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22 Juli 2010

Film "Knight and Day" - Tom Cruise auf der gefakten Ducati - der "Duprilia"

Donnerstag: Die neuen Filme laufen an. Diesmal die neue Agentenschmonzette "Knight and Day" mit dem notorischen und scientologischen Tom Cruise und der sehr blonden Cameron Diaz in den Hauptrollen.

Weiterer Hauptdarsteller: eine Ducati Hypermotard - die Jungs aus Bologna waren schon immer gut in dieser Art von Product Placement. Bei der ARD nennt man das Schleichwerbung und Kommentatoren werden dafür gerügt oder entlassen. Schwamm drüber.

Was allerdings pikant ist: Die Ducati, die in dem Film für ein paar gute Stunts benutzt wird, ist keine Hypermotard. Werfen wir doch mal ein Blick auf das Bild.

Was auffällt: Cameron Diaz ist nicht Cameron Diaz, sondern eine Puppe. Auch Schwamm drüber. Macht nicht viel Unterschied. Interessant ist das Motorrad. Eine Hypermotard mit dieser Schwinge? Mit dieser Vordergabel? Mit diesem Motor? Stammt der nicht von Aprilia? Doch, das ist doch eigentlich die SXV 550!

In der Tat: Der komplette Unterbau der "Ducati" ist eine Aprilia, nur der Rahmen, die roten Plastikteile und die Armaturen sind von der Hypermotard. Eine Duprilia also.

Wie das? Aufklärung kommt vom Stuntkoordinator des Filmes hier nach dem Klick zu Hell for Leathers.

PS: Zu der deutschen Premiere des Filmes am Dienstag Abend in München sind Cruise und Diaz wieder schön mit Automobilen gefahren. Von BMW. Echten.

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06 Juli 2010

Buell: Totgesagte leben länger - Pegasus zeigt HD, wo der Hammer hängt

Gestern hatten wir hier berichtet, dass Harley-Davidson sich gedanklich für die Reanimation der Buell-Blast-Einzylinder-Klasse rüstet. Als Einsteiger-Modell ...

Da passt doch diese Meldung gut zu: Das deutsche Pegasus Race Team treibt mit der Buell 1190 RR-B auf europäischen Rennstrecken sein Unwesen und nimmt die Konkurrenz auseinander - mit einem Motorrad, welches aus Erik Buells neuer Rennschmiede stammt, und das es, ginge es nach HD, eigentlich gar nicht mehr geben sollte...

Die Erfolge scheinen zu belegen, welche Last und Unlust vom guten Erik nach dem bitteren Abschied von HD und der Schließung der Schwereisen-Schmiede abgefallen sind.

Der schnelle Flug des Pegasus gestaltet sich besonders eindrucksvoll, wenn Siege beim "Festival ITALIA" in Oschersleben und beim Ducati-Heimspiel "Sound of Thunder" in Assen auf dem Zettel stehen. Fly, Erik, fly.

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14 März 2010

Test Ducati Multistrada 1200 S - Scharfes Schweizer Offiziersmesser aus Italien

Die alte Multistrada von Ducati hatte etliche innige Liebhaber, war aber kein echter Verkaufsschlager. Am 2010er Modell haben die Italiener nun zwei Jahre lang gefeilt; sie soll als Allrounder gleich auf mehreren Märkte reüssieren. moto1203 fuhr die neue Allzweckwaffe in Lanzarote.

Ducati teilt das Los aller kleineren Motorrad-Hersteller: Jedes neue Modell muss sich auf dem Markt behaupten. Ein echter Looser, völlig am Käufer vorbei gebaut, kann eine Firma tief in die roten Zahlen stürzen. Darum braucht man gelegentlich einen echten Gewinner.

Der neue Hoffnungsträger der Kulthersteller aus Bolognias Vorort Borge Panigale heißt Multistrada 1200 S. Zwei Jahre Hirnschmalz haben die Ducati-Ingenieure investiert; 110 Prototypen wurden dabei verschlissen. Jetzt sind die Ambitionen hoch geschraubt: Die weltweit erste 4-in1-Maschine – ein Sportler mit der typischen Ducati-DNA, der zugleich ein guter und bequemer Tourer ist, in der Stadt leicht fahrbar sein soll, und auch als Enduro noch eine gute Figur macht. Also eine Eier legende Wollmilchsau – damit will man dem Platzhirsch in diesem lukrativen Segement, der BMW R 1200 GS, den Kampf ansagen.

Ducatis Marketing-Direktor Diego Sgorbati wiegelt sofort ab: „Die neue Maschine ist kein fauler Kompromiss. Kein glatt gebügeltes Allerlei, sondern eine echte Ducati: ein Kraftpaket mit Charakter, vital, agil, wendig. Aber eben auch geeignet für Fernfahrten mit zwei Leuten, und ein Fahrzeug, das man auf Knopfdruck zum Sportgerät für Schotten und Feldwege macht.“ Wie das gehen soll? Mit jeder Menge Hightech. Die 2010er Multistrada ist ein rollender Elektronik-Supermarkt, voll gepackt mit der Traktionskontrolle DTC, mit einem komplexen Ride-by-Wire-System, mit der digitalen Steuerung der Federelemente DES und natürlich ABS. Die Multistrada 1200 S ginge ohne Zögern als die erste E-Ducati durch; selbst der Zündschlüssel kommuniziert per Funk aus der Tasche des Fahrers im Umkreis von zwei Metern.

Schiere Power auf Befehl der Stellmotoren

Trotz aller Elektronik: Alle fünf Ingredienzien, die aus einem Motorrad eine Ducati machen, sind bei der Multi 1200 S vorhanden – unverkennbar italienischer Stil, der klassische 90°-V-Motor, die desmodromische Ventilsteuerung, der Trellis-Gitterrohrrahmen und der Sound. Das Design mit dem unten liegenden Schalldämpfer, der knappen Tourenverkleidung und der Rabenschnabel-Frontpartie, die das Zyklopengesicht der alten Multistrada ersetzt, ist tropffrisch.

Das Testastretta-Aggregat stammt aus dem Superbike 1198. 150 PS leistet der Zweizylinder-Dampfkessel in der etwas zivileren Multistrada-Version „11°“, bei der ein verändertes Ventilzusammenspiel für niedrigeren Verbrauch und Gutmütigkeit und Durchzug im unteren Drehzahlbereich sorgt.

