Genau das richtige Fahrzeug für den traditionsreichen 1.Mai: NSU Quickly, Baujahr 1958.
Genau das richtige Fahrzeug für den traditionsreichen 1.Mai: NSU Quickly, Baujahr 1958.
Als einziges Werksteam bei der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM ist KTM zum Erfolg verdammt. Bei den ersten Rennen der Saison 2010 hat KTMs neue Trumpfkarte, der Österreicher Martin Bauer, noch nicht gestochen. Doch es reichte fürs Treppchen.
Grauer Mecki-Schnitt, eher unauffällig, mit einer silbernen Kassenbrille unterwegs. Wer den 35 Jahre alten Österreicher Martin Bauer trifft, assoziiert zunächst: Typ Buchhalter. Oder vielleicht IT-Fachmann, beheimatet im vollklimatisierten Serverraum. Weit gefehlt. „Nein, Angst hat keiner von uns. Wir machen das ja dauernd, ist ja schließlich unser Job,“ sagt Bauer in seinem burgenländischen Dialekt. Bauers Job, mit dem der Diplom-Ingenieur gerade das Gehalt eines schlechter bezahlten Facharbeiters nach Hause bringt, ist im Gegensatz zu seinem bescheidenen Auftreten ziemlich spektakulär: Bauer fährt in der IDM-Superbike-Saison 2010 sechszehn Rennläufe auf einer KTM RC8 R, einer voll aufgebrezelten Rennmaschine mit rund 190 PS. Die orange Rakete – Spitzname „Kürbis on Wheels“ - beschleunigt bis auf Geschwindigkeiten jenseits von 300 Kilometern; Bauer bremst das Zweizylinder-Geschoß vor den Kurven so massiv zurück, dass das Hinterrad kaum noch Bodenberührung hat. Zu seinem Arbeitalltag gehört auch, 180 kg Rahmen, Motor und Verkleidung so schnell durch die Kurven zu zirkeln, dass die weichen Rennslicks böse weggefetzt werden, aber gerade noch den Fliehkräften trotzen. „Nach über fünfzehn Jahren Rennsport realisiert man die Geschwindigkeiten aber nicht mehr und das Gefühl für die Grenzbereiche hat man quasi im Blut,“ sagt Bauer. Druck allerdings spürt Bauer zur Zeit allemal: Er hat 2007 und 2008 die Superbike-IDM, die deutsche Königsklasse, auf einer Honda überlegen gewonnen. Im letzten Jahr hat ihn nur ein Sturz mit kompliziertem Arm-, Kahnbein- und Handbruch daran gehindert, das Triple zu feiern. Jetzt, in der laufenden Saison, soll er den Titel wieder holen, als Werksfahrer für den österreichischen Hersteller KTM. Denn KTM, die brauchen den Titel dringend. Mission Orange Das Werk im niederösterreichischen Mattighofen hat sich den Slogan „Ready to Race“ auf die Fahnen geschrieben; der Markt für den mittelständigen Hersteller liegt in den schnellen Nischen: Motocross-Maschinen, Enduros, Supermotos und seit ein paar Jahren auch hochpotente Straßenmaschinen wie die RC8 und RC8 R. KTMs Ruf in der Sportszene ist glänzend, doch so richtig etabliert auf dem Markt für Straßenmaschinen haben sich die technisch piekfeinen Ösi-Modelle neben den Platzhirschen aus Japan, Italien und neuerdings München noch nicht. Das hat KTM in den beiden letzten Krisenjahren der Branche schmerzlich gespürt: ein Minus 28 Prozent bei den Verkäufen, Probleme mit dem Cashflow, 450 Entlassungen, die Produktion wurde kontrolliert zurück gefahren. Damit stehen auch das massive Rennsport-Engagement von KTM in der IDM sicher nicht zur Disposition, aber am Scheideweg. Top oder Flop? Die Österreicher leisten sich seit vergangenem Jahr als einziger Hersteller ein reinrassiges IDM-Werksteam; die Investitionen für „Ready to Road Race“ sind immens und liegen im Millionenbereich. Das muss sich irgendwann auszahlen – in Titeln, Verkaufszahlen und Quote. Die IDM ist zwar ein ideales Testumfeld, aber dümpelt in der öffentlichen Wahrnehmung weit hinter der Superbike-WM oder gar der MotoGP her. Außerhalb Deutschland ist die IDM-Serie null werbeträchtig. Ernsthafte Sponsoren wie die Reifenhersteller oder Red Bull bei KTM kann man an zehn Fingern abzählen: Und Helden gibt es nur, wenn einer zuguckt. An Strecken wie dem Eurospeedway sind Zuschauerzahlen über 5.000 schon eine kleine Sensation. Die Highlights der Rennläufe werden diese Saison von Sport1 übertragen. Aber im Grunde sind die IDM-Rennläufe ein Wanderzirkus, bei dem die Artisten für ihre Auftritte opulenten Eintritt zahlen. Die Marschrichtung für die KTM-Firmenleitung um Stefan Pierer ist also klar: weiter in die große