27 November 2006

Menschen in Namibia V - Edith Bolte & Helga Rohda

Edith Bolte (li.) und Helga Rhoda stehen seit Jahren gemeinsam hinter der Brottheke von "Putensen", der ältesten Bäckerei in Swakopmund. Die Institution in Sachen Backware und Torte schräg gegenüber der "Swakopmunder Buchhandlung" wurde im Jahr 1905 eröffnet.

Edith: "Ja, bei uns im Laden gibt es außer den beiden Verkaufstresen der Bäckerei noch das Café Treffpunkt; da sitzen die alten Swakoper - egal, ob Schwarz oder Weiß - schon gerne und halten ein Schwätzchen. Ist ja auch nett und ruhig hier, hier kann man's aushalten. (...)

Ja, stimmt, es war nicht immer so ruhig. Stimmt, im Dezember 78 hatten wir eine Bombenexplosion hier im Laden wegen der Kämpfe zwischen der SWAPO und den Südafrikanern. Aber das ist lange her, ist alles schon vergessen."

Helga: "Ja, was haben wir denn so im Angebot? Also hier, Brote natürlich in allen Variationen, Vollkorn oder Sauerteig, und die süßen Zimtwecken grade frisch aus dem Ofen, dann Frankfurter Kranz, Schwarzwälder Kirschtorten, Käsekuchen, den Bienenstich, die Apfeltaschen und unsere Nußecken! (...)

Packen Sie sich den Wagen voll, die nächsten 300 Kilometer kriegen sie mit Sicherheit so ein Angebot nicht wieder!"

© Jochen Vorfelder

21 November 2006

Menschen in Namibia IV - Claudia Kakunda

Claudia verkauft neben rund zwei Dutzend anderen Händlern Holz- und Hornschnitzereien auf dem Touristen-Markt von Swakopmund. Sie ist 24 Jahre alt und stammt aus dem Kavango-Gebiet an der Grenze zu Angola.

"Auf dem Markt in Swakop arbeiten fast nur Leute aus Kavango und Angola. Jeder zahlt eine geringe Standgebühr an die Stadtverwaltung, aber eine viel höhere Abgabe an unsere eigenen Obleute. Die entscheiden, wer auf dem Markt ausstellen darf und wer nicht. In Swakopmund ist ein Verkaufsplatz natürlich sehr begehrt, weil das ganze Jahr über viele Touristen und in den Schulferien auch die Einheimischen an die Küste kommen. (...)"

"Wir kaufen das Eisenholz und die anderen Arten meist aus Angola, aber die Schnitzereien stammen alle von unseren eigenen Familien aus Kavango. Hier, schau, mein Onkel zum Beispiel macht diese Giraffen und Flußpferde. Ich hole die fertigen Stücke dann zwei Mal im Jahr mit dem Bus zuhause ab. (...)"

"Unser Einkommen? Ist immer unsicher. Am härstesten verhandeln die Südafrikaner, die wollen immer den niedrigsten Preis. Ich verkaufe viel lieber an Europäer; die zahlen mehr und sind viel freundlicher. Manche sind auch richtig interessiert. (...)"

© Jochen Vorfeldedr

17 November 2006

Menschen in Namibia III - Belinda Naubes

Die Nationalpark-Rangerin gehört zu den Damara, einer der ältesten Bevölkerungsgruppen Namibias. Sie ist 35 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern. Belinda führt Touristen zu den White Lady-Felsmalereien am Brandberg-Massiv. Wenn sie Englisch spricht, benutzt sie manchmal auch die "Klicklaute" der Damara-Sprache.

"Ich wohne in einer kleinen Siedlung fünf Kilometer von hier und habe ein kleines Haus für mich und meine beiden Mädchen. Die Kleine ist jetzt zwei Jahre alt; die Ältere schon zwölf. Sie geht auf die Schule in Khorixas und kommt nur am Wochenende nach Hause. Der Vater? Der ist vor zwei Jahren kurz nach der Geburt abgehauen. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. (...)"

