19 Februar 2007

Traummotorräder - und wo sie herkommen...

Der gute Dennis vom Moppedblog hat kürzlich eine auf den ersten Blick interessante Statistik vorgestellt: Laut einer Umfrage von TNS-Infratest vom November 2006 würde sich der gemeine deutsche Zweiradfahrer am ehesten entweder eine BMW R1150GS oder eine Harley Davidson Fatboy kaufen - vorausgesetzt, er hätte das nötige Kleingeld dazu.

Auf den zweiten Blick spannender ist allerdings eine andere Frage: Wie kommt es dazu, daß sich manche Firmen in der Gunst des Kunden durchsetzen und andere nicht? Und wenn sie erfolgreich sind - warum dann auch noch weltweit auf den unterschiedlichsten Märkten? Warum also hat BMW über alle hinweg Segmente gesehen weltweit einen fast zu vernachlässigenden Marktanteil und Honda solch eine Dominanz?

Eine leise Ahnung von der wahrscheinlichen Antwort gibt ein Artikel, der am Wochenende in der New York Times erschienen ist und seit gestern auch online steht: "From 0 to 60 to World Domination" beschreibt, wie es der japanische Hersteller Toyota geschafft hat, sich - gemessen in Automobilquantenzeiten - innerhalb kürzester Zeit an die Weltspitze in Sachen Branding, Innovation und Verkaufszahlen zu setzen.

Wer sich für Zweiräder interessiert, kann manchmal von den Vierrad-Bauern viel lernen. (Apropos lernen: Hier lernt man übrigens auch, warum der anglo-amerikanische Journalismus in Sachen Industriereportage und -Dossier immer noch Weltniveau ist.)

Der Platzwart

16 Februar 2007

Ganz schön kalt...

Es ist schon Routine - bei Millionen von Klickern: Nach der Ankunft im Büro Rechner an, SPON aufgerufen, und die Nachrichtenlage gecheckt.

Und immer häufiger schleudern die Gravitationskräfte des Produktionsdrucks - der nach Aussagen dort Ansässiger erheblich sein muß - die Redakteure in Umlaufbahnen, die den Normalsterblichen wie unsereins staunen und sinnieren läßt. Worte, ja ganze Wortgebirge werden dort geboren; Satzsequenzen gedrekselt, die uns über den lieben langen Tag helfen.

Beispiel heute aus dem Beitrag "Sturm schleudert Deutsche in neun Kilometer Höhe": "Wisnerska hatte zudem mit Temperaturen von minus 50 Grad in der Größe von Apfelsinen zu kämpfen."

Ja, darüber denken wir doch heute mal fruchtig nach.

Ergänzung: Um 12:30 war der Text schließlich korrigiert in: "Wisnierska hatte zudem mit Hagelkörnern in der Größe von Apfelsinen zu kämpfen."

Der Platzwart

15 Februar 2007

Neue Filme: peinlich bis auf die Knochen ...

Neue Filme am Horizont: Am 22. Februar kommt der neue Fantasy-Actionstreifen „Ghost Rider“ ins Kino und Mitte April folgt die Roadmovie-Komödie „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“.

Beide Streifen sind zwei Vertreter des interessanten Phänomens "Product Placement", das bei öffentlich rechtlichen Sendeanstalten gelegentlich noch für Aufregung, Entlassung und ideologischen Zuckungen führt, im Filmgeschäft aber Gang und Gebe ist. James Bond fährt halt Ford Fiesta, wenn es in der Produktionskasse klingelt.

Ob allerdings Harley-Davidson sich mit diesen beiden Newcomern auf der Leinwand einen Gefallen getan hat, mag dahingestellt sein - aber selten ging die Adaption einer Idee in Form eines Drehbuchs so daneben wie bei diesen beiden Machwerken. Wer sich davon inspiriert fühlt, ins Lager der Harley-Fans zu wandern, muß schon ziemlich krank im Kopf sein.

