Wir haben Euch aus den vielen möglichen Reisezielen in Namiba eine Auswahl der Highlights zusammengestellt - zu jedem Punkt gibt es jeweils Anfahrts- und Unterkunftsinfos. Schön kopieren und abspeichern für den nächsten Trip in eines der beeindruckendsten Reiseländer überhaupt.
1 Nach der Ankunft: Gästefarm Düsternbrook
Rund um den internationalen Flughafen buhlen mindesten zwei Dutzend Jagd- und Gästefarmen um Neuankömmlinge in Namibia. Einige sind eher auf Jagdgäste (ein kleineres, aber beständiges Klientel), die meisten jedoch auf Foto-Touristen eingestellt. Die beiden Gruppen gehen sich nach dem gemeinsamen Anflug erfahrungsgemäß eher aus dem Weg. Eineinhalb Fahrstunden von Downtown Windhoek entfernt bietet z.B. die Gästefarm Düsternbrook den idealen Einstieg für Besucher ohne Jagdschein: endloses Buschland, ein geschmackvolles Farmhaus, ruhige Gästezimmer, lauschige Standplätze für Camper, excellentes Abendessen und vor allem: Giraffen, Zebras, Nashörner, Leoparden und Geparden satt. Täglich zwei Ausfahrten durch Freiland und Gehege. Besitzer Johann Vaatz erhielt 2005 den namibischen Eco Award.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Auf der B 1 nach Norden nach ca. 35 Kilometer in Pad D 1499 abbiegen. Ausgeschildert. Camperstandplatz pro Person incl. Dinner und 2 Beobachtungsfahrten 490 N$. Kein Laden. Kontakt & Buchung: www.duesternbrook.net
2 Waterberg Plateau
Rund 250 Kilometer nördlich von Windhoek liegt in der rotbrauen Savanne eine weithin sichtbare Erhebung - ein etwa 50 km langes und 15 km breites Plateau (höchster Punkt 1890 m) mit ungewöhnlich grüner Vegetation. Seit 1972 ist das ehemalige Farmgebiet im Herzen des Herero-Stammlands - Schauplatz der blutigsten Schlacht zwischen Herero und deutschen Kolonialtruppen - ein Nationalpark und Tierparadies. Die Tiere können auf Fußwanderungen am Fuß des Plateaus (Mountain View Walk) oder während Safaris mit Geländewagen der Parkverwaltung beobachtet werden.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Anfahrt nur über die C 22 und Pad D 2512 möglich. Die D2412 ist in der Regenzeit extrem verschlammt; nur 4x4. Am Eingang des Waterberg Plateau Parks liegt neben dem deutschen Soldatenfriedhof das staatliche Barnabé de la Bat Camp mit Bungalows, schattigem und ausgedehntem Campingplatz, einer Tankstelle und Einkaufsmöglichkeiten. Stellplatz für bis zu 4 Personen 120 N$. Bungalows in der Hauptferienzeit vorbuchen über: www.nwr.com.na
3 Caprivi Strip
Namibia ganz anders - in der nach dem deutschen Reichskanzler Graf von Caprivi benannten und gut 400 Kilometer langen Landzunge ist Namibia üppig grün, tropisch feucht und voller Sumpfgebiete entlang des Sambesis und des Ovagango-Flußes. Sehenswert sind neben den Popa Falls bei Bagani vor allem die Fahrt auf dem Trans-Caprivi-Highway durch den Caprivi Game Park und der Mudumu Nationalpark am Kwando-Fluß. Der Park läßt sich nur per Boot und einem ortskundigen Führer richtig erfahren. Zu allen Jahreszeiten sind freilebende Elefanten und Flußpferde zu sehen.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Im Caprivi-Zipfel empfiehlt sich aus Sicherheitsgründen und wegen der hohen Malaria-Gefahrt die Übernachtung in einer Lodge. Die Namushasha Lodge südlich von Kongola hat 27 Luxus-Bungalows mit Bad und Mosquitonetzen. Organisiert werden Bootsfahrten und Angeltouren auf dem Kwando und Safaris in die Parks. Pool, Bar und Restaurant. Camping möglich. Infos & Buchung: www.namibialodges.com
4 Epupa Falls
Im Kaokoveld im Westen Namibias wechseln sich unter der gnadenlosen Sonne karge Hochsteppen mit ausgetrockneten Flußtälern - den so genannten Riveren - und ausgedehnten Sandebenen ab: die weitgehend noch unberührte Heimat der Himba, die sich hier teilweise noch ihre traditionelle, nomadische Lebenformen als Hirten erhalten haben.
Ganz im Norden stößt die karge, archaische Landschaft bei den Epupa Falls am Kunene Grenzfluß an das üppige und tropische Angola. Der Kunene stürzt über mehrere Kaskaden 40 Meter in die Tiefe - vor allem bei Hochwasser im April und Mai ein beeindruckendes Bild.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Nördlich der letzten Versorgungsstation Opuwo (Tanken!) ist die Weiterfahrt nur für erfahrene Allrad-Piloteure zu empfehlen; die Pads sind extrem schlecht und selten beschildert. An- und Abfahrt über die C 43 / D 3700; Hin- und Rückfahrt dauern je nach Beschaffenheit der Piste bis zu vier Tage.
Gute Übernachtungsmöglichkeit im staatlichen Epupa Camp direkt bei den Wasserfällen; wird betrieben in Kooperation mit einem nahe gelegenen, traditionellen Himba-Dorf. Infos & Buchung: www.epupa.com.na
5 Etosha Nationalpark - Namutoni
Das absolute Muß jeder Namiba-Reise - über asphaltierte Straßen leicht zu erreichen und eines der besten und größten Wildschutzgebiete in Afrika. Mit 22.270 Quadratkilometern ist der Park etwas größer als Hessen; das Zentrum ist die etwa 120 km breite und 70 km lange Etosha-Pfanne mit ihrer grauweißen Salzkruste. In der Regenzeit oft überraschend grün. Vor allem der südliche Rand der Pfanne ist durch rund 1000 Kilometer Piste zur Wildbeobachtung an gut drei Dutzend Wasserlöchern sehr gut erschlossen. Drei Tage und Übernachtungen für den Park einrechnen.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die meisten Besucher kommen von Tsumeb aus über die B1 und C 38 durch das Von Lindquist Gate in den Park und machen dort im staatlichen Namutoni Resort erste Station. Namutoni wurde rund um eine alte deutsche Festung aus dem Jahr 1903 errichtet. Die Anlage bietet neben Bungalows in verschiedenen Preisklassen, Swimming Pool, Restaurant und Läden. Eine riesige Campinganlage mit offenen Grillplätzen, Stromanschlüssen und in der Trockenzeit oft nur tröpfelnden Duschen. Chalets in der namibischen Hauptferienzeit um Weihnachten vorbuchen! Camper-Stellplatz pro Nacht 240 N$, Parkgebühr pro Tag/Person 80 N$. Weitere Infos und Buchung: www.nwr.com.na
6 Etosha Nationalpark - Okaukuejo
Das älteste und größte Camp im Etosha Park nördlich des Anderson Gates ist der ideale Ausgangspunkt für Fahrten zu den zahlreichen Wasserlöchern. In der Regenzeit ziehen riesige Herden von Antilopen, Gnus, Zebras und Giraffen durch die Steppenlandschaft westlich von Okaukuejo.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Anfahrt entweder über das dritte staatliche Resort Halali auf halbem Weg zwischen Namutoni und Okaukuejo oder von Süden kommend durch das Anderson Gate. Standard und Preise vergleichbar mit dem Namutoni Resort; z.B. Chalet mit 2 Zimmer / 4 Betten, Küche, Bad, offener Grillplatz 490 N$ pro Nacht. Weitere Infos und Buchung: www.nwr.com.na
Alternativen sind die außerhalb des Parks gelegenen privaten Lodgen mit eigenen Wildschutzgebieten, die teilweise atemberaubend luxuriös ausgestattet sind. Beispiel: Ongava Game Lodge - zwölf edle Chalets in wunderbaren Gartenanlage, Terrassen mit endlosem Blick und eigenem Wasserloch; Tagestouren in den Etosha-Park. Private Landebahn für einfliegende Gäste; die Lodge wird meist gebucht als Teil eines Flug- und Safari-Pakets. Infos und Preisanfrage: www.wilderness-safaris.com
7 Twyvelfontain
Auf dem Gelände der ehemaligen Rinderfarm Twyfelfontain - "unsichere Quelle " - wurden 1917 von einem deutschen Landvermesser die ältesten namibischen Felsbilder entdeckt. Die Gravuren in den Sandsteinplatten sind teilweise um die 6000 Jahre alt. Geschaffen wurden die Kunstwerke - oft komplexe Jagdszenen und detaillierte Tierdarstellungen - von den San und Berg-Damara, die in den abgelegenen Bergtälern jagten. Weiter sehenswert in der Region: der 35 Meter hohe Fingerklip, ein senkrecht in den Himmel ragender, erodierter Tafelberg. Skurril.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Von Khorixas (letzte Einkaufs- und Tankmöglichkeit) kommend über die C 39, dann Abzweige D 2628, D 2612 und D3214. Abgelegene Piste. Geführter Fußmarsch vom Parkplatz zu den bewachten Fundstellen und zurück ca. 90 Minuten.
Ein beliebter Stellplatz für Camper ist das Abu Huab Camp rund sechs Kilometer vor Twyfelfontein. Bietet die nötigen Basics - Toiletten, warme Duschen, Grillplätze und kalte Getränke, ist billig und hat einen Billiardtisch in der Rezeption. An der D3254 Pad, Tel 067-331104.
Wer in luxuriösem Ambiente übernachten will, fährt in die Twyfelfontain Country Lodge. 56 Doppelzimmer, komfortable Lounge mit Bar, offener Speisesaal, Pool, eigener Flugplatz. Viele organisierte Ausflüge. Fügt sich unter Reetdächern vollständig in die bergige Umgebung ein. Mehr Infos und Buchung: www.namibialodges.com
8 Brandberg-Massiv
Der Brandberg, ein rund 150 Kilometer südlich von Khorixas gelegenes Granit-Massiv, mißt rund 750 Quadratkilometer und ragt wie ein schwarz glänzender Vulkankegel aus der Namib-Wüste. Höchster Punkt ist der 2573 Meter hohe Königstein. Am Brandberg wurde 1918 von dem Landvermesser Reinhard Maack die inzwischen wohl bekannteste Felsmalerei Namibias, die White Lady, entdeckt. Bisher sind im Brandberg-Massiv über 48.000 Malereien an rund 880 Fundstellen katalogisiert.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Man erreicht das Massiv und die zugänglichen Felsmalereien um die White Lady über die C 35, die Khorixas und Uis verbindet, und den Pad D 2359. In der Tsisab-Schlucht liegt die Ranger-Station, von der aus ein Fußweg zu den Funden führt.
Nach Uis keine Tank- und Verpflegungsmöglichkeit mehr. Alle Camper stehen über Nacht auf dem schön angelegten und weitläufigen Stelplatz der Brandberg White Lady Lodge - 12 Kilometer privater Pad ausgehend von der D 2359, auch kleine Chalets, Bar und Pool, Abendessen nach Bestellung, Chalets für 2 Personen inkl. Frühstück und Dinner 950 N$, Standplatz für Camper 45 N$ pro Person. Kontakt: Tel. +264 64 500245 oder E-Mail: ugab@iway.na
9 Swakopmund
Die zweitgrößte Stadt Namibias ist zugleich das touristische Zentrum des Landes. Wo 1892 vierzig deutsche Siedler vom Kanonenboot "Hyäne" an Land gesetzt wurden, ist das beliebteste Seebad der Namibier entstanden; 35000 Menschen leben heute hier. In der Innenstadt mit den kolonialen Gebäuden hat sich eine historische, fast deutschtümelnde Athmospäre erhalten, die sich mit dem afrikanischen Treiben auf den Touristenmärkten mischt.
Straßennamen wie Kaiser-Wilhelm-Straße sind in den letzten Jahren verschwunden. Doch tradionsbewußte Cafes, Bäckereien, Buchhandlungen und Museen laden wie der historische Bahnhof, das alte Kaiserliche Bezirksgericht und die Mole von 1911 zu einem ausgedehnten Spaziergang durch einen Teil der deutschen Geschichte ein. Fazit: ein Freilichtmuseum.
Wichtigste Anlaufstelle und eine fast unerschöpfliche Fundgrube für Informationen ist das Tourismus-Büro Namib-i in der Sam Noyoma Avenue.
