich sitzen in Badehosen auf einem Fels an der Manning Gorge, die man über einen Fußpfad durch den Busch erreicht. Die Mühe und der einstündige Anmarsch haben sich gelohnt. Wir lassen uns von oben berieseln, und lauschen dem Wasserfall, der neben uns über kleine Stufen mäandert, und in unser Tauchbecken stürzt. Libellen schwirren vorbei; die Sonne bricht sich in der Gischt und wirft einen kleinen Regenbogen. Der Himmel ist berauschend blau.
Das ist im Kimberley nicht immer so. In der „Wet Season“ ist die Gibb River Road und damit fast jeder Zugang gesperrt, weil zwischen November und April sintflutartige Regenfälle niederprasseln. Erst ab Mai weichen die dunklen Wolken, die tagelang wie eine feuchte Rheumadecke über dem Gebiet hängen, den ersten Sonnenwochen.
Die beste Reisezeit: die Monate der „Dry Season“ ab Mai, wenn die Gräser der Savannen und die Eukalyptus-Wälder in vollem Saft stehen. Dann treiben die flaschenförmigen Boab-Bäume, die nur im Kimberley zu finden sind, aus und die weiten Ebenen verwandeln sich in wogende Blumenmeere. Es duftet und riecht nach frischem, feuchten Leben; die Wasserfälle, Tümpel und versteckten Badestellen, die den Besuch des Kimberley so einzigartig machen, quellen über vor Nass.
Schon Wochen später – im August oder September – lernt man das zweite Gesicht des Kimberley kennen. Nur noch klägliche Rinnsale tröpfeln über die nackten Felskaskaden und die unbarmherzige Tropensonne („Between eleven and three slip under a tree!“) hat jegliches Sprießen und Ranken ausnahmslos verdorrt. Fünfundvierzig Grad im Schatten sind in den Kimberley-Sommern keine Seltenheit.
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
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23 Oktober 2007
Kimberley 2: Waltzing Mathilda aus dem Autoradio
Einige der losen Etappenziele haben wir bereits hinter uns gelassen: Nach einem kurzen Abstecher zum Kakadu National Park sind wir zügig über Katherine, wo den einsame Victoria Highway nach Westen beginnt, und das gottverlassene Timber Creek nach Kununurra gefahren.
Am Tag danach hatte das Offroad-Abenteuer im Kimberley begonnen: Die Region ist ein Eldorado für Reisende, die wie wir Orte der Entschleunigung und der Abgeschiedenheit suchen. Hundert bis zweihundert Kilometer im Sattel sind uns auf den Schotten- und Staubpisten genug pro Fahrtag. Und alle in unserer Gruppe wollen lieber draußen im Outback bleiben, als sich in den quirligen Städtchen wie Kununurra oder Broome zu vergnügen. Broome mit seiner historischen Altstadt hat sich in den letzten Jahren gar zu einem Backpacker- und Surfer-Mekka mit einer schicken Restaurant-Szene entwickelt. Dort kann man durchaus eine zweite Übernachtung einlegen und hippes Nightlife genießen.
Auch an der Windjana Gorge lassen wir es langsam angehen. Hardy hantiert an seinen Kochplatten mit den Küchenutensilien, während Wally vergnügt unseren Tour-Klassiker „Waltzing Mathilda“ mitpfeift und die Kartoffeln schält. Wally liebt Kartoffeln. Täglich. Andreas, kurz im Busch verschwunden, kommt mit Feuerholz im Schlepptau zurück und bereitet den Grill für die Steaks vor. Andreas liebt Steaks. Auch gerne täglich. Ich habe mein Zelt aufgebaut und hieve noch zwei Sprit-Kanister vom Dachgepäckträger, um die Tanks unserer Yamahas nachzufüllen. Die Handgriffe und die Rollen sind nach fast zwei Wochen on the Road gut verteilt.
