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01 August 2009

Metisse Desert Racer: Feels like Steve McQueen

Ruhiges Putten ist nicht sein Stil. Golfplatz-Besitzer Gerry Lisi testet auf seinem Gelände lieber Motorräder, aber nicht irgendwelche: Er baut Steve McQueens Métisse nach, jene Geländemaschine, die der Star mit einem Kumpel konstruiert hat - eine exklusive Maschine, denn es soll nur 300 Stück geben. moto1203 hat ihn in Carswell besucht.


Lisi ist leicht zu finden. Auf dem Gelände des distinguierten Carswell Golf and Country Club rund 100 Kilometer westlich von London riecht es nach britischem Landadel. Nur aus einer unscheinbaren Wellblechhalle hinterm Clubhaus dringt infernalischer Motorenlärm. Einmal kurz rein gebrüllt - und heraus tritt Gerry Lisi. Der Sechzigjährige hat einen formidablen Bierbauch, bewegt sich wie ein Tanzbär, und hat Hände wie ein Hufschmied: "Komm rein, wir testen gerade einen Motor."

In Carswell fertigt Lisi, früher Dachdecker, Landwirt und jetzt Golfplatzbesitzer, die exklusive Métisse Desert Racer - den Nachbau jener Geländemaschine, die Hollywood-Ikone Steve McQueen mit seinem Kumpel und Stunt-Double Bud Ekins für Wüstenausflüge und zum Einsatz beim legendären Baja-1000-Rennen baute. Für eine Auflage von 300 Stück hat sich Lisi, der seit Menschengedenken an Motorrädern schraubt, die Genehmigung von McQueens Sohn Chad geholt. "Steves Namen benutzen zu dürfen, war extrem wichtig für uns", sagt Lisi und blinzelt mit seinen bauernschlauen Äuglein. "Und zum Dank bauen wir das Bike exakt so wie Steve 1966."

Foto-Slideshow der Métisse Desert Racer

Drei Jahre haben die Recherchen für alle Details gedauert. 2008 hat Lisi die ersten Maschinen aus der Garage gerollt. Er streichelt einer sanft über den Tank: "Ist sie nicht eine Schönheit?" Zumindest ist sie fast echt.

Die Triumph-TR6-Paralleltwin-Motoren mit einem Amal-Vergaser und etwa 52 PS stammen aus Gebrauchtmaschinen; fünf Scouts stöbern sie in den Staaten auf. Überholt und runderneuert werden sie in der Nähe von Carswell, von einem Spezialisten, wie Lisi sagt: "Bill Thompson kann im Dunkeln einen TR6-Motor auseinandernehmen und wieder zusammenbauen. Und ich garantiere dir, er läuft."

Eingebaut werden die Triebwerke mit Viergang-Getriebe in einen Rohrrahmen in bester Rickman-Manier. Métisse war eine Handelsmarke der bekannten englischen Rahmenbau-Brüder Rickman. Nach dem Schweißen wird der Rahmen in Lisis Halle noch edel vernickelt. "Der Rohrrahmen ist zugleich Öltank, wie beim ursprünglichen Rickman", erklärt Lisi.

Lisis Hang zur Perfektion

Auch die Gabel, die Trommelbremsen und die grauen Kunststoffteile gleichen exakt denen am McQueen-Scrambler. Die Nähe zum Original hat sich inzwischen zu einer formidablen Obsession ausgewachsen; schon die kleinste Ungereimtheit treibt Lisi um: "Die Fußrasten hat Steve selbst gebaut - massive und starre Chromteile; waren nirgendwo mehr zu kriegen, also haben wir sie selbst geschweißt. Aber manche Leute wollen lieber die neuen, klappbaren Modelle montiert haben. Ein Frevel."

Mit oder ohne McQueens Fußrasten kaufen Lisis Kunden einen Vintage-Crosser, wie er exklusiver nicht sein könnte: Selbst die Reihenfolge der Rahmennummern ist auf die Fahrer zugeschnitten. "Nummer 001 hat natürlich Chad McQueen bekommen, aber zurzeit bauen wir gerade die 080 - Steves Todesjahr - und die 040. Die kriegt ein Filmproduzent aus Hollywood zum vierzigsten Geburtstag." Nummer 300 ist auch schon vergeben, an einen französischen Sammler.

