Foto: (c) Maindru
Die Rallye Dakar ist die Königsklasse, die Eiger-Nordwand der Offroad-Fahrer. Und sie ist eine mörderische Tortur: Die Dakar 2011 führt ab 1. Januar zwei Wochen quer durch Argentinien und Chile. Die Rennpiloten mit ihren aufgemotzten Pkw, Trucks, Quads und Motorrädern lieben den über 9000 Kilometer langen Rundkurs von Buenos Aires bis zur Pazifik-Küste und zurück mit nahezu religiöser Inbrunst. Doch der Preis, den sie für die Kasteiung zahlen, ist hoch: Seit der inzwischen selbst tödlich verunglückte Franzose Thierry Sabine die Dakar 1978 in Afrika aus der Taufe hob, starben 59 Teilnehmer und Zuschauer an und auf der Strecke. Doch die Faszination für Racer und Schaulustige ist ungebrochen. Unter den 430 Teilnehmern, die sich im Rekordjahr 2011 gemeldet haben, sind 146 Auto-Starter, 68 Trucks, 33 Quad- und 183 Motorradfahrer. Unter den Bikern sind sechs Frauen - eine davon ist die Hamburgerin Tina "Dirtgirl" Meier. Sie startet zum dritten Mal in Folge bei der Dakar - ein vergleichsweise sonderbarer Zeitvertreib für eine Finanzbeamtin aus dem Stadtteil Bergedorf. Sie prüft im Alltag Bilanzen und hat erst spät ihren Führerschein gemacht. "Mit 22 Jahren hatte ich einen Freund, der eine Geländemaschine und eine Harley hatte - er fuhr mit der Harley, und ich habe mir die Yamaha XT500 gegriffen. Erst das war der Grund, weshalb ich den Führerschein gemacht habe. Aber irgendwie muss das bei den Frauen in unserer Familie genetisch angelegt sein. Meine Schwester fährt auch Offroad, und unsere Urgroßoma Hertha ist um 1930 schon auf einer BMW durch die Gegend gerast." Die Dakar - die einst Paris-Dakar hieß - ist aus Afrika weggezogen, nachdem das Rennen 2008 wegen Terrorwarnungen kurz vor dem Start abgesagt worden war. 2011 wird zum dritten Mal in Südamerika gefahren; durch die Pampa, über Andenpässe bis auf Höhen von 4700 Metern und durch die chilenische Atacama, die trockenste Wüste der Welt. Für die Fahrer haben sich die geografischen Gegebenheiten verändert, aber nicht die Herausforderungen - der große Sport und die Suche nach Sponsorengeldern. Ohne Geldgeber geht bei der Dakar nichts. "Du kannst die Dakar natürlich alleine machen. Selber fahren, dein Motorrad in der Nacht im Camp warten, die News-Updates selbst schreiben. Dann lebst du praktisch aus einer Alu-Kiste, die von den Dakar-Organisatoren für dich transportiert wird. Unter uns Motorradfahrern gibt es davon vielleicht 30 oder 40, aber das macht dich total fertig. Da fährt man quasi nur, um irgendwie anzukommen. Das kann ich nicht. Ich möchte einen Mechaniker haben, ich möchte so viel schlafen wie möglich, und ich habe natürlich meinen sportlichen Ehrgeiz." Meier hat ein konkurrenzfähiges Motorrad, eine Sherco mit 450 Kubik und knapp 50 PS. Ihr Team besteht aus einem Mechaniker, einer persönlichen Assistentin, die an der regelmäßigen Medien- und Pressearbeit feilt und einem eigenen Physiotherapeuten. Meier hat vom Organisationskomitee das Dakar-Medienpaket gebucht, mit täglichen Fotos, Videosequenzen und Updates. Ihre Blog-Einträge diktiert sie nur noch. So kommt sie auch nach den 700-Kilometer-Tagesetappen, bei denen sie bis zu 13 Stunden im Sattel sitzt, zu ausreichend Schlaf: vier bis sechs Stunden. "Eine Teilnahme auf meinem Niveau kostet unterm Strich zwischen 60.000 und 80.000 Euro. Die muss ich in den restlichen elf Monaten im Jahr erwirtschaften, über Sponsoren, über Kurse, die ich veranstalte, als Tourguide, Referentin und Selbstvermarkterin. Der 60-Prozent-Job im Finanzamt, das ist nur das nötige Grundrauschen." Rasende Litfaßsäulen sind alle Teilnehmer, doch nur die Spitzenfahrer erhalten ein Gehalt dafür, dass sie gewinnen. Meier ist dafür viel zu spät zum Dakar-Tross gestoßen - quasi als eigene Seniorinnenklasse, 2008 mit 35 Jahren. Einem Alter, in dem die meisten Fahrer nach einem Dutzend Rennen schon wieder aussteigen. An ihrem Ehrgeiz ändert das nichts: Letztes Jahr wurde sie Dritte in der Frauenwertung, diesmal will sie wieder ankommen und noch schneller sein. "Ich werde oft gefragt, warum ich mir die Tortur antue. Aber dieser Blickwinkel ist völlig falsch. Das ganze Jahr daran zu arbeiten, überhaupt an den Start zu kommen, das ist der Stress. In Buenos Aires Gas zu geben und die Strecke mit dem Motorrad zu fahren, das ist die Belohnung. Ich genieße jeden Kilometer." 