"Hier in der Ranger-Station sind wir zehn Frauen und drei Männer. Ich arbeite lieber mit Frauen, die machen weniger Ärger. Außerdem laufen Damara-Männer nicht gerne, und die Felszeichnungen kann man nur erreichen, wenn man eine Stunde zu Fuß geht. Wie soll das gehen? Ich bin froh, daß wir so wenig Männer hier haben. Mein Mann? Da bin ich auch froh, dass er weg ist. (...)"

"Die White Lady ist die berühmteste der 45.000 Felszeichnungen hier im Brandberg-Massiv. Eigentlich ist es gar keine Frau, sondern ein junger schwarzer Krieger mit Pfeil und Bogen. Und was damals nach dem Fund als das 'Weiße' interpretiert wurde, stellt rituelle Körperbemalung während einer Zermonie dar. (...)"

© Jochen Vorfelder

15 November 2006

Ducati: Heimspiel mit zwei Top-Modellen auf der EICMA Mailand

Vor vier Wochen auf der Intermot am Stand von Ducati: Kai Swaton, Pressemann der Bolognesen in Deutschland, hatte einen schweren Stand. Ausser der neuen Multistrada und einigen Modifikationen an den SportClassic-Modellen gab es am Stand wenig zu berichten.

Der Grund war damals schon klar: Die wirklichen Highlights des Modelljahres 2007 heben sich die Italiener natürlich für ihr Heimspiel, den internationalen Motorradsalon EICMA in Mailand auf.

Gestern nun hoben sich die roten Tücher - und was von Federico Minoli, Chef der Edelschmiede, Francesco Rapisarda, Direktor Kommunikation, Claudio Domenicali, Direktor Produktentwicklung, und dem Chefdesigner Pierre Terblanche ins Rahmenlicht gehievt wurde, konnte sich sehen lassen:

Die HyperMotard. Endlich. 1100 Kubik, luftgekühlte ZweiZylinder-Maschine mit 95 PS und Trockenkupplung - der neue Standardmotor, der auch in der Multistrada dienst tut, verfügbar ab Mai 2007 in der normalen und der S-Version. Angeblich ist die HyperMotard ein Zweisitzer - bisher sind auf den Bildern allerdings noch keine hinteren Fußrasten aufgetaucht. Mal schauen, ob nächstes Jahr die Klappspiegel mit integriertem Blinker noch in der Auslieferungsversion dran sind. Mehr dazu bei ducati.com

Und dann: das neue Superbike in der Superbike-Klasse - die 1098. Die logische und evolutionäre Fortsetzung der 916, 998 und 999-Baureihen, das Fahrzeug mit dem leistungsstärksten Zweizylinder-Motorrad der Welt: 160 PS bei 173 Kilogramm Gewicht. Die Details sind bereits bei ducati.de online. In Rot zu haben - und in dreifarbiger Sonderausführung.

Um die 2007er Palette abzurunden, hier nun auch der offizielle Shot der 1100er Multistrada: Rahmen und Fahrwerk sowie Anbauteile haben fast keine Veränderungen gegenüber dem 2006er Modell aufzuweisen - der evolutionäre Kriechgang ist im Motor auszumachen: knapp 100 ccm mehr Hubraum, drei PS mehr. ansonsten immer noch ein Spitzenmotorrad.

Wer die ganze Pressekonferenz und Ducati-Präsentation in Auszügen sehen will, hier der Streifen bei DeinerGlotze (YouTube).



Der Platzwart

Buell: Super Lighning TT - Funbike fürs Frühjahr

Nun ist es offiziell - neben Ducati, über die es noch zu berichten gilt, hat ein zweiter Hersteller ein bisher unbekanntes Modell auf dem internationalen Motorradsalon EICMA in Mailand vorgestellt: Buell.

Ok, kein neues Motorrad, eher eine Mischung aus der Lightning Long und der "Adventuresport" Ulysses XB12X, eine Synthese mit etwas kürzerem Radstand als die Ulysses, aber mit einem Tick aufrechterer Sitzposition als die Lightning - die (ich zitiere mit Unwillen ob der Verballhornung der deutschen Sprache...) "HARDCORE URBAN STREET MACHINE", die Lightning Super TT XB12STT.

