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10 März 2010

moto1203 im Libanon: Biken bei den Beiruter Bagaluten - ein Lagebericht

Acht Tage Libanon. Drei alte Hondas, drei Freunde. Sie scheitern an verschneiten Pässen, baden mit den Beiruter Strand-Babes und unternehmen Vorstöße ins Gebiet der Hisbollah. Eine Motorrad-Tour durch das vom Bürgerkrieg vernarbte Land ist eine Achterbahn der Eindrücke.

Zur Google Map mit ausführlichem Fotomaterial : http://tiny.cc/libanon

Lebenmüde?

Der Ritt runter nach Saida mit dem Biker Club von Beirut ist der schiere Wahnsinn. Nach über zwanzig Jahren Bürgerkrieg sind die Libanesen müde geworden sind, sich mit Kalaschnikows zu meucheln. Sie leben ihre Aggressionen jetzt im Straßenverkehr aus. Die schiitischen Taxifahrer, fundamentalistischen Trucker und christlichen Familienväter mit sechs Kindern auf der Rückbank – sobald sie hinterm Steuer ihrer Schrottkarren sitzen, werden die liebenswürdigsten Zeitgenossen der Levante zu potentiellen Selbstmordattentätern. Die Insassen der motorisierten Irrenanstalt schießen wie Querschläger durch die acht Kolonnen, die sie auf der vierspurigen Autobahn entlang des Mittelmeers eröffnet haben. Allah sei Dank halten sich alle an die einzige Verkehrsregel, die im Libanon strikt befolgt wird: Wenn einer vor Dir fährt, muss er überholt werden.

„Klasse Tour heute, fast nix los auf den Straßen, echt relaxt,“ sagt Fouad und grinst über beide Ohren unter seinen Jet-Helm. Die sonntägliche Ausfahrt durch den Dieselruß ist das Hightlight im Vereinsleben des Beirut Biker Clubs. Rony auf seiner Bol D’Or, Mimo mit den Bandscheibenproblemen auf seiner Goldwing, Alain mit der fetten Harley, der Nighthawk-Pilot Fadi und eben Genosse Fouad auf der Honda CB 750 K6: Heute lassen sie es mal gemütlich angehen. Die zwei „Alemani“-Besucher auf den geliehenen Transalps, sie sollen die besseren Seiten des Libanons sehen.

Vor Saida geht es über ruhige Seitenstraßen und Serpentinen, die mit Alpenstrecken konkurrieren können, hoch in das Chouf-Gebirge. Der Weg durch die schmucken Dörfer ist mit Blumen gesäumt; alte Emirs-Paläste laden zum Verweilen ein. Neunzig Kilometer nach dem Aufbruch im Beiruter Sporting Club stehen wir auf 1200 Metern Höhe in einem verwunschenen Nationalpark; ein letztes Fleckchen Zedernwald, dessen Bäume über tausend Jahre alt sind. Ihr Harz riecht und wirkt wie eine wärmende Droge unter dem strahlend blauer Himmel.

Zigarettenpause. Englisch ist die Amtssprache, wenn’s mit dem Arabisch hapert. Die Gang erzählt Geschichten und gestikuliert runter zu der Smogwolke, in der sich ein Moloch von Stadt verbirgt. Über drei Millionen wohnen in Beirut, einer Metropole mit mondänen westlichen Flaniermeilen und einem brodelnden Nachtleben. Aber eben auch arabischen Vierteln mit palästinensische Flüchtlingslager, diverse Waffendepots der Hisbollah und Müllhalden an der Straße. Dahinter lässt sich das Mittelmeer erahnen, auf dem die Bundesmarine patroulliert.

Die deutschen Seesoldaten sollen ein Land der Gegensätze schützen. An seinen Stränden wird die höchste Konzentration von Silikon-Implantaten im Nahen Osten zur Begutachtung ausgeführt, im Hinterland herrscht oft beißende Armut. In West Beirut blüht an liberalen Universitäten die freie Lehre; in den südlichen Vororten unterrichten fanatische Hassprediger. Die Strecken über die Gebirge und durch die fruchtbare Bekaa-Ebene sind für Motorräder genial – aber sie werden auch zum Schmuggel von Drogen und Katyusha-Raketen benutzt. Für die Beirut Biker ist dieses Chaos Alltag. Sie freuen sich über Abwechslung und unseren Besuch: „Welcome to Libanon!“ Ja, willkommen in der Anstalt.