9500 Kilometer will Tina Meier schaffen, dafür hat sie sich minutiös vorbereitet. Im Training hat sie endlose Kilometer auf dem Fahrrad abgespult, regelmäßige Geländeläufe hinter sich gebracht. Und natürlich ihr mentales Programm absolviert - beim Tango. Sie sagt, dass der Tanz ihr ideales Koordinationstraining sei; der Abschaltmodus, um ihre Batterien zu laden. "Der Tango ist eine Spätfolge meiner ersten Dakar 2009. Da gab es vor der Rallye in Buenos Aires eine Tanzveranstaltung, da bin ich natürlich hin, und einer der Meister hat mich auf die Tanzfläche gezerrt. Faszinierend von der ersten Sekunde an. Seither bin ich eben nicht nur im Gelände, sondern auch in den Tangotempeln zu finden."28 Dezember 2010
Tina Meier - Das Dirtgirl von der Steuerprüfung bei der Dakar 2011
23 Dezember 2010
Lesestunde: Raus aus dem Schneetreiben, rein in die WATERWORLD PHUKET
20 Dezember 2010
Auflagen der Motorradmagazine - aktuelle Statistiken von 2001 bis heute
Weitere Infos:
IVW unter http://www.ivw.de/
Statistiken unter http://meedia.de/typo3conf/ext/m2analyzer/analyzer/auswahl2.php?category=3
19 Dezember 2010
Buell Typhon 1190: Die Rückkehr der Boller-Bikes
Allein der Rock 'n' Roll im Übungsraum mit seiner Band The Thunderbolts, so geht die Sage unter den Fans der Marke, habe Erik Buell die schlimmste Zeit seines Lebens überstehen lassen: den November 2009.
Der amerikanische Hersteller Harley-Davidson schrammte damals hart an der Pleite vorbei; am Leben gehalten nur durch eilig gewährte Milliarden-Kredite des Risiko-Investors Warren Buffet und der amerikanischen Notenbank. Der Preis dafür: Harley musste schleunigst abspecken - und Erik Buell nach nur fünf Tagen Vorlaufzeit seiner 180-köpfigen Belegschaft mitteilen, dass Buell, die einzig innovative Tochter von Harley-Davidson, mit sofortiger Wirkung dicht gemacht werde - trotz viel versprechender Projekte.
Buell. Mausetot. Für die amerikanische Motorradszene, die den Querdenker Erik verehrt wie die Nerd-Gemeinde den Apple-Gott Steve Jobs, war das Aus der Marke, bei der über 100.000 Maschinen vom Band gelaufen waren, ein Sakrileg. Geharnischte Proteste und Hass-Tiraden auf Harley-Davidson folgten. Jetzt haben ausgerechnet ein deutsches Rennteam und ein Ingenieurbüro aus Wolfsburg dafür gesorgt, dass die Marke auferstanden ist: Sie präsentierten die Buell Typhon 1190.
Buell klein aber fein
"Erik hat es selbst nicht glauben wollen, was wir aus seinem Motorrad gemacht haben", sagt Teamchef Jens Krüper vom PegasusRaceTeam. Eriks Motorrad - das ist die Rennmaschine 1190 RR-B, die Buell und eine Handvoll Ingenieure seit der Schließung von Buell in der kleinen Manufaktur E.B.R. in East Troy, Wisconsin für Connaisseure bauen. Die Zweizylinder-1190 RR-B läuft auch in manchen deutschen Rennklassen unangefochten vorne weg - 2010 hat Pegasus damit den "Sound of Thunder" und Streckenkämpfe gegen höher eingeschätzte Vierzylinder wie die BMW S1000RR gewonnen.
"Ehrlich gesagt waren wir so überlegen, dass wir Zeit für dumme Gedanken hatten", lacht Krüper und fügt an: "Unsere Idee war, mit der Erfahrung aus dem Rennsport eine Fahrmaschine mit geiler Performance und völlig eigenem Design zu entwickeln. Natürlich auf der Basis der 1190 RR von Erik, aber voll tauglich für die Straße."