Obwohl wir uns allesamt in Darwin bei der Abfahrt das erste Mal getroffen haben, vertragen wir uns prächtig. Dazu trägt nicht zuletzt das Fortbewegungsmittel Motorrad bei. Auch grundverschiedene Charaktere kommen gut miteinander aus, wenn tagsüber der Abstand mehrere hundert Meter beträgt. Jeder kann seinen eigenen Gedanken nachhängen, und keiner ist gezwungen, den anderen in einer stickigen Fahrerkabine ertragen zu müssen.
Die Einsamkeit und Ruhe im Kimberley hat nicht nur uns angezogen, sondern auch andere Urlauber, die in Australiens Weiten nach den abgelegensten Winkel suchen. Auf dem Campingplatz, den die Windjana-Ranger unterhalten, hat sich ein buntes Völkchen versammelt. Ein deutsches Pärchen mit einem gemieteten 4x4-Camper, bleich vom europäischen Winter und sichtlich noch nicht lange unterwegs, kämpft mit einer Spraydose gegen die Moskitos in ihrem Kokon. Eine australische Familie, auf Reisen mit drei strohblonden Sprösslingen wie Orgelpfeifen, hat neben dem riesigen Wohnmobil den Gasgrill angeworfen. Ein bärtiger Einzelgänger, Marke „Crocodile Dundee“, in einem uralten Landcruiser beschallt mit dem Autoradio den Platz und kramt auf der offenen Pritsche. Das Kimberley, vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp gehandelt und immer noch weit ab der gängigen touristischen Trampelpfade, lockt zunehmend mehr Reisende an.
Die meisten kommen über die Gibb River Road. Die grobe Offroad-Piste ist die spannende Alternative zu dem auf ganzer Länge asphaltierten Great Northern Highway weit im Süden, und die einzige Straße, die durchs nördliche Kernland des Kimberleys führt. Die Traverse erschließt zwischen Kununurra und Derby ein Dutzend Rinderfarmen, deren Weiden sich mit den Flächen Belgiens oder der Niederlande durchaus messen können. Von der Gibb River Road führen eine Handvoll Stichstraßen zu einer überschaubaren Zahl von Aborigine-Siedlungen. Das war's.
Das Kimberley ist selbst für australische Verhältnisse „very remote“ und faktisch erst kürzlich erschlossen. Erst ab 1878 kamen die ersten Rinderzüchter wie die Duracks, McDonalds oder Bradshaws mit ihren Herden aus New South Wales oder Queensland und nahmen die Einöden in Besitz, in denen zuvor Aborigine-Ureinwohner gesiedelt hatten. Manche vitale Landverbindung wie etwa die Trasse zur ältesten Missionsstation vor Ort und heutigen Aborigine-Gemeinde Kalumburu wurden erst vor 50 Jahren vermessen.
Kein Wunder also, dass auf einer Fläche, die um ein Viertel größer als die Bundesrepublik ist, inklusive der Stadtbewohner von Derby, Kununurra und Broome gerade einmal 35.000 Menschen siedeln. In manchen Ecken des Kimberley trifft man tagelang auf kein entgegenkommendes Fahrzeug.
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
Auch an der Windjana Gorge lassen wir es langsam angehen. Hardy hantiert an seinen Kochplatten mit den Küchenutensilien, während Wally vergnügt unseren Tour-Klassiker „Waltzing Mathilda“ mitpfeift und die Kartoffeln schält. Wally liebt Kartoffeln. Täglich. Andreas, kurz im Busch verschwunden, kommt mit Feuerholz im Schlepptau zurück und bereitet den Grill für die Steaks vor. Andreas liebt Steaks. Auch gerne täglich. Ich habe mein Zelt aufgebaut und hieve noch zwei Sprit-Kanister vom Dachgepäckträger, um die Tanks unserer Yamahas nachzufüllen. Die Handgriffe und die Rollen sind nach fast zwei Wochen on the Road gut verteilt.
