29 Oktober 2007

Kimberley-Video: Am Ende aller Wege

Nachdem ihr es nun in den letzten Postings in aller Ausführlichkeit lesen durftet und die Details des Kimberley-Trips bei Google Maps nachschlagen könnt, will ich euch auch den Video nicht vorenthalten.

Hauptdarsteller: Andreas Rust aus Deutschland, Wally Ross aus Australien und meine Wenigkeit auf XT 600, Hardy Meyer aus Australien vom Veranstalter Biketours Australia im Landcruiser.



Der Videowart

26 Oktober 2007

Kimberley 4: Neunhundert Millimeter Wasser

In der letzten Nacht vor der langen Rückfahrt nach Darwin campen wir auf dem Zeltplatz von Halls Creek. Hier im Süden fasert das tropische Kimberley aus und macht dem trockenen ariden Klima Platz, das in den Weiten der Great Sandy Desert und der Tanami-Wüste herrscht. Ideales Motorradgeläuf, das haben wir bei unserem Abstecher zum Wolfe Creek Meteoritenkrater erkundet. „So ein, zwei Tage könnte ich hier noch gut bleiben. Einfach runter von den Straßen und wirklich rein ins Gelände“, räsoniert Andreas. „Ja, wenn wir noch Zeit hätten...,“ stimmt ihm Wally zu.

Ja, irgendwie ist die Zeit wie im Flug vergangen. Dabei haben wir gar nicht alles gesehen. Broome haben wir ausgelassen; wir hatten keine Lust auf asphaltierte Straßen und nächtliche Exkursionen ins Kneipenleben. Und an einem anderen Ziel, das wir uns unbedingt vorgenommen hatten, sind wir mit unseren Maschinen gescheitert: an den Mitchell Falls, wohl den schönsten Wasserfällen im Kimberley.

Der Weg zu den dreistufigen Kaskaden führt zwingend durch eine tückische Furt am King Edward River. Wally war sichtlich beeindruckt: „In der Mitte liegen große Felsen unter Wasser, ich bin mir wirklich nicht sicher, ob wir das hinkriegen.“ Verständlich; mit seinen Einssechzig standen ihm die Fluten bis zur Hüfte.

Auch Hardy, der nicht zum ersten Mal an einer kritischen Flussdurchfahrt stand, war sich nicht sicher: „Über neunhundert Millimeter Wasser ist schon ziemlich viel Holz für die Enduros. Wenn eine kippt, läuft uns die Brühe in die Luftfilter und den Motor. Dann ist Ende, Schluss mit lustig.“

Den Ausschlag gabt schließlich das Gerippe eines ausgebrannten Ford-Pick-ups. Vor ein paar Tagen, so war uns berichtet worden, hatte sich der Fahrer im Fluss festgerödelt und musste mit Hilfe einer Seilwinde freigeschleppt werden. Offensichtlich hat der genervte Fahrer versucht, den triefnassen Truck sofort wieder zu starten. Die Folge: Kabelbrand. Totalschaden. Knapp 60.000 Euro und alle Urlaubsträume perdu. Das war's dann. Für ihn und für uns.

Wir schlugen unsere Zelte gemütlich weiter unten am Fluss auf und beratschlagen am Lagerfeuer die Lage. Hardy holte noch ein Bier aus der Eisbox, stocherte in der Glut und fasste lapidar zusammen: „Eine Fahrt durch das Kimberley verläuft selten nach Plan. Aber Spaß hat man allemal.“

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

25 Oktober 2007

Kimberley 3: Vegemite für die XT-Ketten

Schotter und Staub. Unter diesen Verhältnissen ist keine elaborierte Verkehrsführung zu erwarten: Die Gibb River Road ist zwar die Lebensader der Region und kommt auf der Straßenkarte als fette Linie daher. In Wahrheit ist sie eine rund 700 Kilometer lange und kurvige, bucklige und staubige, extrem hinterhältige Lehm- und Waschbrettpiste. Auf ihr wechseln sich tückische Sprunghügel mit überraschenden Flussdurchfahrten und tiefe Spurrillen mit üblen Schlammlöchern ab.

Mit knappen Worten: Die Strecke ist eine der schönsten Urlaubsrouten, die man in Australien finden kann.

Auf halber Strecke zwischen Kununurra und Derby liegt an der Gibb River Road das Mount Barnett Roadhouse. Mit „Free Coffee for Drivers“ hatte die Tankstelle, die zu einer kleinen Aborigines-Gemeinde gehört, gelockt. Hinter dem Tresen steht Mary Swenson, Mitte Fünfzig, energisch, mit sonnengegerbtem Gesicht und fast türkisen Augen. Mary ist eine strenge Mamsell, bis sie ins Erzählen kommt. Wie die meisten „Einheimischen“ ist auch sie nur Teilzeitkraft. Die weitaus meisten Stationen im Kimberley sind in der Regenzeit dicht. Die Angestellten wie Mary verbringen die Zwangsferien dann im Süden oder Queensland. Mary sagt, dass ihr der Wechsel gerade recht kommt: „Nach zwölf Monaten im Kimberley wäre ich total verbuscht.“

Der kleine Laden führt neben Sprit alles, was man so braucht: Zeitungen, nur drei Tage alt. Säcke voller Eis, Bier in Dosen, eine kleine Auswahl an frischem Gemüse, tief gefrorene Känguruh-Steaks und natürlich Vegemite, die Kraft-Paste mit Suppenwürfelgeschmack, für Wally. Hardy hat zu dem für echte Australier unerlässlichen Frühstücks-additiv seine eigene Meinung: „Wenn Wally es nicht alle macht, nehmen wir's zum Schmieren der XT-Ketten.“

Im Mount Barnett Roadhouse werden auch die Tickets für den Zeltplatz am Manning River verkauft, zu dem wir über einen sieben Kilometer langen, ausgewaschenen Knüppelpfad gelangen. Das Lager ist wieder schnell aufgeschlagen; Hardy kocht wie üblich wie ein junger Küchengott. Der Abend am Feuer und die Nacht vergehen lau und sternenklar. Das Kreuz des Südens und die Milchstraße sind so gleißend und eindrucksvoll, als seien sie direkt auf die Netzhaut gelasert.