Als Partner holten sich die Rennstall-Profis die Wolfsburger Entwickler Gruner Engineering & Design an Bord. Gruner entwickelt ansonsten Baugruppen für Volkswagen und fertigt CAD-Prototypen. Krüper gibt zu: "Ohne die Kompetenz und digitale Modellbauerfahrung von Gruner wären wir nicht soweit."
Abnehmer stehen schon jetzt Schlange
Mit der 1190 Typhon sind die beiden Partner schon erstaunlich weit gekommen. Und das in nur fünf Wochen: "Den Oktober und Anfang November haben wir quasi Nonstop durchgearbeitet", erinnert sich Krüper, der zusammen mit dem Gruner-Mann Heiko Jessat die Maschine auf der Datenbasis von E.B.R. hat entstehen lassen. Design, Teil-Fertigung durch Rapid Prototyping am Rechner; alle Designteile wurden mit 3D-Printern aus Kunststoffgranulat geformt. Und das Rapid Design sieht superb aus: Die Liebhaber der knüppelharten Buell-Optik der XB-Modelle seit 2002 mit schmaler Frontpartie weinen vor Ergriffenheit. Das Herz der Beauty bleibt allerdings die Erik-Buell-Technik: der Leichmetallrahmen mit integrierten Benzintank und Leichtmetallschwinge mit Öl-Reservoir, der Wasser gekühlte 1190 ccm V2-Rotaxmotor mit 185 PS bei 11.500 Umdrehungen - bei nur 161 Kilo Leergewicht. Geschwindigkeiten jenseits von 250 km/h sind locker drin.
"Im Grunde fehlen ein paar Blinker, eine taugliche Auspuffanlage und eine Typenzulassung, dann wäre das Gerät fit für die Straße", sagt Jens Krüper. Und es gibt etliche Optionen. Krüper denkt über eine limitierte, von Buell handsignierte Auflage von zehn Exemplaren nach. Abnehmer stehen schon Schlange, obwohl kein Preis feststeht. Auch ein Umbau-Kit für ältere Buell-Modelle wie die 1125R/CR und XB sind im Gespräch.
Und Erik Buell selbst ist von der 1190 Typhon inzwischen so angetan, dass er sich eine Kleinserie direkt aus Wisconsin vorstellen kann. Doch erst mal hat der Altvater ein anderes Projekt in Sichtweite: Ab 1. Januar 2011 darf er nach dem vertraglichen geregelten Rauswurf bei Harley-Davidson wieder Straßenmotorräder bauen - die geplante 1190 RS könnte ein Erfolg werden. Wenn da nicht Harley-Davidson wäre: Die Spielverderber aus Milwaukee sitzen auf dem Namensrecht "Buell" und rücken es nicht raus.
Aber wie das mit dem Tüftler so ist: Auch dafür wird sich Erik Buell eine elegante technische Lösung einfallen lassen.
Foto-Strecke zur Buell Typhon 1190 bei SPON
14 Dezember 2010
Da tut sich was - aus moppedplanet.de wird der MC oN (ohne Namen) #mopl
Ansätze dazu gibt es ja bereits. Der harte Kern von moppedplanet.de war bereits dieses Jahr zusammen auf der road-blog.de-Tour unterwegs und hat die meisten anderen Mitstreiter auf der Route getroffen – das hat bereits Wellen geschlagen. Ich tippe mal, andere Hersteller wie der Road-Blog-Sponsor Honda, die inzwischen auch eine Ahnung vom Wert von Präsenz an der virtuellen Basis bekommen haben, werden folgen. Denn moppedplanet.de hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den einzelnen Blogs und den Hardcore-Foren, in denen sich die Liebhaber einzelner Marken und Modelle treffen und am liebsten unter sich bleiben – moppedplanet.de ist Mainstream. Es ist für jeden was dabei. Und ist doch authentisch: ungehobelt, ungebügelt, unzensiert." Und wenn ich noch ein Bitte äußern darf: Ultracool wär es natürlich, wenn es rechts eine Spalte gäbe, in der die aktuellen Tweets der Beteiligten und die zum Hashtag #mopl durchtickerten ... Was moppedplanet.de eigentlich ist, könnt ihr bei http://www.ridexperience.de lesen. Hier nur ein schneller Blick und der Link: http://www.moppedplanet.de
08 Dezember 2010
Video Brammo Empulse RR: Und leise fuhr sie dem Verbrennungs-Oldie davon ...
07 Dezember 2010
BMW-Video: Sie foltern uns mit Sendern ....