Hotel / Restaurants:
In Swakopmund - in den letzten Jahrten von einem Bauboom ereilt - gibt es ein ausuferndes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel - jedenfalls außerhalb der namibischen Sommerferien um Weihnachten. Wir empfehlen:
Villa Wiese Backpacker's, zentral gelegen und sehr beliebt, saubere Doppelzimmer und sanitäre Anlagen, 245 N$ pro Nacht und Person im DZ inkl. Frühstück.
Infos: www.villawiese.com
Swakopmund Beach Lodge, sehr ruhig und etwas außerhalb gelegen, erinnert an ein Schiff mit Bullaugen, 15 Zimmer mit viel Komfort und direktem Strandzugang, excellentes Frühstück! Doppelzimmer ab 340 N$ pro Person / Nacht.
Infos & Buchung: www.beachlodge.com.na
Wer in Swakopmund essen geht, muß frischen Fisch und die Atlantik-Austern probieren. Die unwidersprochen beste Adresse: The Tug Restaurant an der Jetty Area Promenade mit Blick aufs Meer. Herz der Anlage ist ein ausrangierter Schlepper. Zum Niederknieen romatische Sonnenuntergänge, eine endlose Speisekarte mit exquisiten Gerichten und erlesene Weine. Unbedingt Tisch reservieren unter Tel. +264 64 402356.
Nicht vergessen: Vor der Weiterfahrt durch die Namib-Wüste Proviant auffrischen - und und vor allem frisches Vollkorn- oder Landbrot bei "Putensen", der ältesten Bäckerei der Stadt, kaufen. Putensen Bäckerei, Sam Nujoma Avenue.
10 Walvis Bay
Einziger Tiefseehafen Namibias, bis 1994 eine südafrikanische Enklave, 35 Kilometer von Swakopmund entfernt. Touristisch gibt Walvis Bay wenig her, wir empfehlen Durchfahren bis zum Hafen, denn dort starten die Boots-Touren durch die Lagune und zur vorgelagerten Pelican Point-Halbinsel mit Seevögeln, Delphinen und Robben-Kolonien. Die Robben kommen an Bord. Touren organisiert: Mola-Mola Safaris, www.mola-namibia.com. Mola-Mola bietet auch 4x4-Tagestouren nach Sandwich Harbour an, einer der schönsten Lagunen an der Küsten Namibias.
Weitere Aktivitäten um Walvis Bay: Sandbording in den Dünen, siehe www.duneseven.com
Rundflüge Swakopmund, Walvis Bay, Namib Naukluft Park, siehe www.scenic-air.com
Geführte Ausflüge mit Quads in die Dünen zwischen Swakopmund und Walvis Bay, Anbieter: Dare Devil Adventures, Tel. 081 1284492 oder Desert Tours, Tel. 064 209844
Unterkunft/Camping:
Etwas viel Asphalt und nicht sehr heimelig, aber eigener Gezeiten-Pool und saubere Anlagen mit Restaurant in der Nähe. Vor allem aber verkehrsgünstig in der Mitte zwischen Swakopmund und Walvis Bay gelegen: der Long Beach Leisure Park, Long Beach, Walvis Bay. Selten voll. Infos & Buchung: www.wbresorts.com.na
Die kostspieligere Alternative mit dem besonderen Etwas: The Burning Shore Resort. Erinnern Sie sich an das Spektakel, als "Brangelina", das Ehepaar Brad Pitt und Angelina Jolie, sich zur Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes nach Namibia zurückzogen? Wo wohnten sie da? Im Burning Shore, einer sehr netten Anlage in Sichtweite des Campingplatzes von Langstrand. The Burning Shore ist sogar erschwinglich: 395 N$ pro Person und Nacht im Doppelzimmer. Nach der Senior Suite von Brad fragen. Infos & Buchung: www.burningshore.na
11 Solitaire
Auf dem Weg von Walvis Bay zum Sossusvlei passiert man nach der Namib-Wüste und dem grandiosen Kuiseb-Pass unweigerlich die "Siedlung" Solitaire. Ein faszinierender Ort: auf der Karte ein wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg nach Süden, doch in Wirklichkeit nur eine verschlafene Lodge, ein winziger Kaufladen (der einzige im Umkreis von 150 Kilometer) und eine antiquierte Tankstelle. Unbedingt stoppen, voll tanken und rasten: Im Laden gibt es täglich frischen und köstlichsten Apfelkuchen mit Sahne.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Solitaire liegt am Schnittpunkt der geschotterten "Fernstraßen" C 19 und C 14. Man könnte in der Solitaire Country Lodge übernachten (www.namibialodges.com), doch in der Praxis empfiehlt sich die Weiterfahrt nach Sesriem (C 19 und Anzweig D 826), wo es am Eingang zum Namib Naukluft-Park bessere Camper-Stellplätze gibt.
12 Sesriem / Sossusvlei
Sesriem (eine Lodge, ein Camp, eine Tankstelle und sonst nichts...) ist der Ausgangspunkt für die Fahrt in das wohl bekannteste Dünengebiet Namibias: eine sechzig Kilometer lange Senke, die tief in die mächtigen roten Dünen der Namib Naukluft-Wüste führt. Am Ende der teilweise asphaltierten Knüppelstrecke liegt Sossusvlei, eine in der Regenzeit zeitweise überschwemmte Lehmpfanne - umgeben von den angeblich höchsten Wanderdünen der Welt. Definitv der Ort für die besten Sonnenaufgänge in Namibia. Aber Achtung: Selbst für geübte 4X4- Geländefahrer sind die letzten fünf Kilometer vom Parkplatz bis zur Pfanne eine Herausforderung.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Wer mit dem Camper unterwegs ist, sollte unbedingt im staatlichen Sesriem Camp übernachten: schattige Stellplätze, sanitäre Anlagen, Pool und die Bar sind völlig ausreichend und die Anlage liegt - wichtig - innerhalb des Nationparks: Dadurch wird man morgens bei der Einfahrt zum Sonnenaufgang die entscheidenden 15 Minuten früher eingelassen. Stellplatz 240 N$ pro Nacht, Eintritt Park 80 N$ pro Tag und Person. Infos & Buchung: www.nwr.com.na
Die Alternative zum staatlichen Sesriem Camp ist die Sossusvlei Lodge vor den Toren des Nationalparks. Späterer Einlaß in den Park, aber sehr elegante Anlage mit alleinstehend Bungalows, Pool und edlem Restaurant. Bietet quad-Exkursionen sowie Rund- und Ballonflüge über die Namib Naukluft-Wüste an. Bungolow für zwei Person je nach Saison zwischen 1900 und 2100 N$. Infos & Buchung: www.sossusvleilodge.com
13 Wolvedans
Diese Lodge mit dem prosaischen Afrikaans-Namen "der mit dem Wolf tanzt" am Rand des Namib Naukluft-Parks ist in jeder Beziehung gigantisch. Drei verschiedene Camps - Luxuszelte mit festen Fundamenten, eine sehr individuelle Bungalow-Siedlung und Highend-Chalets, ein Pool, die excellente Küche und der wohl beste Weinkeller außerhalb von Windhoek - sind mehrere Kilometer voneinander entfernt in die Dünen versteckt.
Gäste fliegen ein oder lassen ihr Fahrzeuge an der Rezeption stehen: Die empfindliche Wüstenvegetation wird geschont wo möglich. Wolvedans verfolgt ein striktes ökologisches Integrationskonzept auf dem privaten Namib Rand Nature Reserve, einem Gebiet aus 13 ehemaligen Farmen, das mit knapp 200.000 Hektar so groß ist wie das Saarland. Aktivitäten: Ballooning, Pirschfahrten, Fotosafaris, die Wüste auf sich wirken lassen.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die Anfahrt nach Wolvedans liegt an der C 27 zwischen Sesriem und der Siedlung Betta. Von der Schotterpiste aus führt ein zwanzig Kilometer langer Privatweg zur Rezeption. Wolvedans lohnt nicht für eine Nacht; pro Person und Nacht ab 1750 N$. Keine Camper-Stellplätze. Infos & Buchung: www.wolvedans.com
14 Tirasberge
Südlich von Betta wird Namibia immer archaischer, schroffer und bizarrer - die Tirasberge etwa thronen wie riesige farbenprächtige Zinnen über der trockenen Savanne und den drohenden Wanderdünen. Ein Wunder, daß Farmerfamilien mit oft deutschen Wurzeln hier schon seit mehreren Generationen überleben.
Wer einen Eindruck vom Leben auf einer dieser Farmen - wo die nächsten Nachbarn oft 30 oder 50 Kilometer entfernt sind - bekommen will, sollte vor Ort übernachten: Die Besitzer haben meist einen kleinen Campingplatz für Gäste.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
An der D707 zweigt rund 60 Kilometer südlich Spes Bona eine privater Weg (geschlossenes Metall-Gatter) ab, über den man nach 20 Kilometer die Gästefarm Koimassis erreicht. Die Besitzer Wulff und Anke Izko haben einen wunderschön gelegenen und liebevoll gestalteten Campingplatz und Chalets mit grandioser Aussicht, organisieren Reitausflüge und verkaufen selbst geschossenes Grillfleisch und frisches Gemüse. Standplatz 95 N$ pro Person / Nacht. Infos & Buchung: www.koiimasis.com und www.tirasmountains.com
15 Lüderitz
Lüderitz erhitzt die Gemüter: Kann man sich sparen, sagen die einen, muß man unbedingt gesehen haben, antworten die anderen. Auf alle Fälle ist wohl keine andere Stadt in Namibia noch so kleinstädtisch deutsch wie der oft im Morgennebel versunkene Hafen, in dem die deutsche Kolonial-Geschichte in Namibia ihren Anfang nahm. 1883 kaufte Heinrich Vogelsang für den Bremer Tabakhändler Lüderitz die Bucht und einen ersten, fünf Meilen breiten Uferstreifen von einem Nama- Häuptling. Heute sehenswert: Altstadt, Lüderitz-Halbinsel und die ehemalige "Diamantenhauptstadt" Kolmanskop, die langsam unter den Sanddünen verschwindet. Die Wüste südlich Lüderitz ist heute Diamanten-Sperrgebiet.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Lüderitz ist nach Walvis Bay oder Keetmanshoop der erste Ort, an dem man seine Vorräte grundlegend auffrischen kann. Mehrere Hotels in der Stadt, ganz oben in der Rangliste: Lüderitz Nest Hotel mit dem Spitzenrestaurant "Penguin", DZ je nach Saison ab 795 N$. Buchung: www.nesthotel.com
Zu empfehlen ist auch der staatliche Campingplatz Shark Island auf der gleichnamigen Halbinsel mit Blick auf die Stadt. Den Schildern "Lüderitz Memorial" zum Leuchtturm folgen. Buchung nicht notwendig. Infos: www.nwr.com.na
16 Fish River Canyon
Ganz im Süden des Landes hat sich der längste Fluß des Landes, der Fish River, auf 160 Kilometer Länge durch Sand und Kalkstein gefressen und 200 Mio. Jahre Erdgeschichte freigelegt. Der gleichnamige Canyon, zweifellos eines der landschaftlichen Highlights im Südlichen Afrika, ist bis zu 27 Kilometer breit und stellenweise über 500 Meter tief.
Die Gegend um den Canyon steht unter Naturschutz; die Zufahrt zu Aussichtpunkten ist nur an einem Dutzend Stellen wie dem Hell's Bend oder dem Hikers's View Point möglich. Den Fuß des Canyons erreicht man mit dem Camper am südlichen Ende beim staatlichen Camp Ai-Ais an.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die meisten Besucher kommen über die B 4, C 12 und C 37 von Keetmanshoop (letzter Supermarkt!)und übernachten in Ai-Ais ( Camper-Stellplatz 150 N$). Achtung: Das staatliche Camp Ai-Ais mit den heißen Quellen wurde 2006 während eines Hochwassers des Fish Rivers komplett überspült. Das kann durchaus jedes Jahr passieren, von Anfahrt nachfragen. Infos & Buchung: www.nwr.com.na
17 Schloß Duwisib
Das quadratische Unikum mit Wehrtürmen, Wohnräumen unter Zinnen, Schießscharten und einem geräumigen Innenhof ist der steingewordene koloniale Größenwahn - das Abbild eines deutsches Schloß in einer unwirtlichen Halbwüste, 1908 in Auftrag gegeben vom Schutztruppen-Offizier Hansheinrich von Wolff und seiner vermögenden amerikanischen Frau.
