30 März 2009

MotoGP 2009: Start unter der Flagge des Diktators

Noch rund zwei Wochen, bis in Qatar die Startflagge für den ersten Lauf der 2009er MotoGP-Saison geschwenkt wird - am Start ist auch das Grupo Francisco Hernando-Team mit dem Fahrer Sete Gibernau. Der gleichnamige Sponsor Francisco Hernando kommt aus Spanien - und ist eine bekannte Schweinebacke:

Hernando, der in den vergangen Jahren bereits die Onde 2000-Teams in der 125er und 250er-Klassen gezahlt hat, ist ein Immobilien-Tycoon mit zweifelhafter Vergangenheit. Nach einem Bericht der spanischen El Pais wurde er 2007 wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt, aber verhinderte den Gang in die Zelle, indem er drei Millionen Euro nachzahlte. Bekannt wurde er in letzter Zeit auch durch einen Report der britischen BBC über die von ihm initierte Geisterstadt Seseña rund 40 Kilometer südlich von Madrid. Hernando ließ dort 13500 Eigentumswohnungen in den Staub stellen - nur 2500 sind verkauft, 750 bewohnt.

Die berechtigte Frage, wie der Mann inzwischen sein Geld verdient, spiegelt sich in den Farben der MotoGP-Ducati, die Sete Gibernau in Quatar an den Start pilotiert - die Farben von Äquatorialguinea, ein zentralafrikanische Diktatur unter der Knute von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Nguema steht auf der aktuellen Liste der "World's Worst Dictators" auf Platz 14; Amnesty Internationals Bericht über das Land verschlägt einem die Sprache.

Sei's drum, Hernando kommt jedenfalls gut mit dem Diktator aus, baut dort lustig unter der schützenden Hand der Soldateska exklusive Anlagen für spanische Urlauber, und hat sein MotoGP-Team ursprünglich auch unter dem Label "Equatorial Guinea" an den Start gebracht.

Mit welchem Geld? Das zusammengeraffte und auf Auslandskonten geparkte Privatvermögen von Diktator Nguema wird jedenfalls auf über 650 Mio. US-Dollar geschätzt.

Die direkte Verbindung zu dem Schurkenstaat war Hernando nun doch zu heiß; seit zehn Tagen ist das Gibernau-Team nun offiziell in Grupo Francisco Hernando umbenannt - doch die speckige Verbindung bleibt wie die Farbe der Ducati.

Es soll ja Leute geben, die das MotoGP-Sponsoring durch die Zigaretten-Industrie schon kritisch sehen - aber Schaulaufen für Diktatoren mit Blut an den Händen ist echt starker Tobak.

Mehr dazu bei motogpmatters.com

23 März 2009

E-Scooter: Vision für den Stadtverkehr


Vor ein paar Tagen hatten wir über die Subventionen der Pariser Stadtverwaltung beim Kauf eines E-Scooters berichtet, hier nun ein Bericht aus der amerikanischen Wired über ein weitergehendes Model zu Beruhigung des urbanen Verkehrs: Mitnahmestationen für elektro-getriebene Roller. Gefällt mir fast noch besser als der eigene E-Scooter für den Pendler, auch so etwas würde deutschen Großstädten mit verkehrsberuhigtem innerstädtischem Raum gut anstehen.

20 März 2009

Branchenkrise: Chinesische Qianjiang-Gruppe stützt Benelli


Nach Recherchen von Motociclismo sind die chinesischen Investoren beim italienischen Hersteller Benelli weiter gewillt, Geld in die ungewisse Zukunft der Marke zu versenken.

Seit Benelli im Oktober 2005 von der chinesischen Qianjiang-Gruppe übernommen wurde, die pro Jahr rund eine Million Motorräder bis 150 cm³ baut, haben die Chinesen nach Marktkennern ungefähr 10 Mio. Euro in die Modernisierung der Benelli-Fertigung und die Entwicklung neuer Modell investiert.