Das ist aber nicht die eigentliche Geschichte. Die ist die, und die ist eine für die Verschwörungstheoretiker unter euch: BMW Motorrad liefert ja von Zeit zu Zeit mehr oder weniger bekannte Videos bei YouTube ab. Unter anderem diesen mit Ruben Xaus, der 75.000 Mal angeschaut wurde (Den man jetzt erst Mal nicht gleich anschauen muss ....:
Das Interessante an diesem BMW-Video ist ein zweiter Video, der vor einem Monat ebenfalls bei YouTube auftauchte, nicht von BMW, sondern von User PaperPlanefr. Der Video beschreibt anhand des Xaus-Videos, wie man heutzutage Werbung mit Photoblitzen direkt auf die Photorezeptoren der Retina des Betrachters macht.
Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Wahrnehmung solcher durch Aussagen-Blitze unterstützen Werbung um ein Vielfaches höher, da sie direkt das Unterbewusstsein anspricht. Heute schon geblitzt worden?
Wer sich für den wissenschaftlichen Hintergrund interessiert, hier der Link zu einem Sachbuch über "The Visual Brain in Action"
995.000 USD übrig? Dafür gibt es zwei Ducati MH900e Limited Edition Cafe Racers bei Ebay ...
Aber der Verkäufer worldsbestguy auf Ebay argumentiert, als habe er den heiligen Vlies im Angebot, bietet monatliche Ratenzahlung an, und behauptet, der Löwenanteil des Erlöses wohltätigen Zwecke zuführen zu wollen...):
"Redheads. Two examples of the finest contemporary design Ducati has given us in this 21st century. They are inseparable - for sale as a pair.. #'s 1588 & 1740. With zero and three miles respectively, these two motorcycles are as collectible as can be. Let me be perfectly clear: This auction is for TWO MOTORCYCLES. They are two of the lowest mileage examples of the MH900E to be found in the US, possibly the world. 90% of the proceeds of this auction: at least $900,000 - will be donated to charity - I configured the auction to automatically default to Habitat for Humanity in New Orleans, but I'm a fan of Doctors without Borders in Haiti, Feed the Children, etc., so if you have a strong preference, I'll consider changing it.., but I think housing in New Orleans is a worthy cause.. My company, AteliersVelocette.com rents these motorcycles for TV, film and retail promotions. We don't "need" to sell the bikes..For the discriminating collector, the opportunity to have these two motorcycles under your Christmas tree by Christmas morning is an incredible offer that no one else can match.. Delivered anywhere in the world. Anywhere. ..by Christmas morning, guaranteed."
Also, hier ist noch ein Weihnachtsgeschenk....
Link zur Auktion: http://cgi.ebay.com/ebaymotors/Twin-Ducatis-Two-lowest-mileage-specimens-USA-... PS: Wer die Mille gerade nicht flüssig hat, der kann auch ein 1:18-Modell bei Ebay haben. Für 10,90 Euro und kostenlosem Versand. http://cgi.ebay.de/Motorrad-Modell-1-18-Maisto-DUCATI-MH900E-MH-900E-/3003396...06 Dezember 2010
C3 X132 Hellcat: Confederate baut die Höllenkatze in dritter Generation
So wie jetzt: Bestellt werden kann die C3 X132 Hellcat, die dritte Generation der Maschine, mit der sich Confederate erst einen Namen gemacht hat. Das Teil ist Technik pur, absoluter Minimalismus, nur Mensch und Maschnie. So abseitige Dinge wie einen Soziussitz gibt es schon gar nicht. Es gibt auch keine Angaben über nebensächliche Dinge wie PS - da heißt es lapidar: genügend.
Zusammengefasst wird das Bike übrigens in vier Worten: Tough. Lean. Fast. True. Sagt doch alles.
Kaufen kann man das Fahrzeug übrigens auch. Eine Preisangabe ist nicht in der Website. Bevor man die bekommt, sind erst einmal eine Anzahlung von 2.250 USD fällig. Wer es sich mal anschauen will bzw. noch kein Weihnachtsgeschenk hat: http://confederate.com/motorcycles/hellcat/02 Dezember 2010
26 November 2010
#gst10 GS Trophy 2010-Report: Große Jungs im afrikanischen Buddelkasten
Auf einem sandigen, tief gefurchten Waldpfad kurz hinter der Grenze zwischen Mosambik und Südafrika schießen Shigechika Aikawa die Tränen in die Augen. Es sind Tränen des Schmerzes und des Zorns auf sich selbst. Aikawa, der Toyota-Ingenieur aus Nagoya, ist völlig erschöpft. Sein Motorrad hat sich auf die Seite gelegt und ihn unter sich begraben. Die linke Fußraste hat ihm wohl durch den Stiefel hindurch einen Zeh gebrochen.