Richtig neumodisch wird es erst im digitalen Cockpit und am linken Lenkerende, wo die elektronischen Helfer angesteuert werden. Voraussetzung für das versprochene 4-in-1-Krad ist das Ride-by-Wire-System. Der Gas-Impuls wird nicht mehr direkt per Bowserzug an die Einspritzanlage, sondern an eine elektronische Steuereinheit weitergegeben, die wiederum die Drosselklappen per Stellmotoren justiert.

Aus dieser Elektronikeinheit werden auch die Fahrmodi Sport, Touring, Urban und Enduro und die entsprechenden Motor-Mappings abgerufen: Für den Einsatz im Stadtverkehr und im Gelände wird dabei die maximale Leistung der Multistrada von 150 auf 100 PS reduziert. In der Praxis lässt sich das System nach etwas Übung auch während der Fahrt leicht bedienen.

Sport-Modus: Ducati-Gene jubeln

Also raus auf die Straße mit diesen vier Motorrädern, über die wenigen Geraden, die Lanzerote zu bieten hat, und rein in das Kurven-Geschlängel durch den Nationalpark Timanfaya: als Sportler mit direkter Gasannahme geht die Multistrada ab geht wie Nachbars Lumpi und wieselt ohne Probleme durch jede noch so haarige Kehre.

Die Sitzposition auf dem breiten Polster ist angenehm Ducati-unhaft: aufrecht, entspannt, leicht nach vorne gebeugt mit idealem Kniewinkel. Der Motor hängt wie ein Lenkdrachen an der Gashand und zieht ohne Mucken auch aus untersten Drehzahlen kräftig durch; das Sechs-Gang-Getriebe mit der Trockenkupplung lässt sich exakt schalten.

Touring–Modus: Bequem wie eine BMW

Knopfdruck während der Fahrt, Test Motorrad Nummer zwei. Auch im Touring-Modus, bei dem die 150 PS etwas softer ausgeliefert werden, macht die Multi einen guten Eindruck. Das Fahrwerk mit den langen Federwegen ist dabei etwas weicher eingestellt, doch mit einem weiteren Klick kann das korrigiert werden – die Feinjustierung der einzelnen Modi optional nach Fahrer, Fahrer mit Gepäck, zwei Reisende oder Reisende mit Gepäck kann individuell verändert oder in Werkseinstellung resetet werden.

Platz für Fahrer und Sozius ist auf der Multistrada reichlich vorhanden, und Touring-Ausrüstung findet sich in reichhaltigen Zubehör-Katalog. Käufer können die S-Ausführung schon ab Werk als Tourer ordern; Koffer und Topcase fassen 130 Liter. In den Tank passen 20 Liter Super – genug für fast 400 Kilometer Reisedistanz.

Urban-Modus: Zuckeln dank Elektronik

„Der Testastretta-Motor hat so viel Power und Drehmoment, da fällt es kaum auf, dass wir ihn im Urban-Modus auf 100 PS gedrosselt haben,“ sagt Diego Sgorbati. Die Kraft-Reduzierung ist allerdings nur eine Stellschraube bei der elektronischen Voreinstellung der Maschine auf den Stadtverkehr: Zusätzlich wird über die scharf eingestellte Traktionskontrolle ein Durchdrehen des Hinterrads verhindert und die Dämpfer an Vorder- und Hinterrad gering vorgespannt – mit dem Effekt, dass die Sitzhöhe mit 85 cm an den unteren Anschlag fährt.

Nach dem Wechsel in den Urban-Modus ist die Multistrada ein anderes Motorrad als noch Sekunden davor: Gutmütig zuckelt der PS-Protz selbst im dritten Gang bei 2000 U/min dahin, vom klassischen Rucken und Stocken eines großvolumigen Zweizylinder-Motors im Drehzahlkeller ist nichts mehr zu spüren. Zugute kommt diesem Kunstgriff der Ducati-Ingenieure ein weiteres Plus: das niedrige Gewicht unter 200 Kilogramm.

Enduro-Modus: drecktauglicher Dampfer

Am Ende der Lanzarote-Rundfahrt kommt auf einer üblen Natur-Piste mit Schotten, Querrillen und Schlaglöchern die Multistrada Nummer vier in Einsatz: der Geländegänger, ebenballs mit 100 PS. Und auch dieses Motorrad überrascht durch den vereinten Einsatz von Traktionskontrolle DTC, der elektronischen Steuerung der Federelemente und vor allem des Ducati-ABS. Im Enduro-Modus hat die Maschine durch eine erhöhte Vorspann knapp drei Zentimeter Bodenfreiheit zusätzlich und das DTC lässt den Spin des Hinterrads zu.

Das Gefühl der absoluten Wendigkeit und Sicherheit wird von den eigens entwickelten Pirelli Scorpion Trail-Reifen unterstützt, aber eindeutig vom ABS erzeugt: Selbst Vollbremsungen im Schotter sind möglich, das Ducati/Bosch-ABS pulsiert zwar heftig am Hebel, aber stottert kaum und verzögert die Maschine optimal.

Mehr als ein Allrounder

Am Ende des Tages hat die neue Multistrada nicht nur mich, sondern ganz andere Kaliber von Testern überrascht und in Verwirrung gestürzt: Was zum Teufel soll man an diesem Motorrad kritisieren? Kleine Kinken wie ein mickriger Hauptständer, die gibt es allemal. Und eine reinrassige Cross-Maschine ist sie ebenso wenig wie ein wendiges, billiges Stadtschwein für den Vorort-Pendler.

Aber Ducatis neues Vielzweckwerkzeug ist Dank ihrer Elektronik auch kein minderer Kompromiss – mit Supersportlern der Spitzenklasse kann sie ebenso locker mithalten wie mit dem Krösus der Reise-Enduros, der bayrischen GS. Die erste 4-in-1 könnte ein Durchbruch für Ducati werden – wenn da nicht der unberechenbare Kunde wäre.

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Ducati Multistrada 1200 Road Test on Lanzarote Island


Map your trip with EveryTrail Klick auf die Überschrift für Fullscreen ...