Dann ist Morgen und auch der ist perfekt: Wally und ich sitzen in Badehosen auf einem Fels an der Manning Gorge, die man über einen Fußpfad durch den Busch erreicht. Die Mühe und der einstündige Anmarsch haben sich gelohnt. Wir lassen uns von oben berieseln, und lauschen dem Wasserfall, der neben uns über kleine Stufen mäandert, und in unser Tauchbecken stürzt. Libellen schwirren vorbei; die Sonne bricht sich in der Gischt und wirft einen kleinen Regenbogen. Der Himmel ist berauschend blau.

Das ist im Kimberley nicht immer so. In der „Wet Season“ ist die Gibb River Road und damit fast jeder Zugang gesperrt, weil zwischen November und April sintflutartige Regenfälle niederprasseln. Erst ab Mai weichen die dunklen Wolken, die tagelang wie eine feuchte Rheumadecke über dem Gebiet hängen, den ersten Sonnenwochen.

Die beste Reisezeit: die Monate der „Dry Season“ ab Mai, wenn die Gräser der Savannen und die Eukalyptus-Wälder in vollem Saft stehen. Dann treiben die flaschenförmigen Boab-Bäume, die nur im Kimberley zu finden sind, aus und die weiten Ebenen verwandeln sich in wogende Blumenmeere. Es duftet und riecht nach frischem, feuchten Leben; die Wasserfälle, Tümpel und versteckten Badestellen, die den Besuch des Kimberley so einzigartig machen, quellen über vor Nass.

Schon Wochen später – im August oder September – lernt man das zweite Gesicht des Kimberley kennen. Nur noch klägliche Rinnsale tröpfeln über die nackten Felskaskaden und die unbarmherzige Tropensonne („Between eleven and three slip under a tree!“) hat jegliches Sprießen und Ranken ausnahmslos verdorrt. Fünfundvierzig Grad im Schatten sind in den Kimberley-Sommern keine Seltenheit.

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

23 Oktober 2007

Kimberley 2: Waltzing Mathilda aus dem Autoradio

Einige der losen Etappenziele haben wir bereits hinter uns gelassen: Nach einem kurzen Abstecher zum Kakadu National Park sind wir zügig über Katherine, wo den einsame Victoria Highway nach Westen beginnt, und das gottverlassene Timber Creek nach Kununurra gefahren.

Am Tag danach hatte das Offroad-Abenteuer im Kimberley begonnen: Die Region ist ein Eldorado für Reisende, die wie wir Orte der Entschleunigung und der Abgeschiedenheit suchen. Hundert bis zweihundert Kilometer im Sattel sind uns auf den Schotten- und Staubpisten genug pro Fahrtag. Und alle in unserer Gruppe wollen lieber draußen im Outback bleiben, als sich in den quirligen Städtchen wie Kununurra oder Broome zu vergnügen. Broome mit seiner historischen Altstadt hat sich in den letzten Jahren gar zu einem Backpacker- und Surfer-Mekka mit einer schicken Restaurant-Szene entwickelt. Dort kann man durchaus eine zweite Übernachtung einlegen und hippes Nightlife genießen.

Auch an der Windjana Gorge lassen wir es langsam angehen. Hardy hantiert an seinen Kochplatten mit den Küchenutensilien, während Wally vergnügt unseren Tour-Klassiker „Waltzing Mathilda“ mitpfeift und die Kartoffeln schält. Wally liebt Kartoffeln. Täglich. Andreas, kurz im Busch verschwunden, kommt mit Feuerholz im Schlepptau zurück und bereitet den Grill für die Steaks vor. Andreas liebt Steaks. Auch gerne täglich. Ich habe mein Zelt aufgebaut und hieve noch zwei Sprit-Kanister vom Dachgepäckträger, um die Tanks unserer Yamahas nachzufüllen. Die Handgriffe und die Rollen sind nach fast zwei Wochen on the Road gut verteilt.

Obwohl wir uns allesamt in Darwin bei der Abfahrt das erste Mal getroffen haben, vertragen wir uns prächtig. Dazu trägt nicht zuletzt das Fortbewegungsmittel Motorrad bei. Auch grundverschiedene Charaktere kommen gut miteinander aus, wenn tagsüber der Abstand mehrere hundert Meter beträgt. Jeder kann seinen eigenen Gedanken nachhängen, und keiner ist gezwungen, den anderen in einer stickigen Fahrerkabine ertragen zu müssen.