Doch diese Verletzung spürt er im Moment nicht, was ihn schmerzt, ist die Gewissheit: Er liegt hilflos im Sand und das ist unwiderruflich das Aus. Die GS Trophy 2010 ist für ihn gelaufen, sein Team Japan muss ohne ihn weiter fahren. Das Abenteuer, auf das er sich monatelang gefreut und vorbereitet hat, und von dessen erfolgreichem Ende er noch seinen Enkeln erzählen wollte, ist vorbei.
Aikawa ist einer der 30 Freizeitfahrer, die BMW zu einer Motorrad-Rallye durch Südafrika, Swasiland und Mosambik eingeladen hat. Die GS Trophy 2010 - die erste führte vor zwei Jahren durch Tunesien - ist ein symbiotisches Event. Alle Beteiligten geben und nehmen viel.
Die Teilnehmer aus zwölf Nationen haben sich bei lokalen Vorausscheidungen für die Drei-Mann-Teams qualifiziert; für die meisten Fahrer ist die Woche im November, die BMW ihnen schenkt, die Motorrad-Tour ihres Lebens. Für BMW Motorrad Marketing ist die Veranstaltung zum 30jährigen Jubiläum der GS-Modellreihe ein weiterer Baustein, die Marktführerschaft ihrer Modelle in der Klasse der Groß-Enduros zu festigen.
Der Mastermind
Tomm Wolf ist ein raumgreifender Mensch mit einer riesigen Aura. Der sympathische Münchener strahlt Liebe zum Motorrad und Abenteuer aus. Der alt gediente BMW-Mann und Offroader ist der König im Fahrerlager; Wolf hat die Veranstaltung erfunden und vor Ort organisiert. Während der GS Trophy läuft der Film ab, den er ersonnen hat. "Ich bin mit meinen Leuten schon fast zwei Jahre dran. Ich schätze, wir haben 10.000 Kilometer Strecke durch Farmland, durch die Berge in Swasiland und die Sandstriche an der mosambikanischen Küste abgefahren, bis wir die Route beisammen hatten."
Die Drei-Länder-Rallye ist für die Auserwählten ein rauschhaftes Erlebnis, für BMW eine aberwitzige Logistikschlacht. Die Firma hat insgesamt 60 Motorräder, 50 leichtere 800er Modelle und 10 Boxer-Enduros, für die Veranstaltung aufbauen lassen und ins Land gebracht. Der Tross der Begleitfahrzeuge, der sich hinter den Teilnehmern, den südafrikanischen Guides und den Medienvertretern durchs Land wälzt, ist riesig: Ärzte, BMW-Videomannschaften, Abschleppfahrer, Gepäcktransporteure und Offizielle.
Tomm Wolf hat Kompromisse eingehen müssen: "Am liebsten mag ich immer noch die Touren mit ein oder zwei Leuten, bei denen man morgens nicht weiß, wo man abends ankommt." Nur an einem Punkt hat er nicht mit sich handeln lassen müssen: "Da waren BMW und ich uns hundert Prozent einig - die GS Trophy ist kein Rennen für Profis. Von der Trophy muss der normale GS-Fahrer zu Hause träumen können und sagen - eh, das könnte doch ich sein."
Deshalb wird die Trophy auch nicht wie ein Rennen ausgefahren. Die Gewinner werden auf den Etappen während zwanzig Sonderprüfungen ermittelt. Bei denen zählt nicht purer Speed, sondern Team-Geist, Geschicklichkeit, Kombinationsgabe und Navigationskönnen bringen die Punkte zum Sieg.
Abenteuer für Amateure
Brian Kiely kann extrem hartnäckig sein, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat: "Südafrika, das war mein Traum. Ich wollte mitmachen und mich frei von allem fühlen." Nachdem er bei den Vorausscheidungen im Westen Kanadas nur den dritten Platz belegt hatte, ritt er Wochen später 4000 Kilometer auf seiner GS ab, um dort an der zweiten "Challenge" im äußersten Osten des Landes teilzunehmen. Wieder nur Platz Drei, aber Kiely hat Glück. Der Zweitplatzierte wird disqualifiziert, der Sieger zieht kurzfristig zurück: "Ich hab Go Canada, Go geschrien!"
Der Brite Allistair Allan stolperte über eine kleine Anzeige in einer Motorradzeitung. Und qualifizierte sich. Ein Problem: Hier die einmalige Chance, da die Arbeit. "Eigentlich kann ich meine Farm nicht so lange allein lassen. Aber meine Frau sagte, wenn Du die zehn Tage nicht weg fliegst, hockst Du mir nur monatelang missmutig in der Bude rum."
