31 Dezember 2011

Zum Motorradjahr 2011: Ich sollte Flugzeuge testen & OT– Oberer-Totpunkt-Preis 2011 wird vergeben

Arrogante Jungs in Schiesser-Unterhemden, schmuddelige Autobahntankstellen, stets bemühte japanische Konstrukteure und Weltreisen, um Öko-Motorräder zu begutachten – das Motorradjahr 2011 war kein Ponyhof. Der OT–Oberer-Totpunkt-Preis wird dennoch (oder gerade deshalb) verliehen.

Beginnen wir mit Bruce Chatwin, der nach Weihnachten mal wieder auf dem Sofa rum liegt: "Das Abhandenkommen eines Passes war das geringste aller Übel - ein Notizbuch zu verlieren war eine Katastrophe." Meine Notizen aus dem Jahr 2011 sind Gott sei Dank noch alle vorhanden; so schusselig bin ich 2011 noch nicht geworden.

Das erstaunlichste Motorrad der letzten Monate war mit Abstand die Husqvarna Nuda 900. Beeindruckend sind nicht nur die Technik und die Leichtigkeit, mit der die BMW-Tochter ein eigenständiges Design aus der Hand geschüttelt hat. Frappierend ist vor allem die Taktzahl, mit der im einst so beschaulichen Varese spannende Straßenmodelle geboren werden.

Wesentlich längere Zeit nehmen sich dafür Kleinserienhersteller wie Zero Motorcycles in Kalifornien. Dafür gebührt den Amis der Preis für die längsten Flugreise zu einer Präsentation: Hamburg – San Francisco und zurück – das ist rekordverdächtig. Besonders für ein Zweirad, das mit dem Label "Umweltfreundlich" verkauft wird.

Wenigsten dürfte man die Zeros vor Ort ausgiebig fahren – im Gegensatz zu der Ducati Monster 110EVO. Die gebotoxte und geliftete Mutter alle Naked Bikes wurde im April auf Sizilien vorgestellt. Zur Testfahrt am Ätna blieben gerade mal zweieinhalb Stunden Zeit abzüglich lästiger Fotostopps und Staus. Super Timing - vielleicht sollte ich 2012 Flugzeuge testen.

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Länger dauerte Anfang Juli der Trip zu den BMW Garmisch Days und dem Treffen mit den Jungs von der GS Trophy auf einer Aprilia Dorsuduro 1200. Insgesamt 1500 Kilometer auf einer knüppelharten Supermoto bei meist strömendem Regen – da freut man sich sogar über den 13-Liter-Tank und den absurden Verbrauch von zehn Litern – bei gemäßigter Gangart. Auch wenn die Autobahnraststätten so speckig sind wie Kassel-West.

Apropos Garmisch Days. Der idealtypische deutsche Tourenfahrer ist konservativ und hört abends im Festzelt am liebsten ein Medley, das mit "highway to hell" beginnt und mit "born to be wild" endet. Das hatten die Berliner Schnösel von BossHoss allerdings nicht drauf und wurden erbarmungslos ausgepfiffen.

Applaus dagegen erntete KTM. Die Österreicher stellten im Frühsommer die Duke 125 vor, ein Fahrzeug für die Generation Facebook. Der Plan – einen scharfen Feger für die Novizen zu bauen – ist aufgegangen; inzwischen sind knapp zehntausend Stück verkauft.

Gut verkauft hat auch Harley-Davidson und darf deshalb die Domain http://fetteschlotze.de auch 2012 behalten. Die Geschäftergebnisse in Deutschland weisen darauf hin, dass es doch eine Menge Zahnärzte, Rechtsanwälte und Amtsleiter mit Hang zum Outlaw-Lifestyle gibt. So richtig durchreiten konnten diese Hardcore-Biker vergangenes Jahr allerdings nicht: Anfang Oktober wurden weltweit mehr als 300.000 Maschinen wegen eines Defekts in die Werkstätten zurückgerufen.

Wie man Technik richtig macht, zeigte Honda im November auf der Mailänder Motorradmesse Eicma. Der 700-Kubik-Motor in den NC 700-Modellen, ein lange entwickelter Reihenzweizylinder mit extrem niedrigem Verbrauch, hat was. Z.B. das Zeug, eine gesamte neue Mittelklasse zu befeuern.

Feuer brennt auch im lukrativen Markt der Großroller. BMW steigt mit der Vorstellung von zwei Maxi-Scootern ein, will nächsten Jahr eine Elektro-Variante bringen, und hat den Platzhirschen von Yamaha und Suzuki damit den Fehdehandschuh hingeworfen. Gefahren werden sollen die Hightech-Roller ab nächstes Jahr.

Aber wer will eigentlich soviel Elektro-Großmarkt auf Rädern? Am Besten bleibt man dieser Tage auf besagtem Sofa, geht zu Fuß – wie weiland Bruce Chatwin – oder besinnt sich zumindest auf die Retro-Bikes, die nur eins können: geil fahren.

Einfach nur fahren, so wie es diese Jungs hier machen. Da kommt Vorfreunde für 2012 auf. http://vimeo.com/19061363

PS: moto1203 lässt es sich nicht nehmen, am Ende des Jahres 2011 den großen "OT-Oberer-Totpunkt-Preis“ für besondere Verdienste um den gehobenen Motorradjournalismus auszuloben.

Der Preis geht dieses Jahr an die Redaktion Manuel Fuchs (Ltg./CvD), Markus Biebricher, Gerd Eirich, Klaus Herder, Michael Rohrer, Mike Schümann, Thomas Waldhauer unter der Leitung von Chefredakteur Michael Pfeiffer für den epochalen MOTORRAD-Beikleber "142 Dinge, die ein Motorradfahrer machen muss".

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Mit 142 sachdienlichen Tipps in der gedanklichen Maelstromtiefe von "Die Führerscheinprüfung bestehen" bis "Von der Route 66 träumen und sich irgendwann bei Ruth (66) wieder finden“ haben es die acht Kollegen verstanden, eine besonders vernachlässigte Zielgruppe an das Motorradfahren heranzuführen: Menschen mit einem IQ unter winterlicher Zimmertemperatur.

Gratulation.


27 Dezember 2011

Verbrechen: Tödliche Spur. Eine Recherche über die Suche nach einme Mörder

Im April starb in Bayern ein Motorradfahrer, weil er über Öl rutschte, das ein Unbekannter auf einer Landstraße vergossen hatte. Die Kripo sucht fieberhaft nach dem Täter.

Der Artikel von Matthias Bartsch und Jochen Vorfelder erschien Anfang Dezember im Spiegel. Hier ein Auszug.

"Der Tod des Familienvaters Josef Deniffel am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, hat nicht nur im bayerischen Schwaben wochenlang Zeitungsseiten gefüllt und die Menschen erschüttert.

Er sprach sich unter Motorradfahrern in der ganzen Republik herum, wurde in Biker-Foren diskutiert; mehrere hundert Fahrer aus Süddeutschland trafen sich drei Wochen später zu einer Gedenkminute am Unfallort. Ein Geschäftsmann aus Düsseldorf, selbst Motorradfahrer, stiftete 42 000 Euro zur Aufstockung der Belohnung, damit der Verantwortliche für Deniffels Tod gefunden werde.

Denn das hat die Polizei eindeutig ermittelt: Es war kein Unfall, wie er auf beliebten Motorradstrecken häufig passiert, wenn die Fahrer öffentliche Straßen mit einem Rennkurs verwechseln.

Josef Deniffel war mit angemessener Geschwindigkeit unterwegs, betonen die Kripo-Beamten im nahegelegenen Memmingen. Sie sind sich sicher, dass er Opfer eines gezielten Anschlags wurde; eines Attentats vielleicht nicht gegen ihn persönlich, aber gegen ihn als Motorradfahrer.

Die Memminger Staatsanwaltschaft ermittelt seit April wegen Mordverdachts. Vergeblich."

Den ganzen Artikel siehe bei SPON unter http://tiny.cc/oelspur-spiegel

12 Dezember 2011

48 Stunden Magazin - 48 Stunden Fun

Am Wochenende hat ein Teil der Belegschaft von moto1203 aus den Hamburger Deichtorhallen gebloggt. 40 Stunden Fun. Hier der Foto-Stream.

Die gesamte "Making of ..." Story liegt unter http://48stdmag.posterous.com

09 Dezember 2011

Erster Blick in die Redaktionsräume #48stdmag

Noch harren wir der öffentlichen Dinge.

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30 November 2011

Yamaha Super Ténéré Worldcrosser - gibts den jetzt oder nicht?

Der tägliche Influx von Presseeerklärungen gibt heute mal wieder Anlaß zu einer weiteren Folge aus der beliebten Serie "Heute durfte mal wieder die PR Asssistentin ran ..." Heute: Yamaha Deutschland.

Zuerst ein Geständnis, auch wenn es möglicherweise peinlich ist: Ich liebe Yamahas.
Jedenfalls die alten Teile. Ich baue in meiner knapp bemessenen Zeit aus meditativen, nahezu religiösen Gründen eine SR 500 mit hohem Ölverlust zum ultimativen Dirt Tracker um. Da kann man präzise, sachdienliche Hinweise dringend gebrauchen.

Das kann Fräulein Nicole Papay, Assistentin PR und Werbung bei Yamaha Deutschland, natürlich nicht wissen. Drum stiehlt sie mir die Zeit mit Presseerklärungen, die so hanebüchen unpräzise sind, dass sie es verdienen hier einmal kommentiert zu werden.

"Der atemberaubende Super Ténéré Worldcrosser feiert seine Premiere auf der Zweiradmesse in Paris." Falsch, Frau Papay, der Worldcrosser in der jetzigen Form stand schon auf der Intermot 2010. Ich kann zur Beweisführung gerne gegen geringe Gebühr ein Foto nachreichen.

"2012 wird Yamaha das aufregendste Abenteuer-Motorrad auf den Markt bringen, das je ein XT-Logo trug. (...) Zu den exklusiven, extrem leichten Carbon-Bauteilen gehören Seitenverkleidungen sowie Gabel- und Rahmenprotektoren. Für extremen Schutz im Gelände sorgen am Super Ténéré Worldcrosser außerdem die Motorschutzplatte, das Kardanwellenschild und der hintere Bremsenprotektor aus schwarz eloxiertem Aluminium.
Diese Komponenten sind Bestandteil des offiziellen Worldcrosser-Kits, der passend zur XT1200Z Super Ténéré von autorisierten Yamaha-Händlern gemeinsam mit dem Fahrzeug angeboten wird. Bitte beachten Sie, dass der Worldcrosser-Kit nicht die Akrapovic Auspuffanlage und die grobstollige Bereifung beinhaltet. "
Das schreit nachgerade nach den üblichen Fragen, die Journalisten gerne ohne viel Federlesen beantwortet sehen, Frau Papay:

- 2012 ist so lange wie 2011. Zwölf Monate. Gehts vielleicht ein wenig genauer?

- Bedeutet der PR-Sprech, dass Yamaha zwölf Monate gebraucht hat, um einige Carbon-Teile an eine XT1200Z anzuschrauben?

- Gibts da irgendeine Preisvorstellung?