Die Inneneinrichtung - heute noch erhalten und zu besichtigen - kam per Frachter und Ochsenkarren aus Deutschland, die Steinmetze und Zimmerleute aus Irland und Skandinavien. Wolff erlebte die Fertigstellung nicht mehr, sondern starb 1916 im Ersten Weltkrieg. Das Schloß befand sich bis 1979 in Besitz einer Frankfurter Pelzfirma, die von Duwisib aus ihre weiltläufige Karakulschaf-Zucht verwaltete.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Duwisib ist ein idealer Stopover an der geschotterten "Fernstraße" C 14 zwischen Lüderitz/Helmeringhausen und Marienthal/Windhoek und liegt direkt am abzweigenden Pad D 826 auf halber Strecke nach Betta. Campingplatz mit guten sanitären Anlagen am Flußbett zu Fuß des Schloßes, kleines Cafe hinter dem Schloß, sonst keine Versorgungsmöglichkeit vor Ort.
18 Intu Africa
Im Osten Namibias beginnt die riesige Kalahari-Wüste, die einen Großteil Botswanas ausmacht. Die charakteristischen Ausläufer der Kalahari sind bis in die Gegend von Marienthal und der Intu Africa Lodge zu sehen: halbhohe Längsdünen, die wie Wellen mit einem Schaumkranz aus rotem Sand übers Land rollen.
Wer bis kurz vor dem Rückflug keine Löwen gesehen hat, kann dies im Intu Afrika Game Reserve noch nachholen: Dort werden Männchen und Weibchen in überaus weitläufigen Gehegen zu Zuchtzwecken gehalten. Tägliche Safari-Ausfahrten durch das Reservat auch zu den Löwen.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Intu Afrika ist von Marienthal aus über die C 20 und D 1268 zu erreichen. Übernachtung in der geschmackvollen, aber nicht billigen Lodge mit Vollpension für 2 Personen 1820 N$. Kein Camping. Infos: www.namibweb.com/intuafrica.html
Eine Alternative dazu ist die Bitterwasser Lodge rund 50 Kilometer nördlich an der D 1218: Bitterwasser Flying Center ist das Eldorado der Segelflieger im südlichen Afrika und besonders zwischen November und Februar mit excellenter Thermik gesegnet. Einen Abstecher wert; perfekt ausgestattete Lodge, gutes Restaurant. Infos & Buchung: www.bitterwasser.com
19 Okambara Lodge & Wildlife Resort
Im Gegensatz zu vielen anderen Gästefarmen, die in den letzten Jahren das Rinderfarming mehr oder weniger aufgegeben haben und auf Fototourismus umgestiegen sind, ist Okambara seit der Eröffnung vor rund einem Dutzend Jahren ein reines Tier-Resort; initiert und betrieben von Christian und Uschi Schmitt.
Okambara mit seinen Giraffen, Zebras, Straußen, Antilopenherden, Nashörner und Elefanten auf knapp 10.000 Hektar ist die ideale Station, um vor dem Rückflug noch einmal Namibia pur zu geniessen.
Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die Abzweigung nach Okambara liegt liegt rund 120 Kilometer östlich von Windhoek an der D1808 / D 1800. Ab der D 1800 den Wegweisern folgen. Okambara hat ein Haupthaus, das an die alten deutschen Schutzforts erinnert, und kann 16 Gäste in Appartments und rietgedeckten Bungalows aufnehmen. Es empfiehlt sich, über die Website (Kontakt in Deutschland) zu reservieren. Aktivitäten: Spaziergänge, Fotosafaris, Wasserloch und Wildgehege direkt am Haupthaus. Doppelzimmer incl. Vollpension pro Person und Tag je nach Saison 640 N$. Infos & buchung: www.okambara.de
20 Vor dem Rückflug: Windhoek
In der Hauptstadt Namibias und näherer Umgebung wohnen rund 300.000 Menschen, als etwa jeder siebte Bürger des Landes, doch die Kapitale vermittelt einen eher ruhigen, schläfrigen Eindruck. Kaum Kultur, wenig Entertainment, null Zeitgeist - um das prickelnde, urbane südliche Afrika zu erfahren, sollte man nach Johannisburg oder Kapstadt fahrten.
Windhoek - das ist der vor allem Ausgangs- und Endpunkt für das echte Namibia draußen im endlosen Land. Vom Stadtzentrum - jenseits der armen schwarzen Vororte wie Katutura und Khomasdal - ist der Besucher dennoch angenehm überrascht: ausgedehnte schattige Parkanlagen rund um die teilweise noch aus der Kolonialzeit stammenden Parlaments- und Regierungsgebäude, einige wenige Flanierstraßen und Einkaufszentren zwischen Bahnhof, Independence Avenue und dem Ausspannplatz - Windhoek hat man in wenigen Stunden im Griff.
Hotels/Restaurants:
In und um Windhoek ist Camping nicht zu empfehlen. Hotels und Pensionen gibt es dafür in allen Preisklassen:
Hotel Heinitzburg - Immer noch die beste Adressen in der Stadt; von der Terrasse der 1914 errichteten und 1996 als Hotel eröffneten Festung überblickt man das Tal mit Downtown Windhoek. Gehobenes Niveau, hoch gehandeltes Rastaurant "Leo's" und ein erlesener Weinkeller.
Heinitzburgstr.22, Windhoek, Tel. +264 - 61 - 24 95 97 www.heinitzburg.com
Casa Piccolo - Ein Geheimtipp im Vorort Klein Windhoek. Schöne Doppelzimmer in einer sehr farben-freudigen Anlage rund um den kleinen Pool. Doppelzimmer pro Nacht inkl. Frühstück 550,00 N$. Auch hier wird wie überall in Windhoek deutsch gesprochen.
Barella Street, Klein Windhoek, Tel. +264 - 61 - 22 11 55, e-mail: casapiccolo@iafrica.com.na
Restaurants:
Unser Top-Tipp: Das "Gathemann". Der Schweizer Küchenchef Urs Gamma kocht in einem restaurierten Kolonialhaus mit genialer Terasse direkt im Zentrum der Stadt. Gourmet-Karte und Weinkeller für Kenner. Unbedingt vorher reservieren.
Gathemann Restaurant, 169 Independence Avenue, Tel. 061 - 22 38 53
Wer es rustikaler mag, ist in "Joe's Beerhouse" gut aufgehoben: sehr rustikales Ambiente mit Reet-Dächern, oft Live-Musik, Open Air-Grill. Das Essen - z.B. die leckeren Antilopen-Steaks - quillt über die Teller. Nicht zu überhören und -sehen an der Nelson Mandela Avenue Richtung Okahandja.
Shopping:
In der Tal Street - parallel zur Independence Avenue - ist in einer ehemaligen Brauerei das Namibia Crafts Centre entstanden. Auf drei Etagen stellen alle Ethnien Namibias Kunsthandwerk, Schnitz- und Webarbeiten, Mode und Fotokunst aus. Alles ist zu finden - vom kunstvoll verzierten Straußenei über das hippe T-Shirt bis hin zum kleinen Schlüsselanhänger.
Außerdem: Im Crafts Centre gibt es eines der besten Cafes Windhoeks.
Namibia Crafts Centre, Tal Street, Windhoek
Wer sich hier eingedeckt hat, kann getrost nach Hause fliegen ....
© Jochen Vorfelder
27 Dezember 2006
22 Dezember 2006
Weihnachten: die Fango-Packung für die Ducati
Nun wissen wir ja alle, dass das Fest die Zeit der Rückblicke und Besinnung ist - auch dem Moppedfahrer als solch sei hiermit angeraten, an Weihnachten etwas inne zu halten, die Eindrücke des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen, und gute Vorsätze für die kommende Fahrsaison auf der Ducati zu formulieren.Als Licht im Dunkel der Gehirnwindungen hier ein Zitat zu obenstehendem Bild: "Das 2001 angefertigte Werk wirkt wie ein endloser Wurm oder eine sich in den Schwanz beißende Schlange. Sie war ursprünglich als Außenskulptur in Hollywood und somit als ironischer Kommentar zur US-Filmindustrie geplant."
Hollywood, Filmindustrie, Kunstkritik. Aha. Viel aufschlußreicher allerdings in diesem Zusammenhang, wie im Jahr 2003 die schwarze Ducati 916 in die Ausstellung des österreichischen Großkünstlers Franz West (57) kam.
Die Maschine gehört dem deutschen Kunstsammler Mick Flick - ja, der von den Flicks - und der Mäzen bat West, sie in die Performance während der Vernissage der Bregenzer Ausstellung ""We’ll not carry Coals" - "Wir lassen uns nicht verkohlen"; der Titel ist zugleich ein Shakespeare-Zitat aus der romantischen Tragödie „Romeo und Julia“, auf dem das Musical fußt, aber das ist eine andere Geschichte - zu integrieren.
West bewies erheblich Kunstsinnigkeit - oder war es gnadenloser Humor? Jedenfalls wurde das teure Edelstück, mit dem Flick angeblich noch kurz zuvor gefahren war, mit laufendem Motor wie in einem Moorbad bei Kuraufenthalten in Fangoschlamm getunkt.Es ist leider nicht überliefert, wie lange die Desmodromik und die Airbox dem eindringenden Fangoschlamm Stand gehalten hat, aber diese technischen Details tut hier auch weniger zur Sache.
Ich finde nur, das Bild ist der richtige Gedankenanstoß für die weihnachtliche Besinnung - und sollte überhaupt schon mal gezeigt werden. In diesem Sinne schöne Feiertage.
Der Platzwart
Bericht über die Ausstellung in Bregenz 2003
21 Dezember 2006
Menschen in Namibia VIII - Urs Gamma

Gamma ist seit 18 Jahren Besitzer und Küchenchef im "Gathemann" in Windhoek. Seine Kochkunst hat das Restaurant an der Independance Avenue zu einer der Gourmet-Adressen im südlichen Afrika werden lassen.
"Nehmen Sie eine klassische Saltimbocca und kombinieren Sie den italienischen Parma-Schinken mit einheimischem Springbok oder Gnu und dem grünen Spargel aus Swakopmund: köstlichst!
Ich versuche eine wohlschmeckende Synthese zu schaffen - heute würde man Fusion-Food dazu sagen. (...)
Die Küche hier lebt von den frischen und hochwertigen Zutaten: natürlich Fleisch, Fleisch, Fleisch, vor allem die verschiedenen Antilopenarten, und dann alles von der Küste: Seehecht, Dorade, Makrele, Langusten, Crayfish und natürlich die Austern aus Walvis Bay. Weltspitze! (...)
Unsere Spezialität hier im Haus? In der Regenzeit sicher die Omajova-Pilze. Die wachsen in den nassen Monaten im Norden des Landes ausschließlich auf Termitenhügeln. Riesenexemplare gibt's da; Hüte mit bis zu 40 Zentimeter Durchmesser.
Frisch in die Pfanne mit ein bisschen Zwiebeln und Butter oder mit einem Hauch Knoblauch und Petersilie paniert als Pilzsteak - etwas Besseres finden Sie nicht! (...)"
© Jochen Vorfelder
14 Dezember 2006
Menschen in Namibia VII - Andreas Seibeb

Seibeb ist Farmarbeiter und wohnt seit über zehn Jahren mit Frau und mittlerweile vier Kindern auf dem Okambara Wildlife Resort rund zwei Stunden Fahrzeit von Windhoek entfernt. Er steuert einen der Jeeps, mit denen die Gäste frühmorgens oder vor Sonnenuntergang auf Fotosafari gehen.
"Wir haben 10.000 Hektar für unseren Wildbestand - ich schätze, inzwischen sind es fast 200 Gnus, 400 Impalas und auch 400 Kudus. Von den Großtieren wie den Giraffen, den Nashörnern und den Elefanten kennt man natürlich jedes Tier ganz genau, wenn man täglich im Park unterwegs ist - da hat jedes seinen Charakter, seine Eigenheiten und seine Stimmungen und Launen. (...)"
"Die Elefanten und Nashörner gehen sich in der Regel aus dem Weg; es gibt ja auch genug Platz hier im Park. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass sich die beiden Herden bis auf zwanzig Meter nahe gekommen sind - dann sind es immer die Elefanten, die sich zurückziehen. Die sind schlauer, und mit dem Nashorn-Bullen will sich wirklich keiner anlegen.(...)"
"Am Anfang hatten wir drei Bullen und drei Elefantenkühe, die bis auf eine Ausnahme alle sehr ortstreu wurden. Nur einer der Bullen ist mehrmals durch den äußeren Zaun gebrochen, hat beim Nachbarn einiges verwüstet und ist dann Richtung Süden gewandert. Das kriegt man aus den Tieren nicht mehr raus; wir mussten ihn erschießen lassen. Die restlichen fünf Tiere haben sich prächtig entwickelt und letztes Jahr kam das zweite gesunde Kalb zur Welt."