Die meisten Mannschaften haben sich erst am Flughafen getroffen, die wenigsten sind vor der Trophy zusammen gefahren. Ein wenig Krafttraining hat jeder gemacht, ja, aber Zeit für ein echtes Trainingslager hatten nur die drei jungen Südafrikaner. Die sind heiß.
Gelungene Symbiose
Auch mir ist heiß, brutal heiß von der Pace, die Christian Pingitzer im zerfurchten Tiefsand in Mosambik an den Tag legt. Der Marketing-Mann von BMW fährt voraus; meine Maschine schlingert und wuchtet hinterher. Es sind noch 30 harte Kilometer bis zu unserem Tagesziel Ponta do Ouro am Indischen Ozean.
Einsame Stunden auf dem Motorrad regen die Gedanken an. Ganz schön clever, diese BMW-Leute: Jedem Länder-Team einen mitfahrenden Journalisten zuzuteilen, ist ein klassischer Fall von "Embedded Journalism Light". Die emotionale Bruderschaft verwischt die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Begeisterung. Erinnert mich an Greenpeace - wo sich man sich als kritischer Berichterstatter nach ein paar Tagen auf hoher See selbst als Aktionist fühlt und Wache halten will.
Sei es drum; Spaß macht das motorisierte Sandsurfen allemal. Und gegen die Symbiose - im Sinne von gegenseitigem Nutzen - ist unter unseren speziellen Umständen auch wenig einzuwenden: Zack, und schon hat es mich wieder auf die Fresse gehauen. Weich gefallen, trotzdem ist beim Anheben von 200 Kilo Leergewicht Pingitzers Power hoch willkommen. Einen Kilometer weiter in der nächsten Düne ist er dran und genauso dankbar für die Hilfe.
Team Deutschland
Auch Thomas Donnecker, Dirk Remmel und Werner Modelmann sind zum Gewinnen der GS Trophy nach Südafrika geflogen. Auch wenn sie es nicht zugeben mögen. Modelmann sagt: "Hey, klar könnten wir das Ding reißen. Aber in erster Linie wollen wir doch unseren Spaß haben und aus dem Alltag rauskommen."
Nach acht Tagen und 20 Sonderprüfungen ist Modelmann bei der Preisverleihung dann doch sichtlich enttäuscht. Im Team hat es gut gepasst, aber es lief nicht gut nach den ersten verheißungsvollen Tagen. Beim Final-Parcours ging gar alles schief; die langen Tage in Afrika haben Tribut gefordert und jegliche Konzentration wie ein trockener Schwamm aufgesaugt. Ein achter Platz. Christian Pingitzer verkündet andere Sieger: "And the winner is .... Team England."
Tomm Wolf ist jetzt ganz entspannt. Er nimmt mich zur Seite und lacht: "Sag ich doch: This is not a race. Zwei in die Jahre gekommene Farmer und ein Kette rauchender Bauunternehmer aus den Midlands. Wenn die Truppe die Internationale GS Trophy gewinnt, dann ist es definitiv kein Rennen. Sondern ein echtes Abenteuer."
Wolf kennt sich aus. Alle haben etwas für sich gewonnen. Er, die Fahrer und BMW: dreißig lebenslange Marken-Botschafter.
Link zur ausführlichen Fotostrecke: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-62071.html
Link zum ausführlichen Flash-Routen-Tagebuch: http://www.spiegel.de/flash/flash-24787.html
21 November 2010
#gst10 - GS Trophy Tag 8: Finale! Großbritannien gewinnt vor Südafrika und Team Nordic
Früh Morgens im Camp bei Country Trax. Jan Du Toid, der Besitzer, hat die Strecke zusammen mit Tomm Wolf gescoutet, und die Logistikschlacht angeführt.
Finale Sonderprüfung: ein Parcours mit zehn Aufgaben, den die Teilnehmer mit dem großen Boxer R 1200 GS absolvieren mussten. Nicht nur auf der Wippe war Geschicklichkeit gefragt.
Sieht nur leicht aus: Stange mit der Gashand aufnehmen, weiter im Kreis fahren und dann wieder ablegen. Die Aufgabe lag am Ende des Parcours – Präzision war nötig, obwohl die Muskeln unter der stechenden Sonne schon alle fest gegangen waren.
Zehn Meter Powerslide mit über 200 Kilogramm: Vorderrad links vom Baumstamm, Hinterrad rechts. Bitte nur auf abgesperrtem Gelände und Fallzonen ausprobieren.