06 März 2010

Multistrada 1200 - erste Fahreindrücke und Foto-Shooting auf der Insel

Ducati setzt große Hoffnungen in die Multistrada 1200: Der neue 4in1-Leistungsträger muss sich verkaufen. Einen Looser oder Mitläufer kann sich ein kleinerer Hersteller nicht leisten. Vor allem nicht nach vier Jahren Entwicklungszeit.

Satte Werte: Rund 150 PS sind bei einem Trockengewicht unter 200 Kilogramm sensationell - und die Voraussetzung, dass der angekündigte Sportler, Tourer, Urbanist und Endurist die vier Rollen ausfüllen kann.

Geierschnabel: Wie bei der alten Multistrada spaltet das Front-Design die Gemeinde. Das Zyklopenauge der alten Modellreihe ist dem spitzen Lufteinlass gewichen, der schon bei der 1198 und der Streetfighter für Verwirrung sorgte.

Voll auf Tour: Mit der Verkleidung, der Frontscheibe und der Touren-Ausstattung ist die Maschine gerüstet, um den Platzhirschen wie der 1200 GS und der Tiger Paroli zu bieten.

Herzstück: Der Testastretta-Motor, der auch in den Superbike-Modellen Dienst tut, ist für die Multistrada auf 150 PS herunter modifiziert. Das sorgt für elastischen Lauf und Gutmütigkeit in den niedrigen Drehbereichen.

Multi 1 - der Tourer: Gemächliches Cruisen, bequeme Sitze, voller Windschutz, reichlich Platz für zwei Personen, mit allem Schnickschnack wie Navi und elektrische Heizgriffe.

Multi 2 - der Sportler: Der Bordcomputer regelt vier Modi. Im Sport-Modus bringt die Elektronik die volle Power ziemlich linear. Das Fahrwerk kann es locker vertragen.

Multi 3 - Urban Transporter: Wenn der Stadt-Modus angewählt wird, sinkt die Leistung am Hinterrad von 150 auf 100 PS. Immer noch genug für Stop-and-Go auf der Stadtautobahn ... wo ABS und Traktionskontrolle für Sicherheit sorgt.

Multi 4 - Enduro im Gelände: Viele waren skeptisch, aber das niedrige Gewicht in Verbindung mit dem ABS und der steuerbaren Traktionskontrolle machen das Schweizer Messer unter den Ducati-Modellen zu einem veritablen Geländegänger.

Erster Eindruck: Die Multistrada 1200 gibt alles her, was der gemeine Käufer sucht. Extremisten werden enttäuscht sein, aber einen gelungeneren Allrounder muss man lange suchen ... Könnte ein Durchbruch für Ducati werden.

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09 November 2009

EICMA 2009: Offizelle Bilder den neuen Ducati Multistrada 1200




Live von der Vorstellungspresse-Konferenz in Mailand: die neue Multistrada 1200

Ducatis Kampfansage an BMW: Mit der völlig neu aufgelegten Multistrada 1200 will Ducati in das von der bayrischen R 1200 GS dominierte Feld der Highend- und Reise-Enduros eindringen.

Mit einem Trockengewicht unter 200 Kilogramm und einem vor Kraft sprudelten, flüssigkeitsgekühlten V2-Motor namens Testastretta 11° (150 PS) legen die Italiener zur Zeit die stärkste Reise-Enduro vor.

Wie bei Ducati üblich wird die Maschine ab Frühjahr 2010 auch in einer edlen S-Variante mit ABS und gold-beschichteten Öhlins-Gabel ausgeliefert. Dazu gibt es das passende Tourenzubehör wie Koffersystem und Tankrucksack.

04 November 2009

Ducati: Multistrada 1200 coming soon ... on EICMA 2009

Ducati hat die Kunst, mit gezielt gestreuten Spy-Fotos und mysteriösen YouTube-Clips neue Modell zu launchen, inzwischen fast perfektioniert. Mit der neuen Multistrada 1200, die bis vor wenigen Tagen noch Strada Aperta heissen sollte, ist das wieder gelungen.

25.000 Klicks in vier Tagen auf Youtube, ohne jeglichen Hinweis, das ist schon beachtlich für ein Nischen-Thema ... Am kommenden Montag wird sie abends auf der EICMA in Milano offiziell vorgestellt.

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02 November 2009

Ducati: Neue Multistrada 1200 auf der EICMA 2009


War schon die ganze Zeit als Gerücht im Netz unterwegs, jetzt mit Bestätigung aus Bologna: die neue Multistrada 1200, als Motor ist eine Weiterentwicklung des 1198-Superbike-Testastretta-Triebwerks vorgesehen. Siehe http://bit.ly/1N5yZx

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20 Oktober 2009

Design: "Das Motorrad ist ein wildes Tier"

Spiegel Online hat eine neue Serie gestartet: kurze Fragebögen mit Designern. Moto1203 hat dafür als Auftakt Damien Basset befragt, den Mastermind hinter der Ducati Streetfighter. Hier die Fragen - und die Antworten.

19 Oktober 2009

Ducati: ein Blick auf die kleine Hypermotard 796

Spyshots gabe es ja schon zu Genüge von der kleinen Hypermotard - und gebetsmühlenartige Diskussionen, dass man eine schwachbrüstige Supermoto aus dem Hause Ducati eigentlich nicht braucht, wabern übers Netz.

Aber vielleicht findet ja doch jemand Gefallen an einem Gefährt, welches den Piloten nicht zu permanenten Wheelies zwingt. Hier also das jetzt veröffentlichte offizielle Promo-Video.



Der Videowart

03 September 2009

Test Ducati Streetfighter S - Ich tötete einen Straßenkämpfer

Ducatis stärkstes Naked Bike ist nichts für zarte Gemüter. moto1203 testete den Kraftbolzen auf der Rennstrecke und nächtens auf leeren Landstraßen. Das ging lange gut – bis zu einem kapitalen Fehler des Fahrers.



