Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.
Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".
Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.
1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.
Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.
Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.
Bilderstrecke von der Canning Stock Tour
Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.
Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.
Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.
Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.
Video von der Canning Stock Tour:
Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de