Jetzt ist Qianjiang offensichtlich bereit, für neue Modelle noch einmal 20 Mio. Euro nachzuschiessen. Der Vorstandsvorsitzende von Quanjiang, Haimei Yan, hat dies am Rande einer Konferenz in Mailand verlauten lassen und gleichzeitig angemerkt: "Benelli ist nicht profitabel, aber wir glauben an die Marke." Als größten derzeitigen Probleme bezeichnete Yan nicht die aktuelle Absatzkrise, sondern unverblümt die italienische Bürokratie: "Es ist die Art, wie hier business gemacht wird. Ausufernde Bürokratie, Papierkrieg bei Importen aus China und unklare Geschäftsabläufe behindern die schnelle Entwicklung."

Der Einstieg der Chinesen bei Benelli war 2005 mit gemischten Reaktionen aufgenommen worden. Während Finanzinvestoren den neuen Cashflows begrüßten, hatte die Branche selbst abwartend reagiert und höchste Heuschreckengefahr vermutet: Der Abfluss des technischen Know-hows nach China könne auf Dauer auch dazu führen, dass die Marke ausblute.

Benelli hat angekündigt, zu Jahresende wohl auf der EICMA in Mailand die neue DUE 756 zu präsentieren, einen wohl 90 PS starken Parallel-Twin. Kommen soll auch eine völlig neue Linie mit einem 600er Vierzylinder, der angeblich um die 130 PS leisten soll.

19 März 2009

Waldmann und Wimmer kaufen sich bei MZ ein

Hoffnung für den abgewirtschafteten sächsischen Motorradhersteller MZ: Ralf Waldmann, zweimaliger Vizeweltmeister in der Viertelliter-Klasse 19996 und 1997, hat zusammen mit seinem ehemaligen Rennkollegen Martin Wimmer die Marke MZ gekauft.

Wimmer hat den Kauf am Mittwoch Abend bestätigt. Laut einem Bericht der Freien Presse in Chemnitz ist eine erste Rate des Kaufpreises bereits geflossen; über den Gesamtpreis von angeblich 4,5 bis 5 Millionen Euro wird fleißig spekuliert. Wimmer ist seit November vergangenen Jahres im Hintergrund mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium und einem Bankenverbund dabei, eine Finanzierung zu zimmern.

Zschopaus Oberbürgermeister Klaus Baumann (CDU) zeigte sich erleichtert: "Für unsere Region zählt jeder Arbeitsplatz", sagte er. Seit Anfang des Jahres hatten nur noch eine Handvoll ehemaliger Mitarbeiter die stillgelegten Produktionshallen in Schuss gehalten.

Wimmer und Waldmann wollen am alten Standort 125er und 250er Viertakt-Maschinen und Roller montieren lassen; die Teile sollen wie in der Branche üblich aus Fernost und China bezogen werden. Auch über einen Einsatz einer MZ-KTM in der 125er IDM wird spekuliert - das Reglement lässt zu, mit einem 250ccm-Viertakter gegen die 125er-Zweitakter anzutreten. Dafür sei das MZ-Knowhow in Verbindung mit einem KTM-Viertaktmotor exzellent geeignet.

16 März 2009

Audi-Bike Z02: Wir sind doch keine Fahrradhersteller


1976 liefen beim Premium-Klasse-Hersteller Audi noch biedere Kleinwagen wie der Audi 50 vom Band – aber heimlich wurden schwere Motorräder geplant. Roland Gumpert, der Erfinder der Z02, erinnert sich, wie ein humorloser Jurist aus Wolfsburg dem Projekt ein jähes Ende setzte.

Auf so einen Verbündeten hatte der Ingenieur Roland Gumpert gerade gewartet. Mitte 1972 heuerte bei seinem Arbeitgeber Audi ein forscher Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben an: Ferdinand Piëch. Der neue Mann, er kam von Porsche, sorgte für frischen Wind bei den biederen Autobauern in Ingolstadt. Als einer seiner ersten Maßnahmen peitschte Piëch durch, dass kein neues Modell mehr ohne ausführliche Sommer- und Wintertests in die Produktion gehen solle.