Welt, weiter in die Superbike-WM. „Ich bin ohne böses Blut bei Honda weg und zu KTM. Zwei Gründe haben den Ausschlag gegeben – Erstens: Ich hatte mit den Japanern alles gewonnen und Zweitens: KTM konnte mir ein gutes Motorrad und eine stimmige Perspektive bieten,“ erklärt Bauer den Wechsel der Marke, der die Szene überrascht hat. Doch in der Nachbetrachtung scheint Bauers Entscheidung stimmig: Für Honda war er in der IDM drei Jahre lang eine feste Bank. Da sprach nichts dafür, den aufstrebenden Österreicher in die Superbike-WM zu befördern. Bei KTM dagegen hat er eine neue Herausforderung und den Handschlag, dass es mit von der Partie nach Oben ist: „Aber erst mal müssen wir uns in der IDM beweisen. Mir bleiben noch vier, fünf Jahre, in denen ich auf hohem Niveau fahren kann. Und ich glaube, mit der RC8 R haben wir das richtige Motorrad, um international in der Superbike-WM mit zu fahren.“ Konkurrenz für eine enge Saison Ganz ohne Gegenwind wird das nicht laufen. Bauers Platz bei Hondas Satelliten-Team Holzhauer hat der Australier Karl Muggeridge eingenommen, ein extrem schneller und erfahrener Fahrer. Yamaha lässt wieder Jörg Teuchert an den Lenker, den Meister von 2009, mit dem immer zu rechnen ist. BMW schickt in der zweiten Saison die neue S1000RR an den Start und hofft auch, aufs Treppchen zu fahren. Doch auch in Bauers KTM-Rennstall schläft die Konkurrenz nicht: Sein Co-Pilot Stefan Nebel hat in der vergangenen Saison kein Rennen gewonnen, sich aber als überragender Punktesammler profiliert, der selten ausfällt oder stürzt. Damit hat sich Bauers Teamkollege die letztjährige Vizemeisterschaft gesichert. Wie dünn die Luft an der Spitze wird, muss Martin Bauer schon bei den ersten beiden ersten Läufen an der Lausitz festgestellt. Im ersten Wertungslauf ist Bauer in einer Kurve an der Spitze liegend übers Vorderrad ins Kiesbett gerasselt. „War mein Fehler, ich habe es übertrieben,“ kommentiert er die Sturz lakonisch und wird damit seinem Ruf treu. Bauer ist kein Haudrauf; im Fahrerlager kursiert der Name „Iceman“. Weil er nicht nur ein brillanter Fahrer, sondern auch ein kluger Analytiker ist, wundert es nicht, dass er kurz nach dem Abflug in aller Seelenruhe mit seinem Teamleiter Wolfgang Felber, dem Vater der RC8 R, vor den Monitoren in der KTM-Box sitzt: Datenanalyse, Ursachenforschung. Eigene Fehler, die wurmen den aufgeräumten Bauer am meisten. Denn hinter der kühlen Fassade, die gerne täuscht, lodert bei ihm der quälende Ergeiz, den man als Siegfahrer braucht. Und im zweiten Durchgang läuft es dann besser für den Mann in Orange: Das erste Treppchen der Saison, dritter Platz hinter Jörg Teuchert und dem Doppelgewinner des Wochenendes, dem Honda-Piloten Karl Muggeridge. Enttäuscht? Bauer bleibt cool und rückt seine Brille zurecht: “Die Saison ist noch lang. Abgerechnet für mich und KTM wird erst im September in Hockenheim.“ Wer Bauer kennt, versteht, dass sich hinter dem sanften Ton eine massive Drohung an Teuchert und Muggeridge versteckt. Bauer ist ready to race. Mehr Fotos auch von Martin Bauers Sturz unter http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-54253.html (c) Jochen Vorfelder
Auch Kawasaki eröffnet nun einen Stützpunkt auf dem zukunftsträchtigen indischen Markt.
Interessant dabei: Der Partner Bajaj, der die aus steuerlichen Gründen in Einzelteilen importierten Kawas zusammenbaut und anbietet, ist auch zu einem hohen Anteil an KTM beteiligt. Die Zweirad-Branche wird in Sachen Beteiligungen und Verschwörungen bald so unübersichtlich wie die Auto-Welt.
Temp: 14 Grad
Soundtrack: The Little Willies "Best of all possible Worlds"
Das Schöne an der IDM - mit den normalen Tickets kommt der Fan auch ins Fahrerlager. Der Rennzirkus auf deutschem Level ist eher ein Familientreffen.
Letzte Handgriffe in der Holzhauer Honda Werkstatt - links die 31 von Karl Muggeridge (Australien), der nach der Quali-Läufen von Startplatz 1 ins Rennen geht.
Der Job ist getan für heute. Die beiden KTM-Werksfahrer Martin Bauer (Li.) und Stefan Nebel haben die Startplätze zwei und sechs rausgefahren und verabschieden moto1203 für heute mit Nebels Nachwuchs Maxi.