Zum St. Moritz des Ostens

In Byblos, am zweiten Tag unserer Rundfahrt, war die Welt noch in Ordnung. Fouad, Stefan und ich besichtigten die mit EU-Geldern aufgebrezelte Altstadt und die arabischen Ruinen. Am Fischereihafen auf einer schattigen Veranda bestellten wir bei einem stoischen Oberkellner frischen Mittelmeerfang mit gemischten Spezereien.

Auch die Fahrt über Chekka und Amioun ins heilige Kadischa-Tal der Maroniten war sensationell. Fouads K6 und unsere beiden Transalps schnurrten wie japanische Nähmaschinen. Im Tal machten wir Stopp an einem christlichen Kloster, das die Priester des Heiligen Maron wie ein Schwalbennest in die Steilwand geklebt hatten. Zum Spaß flirten wir mit einer Gruppe kichernder Studentinnen.

Vor der Dämmerung kam Bcharre in Sicht. Wir checkten in einem Hotel mit grandiosem Weitblick auf die Schneegipfel des Libanon-Gebirges ein. Fouad fuhr die K6 in die Rezeption; der kleine Vollbetonbau beherbergte außer uns keine Gäste. Das störte nicht weiter, weil das Personal innerhalb Kürze die gesamte Maschinerie anwarf und uns ein opulentes Abendmahl mit scharfen Spießen und selbst gebranntem Schnaps servierte.

Warum Bcharre einer der beliebtesten Wintersportort im Nahen Osten ist, erfuhren wir am nächsten strahlenden Mai-Morgen: Der 2300 Meter hohe Pass hinüber zur Bekaa-Ebene war noch dicht. Der staatliche Straßendienst hockte auf dem Räumgerät. Doch statt die Fräsen in Einsatz zu bringen, boten die Jungs Skidoo-Trips auf der verschneiten Straße an und verdienten sich bei den einheimischen Touristen ein schönes Zubrot.

Na super. Fouad schäumte, nachdem er Erkundigungen eingezogen hatte: „Keine Chance. Die Straße ist auf sechs Kilometern zu. Sie räumen nicht, weil auf der Bekaa-Seite und Baalbek ohnehin nur Schiiten und Hisbollah hocken. Sie sagen, da will eh keiner hin, soll der Schnee doch selber schmelzen.“

Tribes with Colours

Einen Tag später, nach einem kleinen Umweg von 200 Kilometern, waren wir wieder auf dem Weg nach Baalbek. Auch die Route über Bhamdoun, Chtaura und Zahle hat Charme, Patina und Geschichte, wie jeder Meter Asphalt im Libanon: 1976 rumpelte über diese Trasse die Armee des syrischen Nachbarn ins Land; gefeiert als Befreier oder gehasst als Invasoren, je nach Coleur. Noch heute ist die Strecke schwer gezeichnet von den tiefen Riefen der Panzerketten, von gemeinen Ölspuren aus lecken russischen Militär-Trucks und von Betonflicken, mit denen die Krater der Artillerietreffer notdürftig gefüllt wurden.

Es bleiben unübersehbare Narben in Straßen und Herzen, wenn eine Gesellschaft mit über einem Dutzend paranoider Konfessionen, mit unzähligen paranoiden Sekten, mit falschen Freunden wie Syrien und echten Feinden wie Israel implodiert. Verlässt man den Großraum Beirut, ist die Republik Libanon ein buntes Flickwerk aus feindlichen Fürstentümern. Maroniten und Drusen in den Bergen, Schiiten und Sunniten überall dazwischen, Hisbollah im Norden, in der Beekaa-Ebene und südlich des Awali-Flusses halten ihre Farben hoch und melden Gebietsansprüche an. Es geht um Geld, Drogen, Einfluss, Ehre und ums Prinzip. Kommt uns das bekannt vor? Unter den Beirut Bikern ist man sich sicher: „Hells Angels und Bandidos würden sich hier sofort zuhause fühlen.“

In Baalbek zeigt die Hisbollah-Bruderschaft Flagge: grün-gelb, mit roter Schrift. Ihre Banner zetern mit kämpferischen Parolen gegen Zionisten, amerikanische Ungläubige und Feinde des Islams allerorten. Parolen, Patches und Photos von Katyusha-Raketen werden gegen kleines Geld von Straßenhändlern angepriesen, wenn Touristenbusse mit Besuchern aus aller Welt (ausgenommen Israel) eintreffen. Ihr Ziel: „die Stadt des Lichts“, die einzigartigen römischen Jupiter-Tempelanlage. Sie wurde auf den Grundmauern der Siedlung Colonia Heliopolis gebaut, die im Jahr 15 v. Chr. gegründet wurde.