„Das war die Geburtsstunde der Sommer- und Winter-Erprobungsfahrten. Es gab zwar einen Dauerlauf, aber natürlich nur mit den in Deutschland herrschenden Klimabedingungen. Damals war das eine große Werkstatt, in der die Fahrzeuge für die Testfahrer gewartet wurden. Die fuhren im Schichtbetrieb raus und haben ihre Erkenntnisse abgeliefert, bevor die Autos auf den Prüfstand gingen und modifiziert wurden. Für die Organisation der nun eingeführten Erprobungsfahrten war ich Ferdinand Piëch direkt verantwortlich.“

Roland Gumpert hatte Maschinenbau in Graz studiert und 1969 gleich nach dem Examen bei AUDI in Ingolstadt angeheuert. Zunächst als Versuchsingenieur und dann als Typenbegleiter beim Kleinwagen Audi 50 hatte er sich hochgearbeitet, bis zum Abteilungsleiter in der Versuchsabteilung – die damals noch ein Abenteuerspielplatz war. Hier konnte Gumpert auch seiner Leidenschaft frönen: Motorrädern.

„Ich hatte schon immer an Motorradln rumgeschraubt, meine erste Maschine noch in Österreich war eine alte Zweitakter-Puch. Und bei Audi, da gab es ja die alten Neckarsulmer NSU- und DKW-Leute, die nach Ingolstadt gekommen waren. Zweirad-Tradition und Know-How gab es also noch, und Ferdinand Piëch war ja auf seine Art auch ein Motorrad-Verrückter. Als wir mit der Idee rausgerückt sind, in unserer Versuchsabteilung ein Audi-Motorrad zu bauen, war Piëch sofort begeistert, aber hat gesagt: Machen Sie das heimlich. Bevor das rauskommt, müssen wir was Brauchbares vorweisen können.“

Im Sommer 1975 bauten Gumpert, sein Werkstattmeister Bernd Jäger und zwei Mechaniker in einer Ecke ihrer Versuchsabteilung einen kleinen, abgeschlossenen Holzverschlag für ihr klandestines Projekt. Gumpert kaufte für kleines Geld bei BMW in Ingolstadt eine gebrauchte R 90S, ließ das Gefährt völlig auseinander nehmen, und pflanzte an Stelle des bayrischen Boxer-Motors ein Audi-Aggregat ein: den damals hochmodernen, 60 PS-starken Vierzylinder des Audi 50 mit knapp 1100 Kubik. Um den wassergekühlten Trumm mit dem außen liegenden Zahnriemen einzupassen, wurde der BMW-Rahmen flugs passend geschweißt; statt des Kardans wurde eine hand gefertige Schwinge verbaut. Für die Kraftübertragung griffen Gumpert und seine Crew auf eine Kette und englische Bauteile zurück – das Getriebe und die Kupplung der Versuchsmaschine stammten aus einer ausgeschlachteten Norton Commando.

„Wir hatten wirklich Spaß bei dem Projekt, das wir quasi nebenbei und nach Feierabend voran getrieben haben, das sieht man an den Details. Statt den Audi-Vergasern haben wir uns welche von Bing ausgesucht, die Auspuffkrümmer haben wir selber gebaut, genauso die Alu-Deckel, mit denen der Zahnriemen und die Kupplung verkleidet sind. Und Design-technisch waren wir auch auf der Höhe des damaligen Geschmacks – teilweise natürlich mit den BMW-Parts, aber auch mit den Gussrädern von Ronal und dem kleinen Handschuhfach im Tank. Ein Klasse Motorradl, sag ich Ihnen.“

Anfang 1977 war die Z02 – eine Z01 gab es nie – fahrbereit und Gumpert spulte die ersten Tausend Testkilometer ab. Bevorzugt am Wochenende und nächtens auf den Autobahnen im Süden der Republik testete er den geheimen Prototypen im Dauerlauf und mit Full Speed.