Ich hätte besser auf meine Frau hören sollen. Sie hatte noch gesagt: „Lass das bleiben.“ Zu spät. Im Hintergrund dröhnt ein Rudel Ducatis über den Rundkurs des Eurospeedways Lausitz, es riecht nach verbranntem Gummi, und vor mir steht das Biest: Die Streetfighter S, 167 Kilogramm schiere Kraft. 155 PS zerren am Hinterrad. Ducati hat das Powerpaket aufs Nötigste gestrippt, den Motor aus dem Superbike 1098 freigelegt, und das Naked Bike mit bösem Blick versehen. Die LEDs im Scheinwerfer starren auf die Rennstrecke. Ich habe einen trockenen Mund.

Thomas Ludwig, Technik-Leiter von Ducati Deutschland und beim Renntraining auf dem Lausitzring einer der Instruktoren, ist dagegen die Ruhe selbst. Er sammelt seine Schäfchen aus der Anfängergruppe, gibt letzte lockere Instruktionen, und fährt an die Startampel. Raus geht’s mit tiefem Grollen aus der Streetfighter-Doppelauspuffanlage; die ersten 20 Minuten auf dem Kurs, auf dem ansonsten die Profis Kurven schleifen.

Unterstützung im Krafthandling

Über Motorräder aus der Klasse der Streetfighter S braucht man nicht zu diskutieren. Sie sind unnötig, wenn man keinen Spaß versteht. Doch sie haben auf der Straße nicht nur ein Macho-Image, sondern auch ein physikalisches Problem. An der Einarmschwinge, die hinten an den traditionellen Ducati-Gitterrohrrahmen angedockt ist, sitzt ein 190er Trum von Hinterradreifen. Vorne arbeitet an einer Öhlins-Gabel eine Brembo-Bremsanlage mit zwei Scheiben. Sie bringt die bewegte Masse schnell zum Stillstand.

Aber hinten, da ist bei brachialer Kraftentfaltung und nervöser Gashand der Schlupf, den der desmodromisch gesteuerte Testastretta-Hochleistungsmotor am Pneu anliefert, nur noch schwer zu kontrollieren. Bei zuviel Stoff rutscht das Hinterrad erbarmungslos durch und weg. Das braucht niemand, der bei Sinnen ist, und immerhin 18.955 Euro für sein Spaßgerät gezahlt hat.

Ducati liefert den Streetfighter S, die radikale Weiterentwicklung der Monster-Modelle, deshalb mit einer in der Superbike-WM erprobten Traktionskontrolle aus. Das elektronische DTC-System (Ducati Traction Control) vergleicht permanent Raddrehzahl mit Motordaten und erkennt innerhalb von Sekundenbruchteilen, ob das Hinterrad durchdreht und ausbricht. Dann nimmt es ebenso blitzschnell über den Zündzeitpunkt Leistung raus und reguliert die Benzineinspritzung. Das System ist über acht Stufen an den Lenkarmaturen vorwählbar. Stufe acht macht das Geschoss selbst bei Regen noch locker fahrbar, Stufe eins oder ein abgeschaltetes DTC dagegen lassen sanftes Abschmieren und Powerslides zu.

Wie auf Schienen über den Ring

Instruktor Thomas Ludwig ist gnädig mit seinen Lausitzring-Neulingen. Die ersten Runden sind zum Rantasten und Eingewöhnen. Auf dem Streetfighter, der in der Boxengasse trotz des hohen Hecks tief gedrungen gewirkt hat, fährt es sich schon in den ersten Kurven vertraut. Der ausladende Lenker, nicht zu tief aufgesetzt, lässt selbst bei großen Fahrern über 1,80 Meter eine angenehme, nur moderat nach vorne gebeugte Haltung zu.

Und die Rückmeldungen vom Fahrwerk werden präziser, als die Gruppe im Schlepptau von Ludwig im Lauf des Tages immer schnellere Runden zieht: Der Streetfighter übernimmt die Kontrolle, fährt von selbst. Geradeauslauf und Linientreue sind grandios. In Schräglage schiebt die Maschine durch die Kurven wie auf einer Carrera-Bahn. Doch Vorsicht: Schneller Lenkimpulse mag sie trotz Lenkungsdämpfer nicht und die vordere Bremse ist so sensibel, dass der chirurgische Eingriff mit einem Finger meist genügt. Schreckbremser ohne das nötige Feingefühl steigen leicht ab.

Auch die Traktionskontrolle funktioniert bestens. Das zeigt sich am Nachmittag bei den Runden, für die ich den elektronischen DTC-Eingriff minimiere. Auf der Zielgerade kommt ein Streetfighter innerhalb kurzer Zeit auf 240 Sachen. Den Kurvenausgang vor der Grade in Sicht, will ich es wissen und werkele wild am Gasgriff. Das Hinterteil wird unruhig, der gequälte Pneu schiebt spürbar nach außen, aber rutscht nicht weg.

Schluck. Der Streetfighter ist erstaunlich gutmütig, auch bei Hobbyfahrern. Aber man sollte die Power, die in der Maschine schlummert, nie unterschätzen. Die Spuren der grobmotorischen Aktion sind später am hinteren Reifen zu orten; böser Gummiabrieb ziert den äußersten Rand.

Voll alltagstauglich

Dass der Streetfighter nicht nur ein begnadeter Ring- und Kurvenkämpfer ist, zeigt sich am nächsten Tag. Rückfahrt nach Hamburg übers Erzgebirge, erst Autobahn, dann Landstraße. Der Tank ist so geformt, dass ein Tankrucksack gut Platz findet. Das Heck, auf dem ein Beifahrer zur Not befördert werden kann, nimmt zusätzlich Gepäck auf. Selbst lange Strecken sind bei diesen Staumöglichkeiten, dem aufgeschnallten Windschutz und der entspannten Sitzhaltung unerwartet kommod.

Auch im Stadtverkehr in Chemnitz macht der Kraftprotz bella Figura, wird zum Blickfang vor allen Eisdielen. Die Kupplung braucht zwar reichlich Kraft in der Hand, aber ab 2000 Umdrehungen zuckelt das Gefährt selbst bei Stop-and-Go gutmütig voran. Auch bei glühender Hitze bleibt das wassergekühlte Aggregat Dank des zweigeteilten Kühlers klaglos im grünen Bereich. Da sieht man gerne über kleinere Schludrigkeiten wie den frickeligen Blinkerschalter und den Blick auf den eigenen Ellbogen im Rückspiegel hinweg.