Sechs Schwellen in Folge – für jedes Abgleiten des Vorderrades gab es Strafpunkte. Die Eisenschwellen waren so eng in Folge gelegt, dass kein Team die Aufgabe bewältigte.
Auf dem Holzweg - auf die Wippe folgten die Baumstämme: einige quer, andere längs. Zu schaffen nur mit der richtigen Mischung aus Feinmotorik, Kupplungsspiel und Schmackes.
Schlimmer als die Stürze bei minimaler Geschwindigkeit ist das Wiederaufrichten des riesigen Boxers.
In manchen Fällen hilft nur die Flucht nach Vorne.
Bei der Siegerehrung und der GS Trophy-Party am Abend in Johannesburg. Die deutsche Mannschaft – trotz einem achtem Platz in guter Laune. Von links nach rechts: Dirk Remmel, Werner Modelmann und Thomas Donnecker.
Team Nordic: Platz drei für die Skandinavier aus Finnland, Norwegen und Schweden. Skol!
Börre Skiager (zweiter von li.) aus Norwegen: „Jeder Tag und jede Minuten waren die Anstrengung wert. Ich hatte die beste Bike-Zeit meines Lebens. Meine Team-Mates und ich sind gekommen, um den Trip und die Sonderprüfungen möglichst gut zu meistern und die anderen Teilnehmer kennen zu lernen. Dass wir jetzt den dritten Platz gemacht haben – umso besser!“
Nur einen Punkt hinter dem Sieger und Platz zwei: Team Südafrika. Bafana!
Roger Kane Berman (re.): „Es war eine faszinierende Reise, so intensiv, so viele Eindrücke und Emotionen an all den Tagen. Das wird mich für immer begleiten.“
And the Winner is: Team Großbritannien mit einem Punkt Vorsprung vor Südafrika. Well done, lads!
Allistair Allan (li.): „Was soll ich sagen? Job erledigt! Riesige Gefühle und jede Menge Spaß. Wie Tomm Wolf am Anfang sagte: Das hier ist kein Rennen, aber gewinnen will man doch. Im Grunde war es wie immer – das englische Team kommt immer bis ins Elfmeterschießen – aber diesmal haben wir es gewonnen! Wow!“
Die GS Trophy 2010 – ein voller Erfolg! Tomm Wolf, der Organisator vor Ort: „Erst einmal viel Dank an BMW und die Sponsoren Touratech und Metzeler. Alle sind wieder wohlbehalten in Johannesburg, stehen auf zwei Beinen und strahlen vor Freude – nun bin ich auch glücklich.
Jetzt schauen wir schon in die Zukunft – auf die GS Trophy 2012. Die große Frage wird sein: Können was das noch toppen? Mit Sicherheit. Wie wäre es mit Frühstück auf dem Machu Pichu oder Rudern auf dem Titikaka-See? Ich glaube, das lässt sich noch Einiges finden!“19 November 2010
#gst10 - GS Trophy Tag 7: Afrika zehrt an den Kräften
Die Teilnehmer an der GS Trophy 2010 sind inzwischen sechs lange Tage unterwegs. Frühmorgens aus dem Zelt, rauf aufs Bike – die Tagesetappen in Südafrika sind nicht unbedingt lang, aber die täglichen Strapazen saugen die Batterien langsam leer. Passagen, die unter normalen Umständen keinem der Fahrer Probleme bereiten würden, sind plötzlich hohe Hürden.
Hinzu kommen die Sonderprüfungen – wie heute am Freitag morgen: das Fox Hole. Die Teams müssen eine der Durchfahrten unter einer Eisenbahntrasse mit abgestelltem Motor bewältigen. Schiebend; es geht bergauf und auf dem Rückweg wieder schlitternd bergab.
Selbst die Spitzenreiter sind am Rande ihrer Kraft: Allistair Allen von Team UK fällt nach dem Fox Hole wie ein nasser Sack ins Gras.
Auch Dirk Remmel von Team Deutschland nutzt jede Gelegenheit Kraft zu tanken und gönnt sich während eines kurzen Stopps einen Sekundenschlaf.
Doch die Pausen reichen nicht. Am späten Nachmittag hebelt ein Felsblock in der Fahrbahn den britischen Journalisten Warren Pole in voller Fahrt aus. Pole kommt ins Schlingern, legt einen fulminanten Highsider hin, und schlittert rund 20 Meter über die Fahrbahn. Die Maschine landet nach einem Freiflug weitere 20 Meter weiter zwischen den Felsen.
Warren hat Glück im Unglück – ein paar Prellungen, Schürfwunden und eine blutige Risswunde. GS Trophy-Arzt Axel Thiäner ist wenige Minuten später vor Ort und versorgt den Briten. Am Abend näht er die Wunde mit ein paar Stichen.