- Und vor allem für was? Für ein komplettes Fahrzeug?
- Gibt es dieses Fahrzeug wirklich? Oder gibt es eigentlich nur einen "offiziellen Worldcrosser-Kit", den man sich beim Händler abholen und selbst anschrauben kann?

Na ja, vielleicht klärt sich das ja irgendwie alles noch. Bevor die Super Ténéré Worldcrosser, das "das aufregendste Abenteuer-Motorrad auf den Markt", irgendwie wie Yamaha in Vergessenheit gerät. Weil Konkurrenz in Form der GS, der Multistrada und der neuen Triumph Tiger Explorer gibt es ja genug.

Beste Grüße nach Neuss und ein frohes, beschauliches Fest

Jochen Vorfelder

PS: Was mich persönlich so am Rande noch interessieren würde - passen die Carbon-Teile eventuell auch an eine SR 500? Ich hab da so ne Idee.

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29 November 2011

Husky Strada: Husqvarna motzt 2012 den 650er BMW-Motor richtig auf

Die putzmuntere BMW-Tochter aus Varese legt nach: Wenige Wochen nach der Nuda 900 und dem Konzeptbike Moab präsentiert Husqvarna morgen auf der Paris Moto Show die neue Strada. Der Flitzer mit 650er Motor soll 2012 auf die Straße. Wir haben schon mal die Bilder.

Wie mit der Nuda zielt Husky mit der Strada – angetrieben von einem Einzylinder, mit scharfem Styling und viel angekündigter Handlichkeit – auf eine jugendliche Straßen-Zielgruppe. 650 Kubik und diverse hochwertige Komponenten sollen auch ausserhalb Italiens die Käufer ansprechen.

Ausgangspunkt der Strada ist der 650er Einzylinder-Viertakt, der auch bei den bewährten BMW-Modellen wie der aktuellen G 650 GS zum Einsatz kommt. Offensichtlich haben die Husqvarna-Techniker dem Klassiker aber “mehr Leben eingehaucht”, mehr PS mit auf den Weg gegeben, und gleichzeitig mit einer Abspeck-Diät für ein besseres Kraft-Gewicht-Verhältnis gesorgt. Die Strada soll weniger als 170 Kilogramm trocken wiegen – im Vergleich: Eine BMW G 650 GS bringt 175 auf die Waage.

Die Strada ist nach der Nuda und der Konzept-Moab von Mailand – bei der offen sichtlich bereits Komponenten der jetzt gezeigten Strada verwendet wurden – ein weiterer Beweis, dass es die BMW-Leute mit der Wiederbelebung der Straßen-Husqvarnas bitter ernst meinen – kein Wunder bei einer Investition über 100 Mio. Euro in das Vareser Werk.Die Strada wird verkauft als “perfektes Bike für den Stadt-Dschungel” – mit "leichtem Handling, knackigem Anzug und Fahrer-freundlicher Ergonomie". Husky hat angekündigt, dass wie die Nuda auch die Strada von einer eigenen Zubehör-Linie begleitet werden soll. Über genaue Leistungsdaten und Preise ist noch nichts bekannt.

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15 November 2011

EICMA-Rückblick: Das Beste aus zwei auseinanderdriftenden Welten

Der Blick zurück auf die EICMA ist in diesem Jahr wie ein Besuch im Uni-Seminar "Erdgeschichte". Denn die Welt richtet sich neu, die Superkontinente wie Gondwanaland haben sich gelöst und driftet auseinander in verschiedene Richtungen.

Denn Herzblut und Wagemut haben in Mailand nur die europäischen Hersteller bewiesen. Die Japaner versuchen, mit Vernunftmotorrädern zumindest die Stellung zu halten und verlorenen Boden wieder gut zu machen.

Rote Teppiche, rotierende Scheinwerfer, riesige Lautsprecher; rein vom Ambiente hat sich die Mailänder Motorradshow Eicma 2011 nicht von den Messen der Vorjahre unterschieden. Endlose Besucherströme mäanderten ziellos durch überfüllte Gänge, umlagerten gewienerte Motorräder und fotografierten lächelnde Hostessen auf Drehtellern.
Doch der Blick auf die neuen Modelle, auf die Details und hinter die Kulissen ergibt ein anderes Bild: Das Motorradgeschäft hat sich zwar von den massiven Krisenjahren erholt. Doch die Teilung der Branche in zwei Paralleluniversen hat sich manifestiert.
Während die technisch lange führenden Japaner sich nach dem massiven Rückgang der Verkaufszahlen und dem Abstieg in die Zweitklassigkeit an Schadensbegrenzung versuchen, spielen die Europäer wie BMW und Triumph und die italienischen Hersteller inzwischen in einer eigenen Spaß-Liga und Gefühlwelt.
Beispiel Ducati: Mit dem Superbike 1199 Panigale hat der Kleinhersteller, der von rund 45.000 verkauften Maschinen pro Jahr leben muss, ein technisches Meisterstück aufgelegt. 195 PS aus einem Zweizylindermotor und radikales Design, das wäre für sich genommen schon ein Paukenschlag und ein Kaufgrund, trotz des absurden Kaufpreises von 19.490 Euro für die Grundversion. Doch der entscheidende Punkt sind die überbordenden Emotionen, die der rote Supersportler beim Betrachter zwangsläufig auslöst: Über kein Neumotorrad wird in den nächsten Monaten soviel heiß diskutiert werden.
Italien: erhöhte Pulsfrequenz
Ähnlich starke Gefühle wecken die Aprilia Dorsoduro 1200 und die Brutale 675 von MV Agusta. Die Dorsoduro ist 2012 nicht neu, sondern nur mit neuen Farben versehen, aber mit dem Supermoto-Fahrwerk und dem krankhaften Schub aus 125 PS ist sie die Quintessenz sinnfreier italienischer Motorradkunst: ein Fahrzeug für extremistische Liebhaber. So etwas will man einfach haben.
Das gleiche gilt für MV Agusta. Mit dem wunderschönen Dreizylinder und einem Preis unterhalb der magischen Grenze von 10.000 Euro hat die Edelmarke aus Varese mit der Brutale 675 endlich ein Motorrad im Angebot, das sowohl mit Exklusivität als auch Bezahlbarkeit um die Käufer buhlen kann.
Das werden die Platzhirsche bei den Naked Bikes wie Triumph mit der Street Triple spüren, doch die Briten schielen mit der Präsentation der Tiger Explorer bereits in lukrative neue Gefilde: Der seidenweiche 1200-Kubik-Dreizylinder, ausgelegt als große Reiseenduro, bietet eine Einarmschwinge und Kardan-Antrieb wie die große BMW GS. Doch die Große Tiger kommt mit einem serienmäßig vollen Elektronikpaket und bei 137 PS mit einer höheren Leistung als der bayrische Klassen-Primus – das wird ein interessanter Kampf um das Klientel, vor allem weil Triumph seiner rigiden Preispolitik – immer einen Tick billiger - treu bleibt.
BMW: Mut zur Zukunft
Die Vorstellung von Rollern ist per se kein Sensation auf einer Motorrad-Show. Doch wenn BMW seinen Messestand dem Thema widmet, setzt das ein Zeichen für zielgerichtete Innovation: Die neuen, gefälligen Maxi-Roller C 600 Sport und C 650 GT mit jeweils 60 PS bedeuten für die Münchener den Einsteig in ein völlig neues Marktsegment, das vor allem in Südeuropa stark ist. BMW hofft nach der Investition eines „höheren zweistelligen Millionenbetrags“ ab Frühjahr 2012 auf über 10.000 verkaufte Exemplare pro Jahr; Zielgruppe in Deutschland sollen Berufspendler werden, argumentiert wird mit „neuen Konzepten für Urban Mobility“.
Auf ebenso unbekanntes, aber spannendes Terrain begibt sich BMW auch mit der italienischen Tochter Husqvarna. Neben den ersten Straßenmotorrädern des Sportspezialisten, der Nuda 900 900 R, wurden in Mailand eine Elektro-Studie für eine kleine Geländemaschine und überraschend die „Moab“ gezeigt. Die Moab illustriert bestens, wo Husqvarna mit dem technischen Hinterland aus München noch hin will: feinstes Retro-Design im Stil der siebziger Jahre, Anleihen an die Steve McQueen-Historie, bewährte Bauteile aus dem BMW-Arsenal wie dem G 650-Motor. Da geht noch Einiges.
Japan: Avancen an die neue Mitte Wer immer auch vor vier oder fünf Jahren zur Eicma pilgerte – der Weg führte zunächst zu den Ständen der japanischen Hersteller. Dort spielte die Musik. Die Zeiten sind vorbei. Von Suzuki und Yamaha gibt es außer Roller-Updates und den Trostpreisen für sorgsame Modellpflege nichts Nennenswertes zu berichten; lediglich Kawasaki – mit der Versys 1000, einem Zwitter aus Tourer und Enduro - und vor allem Honda haben bewiesen, dass Japan die Entwicklungsarbeit nicht völlig aufgegeben hat.
Honda macht sich dabei um eine Zielgruppe verdient, die von den meisten Europäern – mit Ausnahme von KTM mit der 200er Duke mit 26 PS – sträflich vernachlässigt wird: den Motorrad-Einsteigern.
Für die Newcomer, die ein alltagstaugliches, unkompliziertes und preisgünstiges Fahrzeug passend zu den neuen Führerscheinklassen suchen, hat Honda die NC 700-Linie in Mailand gezeigt. Die Mittelklassebaureihe fürs Frühjahr 2012 ist mit den Modellen NC 700 S (als Naked Bike), NC 700 X (mit kleiner Verkleidung) und dem Roller Integra bestückt; in allen Modelle sind mit dem neu entwickelte Reihenzweizylinder mit 670 Kubik und 48 PS ausgerüstet. Er soll nur 3,7 Liter auf hundert Kilometern verbrauchen.
Weitere Pluspunkte: Sowohl die 700 S als auch die 700 X sind gegen Aufpreis mit einem automatischen Doppelkupplungs-getriebe zu haben – und als Standardausführung mit Sechsgangschaltgetriebe soll die 700 S weiter unter 5.900 Euro kosten. Mit diesem Preis für ein vollwertiges Motorrad macht man sich hoffentlich neue Freunde.

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10 November 2011

EICMA 2011: Im Reich der rasenden Riesenroller

Richtig ernst genommen werden sie nicht von den Motorradfahrern: die praktischen Großroller. Dabei gehören ihnen in Südeuropa die Straßen. Aber mit dem Einzug von BMW rückt der lukrative Markt in den Blickpunkt.

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Wer vor den Mailänder Messehallen in Rho über den Parkplatz schlendert, versteht sofort: Südeuropa tickt anders. Motorräder sind dort der emotionale, aber auch nur der kleinere Teil der mediterranen Zweiradwelt; Vespa, Lambretta - überall rund ums Mittelmeer wird Roller gefahren.

Auch BMW hat das verstanden; auf dem diesjährigen Eicma-Stand der Münchener dominierten nicht die Boxer, die Superbikes oder die Groß-Enduros, sondern schnöde Scooter. Zum Einstieg in das für die Bayern neue Marktsegment "Urban Mobility" stellt BMW einen Maxi-Roller in einer sportlichen (C 600 Sport) und einer komfortablen, Touren-orientierten Version (C 650 GT) vor.

