Was woanders auf den Schrottplatz soll, wird in Beirut noch meistbietend verscherbelt. Dass bisher viele der Rostlauben aus Duisburg, Hamburg oder Berlin kamen, ist nicht zu übersehen.Maen Helwe sagt, er liebt die Deutschen: „Sehr gute Autos, perfekt für mich und meinen Bruder.“
Helwe betreibt an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, eine florierenden Automobilhandel. Sein Bruder leitet die prosperierende Zweigstelle in den südlichen Hisbollah-Vororten. Auch dort ist gut Geld zuhause und gelegentliche Luftangriffe – wie die israelischen vom Jahr 2008 – hinterlassen Totalschäden und den Wunsch nach einem Neuwagen. Doch neuerdings haben die Helwes Stress mit ihrem deutschen Lieferanten und den Nutzfahrzeugen – wegen der Abwrackprämie. Der Nachschub bleibt aus.
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Die Helwes haben deshalb ihr Sortiment weiter in Richtung Nobelkarossen umgestellt. Ein Onkel hat einen während des Bürgerkriegs ausgewanderten Schulfreund in den USA kontaktiert. Der organisiert jetzt den Nachschub an Lexus, Hummers, großen BMW7ern und Benz-Limos. Sie sind bei Hisbollah-Funktionären, fundamentalistischen Schiiten, sektiererischen Drusen und christlichen Maroniten gleichermaßen beliebt.
Noch vor fünf oder sechs Jahren war der Helwesche Autohof fast ausschließlich mit Importen aus Deutschland voll. Sowohl das Luxussegment als auch das Lieferwagen-Geschäft mit ihrem Mann in Hamburg hat sich rentiert. Der Euro stand so schlecht zum Dollar, dass durchgerostete Käfer, Benz-Limousinen und schrabbelige Lieferwagen in rauen Mengen über Hamburg oder Bremerhaven verschifft wurden. Jeder noch so alte Fiat Ducato, Renault Rapide und sogar rare VW-Pritschenwagen wie der von Dachdecker Prehn aus Lübeck fand einen Abnehmer. Halwe weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann jedes Auto noch verkaufen, das hängt nur vom Preis ab.“
Wie gesagt, Halwe liebt die Deutschen und ihre Autos. Doch mit dem Höhenflug des Euro bis auf zeitweise 1,60 Dollar wurden Einkäufe auf dem amerikanischen Markt interessant. Halwe ist da ganz Geschäftsmann, und als solcher kann man sich in der Levante keine Sentimentalitäten leisten: „Wir kaufen da, wo wir die günstigsten Angebot finden.“ Auch wenn der Euro momentan wieder etwas schwächelt: Die Preise sind zur Zeit sensationell auf dem amerikanischen Markt – die Zahl derer zwischen Boston und Frisco, die ihre teuren SUVs und V8-Limousinen aus purer Not abstoßen müssen, ist riesig.
So sind die alten Deutschen vom Hof gekommen, fast neue Amis werden verkauft. Aber Autohändler Helwe wäre kein richtiger Libanese, wenn er nicht ein Quäntchen Wehmut zulassen und den alten Zeiten nachtrauen würde: „Vor allem die deutschen Transporter haben wir gerne verkauft. Die hatten immer so schöne bunte Aufschriften. Was bedeutet eigentlich Heizungsbau?“
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