04 Dezember 2006

Video: der kleine, aber feine Unterschied zwischen Harley und Ducati

"Das Motorrad", schrieb Thomas Krens, der Direktor der Solomon R. Guggenheim-Stiftung in einem Essay für die New York Times, "ist die perfekte Methapher für das 20. Jahrhundert... erfunden zu Beginn der Industrialisierung, spiegelt seine Entwicklung die Hauptströmungen der Moderne wieder."

Krens hat ein feines Gespür für solche Strömungen - er war es, der 1998 als Kurator einer der erfolgreichsten Ausstellungen der Guggenheim-Stiftung fungierte: "The Art of the Motorcycle" - gestartet in New York, zog die Schau dort 300.000 Besucher im ersten Jahr in ihren Bann, dann 700.00 anschließend im Gehry-Bau in Bilbao, und danach knapp 500.000 in der Zweigstelle in Las Vegas. Obwohl der Kassenschlager inzwischen eingemottet ist, ist für die Begeisterung für das Thema Motorrad noch kein Ende abzusehen. Im Juni dieses Jahres wurde eine Nachfolgeschau mit über 80 zweirädrigen Exponaten erfolgreich im Orlando Museum of Art (OMA) in Florida gezeigt; sie soll auf langjährige Tour gehen.

Doch mit Krens wollen wir uns nicht weiter aufhalten - sondern eher mit zweien seiner Exponate - einer Ducati 916 und einer Harley-Davidson Electra Glide. Beide Maschinen - hier die konsequente Straßenrennmaschine, da der chromblitzende König der Landstraße - hatten exponierte Stellplätze in der Ausstellung - obwohl (oder weil) sie verschiedener nicht sein könnten. Beide stehen für zwei grundsätzlich divergierende technische Richtungen; beide repräsentieren Philosophien des Motorradbaus und des Fahrens als solch, die selbst beim besten Willen kaum zusammenzuführen wären.

Beide Maschinen stehen für Dramen und Dramaturgen. "Das Objekt und seine Geschichte," schrieb Krens über das Motorrad,"ruft wie eine griechische Tragödie die klassischen Themen Rebellion, Begierde, Freiheit, Liebe und Tod auf..."

Das sehen offensichtlich auch die Regisseure der Werbe-Clips so, in denen für die beiden Maschinenwelten und die entsprechenden Käuferschichten in den USA geworben wird. Verschiedener können Clips nicht sein. Viel Spaß dabei.

Zunächst hier ein Harley-Davidson-Clip, der einen gut versteckten Nerv bei betuchten Mittfünfzigern in gesicherter Position und gehobenem Einkommen treffen soll. Klick.



Und Ducati? Es war schon immer etwas elitär, eine italienische Diva zu fahren. Aber halt doch irgendwie sympathisch und faszinierend sowieso. Klick, auf den Video.



Der Platzwart

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