Zunächst irritierend dabei: Sowohl der C 600 als auch der C 650 werden vom gleichen, eigens entwickelten Zweizylinder-Reihenmotor mit 647 Kubik angetrieben und einem maximalen Drehmoment von 66 Nm. Geschaltet wird wie bei Rollern üblich nicht manuell; verbaut wird ein stufenloses CVT-Getriebe, eine Fliehkraftkupplung und eine im Ölbad laufende Rollenkette zum Hinterrad.

Fahren lassen sollen sich die BMW-Scooter wie ein Motorrad - dank den großen Reifen der Dimensionen 120/70 R 15 und 160/60 R 15, dem Fahrwerk aus einem Stahlrohrrahmen und einem Alu-Druckgussteil, das die Schwinge aufnimmt. Und das bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h.

Das Design, so das erste Feedback von Besuchern am Stand, scheint anzukommen: BMW-like, sportiver als die Konkurrenz etwa von Yamaha und Suzuki und näher am Motorrad als am klassischen Roller. So ist etwa der typische Roller-Durchstieg zwischen Sitzbank und Lenker kaum ausgebildet. Alltagstauglich sind die beiden Modelle allemal, in beide Staufächer passen zwei Helme.

Eine beheizbare Sitzbank sowie eine breite Palette von Zubehör wie eine Regendecke für die Knie - damit kann ein Maxi-Scooter zukünftig Teil der Urban Mobility auch auf dem öfter verregneten deutschen Markt werden. Für BMW sind die beiden Scooter eine ausbaufähige Plattform, bereits für nächsten Herbst ist die Vorstellung eine serienreifen Elektro-Variante fest avisiert. Preise für den C 600 und den C 650 werden noch nicht genannt, sie sind jedoch definitiv fünfstellig.

Piaggio lebt bisher von seinen Brot- und Butter-Fahrzeugen und hat es sich in der Nische der Dreiradfahrzeuge bequem gemacht. Außerdem unterhält der Hersteller mit Vespa und Gilera weitere Roller-Töchter im Konzern. Dass BMW mit Großrollern kommen wird, wussten die Verantwortlichen - die Reaktion aus Italien folgt sofort.

Piaggio-Tochter Aprilia, bisher bekannt für aggressive Sportmotorräder, nimmt mit dem SRV 850 die in die Jahre gekommenen Schnellfahrer, deren malade Bandscheibe den Supersportler nicht länger ertragen, ins Visier. 839 Kubik Hubraum, 76 PS und Geschwindigkeiten nahe der 200-km/h-Grenze sind Werte für einen Maxi-Scooter, die auch Sportmotorrädern zu Ehren gereichen würden.

Neu ist der SVR 850 allerdings nur bei Aprilia - den Motor und ein ähnliches Fahrwerk hat Piaggio seit 2007 auch bei Gilera mit dem GP 800 im Angebot. Die Aprilia-Variante ist nur moderner gestaltet und lehnt sich an das Sport-Design des Superbikes RSV4 R an - der Preis ist noch nicht bekannt.

Beim französischen Roller-Krösus Peugeot ist die Nachricht vom Verkaufserfolg, den Piaggio in den vergangenen Jahren mit dem Dreirad-Roller MP3 eingefahren hat, inzwischen auch angekommen. Die logische Konsequenz: In Mailand wurde mit großem Aufwand die Studie Metropolis Projekt vorgestellt - eine Dublette des Piaggio-Dreirads, verkauft als "Zwitter zwischen Automobil und Scooter". Viertaktmotor mit 35 PS und 38 Nm Drehmoment, drei Scheibenbremsen, elektronische Feststellbremse, LED-Lampen und riesiges Staufach werden als Eigenschaften genannt - aber keine Produktionszyklen und Preisvorstellungen.

Optisch ist der Metropolis gelungen; der Frontgrill in Anlehnung an den Peugeot 508 lässt darauf schließen, dass die Designer eng mit den Automobil-Kollegen zusammengearbeitet haben.

Yamaha - auf den wichtigen Märkten Spanien, Frankreich und Italien traditionell stark vertreten - stattet seinen Flaggschiff TMAX im kommenden Jahr mit 530 statt 500 Kubik aus. Der Maxiroller hat zwar weiter 46 PS, aber der Durchzug im unteren und mittleren Drehzahlbereich soll damit wesentlich verbessert werden. Der Aluminiumrahmen wurde abgespeckt, angeblich ohne das Fahrverhalten negativ zu beeinflussen; das Fahrzeug ist insgesamt vier Kilogramm leichter geworden.

Doch ob das reichen wird, um den Münchner Frontalangriff mit dem C 600 Sport und dem C 650 GT abzuwehren, wird sich erst noch zeigen.

Mehr Bilder bei SPON


09 November 2011

Ducati bietet der Konkurrenz mit der 1199 Panigale Schachmatt

Stärker, schneller, schöner – am Vorabend der Motorrad-Show Eicma hat der italienische Hersteller Ducati die 1199 Panigale enthüllt. Das Superbike wird auf der Messe nur noch schwer zu übertrumpfen sein.

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In der Rennserie MotoGP fahren Valentino Rossi und Ducati zur Zeit nur hinterher. Doch auf dem Markt ist der Hersteller aus Bologna weiter eine Macht: Bis Oktober 2011 wurden 36.000 Sportmotorräder weltweit verkauft; in Deutschland allein liegt Ducati gegenüber dem Vorjahr mit 31 Prozent im Plus. Mit dem neuen Supersportler, der gestern auf der Bühne des Teatro dal Verme in Mailand enthüllt wurde, wird die Erfolgsgeschichte weitergehen.

„Ein Sportmotorrad wie die 1199 Panigale haben wir noch nie gebaut,“ verkündete Claudio Domenicali, der CEO der Bologneser. „Das ist keine Evolution mehr, sondern eine Revolution.“

Herzstück der Panigale ist der brandneue Superquadro-Motor. Lediglich das Zweizylinder-Motorenkonzept mit 90 Grad Zylinderwinkel und die desmodromische Ventilsteuerung wurden von den vorhergehenden Ducati-Aggregaten übernommen. Die Panigale-Technik stammt zu großen Teilen aus der MotoGP und der Rennsportabteilung Ducati Corse; z.B. sorgt eine Pumpe für ein konstantes Vakuum im Kurbelgehäuse unterhalb der Kolben, wodurch der Widerstand gegenüber der Kolbenbewegung reduziert wird. Mit satten 195 PS bei 10.750 U/min liegt der weltweit kräftigste Zweizylinder-Serienmotor auf Augenhöhe mit der BMW S 1000 RR; das Trockengewicht von 164 kg liegt allerdings um fast 20 Kilogramm niedriger als bei dem Supersportler aus München.

Auch beim Monocoque-Chassis und Fahrwerk haben die Ducati-Entwickler Anleihen beim hauseigenen Rennstall und Abschied vom Ducati-typischen Trellis-Gitterrohrrahmen genommen. Der Aluminium- und Magnesium-Vorderbau und der Heckrahmen sind direkt an den Motor angeflanscht; die Auspuffanlage liegt kompakt unterhalb des Motorblocks. Scharfe Brembo-Bremsanlagen, leichte, filigrane Schmiedefelgen und Einarmschwinge sind inzwischen Ducati-Standard.

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Die Rakete gibt Geschwindigkeiten jenseits von 270 km/h her. Um das Gerät fahrbar zu halten, wird alles, was der Elektronikbaukasten derzeit hergibt, in das Ducati-Flaggschiff verbaut. Je nach Ausführung – die Panigale gibt es in den drei Ausführungen 1199, 1199 S und 1199 Tricolore – sind an Bord: digitales Ride-by-Wire-System, Ducati-Bosch ABS, Traktionskontrolle DTC, und eine Quick Shift-Schaltanlage DQS.

Erstmals zum Einsatz kommt in einem Supersportler auch die Engine Brake Control EBC, mit dem die Spurstabilität bei harten Bremsmanövern erhöht werden soll, und die Ducati Electronic Suspension (DES). Mit diesem System wird bei der Auswahl aus den drei Fahrmodi Race, Road und Wet die Einstellung der Öhlins-Gabel und des Federbeins mit kleinen Elektro-Stellmotoren automatisch nachjustiert.

Auch im Cockpit geht es futuristisch zu: Die Kontrollarmaturen und -anzeigen liegen allesamt digital auf einem TFT-Farbbildschirm, dessen Darstellung sich je nach Fahrsituation, Modi und Zustand des Motors intelligent ändern: z.B. wandert der Beginn des kritischen „gelben“ Drehzahlbereich während der Einfahrperiode, der ersten Tausend Kilometer, herunter auf 6.000 U/min. Danach springt er automatisch zurück auf 10.500U/min.

Optisch ist die Panigale – benannt nach dem Bologneser Vorort, in dem das Ducati-Werk liegt – ganz auf Kontinuität getrimmt: enge Verkleidung mit scharf konturiertem Gesicht und LED-Scheinwerfern (S und S Tricolore), schmale Taille und leicht fliehendes Heck. Die Auspuffendrohre sind nach den Phase der Underseat-Anlagen wieder nach unten gewandert. Auch die Farbwahl ist ganz Ducati-Tradition: Rot und italienische Tricolore, was sonst?

Die Panigale soll ab März 2012 bei den Händlern stehen und in der Grundversion 19.490 Euro kosten. Deutlich teurer ist die S Version mit 24.490 Euro und die Tricolore (28.690 Euro).

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Fahrzeugschein
Hersteller: Ducati
Typ: 1199 Panigale
Karosserie: Motorrad
Motor: Zweizylinder-L-Motor
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 1198 ccm
Leistung: 195 PS bei 10.750 U/min
Drehmoment: 132 Nm bei 9.000 U/min
Trockengewicht: 164 kg
Tankinhalt: 17 Liter
Höchstgeschw.: > 270 km/h
Mehr Infos: http://www.ducati.de



04 November 2011

Husqvarna mit ABS - aus Kostengründen leider nur fürs Gelände

Volles Programm bei Husqvarna: Vergangenen Woche erst die Vorstellung der beiden neuen Nuda in Sardinien, diese Woche jetzt noch reingequetscht vor die nächste Woche beginnende Eicma - die Vorstellung eines neuen Offroad ABS-Systems im Enduro-Park Hechlingen.

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Bei dem zusammen mit BMW entwickelten und in der Husqvarna TE-449 verwendeten System handelt es sich um ein sogenanntes 2-Kanal-ABS. Der Aufbau besteht aus zwei Radsensoren und zugehörigen Impulsrädern zur Erfassung der Drehzahlen an Vorder- und Hinterrad, einem ABS-Druckmodulator sowie Hydraulik und elektronischer Regeleinheit. Aufgrund der besonderen fahrdynamischen Anforderungen im sportlichen Geländeeinsatz erfolgt die ABS-Regelung ausschließlich am Vorderrad. Die Hinterradbremse wird nicht geregelt, und das Hinterrad kann damit vom Fahrer bewusst blockiert werden.