Doch die eigentliche Domäne des Streetfighters sind neben der Rennstrecke die abendlichen, einsamen Landstraßen. Die Pferdchen, die im Testrastretta-Motor traben, machen schaltfaul; das Drehmoment schiebt die Fuhre schon ab 3000 Umdrehungen lustig voran. Überholen wird zum Sekundenspaß, bis der 18-Liter-Tank leer gejubelt ist.

Ende einer Dienstfahrt

Auch in Langenbogen an der B80, wo die Total-Station noch geöffnet ist, sorgt die Ducati für Aufsehen. Zwei Jungs mit ihrem gepimpten Mazda, die hier an der Tanke offensichtlich ein Zuhause gefunden haben, starren rüber. Ein Leder-Pärchen auf ihrem 125er Chopper auf der anderen Seite der Zapfsäule will begeistert alle technischen Details wissen, was neben dem Tankvorgang schnell erledigt ist. Der Streetfighter bollert tief; der Scheinwerfer weist den Weg. Weiter geht’s, raus in die Dämmerung, zum Kurvenwedeln.

Aber nicht mehr lange, nicht mehr weit. An der nächsten Ampel stirbt der Motor auf einen Schlag ab. Ende, Aus, Finito. Es folgt das komplette Programm. Anruf Ducati, Anruf ADAC. Abschleppdienst, Leihwagen, Hotelzimmer, schlechtes Bett, schweres Grübeln: Ein Fahrzeug, mit dem Ducati die Messlatte für Naked Bikes ein beachtliches Stück höher gelegt hat. Ein Montags-Motorrad? Oder doch nur bedingt standfest und alltagstauglich?

Am Tag darauf, zurück in Hamburg, schreit mir der Tankbeleg die nackte Wahrheit ins Gesicht: „16,72 Liter Diesel. * Vielen Dank und gute Fahrt * Auf Wiedersehen *.“

Na Super! Mit Diesel für 18,54 Euro habe ich einen Straßenkämpfer im Wert von 18.955 Euro getötet. Ich hätte auf meine Frau hören sollen. Sie hat gesagt, ich soll es bleiben lassen. Jetzt kann ich mir ihren Spott anhören: „Also, gegen Blödheit hilft auch keine Traktionskontrolle.“

Komplette Fotostrecke zum Streetfighter S

Video zum Streetfighter-Artikel bei Spiegel Online

11 August 2009

Ducati-Porn: 79 Bilder von nackten Schönheiten

Immer wieder erstaunlich, wo überall Ducati-Liebhaber zu finden sind und sich treffen. Dieses Mal im April 2009 in New York. 79 Bilder von nackten Schönheiten ...

05 August 2009

Ducati: Neue Multistrada soll zur EICMA 2009 kommen


Das Nachfolgemodell für die aktuelle Ducati Multistrada soll im November auf der EICMA 2009 in Mailand vorgestellt werden: Nach den jetzt veröffentlichten Paparazzi-Bildern ist die Neuauflage der Ducati-Reisemaschine mit dem flüssigkeitsgekühlten 1099cc Testastretta Evoluzione V-Twin ausgerüstet, der auch in der 1098 Dienst tut.

Das Chassis wird wie üblich ein Gitterrohrrahmen sein; mit angeflanschtem Hinterbau und wesentlich höherer Sitzposition als in der vergleichbaren Monster.

Glaubt man den Web-Auguren, werden von dem neuen Modell - das wahrscheinlich auf den Namen "Offene Straße - Strada Aperta" hören soll - wie bei Ducati üblich zwei Versionen gebaut: Die Standard-Ausführung mit Marzocchi-Gabel und einem Öhlins-Dämpfer sowie ein S-Modell mit Öhlins-Gabel und zusätzlichen Carbon-Teilen - also business as usual.

Warum der Name "Multistrada" aufgegeben wird? Hier bleibt Raum für viel Spekulation. Die wahrscheinlichste Erklärung: ein klarer Schnitt in der Modellpolitik. Im Gegensatz zur Multi soll die neue Maschine nicht mehr im Reise-Enduro-Segment positioniert werden, sondern in einer Nische zwischen Nakedbike und Supersportler antreten - also einen Kundenkreis ansprechen, der ein Sportsbike haben will, aber schon an massiven Rückenproblemen leidet ...

10 Juli 2009

Ducati versteigert Desmosedici für Erdbebenopfer von L'Aquila

Auf dem G8 Gipfel in L’Aquila stellt Ducati, in Zusammenarbeit mit der Fiera Milano (Mailänder Messegesellschaft), eine Sonderedition der Ducati Desmosedici RR vor. Das Fahrzeug wird nach Abschluß der Tagung zu Gunsten der Erdbeben-Opfer von L’Aquila versteigert.

Hier die Pressemeldung: "Die Ducati Desmosedici RR ist das wohl eindrucksvollste Beispiel für Technik und Design „Made in Italy“. Anlässlich des G8-Gipfeltreffens in L’Aquila (8. bis 10. Juli) wurde eine Sonderedition dieses streng limitierten Motorrads aus dem Hause Ducati entworfen. Das Verkleidungsdesign dieser Desmosedici RR wurde vom italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit angeregt."

Berlusconi? Oh, wie peinlich, dieser alternde Lustmolch ....

"Key Visual ist das Logo des Kongresses mit dem Schriftzug „L’Aquila 2009“ sowie das Startnummernfeld mit der „G8“ in den italienischen Nationalfarben. Das Design unterstreicht die bewusste Wahl von L’Aquila als Austragungsort des Gipfeltreffens, um für die Erdbebenregion ein Zeichen zu setzen.

Im Anschluss an den Gipfel wird das Fahrzeug der Fiera Milano, einem der größten Messeveranstalter Italiens, übergeben um es auf der Mailänder Motorrad Messe EICMA (10. bis 15. November) zu Gunsten der Erdbebenopfer in der Region L’Aquila zu versteigern.

Diese gemeinsame Initiative von Ducati und der Fiera Milano soll zum einen das Label „made in Italy“ stärken und darüber hinaus die große Anteilnahme am Schicksal der von dem schweren Erdbeben am 6. April betroffenen Region Abruzzen unterstreichen."

