27 Mai 2009

Elektro-Racer: Isle of Man fährt grün mit TTXGP

Sie geht mit der Zeit, die Mutter aller Motorradrennen: Bei der 102. Auflage der TT Races auf der Isle of Man steht außer den traditionellen Wettfahrten ein Lauf mit emissionsfreien Bikes auf dem Programm. 23 Elektro-Maschinen sind gemeldet - darunter auch zwei deutsche Exoten.

Auf der Isle of Man, wo seit mehr als hundert Jahren in der ersten Juli-Woche schwere Motorräder dröhnen und sich Fahrer mit Vollgas durch enge Dorfdurchfahrten winden, säuseln bei der diesjährigen Auflage des Klassikers erstmals auch Elektro-Racer. Am 12. Juni findet auf dem traditionellen Mountain-Rundkurs über 60 Kilometer ein Rundenrennen mit streng reglementierten Maschinen statt.

Die wichtigste Regel lautet "non-carbon": Verbrennungsmotoren sind verboten, die Alternativen müssen "emissionsfrei" sein. Azhar Hussain, der clevere Londoner Unternehmer, der den grünen Grand Prix ins Leben gerufen hat: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Zündkerzen bald der Vergangenheit angehören."

Elektro also, kein Qualm von verbranntem Öl, kein Kreischen von hochgezüchteten Rennaggregaten - zumindest bei dieser E-Wettfahrt. Die traditionellen Rennen der Superbikes und Privatfahrer ziehen sich über eine ganze Rennwoche hin - davor graust vielen Fans und Inselbewohnern.

Insulaner wollen selbst gewinnen


Doch die Veranstalter des mörderischen Spektakels, das jährlich Todesopfer fordert, finden den neuen TTX Grand Prix spannend und zukunftsweisend. "Eine phantastische Verbindung unserer Tradition mit den Herausforderungen neuer Technologien, was will man mehr", sagt John Shimmin, Umweltminister des Eilands zwischen Großbritannien und Irland. Shimmin gibt am 12. Juni nicht nur den Startschuss für den weltweit ersten Rennlauf mit emissionsfreien Rennmaschinen, sondern schickt auch ein eigenes Insel-Team namens ManxTT Racing ins Rennen.

Mit geballten Ambitionen: "Wir machen das nicht nur, weil wir den Planeten retten können. Wir wollen auch gewinnen", sagt Keith McKay, Team-Leiter bei ManxTT Racing.

Die Insulaner stoßen auf harte Konkurrenz von 16 Teams - allesamt mit Elektroantrieb. Vertreten sind Bikes aus Österreich, Italien und Indien, aber auch neun Starter aus den USA. Darunter etablierte E-Firmen und Hersteller wie Mission Motors, Electric Motor Sports, MotoCzysz und Brammo, aber auch Bastler-Teams wie KillaCycle.

Sie messen sich vor allem mit den britischen Teams von EVO Design und den Maschinen, die vom Londoner Imperial College, der Kingston University und der Brunel University ins Rennen geschickt werden.

Mit Laverda und einem technischen Kniff

Gegen die geballte US-Kraft und das wissenschaftliche Know-how der Londoner Unis setzt das XXL-Racing-Team aus Kaufungen in Nordhessen Entschlossenheit und Muskelmasse. Thomas Schönfelder, ein erfahrener Isle-of-Man-Racer, hat zusammen mit einem Elektronikspezialisten und einem Software-Entwickler eine betagte Laverda so umgebaut und mit Akkus bestückt, dass das Schwergewicht seine Höchstgeschwindigkeit "weit über 200 km/h" auf der gesamten Rundendistanz halten könne. Schönfelder zum Konzept: "An den Kraftreserven wird's nicht mangeln. Selbst die Bremsenergie wird in die Batterie zurückgespeist."

Das E-Rockit-Team aus Berlin will dagegen mit zwei völlig verschiedenen Maschinen in Douglas an den Start. Die E-Rockit, bei der Fahrer Rigo Richter mit Fahrradpedalen über den 60-Kilometer-Kurs strampelt, ist das Serienmodell der Kreuzberger Manufaktur - eine knapp 30.000 Euro teure Mensch-Maschinen-Hybrid-Kreation, die in dem hochkarätigen Starterfeld keine Chancen auf einen der vorderen Plätze hat. Sie läuft nur so schnell, wie Richter in die Pedale tritt. Erfinder Stefan Gulas ficht das nicht an. Ihm geht es vor allem um die Werbewirkung. "Dabei sein im ersten Feld ist alles."

Anders der zweite E-Racer, den Gulas mit Fahrer David Madsen-Mygdal an den Start bringt: Er ist im Vergleich zur massiven Laverda von Schönfelder ein schmales Leichtgewicht, und könnte deshalb ein Titelanwärter sein.

Einen "über 16 Kilowatt starken Motor" haben Gulas und sein Team dafür in einen Aprilia-Rennrahmen verbaut und das Gefährt mit einem technischen Kniff noch schneller gemacht. So weit bisher auszumachen, ist die E-Rockit-Aprila der einzige E-Starter mit einem Schaltgetriebe. "Wir sind gut genug, um für eine Überraschung zu sorgen", meint Stefan Gulas.