Mehr zu Andreas Seibeb und Namibia im ADAC reisemagazin Namibia
© Jochen Vorfelder
04 Dezember 2006
Video: der kleine, aber feine Unterschied zwischen Harley und Ducati
"Das Motorrad", schrieb Thomas Krens, der Direktor der Solomon R. Guggenheim-Stiftung in einem Essay für die New York Times, "ist die perfekte Methapher für das 20. Jahrhundert... erfunden zu Beginn der Industrialisierung, spiegelt seine Entwicklung die Hauptströmungen der Moderne wieder."
Krens hat ein feines Gespür für solche Strömungen - er war es, der 1998 als Kurator einer der erfolgreichsten Ausstellungen der Guggenheim-Stiftung fungierte: "The Art of the Motorcycle" - gestartet in New York, zog die Schau dort 300.000 Besucher im ersten Jahr in ihren Bann, dann 700.00 anschließend im Gehry-Bau in Bilbao, und danach knapp 500.000 in der Zweigstelle in Las Vegas. Obwohl der Kassenschlager inzwischen eingemottet ist, ist für die Begeisterung für das Thema Motorrad noch kein Ende abzusehen. Im Juni dieses Jahres wurde eine Nachfolgeschau mit über 80 zweirädrigen Exponaten erfolgreich im Orlando Museum of Art (OMA) in Florida gezeigt; sie soll auf langjährige Tour gehen.
Doch mit Krens wollen wir uns nicht weiter aufhalten - sondern eher mit zweien seiner Exponate - einer Ducati 916 und einer Harley-Davidson Electra Glide. Beide Maschinen - hier die konsequente Straßenrennmaschine, da der chromblitzende König der Landstraße - hatten exponierte Stellplätze in der Ausstellung - obwohl (oder weil) sie verschiedener nicht sein könnten. Beide stehen für zwei grundsätzlich divergierende technische Richtungen; beide repräsentieren Philosophien des Motorradbaus und des Fahrens als solch, die selbst beim besten Willen kaum zusammenzuführen wären.
Beide Maschinen stehen für Dramen und Dramaturgen. "Das Objekt und seine Geschichte," schrieb Krens über das Motorrad,"ruft wie eine griechische Tragödie die klassischen Themen Rebellion, Begierde, Freiheit, Liebe und Tod auf..."
Das sehen offensichtlich auch die Regisseure der Werbe-Clips so, in denen für die beiden Maschinenwelten und die entsprechenden Käuferschichten in den USA geworben wird. Verschiedener können Clips nicht sein. Viel Spaß dabei.
Zunächst hier ein Harley-Davidson-Clip, der einen gut versteckten Nerv bei betuchten Mittfünfzigern in gesicherter Position und gehobenem Einkommen treffen soll. Klick.

Und Ducati? Es war schon immer etwas elitär, eine italienische Diva zu fahren. Aber halt doch irgendwie sympathisch und faszinierend sowieso. Klick, auf den Video.
Der Platzwart
Krens hat ein feines Gespür für solche Strömungen - er war es, der 1998 als Kurator einer der erfolgreichsten Ausstellungen der Guggenheim-Stiftung fungierte: "The Art of the Motorcycle" - gestartet in New York, zog die Schau dort 300.000 Besucher im ersten Jahr in ihren Bann, dann 700.00 anschließend im Gehry-Bau in Bilbao, und danach knapp 500.000 in der Zweigstelle in Las Vegas. Obwohl der Kassenschlager inzwischen eingemottet ist, ist für die Begeisterung für das Thema Motorrad noch kein Ende abzusehen. Im Juni dieses Jahres wurde eine Nachfolgeschau mit über 80 zweirädrigen Exponaten erfolgreich im Orlando Museum of Art (OMA) in Florida gezeigt; sie soll auf langjährige Tour gehen.
Doch mit Krens wollen wir uns nicht weiter aufhalten - sondern eher mit zweien seiner Exponate - einer Ducati 916 und einer Harley-Davidson Electra Glide. Beide Maschinen - hier die konsequente Straßenrennmaschine, da der chromblitzende König der Landstraße - hatten exponierte Stellplätze in der Ausstellung - obwohl (oder weil) sie verschiedener nicht sein könnten. Beide stehen für zwei grundsätzlich divergierende technische Richtungen; beide repräsentieren Philosophien des Motorradbaus und des Fahrens als solch, die selbst beim besten Willen kaum zusammenzuführen wären.
Beide Maschinen stehen für Dramen und Dramaturgen. "Das Objekt und seine Geschichte," schrieb Krens über das Motorrad,"ruft wie eine griechische Tragödie die klassischen Themen Rebellion, Begierde, Freiheit, Liebe und Tod auf..."
Das sehen offensichtlich auch die Regisseure der Werbe-Clips so, in denen für die beiden Maschinenwelten und die entsprechenden Käuferschichten in den USA geworben wird. Verschiedener können Clips nicht sein. Viel Spaß dabei.
Zunächst hier ein Harley-Davidson-Clip, der einen gut versteckten Nerv bei betuchten Mittfünfzigern in gesicherter Position und gehobenem Einkommen treffen soll. Klick.

Und Ducati? Es war schon immer etwas elitär, eine italienische Diva zu fahren. Aber halt doch irgendwie sympathisch und faszinierend sowieso. Klick, auf den Video.
Der Platzwart
01 Dezember 2006
Menschen in Namibia VI: Paul van der Westhuizen
Paul ist 59 Jahre alt und fährt seit fünf Jahren den Tanklaster, der die abgelegenen Stationen Solitaire und Betta am Rande des Namib Naukluft-Nationalparks mit Benzin und Diesel versorgt. Der Trip von Walvis Bay nach Betta und zurück dauert zwei Tage. "Bis 1994 war Walvis Bay ja noch eine südafrikanische Enklave innerhalb Namibias; stategisch wichtig und ein langjähriger Streitpunkt, weil es der einzige Tiefseehafen hier im Land ist. Als Walvis dann übergeben wurde, haben die Namibier uns ansässigen Buren angeboten zu bleiben. Ich habe seitdem auch einen namibischen Pass, aber die meisten, die ich kannte, sind lieber zurück nach Südafrika. (...)"
"Ich fahre jede Woche mindestens zwei Touren; einmal nach Solitaire und einmal ganz runter in den Süden bis zur Station Betta. Das sind im Monat über 3500 Kilometer auf Schotterstraßen.(...)
An die einsamen Strecken und das ewige Rütteln auf dem Wellblechpiste gewöhnt man sich - und jeder Trip durch die Wüste ist ja doch anders: Mal hat man einen Sandsturm, mal regnet es am Kuiseb-Pass, mal ist einer der Flüsse überschwemmt und man hängt fest. (...)
Na ja, ich fahr mich eigentlich nie fest mit meinem LKW, aber wenn der Schlamm bis zur Achse steht, dann muss ich den einen oder anderen Farmer oder Touristen aus dem Dreck ziehen. Ach, Abwechslung gibt es genug, mir wird nie langweilig."
(c) Jochen Vorfelder
27 November 2006
Menschen in Namibia V - Edith Bolte & Helga Rohda
Edith Bolte (li.) und Helga Rhoda stehen seit Jahren gemeinsam hinter der Brottheke von "Putensen", der ältesten Bäckerei in Swakopmund. Die Institution in Sachen Backware und Torte schräg gegenüber der "Swakopmunder Buchhandlung" wurde im Jahr 1905 eröffnet.Edith: "Ja, bei uns im Laden gibt es außer den beiden Verkaufstresen der Bäckerei noch das Café Treffpunkt; da sitzen die alten Swakoper - egal, ob Schwarz oder Weiß - schon gerne und halten ein Schwätzchen. Ist ja auch nett und ruhig hier, hier kann man's aushalten. (...)
Ja, stimmt, es war nicht immer so ruhig. Stimmt, im Dezember 78 hatten wir eine Bombenexplosion hier im Laden wegen der Kämpfe zwischen der SWAPO und den Südafrikanern. Aber das ist lange her, ist alles schon vergessen."
Helga: "Ja, was haben wir denn so im Angebot? Also hier, Brote natürlich in allen Variationen, Vollkorn oder Sauerteig, und die süßen Zimtwecken grade frisch aus dem Ofen, dann Frankfurter Kranz, Schwarzwälder Kirschtorten, Käsekuchen, den Bienenstich, die Apfeltaschen und unsere Nußecken! (...)
Packen Sie sich den Wagen voll, die nächsten 300 Kilometer kriegen sie mit Sicherheit so ein Angebot nicht wieder!"
© Jochen Vorfelder
21 November 2006
Menschen in Namibia IV - Claudia Kakunda
Claudia verkauft neben rund zwei Dutzend anderen Händlern Holz- und Hornschnitzereien auf dem Touristen-Markt von Swakopmund. Sie ist 24 Jahre alt und stammt aus dem Kavango-Gebiet an der Grenze zu Angola."Auf dem Markt in Swakop arbeiten fast nur Leute aus Kavango und Angola. Jeder zahlt eine geringe Standgebühr an die Stadtverwaltung, aber eine viel höhere Abgabe an unsere eigenen Obleute. Die entscheiden, wer auf dem Markt ausstellen darf und wer nicht. In Swakopmund ist ein Verkaufsplatz natürlich sehr begehrt, weil das ganze Jahr über viele Touristen und in den Schulferien auch die Einheimischen an die Küste kommen. (...)"
"Wir kaufen das Eisenholz und die anderen Arten meist aus Angola, aber die Schnitzereien stammen alle von unseren eigenen Familien aus Kavango. Hier, schau, mein Onkel zum Beispiel macht diese Giraffen und Flußpferde. Ich hole die fertigen Stücke dann zwei Mal im Jahr mit dem Bus zuhause ab. (...)"
"Unser Einkommen? Ist immer unsicher. Am härstesten verhandeln die Südafrikaner, die wollen immer den niedrigsten Preis. Ich verkaufe viel lieber an Europäer; die zahlen mehr und sind viel freundlicher. Manche sind auch richtig interessiert. (...)"
© Jochen Vorfeldedr
17 November 2006
Menschen in Namibia III - Belinda Naubes
Die Nationalpark-Rangerin gehört zu den Damara, einer der ältesten Bevölkerungsgruppen Namibias. Sie ist 35 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern. Belinda führt Touristen zu den White Lady-Felsmalereien am Brandberg-Massiv. Wenn sie Englisch spricht, benutzt sie manchmal auch die "Klicklaute" der Damara-Sprache."Ich wohne in einer kleinen Siedlung fünf Kilometer von hier und habe ein kleines Haus für mich und meine beiden Mädchen. Die Kleine ist jetzt zwei Jahre alt; die Ältere schon zwölf. Sie geht auf die Schule in Khorixas und kommt nur am Wochenende nach Hause. Der Vater? Der ist vor zwei Jahren kurz nach der Geburt abgehauen. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. (...)"
"Hier in der Ranger-Station sind wir zehn Frauen und drei Männer. Ich arbeite lieber mit Frauen, die machen weniger Ärger. Außerdem laufen Damara-Männer nicht gerne, und die Felszeichnungen kann man nur erreichen, wenn man eine Stunde zu Fuß geht. Wie soll das gehen? Ich bin froh, daß wir so wenig Männer hier haben. Mein Mann? Da bin ich auch froh, dass er weg ist. (...)"
"Die White Lady ist die berühmteste der 45.000 Felszeichnungen hier im Brandberg-Massiv. Eigentlich ist es gar keine Frau, sondern ein junger schwarzer Krieger mit Pfeil und Bogen. Und was damals nach dem Fund als das 'Weiße' interpretiert wurde, stellt rituelle Körperbemalung während einer Zermonie dar. (...)"
© Jochen Vorfelder
15 November 2006
Ducati: Heimspiel mit zwei Top-Modellen auf der EICMA Mailand
Vor vier Wochen auf der Intermot am Stand von Ducati: Kai Swaton, Pressemann der Bolognesen in Deutschland, hatte einen schweren Stand. Ausser der neuen Multistrada und einigen Modifikationen an den SportClassic-Modellen gab es am Stand wenig zu berichten.
Der Grund war damals schon klar: Die wirklichen Highlights des Modelljahres 2007 heben sich die Italiener natürlich für ihr Heimspiel, den internationalen Motorradsalon EICMA in Mailand auf.