Erster Eindruck nach den PR-Fotos: schwer auf Supermoto getrimmt und kein Platz für die beste aller Beifahrerinnen. Unter dem weißen Deckel für den Lufteinlaß (das ist da, wo Sie den Tank vermuten, der ist allerdings nicht dort zu finden, sondern im Rahmen....) werkelt der bewerte 1.203 cm3 große Buell-Thunderstorm 45-Grad-V2-Motor (Puuuh, was für ein Name...) mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die seien hier jetzt erst einmal nicht genannt, die sparen wir uns für den großen Ulysses-Test im Winter auf.

Noch einmal O-Ton Buell:" Damit präsentiert sich die Lightning Super TT als perfekte Fahrmaschine für echte Individualisten und engagierte Fahrernaturen – ob im Großstadt-Dschungel oder im Winkelwerk der Kurven. Das neue Modell ist in Kürze für 10.799 Euro zu haben." Dann viel Spaß im Frühjahr und ein erster Eindruck online.

Der Platzwart

14 November 2006

Kleine Fluchten in der Winterpause

Die meisten Motorräder sind zwischen November und April eingemottet. Wer dennoch fahren will, brauchte einen Billigflug gen Süden und einen zuverlässigen Vermieter. Eine Übersicht.

Im Spätherbst und Winter sind die Naherholungsgebiete deutscher Biker - die Mittelgebirge und Alpen – mit Regen und Schnee geschlagen. Wer sich daher bei einigermaßen angenehmen Temperaturen ein paar Kilometer auf die Maschine setzen will, muß mindestens drei bis vier Stunden fliegen: Auf Sardinien, Sizilien, den Kanarischen Inseln und Madeira sowie an der türkischen Mittelmeerküste stehen die Chancen, auch im Dezember und Januar einige trockene Sonnen- und Fahrtage zu erwischen, nicht schlecht.

Flüge auf die Inseln und an die türkische Riviera bieten inzwischen fast alle deutschen Billigflieger wie hlx und Air Berlin an; in manchen Fällen lohnt sich auch Easyjet und ein Umweg über England mit Ryanair. Die Preise liegen Mitte Dezember für Flüge zwischen 19 Euro für Hamburg über Stansted nach Palermo und zurück bei Ryanair und 274 Euro für eine Woche Madeira ab Hamburg mit Air Berlin. Im Januar sind für die meisten Verbindungen, die wir rausgesucht haben, noch ausreichend Plätze zu haben.

Einen Roller findet man in Antalya oder Las Palmas außerhalb der Hauptsaison allemal; Motorräder sollte man auch in der flauten Zeit vorab buchen. Alle Vermieter vor Ort haben inzwischen ihre Angebote im Internet relativ übersichtlich aufbereitet. Die Seiten mit der Maschinenauswahl und Preislisten sind meist aktuell; in der Regel genügt ohnehin eine kurze E-Mail oder ein Anruf, um die Verfügbarkeit der Motorräder abzuklären.

Bei der Ankunft nicht vergessen: Es handelt sich um Leihfahrzeuge, daher stimmt das Bild im Netz und der Zustand in der Realität nicht immer überein. Die Vermieter, die wir ausgesucht haben, haben vor Ort und in den einschlägigen Foren jedoch einen guten Ruf und versuchen, sichere Fahrzeuge zu liefern. Dennoch bei der Übernahme eine kurze Probefahrt im Hof machen, um Reifen, Bremsen und Beleuchtung zu prüfen. Alle Vermieter haben ein breites Angebot an Halbschalen und Vollvisierhelmen; wer nicht auf seinen eigenen Kopfschutz besteht, kann vor Ort zum Preis zwischen drei und neun Euro pro Tag einen Helm mieten.

Sardinien
Erfahrene Tourenfahrer schwören Bein und Stein, dass die Insel eines der schönsten Fahrreviere im Mittelmeer ist. An der Ostküsten führen lange Täler mit knackigen Serpentinen und überhöhten Kurven in die Berge. Olbia im Süden der Insel wird von hlx aus München angeflogen; Easyjet hat drei Flüge pro Woche ab Berlin-Schönefeld in Angebot.