Die Einsamkeit und Ruhe im Kimberley hat nicht nur uns angezogen, sondern auch andere Urlauber, die in Australiens Weiten nach den abgelegensten Winkel suchen. Auf dem Campingplatz, den die Windjana-Ranger unterhalten, hat sich ein buntes Völkchen versammelt. Ein deutsches Pärchen mit einem gemieteten 4x4-Camper, bleich vom europäischen Winter und sichtlich noch nicht lange unterwegs, kämpft mit einer Spraydose gegen die Moskitos in ihrem Kokon. Eine australische Familie, auf Reisen mit drei strohblonden Sprösslingen wie Orgelpfeifen, hat neben dem riesigen Wohnmobil den Gasgrill angeworfen. Ein bärtiger Einzelgänger, Marke „Crocodile Dundee“, in einem uralten Landcruiser beschallt mit dem Autoradio den Platz und kramt auf der offenen Pritsche. Das Kimberley, vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp gehandelt und immer noch weit ab der gängigen touristischen Trampelpfade, lockt zunehmend mehr Reisende an.

Die meisten kommen über die Gibb River Road. Die grobe Offroad-Piste ist die spannende Alternative zu dem auf ganzer Länge asphaltierten Great Northern Highway weit im Süden, und die einzige Straße, die durchs nördliche Kernland des Kimberleys führt. Die Traverse erschließt zwischen Kununurra und Derby ein Dutzend Rinderfarmen, deren Weiden sich mit den Flächen Belgiens oder der Niederlande durchaus messen können. Von der Gibb River Road führen eine Handvoll Stichstraßen zu einer überschaubaren Zahl von Aborigine-Siedlungen. Das war's.

Das Kimberley ist selbst für australische Verhältnisse „very remote“ und faktisch erst kürzlich erschlossen. Erst ab 1878 kamen die ersten Rinderzüchter wie die Duracks, McDonalds oder Bradshaws mit ihren Herden aus New South Wales oder Queensland und nahmen die Einöden in Besitz, in denen zuvor Aborigine-Ureinwohner gesiedelt hatten. Manche vitale Landverbindung wie etwa die Trasse zur ältesten Missionsstation vor Ort und heutigen Aborigine-Gemeinde Kalumburu wurden erst vor 50 Jahren vermessen.

Kein Wunder also, dass auf einer Fläche, die um ein Viertel größer als die Bundesrepublik ist, inklusive der Stadtbewohner von Derby, Kununurra und Broome gerade einmal 35.000 Menschen siedeln. In manchen Ecken des Kimberley trifft man tagelang auf kein entgegenkommendes Fahrzeug.

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

22 Oktober 2007

Kimberley 1: von Grillen und Krokodilen in der Windjana Gorge

Grillen zirpen; es raschelt im Unterholz. Vogelschwärme schweben, von warmen Winden scheinbar mühelos getragen, vorbei. Hoch oben kreisen gefiederte Räuber. Die steil aufragenden Wände der Schlucht strahlen in rotem Licht; Wolken wie rosa Zuckerwatte ziehen auf.

Der Sonnenuntergang und die jähe Dämmerung an der Windjana Gorge könnten spektakulärer nicht sein. Idyllen und Illusionen, wie man sie sonst nur von Postkarten kennt, werden perfekt bedient. Wir sitzen staunend auf einem Fels.

„Ist doch faszinierend“, sagt Wally aus Sydney, mit dem ich auf unserer Motorradtour durch das Kimberley an der Windjana Gorge Station mache. „Man hat immer die gleichen Bilder von Australien im Kopf. Von der strahlend weißen Sydney-Oper. Oder vom kargen Ayers Rock im trockenen, roten Hinterland.“ Er denkt nach und kratzt seinen schütteren Haarkranz. „Eigentlich ist alles ganz anders. Die Oper ist grau und baufällig. Und das Outback ist in Wirklichkeit feucht und grün.“

In der Tat. An der Windjana-Schlucht zwängt sich der Lennard River spektakulär durch den Kalkstein der Napier Range, einer kargen Felsbarriere im äußersten Nordwesten Australiens. Vor 350 Millionen Jahren im Devon, einer kurzen geochronologischen Periode des Paläozoikums, brandeten hier die Wellen einer tropischen Ursee gegen ein riesiges Korallenriff.

Wasser gibt es am Lennard River noch heute im Überfluss. In dem kilometerlangen Tal, das der Fluss ausgewaschen hat, wogt ein dichter, duftender Eukalyptuswald; die Gräser stehen in sattem Grün. Im Kimberley ist das Outback anders, als man es erwartet: saftig und blühend. Aber auch gefährlich vital. Vor uns, in dem klaren Becken unterhalb einer kleinen Stromschnelle, driftet ein Dutzend Süßwasserkrokodile ziellos wie geflößte Baumstämme.

Bevor es dunkel wird, laufen Wally und ich uns zurück zu unserem Zeltplatz. Unser Leben unter freiem Himmel ist längst Routine. Vor zwölf Tagen sind wir zu der Rundtour, die uns in knapp drei Wochen von Darwin durch das Kimberley bis an den Indischen Ozean und zurück führen soll, gestartet: Außer mir sind der Australier Wally, mit 57 Jahren der Älteste in unserer Gruppe, Andreas, ein blonder Zweimeter-Hüne aus dem Sauerland, und Hardy mit von der Partie.

Hardy hat es vor 20 Jahren aus der norddeutschen Tiefebene ins Outback und in die Dienste von Bike Tours Australia verschlagen. Jetzt ist er unser Tourguide, unser Koch und die gute Seele der Reisetruppe. Hardy steuert den Toyota Landcruiser samt Anhänger, in dem unser Gepäck, unsere Camping-Ausrüstung, die Feldküche und eine Werkstatt samt Ersatzmotorrad in Einzelteilen verstaut sind.