„Der Motor hatte ein irres Drehmoment und lief wie eine Eins, aber das Norton-Getriebe war nicht auf diese Kräfte ausgelegt. Auf Dauer hätte es durch eine Eigenentwicklung ersetzt werden müssen, aber wie gesagt, wir waren ja noch nicht im Stadium der eigentlichen Konstruktion oder gar Produktion. Bei den Testfahrten war das oft schon sehr kritisch. Bei Geschwindigkeit Zweihundert ist mir oft der Gedanke durch den Kopf geschossen, was machst Du eigentlich, wenn jetzt das Getriebe versagt oder die Kette reißt? Da war mir oft nicht ganz wohl.“

Die Volkswagen AG hatte 1964 das Ingolstädter Werk der alten Auto Union – der Marke mit den vier Ringen – gekauft und bestimmte damit die Geschicke von Audi, das 1977 noch Audi NSU Auto Union AG hieß. Ferdinand Piëch hatte noch nicht das Sagen, alle strategischen Entscheidungen in der Konzernzentrale in Wolfsburg wurden noch ohne sein Votum gefällt. Für die Ingolstädter war das bitter: 1978 etwa wurde die Produktion des erfolgreichen Audi 50 zugunsten des baugleichen Polo der Wolfsburger Mutter eingestellt.

Auch über die Zukunft der Z02 musste weit weg von Ingolstadt entschieden werden. War man bereit, Audi an der langen Leine laufen zu lassen, bereit zur radikalen Diversifizierung der Produkt-Palette? Piëch und Gumpert hatten nicht nur eine Klasse Maschine, sondern auch eine Vision: Auf der Basis der Z02 sollte sich neben BMW ein zweiter deutscher Konzern als Motorrad-Hersteller etablieren; gebaut werden sollten die Audi-Maschinen mit 1100 und 1300 Kubik im neuen VW-Werk in Brasilien.

„Ende der Siebziger Jahre, da gab es ja noch nicht diese ausgefuchste Marktforschung von heute, da wurden viele wegweisende Entscheidungen noch aus dem Bauch heraus getroffen. Als wir damals 1977 nach Wolfsburg gefahren sind, um die Z02 vorzustellen, hatten wir deshalb schon Bedenken: Wenn der Entscheidungsträger nicht aus dem Fahrzeugbau kommt, sondern mit zwei linken Hände versehen ist und Juristerei studiert hat, dann kann es schwierig werden, hab ich mir gesagt. Und prompt ist es auch so gekommen – der damalige Vertriebschef Dr. Schmidt, der zweitwichtigste Mann nach dem Vorstandsvorsitzenden, hat sich die Z02 kurz angeschaut, und dann kam die ernüchternde Antwort, die ich nie im Leben vergessen werde: ‚Wir sind doch keine Fahrradhändler.’ Damit war die Z02 mausetot.“

Roland Gumpert ist überzeugt, dass es heute Audi-Motorräder geben würde, wenn Dr. Schmidt selbst einmal auf einer Maschine gesessen hätte. Er tröstet sich damit, dass der Verwurf von Prototypen das täglich Brot von Entwicklungsingenieuren ist, und zumindest sein Folgeprojekt überaus erfolgreich war – der permanente Vierradantrieb des VW Iltis und in der Folge des Audi Quattro. Auch für ihn hat er kämpfen müssen; VW traute dem Segment am Anfang keine zweihundert Stück zu. Gumpert wurde mit der Innovation Rennleiter von Audi Sport und holte vier Rallye-Weltmeister-Titel.

Die Z02 steht heute fahrbereit im Audi Forum in Ingolstadt nicht weit vom Ur-Quattro. Ihr Erfinder baut die radikalen und super schnellen Apollos in der eigenen Gumpert Sportwagenmanufaktur. Mit Audi-Motoren.