Zitieren wir die HD-Presseabteilung: "Nicolas Cage und Easy-Rider-Urgestein Peter Fonda treffen in der Comic-Verfilmung „Ghost Rider“ aufeinander. Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze (N. Cage) geht einen teuflischen Pakt mit Mephistopheles (P. Fonda) ein: Um seinen sterbenden Vater zu retten, verkauft er seine Seele und trennt sich von seiner großen Liebe Roxanne (Eva Mendes). Blaze ist gezwungen, Nacht für Nacht in Gestalt eines feurigen Dämons auf dem Hell Bike, einer finster gestylten Harley, das Böse zu vernichten. Als Blackheart, Sohn des Mephistopheles, seinen Vater entmachten will, bietet dieser Johnny Blaze die Aufhebung des Fluches an, wenn er Blackheart (Wes Bentley) zur Strecke bringt."

Ich habe den Trailer des Streifens, der derzeit in den USA mit 51 Mio. allein am letzten Wochenende eingespeilten USD an der Spitze der Kino-Charts steht, gesehen. So etwas Grottenschlechtes hätte ich Nicolas Cage - der in der Marvel-Comic-Adaption daher kommt wie ein Zombie aus der Stummfilmzeit - nicht zugetraut.

Goethe wird sich bei dieser Trivialisierung des Ur-Faust im Grabe umdrehen, aber wie heisst es so schön in Abwandlung eines alten Satzes: Sie waren alt und brauchten das Geld... (Im Fall von Cage wohl zur Renovierung des neuen Familienschlosses Neidstein bei Etzelwang in der Oberpfalz.)

Noch schlechter als der folgende Pressetext der Harley-Pressestelle , aber dafür "urkomisch" (Zitat) kommt der Streifen „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“ daher, der im Original "Wild Hogs" heisst.

"Born to be wild – dass das Biker-Credo zu ihrem Lebensmotto werden sollte, hätten sich Doug (Tim Allen), Woody (John Travolta), Bobby (Martin Lawrence) und Dudley (William H. Macy) in ihren wildesten Träumen nicht ausgemalt! Denn im spießigen Vorstadtleben der ungleichen Freunde geht alles seinen geregelten Gang, bis die vier Herren im besten Alter beschließen, den Fernsehsessel gegen coole Chopper von Harley-Davidson einzutauschen. Ihr Trip fordert eine Menge Glück und Geschick – besonders, als die Truppe auf eine echte Biker-Gang trifft, die die Freaks bald auf dem Kieker hat. Auf der Suche nach Abenteuer und Freiheit merken die Kumpels bald, worauf es im Leben eigentlich ankommt: auf echte Freunde und den Mut, etwas zu wagen – auch wenn das Leben scheinbar schon alle Weichen gestellt hat..."

Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel, und laß diese Machwerke an deinen Schäfchen schnell vorüber gehen.

© Jochen Vorfelder

Bilder: © Sony Pictures und © Buena Vista / Touchstone Pictures

06 Februar 2007

Motogiro 2007: das definitive Oldtimer-Spektakel

Bella Italia ruft - na, zumindest kündigt es sich mit Updates auf den entsprechenden Websites an, die unsereins natürlich begierig nach Sonne und ungehinderte Ausfahrt scannt.

Ganz oben auf der Priorotätenliste: die Motogiro d'Italia 2007, wie schon die letzten fünf Jahre gesponsert von Ducati.

Dieses Jahr führt die Zweirad-Oldtimer-Rundfahrt vom 19. bis 24. Mai quer durch Sizilien; Startpunkt von fünf Tagesfahrten ist der Ort Sciaccia rund 100 Kilometer südlich von Palermo.

An dem Rennen - na ja, Rennen ist etwas übertrieben, die erzielte Zeit an den Tagesetappen über rund 250 Kilometer wird nicht so verbissen gesehen - nehmen außer den wirklichen Oldtimern der Vintage Racing Class (Baujahr 1957 und früher, maximal 175 cc) und der Taglioni Memorial Class (1968 bis 1978, über 250 cc) auch eingeladenen Gäste teil.

Hier die Übersicht über meine Postings zur Motogiro 2006, bestehend aus einer Übersicht vor dem Start, drei aktuellen Tagesberichten, und einem Artikel für die Süddeutsche zum Abschluß.

So ähnlich und mindestens genauso spassig wird es dieses Jahr wieder werden. Versprochen.

(c) Jochen Vorfelder