Den fast 4000 Kilometer langen Rundkurs durch das Northern Territory und Western Australia, den die meisten Reisenden mit gemieteten 4x4-Wohnmobilen in Angriff nehmen, wollen wir drei Motorrad-Fahrer mit XT600-Enduro-Maschinen bewältigen. Mal sehen, was draus wird. Ein Video vielleicht?

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

Australien: Offroad durch das Kimberley

Gerade ist das neue ADAC reisemagazin "Australien" erschienen - ein schönes Heft, nicht zuletzt angereichert durch meine Reportage "Am Ende aller Wege", die von der Redaktion mit folgenden Worten umschrieben wurde:

"Durchs Kimberley. Ein Bericht über eine 4000 Kilometer lange Motorrad-Tour durch den wilden Nordwesten. Oder vom Reiz und risdiko fieser Flussdurchfahrten, staubiger Pisten und einer Kraftpaste mit Suppenwürfel-Geschmack."

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem soll die Geschichte nicht vorenthalten werden. Nachdem dem Abstecher nach Bali von letzter Woche vorbei ist, ziehen wir jetzt gemeinsam weiter Richtung Osten und beginnen mit einer kleinen Kimberley-Serie.

Hier die Übersicht über die Tour, wir empfehlen die angebotene größere Kartenübersicht:


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Der Textwart

21 Oktober 2007

Bali 5: Ladenschluß im Santa Fe

Wenn nach langer Nacht in Kuta und Legian die Hähne im Morgennebel krähen, treffen sich die Nachtschwärmer im Santa Fe. Die Pizzeria, versteckt in einer Seitenstraße, ist mehr eine offene Veranda als ein respektables Restaurant, hat aber 24 Stunden geöffnet. Sie ist kurz nach sechs Uhr morgens die letzte Zuflucht vor der Realität: Denn während zur Pizza der Champagner – knapp 40 Euro die Flasche – geordert wird, erwacht die Straße zum wirklichen Leben.

Dreißig Kinder traben vorbei; allesamt barfuß und im weißen Kampfanzug. Sie gickeln und lachen und necken sich, einige zuckeln hinterher. Die Silat-Gruppe von Seminyak kommt vom Strand zurück, wo sie ein halbe Stunde Selbstverteidigung geübt hat. Jetzt sind sie auf dem Weg ins Bale Banjar, ins Versammlungshaus der Gemeinde. Aus einer Seitenstraße kommen zwei Suppenhändler mit ihren Rollwagen; in den Kesseln köchelt bereits die Frühstücks-Bouillon.

Gegenüber geht der Rolladen hoch, ein Krimskrams-Laden. Ein Mann tritt auf die Straße, an der Hand ein kleiner Junge, wohl sein Sohn. Beide sind noch im Sarong, gerade eben erst erwacht. Der Vater nimmt den Jungen auf den Schoß. Eine Frauenstimme aus dem Laden, der Junge ruft etwas zurück; der Mann streicht ihm liebevoll über die Wange. Eine Frau, vermutlich die Großmutter, tritt auf den Vorplatz und kippt den Abfall neben den Laden. Minuten später kokelt der Müll.

Auch im Santa Fe ist eine alte Balinesin aufgetaucht. Unbemerkt verteilt sie frische Bambusblatt-Schalen mit Blumen, Fruchtstückchen und Reiskuchen. Die morgendliche Opfergabe – der Geruch der Räucherstäbchen zieht wie eine reinigende Wolke über die Veranda. Die Türschwelle, über die eben noch hungrige Nachzügler gestolpert sind, wird mit ein paar Tropfen Wasser besprengt.

Mit der zeremoniellen Säuberung sind alle Sünden der Nacht weggewaschen. Wie gut. Mit einem Seufzer fällt einer der Nightlifer auf seiner Bank in einen unruhigen Schlaf.

(c) Jochen Vorfelder

19 Oktober 2007

Bali 4: Die Geschäfte am Blue Ocean

Benny (der nur Benny heißt, weil sein Bauchladen mit diesem Namen verziert ist) ist einer von rund 450 javanischen Uhrenverkäufern, die Kuta säuberlich in Planquadrate aufgeteilt haben und ihre Kommissionsware an den Mann bringen wollen. Wenn Benny 16 Stunden am Tag unterwegs ist, kann er im Monat bis zu 200 Euro verdienen. Wenn er zwei Drittel davon seiner Familie in Java geschickt und Miete für einen Schlafplatz in Kuta bezahlt hat, bleiben ihm noch zwei Euro am Tag zum Leben.

Am Strand teilt er sein Revier mit Massagefrauen und den anderen Händlern für Sonnenhüte, Bikinis, Drachen, Sarongs, alles und jedes. Was nicht zur Hand ist, wird sofort herbeigeschafft. Sonnencreme, Schutzfaktor 25? „No problem!“ Bennys sind überall, wo es Wladimirs gibt. Wer an Kutas endlos langer Strandpromenade verweilt, wird permanent ihre Bekanntschaft machen. Unterhalb des Steinwegs verläuft allerdings eine unsichtbare Demarkationslinie, hinter der per Gesetz das geschäftliche Anbaggern untersagt ist. So kann ein Aufenthalt am Strand von Kuta und Legian durchaus auch erholsam und relativ ruhig sein.

