12 September 2008

Schräglage: Stirb schneller, Leser!


Immer Vollgas, immer volles Risiko - Motorradfahrer haben ein schlechtes Image. Daran sind das Zweirad-Zentralorgan "MOTORRAD" und das Schwesterblatt "PS" nicht ganz unschuldig: Reporter huldigen der ungebremsten Raserei und halsbrecherischer Stunts. Inzwischen beschweren sich auch die Abonnenten.

Zum Artikel bei SPIEGEL Online

Die Kolumne hat in ein Wespennest gestochen - die Reaktionen im Forum lassen jedenfalls darauf schließen.

Interessant dabei: Die Diskutanten stellen oft ihre "persönliche Freiheit" zur Diskussion. Dabei geht es in dieser "Schräglage" gar nicht um die Geschwindigkeit des individuellen Fahrers - sondern um die Philosophie einer Redaktion, die für Tausende von Lesern schreibt und damit eine weiter gehende Verantwortung hat.

Wer sich den tragischen Einzelfall antun will, sollte einen Blick auf diesen Bericht des WESTENS, des Portals der WAZ, werfen und durch die Kommentare scrollen. Dank an Marc vom Motorradblog für den Link.

10 Kommentare:

  1. Herr Kollege Vorfelder,

    Warum haben Sie sich dafür ausgerechnet MOTORRAD rausgesucht - die mit Abstand sicherheitsorientierteste, Vernunft anmahnendste und lesererziehendste deutschsprachige Motorradzeitschrift?

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  2. Ja, wenn es denn so wäre ...

    aber es lässt auf keine konsistente redaktionelle Linie schließen, wenn unter der Führung der Chefredaktion jeder Tester seinen Schnellfahr - Phantasien freien Lauf lassen darf.

    Mit der Vernunft jedenfalls ist es in den letzen Jahren bei Motorrad und PS immer weiter bergab gegangen - das springt mich nicht nur bei den Texten, sondern auch bei der Bebilderung an.

    Gruß Vorfelder

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  3. Und übrigens:

    Ulf Penner ist auch nicht ohne ...

    http://www.mo-web.de/index.php?id=202

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  4. Oha, da hast du aber eine ganzschöne Lawine losgetreten. :-)

    Die Kommentare im Spiegel Online Forum sind wirklich unterhaltsam zu lesen, das hat ein bisschen was von einer Massenkeilerei in einem Asterix Comic. :-)

    Aber ich muss dir zustimmen. Wegen der Art der Berichte und der darin vorgestellten Maschinen kaufe ich mir das Magazin auch nicht...

    Gruß,

    Alexander

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  5. Na also, geht doch!

    Bitte schreiben Sie mehr über uns. Ganz nach dem Motto "schlechte PR gibt es nicht". Und wir hätten es wirklich verdient.
    Noch mehr die Kollegen vom Reitwagen (Austria). Schauen Sie da lieber nicht rein, sonst platzt Ihnen womöglich ein kleines Äderchen im Kopf.

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  6. Hallo Jochen,
    sehr treffender objektiver Bericht, was aber ähnlich wie bei der WAZ ist: Die Kommentare sind teilweise sehr oberflächliche Schubladenmeinungen. Ich würde mir wünschen, wenn über dieses Thema mal eine offene und sachliche Diskussion geführt werden könnte, aber leider scheint das irgendwie nicht zu klappen. Bei dem Thema stochert man immer im sprichwörtlichen Wespennest.
    Ich fahre auch gerne mal zügig, aber allein meine Verantwortung gegenüber meinem Leben macht mich dann doch letztendlich zum Frühbremser.
    Ich denke auch, dass sich die "Motorrad" auf dem falschen Weg befindet, wobei auch zu sagen ist, dass Motorradfahren immer mehr ein Hobby wird, anstatt eine Lebensphilosophie. Die Parallelen der Entwicklung von "Motorrad" und den Motorradfahrern lassen sich jedenfalls nicht von der Hand weisen.
    Aber auch das bezieht sich wieder nur auf einen in meinen Augen kleinen Teil der Motorradfahrer, den die Gruppe der übertriebenen Raser ist sicherlich in der Minderheit. Kein Wunder, dass sich die "Motorrad" da so langsam einen Großteil ihrer früheren Zielgruppe vergrault.