Gestern nun hoben sich die roten Tücher - und was von Federico Minoli, Chef der Edelschmiede, Francesco Rapisarda, Direktor Kommunikation, Claudio Domenicali, Direktor Produktentwicklung, und dem Chefdesigner Pierre Terblanche ins Rahmenlicht gehievt wurde, konnte sich sehen lassen:
Die HyperMotard. Endlich. 1100 Kubik, luftgekühlte ZweiZylinder-Maschine mit 95 PS und Trockenkupplung - der neue Standardmotor, der auch in der Multistrada dienst tut, verfügbar ab Mai 2007 in der normalen und der S-Version. Angeblich ist die HyperMotard ein Zweisitzer - bisher sind auf den Bildern allerdings noch keine hinteren Fußrasten aufgetaucht. Mal schauen, ob nächstes Jahr die Klappspiegel mit integriertem Blinker noch in der Auslieferungsversion dran sind. Mehr dazu bei ducati.com
Und dann: das neue Superbike in der Superbike-Klasse - die 1098. Die logische und evolutionäre Fortsetzung der 916, 998 und 999-Baureihen, das Fahrzeug mit dem leistungsstärksten Zweizylinder-Motorrad der Welt: 160 PS bei 173 Kilogramm Gewicht. Die Details sind bereits bei ducati.de online. In Rot zu haben - und in dreifarbiger Sonderausführung.
Um die 2007er Palette abzurunden, hier nun auch der offizielle Shot der 1100er Multistrada: Rahmen und Fahrwerk sowie Anbauteile haben fast keine Veränderungen gegenüber dem 2006er Modell aufzuweisen - der evolutionäre Kriechgang ist im Motor auszumachen: knapp 100 ccm mehr Hubraum, drei PS mehr. ansonsten immer noch ein Spitzenmotorrad.
Wer die ganze Pressekonferenz und Ducati-Präsentation in Auszügen sehen will, hier der Streifen bei DeinerGlotze (YouTube).
Der Platzwart
Der Grund war damals schon klar: Die wirklichen Highlights des Modelljahres 2007 heben sich die Italiener natürlich für ihr Heimspiel, den internationalen Motorradsalon EICMA in Mailand auf.
Gestern nun hoben sich die roten Tücher - und was von Federico Minoli, Chef der Edelschmiede, Francesco Rapisarda, Direktor Kommunikation, Claudio Domenicali, Direktor Produktentwicklung, und dem Chefdesigner Pierre Terblanche ins Rahmenlicht gehievt wurde, konnte sich sehen lassen:
Die HyperMotard. Endlich. 1100 Kubik, luftgekühlte ZweiZylinder-Maschine mit 95 PS und Trockenkupplung - der neue Standardmotor, der auch in der Multistrada dienst tut, verfügbar ab Mai 2007 in der normalen und der S-Version. Angeblich ist die HyperMotard ein Zweisitzer - bisher sind auf den Bildern allerdings noch keine hinteren Fußrasten aufgetaucht. Mal schauen, ob nächstes Jahr die Klappspiegel mit integriertem Blinker noch in der Auslieferungsversion dran sind. Mehr dazu bei ducati.com
Und dann: das neue Superbike in der Superbike-Klasse - die 1098. Die logische und evolutionäre Fortsetzung der 916, 998 und 999-Baureihen, das Fahrzeug mit dem leistungsstärksten Zweizylinder-Motorrad der Welt: 160 PS bei 173 Kilogramm Gewicht. Die Details sind bereits bei ducati.de online. In Rot zu haben - und in dreifarbiger Sonderausführung.
Um die 2007er Palette abzurunden, hier nun auch der offizielle Shot der 1100er Multistrada: Rahmen und Fahrwerk sowie Anbauteile haben fast keine Veränderungen gegenüber dem 2006er Modell aufzuweisen - der evolutionäre Kriechgang ist im Motor auszumachen: knapp 100 ccm mehr Hubraum, drei PS mehr. ansonsten immer noch ein Spitzenmotorrad.Wer die ganze Pressekonferenz und Ducati-Präsentation in Auszügen sehen will, hier der Streifen bei DeinerGlotze (YouTube).
Der Platzwart
Buell: Super Lighning TT - Funbike fürs Frühjahr
Nun ist es offiziell - neben Ducati, über die es noch zu berichten gilt, hat ein zweiter Hersteller ein bisher unbekanntes Modell auf dem internationalen Motorradsalon EICMA in Mailand vorgestellt: Buell.Ok, kein neues Motorrad, eher eine Mischung aus der Lightning Long und der "Adventuresport" Ulysses XB12X, eine Synthese mit etwas kürzerem Radstand als die Ulysses, aber mit einem Tick aufrechterer Sitzposition als die Lightning - die (ich zitiere mit Unwillen ob der Verballhornung der deutschen Sprache...) "HARDCORE URBAN STREET MACHINE", die Lightning Super TT XB12STT.
Erster Eindruck nach den PR-Fotos: schwer auf Supermoto getrimmt und kein Platz für die beste aller Beifahrerinnen. Unter dem weißen Deckel für den Lufteinlaß (das ist da, wo Sie den Tank vermuten, der ist allerdings nicht dort zu finden, sondern im Rahmen....) werkelt der bewerte 1.203 cm3 große Buell-Thunderstorm 45-Grad-V2-Motor (Puuuh, was für ein Name...) mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die seien hier jetzt erst einmal nicht genannt, die sparen wir uns für den großen Ulysses-Test im Winter auf.
Noch einmal O-Ton Buell:" Damit präsentiert sich die Lightning Super TT als perfekte Fahrmaschine für echte Individualisten und engagierte Fahrernaturen – ob im Großstadt-Dschungel oder im Winkelwerk der Kurven. Das neue Modell ist in Kürze für 10.799 Euro zu haben." Dann viel Spaß im Frühjahr und ein erster Eindruck online.
Der Platzwart
14 November 2006
Kleine Fluchten in der Winterpause
Die meisten Motorräder sind zwischen November und April eingemottet. Wer dennoch fahren will, brauchte einen Billigflug gen Süden und einen zuverlässigen Vermieter. Eine Übersicht.Im Spätherbst und Winter sind die Naherholungsgebiete deutscher Biker - die Mittelgebirge und Alpen – mit Regen und Schnee geschlagen. Wer sich daher bei einigermaßen angenehmen Temperaturen ein paar Kilometer auf die Maschine setzen will, muß mindestens drei bis vier Stunden fliegen: Auf Sardinien, Sizilien, den Kanarischen Inseln und Madeira sowie an der türkischen Mittelmeerküste stehen die Chancen, auch im Dezember und Januar einige trockene Sonnen- und Fahrtage zu erwischen, nicht schlecht.
Flüge auf die Inseln und an die türkische Riviera bieten inzwischen fast alle deutschen Billigflieger wie hlx und Air Berlin an; in manchen Fällen lohnt sich auch Easyjet und ein Umweg über England mit Ryanair. Die Preise liegen Mitte Dezember für Flüge zwischen 19 Euro für Hamburg über Stansted nach Palermo und zurück bei Ryanair und 274 Euro für eine Woche Madeira ab Hamburg mit Air Berlin. Im Januar sind für die meisten Verbindungen, die wir rausgesucht haben, noch ausreichend Plätze zu haben.
Einen Roller findet man in Antalya oder Las Palmas außerhalb der Hauptsaison allemal; Motorräder sollte man auch in der flauten Zeit vorab buchen. Alle Vermieter vor Ort haben inzwischen ihre Angebote im Internet relativ übersichtlich aufbereitet. Die Seiten mit der Maschinenauswahl und Preislisten sind meist aktuell; in der Regel genügt ohnehin eine kurze E-Mail oder ein Anruf, um die Verfügbarkeit der Motorräder abzuklären.
Bei der Ankunft nicht vergessen: Es handelt sich um Leihfahrzeuge, daher stimmt das Bild im Netz und der Zustand in der Realität nicht immer überein. Die Vermieter, die wir ausgesucht haben, haben vor Ort und in den einschlägigen Foren jedoch einen guten Ruf und versuchen, sichere Fahrzeuge zu liefern. Dennoch bei der Übernahme eine kurze Probefahrt im Hof machen, um Reifen, Bremsen und Beleuchtung zu prüfen. Alle Vermieter haben ein breites Angebot an Halbschalen und Vollvisierhelmen; wer nicht auf seinen eigenen Kopfschutz besteht, kann vor Ort zum Preis zwischen drei und neun Euro pro Tag einen Helm mieten.
Sardinien
Erfahrene Tourenfahrer schwören Bein und Stein, dass die Insel eines der schönsten Fahrreviere im Mittelmeer ist. An der Ostküsten führen lange Täler mit knackigen Serpentinen und überhöhten Kurven in die Berge. Olbia im Süden der Insel wird von hlx aus München angeflogen; Easyjet hat drei Flüge pro Woche ab Berlin-Schönefeld in Angebot.
Die Vermieter sitzen in Olbia (www.ontheroadrent.com) und in Alghero im Nordwesten Sardiniens. (www.cicloexpress.com). Ontheroadrent bietet u.a. eine BMW F 650 GS für 60 Euro pro Tagan; cicloexpress hat eine Yamaha Custom Shadow 600 und eine Honda Transalp für den gleichen Tagespreis im Angebot.
Sizilien
Für einen Rundkurs auf Sizilien über die Nordküste, den Ätna, Catania, die Barockstädte um Noto im Süden und den landschaftlich grandiosen Westen der Insel braucht man mindestens eine Woche Fahrzeit. Flüge nach Palermo im Dezember bietet Air Berlin u.a. ab Berlin und Düsseldorf für 48 Euro an; Motorräder verleiht 2wheeltravel in Palermo (www.2wheeltravel.com)
Eine Honda Transalp kostet für drei Tage 148 Euro; wer es ganz exklusiv haben will, kann sich beim gleichen Vermieter auch eine Monster oder ein Ducati 999 aus Mailand kommen lassen. Preis auf Nachfrage...
Gran Canaria / Teneriffa / La Palma
Die Kanaren sind mit dem ganzjährig angenehmen Klima (im Dezember und Januar zwischen 20 und 25 Grad Tagestemperatur), den gebirgigen Strecken und der relativen dünnen Verkehrsdichte außerhalb der Zentren allesamt excellente Motorradreviere. Herausragend etwa die Strecke auf La Palma zum 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos, die Straßen auf Teneriffa durch die Lavafelder und die Fahrt auf den höchsten Berg Spanaiens, den 3718 Meter hohen Pico del Teide. Gran Canaria ist mit zerklüfteten Täler und spektakulären Aussichtspunkten gesegnet. Alle drei Inseln bieten Fahrspaß pur – wenn das Wetter mitspielt.
Flüge zu den Balearen bietet Air Berlin an; Hamburg – Las Palmas ab Hamburg und zurück kostet z.B. am 12.12. insgesamt 98 Euro. Billige Flüge gibt es auf die Kanarischen Inseln auch von Condor; zu suchen über www.opodo.de. Einer der größten kanarischen Zweirad-Vermieter ist Moto Sol (www.moto-sol.de) mit Stützpunkten auf Teneriffa, Gran Canaria und La Palma.
Auf Gran Canaria und La Palma kann man eine Honda Transalp 650 oder eine Suzuki DR Big 800 für 75 Euro pro Tag kriegen. Für den gleichen Preis steht auf Gran Canaria auch eine MZ Baghira. Auf Gran Canaria bietet Moto & bike (www.moto4rent.com) auch die Honda Shadow- und Black Widow-Chopper für drei Tage ab 200 Euro an.
Teneriffa ist auch Harley-Davidson-Revier. Moto Sol hat dort die Softtail Standard, die Dyna Wide Glide, die Road King Custom und die Heritage Softtail im Angebot – jeweils für 159 Euro pro Tag. Wie überall wird es günstiger, wenn man mehr als sieben Tage mietet.
Madeira
Die Blumeninsel voll üppiger Vegitation ist klein aber fein für Biker. Wenn man sich von den Schnellstraßen und Autobahnen fern hält, laden einsame Gebirgswege und in den Dörfern an der Küste verwinkelte Gassen und verwunschene Winkel zum Zweiradwandern ein.
Die Hauptstadt Funchal – die man von Deutschland aus in rund vier Stunden erreicht - steht auf dem Flugplan bei Air Berlin; ein Wochenticket ab dem 12. Dezember kostet z.B. ab Hamburg 274 Euro.
Vermieter vor Ort sind Magos (www.magoscar.com), das von einem deutschen Ehepaar betreiben wird, und Joyride Madeira (www.madeiramotorbikes.com). Magos bietet mit der F 650 GS, der R1150 R und der R 1200 GS ausschließlich BMW-Motorräder an; eine F650 GS kostet für drei Tage 198 Euro. Joyride hat als größte Maschine eine 650er Suzuki Freewind XF im Programm.
Türkei
In den Wintermonaten lädt in der Türkei nur die Mittelmeerküste zum Motorradfahren ein; doch schon bei Abstechern in die nahegelegenen Taurus-Berge kann es bitterlich kalt werden. Deshalb: Auf allen vorgeschlagenen Inseln, aber besonders in der Türkei den Regenkombi nicht vergessen.
Flüge nach Antalya bietet im Dezember und Januar u.a. Air Berlin ab Düsseldorf, München und Hamburg ab 239 Euro. Aber gerade Antalya wird von einer Unzahl von Charterfliegern und türkischen Airlines angeflogen; ein Billigticket ist hier fast immer zu ergattern.