Zum derzeitigen Stand sind die bei Motorrädern in Serie befindlichen ABS nur bedingt für den Offroad-Einsatz geeignet und bieten aufgrund ihrer Regelungs-Definition auf Untergründen wie etwa Schotter nicht die maximal mögliche Brems-Performance.

Aus diesem Grund wurden für das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS die relevanten Parameter und insbesondere die Schlupfschwellen im Sinne höherer Brems-Performance im Gelände angepasst. Da am Hinterrad keine ABS-Regelung erfolgt, wurde auch die Stützung der Referenzdaten für Fahrgeschwindigkeiten und Radbeschleunigungen entsprechend optimiert. Die zusätzliche Verwendung der Hinterraddrehzahl stützt hierbei die Referenzgeschwindigkeit für das Vorderrad und macht das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS besonders robust.

In der Praxis profitieren insbesondere sportlich ambitionierte Hobby-Enduristen von den Vorteilen, die das weniger als 1,5 Kilogramm schwere Husqvarna Offroad ABS bietet. Neben einer deutlich spürbaren Steigerung der Brems-Performance gegenüber existierenden ABS in Serie sorgt es auch für eine deutlich erhöhte Bremssicherheit sowie mehr Spurtreue und Fahrstabilität bei vergleichbarer Fahrgeschwindigkeit.

Systemimmanent verfügt das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS über ein angepasstes Druckpunktgefühl und verhindert so eine unerwünschte Entkoppelung des Fahrers vom Regelzustand. Beim Bremsvorgang im Regelbereich spürt der Fahrer ein Pulsieren im Handbremshebel und erhält somit eine klare, transparente Rückmeldung über den Bremsvorgang.

Für die Zukunft bietet das derzeitige 2-Kanal-System des Husqvarna Motorcycles Offroad ABS zudem beträchtliches Entwicklungspotenzial. Beispielsweise sind zwei separat vom Fahrer zu aktivierende ABS-Modi für Gelände- und Straßenbetrieb ebenso denkbar, wie eine ABS-Regelung der Hinterradbremse für den Straßenbetrieb.

Ja, ja, Straßenbetrieb - genau da liegt der Schwachpunkt des Systems: Nicht nur viele Tester, sondern auch wohl die meisten Fahrer hätten sich ein vergleichbares System mit justierbarer Zuschaltung für das Hinterrad an der Straßenmaschine Nuda gewünscht, die ab Ende des Jahres verkauft wird.

Und ob es ein kluger Schachzug war, mit der "nackten" Variante den Einzug in den ABS-Markt Deutschland zu wagen, werden die Verkaufszahlen Ende kommenden Jahres zeigen.  Vor allem bei den Pitbullartigen Brembo-Bremsen der Nuda 900 R - für die schon in düsterer Vorahnung als Zubehör weichere Blöcke angeboten werden.

Sicher ist es kein einfacher Technologie-Sprung, ein ABS auf die Straße zu bringen. Doch vor dem Hintergrund der BMW-Erfahrung hatten dies viele Beobachter erwartet - dass ABS bei den neuen Straßenmaschinen von Husqvarna wohl erst in der 2013er-Ausführung serienmäßig angeboten wird, liegt nur am Kampfpreis - 9.990 Euro, der unbedingt vierstellig gehalten werden sollte.

03 November 2011

Stämmiges Bayern-Mädel mit italienischer Eleganz

Husqvarna baut nach langer Pause wieder Straßenmotorräder. Die Nuda 900 aus Varese schafft mit bewährter BMW-Technik und jugendlichem Design den Spagat: sportlich wie eine Supermoto, aber durchweg alltagstauglich.

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Die besten Tester für neue Motorräder sind immer noch die Pensionäre in Italien. Die Signori sitzen in der Herbstsonne vor ihrem Stammcafes und sind, obwohl müde auf einen knorrigen Stock gebeugt, im Kopf hellwach. Wie es sich für alt gediente Sachverständige in der Motorsportnation Italien gehört, quittieren sie interessante Maschinen mit freundlichem Nicken und einem anerkennenden Handgruß.

Die Husqvarna Nuda 900, mit der ich in Sardinien in den Dörfern unterwegs bin, hat sich das wohlwollenden Blick der heimischen Experten schnell verdient: Die erste Straßenmaschine der Vareser Sport- und Offroad-Spezialisten flaniert auf langer Gabel in elegantem, rot-weißen Gewand, mit schmaler Hüfte zwischen ausladendem Oberbau und knackiger Sitzbank. Die Husqvarna-Designer haben mit der Nuda („Die Nackte“) ein gelungenes Verwirrspiel inszeniert: ein Motorrad irgendwo zwischen aggressiver Supermoto und alltagstauglichem Naked Bike; eine Gattung bisher ohne Namen, aber definitiv italienisch.

Bayrische Ingenieurskunst, italienische Sportgene 

Die Basis sowohl der Nuda 900 als auch der 900 R ist der bei BMW verwendete wassergekühlte Zweizylinder-Motor aus der F800 mit einem Sechsganggetriebe. Doch wer dieses Motorrad gefahren hat, wird den Motor in dem italienischen Newcomer nicht wieder erkennen. Mit größerer Bohrung, längerem Hub wird der Hubraum auf 898 Kubik gesteigert; eine neue Kurbelwelle mit 315 Grad Versatz eingebaut.

Mit diesem Änderungen hat sich der Charakter des zuverlässigen, aber kreuzbraven Aggregats völlig verändert. Der Nuda-Antrieb wirkt wie befreit von Ketten, er röchelt böse und hängt sprungbereit und willig am Gas. Schon ab niedrigen Drehzahlen machen die maximal 100 Newtonmeter richtig Dampf und ab 4.500 Umdrehungen geht die Post noch einmal richtig ab.

Auch bei anderen Komponenten haben die Husqvarna-Konstrukteure auf den bewährten Münchener Fundus zurück greifen können. Das Fahrwerk mit dem Gitterrohrrahmen baut kürzer und ist leicht modifiziert, aber stammen ebenfalls aus der F800 wie die Felgen. Sie werden bei der Nuda 900 vorne von einer langen Sachs-Upside-Down-Gabel geführt; bei der „R“-Ausführung von einer Variante, die voll einstellbar ist.

Von Hause aus Husqvarna – sportlich, agil - ist dagegen das Fahrverhalten der beiden Nuda, unabhängig von den beiden elektronischen Fahrmodi Normal und Regen. Obwohl die Supermoto-Gene jederzeit zu spüren sind und die Maschinen mit fast neunzig Zentimeter Sitzhöhe sehr hoch bauen, ist die Maschine über den breiten Lenker leicht und präzise zu führen. Ob auf engen Serpentinenstrecken oder auf lang gezogenen Rennstreckenkurven, die Nuda ist extrem handlich und gleichzeitig sehr stabil in der Spur.

Den Preis für das agile Handling zahlt der Fahrer beim Fahrkomfort. Die ersten Hundert Kilometer ist die Sitzhaltung noch optimal, aber danach macht sich das schmale Supermoto-Sitzpolster unangenehm bemerkbar: Die zusätzlich angebotene Tourenausstattung mit Tankrucksack, Koffern und Windschild ist schon sehr optimistisch und fällt gegenüber den Konkurrenz, z.B. der KTM 990 SMT, deutlich ab.

Was fehlt? Für den deutschen Markt sicher ein ABS. Dass es bei beiden Modellen, die ab Ende des Jahres bei den Händlern stehen sollen, nicht an Bord ist, ist dem Einstiegspreis von 9.990 Euro (Nuda 900 R 11.590 Euro) geschuldet; in dem kleinen, aber sehr übersichtlich digitalen Cockpit ist es für künftige Versionen bereits vorgesehen.

Mach mir den Mini!

Für Husqvarna sind Straßenmotorräder kein Neuland: Seit 1903 und schon vor Harley-Davidson wurden in Schweden Straßenmaschinen gebaut. Mit Siegen bei Rundstreckenrennen und später mit Geländemotorrädern, die auch Ikonen wie Steve McQueen liebten, fuhr man Kultstatus ein – bevor der Niedergang begann. Vor wenigen Jahren war Husqvarna nach mehrfachem Besitzerwechsel praktisch tot.

Seit BMW im Oktober 2007 die kläglichen Reste von Husqvarna von der italienischen Castiglioni-Familie übernommen hat, hat die Münchener Gruppe mit einer langfristigen Strategie eine dreistellige Millionen-Summe in die Marke investiert. Bei BMW selbst wurde die Entwicklung von kleinen Sportmotorrädern, die man ein paar Jahre verfolgt hatte, auf Null gefahren. Im italienischen Werk wurde dagegen eine neue Fertigung gebaut; viele BMWler aus dem ehemaligen Formel1-Team arbeiten heute in Varese in der Entwicklung. Husqvarna ist die neue, jugendliche Sportmarke der BMW-Gruppe; prestigeträchtige Rennen wie die Rallye Dakar werden ab 2012 nicht mehr unter blau-weißer Flagge, sondern in Husqvarna-Rot-Weiß gefahren.

Klaus Allisat, der Chef von Husqvarna, erklärt die Zukunft so: “Zur Zeit ist Husqvarna nur im Offroad- und Geländesport und bei den Supermotos ein starker Name. Sicher wollen wir in diesem Bereich mehr Maschinen verkaufen und uns technisch an die Spitze setzen, aber das Sportsegment macht nur rund zehn Prozent des Motorradmarktes aus."

Um die enormen Investitionen wieder einspielen zu können, muss Husqvarna zwangsläufig zurück auf die Straße und sich einen eigenen Nischenmarkt erobern. Und den Erfolg des Minis wiederholen: Auch bei den herunter gewirtschafteten Briten hat die Synthese von bayrischer Qualität und Fertigungserfahrung mit einer Kultmarke für eine brilliante Erfolgsstory gesorgt.

Mit der Nuda ist Husqvarna auf einem guten Weg, der Mini für BMW Motorrad zu werden. Hätte man mich allerdings vorher gefragt, wären die beiden Nuda-Modelle deutlich unterschiedlicher ausgefallen: die 900 mit bequemerer Sitzbank auch für Sozia und praktischerer Reiseausrüstung, die 900 R als noch radikaleres Spaßgerät.

Fragte man die italienischen Rentner und Sachverständigen, wäre die Antwort klar: „Che Bella Macchina!“


SCHNELLCHECK

Husqvarna Nuda 900 / 900 R
Aufsteigen: ... sollte, wer ein Unikat sucht. Endlich wieder ein Motorrad, das sich nicht in bekannte Modell-Schubladen packen lässt.

Absteigen: ... muss, wer sich an einem harten Sitzbrötchen stört und geruhsame, lange Strecken zu zweit plant.

Umsteigen: ... sollte, wem die KTM 990 SMT doch zu bockig brachial und die BMW F 800 R zu tüdelig ist.