Die Vermieter sitzen in Olbia (www.ontheroadrent.com) und in Alghero im Nordwesten Sardiniens. (www.cicloexpress.com). Ontheroadrent bietet u.a. eine BMW F 650 GS für 60 Euro pro Tagan; cicloexpress hat eine Yamaha Custom Shadow 600 und eine Honda Transalp für den gleichen Tagespreis im Angebot.

Sizilien
Für einen Rundkurs auf Sizilien über die Nordküste, den Ätna, Catania, die Barockstädte um Noto im Süden und den landschaftlich grandiosen Westen der Insel braucht man mindestens eine Woche Fahrzeit. Flüge nach Palermo im Dezember bietet Air Berlin u.a. ab Berlin und Düsseldorf für 48 Euro an; Motorräder verleiht 2wheeltravel in Palermo (www.2wheeltravel.com)

Eine Honda Transalp kostet für drei Tage 148 Euro; wer es ganz exklusiv haben will, kann sich beim gleichen Vermieter auch eine Monster oder ein Ducati 999 aus Mailand kommen lassen. Preis auf Nachfrage...

Gran Canaria / Teneriffa / La Palma
Die Kanaren sind mit dem ganzjährig angenehmen Klima (im Dezember und Januar zwischen 20 und 25 Grad Tagestemperatur), den gebirgigen Strecken und der relativen dünnen Verkehrsdichte außerhalb der Zentren allesamt excellente Motorradreviere. Herausragend etwa die Strecke auf La Palma zum 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos, die Straßen auf Teneriffa durch die Lavafelder und die Fahrt auf den höchsten Berg Spanaiens, den 3718 Meter hohen Pico del Teide. Gran Canaria ist mit zerklüfteten Täler und spektakulären Aussichtspunkten gesegnet. Alle drei Inseln bieten Fahrspaß pur – wenn das Wetter mitspielt.

Flüge zu den Balearen bietet Air Berlin an; Hamburg – Las Palmas ab Hamburg und zurück kostet z.B. am 12.12. insgesamt 98 Euro. Billige Flüge gibt es auf die Kanarischen Inseln auch von Condor; zu suchen über www.opodo.de. Einer der größten kanarischen Zweirad-Vermieter ist Moto Sol (www.moto-sol.de) mit Stützpunkten auf Teneriffa, Gran Canaria und La Palma.

Auf Gran Canaria und La Palma kann man eine Honda Transalp 650 oder eine Suzuki DR Big 800 für 75 Euro pro Tag kriegen. Für den gleichen Preis steht auf Gran Canaria auch eine MZ Baghira. Auf Gran Canaria bietet Moto & bike (www.moto4rent.com) auch die Honda Shadow- und Black Widow-Chopper für drei Tage ab 200 Euro an.

Teneriffa ist auch Harley-Davidson-Revier. Moto Sol hat dort die Softtail Standard, die Dyna Wide Glide, die Road King Custom und die Heritage Softtail im Angebot – jeweils für 159 Euro pro Tag. Wie überall wird es günstiger, wenn man mehr als sieben Tage mietet.

Madeira
Die Blumeninsel voll üppiger Vegitation ist klein aber fein für Biker. Wenn man sich von den Schnellstraßen und Autobahnen fern hält, laden einsame Gebirgswege und in den Dörfern an der Küste verwinkelte Gassen und verwunschene Winkel zum Zweiradwandern ein.

Die Hauptstadt Funchal – die man von Deutschland aus in rund vier Stunden erreicht - steht auf dem Flugplan bei Air Berlin; ein Wochenticket ab dem 12. Dezember kostet z.B. ab Hamburg 274 Euro.

Vermieter vor Ort sind Magos (www.magoscar.com), das von einem deutschen Ehepaar betreiben wird, und Joyride Madeira (www.madeiramotorbikes.com). Magos bietet mit der F 650 GS, der R1150 R und der R 1200 GS ausschließlich BMW-Motorräder an; eine F650 GS kostet für drei Tage 198 Euro. Joyride hat als größte Maschine eine 650er Suzuki Freewind XF im Programm.