    Gruß,
    Marc

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  7. Herr Vorfelder, ich kann ja verstehen, dass ihnen als passionierter Kurvensteher (so nennen wir das hier in den Bergen) beim Lesen des MOTORRAD Artikels, während des allmorgendlichen Stuhlgangs, das Frühstücksfrufru sauer aufgestoßen ist, und Ihnen Ihr Schließmuskel für ein paar Minuten den ordnungsgemäßen Dienst verweigert hat. Ich kann ebenfalls verstehen, dass Sie sauer sind, dadurch zu spät zu Ihrem Yoga-Seminar gekommen zu sein. Sie sollten Ihren Unmut jedoch nicht auf lebensfrohe Redakteuere abwälzen, nur weil sie es verstehen, dem grauen Alltag -der Sie so schrecklich eng im Schwitzkasten zu haben scheint- ab und an ein Schnippchen zu schlagen. Ich bin mir sicher, die Umstellung Ihrer Ernährung hätte bestimmt positive Auswirkungen auf Ihre Verdauung, und vielleicht klappts dann auch mit dem Spaß im Leben. Ich habe bereits vor längerer Zeit aufgehört MOTORRAD zu lesen, da es mir eindeutig zu sachlich und sicherheitsorientiert war. Nun da ich jedoch von Ihnen lese, dass dies garnicht mehr der Fall ist, werde ich mir wohl wiedermal ein Exemplar nach Hause holen.

    Vielen Dank für den Hinweis, und viel Glück, sowie lockerflockige Konsistenz bei Ihrem zukünftigen Morgengeschäft!

    mfg
    Alex

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  8. Oh je, Herr Vorfelder.. was ist denn da passiert?

    Heute fröhliches selbst-ins-knie-schießen, oder gabs von Spon die Ansage daß zu wenig Klicks kommen und man doch bitte etwas mehr RTL2 action news machen soll?

    Das ist die Kolumne über Motorrad-Fahren? Im Ernst? Oder doch eher die darüber wie schlimm und gefährlich das doch alles ist und das man doch lieber zuhause im Bett bleiben sollte und sich die Decke über den Kopf zieht.

    Der Artikel war seit langer Zeit endlich mal wieder ein Bericht in der "Motorrad" der mir wirklich gefallen hat. Ansonsten war ich eh schon davor mein Abo zu kündigen, denn ich kann die Worte ABS und Spritverbrauch nicht mehr lesen.

    Ausgerechnet die Motorrad jetzt zu "bashen" ist natürlich amüsant, christlicher gehts ja sonst im deutschen Motorradjournalismus höchstens noch im "Tourenfahrer" zu.

    Ich hab ansich beim Lesen des Artikels die ganze Zeit auf die Ironie oder die Wende gewartet.. nur kam da nichts. Schade.

    Die Kommentare im Spon-Forum zeigen dann aber daß es sich für sie gelohnt hat, ich glaube so viel Klicks hat bisher keiner ihrer Artikel gebracht. Schade nur daß das allgemeine Motorrad-bashen dort fröhlich weiter geht, ich habs wegen Brechreiz nur bis Seite 3 geschafft.
    Motorradfahrer sind nämlich quasi konstant mit 300 auf dem Hinterrad in der Spielstraße unterwegs und fressen dabei kleine Kinder und Robbenbabys müssen Sei wissen. Daß 80% der Unfälle von Autofahrern ausgelöst werden und Motorradfahrer nachweislich (!) auch im Auto die besseren Verkehrsteilnehmer sind ist natürlich nicht interessant.