Fahrzeugschein

Hersteller: Husqvarna
Typ: Nuda 900 / 900 R
Karosserie: Motorrad
Motor: Reihenzweizylinder
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 898 ccm
Leistung: 105 PS bei 8.500 U/min
Drehmoment: 100 Nm bei 7.000 U/min
Trockengewicht: 174 kg
Tankinhalt: 13 Liter
Höchstgeschw.: > 200 km/h
Preis: 9.990,00 / 11.590,00 Euro

Mehr Infos:
http://www.husqvarna-motorcycles.com/en/motorcycles

31 Oktober 2011

BMW S1000RR 2012: Die Bayern justieren ihre Boden-Boden-Rakete neu

Mit der S 1000 RR hat BMW Motorrad 2009 einen dicken Coup gelandet, doch die Konkurrenz bei den Supersportlern rüstet auf. Mit der 2012er Version ihres Renners rücken die Münchener die Verhältnisse wieder zurecht.

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Die Motorradmesse EICMA in Mailand steht vor der Tür und die Supersportler-Szene plustern sich auf: Kawasaki kündigt die ZZR 1400 als das "Serienmotorrad mit der weltweit schnellsten Beschleunigung" an; Ducati spricht bei der neuen 1199 Panigale von einer "Revolution im Motorenbau". Honda hat für Anfang November die Fireblade zu ihrem 20jährigen Jubiläum noch einmal ordentlich gepimpt.

Da steht für BMW mit der S 1000 RR viel auf dem Spiel: Seit er 2009 eingeführt wurde, ist der 193 PS-Protz einer der Verkaufsschlager der Bayern. Ein guter Teil des Imagewechsels und der positiven Bilanzzahlen von BMW Motorrad geht auf das Konto des Supersportlers-Modells - deshalb nach drei Jahren eine erste, vorsichtige Revision.

Überarbeitet haben die bayrischen Entwickler vor allem das Fahrwerk: Die Vordergabel erhält 2012 einen komplett neuen Innenausbau, der für mehr Dämpfungskomfort sorgen soll. Die Fahrzeuggeometrie und die Rückmeldung an den Fahrer werden u.a. durch einen um 0,1 Grad reduzierten Steuerkopfwinkel und einen um 9,3 mm verringerten Radstand verändert; auch die Steuerkopflagerung und das Federbein wurden überarbeitet. Zusammen mit einem jetzt einstellbaren Lenkungsdämpfer soll dies die Ruhe und Präzision erhöhen, mit der die S 1000 RR ohnehin schon ihre Kreise zieht.

Auch an der komlexen Motor- und Kraftverwaltung hat BMW Hand angelegt. Die Gasannahme für die Rain, Sport, Race und Slick-Fahr-Modi wird durch modifizierte elektronische Mappings neu und „sensibler“ gemanagt; die Leistungskurven und Drehmomentverläufe wurden per Software neu geschrieben. Die Folgen laut BMW: mehr Durchzug in unteren Drehzahlbereichen sowie harmonische und lineare Drehmomentverläufe ohne Löcher. Leicht umgebaut ist weiter nur die Auspuffanlage; den Reihenvierzylinder-Motor selbst liefert BMW unverändert aus. Einen weiteren Leistungssprung will man den Fahrern bisher nicht genehmigen, obwohl er, so munkelt man in den einschlägigen Boxengassen, bei Rennläufen bereits erfolgreich im Testbetrieb ist.

Was BMW bei der S 1000 RR-eigenen Traktionskontrolle DTC als weiteren Fortschritt verkauft, wird die schnelleren Fahrer im Lande allerdings nicht erfreuen: eine Optimierung der Spaßverhinderung, bekannt auch als Wheelie-Erkennung: „Beim Eingriff der Wheelieerkennung erfolgt die Öffnung der Drosselklappen nun deutlich sanfter.“ Schade eigentlich, weniger wäre da mehr gewesen.

Viel mehr gibt die S 1000 RR jetzt allerdings optisch her. Das massive Heck baut jetzt deutlich schlanker, hübscher; die Seitenverkleidungen mit Kiemen rechts und Luftloch links betonen den asymmetrischen Ansatz noch deutlicher.

Chapeau, Designabteilung - auch für die Details: Unter dem Cockpit haben die Münchener nun eine wunderschön gestaltete Gabelbrücke platziert und die transparenten „Winglets“-Windleitflügelchen lockern den Vorbau auf. Die Winglets sind auch in Karbon zu haben – gegen Aufpreis, versteht sich, wie eine HP Titan-Auspuffanlage und verschiedene, zusätzliche HP Power-Kits.

Auf andere Spielereien hätte man bei der Verteidigung der Leitwolf-Rolle unter dem Superbikes allerdings getrost verzichten können: Der grafisch neu gestaltete Drehzahlmesser ist in fünf Stufen dimmbar und der Bordcomputer signalisiert nun auf Wunsch und LED-Schriftzug laut „SPEED“, wenn die festgelegte Höchstgeschwindigkeit überschritten wird.

Das erscheint bei einer Boden-Boden-Rakete mit Straßenzulassung so überflüssig wie die per Sonderausstattung verfügbaren heizbaren Handgriffe.

22 Oktober 2011

Rückrufe: Größte Harley-Parade in den USA - 250.000 Biker fahren in die Werkstatt

Rückrufaktionen sind immer nervig für die Hersteller - sie nerven und knabbern an der Reputation. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Kraftfahrbundesamt KBA in Flensburg ein lockeres Händchen führt und die Entscheidung über einen Rückruf oft den Herstellern überlässt - abhängig vom Grad der Gefährdung - ist die zuständige Behörde NHTSA in den USA knüppelhart. Kleiner Fehler, drohende Missfunktion - Rückruf.

Getroffen hat es diese Woche einmal wieder Harley-Davidson, allerdings nicht mit einem speziellen Modell, sondern mit einer imposanten Liste:

Vehicle Make / Model: Model Year(s):
H-D / FLHP 2009-2012
H-D / FLHPE 2009-2011
H-D / FLHR 2009-2012
H-D / FLHRC 2009-2012
H-D / FLHT 2009-2010
H-D / FLHTC 2009-2012
H-D / FLHTCU 2009-2012
H-D / FLHTCUSE4 2009
H-D / FLHTCUSE5 2010
H-D / FLHTCUSE6 2011
H-D / FLHTCUSE7 2012
H-D / FLHTCUTG 2009-2012
H-D / FLHTK 2010-2012
H-D / FLHTP 2009-2012
H-D / FLHX 2009-2012
H-D / FLHXSE 2010
H-D / FLHXSE2 2011
H-D / FLHXSE3 2012
H-D / FLHXXX 2011
H-D / FLTR 2009
H-D / FLTRSE3 2009
H-D / FLTRU 2010-2012
H-D / FLTRUSE 2011
H-D / FLTRX 2010-2012
H-D / FLTRXSE 2012

Manufacturer: HARLEY-DAVIDSON MOTOR COMPANY
Mfr's Report Date: OCT 19, 2011
NHTSA CAMPAIGN ID Number: 11V506000
NHTSA Action Number: N/A

Component: EXTERIOR LIGHTING:BRAKE LIGHTS:SWITCH

Potential Number of Units Affected: 250,757

Summary:
HARLEY-DAVIDSON IS RECALLING CERTAIN MODEL YEAR 2009-2012 TOURING, CVO TOURING AND TRIKE VEHICLES MANUFACTURED FROM JUNE 6, 2008, THROUGH SEPTEMBER 16, 2011. SEE THE ABOVE LIST FOR THE MODELS INCLUDED IN THE RECALL. THE REAR BRAKE LIGHT SWITCH MAY BE EXPOSED TO EXCESSIVE HEAT FROM THE EXHAUST SYSTEM.

Consequence:
THE EXCESSIVE HEAT MAY CAUSE THE SWITCH TO NOT ACTIVATE THE BRAKE LAMP OR ACTIVATE THE BRAKE LAMP WHEN NO BRAKE IS APPLIED AND/OR CAUSE A BRAKE FLUID LEAK AT THE BRAKE LIGHT SWITCH, AFFECTING REAR BRAKE PERFORMANCE. EITHER CONDITION MAY INCREASE THE RISK OF A CRASH.

Remedy:
HARLEY-DAVIDSON WILL NOTIFY OWNERS, AND DEALERS WILL A INSTALL A REAR BRAKE LIGHT SWITCH KIT, FREE OF CHARGE. THE SAFETY RECALL IS EXPECTED TO BEGIN ON OR ABOUT OCTOBER 31, 2011. OWNERS MAY CONTACT HARLEY-DAVIDSON AT 1-414-343-4056.

Was liegt also an?  Der Bremslichtschalter könnte bei längerer Fahrt durch die Hitzeabstrahlung des Auspuffs zu heiß werden; Irgendwie verschmoren und seltsamerweise könnte auch Bremsflüssigkeit austreten. Wie das gehen soll - wissen nur Spezialisten. Harley tauscht das Bauteil kostenlos aus - bei der großen Harley-Parade in die Vertragswerkstätten. Von denen es übrigens 2012 weniger geben soll, H-D dünnt das Händlernetz gerade aus.

Zur deutschen Sachlage:

Gefährdung: http://www.kba.de/cln_033/nn_125106/SharedDocs/FAQ/Produktsicherheit/faq__was...

Rückrufe: http://www.kba.de/nn_125004/DE/Fahrzeugtechnik/Produktsicherheit__Rueckrufe/R...

20 Oktober 2011

EBR 1190 RS: Ami-Attacke - Special Forces auf dem Biketoberfest

Im Jahr 2009 wickelte Harley-Davidson die Sportmotorrad-Tochter Buell brutal ab. Jetzt ist der totgesagte Konstrukteur Erik Buell zurück – mit dem radikalen Supersportler EBR 1190RS. Moto1203 fuhr für SPON die erste Maschine, die nach Europa geliefert wurde.

Traditionell Ende September und parallel zum Münchner Oktoberfest schenken sich die Liebhaber von Zweizylinder-Motorrädern in Oschersleben richtig ein. Im Festzelt fließt das Bier; die Trachtenkapelle zieht durch das Fahrerlager. Doch richtig ab geht die Musi auf dem Rundkurs, wo sich Semi-Profis und Hobby-Racer auf Ducatis, Buells und BMW-Boxern austoben. Die Rennen beim „Biketoberfest“ tragen Namen, die Programm sind: Pro Thunder, Vintage Bears, SuperClassixs – die meisten Maschinen und auch Fahrer sind meist älterer Provinienz. Brandneue Fahrzeuge verirren sich nur selten zu diesem Familientreffen.

„Alles easy, die Strecke in Oschersleben ist total übersichtlich und die 1190er ist so handlich zu fahren wie ein Fahrrad“, sagt der Besitzer der 1190RS, Thomas Wanner.

Wanner, der das Pegasus Race Team unterhält, ist selber Racer und hat daher leicht reden. Weiß der Mann, was er da tut? Rennrunden mit schnellen Motorrädern sind statistisch gesehen ungefährlicher als der Hamburger Stadtverkehr, doch ich bin bestenfalls Hobby-Racer. Und die Mascine mit dem sperrigen Namen EBR 1190RS, die er mir leichtfertig anvertraut, ist ein sehr spezielles Motorrad.
155 PS am Hinterrad, 179 Kilogramm leicht, aufgebaut aus Aluminium- und Magnesiumteilen, gepimpt mit jeder Menge Karbon. Pure Superbike-Power, Made in USA.