Die Ruinen sind Weltkulturerbe und liegt inzwischen im Stadtzentrum von Baalbek, wo die Hisbollah-Bewegung von knapp drei Jahrzehnten initiiert wurde. Inzwischen sitzt die radikale Kadertruppe in der Regierung und hat sich zu einem Staat im Staat gemausert. Doch ihr Anführer Hassan Nasrallah kann sich nicht aus der Deckung wagen: Israels Geheimdienst hat den Bartträger ganz oben auf seiner Most Wanted-Liste.

Der alte Mustafah Sadik interessiert sich nicht für Politik. Er arbeitet seit über fünfzig Jahren als Portier und Barmann im Hotel Palmyra und gewährt uns einen Blick ins Gästebuch. Das Etablissement hat viele Führer und Prominente kommen und gehen sehen. Die Krimi-Autorin Agatha Christie, der Künstler Jean Cocteau und ein hoch gestellter Deutscher waren da: Kaiser Wilhelm II ließ 1894 im Palmyra logieren, als deutsche Archäologen mit den Ausgrabungen begannen. Inzwischen ist das Kult-Hotel ziemlich runter gewohnt. Es wirkt, als sei seit der Visite des Kaisers nicht mehr viel gefeudelt worden. Aber Sadik hat definitiv Stil und ein Herz für deutsche Biker: „Stellen sie die Motorräder doch bitte in unsere Garage, sicher ist sicher. Zu viele Diebe in der Nacht.“

On the road again

Es durftet nach gebratenem Fisch. „1980, da waren wir alle noch echte Heißsporne. Mädels und Milizen, alles voll mitgenommen,“ erzählt Foaud, der zur Zeit für eine Menschenrechts-Stiftung in Beirut arbeitet. Auch in Sachen Motorrad war er damals ganz an der Sitze der Bewegung: “Die K6 war das non plus ultra, ich hab sie gebraucht von einem Deutschen gekauft. Eh, 1980, geiles Bike, geile Zeit. Trotz Bürgerkrieg.“

Wir sitzen bequem in einem Ausflugslokal am Qaraaoun-See auf dem Weg in den Süden. Während den letzten zwei Stunden haben wir vier Kontrollpunkte der libanesischen Armee passiert: Panzersperren, Schnellfeuerwaffen und verspiegelte Sonnenbrillen. Hauptstädter und Motorradfahrer im Besonderen - die Hisbollah hat eigene Kradmelder - werden nervös beäugt; erst unsere zwei deutschen Pässe haben die Lage sichtlich entspannt. „Ende 1981 habe ich die Honda dann an Samir verkauft und bin nach Deutschland gezogen,“ erinnert Fouad sich und spuckt eine Fischgräte aus.

Als er vor zwei Jahren nach Beirut zurück kehrte, forschte er nach seiner Maschine und fand sie beim damaligen Käufer Samir. Die Honda war 27 Jahre lang nicht gelaufen und in einem feuchten Keller verrottet. Fouad beschloss eine Komplettrenovierung. „Die Teile hab ich so ziemlich alle über eBay in Deutschland günstig geschossen und im Handgepäck mit nach Beirut gebracht.“ Den richtigen Monteur fand Fouad auch wieder: Jamal, der den Vierzylinder schon 1980 flott gemacht hatte. Im November 2008 war der Oldtimer wieder fahrbereit und wird nun fast täglich durch die Beiruter Innenstadt bewegt: „Alte Liebe rostet nicht, Bruder!“

Bomben und Bratwurst

Beiruts Strandpromenade führt über mehrere Kilometer vom Industriehafen entlang der inneren Regierungs- und Business-Quartiere, windet sich längs der Hotelmeile im laizistischen Westen der Stadt und mündet im Süden am Flughafen in die schiitischen Vororte: Hisbollah-Country. Wer die „Corniche“ mit offenem Visier entlang fährt, dem springt die Zerrissenheit des Libanons zwangsläufig ins Auge.