Wer glaubt, hier hätten nur die fliegenden Händler ihre Reviere markiert, kann sich am Strand vom Gegenteil überzeugen. Den Süden halten Australier und Japaner fest in Beschlag. Daran schließen sich rund zwei Kilometer mit großen Hotels an, die fest in deutscher Hand sind. Noch weiter nach Norden wird es sehr italienisch und nobel: In der Edel-Pizzeria La Lucciola etwa geht am Abend ohne Reservierung überhaupt nichts.

Der einzige Ort, an dem diese unsichtbaren Mauern bröckeln und Kutas Beach multikulti ist, sind die hundert Meter vorm Blue Ocean – der ältesten Strandbar am Platze. Dort sind die getönten Scheiben der Jeeps am dunkelsten, die Beachvolleyballer am besten. Glaubt man Kuta-Veteranen, ist der Sundowner am Blue Ocean ein absolutes Muß, denn hier geht die Sonne am schönsten unter. Dort riecht es nach Abfällen, aber auch nach Tradition.

„Die sind komplett narrisch, die Balinesen“, ereifert sich allerdings Werner. Der graue, bezopfte Beau ist Österreicher, Ende 40, braungebrannt mit tätowierten Oberarmen, ein langjähriger Aussteiger. Er pendelt zwischen Australien, wo er dank einer Heirat eingebürgert ist und Sozialhilfe bezieht, und Bali, wo seine Betätigung in der Anmache von Touristinnen besteht. Sein Motto lautet: Ich bin gut drauf, und wer daran zweifelt, muß schlecht drauf sein.

Im Moment ist Werner ungehalten, und zwar zu Recht: Das Blue Ocean hatte früher, als noch Mick Jagger und David Bowie herkamen, eine offene Terrasse mit Blick auf Strand und Meer. Inzwischen führt nicht nur eine Straße stracks an der Veranda vorbei, direkt ins Blickfeld ist auch ein Fuji-Labor gebaut worden. Das hat das Vergnügen am Sonnenuntergang erheblich eingeschränkt. „Und nun wollen die Militärs noch ‘ne zweite Bude bauen, wenn sie nicht höher am Umsatz beteiligt werden!“ schimpft wütend der Werner.

Und erklärt: Alle Restaurants, Trinkhallen und Reisbuden den Strand entlang gehören entweder Investoren, die gerne im Dunkeln bleiben, oder führen – wie überall in Indonesien üblich – nicht unerhebliche Schutzgelder ab. Im Falle der Strandgeschäfte von Kuta gehen die „Gebühren“ ans Militär, in anderen an die Polizei oder die Beamten von der Immigration. Für Leute wie Werner, die sich mit dem An- und Verkauf von Kleidung und Tand über Wasser halten, ist das Blue Ocean daher nicht nur ein Quell für Beziehungstratsch. Hier ist die Börse, an der überlebenswichtige Informationen gehandelt werden: Wer nimmt zur Zeit welche Gebühr? Wer macht welchen Deal?

Für routinierte Kuta-Nachtwandler ist das Goa 2001 eine ebenso feste Größe wie das Blue Ocean. In diesem Bambusbau, groß und luftig wie ein Flugzeughangar, nimmt man nach dem Essen zwei, drei Drinks, bevor man kurz über die Straße ins Café Luna reinschaut. Natürlich ginge auch alternativ Sushi naschen im Ryoshi und anschließend ein Bier in Made’s Warung.

Wawan, Ayu, Chantal und Werner, da oder woanders trifft man sie alle, ohne Ausnahme, wenn es dunkel wird. Sie warten, bis die Discos gegen Mitternacht öffnen, die ihnen eine Bühne bieten – und ein Stück Heimat.

(c) Jochen Vorfelder

18 Oktober 2007

Bali 3: Cordula & Wladimir

Schauplatz Hotel: Das Sari Beach Inn ist eine vergleichsweise kleine Anlage – um die 20 Bungalows, ein blühender Garten. An der Coconut Bar hat sich am frühen Nachmittag schon reichlich Publikum eingefunden. Cordula aus Düsseldorf schlürft genüßlich ihren Fruchtshake. Die ehemalige Stewardeß auf Mutterschaftsurlaub ist rundherum glücklich.

Ihre Tage in Kuta sind die ersten Wochen, an denen die alleinerziehende Mutter nicht rund um die Uhr aufs Neugeborene aufpassen muß. Maurice, so heißt der Kleine, ist weg, weil faktisch adoptiert: von den Zimmermädchen, den Barkeepern und vor allem von Made, der Kellnerin im Restaurant.

„Völlig irre. Seit ich im Hotel angekommen bin, organisieren die hier ‘ne perfekte Kinderbetreuung“, sagt Cordula und ordert ihren nächsten Fruchtshake: „Satu lagi, please.“ Im Moment geht Made in der Rolle der Pembantu, des Kindermädchens, auf. Die zierliche Balinesin, Mitte 20 und selbst schon zweifache Mutter, kniet neben der Decke, auf der Maurice krakeelt, und redet in Balinesisch auf den Süßen ein. Sie ist hin und weg, irgendwo, mit Sicherheit aber nicht in ihrem Restaurant, wo inzwischen jeder zweite Gast traurig ins leere Glas guckt. Die balinesische Kinderliebe wird eben auch von weißen Pausbacken geweckt. Daß die Großen dafür auf ihre Drinks warten müssen und jede Beschwerde sinnlos wäre: Das macht Kuta liebenswert.

