07 November 2008

Canning Stock Route Australien: Sprit bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E

Schuld waren die Zecken. Als die Rinderbarone des Kimberleys im äußersten Nordwesten Australiens um 1870 Zebu-Rinder aus Afrika importierten, brach eine Biblische Seuche über die Herden herein. Die mit den Zebus eingeschleppten Zecken vermehrten sich massenhaft; die Wasserstellen färbten sich feuerrot durch den Urin der kranken Tiere, die nach Abkühlung und Linderung ihres hohen Fiebers suchten.

Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.

Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".

Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.

1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.

Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.

Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.

Bilderstrecke von der Canning Stock Tour

Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.

Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.

Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.

Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.

Video von der Canning Stock Tour:



Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de

06 November 2008

EICMA 2008: Heimspiel für Ducati, Guzzi & Co.

Sie lieben das Schaulaufen auf dem Mailänder Catwalk: eine halbe Million Besucher werden auf der diesjährigen Motorrad-Messe Eicma erwartet. Ducati schickt die heißesten Models ins Rennen, aber auch BMW ist für eine Überraschung gut. moto1203 stellt die wichtigsten Neuheiten vor.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert, und man mag das als Vorboten werten: Die Eicma 2008 wurde gestern mit einem Modell-Feuerwerk der italienischen Hersteller für das Publikum eröffnet.

Allen voran Ducati: Die Superbike-Bauer aus Bologna stellen mit dem neuen Streetfighter in Normal- und S-Ausführung und zwei neuen 1198ern gleich zwei komplett neue Linien vor.

Star auf dem Mailänder Laufsteg ist unbestritten der neue Streetfighter: Ein Naked-Bike mit 155 PS und 115 Nm Drehmoment, heraus gekitzelt aus einem überarbeiteten L-Twin-Motor mit 1099 Kubikzentimetern Hubraum. Allein das ist schon atemberaubend, doch das Design stellt die Fahrleistungen noch in den Schatten – einen schärferen sogenannten Cafe-Racer wird es im Modelljahr 2009 nicht geben. Der Ducati Streetfighter ist damit erster Anwärter auf den Titel "Bike of the Show".

Überrascht hat auch Moto Guzzi, trotz der Spekulationen über die Schließung des Stammwerks in Mandello. Die Traditionsmarke unter dem Piaggio-Dach hat mit der neuen Stelvio 1200 TT (1151 Kubikzentimeter Hubraum und 105 PS) eine massive und günstig avisierte Reise-Enduro aufgelegt, die den Platzhirschen von BMW durchaus Paroli bieten kann.

Dass über den Preis etwas geht, hat Guzzi erst vor wenigen Wochen in Berlin bewiesen: Dort gewannen sie mit dem billiger angebotenen Modell Norge die Ausschreibung der Berliner Polizei gegen die weiß-blaue Konkurrenz.

Aprilia, eine andere Piaggio-Tochter, glänzt ebenfalls mit guten Ideen. Nachdem bereits auf der Intermot in Köln im Oktober das neue Superbike RSV4 von der Leine gelassen wurde, wird in Mailand nun die komplette Ausstattung der Dorsurodo-, Shiver- und Mana-Familie mit ABS vorgestellt.

Und was in der Mana mit ihrem revolutionären Automatikgetriebe steckt, beweist die Konzept-Studie Mana X: In diesem Flat-Track-Racer ist der 839-Kubikzentimer-Motor der Straßenversion verbaut, aber die Maschine ist um alle unnötigen Verkleidungen erleichtert und mit dem Underseat-Auspuff und der Crosser-Sitzbank optisch eine Augenweide.

Stylistisch mithalten können da allenfalls noch die neu gestaltete Brutale von MV Agusta, die DB7 Oronero von Bimota und die neue 990 SMT von KTM, eine interessante Mischung aus Sport-Tourer und Supermoto.

Mit 115 PS aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum wird sie wohl als agile Alternative zu den kleineren BMW-Enduros, der Ducati Multistrada und der Triumph Tiger vermarktet. Hohe Frontscheibe und Tourenkoffer für die 990 SMT sind jedenfalls im Angebot der Österreicher – ebenso wie die bisher kräftigste Maschine aus der Mattighofener Powerschmiede, die KTM RC8 R mit 180 PS Leistung.