Die F 800 GS ist nach dem Abflug schwer gezeichnet – Vorderbau demoliert, Rahmen verzogen. Das Hinterrad steht schräge in der Landschaft, die Achse ist gebrochen, ein Dutzend Speichen sind gerissen. Die Touratech-Mechaniker diagnostizieren: Totalschaden.
Die Einzelteile von Poles Maschine sind inzwischen begehrte Trophäen.
Nach der Ankunft im Camp bekommen die GS Trophy-Teams doch noch ihr Rennen – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Alle Teams starten gleichzeitig mit jeweils einem Fahrer; er soll auf geraden Linie 50 Meter möglichst langsam zurücklegen. Wenn der Fahrer die Ziellinie überfährt, startet Team-Fahrer Nummer zwei.
Auch bei dieser Sonderprüfung liegen Großbritannien, Team Nordic und Südafrika bei der Gesamtzeit nah beieinander. Diese drei Teams führen in dieser Reihenfolge auch die momentane Gesamtwertung an. Morgen früh am Samstag finden die letzten Sonderprüfungen und Wertungen statt ... das wird noch ganz eng.18 November 2010
#gst10 - GS Trophy Tag 6: Team Italien geht baden
Donnerstag Morgen im Phinda Game Reserve – ein perfekter Morgen. Um halb fünf fangen die Vögel an zu zwitschern und die Affen brüllen; eine halbe Stunde später erwacht die Zeltstadt.
Der Zeitplan, den Tomm Wolf für die Fahrt nach Norden zum Ziel Pongola verkündet hat, ist nach den ersten Verkehrsmeldungen schnell über den Haufen geworfen.: „Achtung, auf der A1 kommen Ihnen Fußgänger entgegen. Fahren Sie bitten links ran und verhalten Sie sich äußerst vorsichtig.“
Erste Sonderprüfung des Tages: Reifenwechsel. Die Metzeler Karoo (T) bleiben auf der Felge, aber werden bei zwei Maschinen durchgetauscht. Team Deutschland legt sich kräftig ins Zeug.
Vergeblich: Noch dem Zusammenbau müssen die drei deutschen Fahrer leider noch einmal ran – in der Hektik haben sie eine Distanzscheibe vergessen ... noch einmal alles raus und von vorne, Gentlemen.
Fahrt durch die Ghost Mountains: Es fügt sich gut, dass die Teams den Tiefsand von Mosambik und im Osten von Südafrika hinter sich gebracht haben. Die roten „Gravel Roads“ lassen auch während der Fahrt zu, die grandiose Szenerie zu genießen.
Zweite Sonderprüfung im Pangola Reserve: ein kurzer Rundkurs, der Fahrer greift sich einen Speer und wirft ihn ins Ziel. Hört sich leicht an – aber wer hat das schon einmal versucht, ohne den Fuß auf den Boden zu nehmen und wenn das Motorrad sich permanent bewegen muss? Auf Platz eins: die Schweiz. Ja, Ja, die Gene on Wilhelm Tell.
Sonderprüfung drei des Tages: einen Kilometer paddeln auf Zeit. Das deutsche Team macht zumindest beim Auslauf eine gute Form. Auf dem Wasser selbst? Na ja, hätte besser sein können – nur Platz acht.
Auf Platz zehn: Team Italy. Während das eine Kanu vom Landungssteg loszieht, verheddert sich das zweite italienische Team an einer Leine und kentert spektakulär. Freunde, ihr seid in den Strandbars definitiv besser aufgehoben.
Nach einem Neustart sehen die erste italienewischen Paddelzüge sehr gut aus, doch dann schlägt das Unheil ein zweites Mal zu. Die Besatzung schlägt es um – Mann und Maus werden von den afrikanischen Fluten verschlungen. Italien: null Punkte.
Sieger in den zwei Booten (gewertet wurde jeweils die Ankunft des letzten Bootes) mit sagenhaften 5:14 Minuten: Team Nordic. Jussi Ali-Lekkala (Finnland), Börre Skiaker (Norwegen), Per Wallin (Schweden) und Magnus Johansson (Schweden) haben sich mit dem Sieg im Kanu mir insgesamt 108 Punkten auf Platz 3 der Gesamtwertung vorgearbeitet.
Es führt weiter Team UK mit 114 Punkten vor Südafrika (110). Team Deutschland hat heute wohl die letzte Chance auf eine vordere Platzierung verspielt und ist mit 80 Punkten auf Rang 7 abgerutscht.