Kurz nach acht Uhr morgens im Kuta Beach Hotel, mit 137 Zimmern deutlich größer als das Sari Beach Inn: Zarte Sonnenstrahlen fallen auf den schmetterlingsförmigen Pool. Auf den Bananenblättern verdampft Morgentau, Grillen zirpen, aus Lautsprechern klöppelt leise und einschläfernd ein Gamelan-Ensemble. Wladimir grunzt behaglich auf der Liege und streckt alle viere von sich. Der Weißrusse, Mitte 40, übergewichtig und mit einer nicht unbedeutenden Menge Gold um den Hals, läßt hier zwei Wochen die Seele baumeln. Organisiert hat den Trip ein russisches Reisebüro in Frankfurt. „Very good here, very cheap. I like Bali Service“, radebrecht er.

Wladimir findet Kuta nach seinen bisherigen Stranderfahrungen an der Schwarzmeerküste höchst amüsant und die Dollars wert. Er beschäftigt zwei livrierte Ober mit der Anordnung, der wortkargen Frau Gemahlin das Frühstück zu servieren. Dann stemmt sich der schwere Mann von der Liege hoch, schlendert zum Strand und geht dort seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Feilschen mit Benny. „No good watch, Benny. Zu teuer!“ Eine Rolex, eine von den besseren Nachbauten mit automatischem Werk. Zu haben für 30 Mark. Kaufen will Wladimir sie erst kurz vor dem Rückflug: „Ich lasse die erst mal warten.“

Benny spürt, daß mit Wladimir heute absolut kein Geschäft drin ist, macht aber gute Miene zum bösen Spiel. Mal sehen, was morgen geht.

(c) Jochen Vorfelder

17 Oktober 2007

Bali 2: Blumenkinder & und Backsteinmauern

Kuta war vor drei Jahrzehnten noch ein Dorf, das an der Südwestküste der Insel unter Palmen döste. Die Bewohner lebten vom Fischfang und der täglichen Reisration, schoben ihre Fahrräder durch den Sand der Dorfstraße und zollten den Göttern den nötigen Respekt.

Ziemlich gottesfürchtig sind Kutas Balinesen noch immer, doch der unbedeutende Weiler ist mit den Nachbarorten Tuban, Legian und Seminyak zu einem Ballungszentrum verschmolzen, das sich fast lückenlos über 20 Quadratkilometer erstreckt.

Bekannt wurde der Ort durch die Blumenkinder: Ihr Stützpunkt auf dem Rundkurs Katmandu – Goa – San Francisco – London entwickelte sich erst zur Bleibe für Aussteiger, dann zum studentischen Ausflugsziel und später zum meistpublizierten „Geheimtip“ in Südostasien. Inzwischen haben alle großen Reiseveranstalter Kuta als „lebendigen Badeort“ im Urlaubsprogramm.

Die Balinesen – und mit ihnen Geschäftsleute von der großen Nachbarinsel Java mit dem Riecher für eine rentable Geldanlage – staunten angesichts des Booms, bauten aber, was das Zeug hielt: Hotels und Restaurants, doch vor allem Läden, Läden, Läden.

Jalan Legian, die im Ortsinneren parallel zum Strand verlaufende Hauptstraße, hat ihre Funktion als Piste zur zügigen Fortbewegung längst verloren. Sie ist ein einziger Mega-Stau – und von früh bis spät Amüsiermeile und Freiluft-Shopping-Center. Von Surfbrettern über Gummilatschen, Antiquitäten, Gold und gebratenem Reis bis zu Haschisch und Koks – da gibt es einfach nichts, was es hier nicht gibt.

Die Reisfelder, die einst hinter den Hütten lagen, sind bis auf unbedeutende Reste trockengelegt, die lauschigen Kokoshaine längst ausgedünnt. An Stelle der Palmen ragen Bungee-Sprungtürme und Baukräne in die Höhe. Am Strand, wo Auslegerboote lagen und Hunde dösten, tobt heute der Bär. Doch allem Wachstum zum Trotz hat das St. Pauli by the Sea schon mehrere Jahrzehnte touristischer Invasion überlebt. Und die Fans bleiben dem Ort ihrer Träume treu.

Klar: Der einsame Blick aufs Meer ist in Kuta nur noch selten zu haben. Doch die Sonnenuntergänge sind nach wie vor phantastisch. Und wer Unterhaltung sucht und Shopping als eine erfüllende Urlaubsaktivität schätzt, wird hier aufs allerbeste bedient. Wer zudem genauer hinschaut, staunt: Selbst in diesem Las Vegas der Tropen ist balinesische Kultur eine dominierende Kraft.

Vor der Backsteinmauer tobt der Feierabendverkehr. Jeeps, Radler, Mopeds, Suppenstände auf zwei Rädern, Fußgänger, Hunde: Alle drängen von Nord nach Süd und umgekehrt durch das Nadelöhr, die Hauptstraße Jalan Legian. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die Luft – ein Gemisch aus Abgasen, süßlichen Schwaden von Nelkenzigaretten und Ausdünstungen der Gosse – liegt wie eine feuchte Rheumadecke über dem Geschehen.

Hinter der Mauer, in nur zwei Meter Entfernung, ist alles ganz anders. Zwischen einem Batik-Shop und einem Restaurant ruht wie eine Oase ein traditionelles Gehöft. Man findet das oft inmitten touristischer Hektik. Ein Familienfest, wie es alle Tage gefeiert wird: Bambusrohre, mit Palmwerk und Blumen geschmückt, ragen in die Nacht; Fahnen dümpeln schlaff im Wind. Dampf, Rauch und Duft steigen aus den Opferschalen; die Bewohner des Anwesens haben außer Nachbarn und Verwandtschaft auch die Ahnen und die Götter geladen, versöhnen die Dämonen. Hier steht die Zeit still; nichts könnte vom Wahnsinn der Straße weiter entfernt sein als dieses Idyll.