    Wirklich erbärmlich was sie mit Ihrer Schreibe losgetreten haben, das hätte wirklich nicht sein müssen. Abgrundtief schlechte Berichte über Motorräder gibts schließlich von der fach-fremden Jounaille schon genug.

    Ich werd übrigens doe "Motorrad" trotzdem abbestellen und den Reitwagen abbonieren. Die tun wenigstens nicht so scheinheilig.

    Ach ja, der Rückgang der Motorradfahrer hat wohl eher mit den Gutmenschen zu tun als mit den Rasern.

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  9. Lieber Herr Vorfelder (ist „Herr“ ist die richtige Anrede oder sollte ich doch lieber „Fräulein“ verwenden?),

    vielen Dank für Ihren unterhaltsamen Beitrag zum Thema „Raser“. Ein Highlight der seichten Unterhaltung und ein gutes Beispiel der zeitgemäßen Übervorsicht einer politisch korrekten Tourenschwuchtel. Nein, nicht, dass Sie jetzt glauben „Tourenschwuchtel“ sei eine Beleidigung, so werden in Österreich liebevoll jene Motorradfahrer genannt, welche größten Wert auf die Landschaft und die „Freiheit“ beim Fahren legen, die Butterbrote, Getränke, Regenschutz und andere wichtige Dinge in ihren vielen Koffern mit sich führen und denen Geschwindigkeiten über 100km/h zuwider sind, sei's aus Vernunft oder mangelnden Fahrkönnen.

    Ich muss Ihnen aber auch Recht geben, dass Sie Motorradfahrten auf Autobahnen anprangern, auf solchen Strecken haben Motorräder nichts verloren. Um diesen unwürdigen Zustand des langen Geradeausfahrens zu umgehen, haben wir in Österreich Berge, Pässe, Kurven und Serpentinen erfunden und diese gleichmäßig von Ost nach West im ganzen Land verteilt. Nun ist es so, dass dieser Umstand jede Saison Horden an bundesdeutschen Topcaseträgern anzieht und diese dann oftmals fassungslos die erste richtige Kurve anbremsen und durch ihre aufrechte Haltung in eben jenen Kurven die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit erheblich herabsetzen und somit schnellere, geübtere Fahrer zu Überholmanövern im äusseren Kurvenradius zwingen. Das ist weiter nicht schlimm, viele Fahrer in der Alpenrepublik haben sich an diese Überholvorgänge längst gewöhnt und grüßen auch freundlich beim Vorbeifahren.

    Leider kommt es aber auch vor, dass längere Autobahnetappen unumgänglich sind, zB um rasch frische Mozartkugeln von Salzburg nach Wien zu bringen, und dafür bedarf es leistungsstarker, aerodymanisch begünstigter Motorräder. Warum Sie allerdings derart vehement gegen diese legitime Art der Fortbewegung vorgehen, ist mir unverständlich. Waren Sie bei der von Ihnen beschriebenen Fahrt dabei, um beurteilen zu können, dass Hr Kaschel andere durch seine Fahrweise gefährdet hat? Kann es nicht auch sein, dass ein professioneller Testfahrer aufgrund jahrelanger Erfahrung einen anderen, sicher auch verantwortungsbewussten Zugang zu höheren Geschwindigkeiten hat und man der Leserschaft durchaus ein gewisses Maß an Selbstverantwortung eingestehen sollte, welche sie mahnt, solche Fahrten mit dem nötigen Gefühl für Geschwindigkeit und Realität anzugehen? Ja, es wird immer wieder Menschen (auch Autofahrer) geben, denen jeglicher Sinn für Verantwortung und das Können fehlt, welches für solche Fahrten zwingend nötig sind. Jene werden aber kaum durch solche Artikel aufgestachelt, sondern werden immer so fahren, selbst wenn sie sich zuvor die Abenteuer der Biene Maja im TV angesehen haben.