30 März 2009

MotoGP 2009: Start unter der Flagge des Diktators

Noch rund zwei Wochen, bis in Qatar die Startflagge für den ersten Lauf der 2009er MotoGP-Saison geschwenkt wird - am Start ist auch das Grupo Francisco Hernando-Team mit dem Fahrer Sete Gibernau. Der gleichnamige Sponsor Francisco Hernando kommt aus Spanien - und ist eine bekannte Schweinebacke:

Hernando, der in den vergangen Jahren bereits die Onde 2000-Teams in der 125er und 250er-Klassen gezahlt hat, ist ein Immobilien-Tycoon mit zweifelhafter Vergangenheit. Nach einem Bericht der spanischen El Pais wurde er 2007 wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt, aber verhinderte den Gang in die Zelle, indem er drei Millionen Euro nachzahlte. Bekannt wurde er in letzter Zeit auch durch einen Report der britischen BBC über die von ihm initierte Geisterstadt Seseña rund 40 Kilometer südlich von Madrid. Hernando ließ dort 13500 Eigentumswohnungen in den Staub stellen - nur 2500 sind verkauft, 750 bewohnt.

Die berechtigte Frage, wie der Mann inzwischen sein Geld verdient, spiegelt sich in den Farben der MotoGP-Ducati, die Sete Gibernau in Quatar an den Start pilotiert - die Farben von Äquatorialguinea, ein zentralafrikanische Diktatur unter der Knute von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Nguema steht auf der aktuellen Liste der "World's Worst Dictators" auf Platz 14; Amnesty Internationals Bericht über das Land verschlägt einem die Sprache.

Sei's drum, Hernando kommt jedenfalls gut mit dem Diktator aus, baut dort lustig unter der schützenden Hand der Soldateska exklusive Anlagen für spanische Urlauber, und hat sein MotoGP-Team ursprünglich auch unter dem Label "Equatorial Guinea" an den Start gebracht.

Mit welchem Geld? Das zusammengeraffte und auf Auslandskonten geparkte Privatvermögen von Diktator Nguema wird jedenfalls auf über 650 Mio. US-Dollar geschätzt.

Die direkte Verbindung zu dem Schurkenstaat war Hernando nun doch zu heiß; seit zehn Tagen ist das Gibernau-Team nun offiziell in Grupo Francisco Hernando umbenannt - doch die speckige Verbindung bleibt wie die Farbe der Ducati.

Es soll ja Leute geben, die das MotoGP-Sponsoring durch die Zigaretten-Industrie schon kritisch sehen - aber Schaulaufen für Diktatoren mit Blut an den Händen ist echt starker Tobak.

Mehr dazu bei motogpmatters.com

03 Februar 2009

Neuzulassungen: nette Statistik Januar 2009

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast - wird gerne im Labor gefeixt - doch unlauteres Ansinnen wollen wir dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg nicht unterstellen.

Außerdem: Zahlen lügen nicht. Und sind manchmal verheerend - wie bei den aktuellen Zulassungszahlen für den Januar 2009:

- Insgesamt 4.850 Krafträder wurden laut der Pressestelle des KBA in den ersten 31 Tages des Jahres zugelassen - kann diese Zahl bei über 80 Millionen Deutschen beeindrucken? Nein, aber es kommt noch schlimmer.

- 4.850 Units (Roller, Kleinkrafträder und echte Bikes) sind ein satter Rückgang gegenüber dem Vormonat Dezember von -34,5 Prozent. Na, ja, der Januar ist eisekalt... aber das Argument zählt nicht.

- 4.850 Krafträder im Monat Januar 2009 sind vor allem ein noch deutlicher Rückgang zum Januar 2008: -43,5 Prozent - manche würden sagen, der Markt hat sich aktuell halbiert.

Was heißt das für den Frühling? Händlersterben?

Zitieren wir doch einfach aus der aktuellen Motorradnews 2/2009 und lassen dazu andere Pressesprecher zu Wort kommen.

Rudolf Probst, BMW: "2009 wird sicher ein ganz spannendes Jahr."

Kai Swaton, Ducati: "Wir sehen uns gut gerüstet, um unsere Marktposition weiter auszubauen."

Berhard Gneithing, Harly-Davidson: "Wir rechnen für 2009 mit moderatem Wachstum."

Kerstin Martens, Honda: "Fest steht, dass Motorrad gefahren wird: Der Bestand nimmt weiter zu."

Rolf Wassmer, Suzuki: "Dennoch zeigen einige Signale, dass sich die Situation in den nächsten Monaten positiv verändern kann."

Ralf Keller, Yamaha: "Von daher steht einem erfolgreichen Jahr 2009 also nichts im Wege."

Na also, alles im Lot, hört sich doch ganz nett an.

Nett? Nett? Da fällt mir doch ein anderes Zitat aus der Frankfurter am Sonntag (FAS) wieder ein: "Nett? Was heißt hier nett? Nett ist der kleine Bruder von Scheisse!"

Der Statistikwart

06 November 2008

EICMA 2008: Heimspiel für Ducati, Guzzi & Co.

Sie lieben das Schaulaufen auf dem Mailänder Catwalk: eine halbe Million Besucher werden auf der diesjährigen Motorrad-Messe Eicma erwartet. Ducati schickt die heißesten Models ins Rennen, aber auch BMW ist für eine Überraschung gut. moto1203 stellt die wichtigsten Neuheiten vor.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert, und man mag das als Vorboten werten: Die Eicma 2008 wurde gestern mit einem Modell-Feuerwerk der italienischen Hersteller für das Publikum eröffnet.

Allen voran Ducati: Die Superbike-Bauer aus Bologna stellen mit dem neuen Streetfighter in Normal- und S-Ausführung und zwei neuen 1198ern gleich zwei komplett neue Linien vor.

Star auf dem Mailänder Laufsteg ist unbestritten der neue Streetfighter: Ein Naked-Bike mit 155 PS und 115 Nm Drehmoment, heraus gekitzelt aus einem überarbeiteten L-Twin-Motor mit 1099 Kubikzentimetern Hubraum. Allein das ist schon atemberaubend, doch das Design stellt die Fahrleistungen noch in den Schatten – einen schärferen sogenannten Cafe-Racer wird es im Modelljahr 2009 nicht geben. Der Ducati Streetfighter ist damit erster Anwärter auf den Titel "Bike of the Show".

