04 November 2011

Husqvarna mit ABS - aus Kostengründen leider nur fürs Gelände

Volles Programm bei Husqvarna: Vergangenen Woche erst die Vorstellung der beiden neuen Nuda in Sardinien, diese Woche jetzt noch reingequetscht vor die nächste Woche beginnende Eicma - die Vorstellung eines neuen Offroad ABS-Systems im Enduro-Park Hechlingen.

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Bei dem zusammen mit BMW entwickelten und in der Husqvarna TE-449 verwendeten System handelt es sich um ein sogenanntes 2-Kanal-ABS. Der Aufbau besteht aus zwei Radsensoren und zugehörigen Impulsrädern zur Erfassung der Drehzahlen an Vorder- und Hinterrad, einem ABS-Druckmodulator sowie Hydraulik und elektronischer Regeleinheit. Aufgrund der besonderen fahrdynamischen Anforderungen im sportlichen Geländeeinsatz erfolgt die ABS-Regelung ausschließlich am Vorderrad. Die Hinterradbremse wird nicht geregelt, und das Hinterrad kann damit vom Fahrer bewusst blockiert werden.

Zum derzeitigen Stand sind die bei Motorrädern in Serie befindlichen ABS nur bedingt für den Offroad-Einsatz geeignet und bieten aufgrund ihrer Regelungs-Definition auf Untergründen wie etwa Schotter nicht die maximal mögliche Brems-Performance.

Aus diesem Grund wurden für das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS die relevanten Parameter und insbesondere die Schlupfschwellen im Sinne höherer Brems-Performance im Gelände angepasst. Da am Hinterrad keine ABS-Regelung erfolgt, wurde auch die Stützung der Referenzdaten für Fahrgeschwindigkeiten und Radbeschleunigungen entsprechend optimiert. Die zusätzliche Verwendung der Hinterraddrehzahl stützt hierbei die Referenzgeschwindigkeit für das Vorderrad und macht das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS besonders robust.

In der Praxis profitieren insbesondere sportlich ambitionierte Hobby-Enduristen von den Vorteilen, die das weniger als 1,5 Kilogramm schwere Husqvarna Offroad ABS bietet. Neben einer deutlich spürbaren Steigerung der Brems-Performance gegenüber existierenden ABS in Serie sorgt es auch für eine deutlich erhöhte Bremssicherheit sowie mehr Spurtreue und Fahrstabilität bei vergleichbarer Fahrgeschwindigkeit.

Systemimmanent verfügt das Husqvarna Motorcycles Offroad ABS über ein angepasstes Druckpunktgefühl und verhindert so eine unerwünschte Entkoppelung des Fahrers vom Regelzustand. Beim Bremsvorgang im Regelbereich spürt der Fahrer ein Pulsieren im Handbremshebel und erhält somit eine klare, transparente Rückmeldung über den Bremsvorgang.

Für die Zukunft bietet das derzeitige 2-Kanal-System des Husqvarna Motorcycles Offroad ABS zudem beträchtliches Entwicklungspotenzial. Beispielsweise sind zwei separat vom Fahrer zu aktivierende ABS-Modi für Gelände- und Straßenbetrieb ebenso denkbar, wie eine ABS-Regelung der Hinterradbremse für den Straßenbetrieb.

Ja, ja, Straßenbetrieb - genau da liegt der Schwachpunkt des Systems: Nicht nur viele Tester, sondern auch wohl die meisten Fahrer hätten sich ein vergleichbares System mit justierbarer Zuschaltung für das Hinterrad an der Straßenmaschine Nuda gewünscht, die ab Ende des Jahres verkauft wird.

Und ob es ein kluger Schachzug war, mit der "nackten" Variante den Einzug in den ABS-Markt Deutschland zu wagen, werden die Verkaufszahlen Ende kommenden Jahres zeigen.  Vor allem bei den Pitbullartigen Brembo-Bremsen der Nuda 900 R - für die schon in düsterer Vorahnung als Zubehör weichere Blöcke angeboten werden.

Sicher ist es kein einfacher Technologie-Sprung, ein ABS auf die Straße zu bringen. Doch vor dem Hintergrund der BMW-Erfahrung hatten dies viele Beobachter erwartet - dass ABS bei den neuen Straßenmaschinen von Husqvarna wohl erst in der 2013er-Ausführung serienmäßig angeboten wird, liegt nur am Kampfpreis - 9.990 Euro, der unbedingt vierstellig gehalten werden sollte.

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