(c) Jochen Vorfelder

25 Mai 2009

Libanon: Wo die deutschen Heizungsbauer abwracken

Was woanders auf den Schrottplatz soll, wird in Beirut noch meistbietend verscherbelt. Dass bisher viele der Rostlauben aus Duisburg, Hamburg oder Berlin kamen, ist nicht zu übersehen.

Maen Helwe sagt, er liebt die Deutschen: „Sehr gute Autos, perfekt für mich und meinen Bruder.“

Helwe betreibt an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, eine florierenden Automobilhandel. Sein Bruder leitet die prosperierende Zweigstelle in den südlichen Hisbollah-Vororten. Auch dort ist gut Geld zuhause und gelegentliche Luftangriffe – wie die israelischen vom Jahr 2008 – hinterlassen Totalschäden und den Wunsch nach einem Neuwagen. Doch neuerdings haben die Helwes Stress mit ihrem deutschen Lieferanten und den Nutzfahrzeugen – wegen der Abwrackprämie. Der Nachschub bleibt aus.

FOTOSTRECKE MIT DEUTSCHEN ROSTLAUBEN BEI SPIEGEL ONLINE

Die Helwes haben deshalb ihr Sortiment weiter in Richtung Nobelkarossen umgestellt. Ein Onkel hat einen während des Bürgerkriegs ausgewanderten Schulfreund in den USA kontaktiert. Der organisiert jetzt den Nachschub an Lexus, Hummers, großen BMW7ern und Benz-Limos. Sie sind bei Hisbollah-Funktionären, fundamentalistischen Schiiten, sektiererischen Drusen und christlichen Maroniten gleichermaßen beliebt.

Noch vor fünf oder sechs Jahren war der Helwesche Autohof fast ausschließlich mit Importen aus Deutschland voll. Sowohl das Luxussegment als auch das Lieferwagen-Geschäft mit ihrem Mann in Hamburg hat sich rentiert. Der Euro stand so schlecht zum Dollar, dass durchgerostete Käfer, Benz-Limousinen und schrabbelige Lieferwagen in rauen Mengen über Hamburg oder Bremerhaven verschifft wurden. Jeder noch so alte Fiat Ducato, Renault Rapide und sogar rare VW-Pritschenwagen wie der von Dachdecker Prehn aus Lübeck fand einen Abnehmer. Halwe weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann jedes Auto noch verkaufen, das hängt nur vom Preis ab.“

Wie gesagt, Halwe liebt die Deutschen und ihre Autos. Doch mit dem Höhenflug des Euro bis auf zeitweise 1,60 Dollar wurden Einkäufe auf dem amerikanischen Markt interessant. Halwe ist da ganz Geschäftsmann, und als solcher kann man sich in der Levante keine Sentimentalitäten leisten: „Wir kaufen da, wo wir die günstigsten Angebot finden.“ Auch wenn der Euro momentan wieder etwas schwächelt: Die Preise sind zur Zeit sensationell auf dem amerikanischen Markt – die Zahl derer zwischen Boston und Frisco, die ihre teuren SUVs und V8-Limousinen aus purer Not abstoßen müssen, ist riesig.

So sind die alten Deutschen vom Hof gekommen, fast neue Amis werden verkauft. Aber Autohändler Helwe wäre kein richtiger Libanese, wenn er nicht ein Quäntchen Wehmut zulassen und den alten Zeiten nachtrauen würde: „Vor allem die deutschen Transporter haben wir gerne verkauft. Die hatten immer so schöne bunte Aufschriften. Was bedeutet eigentlich Heizungsbau?“

15 Mai 2009

E-Motorrad: Zero Motorcycles kommt ab Juli nach Deutschland

Der amerikanische Hersteller Zero Motorcycles drängt in den deutschen Markt für E-Straßenbikes. Das Zero S ist voraussichtlich Anfang Juli in Deutschland lieferbar und kann ab sofort über den Onlineshop auf www.zeromotorcycles.com bestellt werden.

„Es war von Anfang an unser Ziel, ein leistungsstarkes Elektromotorrad für den Straßenverkehr zu entwickeln, das die Branche grundlegend verändert. Das Zero S ist ein faszinierendes Motorrad, das mit jeder Straße, jedem Hügel und jedem Hindernis spielend fertig wird“, sagt Neal Saiki, Erfinder und Gründer von Zero Motorcycles. „Das Zero S vereint Leistungsstärke mit komplett elektrischem Antrieb.“

Entwickelt für ein leichtes Manövrieren im Stadtverkehr und für gelegentliche Fahrten abseits der Straße verfügt das Zero S über maximale Beschleunigungskraft. Ein leichtgewichtiges Design sorgt für ersataunliches Leistungsgewicht, das die Reichweite und die Fahreigenschaften des Motorrades stark verbessert. Dank seines geringen Gewichts mit lediglich 102,1 Kilogramm hat das Zero S eine Reichweite von bis zu 97 km und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 km/h.