15 März 2009

Kids-Bikes: Amerikanischer Veteran plant Protest gegen geltendes Verbot

In der zweiten Februar-Woche hatten wir über eine besondere Variante des amerikanischen Heimatschutzes berichtet - den Verbot von Kids-Crossern im Rahmen des in den USA in Kraft getretenen Consumer Product Safety Improvement Act (CPSIA).

Die Geschichte um den angeblich Kinder- und Jugendlichen-schädlichen Bleigehalt in Motorrädern wächst sich inzwischen aus: Malcolm Smith, ein kalifornische Biker-Legende, 68-jähriger Händler von Outdoor-Motorräder, und Protagonist im 1963er-Epos "On any Sunday" von Steve McQueen, will das Verbot aus Protest missachten: "California motorcycle dealer and industry icon Malcolm Smith says he plans to sell kid’s ATVs and motorcycles to consumers next Thursday (6 am PST, March 19, 2009) in protest against a federal law that limits the amount of lead that can be contained in products made for children 12 and younger.

The sales could be expensive. The law calls for fines up to $100,000 per violation and a maximum of $15 million for a series of related violations.

And, according to one attorney who is very familiar with the law, there are also criminal penalties of up to five years in jail for a willful violation of the law."

Smith's Protest hat einen wirtschaftlich nicht unbedeutenden Hintergrund. Nach Schätzungen des amerikanischen Motorcycle Industry Council (MIC) könnte das geltende Verbot die Branche etwa eine Mrd. USD in diesem Jahr kosten. Das Branchen-Blatt Dealership Magazine beziffert allein den Wert der derzeit nach dem Verbot sinnlos auf Halde liegenden Maschinen, Ersatz- und Zubehörteile auf über 100 Millionen USD.

Mal sehen, ob Smith in den Knast geht... Mehr dazu bei Dealership Magazine und hell for leather

Hier Malcolm Smith und Steve McQueen in einem Ausschnitt von "On any Sunday", beim gemeinsamen Rennen in Elsinore, Kalifornien:

13 März 2009

Remake: Steve McQueens Motorrad-Sprung aus The Great Escape

So schlecht wie den deutschen Verlagen scheint es den englischen Häusern noch nicht zu gehen.

Jedenfalls hat die Verlagsgruppe TIMES noch ein paar Pfund aus den Tiefen der Krisen-Rücklagen zu Tage befördert, um auf einem britischen Golfplatz einen aufwendigen Remake des Motorrad-Sprungs zu inszenieren, mit dem Steve McQueen und der Kriegsgefangenenlager-Film "The Great Escape" berühmt wurden.

Hier der Link zum dazu gehörigen Artikel.

Der Videowart

PS: Steve McQueen ist bei den Filmaufnahmen die umgebaute Triumph nicht gefahren, sondern sein Stuntman und Kumpel Bud Ekins, bei dessem Tod ich einen Nachruf bei Spiegel Online geschrieben habe.

Der Remake nun ist offensichtlich darauf zurück zu führen, dass die Times gute Kontakte zu Metisse Motorcycles hat, die neuerdings einen Nachbau von Mcqueens Crossmmaschinen auf Basis der alten Triumph anbieten.

One week: Ein Film über Tod, Glück und ein Motorrad

Das Jahr 2009 hat mir bisher fast nur Glück gebracht, Bekannten und Freunden von mir viel Pech. Daran musste ich denken, als ich mir den Trailer von "ONE WEEK - what would you do?" angeschaut habe, einem Film, der in Kanada gerade sehr erfolgreich in den Kinos läuft.

Eigentlich eine tot traurige Geschichte - ein junger Mann wird mit einer fatalen Diagnose konfrontiert - vielleicht hat er nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben...und bricht auf, auf einem alten Motorrad durch Kanada zu fahren. Erst einmal ohne Ziel, aber das Land und seine Menschen kommen ihm so nahe, dass er sich daran aufrichtet.