Motorrad Antalya (www.motorrad-antalya.com) hat mit der Honda NX4 Falcon, der Yamaha XT 660, der BMW F650 und der BMW R 1200 GS verschiedene Preis- und Fahrklassen im Angebot; die 1200 GS kostet z.B. 100 Euro pro Tag. Ein weiterer Verleiher ist Martin Türkay (www.martin-tuerkay.de) Er bietet neben einigen kleineren Enduros den Honda Shadow 750-Chopper und eine Harley Sportster 883 an. Die Sportster kostet wie die Shadow 65 Euro pro Tag.
Guten Flug und gute Fahrt wünscht
© Jochen Vorfelder
13 November 2006
Menschen in Namibia II - George Moore & Tanguy Peeters

George (oben) und Tanguy sind Piloten für Wings over Africa, eine der vielen kleinen Fluggesellschaften, die Touristen durch das südliche Afrika fliegen. Beide sind gerade mal 22 Jahre alt, aber haben schon über 800 Flugstunden in ihren Logbüchern.
Tanguy: "Ich bin Belgier, aber im Kongo geboren. Mit siebzehn war ich nach Südafrika gegangen, um meinen kommerziellen Flugschein zu machen. Als Berufspilot fliege ich seit meinem achtzehnten Geburtstag; zuerst im Kongo, dann ein halbes Jahr im Sudan, das war ziemlich wild, und jetzt hier in Namibia und Botswana."
George: "Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen; man fühlt sich frei, ist dauernd unterwegs und verdient auch noch gutes Geld - so um die 8000 Namibische Dollar im Monat. (...)
Wir fliegen diesmal im Konvoi mit zwei 210er Cessnas. Tanguy hat drei, ich vier Passagiere an Bord; auf dem Programm steht eine Namibia-Rundtour mit einem Abstecher zum Okavango-Delta; zusammen eine Woche. Das sind zwei bis drei Flugstunden pro Tag; alles auf Sicht in geringer Höhe. Geniales Fliegen."
Tanguy: "Das Fliegen der Cessna ist im Grunde nicht komplizierter als Autofahren und auch nicht gefährlicher. Aber weil George und ich noch relativ jung sind, bekommen wir manchmal schon den einen oder anderen Spruch zu hören wie - Hey Junge, weiß deine Mutter eigentlich, was Du hier machst?"

© Jochen Vorfelder
12 November 2006
Die Crocker - was war das eigentlich?
Update zur Versteigerung der Steve McQueen-Motorräder - das Fahrzzeug, welches den höchsten Einzelpreis während der Auktion errreichte, war die 1937er Crocker, die für 267.000 USD unter den Hammer kam.Da stellt sich doch die berechtigte Frage: Was zum Deubel ist eigentlich eine Crocker? Hier die Ergebnisse der kurzen Recherche: 1. Ein echter Klassiker aus den Dreissiger Jahren. Und 2.: Eine kanadische Firma versucht seit einigen Jahren, die amerikanische Traditionsmarke wieder zum Leben zu erwecken.
Der Artikel über den Bau der Replika
Die ehrenwerten Kanadier
Der Platzwart
McQueen: Versteigerung von Motorrädern und Memorabilia bringt über 1 Mio USD
Nun sind sie wieder weg, erworben für großes Geld, um wieder in irgendeiner klimatisierten Garage mit Alarmanlage zu verschwinden, dem Blick der Öffentlichkeit entzogen, nur noch einsames Amusement für einen privaten Sammler - die Motorräder von Steve McQueen, die am Samstag in Los Angeles im Petersen Automotive Museum versteigert wurden.Die vermeldeten Zahlen gehen auseinander - hier die richtigen von der Website des Versteigerers Bonhams & Butterfields. Am meisten Geld brachte auf der Versteigerung ein Crocker-Motorrad aus dem Jahr 1937, es wechselte für 276.000 USD den Besitzer. Allerdings stammte es nicht aus dem Besitz von McQueen, sondern wurde von einem anderen Sammler angeboten - die McQueen-Memorabilia und -Motorräder waren nur Teil einer weit größeren Aktion, die 1,1 Mio für die angebotenen McQueen-Devotionalien und insgesamt 2,9 Mio USD einspielte.
Vom 1980 verstorbenen "King of Cool" wurden drei Maschinen versteigert - eine Indian Sport Scout von 1934 wurde für 177.000 Dollar erworben und die abgebildete Indian Powerplus Daytona von 1920 wechselte für 150.000 Dollar den Besitzer. Eine Harley aus McQueens Nachlass von 1929 wurde ebenfalls versteigert; hier ist der Preis nicht vermeldet.Teuer, teuer jedenfalls - aber vergleichsweise billig: Eine faltbare Sonnenbrille, die McQueen angeblich während der Dreharbeiten zum Film "Thomas Crown ist nicht zu fassen" sein Eigen genannt haben soll, kam für 70.200 USD unter den Hammer.
In der Summe kann man also für 247.200 USD McQueen fahren - fehlt nur noch der Helm.
Der Platzwart
Hier der Link zum ausführlichen Artikel über Steve McQueen
09 November 2006
Menschen in Namibia I - Hein van Wijk

Hein ist General Manager der Ongava Lodge am südlichen Rand des Etosha-Nationalparks. Der Bure wurde 1950 geboren und kam 1979 nach Namibia. Während Hein im Norden des Landes arbeitet, unterrichtet seine Frau in der Schule von Swakopmund an der Atlantik-Küste.
"Wir haben 1979 eine große Karakulschaf-Farm im Süden Namibias gekauft und damit alles verloren. Schlechtes Timing: Der Markt brach zusammen. Niemand wollte Anfang der Achtziger Jahre noch Karakulfelle und Persianermäntel kaufen. Heute läuft das Geschäft wieder, weil die Karakuls als Fleischlieferanten einen guten Ruf haben.(...)"
"Das Ongava-Schutzgebiet, in dem die Lodge liegt, grenzt mit rund 30.000 Hektar direkt an den Etosha-Park. Wir haben hier einen eigenen guten Wildbestand: Elefanten, Löwen, Giraffen, fast alle Arten von Antilopen und fast ein Dutzend Nashörner. Die kommen abends gerne an die Wasserstelle am Fuß der Lodge. (...)"
"Wir sind ein Luxusresort; 70 Prozent unserer Gäste sind Europäer; 30 Prozent Deutsche. Von zehn Besuchern in Ongava werden vier mit der eigenen Maschine eingeflogen. Ja, man erreicht so viele verschiedene, weit entfernte Orte, aber zugegeben, vom wirklichen Namibia in den kleinen Städten sieht man bei einer Flugsafari nicht besonders viel."
Interview: Jochen Vorfelder
07 November 2006
Namibia V: An den Ochsenpfaden
Die Bereitschaft zur Veränderung ist auch in Swakopmund zu spüren. In dem "südlichsten deutschen Seebad", in dem vor hundert Jahren noch kaiserliche Kriegsschiffe auf Reede lagen, ist von der alten und strengen Deutschtümelei kaum noch etwas zu spüren. Es gibt den Karnevalsverein noch und die Traditionscafes, wo die blonden Bedienungen die berühmten Schwarzwälder Kirschtorten in gestärkten, blütenweissen Schürzen servieren.
Doch über der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, die jetzt nach dem ersten Staatspräsidenten Namibias Sam Nujoma Avenue heisst, liegt inzwischen ein entspannten, mediteranen Flair. Die Zeiten der subtilen Apartheid sind zumindest in der Öffentlichkeit vorbei. Schwarz und Weiß bummelt ebenso ungezwungen wie die zahlreichen Touristen durch die "Swakopmunder Buchhandlung", die hippen Boutiquen, das "deutsche Antiquariat" und die modernen Shoppingcenter, die neben den architektonischen Überbleibseln der Kolonialzeit wie dem Kaidserlichen Bezirksgericht entstanden sind.
Swakop, wie die Einheimischen sagen, lebt auf und ist angesagt - nicht nur bei den Namibiern, die in den heißen Sommermonaten zwischen Dezember und März an die kühlere Küste strömen. Auch der eine oder andere Superstar hat die Küstengegend inzwischen entdeckt - rund 20 Kilometer südlich von Swakopmund liegt das (inzwischen) berühmte Langstrand, wo Angelina Jolie und Brad Pitt ihr Kind in die Welt gesetzt haben.
Nach Swakopmund und einer Stippvisite in Walvis Bay, dem wichtigsten Tiefseehafen des Landes, fuhren wir in den Süden und langsam über Helmeringhausen und Marienthal zurück in Richtung Windhoek.
Auf dem Weg dorthin rollten wir wieder langsam durch diese kargen, majestätischen Landschaften; die Scheiben des Pick-up hatten wir heruntergekurbelt, obwohl die Klimaanlage uns die Hitze erspart hätte. "Riechst du das?", fragte Christiane. Ja, durch die offenen Fenster strömte der Geruch Namibias herein; ein ganz eigener, durchdringender Geruch in schneidend trockener Luft, mit allen blumigen Nuancen von silbernem Buschmanngras, das sich sanft im Wind wiegt. Der Geruch von verdampftem Regen auf heißem, aufgewirbeltem Staub und die schweren Ausdünstungen großer Rinderherden hingen in der Luft, durchmischt mit dem Urin keifender Pavian-Sippen, ängstlicher Straußenfamilien und flüchtender Springbock-Herden.
Es roch nach frischen Blüten und knorrigen Dornakazien, nach alten Lagerfeuern an historischen Ochsenpfaden, und nach dem Schweiß von großartigen Menschen, die in der Wüste ihr Glück gesucht, und der gewaltigen Natur eine Zukunft abgetrotzt hatten. Von ihnen haben wir in Namibia mehr als fünf getroffen.
Es folgt die Serie "Menschen in Namibia"
© Jochen Vorfelder
03 November 2006
www.dropspots.org: Der rote Roller
Weg vom Rechner, raus aus dem Büro, - manche Leute kommen auf super Ideen, um uns in den kälter werdenden Zeiten (Aber hallo, jetzt wollen wir mal nicht unterschwellig sozialkritisch werden ... ersetzen also gedanklich die >Zeiten< durch >Jahreszeiten<) vom digitalen Lagerfeuer weg zu locken.Mit Abstand einer der besten Geistesblitze ist www.dropspots.org. Cool programmiert und aus google-maps gemasht, aber vor allem mit einer völlig Web 2.0-ungemäßen, weil realen, aber dennoch intensiven Beteiligung des werten Publikums.
Wir hier bei moto1203 sind in Kohortenstärke sofort aus den Gemächern geströmt und haben uns natürlich ein Zweirad - besagten roten Roller - als dropspot gesucht - aber seht selbst bei www.dropspots.org, als Location einfach Hamburg eingeben. Und nicht vergessen: Wir wollen etwas wiederhaben und viel Mails dazu...Direkt zu unserem Dropspot hier
Dank an Spreeblick für den Tipp
Der Platzwart
Namibia IV: Wem gehört das weite Land?
Die Koiimasis-Farm in den Tiras-Bergen ist einer dieser einsamen Orte in Namibia, an denen man sich fragt, wie die Menschen überleben. Die nächsten Nachbarn sind fünfzig oder mehr Kilometer entfernt; die Kinder gehen mit sechs Jahren ins Internat nach Windhoek. Die Itzkos aus Koimassis sehen ihr Mädchen und den Jungen in den Ferien und sonst alle sechs Wochen. "Wir sind seit fünf Generationen in der Gegend, und das war schon immer so", sagte Wulff Itzko stoisch, als wir auf seiner Veranda saßen und Bier tranken. "Einfach war das Leben hier noch nie."
Mit zwanzig ging er zum Militär, als Namibia noch in südafrikanischer Hand war, und die SWAPO, die von den Ovambos dominierte Befreiungbewegung, einen Guerillakrieg führte. Itzko war an der Grenze zu Angola stationiert, wo die heftigsten Kämpfe tobten. "Fast jeder Weiße und viele von den Schwarzen hatten damals ein Gewehr in der Hand. Ex-Soldaten findet man überall, aber selten welche, die über die Zeit reden", sagt er. Dann schweigt auch er.
Auch über die drohende Landreform wollen die wenigsten Farmer reden, obwohl sich seit der Unabhängigkeit 1990 nur wenig verändert hat und der politische Druck steigt: Rund 4000 zumeist weiße Familien besitzen über fünfzig Prozent des fruchtbaren Acker- und Weidelandes, während über eine Million schwarze Namibier mehr schlecht als recht durch "Community Farming" auf dem Rest der Fläche überleben müssen.