Obwohl wir uns allesamt in Darwin bei der Abfahrt das erste Mal getroffen haben, vertragen wir uns prächtig. Dazu trägt nicht zuletzt das Fortbewegungsmittel Motorrad bei. Auch grundverschiedene Charaktere kommen gut miteinander aus, wenn tagsüber der Abstand mehrere hundert Meter beträgt. Jeder kann seinen eigenen Gedanken nachhängen, und keiner ist gezwungen, den anderen in einer stickigen Fahrerkabine ertragen zu müssen.
Die Einsamkeit und Ruhe im Kimberley hat nicht nur uns angezogen, sondern auch andere Urlauber, die in Australiens Weiten nach den abgelegensten Winkel suchen. Auf dem Campingplatz, den die Windjana-Ranger unterhalten, hat sich ein buntes Völkchen versammelt. Ein deutsches Pärchen mit einem gemieteten 4x4-Camper, bleich vom europäischen Winter und sichtlich noch nicht lange unterwegs, kämpft mit einer Spraydose gegen die Moskitos in ihrem Kokon. Eine australische Familie, auf Reisen mit drei strohblonden Sprösslingen wie Orgelpfeifen, hat neben dem riesigen Wohnmobil den Gasgrill angeworfen. Ein bärtiger Einzelgänger, Marke „Crocodile Dundee“, in einem uralten Landcruiser beschallt mit dem Autoradio den Platz und kramt auf der offenen Pritsche. Das Kimberley, vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp gehandelt und immer noch weit ab der gängigen touristischen Trampelpfade, lockt zunehmend mehr Reisende an.
Kein Wunder also, dass auf einer Fläche, die um ein Viertel größer als die Bundesrepublik ist, inklusive der Stadtbewohner von Derby, Kununurra und Broome gerade einmal 35.000 Menschen siedeln. In manchen Ecken des Kimberley trifft man tagelang auf kein entgegenkommendes Fahrzeug.
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
22 Oktober 2007
Kimberley 1: von Grillen und Krokodilen in der Windjana Gorge
Grillen zirpen; es raschelt im Unterholz. Vogelschwärme schweben, von warmen Winden scheinbar mühelos getragen, vorbei. Hoch oben kreisen gefiederte Räuber. Die steil aufragenden Wände der Schlucht strahlen in rotem Licht; Wolken wie rosa Zuckerwatte ziehen auf.
Der Sonnenuntergang und die jähe Dämmerung an der Windjana Gorge könnten spektakulärer nicht sein. Idyllen und Illusionen, wie man sie sonst nur von Postkarten kennt, werden perfekt bedient. Wir sitzen staunend auf einem Fels.
„Ist doch faszinierend“, sagt Wally aus Sydney, mit dem ich auf unserer Motorradtour durch das Kimberley an der Windjana Gorge Station mache. „Man hat immer die gleichen Bilder von Australien im Kopf. Von der strahlend weißen Sydney-Oper. Oder vom kargen Ayers Rock im trockenen, roten Hinterland.“ Er denkt nach und kratzt seinen schütteren Haarkranz. „Eigentlich ist alles ganz anders. Die Oper ist grau und baufällig. Und das Outback ist in Wirklichkeit feucht und grün.“
In der Tat. An der Windjana-Schlucht zwängt sich der Lennard River spektakulär durch den Kalkstein der Napier Range, einer kargen Felsbarriere im äußersten Nordwesten Australiens. Vor 350 Millionen Jahren im Devon, einer kurzen geochronologischen Periode des Paläozoikums, brandeten hier die Wellen einer tropischen Ursee gegen ein riesiges Korallenriff.
Wasser gibt es am Lennard River noch heute im Überfluss. In dem kilometerlangen Tal, das der Fluss ausgewaschen hat, wogt ein dichter, duftender Eukalyptuswald; die Gräser stehen in sattem Grün. Im Kimberley ist das Outback anders, als man es erwartet: saftig und blühend. Aber auch gefährlich vital. Vor uns, in dem klaren Becken unterhalb einer kleinen Stromschnelle, driftet ein Dutzend Süßwasserkrokodile ziellos wie geflößte Baumstämme.