Wie kriege ich die exakte Spritmenge in den Tank? Bei KTM haben die Techniker eine spezielle Aufnahme gebaut, die mit einer Präzisionswaage verbunden ist.
OK, das war nicht aus dem Helikopter. Aber vermittelt doch einen Eindruck von der Strecke.
Ich glaube, ich geh raus aus dem tiefgekühlten Pressezentrum und stell mich in die Sonne an der Strecke.
Alle Starter bei der IDM-Superbike-Serie haben das gleiche Ziel. Sie wollen schneller sein als Jörg Teuchert, der amtierende Meister von Michael Galinskis Yamaha Motor Team.
Um 14:00 startet das zweite Zeittraining der Superbike-Klasse. Beim alpha Technik-BMW-Team stehen die Maschinen von Werner Daemen und Barry Veneman schon parat.
Machen Werbung für die Truppe: älterer MBB BO 105 und relativ neue BMW RT 1200 für die Feldjäger.
Stand nach dem ersten Zeittraining:
1. Martin Bauer KTM 1:39,68
2. Karl Muggeridge Honda 1:40,32
3. Dario Guiseppetti Ducati 1:40,39
4. Jörg Teuchert Yamaha 1:40,48
5. Stefan Nebel KTM 1:40,84
6. Werner Daemen BMW 1:40,91
Qualifying der Superbikes - jetzt zählt jede Hunderstel Sekunde. Zum ersten Mal 2010 werden die Rundenzeiten verglichen. Wer tastet sich zur Pole Position im Rennen morgen vor?
Moin, Tweets! Zweiter Tag am Lausitzring. Heute stehen die Qualifying-Runden an, dann schälen sich die Favoriten raus. 10:15 sind die Superbikes dran. Spannung steigt, das wird mit Sicherheit eine enge Saison.
Nur bei den Hökern im Fahrerlager herrscht Langeweile.
Schwerer Stress bei BMW: Die S1000RR-Folie zum Bekleben des schwarzen 330i wellt wie der Teufel. Zitat: "Fuck, sieht doch Kacke aus."
Ruhe an der Strecke und in den Paddocks. Vor dem Qualifying morgen sind nur noch die Mechaniker wie hier beim Titelverteidiger Jörg Teuchert von Yamaha zugange.
Auch in der Seitenwagenklasse finden am Wochenende zwei Rennläufe statt.
Nachwuchs aus der IDM-125er-Klasse. Von Links nach rechts - 13 Jahre, 15 Jahre, 16 Jahre. Zukünftige Champions oder zukünftige Organspender.
Das haben die Kommisare so geregelt: Vor dem Start liegt die Hürde der technischen Abnahme. Geschmack und Farbgefühl wird nicht geprüft.
Neue Saison 2010, neues Spiel. Das Racing 53-Team von Andreas Bronnen ist diese Saison zum ersten Mal am Start. Die Startnummer 53 war schon vergeben; jetzt soll's die 13 für die Yamahas richten.
In der KTM-Box. Nach den Testrunden wird die Maschine von Martin Bauer, eines der Superbike-Titelaspiranten, komplett durchgecheckt.
S1000RR: Zwei Mal Horizontallage im Kiesbett bei den 24 Stunden von Le Mans am letzten Wochenende, aber für den 3. Platz hat es noch gereicht.
Bester Sonnenschein für das Training der Superbikes, gleich geht's raus auf den Kurs.
Der im letzten Quartal schwer gebeutelte Hersteller Harley-Davidson - zum ersten Mal seit 16 Jahren wurden in 4/2009 Verluste gemeldet - findet zurück in die Erfolgsspur: Unterm Strich hat das Unternehmen in den ersten drei Monaten 2010 insgesamt 33 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaftet. Für Entwarnung ist es nach Einschätzung des CEO Keith Wandell allerdings noch zu früh: Harley hat im vergleichbaren Zeitraum des letzten Jahres noch einen Gewinn von 117 Mio. USD vermeldet.
Auch die absoluten Umsatzzahlen sprechen eine klare Sprache: Mit einem Umsatz von rund 1 Milliarde USD liegen die Amerikaner noch etwa ein Fünftel unter dem Niveau des Vorjahres. Der Abverkauf im Krisenjahr 2009 war vor allem im Heimatmarkt USA stark zurück gegangen, was zu Werksschließungen, Entlassungen und der Schließung der Tochtermarke Buell geführt hatte. Auch die zweiter Tochter MV Agusta steht zum Verkauf. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde jetzt bei den Verkaufszahlen noch ein Minus von 18,2 Prozent im Vergleich zu 2009 vermeldet. Der Börsenkurs der Marke hat sich jedoch nicht zuletzt durch diese erwarteten positiven Zahlen und zwischenzeitliche Übernahmegerüchte durch den Investor KKR wieder erholt: HOG wird an der New York Stock Exchange zur Zeit mit etwa 33 USD pro Aktie gehandelt; die Aktie war im vergangenen Juli 2009 auf knapp 15 USD und im Februar 2010 auf 22 USD gefallen.