Entlang der Jalan Legian empfiehlt es sich dagegen, den Eindruck von entschlossener Zielstrebigkeit zu erwecken. Denn nur diese geschickte Täuschung hält fliegende Händler sowie die allseits lauernden Chauffeure ab, die mit dem Kampfruf „Transport, Boss!“ über den flanierenden Touristen herfallen. Die Attacken sind lustig bis lästig, je nach Laune. Andererseits: Wird dringend ein fahrbarer Untersatz gebraucht, sind alle Fahrer verschwunden oder sitzen um zwei schachspielende Kollegen versammelt. Und lassen sich durch kein Bitten und Betteln zur Betriebsamkeit bewegen.

Diese Welt kann warten: Balinesen besitzen die bemerkenswerte Fähigkeit, unabhängig von Ort und Zeit von einer Wirklichkeit in die andere wechseln zu können. (Was sie eine Zeitlang mit den Blumenkindern verband, aber lassen wir das hier an dieser Stelle...)

(c) Jochen Vorfelder

16 Oktober 2007

Bali 1: Chantal und Ayu

„Das hier ist Kuta. Oder Wahnsinn. Was auch immer. Aber auf keinen Fall das richtige Bali!“ Sagt die Sängerin Ayu, die seit Jahren auf der heißesten Disco-Meile der Insel arbeitet. Kuta-Fans läßt das vollkommen kalt, denn sie wollen nur eins: Party feiern, und zwar rund um die Uhr.

Samstags morgens früh um vier, da brodelt die Tanzfläche im Warung Tapas. In dieser Disco ist nichts unmöglich: Australier in Shorts und Gummi-Slippers vergnügen sich neben italienischen Gigolos und distinguierten Engländerinnen. Dazwischen tummeln sich kompakte Balinesen aus dem Muskelstudio, schrill gestylte kalifornische Transvestiten und Bottroper Raver mit Pupillen in Größe XXL – ein wilder Mob. Der Sprit fließt in Strömen: Bier, Reisschnaps und Champagner – bis zum bitteren Ende.

Vor der Bar hipt und hopt Chantal, eine junge Tänzerin aus Paris. Sie ist unterwegs mit Freundin Roma, einer singapurianischen Schönheit in Tigerhose. Chantal schlenkert so vehement mit Kopf und Modelmähne, daß man den Verlust ihres Bewußtseins befürchten muß. Doch scheint dies exakt der Sinn ihrer schweißtreibenden Übung zu sein; unterstützt durch diverse Drogen, geht es hier nicht um Bewußtsein, sondern um Gefühle. „Spür die Vibrations! Sie sind in der Luft!“ kreischt Chantal völlig entrückt gegen 120 Dezibel Funkrock an, die die Gruppe „Tropical Transit“ vorn auf der Bühne erzeugt. „Das ist Bali! Das ist Wahnsinn, Wahnsinn!“

Warum sich Kutas Party-Szene ausgerechnet bei ihm wie die Lemminge ins Vergnügen stürzt, interessiert Wawan, den Kneipier, schon lange nicht mehr. Er hat in fast zwei Jahrzehnten zu viele kommen, tanzen und wieder gehen sehen. „Weil wir der einzige Tapas-Laden weltweit sind, der keine Tapas verkauft“, lacht der Javaner, der außer der Disco und einem Lederladen noch andere Geschäfte betreibt, über die er aber weniger gern redet.

Auch an Ambiente hat das Tapas nichts zu bieten, was seinen Erfolg erklären könnte. Ein Flachbau mit Strohdach und löchrigen Außenwänden, Resopal-Verkleidung an der Decke, eine Handvoll Glühbirnen, zwei oder drei Spiegel, ein paar Hocker – jeder Partykeller in den sechziger Jahren hatte mehr Stil.

Ayu Laksmi, die balinesische Sängerin von Tropical Transit, tut schon jahrelang Dienst auf der lokalen Disco-Strecke. Auch sie kann nicht erklären, warum dieser Fleck Erde zu Südostasiens heißester Partyzone ausgerufen wurde. Welchen geheimen Kräften folgend, tobt die Gemeinde durch Kuta und Umgebung, arbeitet das Double Six, das Goa 2001, das Café Luna, den Sari Club, das Bounty, das Taj Mahal und all die anderen Etablissements ab? Der Drang nach Erholung kann es wahrlich nicht sein.

„Keine Ahnung“ – Ayu hat sich auf der Bühne völlig verausgabt, in Schweiß gebadet zieht sie an ihrer Nelkenzigarette und verbreitet einen herrlichen Duft. Sie meint: „Das hier ist nicht das richtige Bali. Das hier ist Kuta. Oder Wahnsinn. Was immer auch. Aber nicht das echte Bali.“ Doch wo liegt das eigentlich?

(c) Jochen Vorfelder

Bali: Rock around the clock revisited ...



Es ist ein paar Jahre her, aber definitiv wieder an der Zeit: ein Besuch auf Bali. Weil der Trip nun schon sehr konkret wird - ein Flug ist gebucht - dachte ich mir, es könne nicht schaden, auf der Harddisk nach schriftlichen Elaboraten über diese Region zu forschen.

Bin fündig geworden. Ab heute also als Fünfteiler die Geschichte "Bali: rock around the clock" über das Nachtleben auf der Insel, die zwar schon ein paar Jahre alt, aber nach Einschätzung von ansässigen Nightlifern noch brandaktuell ist.