Knapp 70 Exemplare sind inzwischen an Liebhaber verkauft oder vorab bezahlt worden. Aufträge kommen ständig herein, und die Lieferfrist wird immer länger. Das stört Lisi nicht weiter, er hat seinen eigenen Rhythmus, und seine beiden Mechaniker Steve und Andy arbeiten auch nur Teilzeit.

Zeitmaschine ohne Blinker

Auf die Idee mit der McQueen-Métisse ist Lisi gekommen, nachdem er eine allererste Replika für Sir Anthony Bamford, einen britischen Multimillionär und Motorsport-Fan, zusammengeschraubt hatte. Bamford stellte den Nachbau in der In-Boutique seiner Frau in Downtown London zur Schau - danach stand Lisis Telefon nicht mehr still: "Ich bin gar nicht mehr rangegangen, sondern habe sofort Chad McQueen angerufen." Nach harten Verhandlungen war der Deal perfekt. Was ihm die Signatur des "King of Cool" auf dem Métisse-Tank wert war, verrät Lisi allerdings nicht.

Lisis Maschine jedenfalls kostet umgerechnet 16.220 Euro; das ist ein Klacks für ein Steve-McQueen-Replikat, aber eine Menge Holz für 135 Kilogramm Motorrad, das nicht einmal eine Straßenzulassung besitzt. Wie auch? Eine Batterie oder Lichtanlage gibt es nicht, ebenso wenig Scheinwerfer oder Blinker. Elektrischer Anlasser? Fehlanzeige. Tacho? Nicht vorgesehen. Dafür strömen die Auspuffgase aus den beiden Zylindern in wunderschön geschwungene und ungedämpfte Chromrohre - zur nicht immer ungetrübten Freude der Golffreunde von Carswell.

Lisi aber hat Spaß, viel Spaß. Er flutet den Vergaser mit Sprit, bis er überläuft, und wirft sein volles Kampfgewicht auf den Kickstarter, bevor der Motor zum Leben erwacht. "So eine überholte Maschine muss mindestens Hundert Kilometer eingefahren werden, bevor wir sie an die neuen Besitzer ausliefern können", lacht er und brettert hinaus auf seinen Golfplatz wie einst Steve McQueen in die Wüste.

Und plötzlich ist die Erkenntnis da: Lisi, der alte Fuchs, baut gar kein Motorrad, sondern einen Zeit-Raum-Simulator. Und dafür ist natürlich jeder Preis gerechtfertigt.

(c) Jochen Vorfelder

13 März 2009

Remake: Steve McQueens Motorrad-Sprung aus The Great Escape

So schlecht wie den deutschen Verlagen scheint es den englischen Häusern noch nicht zu gehen.

Jedenfalls hat die Verlagsgruppe TIMES noch ein paar Pfund aus den Tiefen der Krisen-Rücklagen zu Tage befördert, um auf einem britischen Golfplatz einen aufwendigen Remake des Motorrad-Sprungs zu inszenieren, mit dem Steve McQueen und der Kriegsgefangenenlager-Film "The Great Escape" berühmt wurden.

Hier der Link zum dazu gehörigen Artikel.

Der Videowart

PS: Steve McQueen ist bei den Filmaufnahmen die umgebaute Triumph nicht gefahren, sondern sein Stuntman und Kumpel Bud Ekins, bei dessem Tod ich einen Nachruf bei Spiegel Online geschrieben habe.

Der Remake nun ist offensichtlich darauf zurück zu führen, dass die Times gute Kontakte zu Metisse Motorcycles hat, die neuerdings einen Nachbau von Mcqueens Crossmmaschinen auf Basis der alten Triumph anbieten.

09 Oktober 2008

Moto Morini: Schwarzer böser Bube


Um die Legende Moto Morini war es nach der überraschenden Wiedergeburt der Marke in 2004 wieder ziemlich ruhig geworden - der erste große Wurf, die Corsaro 1200, hatte mit Qualitätsproblemen zu kämpfen und Neues war nicht wirklich nachgekommen.