Ihr Erbauer, der amerikanische Konstrukteur und Tüftler Erik Buell, hat bei der EBR 1190RS auf Schnickschnack wie Traktionskontrolle oder ABS verzichtet, sonst wäre ihr Preis, der bei rund 44.000 Euro bei Lieferung frei Haus liegt, über die 50.000 gestiegen. Mehr noch: Buell baut von dem Motorrad zunächst eine limitierte Auflage von hundert Exemplaren. Wanners Maschine ist zurzeit die einzige in Europa.

Mir ist leicht mulmig. Diese Testrunde sollte definitiv nicht im Kiesbett enden.

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Kein Problembär

Gute Fahrer – also alle anderen auf der Strecke vor mir - nehmen etwa 70 bis 80 Stundenkilometer mit, wenn sie in Oschersleben durch die Kurve vor Start-und-Ziel dengelt und in die lange Gerade hinein beschleunigen. Doch auch bei meinem Flautensegeln merkt man: Die 1190RS hat so viel Power und Drehmoment, dass nach rund 600 Metern mit gelegentlichem Kontakt des Vorderrads zur Fahrbahn drei, vier Gänge durchgeschaltet sind. Am Bremspunkt sind knapp 250 Stundenkilometer erreicht, bevor man voll in die Eisen geht.

Diesen Stress steckt das Fahrwerk der 1190RS viel besser weg als ich. Das Chassis besteht aus einem massiven Alu-Rahmen mit integriertem Tank; die Magnesiumfelgen werden vorne über eine Öhlins-Upside-Down-Gabel und hinten über die Schwinge mit einem Federbein ebenfalls von Öhlins geführt. Erik Buell hat wie üblich nur hochwertige Komponenten verbaut und ist den Grundwerten seiner Philosophie dabei treu geblieben: Masse möglichst tief; im Vorderrad gibt es weiterhin nur die gewaltige Einzelbremsscheibe. Sie reicht aber offensichtlich vollkommen aus, um die Urgewalt des Motors zu zügeln.

Das wassergekühlte V-Twin-Aggregat bringt, je nach Messpunkt Kurbelwelle (174 PS) oder Hinterrad (155 PS) bärenstarke Leistung, unbeeindruckt und vollkommen linear ohne Löcher, selbst aus den tieferen Drehzahlen, die meinen ersten Testrunden geschuldet sind. Der Motor ist bereits aus der Buell 1125 bekannt, die vor der übereilten Schließung der Produktion durch die damalige Mutter Harley-Davidson im Oktober 2009 als letztes Modell vom Band rollte. Gebaut bei Rotax in Österreich, und von EBR in East Troy, Wisconsin auf 1190 Kubik aufgebohrt, wird es von amerikanischen Fahrern und vom Pegasus Race Team bereits erfolgreich in der reinen Rennversion 1190RR eingesetzt.

Die leicht modifizierte Straßenvariante 1190RS steht ihrer Rennschwester auf dem Rundkurs von Oschersleben kaum nach. In den Schikanen und an den Einlenkpunkten der Kurven erweist sich der 179 Kilogramm leichte Einsitzer als extrem handlich; Wanners Vergleich mit dem Fahrrad ist nicht allzu weit hergeholt.

Nach den ersten Runden haben sich mein Respekt und Adrenalin-Spiegel allmählich eingepegelt; wenn man das Motorrad flüssig laufen lässt, sucht es sich fast spielerisch seinen Weg und leitet auch Gelegenheits-Racer wie unsereins sicher über die Strecke. Wanner, der schneller fährt, und sein Spitzenfahrer Harald Kitsch bestätigen unisono, dass sich die 1190RS auch im Grenzbereich absolut gutmütig verhält.

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Der Chinese soll es richten

Im Vergleich zum 2009 geschlossenen Werk, in dem immerhin über hunderttausend Buells vom Band liefen, ist Erik Buell Racing in East Troy, Wisconsin eine kleine Klitsche – aber groß genug, um hundert Maschinen in Handarbeit zu fertigen. Diese Stückzahl muss EBR innerhalb von zwei Jahren erreichen, um mit den Maschinen bei der amerikanischen AMA-Rennserie gegen die japanischen Superbike-Rennställe antreten und weiter glänzen zu können. Denn ohne Podiumsplätze und Pokale geht nichts: Erik Buell lebt als Konstrukteur von seinen Rennerfolgen wie Apple von Design-Preisen.

Wie aus der in den USA für die Straße zugelassenen Rennmaschine allerdings ein kommerzielles Nullsummenspiel oder gar ein Erfolg werden soll, ist allerdings noch völlig offen.


Erik Buell hat aus dem von Harley verfügten Nichts heraus ein amerikanisches Superbike gebaut, das der japanischen Konkurrenz, der Ducati 1198 und der BMW S 1000 RR das Wasser reichen kann. Mehr noch: In Sachen Exklusivität lässt der Herausforderer die Platzhirsche weit hinter sich. Hundert Stück gehen daher sicher selbst zum exorbitanten Preis von 45.000 Euro und per Einzelzulassung weg – die meisten wohl an Sammler und US- Patrioten, die lange auf ein Superbike aus amerikanischer Hand gewartet haben.

Doch von der Serienfertigung, die Erik Buell vorschwebt, und einem schlüssigen Geschäftsmodell ist er weit entfernt. Erst ab schätzungsweise 5.000 gebauten Exemplaren lässt sich ein Verkaufspreis um die 20.000 Euro realisieren, der potenzielle 1190RS-Käufer mobilisieren könnte. Für diese Stückzahlen braucht auch der Technik-Magier Erik Buell eine geordnete Fertigungsstraße – und einen Investor mit viel, viel Geld.

Doch EBR, so hört man, feilt bereits an einem entsprechenden Business-Plan, und spricht neuerdings mit chinesischen Geldgebern. Förderlich bei den Meetings wäre sicher, wenn Erik seinen Markennamen Buell mitbringen könnte – doch die Trademark ist weiterhin in Besitz von Harley-Davidson und der Heavy Metal-Goliath scheint nicht hat gewillt, ihn rauszurücken.


Ob das was wird mit den Chinesen und dem neuen Namen: Die Buell? Bei Erik Buell weiß man nie – tot gesagt wurde er jedenfalls schon oft genug.

Fahrzeugschein
Hersteller: Erik Buell Racing
Typ: ERB 1190RS
Karosserie: Motorrad
Motor: Flüssiggekühlter V-Twin-Viertakter
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 1190 ccm
Leistung: 155 PS bei 9750 U/min
Drehmoment: 97,0 Nm bei 9400/min
Tankinhalt: 17,1 Liter
Höchstgeschw.: 275 km/h
Preis: 44.000 Euro
Mehr Infos:
http://www.erikbuellracing.com/
http:// http://www.pegasusraceteam.com/

18 Oktober 2011

Geschäftsbericht Quartal 3/2011: Harley macht wieder dicke Backen

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Schnelle Notizen aus dem Bericht über das dritten Quartal 2011 bei Harley-Davidson - verglichen mit dem gleichen Quartal im Vorjahr 2010, schreibt Harely-Davidson wieder bessere Zahlen. Die Abverkäufe gingen um 5,1 Prozent nach oben. Damit kann Harley mit rund 230.000 Verkäufen 2011 rechnen - ungefähr dem Level des Jahres 2002. Den Rekord vermeldete die Firma im Jahr 2007 mit 273.000 Unit, bevor es bis zum Tiefpunkt 2010 mit 143.000 Verkäufen kam.

Illusionen über eine vollständige Erholung des Marktes macht sich Harley dennoch nicht: "2008 hat die ökonomische Landkarte in diesem Land (USA) vollständig verändert," sagte Keith Wandell, CEO von HD. "Und wenn jemand glaubt, dass es wieder wie vor 2008 werden wird .. es wird nicht passieren."

Die Strategie von Harley basiert deshalb für die nächsten Jahre auf drei Pfeilern: die Ausdünnung des Händernetzes, das Ansprechen von anderen Kunden, ohne die alten zu verprellen, sowie einer Entwicklung des Sortiments nach unten - Harley soll an der Entwicklung eines Einzylinder-Einsteigen-Bikes arbeiten, vergleichbar mit der alten Buell Blast.

Hinzu kommen Kooperationen - wie mit dem Playboy bei der gemeinsamen Website pbkeyclub.com, von der man sich nach erfolgreicher Registrierung Bilder von Playmates runterladen kann. Kostenlos.

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Brilliantes Geschäftsmodell: Guzzi ekelt die letzten Kunden raus

Die Fahrer und Fahrerinnen von Moto Guzzi sind Leid gewöhnt. Sie stehen seit Jahrzehnten zusammen mit Exoten wie dem Nördliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) oder die Rotbauchunke (Bombina Bombina) auf der Roten Liste gefährdeter Arten und sind akut vom Aussterben bedroht.

Da bietet sich der Rückzug in geschützte Reservate zum Artenerhalt an.

Seit 1996 war der letzte Freilauf in Deutschland das world-of-guzzi.de Forum, in dem sich seither eine enge Bruderschaft von eingefleischten Guzzisti zusammengerottet hatte - um sich Mut zuzusprechen, um Erfahrungen auszutauschen, sich an der Vergangenheit zu ergötzen oder auf eine bessere Zukunft zu hoffen.
Die Gegenwart sah nämlich nicht besonders vielversprechend aus. Seit Anfang des Jahrtausend wird um die vollkommene Schließung des Werkes gestritten, Studien von neuen Modellen oder gar neuen Motoren bleiben haltlose Studien, gestreikt wird im Werk regelmäßig und der Mutterkonzern Piaggio hat im Oktober 2009 mal wieder eine Finanzspritze (12 Mio. Euro) aufgezogen, doch der Patient bleibt trotz der Injektion malad.

Gut, wenn man da eisenhart treue Fans hat, wie eben die User von world-of-guzzi.de. Bei Mopeten.tv kann man in Folge 16 aus 2007 erfahren, wie der deutsche Guzzifahrer zu seiner Marke hält: "Paul Denzer (ehemaliger Moderator des Forums, leider mittlerweile verstorben) reiste (...) mit Spenden aus dem Forum ins Guzziwerk, um für die Arbeiter dort eine Weihnachstfeier auszurichten."
Ich kenne hartgesottene Marketing-Profis, die gehen bei solcher siamesischer Kundenbindung vor Andacht in die Knie und beten mehrfach ein stillen Vaterunser.

Religiöse Gefühle beim Fan bringen die Resteverwalter, Controller und Haus-Juristen bei Piaggio (Diese Spezies Mitarbeiter scheint inzwischen in der Überzahl dort zu sein ...) jedoch in keinster Weise vom richtigen Weg ab: Die Marke und vor allem der Markenname ist zu schützen, da heilig Gut.
Nach 15 Jahren Forum-Betrieb erhielten die Betreiber von world-of-guzzi.de daher jetzt mehrfach die Aufforderung, der Begriff "Guzzi" aus dem Namen zu tilgen - ich vermute, Piaggio hat es auf die Domains world-of-guzzi.de und world-of-guzzi.com sowie die Facebook-Fanpage World of Guzzi abgesehen.