Der Archivwart

10 Oktober 2007

Bud Ekins: Auch Ikonen brauchen Double

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Bud Ekins gestorben ist. Schon vergangenen Samstag, in Los Angeles.

Wer war Bud Ekins, ist jetzt die berechtigte Frage. Die Antwort: ein begnadeter Biker, mit dem ich vor etwa einem Jahr das letzte Mal telefonierte.

Doch nicht nur deshalb verdient er einen Nachruf, den ich "Alter Ego des King of Cool" genannt habe.

"Ein waghalsiger Sprung mit dem Motorrad in "The Great Escape" machte Steve McQueen zur Macho-Ikone. Gedoubelt wurde der Filmstar bei dieser und anderen Szenen von Bud Ekins, Hollywoods wohl berühmtestem Motorrad-Stuntman, der jetzt verstorben ist."

Die Beerdigung findet am Samstag im Familienkreis statt.

Der gesamte Artikel steht bei Spiegel Online.

Gute Fahrt, Bud.

08 Oktober 2007

MAD 07: Motorraddesign in Mailand

Als 1998 das Guggenheim-Museum eine Ducati auf die Eingangsstufen des Kulturtempels drapierte und eine Motorrad-Austellung eröffnete, waren die Kunstpuristen empört: Etwas so profanes für das feinsinne Publikum?

Zwei Jahre später - die Ausstellung "100 Jahre Motorrad" war inzwischen zögerlich anerkannt bei den Kritikern und nach Bilbao weitergezogen - war die Schau ein berauschender Publikumserfolg. Inzwischen wird das Konzept - das Motorrad als Sinnbild des gesellschaftlichen Wandels und Metapher für die Mobilisierung des Menschen - gerne kopiert - meist schlecht, manchmal erfolgreich.

In Mailand gerät der Versuch wohl zum Besseren. Auf der MAD - Moto Art Design - 2007 werden vom 18. Oktober bis 18. November 2007 insgesamt 75 Serienmotorräder vorgestellt, die die letzten 80 Jahre Motorradbau entscheidend beeinflußt haben. Zu sehen sind meist italienische Maschinen aller wichtigen Hersteller, aber auch Meilensteine wie die Ariel BSA 3 oder die Britten V1000.

Wer also zufällig in den vier Wochen in Milano weilt - es findet ja auch die EICMA 2007 zur gleichen Zeit statt: Ein Besuch im Palazzo del Chiaccio, Via Piranesi 41 lohnt allemal.

Der Terminwart

06 Oktober 2007

mopetenTV: Sendung No. 17 ist online

Und wie bei jeder Sendung machen Stefan und Freunde auch bei Ausgabe 17 von mopetentv wieder ein Schwerpunktthema:

"Oldtimer-Motorräder werden von ihren Besitzern zumeist nur bei schönem Wetter ausgeführt. Die Besitzer von klassischen Enduros sind da ein bisschen anders:
Abseits von befestigten Wegen geht es mit den alten Schätzchen auch gerne mal durch ordentlich Schlamm und viel Dreck.

Da das Spielen im Matsch gemeinsam viel mehr Spass macht, trifft man sich auf klassischen Enduro Veranstaltungen, wie z.B. der Enduro Classix in Hamm."

Viel Spaß bei der neuen Ausgabe No. 17.

Der Videowart

05 Oktober 2007

Brennstoffzellen: ENV-Bike wird in London ausgestellt

Auf der Energy Solutions Expo, die am 10. und 11. Oktober 2007 in der Grand Hall, Olympia, in London stattfindet, wird auch das revolutionäre ENV vorgestellt, das erste Motorrad mit einem real existierenden Brennstoffzellen-Antrieb. Die Firma Intelligent Energy entwickelt das Fahrzeug seit 2004.

Warum ein Bike mit solch einem Antrieb? Weil es eine intelligente Antwort auf die Frage der Klimaerwärmung ist. Nur das Laufen zu Fuß ist definitiv energieneutraler und gesünder als eine Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle, die null Abgase emitiert und als Rückstand bei der Erzeugung des antreibendem Stroms nur reines Wasser erzeugt.

Wie funktioniert das Ganze nun? Hier eine kurze Beschreibung der physikalischen und chemischen Basics bei Wikipedia.

Sie führen in der Praxis dazu, dass der Antriebs-"Motor", der dem elektrischen Wandler vorgeschaltet ist, zum Einen aussieht wie ein cool gezeichneter Motorrad-Koffer, und zum zweiten das Fahrzeug noch nicht über den Prototypen-Status hinaus gekommen ist. Anfragen nach Testfahrten werden derzeit abschlägig beantwortet, es gibt aber einen Video bei Toutube, das das Fahrzeug im Fahreinsatz zeigt.



Die Verzögerung des Verkaufs der ersten Gefährte - relativ lange schon in Korrelation zur ersten vollmundigen 2005er-Ankündigung der baldigen Produktionsreife, aber doch extrem kurz zu den Langwellen der Klimazyklen dieser Erde - stellt das Konzept als solch weder in Frage, noch sind wir bei der angegeben Leistung am Ende der Fahnenstange: 80 Kilometer Höchstgeschwindigkeit und 160 Kilometer Reichweite sind nur der Anfang. Die erste Ducati "Cucciolo", das "Hündchen", hat 1946 den Speed der heutigen 1098 auch nur ahnen lassen.

Der Energiewart