Aufgeschlossene Farmer wie Itzko sehen das Problem, das wie eine Zeitbombe tickt, doch weder sie noch die Regierung haben eine Patentlösung parat: "Die bisherigen Vorschläge waren alle Nullsummenspiele. Mal angenommen, alle unsere Farmflächen würden in 1000-Hektar-Parzellen aufgeteilt und an etwa 50.000 schwarze Familien vergeben werden - das wären genau die 50.000 Familien, die heute bei uns auf den Farmen Arbeit finden, und dann den Neusiedlern weichen müssten." Doch die früheren radikalen SWAPO-Kader stellen heute die Regierung und die Landreform wird unter dem Druck der unzufriedenen Massen in den schwarzen Vororten von Windhoek kommen. Dennoch läßt sich Itzko nicht beirren. Er weiß, dass sich die Farmer in Richtung Kompromiss bewegen und neue Einkommen neben der flächenintensiven Viehwirtschaft finden müssen.
Das Zauberwort heißt für viele Tourismus; auch Itzko setzt auf diese Karte. Er investiert in neue Bungalows und hat trotz der unsicheren Zeiten - wie viele andere - keinen deutschen Pass in der Hinterhand: "Ich habe vielleicht deutsche Tugenden wie eine gewisse Dickköpfigkeit, aber ich bin Namibier."
Fortsetzung folgt.
© Jochen Vorfelder
01 November 2006
Testfahrt: Die rollende Damenhandtasche
Yamahas 2007er MT-03 könnte das rechtmäßige Erbe der legendären XT 500 antreten. Doch die Zeiten sind hart: Rauchen ist völlig out und der Teufel trägt Prada.Prada? Jede Ära hat ihre Stil-Ikonen. Aber 1976 gab es in Heidelberg keinen Prada-Shop und Frauen, die ich kannte, trugen keine Designertaschen. En vogue und stilbildend waren marokkanische Badewannen-Vorleger aus grobem Gewirke, die zu umhängbarem Stauraum geschneidert auf Hippie-Flohmärkten erworben wurden.
1976 rauchte man in der Heidelberger Altstadt den Joint auf offener Straße und hörte Janis Joplin: „Freedom's just another word for nothing left to loose“. Der heutige Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer verteilte Flugblätter des Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) an die Kiffer und Eberhard Kempf, der gerade im Mannesmann-Prozeß Josef „Joe“ Ackermann verteidigt, war ein aufstrebender linker Szene-Anwalt.
Der ganze Artikel - bei zeit.de
Der Platzwart
30 Oktober 2006
Zufall - Unfall: The Rambling Man Duane Allman
Gestern war ich auf regennassen Straßen in der holsteinischen Schweiz und in der Gegend von Ratzeburg unterwegs. Seit langer Zeit mal wieder mit dem iPod unterm Helm und im Jukebox-Modus - Musik also nach dem Zufallsprinzip - na, ja, relativ zufällig aus der großen eigenen Bibliothek.
Jedenfalls hat es leicht gerieselt und es war eigentlich nicht gerade angenehm zu fahren - wäre da nicht zufällig der eine oder andere Song gewesen, der die Tropfen metal vom Visier gefegt hätte - z.B. "Layla" von "Derek and the Dominos". Ein altes Blues-Rock-Stück, aufgenommen Anfang der Siebziger Jahre von Eric Clapton und Freunden.
Heute morgen jedenfalls habe ich aus einem Instinkt heraus "Derek and the Dominos" gegooglet und bin zufällig auf auf den Namen des Gitarristen gestoßen, der die Takes auf "Layla and Other Assorted Love Songs" mit Clapton aufgenommen hat: Duane "Skydog" Allman.
Duane Allman ist zufällig gestern vor 35 Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Der Unfallhergang: Nach einer Party für Linda Oakley, der Frau des Bassisten der "Allman Brothers Band", kollidierte Allman auf seiner Harley Sportster in Macon, Georgia mit einem abbiegenden Tieflader, der ihm die Vorfahrt genommen hatte.
Duane Allman, der vom Rolling Stone zum zweiwichtigsten Gitarristen der siebziger Jahre nach Jimi Hendrix gewählt worden war, starb am 29. Oktober 1971 an schweren inneren Verletzungen - nur wenige Monate, nachdem die beiden Allman-Brüder Duane und Gregg zusammen mit Bassist Berry Oakley den Klassiker "The Allman Brothers at Fillmore East" aufgenommen hatten.
Fast auf den Tag genau ein Jahr später - am 11. November 1972 - starb zufällig an der gleichen Stelle Bassist Berry Oakley, als er mit seiner Triumph von einem Schulbus gerammt wurde.
Die bekanntesten Stücke, die Duane Allman neben "Layla" interpretiert hat, sind "Hey Jude" mit Wilson Pickett, "Southbound", "Rambling Man", "Statesboro Blues", "Livin on the open road" und das zum Niederknien schöne "Please be with me" im Duett mit Cowboy:
"Won't you please read my signs be my gypsy
Tell me what I hope to find deep within me
Because I cant see my mind please be with me."
Nach Duane Allmans Tod brachte die Band als nächste Platte "Eat a Peach" heraus - Duane hatte in einem der letzten Interviews vor seinem Tod auf die Frage "How do you help the revolution?" geantwortet: "There ain't no revolution, only evolution, but every time I'm in Georgia I eat a peach for peace. "
© Jochen Vorfelder
Namibia III: Fußballfans im Stammesland

Nach Khorixas, wo wir unsere Vorräte auffrischten, und den Felsgravuren bei Twyfelfontein lag das Brandberg-Massiv mit der berühmten "White Lady"-Felszeichnung auf der Route. Hinter unserer einheimischen Führerin Belinda - "Hello, I'm you black lady for the White Lady, you follow" - stiegen wir in die Tsisab-Schlucht zu der schätzungsweise 2000 Jahre alten Abbildung eines jungen Kriegers mit Pfeil und Bogen, den europäische Antropologen nach seiner Entdeckung als Frau gedeutet hatten.
Dort, wo das Brandberg-Massiv weithin sichtbar aus der Trockensavanne ragt, und Sand der ältesten Wüste der Welt in die schroffen Tälern des zentralen Plateaus weht, haben Damara wie San vor der Ankunft der weißen Siedler als Jäger und Hirten gelebt. Dort stießen wir auf ein Namibia, wie wir es gesucht hatten: rauher, ursprünglicher, archaischer. Stammesland.

Keine asphaltierten Straßen mehr; Schotter und Sand führten zu weit abgelegenen Damara-Siedlungen mit versprengten Ziegenherden und rotznäsigen Kindern, denen wir Äpfel schenkten. Mit ihnen radebrechten wir auf Englisch über Collin Benjamin, den einzigen namibischen Fußballprofi in der Bundesliga.
Der Regen hatte aufgehört. Wir hatten uns in unserem Ferienheim auf vier Rädern zurechtgeruckelt. Ich schrieb auf: "Camping, so heißt es, sei erdverbunden und entspannend. In der Tat. Das Leben reduziert sich auf nomadische Fortbewegung und auf die existenziellen Dinge des Lebens wie Lagerbau, Essenszubereitung und Sex unterm Sternenhimmel."
Meist genehmigten wir uns ein spätes, ausgedehntes Frühstück und fuhren dann selten mehr als 200 Kilometer am Tag. An manchen Orten wie den Tiras-Bergen im Süden oder der Gästefarm Okambara knapp zwei Stunden östlich von Windhoek blieben wir einfach stehen, weil wir nicht wussten, wo es schöner sein sollte.
Abends machten wir Quartier auf einem der Stellplätze, die überall auf den Gästefarmen und Lodges zu finden sind. Wir grillten riesige Kudu- und Impalasteaks, die wir von den Farmersfrauen gekauft hatten, tranken dazu südafrikanischen Wein, namibisches Bier und wurden erschlagen von den überwältigenden Sonnenuntergängen. In manchen Nächten waren wir mutterseelen allein und hörten am Lagerfeuer nur den Wind und ein Rascheln im Unterholz.

Fortsetzung folgt.
© Jochen Vorfelder
26 Oktober 2006
"Mit Herz und Hand" startet heute am 26.10.
Über den deutschen Verleih, der aus dem Originaltitel des Film "The World's Fastest Indian" den nichtssagenden und völlig bescheuerten deutschen Titel "Mit Herz und Hand" gemacht hat, habe ich bereits bei meiner Besprechung vom 5. Oktober rumgenölt. Der Film startet nun heute - warum er verschoben wurde, kann mir keiner bei Universal sagen. Egal.Aber da wir schon mal beim Rumkritteln sind - wie die Publikumsansprache und die stategische Platzierung eines Films durch den Vorfilm funktioniert, zeigt der Vergleich zwischen dem amerikanischen Trailer, der auf wenige klare Claims, kurze fetzige Actionszenen und ein Stakkato von schnellen Schnitten setzt. Dagegen der deutsche Vorfilm - elegische Musik, Ausschnitte aus Dialogen und wachsweiche Farben. Ja, bin ich denn im gleichen Film?
Hier der amerikanische Trailer:
Und hier im Vergleich dazu der Link zum deutschen Vorfilm bei UCI-Kinowelt.
Der Platzwart
24 Oktober 2006
Namibia II: Wasserschlacht im Trockenraum
Ankunft in Windhoek; der Wagen - ein geländegängiger Nissan 4X4 mit kompletter Camping-Ausrüstung, den wir bei ASCO übers Internet gebucht hatten - war in perfektem Zustand. Er erfüllte sogar Christianes absolute Priorität, das Schlafzelt auf dem Fahrzeugdach: "Du glaubst doch nicht, dass ich in einem Nationalpark mit Löwen und Nashörnern auf dem Boden schlafe?"
Kaum waren wir vom Hof gerollt, fing es an zu regnen. Ohne Ende. In den nächsten Tagen fielen die höchsten Niederschläge in Namibia seit Menschengedenken; es gab keinen Fluss, der nicht über die Ufer trat. Wir strichen also den äußersten Norden, die angolanische Grenze und den tropischen Caprivi-Strip, ebenso den überschwemmten Fish River Canyon ganz im Süden und ließen es langsam angehen.
Die ersten Tage: ein Abstecher zum Naturpark am Waterberg-Plateau, wo vor hundert Jahren deutsche Kolonialtruppen unter General von Trotha den Herero-Aufstand erbarmungslos niederkartäscht hatten, und dann das erste Glanzlicht: den Etosha.
Wasser überall. In Okaukuejo, einem der drei staatlichen Camps, saßen wir unter einem stahlgrauen Himmel; am Horizont bauten sich stündlich dunkle Gewitterfronten auf. Wir kauften uns einen Schirm im Andenkenladen, gingen oft ins überdachte Restaurant und ich kritzelte in mein Notizbuch: "Wir sind im falschen Film. Das hier ist nicht Namibia. Keine trockene Savanne, kein roter Staub wie in diesen Afrika-Historienschinken bei ARD oder ZDF, sondern schlammige, feuchte Hölle."
Die berühmte Etosha-Salzpfanne war wahrscheinlich seit ihrem Ausdorren vor hunderttausend Jahren nie mehr so ausufernd überschwemmt, das Gelände nie so saftig grün gewesen. Das erfreute die Ranger und die Moskitos, uns weniger. Nach zwei Tagen, an denen wir auf der Suche nach Löwen und Elefanten Zickzack durch den Park gefahren und außer nassen Giraffen, Zebras, alten Gnu-Bullen und wiederkäuenden Antilopen wie Impala, Kudu, Oryx oder Springbock nur ebenso verzweifelte Automobilisten mit Ferngläsern gesichtet hatten, steckten wir deprimiert zurück.
Christiane: "Vergessen wir halt die Nashörner und die Wasserbüffel, es geht im Urlaub doch um die Erholung, oder?" Aber zumindest einen Elefanten, zum Sonnenuntergang, den wollten wir erzwingen. Wir fuhren zum Kalkheuwel - eine sichere Bank, hatte man uns versichert, einer Tränke mit quasi Elefantengarantie - und parkten für Stunden unter einem Kameldornbaum mit Blick auf die Wasserstelle. Das war sehr meditativ und erholsam, doch das Loch war ein kleiner See und im wogenden Gras kaum zu sehen. Es gab viele schöne Vögel und seltsame Trappen.
Die Elefanten und anderen großen Tiere waren allerdings in den Weiten des Nationalparks, immerhin eine Fläche von der Größe Hessens, verschwunden. Das wars. Wir warfen unser nasses Hab und Gut in den Pickup und machten uns ebenfalls aus dem Staub - nach Süden.