Überrascht hat auch Moto Guzzi, trotz der Spekulationen über die Schließung des Stammwerks in Mandello. Die Traditionsmarke unter dem Piaggio-Dach hat mit der neuen Stelvio 1200 TT (1151 Kubikzentimeter Hubraum und 105 PS) eine massive und günstig avisierte Reise-Enduro aufgelegt, die den Platzhirschen von BMW durchaus Paroli bieten kann.

Dass über den Preis etwas geht, hat Guzzi erst vor wenigen Wochen in Berlin bewiesen: Dort gewannen sie mit dem billiger angebotenen Modell Norge die Ausschreibung der Berliner Polizei gegen die weiß-blaue Konkurrenz.

Aprilia, eine andere Piaggio-Tochter, glänzt ebenfalls mit guten Ideen. Nachdem bereits auf der Intermot in Köln im Oktober das neue Superbike RSV4 von der Leine gelassen wurde, wird in Mailand nun die komplette Ausstattung der Dorsurodo-, Shiver- und Mana-Familie mit ABS vorgestellt.

Und was in der Mana mit ihrem revolutionären Automatikgetriebe steckt, beweist die Konzept-Studie Mana X: In diesem Flat-Track-Racer ist der 839-Kubikzentimer-Motor der Straßenversion verbaut, aber die Maschine ist um alle unnötigen Verkleidungen erleichtert und mit dem Underseat-Auspuff und der Crosser-Sitzbank optisch eine Augenweide.

Stylistisch mithalten können da allenfalls noch die neu gestaltete Brutale von MV Agusta, die DB7 Oronero von Bimota und die neue 990 SMT von KTM, eine interessante Mischung aus Sport-Tourer und Supermoto.

Mit 115 PS aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum wird sie wohl als agile Alternative zu den kleineren BMW-Enduros, der Ducati Multistrada und der Triumph Tiger vermarktet. Hohe Frontscheibe und Tourenkoffer für die 990 SMT sind jedenfalls im Angebot der Österreicher – ebenso wie die bisher kräftigste Maschine aus der Mattighofener Powerschmiede, die KTM RC8 R mit 180 PS Leistung.

Ganz andere Wege geht Honda. Während auf der Kölner Messe noch die absonderliche Zukunftsstudie V4 und die neue Fireblade den Stand bestimmten, kümmert sich der Branchen-Primus im Rollerland Italien um den Massenmarkt: Bezahlbare und mit Blick auf die Betriebskosten sympathische Modelle wie das High-Tech-Modell SW-T400 (Viertakt-Zweizylinder mit endlos Stauraum und kombiniertem ABS) oder der überarbeitete SH125i bestimmten die Pressekonferenz.

Das liegt im Trend – auch in Deutschland: Allein im September 2008 wurden knapp 1000 Roller, 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, zugelassen.

Bleibt noch BMW zu erwähnen: Die Bayern zeigen neben dem neuen Naked Bike F 800 R mit dem Lo Rider eine Konzept-Studie, die auf dem klassischen Boxer-Roadster basiert, aber top-moderne Stilmix-Elemente aus 50er-Jahre-Cruiser und aktuellem Superbike zusammen führt: Drahtspeichenfelgen und Wave-Bremsscheiben, Upside-Down-Telegabel und Scrambler-Tüten fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das man bisher aus Bayern nicht gesehen hat.

Der Clou: Beim Lo Rider soll der Kunde vor der Auslieferung Gestalter werden. Die Maschine ist konzipiert als Baukastensystem, kombinierbar sind verschiedene Sitzbänke, Auspuffanlagen, Frontpartien und Farbgebungen für das Motorgehäuse – Pimp my Bike also serienmäßig. Wann die Studie kommen soll, ist noch unklar.

Der Messewart

09 Oktober 2008

Ducati: Diven in Rot


Was schon vor Wochen in den einschlägigen Internet-Foren durchsickerte, in Köln war es zum ersten Mal live zu sehen: die neuen Monster 1100 und 1100 S (im Bild), die neuen Flagschiffe der Naked Bike-Familie aus Bologna. Gezeichnet wie die bereits im letzten Jahr vorgestellte 695, aber mit 95 PS und 103 Nm Drehmoment mit mehr Power als der Desmodromik-Zweizylinder-Basis-Motor der 695.

Weiter im Angebot am Stand in Halle 8: die Hypermotard 1100 in Perlmutt-weiß und eine optisch aufgepeppte Multistrada.

War's das schon? Ja. Wie alle Italiener steckt auch Ducati in Köln in einem Dilemma: Man muss dem deutschen Klientel etwas Wertiges zeigen, aber darf gleichzeitig das Publikum auf der Hausmesse, der Mailänder EICMA im November, nicht verprellen. Drum wird man auf die weiteren Novitäten aus Borgo Panigale noch bis nächsten Monat warten müssen. In der Gerüchteküche: eine neue Multistrada und womöglich eine völlig neue Motoren-Generation - vielleicht sogar ohne Desmodromik.

intermot2008koeln

25 April 2008

Ducati: neues Modell A47-72 in Hannover vorgestellt

Für eine knallige Überraschung hat Ducati auf der Hannovermesse gesorgt. Die Italiener aus Bologna stellten auf der weltgrößten Technikschau, die noch bis zum 25. April ihre Tore offen hat, völlig überraschend zwei neue Modelle vor.

Die neue Duc A47-72 - in den Dimensionen sehr kompakt gebaut - glänzt vor allem durch die überragende elektronische Ausstattung - mit insgesamt vier farblich in Ducati-rot gehaltenen LED-Anzeigen stehen dem Käufer nun Informationen zur Verfügung, die andere Anbieter nicht im Programm haben.

Das Spitzenmodell A47-72-SP bietet zusätzlich noch RS 485 an, eine Technologie, die bisher in dieser Verbindung bei noch keinem anderen Hersteller zu finden ist. Ducati hofft, mit den beiden Modellen, die ab sofort zu moderaten Preisen zu bestellen sind, vor allem den in letzter Zeit schwierigen europäischen Markt zu erreichen.

Erste Bilder der beiden neuen Modell gibt es hier ...