Türkei
In den Wintermonaten lädt in der Türkei nur die Mittelmeerküste zum Motorradfahren ein; doch schon bei Abstechern in die nahegelegenen Taurus-Berge kann es bitterlich kalt werden. Deshalb: Auf allen vorgeschlagenen Inseln, aber besonders in der Türkei den Regenkombi nicht vergessen.

Flüge nach Antalya bietet im Dezember und Januar u.a. Air Berlin ab Düsseldorf, München und Hamburg ab 239 Euro. Aber gerade Antalya wird von einer Unzahl von Charterfliegern und türkischen Airlines angeflogen; ein Billigticket ist hier fast immer zu ergattern.

Motorrad Antalya (www.motorrad-antalya.com) hat mit der Honda NX4 Falcon, der Yamaha XT 660, der BMW F650 und der BMW R 1200 GS verschiedene Preis- und Fahrklassen im Angebot; die 1200 GS kostet z.B. 100 Euro pro Tag. Ein weiterer Verleiher ist Martin Türkay (www.martin-tuerkay.de) Er bietet neben einigen kleineren Enduros den Honda Shadow 750-Chopper und eine Harley Sportster 883 an. Die Sportster kostet wie die Shadow 65 Euro pro Tag.

Guten Flug und gute Fahrt wünscht

© Jochen Vorfelder

13 November 2006

Menschen in Namibia II - George Moore & Tanguy Peeters


George (oben) und Tanguy sind Piloten für Wings over Africa, eine der vielen kleinen Fluggesellschaften, die Touristen durch das südliche Afrika fliegen. Beide sind gerade mal 22 Jahre alt, aber haben schon über 800 Flugstunden in ihren Logbüchern.

Tanguy: "Ich bin Belgier, aber im Kongo geboren. Mit siebzehn war ich nach Südafrika gegangen, um meinen kommerziellen Flugschein zu machen. Als Berufspilot fliege ich seit meinem achtzehnten Geburtstag; zuerst im Kongo, dann ein halbes Jahr im Sudan, das war ziemlich wild, und jetzt hier in Namibia und Botswana."

George: "Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen; man fühlt sich frei, ist dauernd unterwegs und verdient auch noch gutes Geld - so um die 8000 Namibische Dollar im Monat. (...)

Wir fliegen diesmal im Konvoi mit zwei 210er Cessnas. Tanguy hat drei, ich vier Passagiere an Bord; auf dem Programm steht eine Namibia-Rundtour mit einem Abstecher zum Okavango-Delta; zusammen eine Woche. Das sind zwei bis drei Flugstunden pro Tag; alles auf Sicht in geringer Höhe. Geniales Fliegen."

Tanguy: "Das Fliegen der Cessna ist im Grunde nicht komplizierter als Autofahren und auch nicht gefährlicher. Aber weil George und ich noch relativ jung sind, bekommen wir manchmal schon den einen oder anderen Spruch zu hören wie - Hey Junge, weiß deine Mutter eigentlich, was Du hier machst?"


© Jochen Vorfelder

12 November 2006

Die Crocker - was war das eigentlich?

Update zur Versteigerung der Steve McQueen-Motorräder - das Fahrzzeug, welches den höchsten Einzelpreis während der Auktion errreichte, war die 1937er Crocker, die für 267.000 USD unter den Hammer kam.

Da stellt sich doch die berechtigte Frage: Was zum Deubel ist eigentlich eine Crocker? Hier die Ergebnisse der kurzen Recherche: 1. Ein echter Klassiker aus den Dreissiger Jahren. Und 2.: Eine kanadische Firma versucht seit einigen Jahren, die amerikanische Traditionsmarke wieder zum Leben zu erwecken.