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Die Wildhüter von world-of-guzzi.de schreiben aus dem Reservat: "In mehreren Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen wurde von uns u.a. verlangt den Namen unserer Website aufzugeben und unser Projekt insgesamt ohne den Begriff 'Guzzi' im Namen zu betreiben. Die Begründung erschließt sich uns absolut nicht. Inzwischen wird aber mit Klage gedroht - daher nehmen wir mit sofortiger Wirkung alle Inhalte offline."

Sie hoffen weiter: "Gewachsene Freundschaften und Beziehungen können nicht durch die unserer Meinung nachunsinnigen Ansinnen von Konzernvertretern oder deren Erfüllungsgehilfen kaputt gemacht werden."

Ich könnts nicht besser sagen als der Kollege @systemstig: "Genau, Piaggio! So verkauft man Motorräder! Kunden ans Bein scheißen, die sich jahrelang in unerschütterlicher Hingabe eure schief zusammengenagelten Schrottkähne schöngeredet haben. *clap* *clap* *clap*"

Ich hab jedenfalls bei Piaggio die Gründe nachgefragt. Mal sehen, was von dort kommt ...

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05 Oktober 2011

Louis ist Versandhandel des Jahres, Detlev Louis erhält Lifetime Award

Im Rahmen des Deutschen Versandhandelskongresses wurde Detlev Louis, Europas größter Motorradzubehör-Händler, gleich zweifach ausgezeichnet.

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Zum einen wurde dem Unternehmen Louis der Preis “Versender des Jahres” verliehen. Damit befindet man sich in bester Gesellschaft mit Namen wie Tchibo oder Conrad. Von ursprünglich zehn Nominierten standen diesmal Cyberport und MyToys mit im Finale. Letztendlich fiel die Entscheidung auf Louis, insbesondere die herausragenden Leistungen beim Kundenservice, aber auch die stets frühe Umsetzung neuartiger Technologien gaben hier den Ausschlag.
Der 92-jährige Detlev Louis, der erst kürzlich seinen Sohn Stephan Louis verloren hat, selbst wurde mit dem “Lifetime-Award” für sein unternehmerisches Lebenswerk geehrt. Er habe als Unternehmer erfolgreich nach den gleichen Prinzipien gehandelt, die ihn zuvor bei zahlreichen Motorradrennen siegen ließen: Ein Rennen wird im Kopf, auf der Strecke und im Team gewonnen. Dem habe "Detlev Louis in hervorragender Weise entsprochen, in dem er immer wieder kluge Entscheidungen traf und Chancen ebenso erkannte und nutzte wie die Talente seiner Mitarbeiter. Er sei DER Pionier in Deutschland, wenn es um die Beschreitung neuer Vertriebswege geht und damit allen Händlern bis heute ein Vorbild."
In seinem 1938 in Hamburg gegründeten Motorradgeschäft reparierte und verkaufte Detlev Louis zunächst gebrauchte Motorräder. In den folgenden Jahrzehnten importierte er verschiedenste Motorradmarken aus England. Bereits 1965 brachte er seinen ersten Versandkatalog heraus und übernahm 1969 den Import der damals noch völlig unbekannten Marke Kawasaki. Nach und nach baute er das heute über 60 Geschäfte umfassendes Filialnetz auf, pro Jahr kommen etwa drei Läden hinzu. Vor etwas über einem Jahrzehnt ging der Louis-Online-Shop an den Start, heute die meistbesuchte Motorradseite im deutschen Web. Der Versand erfolgt über ein hochmodernes Logistikzentrum in Hamburg-Allermöhe. In Deutschland und Österreich zählt das Unternehmen derzeit 1500 Mitarbeiter.

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15 September 2011

Countdown Imola: Honda fährt mit Motorrad-Bloggern nach Italien

Neun Motorradfahrer, 2500 Kilometer, ein Ziel: Imola. Zusammen mit Motorrad-Bloggern aus ganz Deutschland fährt Honda auf einer langen Tour durch Deutschland, Österreich, Lichtenstein und die Schweiz nach Italien.

Die Biker starten auf den Honda-Motorrädern Fireblade, Crossrunner, Varadero, CB1300 und der VFR1200 mit Doppelkupplungsgetriebe am 22. September am Firmensitz von Honda Deutschland in Offenbach, fahren vorbei am Bodensee über Alpenpässe bis zum Autodromo Enzo e Dino Ferrari.

Dort ist vom 23. bis 25. September das Rennwochenende der Superbike-Weltmeisterschaft – denn in Imola wartet auf die Teilnehmer neben einem Treffen mit den Fahrern des Honda Superbike-Teams eine Überraschung.

Die gesamte Tour – fünf Tage von Offenbach nach Imola und retour – kann live im Internet mitverfolgt werden. Denn während der Fahrt wird gefilmt, gepostet, gesendet und getwittert. Los geht es am 22. September um 8 Uhr.

Mittels Live-Webcam und den Online-Portalen Twitter und Facebook kann jeder beim „Countdown Imola“ dabei sein. Auf Twitter (www.twitter.com) ist der offizielle Hashtag #cti11. Bei Facebook wird die Reise auf dem Honda Motorrad-Kanal „Are you ready for Honda?“ http://www.facebook.com/areyoureadyforhonda begleitet. Dazu noch auf den Webseiten http://www.fireblade-forum.de und http://road-blog.de.

Einige der Teilnehmer kennen sich bereits aus dem Jahr 2010, als Honda den Road Blog unterstützt hat. Rückblick: An zwei Tagen tourten acht Motorradfahrer jeweils auf einer Honda VFR1200F mit Doppelkupplungsgetriebe insgesamt 1700 Kilometer durch Deutschland. Der damals entstandene Film - der Macher VJstephan kann diemal leider nicht mitfahren - gewann den Deutschen Webvideopreis 2011 – hier der Film:



Unterwegs sind diesmal:

Alexander Pistonpin: (Twitter, Blog)
Gerhard Buenos Dias: (Facebook)
Griesgram999 (Twitter, Facebook, Blog
Mike Broaaaa (Twitter, Facebook, Blog)
MoeMoe Fnord (Twitter, Facebook, Blog)
Murat Zehrer (Der große Unbekannte)
Olli (Twitter, Facebook)
Rainer Friedman (Facebook, CBR-Forum)
Ralf Schrm (Twitter, Facebook, Blog)

Die Tour wird wie im vergagenen Jahr von anderen Herstellern unterstützt: Die Nolangroup Deutschland stellt den Fahrern Helme von X-Lite, Rukka schenkt den Bloggern Funktionsunterwäsche und einen Gore Tex Windstopper Halsschutz, Ortlieb rüstet die Biker mit Tankrucksäcken und Gepäckrollen aus und die Action-Kameras kommen von HeKaSys.

Denn auch am Ende dieser Reise wird es hoffentlich wieder einen Film geben – aber schon vorher jede Menge Tweets, Facebook-Einträge, Fotos, Videos und noch mehr Motorradabenteuer beim „Countdown Imola“.

14 September 2011

Test Piaggio MP3 Yourban 300 LT: Der gefährliche Hausfreund

Achtung! Mit dem flotten Dreirad MP3 Yourban von Piaggio holen Sie sich viel Spaß, aber auch gewaltigen Ärger ins Haus. Ihre Frau Gemahlin wird den Roller nämlich auch fahren wollen - einfach so mit dem Autoführerschein. Allerdings eher in der Stadt als während einer Tour über die Landstraße.

Eine rote Ampel ist immer wieder eine kleine Show. Mit dem Piaggio MP3 Yourban 300 LT pirschen Sie sich ran, die Geschwindigkeit fällt unter zehn km/h - und Klick! Ein Schalter am rechten Griff hilft Ihnen, Haltung zu bewahren. Der Yourban hat drei Räder; mit etwas Übung halten Sie an, ohne die Füße abzusetzen. Das elektronische Roll-Lock-System des Rollers stabilisiert die vordere Radaufhängung. Die ungläubigen Blicke der PKW-Fahrer sind Ihnen sicher.

Genau so cool geht es weiter. Bei Grün starten Sie durch; die Arretierung löst sich beim ersten Gasgeben automatisch, und der Yourban zieht los. Schalten und Kuppeln können Sie Dank des stufenlosen Automatikgetriebes und der Fliehkraftkupplung ebenso vergessen wie schlechte Straßen und gängige städtische Stolperfallen wie Straßenbahnschienen. Der Piaggio hat eine ausgeklügelte Parallelogramm-Vorderrad-Aufhängung; die macht ihn nicht nur gefühlt zu einem sicheren Fahrzeug und bügelt Unebenheiten elegant aus.

So etwas könnte noch in Ihre Garage passen. Ach, Sie haben gar keinen Führerschein für Motorrad oder Roller? Macht nichts, fahren Sie trotzdem.

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Smarte italienische Einzelgänger

Möglich macht das Fahren des Yourban ohne Motorradführerschein die Vorderrad-Konstruktion des Rollers. Die beiden 13-Zoll-Räder haben exakt eine Spur von 465 Millimetern Breite - der Yourban LT ist kein Zweirad mehr und damit erlaubt das deutsche Recht das Führen des Fahrzeugs mit der normalen Fahrerlizenz Klasse B.

Und das gilt für alle Führerscheinbesitzer trotz der beschlossenen Reform im Jahr 2013. In Italien ist noch eine andere Variante mit einer größeren Spurbreite in Angebot. Dafür ist dann allerdings ein Motorradführerschein nötig.

Die Rechtslage führt allerdings auch dazu, dass alle MP3 LT mit einem im ersten Moment verwirrenden Bremssystem ausgerüstet sind: Unter dem Tacho findet man den Hebel für die Feststellbremse - die man aber beim Anfahren gerne vergisst. Die beiden Handbremshebel am Lenker, die mit den drei Scheibenbremsen verbunden sind, würden zur zügigen Stopp vollkommen ausreichen. Dem Recht geschuldet ist dagegen das antiquierte Fußbremspedal im Durchsteigtunnel. Vorschrift halt; es gibt Schlimmeres.

Bei Piaggio Deutschland ist man erstaunt, warum noch kein anderer namhafter Hersteller diese Nische vorgestoßen ist. Denn mit dem Trick, einen Roller mit drei Rädern auszustatten, haben die Italiener vor fünf Jahren einen regelrechten Coup gelandet: Mitte des Jahres wurde der 80.000ste MP3 ausgeliefert - und etwa jeder Zehnte ging nach Deutschland. Fast jeder davon ist eine LT-Variante für den Autoführerschein, die perfekt zu ihren Zielgruppen passt: Frauen und junge Arbeitsplatz-Pendler.

Das Problem dabei: Wenn beide Zielgruppen in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, wird die Streitfrage, wer den Yourban fahren darf, zwangsläufig auftauchen.

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Die rollende Damenhandtasche

Der Yourban 300 LT, der seit Juni neu auf dem Markt ist, muss anders als das bullige Touring-Modell 400 LT mit 121 Kubikzentimeter weniger auskommen. Der noch Einzylinder-Viertakter leistet nur noch 22,7 PS, ihm geht schon bei knapp 120 km/h die Luft aus. Für eine Reise oder einen längeren Ausflug über kurvige Landstraße ist die Maschine zu schwach.