(Mit Dank an Ingo; da merkt man doch gleich, was ein guter Rechercheur ist.)

17 April 2008

Ducati: VW-Piech meldet angeblich Kaufinteresse an

Neues aus der Ducati-Gerüchteküche: Nachdem im vergangenen Herbst noch Harley-Davidson als potentieller Investor oder Käufer der italienischen Motorrad-Edelmarke genannt wurde, ist nun VW an der Reihe.

Ferdinand Piëch, nicht unumstrittener Aufsichtsrat des größten europäischen Fahrzeug-Mischkonzerns und bekannt für seine unternehmerischen Alleinfahrten, hat in einem Gespräch - vermeldet von der Süddeutschen Zeitung - anklingen lassen, dass der Konzern sehr wohl am Erwerb eines "kleinen, wertvollen Motorradherstellers" interessiert sein könnte.

Nach den Informationen der SZ trauert Piëch noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können. Piëch outete sich selbst als Duc-Fahrer - es ist eine 1098: "180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm als eine 1001-PS-Bugatti."

Seit 1985, als Ducati tatsächlich völlig am Boden lag, hat die Edelschmiede im Bologneser Stadtteil Borge Panigale einen beachtlichen Turnaround hingelegt: „Ende der Achtziger ging es bergab, es wurde nichts mehr investiert, und Mitte der Neunziger waren wir völlig am Boden. Die Technik und die Maschinen wie die 916 waren Spitzenklasse, aber Geld gab es keins in der Kasse“, erzählt der Museums-Kurator und Chronist der Marke Livio Lodi. „Erst der Einstieg der TPG 1996 hat uns gerettet.“

Die TPG ist die Texas Pacific Group. Die amerikanischen Investoren kauften Ducati von der Cagiva-Gruppe der Gebrüder Castiglioni und standen bei der Übernahme unter Heuschrecken-Verdacht. Doch die Amerikaner zerschlugen die Firma nicht, sondern setzten auf eine langfristige Strategie: Sie tauschten unter der Leitung von Federico Minoli das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein, und krempelten die Produktion komplett um.

Mit neuen Modelle wie dem Superbike 996 und 1098, der Hypermotard und dem Reiseliner Multistrada ist die Marke inzwischen wieder gut aufgestellt und in die Gewinnzone gefahren. Die TGP hatte wie Kurator Lodi erkannt, dass die Marke Ducati ein noch ungehobener Schatz war.

2006 hat die TPG Ducati wieder abgegeben – an die italienischen Eigentümer von InvestIndustrial S.A. und sicher mit einer netten Rendite. Seit 2007 hat InvestIndustrial immer wieder signalisiert, dass die Investoren an einem Weiterverkauf durchaus interessiert wären. Ein Angebot von VW, das angeblich mit einem Co-Investor - einer kanadischen Finanzgruppe - bereits die Ducati-Zahlen unter die Lupe nimmt, würde also nicht auf taube Ohren treffen.

(c) Jochen Vorfelder

16 April 2008

Ducati: Irgendwie läufts nicht so rund bei den Jungs aus Borgo Panigale ...


Nach drei MotoGP-Rennen trägt Italiens zweirädige Flag-Gondel Trauer: Casey Stoner ist in den letzten Wochen extrem schmallippig, die enttäuschenden Plätze in Spanien und Portugal entsprechen in keiner Weise den hohen Erwartungen. Düsterer siehts für den mit viel Hoffnungen angekauften Marco Melandri aus - er dödelt abgeschlagen hinterher; die Handhabung seiner Maschine ist ihm immer noch so fremd wie der Gebrauch die englische Sprache.

Dabei hatten die Meistermacher in Bologna vor der Saison voll auf MotoGp und Konzentration aufs Wesentliche, nämlich die Titelverteidigung, gesetzt - alles vorgeblich Nebensächliche war über den Löffel barbiert worden.

Beispiel 1: Die amtierende Superstock-Europameisterin der Frauen, Nina Prinz, war noch Anfang Dezember 2007 bester Erwartung, ihren Titel auch dieses Jahr auf einer 1098 verteidigen zu können. Dann kam Mitte Dezember per lapidarer Mail das Aus: kein weiterer Support für den Frauen-Rennstall mehr. Freiwillige Aufgabe des Meistertitels durch Ducati Corse, aber nicht einmal eine offizielle Presseerklärung. Eine Nachfrage bei der Pressestelle erzeugte - betretenes Schweigen. Hinter vorgehaltener Hand war lediglich zu vernehmen, dass alle verfügbaren Gelder in die MotoGP gepumpt werden sollten.

Jeder Euro ist da offensichlich nötig: Nach inoffiziellen Schätzungen kostet eine Renn-Saison der MotoGP - von Bayliss und den Supersports gar nicht zu reden - derzeit um die 45 Millionen Euro, von denen zwar der Löwenanteil von den Sponsoren gebracht wird, aber Ducati selbst muß etwa 3 Millionen beisteuern.

Sparen ist also angesagt - und nicht nur bei den Frauen.

Beispiel 2: Ducati ist zwar weiterhin noch auf der Sponsorenliste der Motogiro d'Italia, aber das in den letzten Jahren unentbehrliche Know-How, die Pressefahrzeuge, die Mechaniker und der Werkstattwagen wird abgezogen. Drastisch ausgedrückt: Die Motogiro d'Italia 2008 steht auf dem Schlauch, und der ist platt.

Wohin geht die Strategie: Über den Atlantik, in die USA. Ducati hat mit massivem Aufwand die diesjährige und erste Motogiro America supportet und alle verfügbaren Mittel dort hineingepumpt, weil auf dem amerikanischen Markt - so die Hoffnung der Verkaufsstrategen - in Zukunft die Musik beim Verkauf von Premium-bikes spielt.

Wenn sich da die Jungs mal nicht täuschen - und der in Deutschland und Italien gerade wieder bröckelte Marktanteil abgeht wie eine Lawine ins Tal.

Nina Prinz fährt jetzt übrigens Yamaha... nicht nur bei den Frauen, sondern erstmals auch bei der IDM. Die Flagge für die ersten beiden Läufe fällt am 27. April auf dem Lausitzring.

Der Sportwart