Der Artikel über den Bau der Replika
Die ehrenwerten Kanadier

Der Platzwart

McQueen: Versteigerung von Motorrädern und Memorabilia bringt über 1 Mio USD

Nun sind sie wieder weg, erworben für großes Geld, um wieder in irgendeiner klimatisierten Garage mit Alarmanlage zu verschwinden, dem Blick der Öffentlichkeit entzogen, nur noch einsames Amusement für einen privaten Sammler - die Motorräder von Steve McQueen, die am Samstag in Los Angeles im Petersen Automotive Museum versteigert wurden.

Die vermeldeten Zahlen gehen auseinander - hier die richtigen von der Website des Versteigerers Bonhams & Butterfields. Am meisten Geld brachte auf der Versteigerung ein Crocker-Motorrad aus dem Jahr 1937, es wechselte für 276.000 USD den Besitzer. Allerdings stammte es nicht aus dem Besitz von McQueen, sondern wurde von einem anderen Sammler angeboten - die McQueen-Memorabilia und -Motorräder waren nur Teil einer weit größeren Aktion, die 1,1 Mio für die angebotenen McQueen-Devotionalien und insgesamt 2,9 Mio USD einspielte.

Vom 1980 verstorbenen "King of Cool" wurden drei Maschinen versteigert - eine Indian Sport Scout von 1934 wurde für 177.000 Dollar erworben und die abgebildete Indian Powerplus Daytona von 1920 wechselte für 150.000 Dollar den Besitzer. Eine Harley aus McQueens Nachlass von 1929 wurde ebenfalls versteigert; hier ist der Preis nicht vermeldet.

Teuer, teuer jedenfalls - aber vergleichsweise billig: Eine faltbare Sonnenbrille, die McQueen angeblich während der Dreharbeiten zum Film "Thomas Crown ist nicht zu fassen" sein Eigen genannt haben soll, kam für 70.200 USD unter den Hammer.

In der Summe kann man also für 247.200 USD McQueen fahren - fehlt nur noch der Helm.

Der Platzwart

Hier der Link zum ausführlichen Artikel über Steve McQueen

09 November 2006

Menschen in Namibia I - Hein van Wijk


Hein ist General Manager der Ongava Lodge am südlichen Rand des Etosha-Nationalparks. Der Bure wurde 1950 geboren und kam 1979 nach Namibia. Während Hein im Norden des Landes arbeitet, unterrichtet seine Frau in der Schule von Swakopmund an der Atlantik-Küste.

"Wir haben 1979 eine große Karakulschaf-Farm im Süden Namibias gekauft und damit alles verloren. Schlechtes Timing: Der Markt brach zusammen. Niemand wollte Anfang der Achtziger Jahre noch Karakulfelle und Persianermäntel kaufen. Heute läuft das Geschäft wieder, weil die Karakuls als Fleischlieferanten einen guten Ruf haben.(...)"

"Das Ongava-Schutzgebiet, in dem die Lodge liegt, grenzt mit rund 30.000 Hektar direkt an den Etosha-Park. Wir haben hier einen eigenen guten Wildbestand: Elefanten, Löwen, Giraffen, fast alle Arten von Antilopen und fast ein Dutzend Nashörner. Die kommen abends gerne an die Wasserstelle am Fuß der Lodge. (...)"

"Wir sind ein Luxusresort; 70 Prozent unserer Gäste sind Europäer; 30 Prozent Deutsche. Von zehn Besuchern in Ongava werden vier mit der eigenen Maschine eingeflogen. Ja, man erreicht so viele verschiedene, weit entfernte Orte, aber zugegeben, vom wirklichen Namibia in den kleinen Städten sieht man bei einer Flugsafari nicht besonders viel."

Interview: Jochen Vorfelder

07 November 2006

Namibia V: An den Ochsenpfaden

Die Bereitschaft zur Veränderung ist auch in Swakopmund zu spüren. In dem "südlichsten deutschen Seebad", in dem vor hundert Jahren noch kaiserliche Kriegsschiffe auf Reede lagen, ist von der alten und strengen Deutschtümelei kaum noch etwas zu spüren.

Es gibt den Karnevalsverein noch und die Traditionscafes, wo die blonden Bedienungen die berühmten Schwarzwälder Kirschtorten in gestärkten, blütenweissen Schürzen servieren.