Das Medium ist seine Maschine, sein Gesprächsstoff für den Kontakt zu seinen Mitmenschen und Labsal für seine Seele. Ob der Film jemals nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Die fiktive Geschichte erinnert mich jedenfalls an die reale von Neil Peart, dem Songschreiber und Drummer von RUSH. Er hat sich über den Verlust seiner Frau mit einer sechsmonatigen Motorrad-Fahrt durch Nord- und Mittelamerika hinweg gerettet und das Buch Ghost Rider über seinen "Healing Process" geschrieben.

10 März 2009

Bilderkiste: Aufnahmen vom Motorradrennen Hockenheim 1962


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Gestern mal wieder in der Krabbelkiste mit alten Bildern gestöbert, dabei ist mir diese Sequenz in die Hände gefallen, und hat einige nette Erinnerungen geweckt.

Gemacht habe die Aufnahmen ich selbst als kleiner Junge, sitzend im zarten Alter von 7 Jahren auf der Schulter meines Vaters, beim Besuch der alten Rennstrecke in Hockenheim, auf der Rückseite ist die Jahreszahl 1962 vermerkt.

Also schon bisschen her, da gab es noch kein Motodrom, sondern nur den alten Rundkurs, der im Süden (siehe letztes Bild) bis an die Dorfgrenze von Hockenheim ran reichte. Dort stand auch die Holztribüne, von der aus die Aufnahmen gemacht wurden.

Wer gefahren oder gewonnen hat, habe ich vergessen. Man wird halt älter und vergesslicher... was ja auch sein Gutes hat.

09 März 2009

Branchenkrise: Paris subventioniert den Neukauf von Elektro-Rollern

Während hier zu Lande die Motorrad- und Moped-Branche noch mit der entgangenen Abwrack-Prämie hadert, hat man in Frankreich einen wesentlich innovativeren und perspektivisch klügeren Zugang gefunden, um den mangelnden Absatz von Zweirädern anzukurbeln.

Die Stadtverwaltung von Paris subventioniert den Kauf eines neuen E-Rollers oder E-Mopeds - mit max. 45 Stundenkilometern - inzwischen mit bis zu 400 Euro und hat übers Stadtgebiet derzeit 40 Tankstellen - sprich Akku-Ladestationen - verteilt, an denen registrierte Benutzer des Programms ihr Töff kostenlos nachladen können.

Organisiert wird der Feldversuch und der Zugang zu den Ladestationen, der auch der wesentlich dringlicheren CO2-Krise geschuldet ist, durch einfach Chip-Karten, die jeder Fahrer eines registrierten E-Zweirads erhält.

Wie wäre es mit einer entsprechenden Kampagne der deutschen E-Roller-Hersteller im Verbund mit der europäischen Öko-Hauptstadt 2011 - Hamburg?

Der Elektrowart

06 März 2009

KTM: Krisenhilfe vom indischen Hersteller Bajaj

Der österreichische Motorradbauer KTM, der bereits im Oktober 2008 begonnen hat, seine Belegschaft bis April dieses Jahres um 300 Mitarbeiter zu reduzieren, hat sich dringend benötigte finanzielle Hilfe durch eine noch engere Kooperation mit dem bisherigen Partner und indischen Automobil- und Motorradhersteller Bajaj geholt.

Die KTM Power Sports AG hat gestern gemeldet, dass 596.966 Anteile der Gesellschaft an die niederländische Bajaj Auto International Holdings B.V. Auto Limited veräußert wurden. Damit halten die Inder über ihre holländische Tochter nunmehr 31,72 Prozent an KTM.

Entlassungen, möglicherweise Kurzarbeit und nun die weitere Erhöhung der Bajaj-Beteiligung - KTM-Chef Stefan Pierer will in diesem Jahr die Produktion um 25 Prozent zurückfahren und blickt nicht sonderlich zuversichtlich - aber dadurch auch realistisch - in die Zukunft: 2009 werde man den Boden erreichen, 2010 auf diesem Niveau bleiben und vielleicht einen leichten Aufwärtstrend verspüren, prognostiziert er.