Für Stadtfahrten und kleinere Ausflüge an den nahegelegenen Baggersee ist er jedoch ideal: Die Young-Urban-Version ist leichter und flotter beim Ampelstart als der große Bruder und die ebenso erhältliche, aber wesentlich teurere Hybrid-Variante mit Rückwärtsgang.

Für den Nachwuchs-Banker, der noch keinen Firmen-Parkplatz in der City-Tiefgarage ergattern konnte, ist der Roller auch mit genügend Windschutz für das Office-Outfit versehen. Die Laptop-Tasche passt perfekt in das Staufach unter dem Sitz; für die nassen Übergangsmonate bietet Piaggio gegen Aufpreis einen auf den MP3 zugeschnittenen Beinschutz aus wasserdichtem Material, einen höheren Windschild und einen geräumigen Koffer an.

Das eigentliche Revier des Yourban, der modisch chic in den Wahlfarben Schwarz Cosmo, Rot Ibis und Silber Orione daher kommt, sind jedoch die raren Parkflächen am Rande von Fußgängerzonen und Shopping-Meilen wie der Düsseldorfer Kö.

Hier treibt vor den Straßen-Cafes die modernen Verkehrskonzepte der "Urban Mobility" die Fahrerinnen von Smarts bei der Parkplatzsuche in den Wahnsinn. Hier bewährt der Yourban sich als rollende Damenhandtasche. Rauf auf den Randstein, Feststellbremse arretieren, und unbeschwert flanieren.

Allerdings: In das Staufach unter der Sitzbank passen beim Yourban außer dem Jet-Helm, dem farblich abgestimmten Armani-Schal und der Kreditkarte nur noch wenige, kleinere Einkaufstüten.

Ein Trost also. Ganz so teuer wie befürchtet wird Sie der Yourban trotz des stolzen Anschaffungspreises von 6690 Euro (inklusive Nebenkosten) auf Dauer doch nicht kommen.

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08 September 2011

Ausstellung: 61 Motorräder im Audi museum mobile in Ingolstadt

Audi beleuchtet mit einer Sonderausstellung im Audi museum mobile in Ingolstadt all die Facetten des Motorrads. 47 verschiedene Marken, 33 Leihgeber - vom 10. September 2011 bis 31. Januar 2012 werden auf der Wechselausstellungsfläche 61 Motorräder zu bestaunen sein.

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Der Legende nach war ein Motorrad der Auslöser dafür, dass August Horch ebenfalls motorisierte Fahrzeuge bauen wollte: Als Hildebrandt & Wolfmüller Ende des 19. Jahrhunderts das erste Serienmotorrad der Welt präsentierten, soll der geniale Ingenieur und Tüftler so begeistert gewesen sein, dass er wusste, was er fortan wollte. Umgehend soll er sich bei Benz in Mannheim beworben haben, wenig später gründete er Horch & Cie. Und 1909 sein zweites Unternehmen – AUDI.

Die AUDI AG blickt auf eine teilweise inzwischen vergessene Zweirad-Geschichte zurück. Die Unternehmensgeschichte der Vorgängermarke Wanderer fußt auf der Produktion von Fahrrädern und später Motorrädern. NSU war 1955 größter Zweiradhersteller der Welt, DKW 1928 und 1936. Die Motorräder von DKW waren es auch, die der damaligen Auto Union, heute AUDI AG, nach der Entwurzelung durch den Zweiten Weltkrieg von Sachsen nach Bayern, das Überleben sicherten. Zu einer Legende stieg hierbei die DKW RT 125 auf – das meistkopierte Motorrad der Welt.

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Zum allerersten Mal zeigt das Audi museum mobile deshalb eine Ausstellung, die ganz dem Thema „Motorrad“ gewidmet ist. Denn in der facettenreichen Geschichte der AUDI AG spielt das Motorrad eine wesentliche Rolle. Nicht nur die Tatsache, dass August Horch, Gründer der Marken Horch und Audi, durch die Vorführung eines Motorrads zum Automobilbau gefunden hat - auch die Standortgeschichte des Werks Ingolstadt ist ohne Motorrad so nicht denkbar. Als Neustart nach dem Krieg, diente ein Motorrad aus der Vorkriegszeit, das im Wirtschaftswunder des Wiederaufbaus zum erfolgreichsten und meistkopierten Motorrad der Welt werden sollte: die DKW RT 125. Ausgehend von diesem unscheinbaren Zweirad, das auch für Yamaha und Harley Davidson den Beginn einer erfolgreichen Motorradproduktion markierte, beleuchtet Audi Tradition mit dieser Ausstellung die Zeit in der Geschichte des Motorrads, in der das Kraftrad nach seinem Niedergang als Transportmittel Ende der 1950er Jahre, zu Beginn der 1970er Jahre eine Renaissance als Freizeitvergnügen und Sportgerät erlebte.

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Eine Phase in der man bei Audi zwar keine Motorräder mehr baute, in der aber nach wie vor der Geist von DKW und NSU Maschinen spürbar ist. Gezeigt werden alle Varianten des motorisierten Zweirads von Motocross über Enduro und Trial, aber auch Exoten und Superlative sind Bestandteil dieser einmaligen Zusammenstellung von insgesamt 61 „KraftRädern“.

Auf die Besucher wartet eine Ausstellung voller Überraschungen und ein außerordentliches Konzept. Bis auf die vier ausgestellten Gespanne, werden sämtliche Motorräder an den Wänden hängen. Das Highlight: In der Mitte der Fläche wird der Kessel-Nachbau einer Steilwand aufragen. Mittendrin eine DKW und NSU Steilwandmaschine – die Jahrmarktsattraktionen der 1950er und 60er Jahre und auf dem Münchener Oktoberfest bis heute nicht wegzudenken.

Quelle: Audi Tradition

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07 September 2011

Honda und der EV-neo: Wohin fährt der Mubarak der Branche?

Für sich genommen, war der 24. August ein Tag wie jeder andere im Jahr 2004.

Ich saß in einem Zug in Richtung Süddeutschland. In Russland sprengte eine Gruppe von tschetschenischen Selbstmordattentäterinnen zeitgleich zwei Flugzeug, die gerade vom Moskauer Flughafen Domodedovo abgehoben hatten. In Tokyo stellte Honda am 24. August 2004 den ersten fahrbereiten Prototypen eines Elektro-Rollers, des Moped-EV, vor.

Die Weltlage war also so wie immer im Jahr 2004. Ich ging meiner Wege, der Terrorismus ging seiner, und Honda war eine Weltmacht auf dem Motorradmarkt, der sich von einer Delle in der Konjunktur Ende des vergangenen Jahrhunderts schnell erholt hatte. Es war nicht abzusehen, dass sich etwas verändern würde: Honda war King unter den Japanern, und die Japaner zeigten, wo es lang ging, den Europäern. Die litten unter dem Nippon-Technik-Terror.

Deshalb schien die Ankündigung in Tokyo, in "kurzer Zeit" mit der Serienproduktion des Moped EV zu beginnen, durchaus glaubhaft. Die Zeit für Honda schien reif, nachdem man sich seit 1994 mit der Entwicklung von E-Bikes beschäftigt und mit dem CUV ES einen E-Scooter als japanisches Behördenfahrzeug gebaut hatte.

Bilder: Moped EV, (c) Honda

Auch das Fahrzeug schien reif. Es wog mit einem Alu-Rahmen nur 44 Kilo, lief mit neuartigen Nickel-Wasserstoff-Akkus, die 3,6 kW lieferten, und hatte eine "außergewöhnlich lange" Reichweite. Honda, der Marktführer auf ewig und Mubarak der Zweirad-Technologie, hatte es mal wieder allen gezeigt, damals im April 2004.

Inzwischen sind sieben Jahre vergangen und alles ist anders. Die Leitmarken in Sachen Motorrad-Technologie sitzen allesamt in Europa und heissen BMW, Triumph, Ducati und Aprilia. Den Japanern und vor allem Honda ist der Saft ausgegangen. Dafür haben sie an totem Gewicht zugelegt. Sie hören nicht zu, wenn ihre europäischen Statthalter ihnen etwas verklickern oder vorschlagen, oder verstehen es einfach nicht.

Im Juni 2011 - man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Schlappe 17 Jahre nach dem ersten ausgelieferten CUV ES und lange sieben Jahre nach dem Moped-EV - im Juni 2011 also, stellte Honda in Barcelona den Elektroroller EV-neo vor: der japanische Betrag zur technologischen Weiterentwicklung des Zweirads, ein "Quantensprung."

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Bild: EV-neo, (c) Honda

Der EV-neo hat einen Sitz, leistet 2,8 kW, aber ist dafür 110 Kilogramm schwer, 66 Kilo schwerer als das 1994er Moped-EV. Als Reichweite wird "max. 40 Kilometer" angegeben. Hondas Antwort auf Peugeot-Roller und kommende BMWs E-Scooter wird zur Zeit noch nicht auf dem Markt angeboten - sie wird mit einer Mega-Flotte von 18 Fahrzeugen von der Stadtverwaltung von Barcelona getestet.

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Meine Prognose: Der EV-neo wird nie in private Hand geraten, sondern noch weitere sieben Jahre getestet. Zu Recht. Mit diesem peinlichen Teil würde man sich selbst an der Trinkhalle bei den Baumarkt-Roller-Spezies lächerlich machen.

Wieviele Flutkatastrophen, Tsunamis und Fukushimas gab es eigentlich in den letzten Jahren in Hondas Research & Development-Abteilung? Kann das mal jemand checken? Oder einen Arzt rufen, der etwas gegen die Schockstarre unternimmt?

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01 August 2011

#alpen50: In die Berge mit den wilden Fuffzigern

Auf der Website Twittiods on Tours planten Extrem-Ridexperience-Spezialisten seit Wochen ihre Rundfahrt – eine entschleunigte Tour von Darmstadt aus über die Alpen und zurück. Am Wochenende ging es jetzt los.


Am Sonntag wurden die Motoren im Konvoi angeworfen: Von der “Handwaschpaste-Ranch” in der Nähe von Darmstadt eine Woche später hin zum großen Ziel – einem Alpenpass über 2000 Meter.

Zurück legen wollen zehn hoch motivierte Piloten und Pilotinnen die rund 1000 Kilometer lange Strecke ins Hochgebirge und zurück mit einem bunt zusammengewürfelten Fuhrpark: Honda XL 50, ST50 Dax, CY50, MT5, Vespa V 50n, Yamaha DT50 und RD50, Suzuki TS50 und Simson S50 – alles Fahrzeuge also, die kleine Versicherungskennzeichen und eine (offizielle) Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h haben.

Verfolgen kann man die Tour live bei Twitter unter dem Hashtag #alpen50, denn fast alle Piloteure sind süchtige Zwitscherer: Am Start sind u.a. @linuxer24, @pistonpin, @Moppethexe, @schrm, @spacemuck, @_seitwaerts_ und @ErnieTroelf.

Was ihr dabei an Spontanmeldungen und Konversationen zu erwarten habt, könnt ihr auch hier mitverfolgen; wir blenden den Hashtag-Strom hier für euch ein.