Das Zero S wird von einem schadstofffreien Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Wie fast alle verwendeten Materialien der Zero S ist auch dieser komplett recyclebar. Die deponiefähige Batterie braucht weniger als vier Stunden zum Aufladen und muss dazu an eine Standard 110 oder 220 Volt Steckdose angeschlossen werden. Das Zero S verursacht bei der Nutzung keine Emission und ist zudem ökonomisch sinnvoll mit Betriebskosten von weniger als 1 Cent pro Kilometer.

Der voraussichtliche Preis für die Zero S liegt bei circa 9.900 Euro zusätzlich Versand aus den USA.

12 Mai 2009

E-Bikes: Frankfurter Solartankstelle bewährt sich

Die erste Solar-Tankstelle in Frankfurt, die Ende März den Betrieb aufgenommen hat, wird von den Fahrern der Frankfurter Velo-Taxis und E-Rollern gut angenommen. Nach den Eindrücken der ersten Wochen - mit überwiegend Sonnenschein - hat sich die Zahl der Kunden stabilisiert. Die Steckdosen, so ein Mitarbeiter der traffiQVerkehrsinsel, seien in der Regel immer belegt.

Frankfurts erste Solar-Tankstelle unterstützt nicht nur die beliebten Velo-Taxis. Auch Schülerinnen und Schüler können die Batterien ihrer E-Scooter laden, während sie auf der Zeil bummeln. Auch Fahrräder mit Elektrohilfsmotor – so genannte Pedelecs – oder Segways können an den beiden Zapfsäulen im Stil der 60-er Jahre andocken.

In die stilisierte Retro-Tanksäulen-Anlage sind sechs Steckdosen integriert, an denen während der Öffnungszeiten der Verkehrsinsel (Mo bis Fr 9.00 – 20.00 Uhr und Sa 9.30 – 18.00 Uhr) Elektrofahrzeuge angeschlossen werden können. Überschüssiger Strom wird ins Netz der Mainova AG eingespeist und auf 20 Jahre hinaus mit 43 Cent pro Kilowattstunde vergütet.

Der E-Wart

07 Mai 2009

Branchenkrise: "MOTORRAD" streicht Redaktion zusammen

Es war abzusehen: Die Krise in den Magazin-Verlagen - sowohl bei Spiegel, Gruner + Jahr als auch bei den anderen Branchen-Größen - hat mit fallenden Anzeigenerlösen jetzt auch die Häuser der Special-Interest-Publikationen erreicht.

Der Mediendienst Kress berichtet heute, dass der Motor Presse Stuttgart (MPS) seinen Standort Berlin schließt und erhebliche Stellen im Mutterhaus Stuttgart streicht. 42 Mitarbeiter sollen insgesamt gehen.

Die in Berlin produzierten Titel AutoStraßenverkehr und 4Wheel Fun werden ab sofort von einer zentralen Redaktion in Stuttgart produziert, die von Bernd Ostmann, Chefredakteur von auto motor & sport, geleitet wird.

Auch die Zweirad-Titel wird es sofort treffen: Sowohl bei MOTORRAD, bei PS, bei 2Räder (Hat das jemals jemand gelesen?) und Motorrad Classic fallen Stellen weg.

Nach dem Bericht bei Kress trifft es bei MOTORRAD vor allem das mittlere Redaktions-Management - beim Verkaufsführer am Kiosk soll die zweite Hierarchie-Ebene komplett wegfallen, aus acht "Ressorts" drei "Einheiten" werden.

Die Gründe für den personellen Aderlass sind laut Kress vor allem in "der Wirtschafts- und Werbekrise" zu suchen - das deckt sich mit unserem Erfahrungen: In Gesprächen mit den Herstellern hat sich schon seit längerem angedeutet, dass der Sinn von ganzseitigen Magazin-Anzeigen, deren Reichweite und Erfolg in Form von Umwandlung ihttp://www.blogger.com/img/blank.gifn Käufer schwerlich messbar ist, immer stärker angezweifelt wird.

Statt dessen setzen die Werbekunden und Hersteller auf nachvollzieh- und messbare Aktionen wie Werbemaßnahmen auf dem Internet und direkte Kundenansprache bei ihren Stützpunkt-Händlern (siehe Triumph), also am so genannten POI (Point of Sale).

Auch Aktionen wie Einsteiger-Trainings in Zusammenarbeit mit dem ADAC (Honda) oder Fahrtraining-Wochenenden (Harley-Davidson/Robinson Club) sind offensichtlich viel versprechender als die kontinuierliche Übergabe von nicht unerklecklichen Summen für DIN-A4-Bildchen, die schlichtweg überblättert werden und im redaktionellen Umfeld untergehen.

Doch nicht nur der Anzeigen-Markt bei MOTORRAD bröckelt: Das Magazin setzt aktuell 135.850 Exemplare pro Monat ab. Im Fünf-Jahres-Trend bedeutet dies ein aktuelles Minus von 20 Prozent. Hier der Link zur aktuellen Verkaufsstatistik.

Der Medienwart