Pierers Rezept für die Zukunft:"Vollgas auf Entwicklung", die Marschrichtung sieht er in den kommenden eineinhalb Jahren vor allem im Elektrobereich. Hier sei das leichtere Motorrad dem Auto ebenfalls voraus.

Bajaj Motorcycles deckt vor allem die lokalen indischen Markt ab und baut Modelle bis zu 250 Kubik.

05 März 2009

Motorradhändler - das Sterben beginnt

Gestern hatten wir noch geunkt - dass 2009 kein gutes Jahr für Motorradhändler werden würde.

Heute hat es Bike und Business amtlich vermeldet: Der traditionsreiche BMW-Spezialist Wüdo in Dortmund, seit 34 Jahren unter der Führung von Helmut Wüstenhöfer, hat die Tore geschlossen und endgültig das Licht ausgemacht.

Nach der Meldung liegt der Grund der Insolvenz Ende 2008 allerdings nicht im schlechten Geschäft in Zeiten der Krise begründet, sondern in der Standortpolitik von BMW Motorrad: Danach hat die Entscheidung von BMW aus dem Jahr 2003, BMWs auch über den eigenen Schwerpunkthändler in Dortmund zu verkaufen, Wüdo in den Abgrund gerissen. Besiegelt wurde das Schicksal dann Anfang 2007, als Wüdo der Handlervertrag gekündigt wurde.

Mal sehen, wer als nächster dran ist. An der Reihe der traditionsreichen, aber inzwischen toten Stützpunkte war übrigens auch schon University Honda Yamaha Seattle - ein Konkurs mit Strahlkraft: University war vor einem halben Jahrhundert im Jahr 1959 der erste Honda und überhaupt japanische Motorradhändler auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Rest in peace.



Der Krisenwart

03 März 2009

Neuzulassungen: Auch Februar 2009 bleibt mau

Der massive Druck, den die verheerenden Zulassungszahlen von Januar auf Hersteller und vor allem Händler ausgeübt haben, setzt sich im vergangenen Februar 2009 fort:

Die Zahl der zugelassenen Krafträder stieg auf 10.521 (ein Plus von + 116 Prozent gegenüber dem katastrophalen 01/2009), doch liegen noch immer um -11,3 Prozenz unter dem Vergleichsmonat Januar 2008.

In der Summe bedeutet das Ergebnis der Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts Flensburg, dass die Abverkäufe - ohnehin geschönt durch Tageszulassungen der Händler - um rund ein Viertel gegenüber 2008 gefallen sind.

Der Kaufwille ist einfach nicht mehr da - auch die Umschreibungen (als Indiz für den privaten Markt mit Gebrauchten) sind in den ersten beiden Monaten des Jahres mit summa summarum 31.489 um 40 Prozent gegenüber 2008 gefallen.

Es riecht nach Frühling - und Markbereinigung. Wir verwetten unser letztes Hemd, dass im Herbst die Zahl der bundesdeutschen Zweiradhändler geschrumpft sein wird.

Die Nachfrage bei einigen Händlern unseres Vertrauens (oder umgekehrt Händlern, die uns vertrauen :-) ergab, dass sich viele auf den immer noch boomenden Rollermarkt konzentrieren wollen, auf Zubehör setzen, und vor allem das Geschäft mit den Gebrauchten intensivieren: Die Gewinnmarge, die bei ihnen hängen bleibt, ist bei einer gebrauchten Maschine, über Ebay besorgt, aufgemöbelt und mit Händler-Garantie versehen, inzwischen höher als beim Abverkauf einer Neumaschine.

Der Kassenwart

PS: Wer sich die monatlichen Zahlen von 2006 bis 2009 mal im Detail zu Gemüte führen will, hier ist der Link zu Bike & Business.