Bevor es dunkel wird, laufen Wally und ich uns zurück zu unserem Zeltplatz. Unser Leben unter freiem Himmel ist längst Routine. Vor zwölf Tagen sind wir zu der Rundtour, die uns in knapp drei Wochen von Darwin durch das Kimberley bis an den Indischen Ozean und zurück führen soll, gestartet: Außer mir sind der Australier Wally, mit 57 Jahren der Älteste in unserer Gruppe, Andreas, ein blonder Zweimeter-Hüne aus dem Sauerland, und Hardy mit von der Partie.
Hardy hat es vor 20 Jahren aus der norddeutschen Tiefebene ins Outback und in die Dienste von Bike Tours Australia verschlagen. Jetzt ist er unser Tourguide, unser Koch und die gute Seele der Reisetruppe. Hardy steuert den Toyota Landcruiser samt Anhänger, in dem unser Gepäck, unsere Camping-Ausrüstung, die Feldküche und eine Werkstatt samt Ersatzmotorrad in Einzelteilen verstaut sind.
Den fast 4000 Kilometer langen Rundkurs durch das Northern Territory und Western Australia, den die meisten Reisenden mit gemieteten 4x4-Wohnmobilen in Angriff nehmen, wollen wir drei Motorrad-Fahrer mit XT600-Enduro-Maschinen bewältigen. Mal sehen, was draus wird. Ein Video vielleicht?
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
Der Sonnenuntergang und die jähe Dämmerung an der Windjana Gorge könnten spektakulärer nicht sein. Idyllen und Illusionen, wie man sie sonst nur von Postkarten kennt, werden perfekt bedient. Wir sitzen staunend auf einem Fels.
In der Tat. An der Windjana-Schlucht zwängt sich der Lennard River spektakulär durch den Kalkstein der Napier Range, einer kargen Felsbarriere im äußersten Nordwesten Australiens. Vor 350 Millionen Jahren im Devon, einer kurzen geochronologischen Periode des Paläozoikums, brandeten hier die Wellen einer tropischen Ursee gegen ein riesiges Korallenriff.
Wasser gibt es am Lennard River noch heute im Überfluss. In dem kilometerlangen Tal, das der Fluss ausgewaschen hat, wogt ein dichter, duftender Eukalyptuswald; die Gräser stehen in sattem Grün. Im Kimberley ist das Outback anders, als man es erwartet: saftig und blühend. Aber auch gefährlich vital. Vor uns, in dem klaren Becken unterhalb einer kleinen Stromschnelle, driftet ein Dutzend Süßwasserkrokodile ziellos wie geflößte Baumstämme.
Den fast 4000 Kilometer langen Rundkurs durch das Northern Territory und Western Australia, den die meisten Reisenden mit gemieteten 4x4-Wohnmobilen in Angriff nehmen, wollen wir drei Motorrad-Fahrer mit XT600-Enduro-Maschinen bewältigen. Mal sehen, was draus wird. Ein Video vielleicht?
Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos
(c) Jochen Vorfelder
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Australien: Offroad durch das Kimberley
Gerade ist das neue ADAC reisemagazin "Australien" erschienen - ein schönes Heft, nicht zuletzt angereichert durch meine Reportage "Am Ende aller Wege", die von der Redaktion mit folgenden Worten umschrieben wurde:"Durchs Kimberley. Ein Bericht über eine 4000 Kilometer lange Motorrad-Tour durch den wilden Nordwesten. Oder vom Reiz und risdiko fieser Flussdurchfahrten, staubiger Pisten und einer Kraftpaste mit Suppenwürfel-Geschmack."
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem soll die Geschichte nicht vorenthalten werden. Nachdem dem Abstecher nach Bali von letzter Woche vorbei ist, ziehen wir jetzt gemeinsam weiter Richtung Osten und beginnen mit einer kleinen Kimberley-Serie.