Ganz andere Wege geht Honda. Während auf der Kölner Messe noch die absonderliche Zukunftsstudie V4 und die neue Fireblade den Stand bestimmten, kümmert sich der Branchen-Primus im Rollerland Italien um den Massenmarkt: Bezahlbare und mit Blick auf die Betriebskosten sympathische Modelle wie das High-Tech-Modell SW-T400 (Viertakt-Zweizylinder mit endlos Stauraum und kombiniertem ABS) oder der überarbeitete SH125i bestimmten die Pressekonferenz.

Das liegt im Trend – auch in Deutschland: Allein im September 2008 wurden knapp 1000 Roller, 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, zugelassen.

Bleibt noch BMW zu erwähnen: Die Bayern zeigen neben dem neuen Naked Bike F 800 R mit dem Lo Rider eine Konzept-Studie, die auf dem klassischen Boxer-Roadster basiert, aber top-moderne Stilmix-Elemente aus 50er-Jahre-Cruiser und aktuellem Superbike zusammen führt: Drahtspeichenfelgen und Wave-Bremsscheiben, Upside-Down-Telegabel und Scrambler-Tüten fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das man bisher aus Bayern nicht gesehen hat.

Der Clou: Beim Lo Rider soll der Kunde vor der Auslieferung Gestalter werden. Die Maschine ist konzipiert als Baukastensystem, kombinierbar sind verschiedene Sitzbänke, Auspuffanlagen, Frontpartien und Farbgebungen für das Motorgehäuse – Pimp my Bike also serienmäßig. Wann die Studie kommen soll, ist noch unklar.

Der Messewart

05 November 2008

Verkehrsicherheit: Schneller als die E-Mail erlaubt

moto1203 hat viel Haue bekommen, als es sich vor einigen Wochen damit beschäftigte, in wie weit schlechter, verantwortungsloser Motorrad-Journalismus (auch bekannt unter dem Schlagwort "Knallpresse") zu den Unfallzahlen von Bikern beiträgt.

Eine der Folgen: Ich beschäftige mich mit der Frage, in wie weit Straßenführung und Beschilderung zur objektiven, statistisch nachvollziehbaren Sicherheit beiträgt und wie viel reale Sicherheit von der subjektiven Wahrnehmung des Fahrers abhängt.

Dabei spielt die Beschilderung eine wesentliche Rolle - und logischer Weise recherchiere ich auch die Frage der korrekten Beschilderung. Dabei ist mir dieses besonders heraus ragende Exemplar untergekommen:
Der Witz bei der Geschichte: Die Englischen Ansage ist der Stadtverwaltung von Swansea bei der Übersetzung ins Walisische etwas daneben geraten. Der angemailte Übersetzer war leider nicht im Büro, aber hatte seinen Auto-Responder eingeschaltet: "I am not in the office at the moment. Send any work to be translated." Was heißt das wohl für Walisische Biker ....

Krieg auf zwei Rädern: Superbikes töten mehr Marines als Al-Quaida

Nach einer aktuellen Studie der amerikanischen Armee sind in den vergangenen zwölf Monaten mehr Marines bei Motorradunfällen gestorben als im Einsatz im Irak. 25 Soldaten starben auf amerikanischen Straßen - 24 davon mit Sportbikes - während im gleichen Zeitraum im Irak 20 Marines bei Schusswechseln oder Selbstmordanschlägen ihr Leben verloren.

General James Amos, der stellvertretende Kommandeur des Marine Corps, sagte CNN: "Anscheinend müssen wir unseren Leuten auf diesen Motorrädern ebenso helfen zu überleben wie im Einsatz." Etwa ein Zehntel der rund 200.000 Marines besitzen Motorräder.

Um der Unfallseuche Herr zu werden, muss nun jeder Motorrad-fahrende Marine an einem Grund- und Einführungskurs - vergleichbar einem ADAC-Sicherheitstraining - teilnehmen. Für Fahrern von Sportbike ist ein zweiter Kurs obligatorisch. Wer ohne Zertifikat erwischt wird, hat mit disziplinarischen Folgen zu rechnen.

Das Marine Corps ist nicht allein von der steigenden Unfallzahl betroffen. Die Navy berichtet von 35 toten Bikern - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 65 Prozent. Warum die Zahlen seit zwölf Monaten ansteigen, dafür gibt es keine stimmige Erklärung. die Marines hatten zunächst auf sehr junge Fahrer ab 18 Jahren getippt, doch die Statistik zeigt, dass das durchschnittliche Alter der tödlich Verunglückten bei 25 liegt.