Fortsetzung folgt
© Jochen Vorfelder
Kaum waren wir vom Hof gerollt, fing es an zu regnen. Ohne Ende. In den nächsten Tagen fielen die höchsten Niederschläge in Namibia seit Menschengedenken; es gab keinen Fluss, der nicht über die Ufer trat. Wir strichen also den äußersten Norden, die angolanische Grenze und den tropischen Caprivi-Strip, ebenso den überschwemmten Fish River Canyon ganz im Süden und ließen es langsam angehen. Die ersten Tage: ein Abstecher zum Naturpark am Waterberg-Plateau, wo vor hundert Jahren deutsche Kolonialtruppen unter General von Trotha den Herero-Aufstand erbarmungslos niederkartäscht hatten, und dann das erste Glanzlicht: den Etosha.
Wasser überall. In Okaukuejo, einem der drei staatlichen Camps, saßen wir unter einem stahlgrauen Himmel; am Horizont bauten sich stündlich dunkle Gewitterfronten auf. Wir kauften uns einen Schirm im Andenkenladen, gingen oft ins überdachte Restaurant und ich kritzelte in mein Notizbuch: "Wir sind im falschen Film. Das hier ist nicht Namibia. Keine trockene Savanne, kein roter Staub wie in diesen Afrika-Historienschinken bei ARD oder ZDF, sondern schlammige, feuchte Hölle."
Die berühmte Etosha-Salzpfanne war wahrscheinlich seit ihrem Ausdorren vor hunderttausend Jahren nie mehr so ausufernd überschwemmt, das Gelände nie so saftig grün gewesen. Das erfreute die Ranger und die Moskitos, uns weniger. Nach zwei Tagen, an denen wir auf der Suche nach Löwen und Elefanten Zickzack durch den Park gefahren und außer nassen Giraffen, Zebras, alten Gnu-Bullen und wiederkäuenden Antilopen wie Impala, Kudu, Oryx oder Springbock nur ebenso verzweifelte Automobilisten mit Ferngläsern gesichtet hatten, steckten wir deprimiert zurück. Christiane: "Vergessen wir halt die Nashörner und die Wasserbüffel, es geht im Urlaub doch um die Erholung, oder?" Aber zumindest einen Elefanten, zum Sonnenuntergang, den wollten wir erzwingen. Wir fuhren zum Kalkheuwel - eine sichere Bank, hatte man uns versichert, einer Tränke mit quasi Elefantengarantie - und parkten für Stunden unter einem Kameldornbaum mit Blick auf die Wasserstelle. Das war sehr meditativ und erholsam, doch das Loch war ein kleiner See und im wogenden Gras kaum zu sehen. Es gab viele schöne Vögel und seltsame Trappen.
Die Elefanten und anderen großen Tiere waren allerdings in den Weiten des Nationalparks, immerhin eine Fläche von der Größe Hessens, verschwunden. Das wars. Wir warfen unser nasses Hab und Gut in den Pickup und machten uns ebenfalls aus dem Staub - nach Süden.
Fortsetzung folgt
© Jochen Vorfelder
23 Oktober 2006
Harleys des "King of Cool" im Angebot
Steve McQueen war Hollywoods erster Action-Star und „King of Cool“. Doch im Herzen war er ein Sammler und Schrauber. Von den 210 Motorrädern, die sich in seinem Nachlass fanden, werden nun einige in Los Angeles versteigert. Wenn am 11. November ab 11:00 Uhr im Petersen Automotive Museum in Los Angeles der Auktionshammer fällt, werden illustre Gäste erwartet. Neben George Clooney haben noch andere Showbiz-Größen ihr Kommen angekündigt.
Der Grund: Das Auktionshaus Bonhams & Butterfields bietet insgesamt 216 Stücke aus dem gewaltigen Nachlass der 1980 verstorbenen Legende Steve McQueen an. Ganze Story und weitere Links bei zeit.de
Photo unten: 1920er Indian Powerplus ‘Daytona’ Rennmotorrad, © Bonhams & Butterfields
Der Platzwart
Namibia I: Auf der Suche nach den Big Five
Im Urlaub kann ich auf Menschenansammlungen größerer Art gut verzichten. Klar, so ein Trip nach - na, sagen wir Paris - mit Kunst, Kultur und Nightlife ist etwas Feines. Aber irgendwie rauschen volle Bistros und elegante Boulevards laut und bunt an mir vorbei und die Erinnerung an sie verblasst nach kurzer Halbwertszeit. Nein, für mich sind es die einsamen, ruhigen Momente irgendwo draußen, die sich als die bleibenden Eindrücke tief ins Gedächtnis eingraben.
Auch in Namibia, im Sossusvlei, gab es wieder so einen Moment. Es war ganz früh am Morgen; die Dämmerung zögerlich gewichen. Ich kniete im Sand und notierte ins Reisetagebuch: "Gleich steigt die Sonne über die Naukluft-Berge. Die Gipfel stehen wie Scherenschnitte am Horizont."
Dann kam das Licht. Wie Stahl aus dem Hochofen ergoss sich die Helligkeit über die mächtigen Dünen und floss durch die Senke, der wir in unserem Geländewagen eine Stunde gefolgt waren. Sprachlos verfolgten Christiane und ich vom Kamm einer Düne, wie Sossusvlei, die riesige Lehmpfanne tief in der Namib-Wüste, zum Leben erwachte: Die Rottöne oszillierten vor den Augen wie unter Droge, die Kameldornbäume warfen lange Schatten, die über die Ebene mit dem Buschmanngras rasten.
Ein Lüftchen weckte den See, der sich nach den Regenfällen der letzten Tage gebildet hatte, und Antilopen anlockte. Eine Oryx stieg aus dem weiten Bett des Tsauchab-Flusses und nahm vorsichtig Witterung auf. Ich machte mir eine weitere Notiz: "Das Intermezzo zwischen Dunkelheit und grellem Tag ist die Mußestunde der Wüste; dann zeigt sie sich von ihrer milden Seite."Rückblende. Unser Plan für Afrika war simpel gewesen. Möglichst unberührte Natur erleben, dabei immer auf eigene Faust unterwegs sein, und so viele Tiere wie möglich sehen - da kommt nur Namibia in Frage. Also mieteten wir einen Camper, um drei Wochen quer durchs Land der San, Himba, Ovambo, Damara, Herero, Nama und der weißen Nachkommen der Buren und deutschen Südwester zu fahren.
Und wir nahmen uns vor, die berühmten "Big Five" zu erlegen: Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Wasserbüffel - früher ein blutiges Initiationsritual für hartgesottene Kolonialisten und Waidmänner, heute der Ehrgeiz jedes Fototouristen mit Teleobjektiv.
Die besten Chancen, das hatten die Frau und ich noch schnell im Flieger gelesen, hat man im Etosha-Nationalpark im Norden: "Eins der größten afrikanischen Tierreservate, mit endloser Steppe und einer beeindruckenden Zahl von leicht zugänglichen Wasserstellen." Das schien ideal für unsere digitale Trophäenjagd; wir planten wie empfohlen drei Tage vor Ort ein.
Teil II folgt.
© Jochen Vorfelder
18 Oktober 2006
MotoGP: The Doctor und die Honda-Kannibalen
Update 1: Ausführliches Interview mit Nicky HaydenUpdate 2: Kurzes Statement von Dani Pedrosa
Schauen Sie Formel 1? Manchmal? Ich eher gar nicht.
Weil mir das Umrunden enger Parcours auf vier Rädern zu langweilig geworden ist: kaum Platz zum Überholen, Positionswechsel durch den Halt an der Tankstelle, und vor allem harte Stallregie.
Nicht geschieht ohne Plan. Keine fährt und fällt aus der Reihe.
Wo kämen wir auch hin, wenn z. B. beim Ferrari-Rennstall Roukie Massa dem Übervater Michael Schuhmacher den Titel dadurch wegnehmen würde, indem der ihn in der entscheidenen Phase der WM bei 300 Stundenkilometer und ohne Not von Hinten rammen und von der Strecke schiebt? Unvorstellbar? Sicherlich in der Formel 1, aber gang und gebe in der MotoGP... Auch wenn's da genauso bescheuert ist.
Doch jetzt mal von Vorne: Bis zum Rennen am vergangenen Sonntag in Estroril/Portugal führte der amerikanische Repsol-Honda Fahrer Nicky Hayden - aus verschiedenen Gründen von seinem Team eher ungeliebt - die Fahrerwertung an; mit wenigen Punkten vor Valentino "The Doctor" Rossi, dem Yamaha-Fahrer, italientischen Nationalhelden, und eigentlichen Titelfavouriten.
Abgeschlagen in den Rängen mit nur noch vagen Chancen auf den Titel: Der Spanier Dani Pedrosa, ebenfalls Repsol-Honda, erst seit zwei Jahren in der Klasse, aber von den Japanern auserkoren, die Nachfolge Rossis als Weltmeister anzutreten.
Bis zur sechszehnten Runde ging alles seinen üblichen Gang: Rossi versuchte sich an der Spitze von seinem Yamaha-Mann Colin Edwards gut abgeschirmt vom Rest des Feldes abzusetzen, Hayden fightete um den schwindenden Titel (er hatte in den letzten Rennen eine komfortable Führung verloren), und Pedrosa hielt die beiden (und den Yamaha-Mann Edwards) vor sich auf Schlagdistanz, um die allerletzten Chancen für sich zu wahren.
In dieser Konstellation und zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens - die normalerweise durch Sekundenbruchteile in der letzten Runde entschieden werden - muß irgend etwas in Pedrodsas Kopf Klick gemacht, irgendeine Synapse sich veheddert, irgendein rationales Zentrum ausgesetzt haben - in dieser Linkskurve innen am Teamkameraden Hayden vorbeiziehen zu wollen, grenzt an suizidalem Fatalismus. Mein erster, zugegebenermaßen perverser Gedanke: Mit soviel Gleichmut begeben sich Selbstmordattentäter auf ihre letze Fahrt.
Anyway, es kam wie es kommen mußte: Pedrosas Vorderrad schmierte auf der Berandung der Strecke weg und der einzige Weg, der der schlitternden Fracht aus Mensch und Maschine noch blieb, was geradewegs in Haydens Hinterrad. Pedrosa schoß nicht nur sich ab und verholte Hayden gleich mit ins Kiesbett, sondern reduzierte die bis Sonntag durchweg realistischen Hoffnungen Hondas, sich den Titel von Rossi/Yamaha zurück zu holen, auf ein marginales Minimum.
Allen war das bewußt, innerhalb von Sekunden nach dem Sturz: Die Videosequenz von Nicky "The Kentucky Kid" Hayden zeigt den normalerweise ruhigen, gefassten Amerikaner in einem Zustand, den seine Landsleute mit den Ausdrücken "going ballistic" oder "going through the roof" umschreiben.
Vor dem letzten Rennen in Valencias Ende dieses Monate führt nun Rossi mit einigen Punkten vor Hayden und kann den Vorsprung nach Hause fahren; der Amerikaner muß gewinnen und Rossi weit zurücklassen, um noch zu triumphieren.
In der Branche rätselt man nun: Warum bekämpfen sich die Honda-Piloten bis aufs Messer, gab es bei Repsol-Honda keine Stallorder, war der Ausrutscher gar Absicht? Hilft Pedrosa Hayden in Valencia und gibt es wieder einen unerklärlichen Fahrerfehler? Wir sind gespannt. Und wissen vor allem wieder, warum wir MotoGP der montonen Formel 1 vorziehen.
Hier schon mal als Einstimmung die Wahnsinnsfahrt von Pedrosa bei youtube....
© Jochen Vorfelder
17 Oktober 2006
Rennsport: Akkuschrauber-Cup powered by Black & Decker
Ach, wie so eine Messe blendet: Nach den Tagen auf der INTERMOT, die doch eher vom lauten und hochmotorisierten Geschehen geprägt waren, verliert man viel zu leicht den Blick für die stillen, aber erhabenenen Ereignisse, die den Alltag auf zwei Rädern so wohlfeil machen.Schauen wir doch einmal nach Hildesheim wie die Kollegen von Spiegel Online, die Korrespondentin Antonia Götsch zum Rennen der Akkuschrauber entsandten. Doch, es gibt diese Dinge, die es gar nicht gibt, und erwachsene Männer - na, ja zumindest Studenten der technischen Maschinenbaudiziplinen und der Designkunst - waren daran beteiligt:
"11 Teams von 9 Hochschulen aus Deutschland und der Schweiz sind am 14.10.06 im Flughafen Hildesheim gegeneinander angetreten: mit Gefährten, die von einem Akkuschrauber betrieben wurden. 1400 Gäste besuchten das Spektakel und feuerten die Teams begeistert an. Am Ende siegte das Team 30+ von der Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim."Mehr dazu bei akkuschrauberrennen.de
Der Platzwart
Abonnieren
Posts (Atom)