Inzwischen scheinen die Kinderkrankheiten des Moto Morini-Triebwerks ausgestanden und neben der aktuellen Granpasso 1200 zeigen die italienischen Kleinserien-Hersteller aus Casalecchio di Renpo in Halle 10.1 ein echtes Schmuckstück: die Scrambler 1200 (im Bild) zum Preis von 11.795 Euro.

116 PS und 105 Nm aus einem 1187 ccm-V-2-Motor, verbaut in einem Stahlrohrrahmen mit Aluschwinge und UpSideDown-Gabel, klassische Speichenräder und einem kühn geschwungenen Edelstahl-Schalldämpfer-Duo. Das gesamte Paket in Nachtschwarz rollt auf den für einen Scrambler passenden Stollenreifen.

Würde Steve McQueen noch fahren: Für dieses Schmuckstück würde er das Original von Triumph in die Ecke stellen.

intermot2008koeln

10 Oktober 2007

Bud Ekins: Auch Ikonen brauchen Double

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Bud Ekins gestorben ist. Schon vergangenen Samstag, in Los Angeles.

Wer war Bud Ekins, ist jetzt die berechtigte Frage. Die Antwort: ein begnadeter Biker, mit dem ich vor etwa einem Jahr das letzte Mal telefonierte.

Doch nicht nur deshalb verdient er einen Nachruf, den ich "Alter Ego des King of Cool" genannt habe.

"Ein waghalsiger Sprung mit dem Motorrad in "The Great Escape" machte Steve McQueen zur Macho-Ikone. Gedoubelt wurde der Filmstar bei dieser und anderen Szenen von Bud Ekins, Hollywoods wohl berühmtestem Motorrad-Stuntman, der jetzt verstorben ist."

Die Beerdigung findet am Samstag im Familienkreis statt.

Der gesamte Artikel steht bei Spiegel Online.

Gute Fahrt, Bud.

12 November 2006

McQueen: Versteigerung von Motorrädern und Memorabilia bringt über 1 Mio USD

Nun sind sie wieder weg, erworben für großes Geld, um wieder in irgendeiner klimatisierten Garage mit Alarmanlage zu verschwinden, dem Blick der Öffentlichkeit entzogen, nur noch einsames Amusement für einen privaten Sammler - die Motorräder von Steve McQueen, die am Samstag in Los Angeles im Petersen Automotive Museum versteigert wurden.

Die vermeldeten Zahlen gehen auseinander - hier die richtigen von der Website des Versteigerers Bonhams & Butterfields. Am meisten Geld brachte auf der Versteigerung ein Crocker-Motorrad aus dem Jahr 1937, es wechselte für 276.000 USD den Besitzer. Allerdings stammte es nicht aus dem Besitz von McQueen, sondern wurde von einem anderen Sammler angeboten - die McQueen-Memorabilia und -Motorräder waren nur Teil einer weit größeren Aktion, die 1,1 Mio für die angebotenen McQueen-Devotionalien und insgesamt 2,9 Mio USD einspielte.

Vom 1980 verstorbenen "King of Cool" wurden drei Maschinen versteigert - eine Indian Sport Scout von 1934 wurde für 177.000 Dollar erworben und die abgebildete Indian Powerplus Daytona von 1920 wechselte für 150.000 Dollar den Besitzer. Eine Harley aus McQueens Nachlass von 1929 wurde ebenfalls versteigert; hier ist der Preis nicht vermeldet.

Teuer, teuer jedenfalls - aber vergleichsweise billig: Eine faltbare Sonnenbrille, die McQueen angeblich während der Dreharbeiten zum Film "Thomas Crown ist nicht zu fassen" sein Eigen genannt haben soll, kam für 70.200 USD unter den Hammer.

In der Summe kann man also für 247.200 USD McQueen fahren - fehlt nur noch der Helm.

Der Platzwart

Hier der Link zum ausführlichen Artikel über Steve McQueen