27 Juli 2005

Ratespiel: Low budget durch die Wüste

Wenn sich im frühen 18. Jahrhundert Europäer ins unbekannte Innere Afrikas wagten, dann tat sie dies aus zwei Gründen. Sie waren entweder unerschrockene Händler oder wagemutige Wissenschaftler. Sie mussten bereit sein, ordentlich Geld zu investieren.

Denn Reisen war allemal ein teures und aufwendiges Unterfangen: Eine Expedition, wie sie z.B. der deutsche Forscher Heinrich Barth in den Jahren 1852 bis 1855 durch Westafrika unternahm, verschlang mehr als 100.000 Taler – in heutigen Maßstäben also fast eine Million Euro.

Wenden wir uns deshalb einem Traveller zu, der wenige Jahre nach Barth über das Mittelmeer setzte, und sich vom Hafen Tripoli aus auf den bisher undokumentierten Fußweg nach Timbuktu machte. Seine Reisekasse für den 3500 Kilometer langen Marsch ins Ungewisse: magere 2.500 Taler.

Dennoch war Traveller gut vorbereitet: Nach einem Medizinstudium – ohne Abschluß – verschlug es den Norddeutschen über Italien und die Schweiz nach Frankreich, wo er in die Fremdenlegion eintrat und sechs Jahre lang in Algier diente. Während der Feldzüge gegen die Kabylen überlebte er große körperliche Strapazen, eignete sich Arabisch sowie mehrere nordafrikanische Dialekte an und lernte das Überleben in der Wüste.

Traveller reiste low budget: Mit lokalen Führern und wenigen Kamelen schloß er sich einheimischen Karawanen an und versuchte, möglichst unauffällig und unerkannt zu reisen. Oasen ging er oft aus dem Weg – und kam so fast zwangsläufig vom Weg nach Timbuktu ab.

Traveller beschrieb in seinem bekanntesten Expeditionsbericht „Q... ..... .....a“, wie die Lastkamele eins nach dem anderen starben und er sich schon fast verloren gab, aber dann doch weiter unbeirrt nach Süden marschierte. Irrlichtend und nah am Wahnsinn erreichte er etwas, was vor ihm noch kein Europäer vollbracht hatte: die Durchquerung der Sahara nach Süden - vom Mittelmeer zum Golf von Benin.

Diese Reise – viele andere sollten folgen – machte ihn berühmt und Traveller wurde ein Publikumsliebling und begehrter Vortragsreisender, der an den fürstlichen Höfen in ganz Europa von der Sahara berichtete. In seinen Memoiren lobt er besonders seinen Vortrag in Riga: Dort lernte er seine Lebensgefährtin kennen, die Nichte des Afrikaforschers Georg Schweinfurth. Aber Schweinfurth, das ist eine andere Geschichte.

Wer war da unterwegs?

Viel Spaß beim googlen.

© Jochen Vorfelder

21 Juli 2005

Strom ist nicht gelb, sondern nass

Ja, sind die Balinesen jetzt ganz verrückt geworden? Da zapfen sie sich den teuren Strom aus der Leitung, und leiten ihn über dicke Kabel direkt ins Meer. Wo er die badenden Touristen unter Spannung setzt.

Keine Angst, hört sich schlimmer an, als es ist. Die wunderschönen Taman Sari Bali Cottages in Pemuteran an der Nordküste Balis bieten keine besonders harte Form von Selbsterfahrungskursen an, sondern sind Teil eines von der UNESCO und Klaus Töpfer höchstpersönlich ausgezeichneten Projektes zum Wiederaufbau von zerstörten Korallen-Ökosystemen. Und für Gäste garantiert ungefährlich.

„Der Fachbegriff für den Einsatz von Strom unter Wasser heisst mineralische Aggregation“, erklärt mir Nyoman Satri, der Techniker der Projekts. Und vereinfacht, funktioniert das Ganze so: Der Strom aus der Leitung wird auf 12 Volt herunter gepegelt, bevor er über die Unterwasserkabel raus zu Stahlkonstruktionen und Eisenmatten geleitet wird.

Diese Stangengebilde und Baumatten werden seit zwei Jahren nah am Strand versenkt, um Korallenstöcken und anderen Riff-Organismen einen „Bauplatz“ und neue Heimat zu bieten. Eine alte Technik, aber um ein vielfaches effizienter durch den Schwachstrom. Die leichte Spannung produziert Sandstein und zieht die „Riffbauer“ wie magisch an; die Wachstumsraten unter Wasser sind in Pemuteran sensationell.

Und dringend nötig: An der Nordküste Balis sind die Korallen in weiten Teilen durch Überfischung sowie Dynamiteinsatz geschädigt – die lokalen Fischer finden kaum mehr ein Auskommen. „Bisher sind die Fischer noch nicht ganz vom Projekt überzeugt,“ sagt dazu Satri, der mich durch die Anlage führt. „Aber wir haben jetzt begonnen, spezielle Riffs zur Zucht von Speisefischen anzulegen, das wird sie auf unsere Seite bringen.“

Hoffen wir das Beste – und wer das Projekt unterstützen will, kann das über die Taman Sari Bali Cottages einfach tun: Ankommen und sich’s gut gehen lassen, am Pool relaxen und im Restaurant lecker schnabulieren. Ein Teil des Umsatzes kommt dem Projekt zu Gute.

Mehr zum Projekt und den Taman Sari Cottages:
www.balitamansari.com
www.baliwww.com

© Jochen Vorfelder