Hier die Übersicht über die Tour, wir empfehlen die angebotene größere Kartenübersicht:
Größere Kartenansicht
Der Textwart
05 Juli 2007
Australien-Video: Offroad im Kimberley
Ok, jetzt haben mich schon so viele Nicht-Motorradfahrer gefragt, wie das denn so sei, auf zwei Rädern durch Australien zu bretzeln, dass es langsam lästig wird.
Mit Worten allein ist es bei Leuten ohne Moppet-Erfahrung nicht getan. Vielleicht hilft dieser Video weiter, den ich bei YouTube online geschoben habe.
Aufgenommen in der gigantischen Kimberley-Region im Norden von Western Australia, abseits der üblichen Gravel Roads. Die Kamera, eine kleine Canon Ixus zum Knipsen, war am Lenker der XT 600 befestigt.
Der Platzwart
Mit Worten allein ist es bei Leuten ohne Moppet-Erfahrung nicht getan. Vielleicht hilft dieser Video weiter, den ich bei YouTube online geschoben habe.
Aufgenommen in der gigantischen Kimberley-Region im Norden von Western Australia, abseits der üblichen Gravel Roads. Die Kamera, eine kleine Canon Ixus zum Knipsen, war am Lenker der XT 600 befestigt.
Der Platzwart
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10 Mai 2007
Offroad: Australien auf der Canning Stock Route
Lange nichts gepostet hier im Blog. Hatte schon Beschwerden treuer Leser, aber manche Dinge gehen einfach vor. 1. schnöde Arbeit. Habe in den letzten Wochen diverse Websites wie z.B. www.mkitservice.de neu gebaut, andere renoviert und in einer Redaktion intensiv mitgearbeitet.
2. bezahltes Schreiben. Wie einige von Euch bereits mitgekriegt haben, waren der Fotograf Michael Lange ich Ende März einige Tage bei Ducati in Bologna und haben den Bau einer 1098 S aus der Nähe verfolgt. Inzwischen sind die Fotos ausgewählt, der Text geschrieben und an das Lufthansa Magazin geliefert. Das Stück kommt Ende Sommer.
3. gute Pläne. Dieser kurze Eintrag ist für längere Zeit - ja, ihr müßte jetzt ganz tapfer sein ... - der letzte im 1203-Blog. Weil sich der Platzwart und meine Wenigkeit am Donnerstag auf den Weg nach Australien begeben und dort sechs Wochen verweilen werden.
Nein, wir hängen nicht an der Gold Coast im Osten ab. Sondern bewegen eine Yamaha XT 600 zunächst von Darwin in den Kakadu National Park, bevor wir uns nach Westen in die Kimberley-Region verholen.
So viel sei dazu angedeutet: die Kimberleys sind in der Fläche etwa so groß wie die Bundesrepublik, haben ca. 400 Kilometer Asphalt (Der Rest ist gravel und mud road) und werden von ca. 30.000 Einheimischen bewohnt.
Danach biegen wir gegen Süden ab - auf die legendäre Canning Stock Route, eine ehemalige Viehtreiber-Route: 1800 Kilometer Piste entlang rund 50 halbwegs versandten Brunnen. Wir rechnen, dass wir für die Strecke durch rund tausend Dünen mindesten 14 Tage brauchen.
Weil es nun auf dieser Strecke höchst wahrscheinlich keinen Internet- und Upload-Anschluß gibt, gibt es die nächsten Eintragungen hier im Blog erst nach dem 18. Juni. Stay tuned; mal schauen, was wir außer den bestellten Artikeln sonst noch so an Fundstücken mitbringen.
Photos und Grafik der Canning Stock: (c) Rainer's Outback Guide. Rainer Rawer ist offensichtlich seit einigen Jahren mit dem Australien-Outback-Fieber infiziert und hat so ziemlich alle Langstrecken entweder mit Motorrad oder 4WD befahren. Stöbern und Träumen erlaubt.
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