Doch über der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, die jetzt nach dem ersten Staatspräsidenten Namibias Sam Nujoma Avenue heisst, liegt inzwischen ein entspannten, mediteranen Flair. Die Zeiten der subtilen Apartheid sind zumindest in der Öffentlichkeit vorbei. Schwarz und Weiß bummelt ebenso ungezwungen wie die zahlreichen Touristen durch die "Swakopmunder Buchhandlung", die hippen Boutiquen, das "deutsche Antiquariat" und die modernen Shoppingcenter, die neben den architektonischen Überbleibseln der Kolonialzeit wie dem Kaidserlichen Bezirksgericht entstanden sind.

Swakop, wie die Einheimischen sagen, lebt auf und ist angesagt - nicht nur bei den Namibiern, die in den heißen Sommermonaten zwischen Dezember und März an die kühlere Küste strömen. Auch der eine oder andere Superstar hat die Küstengegend inzwischen entdeckt - rund 20 Kilometer südlich von Swakopmund liegt das (inzwischen) berühmte Langstrand, wo Angelina Jolie und Brad Pitt ihr Kind in die Welt gesetzt haben.

Nach Swakopmund und einer Stippvisite in Walvis Bay, dem wichtigsten Tiefseehafen des Landes, fuhren wir in den Süden und langsam über Helmeringhausen und Marienthal zurück in Richtung Windhoek.

Auf dem Weg dorthin rollten wir wieder langsam durch diese kargen, majestätischen Landschaften; die Scheiben des Pick-up hatten wir heruntergekurbelt, obwohl die Klimaanlage uns die Hitze erspart hätte. "Riechst du das?", fragte Christiane.

Ja, durch die offenen Fenster strömte der Geruch Namibias herein; ein ganz eigener, durchdringender Geruch in schneidend trockener Luft, mit allen blumigen Nuancen von silbernem Buschmanngras, das sich sanft im Wind wiegt. Der Geruch von verdampftem Regen auf heißem, aufgewirbeltem Staub und die schweren Ausdünstungen großer Rinderherden hingen in der Luft, durchmischt mit dem Urin keifender Pavian-Sippen, ängstlicher Straußenfamilien und flüchtender Springbock-Herden.

Es roch nach frischen Blüten und knorrigen Dornakazien, nach alten Lagerfeuern an historischen Ochsenpfaden, und nach dem Schweiß von großartigen Menschen, die in der Wüste ihr Glück gesucht, und der gewaltigen Natur eine Zukunft abgetrotzt hatten. Von ihnen haben wir in Namibia mehr als fünf getroffen.

Es folgt die Serie "Menschen in Namibia"

© Jochen Vorfelder

03 November 2006

www.dropspots.org: Der rote Roller

Weg vom Rechner, raus aus dem Büro, - manche Leute kommen auf super Ideen, um uns in den kälter werdenden Zeiten (Aber hallo, jetzt wollen wir mal nicht unterschwellig sozialkritisch werden ... ersetzen also gedanklich die >Zeiten< durch >Jahreszeiten<) vom digitalen Lagerfeuer weg zu locken.

Mit Abstand einer der besten Geistesblitze ist www.dropspots.org. Cool programmiert und aus google-maps gemasht, aber vor allem mit einer völlig Web 2.0-ungemäßen, weil realen, aber dennoch intensiven Beteiligung des werten Publikums.

Wir hier bei moto1203 sind in Kohortenstärke sofort aus den Gemächern geströmt und haben uns natürlich ein Zweirad - besagten roten Roller - als dropspot gesucht - aber seht selbst bei www.dropspots.org, als Location einfach Hamburg eingeben. Und nicht vergessen: Wir wollen etwas wiederhaben und viel Mails dazu...Direkt zu unserem Dropspot hier

Dank an Spreeblick für den Tipp

Der Platzwart

Namibia IV: Wem gehört das weite Land?