    Trotzdem bitte ich Sie, weiterhin auf gefährliche Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen. Sie könnten zB einen Bericht über Pensionisten in deutschen Limousinen bringen, welche mit einer Hand das Multifunktionslenkrad festklammern, die andere Hand samt Mobiltelefon fest ans Ohr pressen, zuvor noch verschreibungspflichtige Medikamente eingeworfen haben, welche die Reaktionszeit drastisch senken, während sie mit irren 113km/h die linke Spur einer Autobahn blockieren.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, lieber/s Herr/Fräulein Vorfelder, ein herzliches DREHZAHL!
    Der Tussitherapeut
    Witze-Präsident der FOSH, Foundation of Speed & Herbrennung

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  10. Den wollte ich euch nicht vorenthalten:

    Grüäzi, Jochen.

    Einen Kommentar zu Deinem Artikel im SPIEGEL:

    Der Artikel in der MOTORRAD ist nicht "einige" Wochen,
    sondern bereits einige Monate alt - nämlich aus der Ausgabe
    11 vom Mai 2008. Daraus schliesse ich, dass Du kein Abonnent
    der MOTORRAD bist, sondern diesen Artikel zufällig bei MOTORRAD
    online erhascht hast. Und auch das erst Wochen nach der Veröffentlichung.

    Nun glaube ich persönlich, dass Stefan Kaschel vermutlich ein erfahrener
    und sicherer Fahrer ist und seine Eskapaden ja offenbar bisher ohne
    Verursachung grösserer Schäden überstanden hat. Natürlich kein Vorbild
    für die Allgemeinheit - ohne Frage. Ebensowenig wie die
    Upper-Class-Möchtegern-Schumis, die mit ihren Ferraris und Porsches
    Rennen auf öffentlichen Strassen veranstalten.
    Kritik an solchem Verhalten ist sicher berechtigt und angebracht.

    Und bei allem Verständnis für den Rausch der Geschwindigkeit und
    die Lust an der Beschleunigung war es auch in meinen Augen ziemlich
    bescheuert von der MOTORRAD-Redaktion, hieraus einen Artikel zu
    schnitzen. Die MOTORRAD wird jedoch vorwiegend von Motorradfahrern
    gelesen. Sicher - schlimm genug, wenn hier indirekt solches Verkehrsgebaren
    zur Nachahmung empfohlen wird.

    Nur - warum in aller Welt musst Du als angeblich "passionierter
    Motorradfahrer" diese Geschichte nach Monaten (!!) nochmal vor dem
    Millionenpublikum der SPIEGEL-Leser aufkochen? Glaubst Du ernsthaft,
    damit dem Image der Motorradfahrer einen Gefallen getan zu haben?
    Ich denke nicht. Der SPIEGEL hat in Bezug auf das Motorrad und seine
    Fahrer sowieso schon eine grotesk verzerrte Berichterstattung, der aus jeder
    Zeile tropft, dass die jeweiligen Redakteure Autofahrer sind, sich aber
    selbstredend für fähig halten, auch zum Thema Motorrad geistreiches
    beitragen zu können. (Fand ich bisher nicht.) Klar, dass Dein Artikel unter
    der Rubrik "Auto" zu finden war - nicht etwa "Verkehr". Und so wird bei den
    meisten Lesern nur ihr vermutlich sowieso schon vorhandenes Vorurteil
    bestätigt, dass nämlich Motorradfahrer alle Raser sind und somit
    gewissermassen Freiwild, dass es auf der Strasse zu erlegen gilt.

    Das war weder mutig noch geistreich. Ein Beitrag, auf den alle hiervon
    im Verkehrgebaren der Autofahrer betroffenen Töfffahrer sicher gerne
    verzichtet hätten. Wenn Du also wirklich selber gerne Mopped fährst,
    dann wäre es angebracht, zum gegenseitigen Verständnis und zur Toleranz
    beizutragen, statt immer noch mehr Oel ins Feuer zu giessen. Denn, wie
    Du ja selber schreibst - die Abonnenten haben der Redaktion vom MOTORRAD
    schon genug negatives Feedback gegeben.

    Gruss,

    Christian

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