Die Koiimasis-Farm in den Tiras-Bergen ist einer dieser einsamen Orte in Namibia, an denen man sich fragt, wie die Menschen überleben. Die nächsten Nachbarn sind fünfzig oder mehr Kilometer entfernt; die Kinder gehen mit sechs Jahren ins Internat nach Windhoek.

Die Itzkos aus Koimassis sehen ihr Mädchen und den Jungen in den Ferien und sonst alle sechs Wochen. "Wir sind seit fünf Generationen in der Gegend, und das war schon immer so", sagte Wulff Itzko stoisch, als wir auf seiner Veranda saßen und Bier tranken. "Einfach war das Leben hier noch nie."

Mit zwanzig ging er zum Militär, als Namibia noch in südafrikanischer Hand war, und die SWAPO, die von den Ovambos dominierte Befreiungbewegung, einen Guerillakrieg führte. Itzko war an der Grenze zu Angola stationiert, wo die heftigsten Kämpfe tobten. "Fast jeder Weiße und viele von den Schwarzen hatten damals ein Gewehr in der Hand. Ex-Soldaten findet man überall, aber selten welche, die über die Zeit reden", sagt er. Dann schweigt auch er.

Auch über die drohende Landreform wollen die wenigsten Farmer reden, obwohl sich seit der Unabhängigkeit 1990 nur wenig verändert hat und der politische Druck steigt: Rund 4000 zumeist weiße Familien besitzen über fünfzig Prozent des fruchtbaren Acker- und Weidelandes, während über eine Million schwarze Namibier mehr schlecht als recht durch "Community Farming" auf dem Rest der Fläche überleben müssen.

Aufgeschlossene Farmer wie Itzko sehen das Problem, das wie eine Zeitbombe tickt, doch weder sie noch die Regierung haben eine Patentlösung parat: "Die bisherigen Vorschläge waren alle Nullsummenspiele. Mal angenommen, alle unsere Farmflächen würden in 1000-Hektar-Parzellen aufgeteilt und an etwa 50.000 schwarze Familien vergeben werden - das wären genau die 50.000 Familien, die heute bei uns auf den Farmen Arbeit finden, und dann den Neusiedlern weichen müssten."

Doch die früheren radikalen SWAPO-Kader stellen heute die Regierung und die Landreform wird unter dem Druck der unzufriedenen Massen in den schwarzen Vororten von Windhoek kommen. Dennoch läßt sich Itzko nicht beirren. Er weiß, dass sich die Farmer in Richtung Kompromiss bewegen und neue Einkommen neben der flächenintensiven Viehwirtschaft finden müssen.

Das Zauberwort heißt für viele Tourismus; auch Itzko setzt auf diese Karte. Er investiert in neue Bungalows und hat trotz der unsicheren Zeiten - wie viele andere - keinen deutschen Pass in der Hinterhand: "Ich habe vielleicht deutsche Tugenden wie eine gewisse Dickköpfigkeit, aber ich bin Namibier."

Fortsetzung folgt.

© Jochen Vorfelder

01 November 2006

Testfahrt: Die rollende Damenhandtasche

Yamahas 2007er MT-03 könnte das rechtmäßige Erbe der legendären XT 500 antreten. Doch die Zeiten sind hart: Rauchen ist völlig out und der Teufel trägt Prada.

Prada? Jede Ära hat ihre Stil-Ikonen. Aber 1976 gab es in Heidelberg keinen Prada-Shop und Frauen, die ich kannte, trugen keine Designertaschen. En vogue und stilbildend waren marokkanische Badewannen-Vorleger aus grobem Gewirke, die zu umhängbarem Stauraum geschneidert auf Hippie-Flohmärkten erworben wurden.

1976 rauchte man in der Heidelberger Altstadt den Joint auf offener Straße und hörte Janis Joplin: „Freedom's just another word for nothing left to loose“. Der heutige Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer verteilte Flugblätter des Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) an die Kiffer und Eberhard Kempf, der gerade im Mannesmann-Prozeß Josef „Joe“ Ackermann verteidigt, war ein aufstrebender linker Szene-Anwalt.

Der ganze Artikel - bei zeit.de

Der Platzwart