Fouad ist unser Guide. „Mindestens 500 Dollar die Nacht,“ sagt er und deutet rüber zu den Betonblocks, hinter dem das Hotel Phoenicia verschanzt liegt. In dem prachtvoll renovierten Schmuckbau steigen die internationalen Delegationen und UN-Abgesandten ab, die sich um Entwaffnung und den Wiederaufbau des Landes verdient machen sollen. Im Phoenica nehmen die Schönen und Reichen Beiruts ihren Nachmittagstee. Im Foyer mit der Blattgold-Tapete lümmeln die unternehmungslüsternen Scheichs aus den prüden Golfstaaten und radebrechen mit ukrainischen Hostessen. Einen Steinwurf dahinter ragt das Holiday Inn wie ein mahnender Zweigefinger in die Höhe. Eine 27 Stockwerke hohe Ruine, die im Krieg von Heckenschützen bevölkert war. Ein Sturmangriff 1976 hat dem wahllosen Treiben der Snipers ein Ende gemacht; seitdem ruht der Hotelbetrieb.

Wir stehen vor dem traditionsreichen St. George. Es ist ebenfalls dicht. Als 2005 der libanesische Ex-Premier Rafiq al-Hariri, ein einflussreicher Gegner Syriens und der Hisbollah, mit seinem Tross hier vorbeifuhr, detonierte eine Autobombe. Die Sprengkraft von rund einer Tonne hinterließ von al-Hariris Wagenpark nur noch einen riesigen Krater, tötete über zwanzig Menschen, und zerfetzte nebenbei die Fassade des alt gedienten St. George.

Der mörderische Kleinlaster kam entlang McDonalds, Starbucks und der Marlboro-Verkäufer, die an Beiruts Promenade rund im die Uhr eine wahrlich explosive Mischung versorgen: bettelnde Flüchtlingskinder mit Rotznasen, schwarzgewandete maronitische Priester, Liebespaare mit Baggy Jeans und Stringtops, Christen mit Zorn in den Augen über den ewigen Stau, dunkle Schatten mit Augenschlitzen, deren Zwei-Meter-Abstand zum Ehemann sie als Frau ausweist. Ein surrealer Film läuft ab und gelegentlich springen uns die Komparsen direkt vor die Transalps. Auf Höhe der Amerikanischen Universität legt Stefan eine Vollbremsung hin; ein bärtiger Irrer in Badeschlappen hat bei einem Wrack, geparkt in zweiter Reihe, die Tür aufgestoßen. Bei näherer Ansicht entpuppt sich der Peugeot-Kombi als fahrbare Wurst-Braterei; der Chef de Cuisine hat auf dem Rücksitz an den zwei Gasflaschen hantiert.

Wir beschließen: Jetzt reicht es, Zeit für den Sporting Club auf ein letztes Bierchen mit den Bikern. Das Hauptquartier unserer Beiruter Motorradkumpels ist ein privates Freibad direkt am Meer, hart an der Grenze zum Verfall, aber erhalten genug für die Hedonisten und Unkonventionellen der Stadt, die hier ihre alltägliche Afterwork-Party und Brautschau zelebrieren: Banker, Punks und Beach Babes. Wenn an den Uferbefestigungen am westlichsten Punkt der Stadt die Sonne fällt, ist Goldwing-Mimo meist schon länger da; er macht seine Immobiliengeschäfte ohnehin per Telefon. Alain macht seine HNO-Praxis für heute dicht und Export-Import-Fadi hat sich auch angekündigt.

Na, also, fast alle da. Nun wird die wichtigste Frage des heutigen Vereinsabends diskutiert: „Na, Jungs, wie hat euch die Woche im Libanon gefallen?“ Na, wie wohl. Was kann geiler sein als Biken durch den rasenden Wahnsinn?

(c) Text & Foto Jochen Vorfelder, gedruckt erschienen in Motorrad News 04/2010

Posted via email from m o t o 1 2 0 3 - road kill

25 Mai 2009

Libanon: Wo die deutschen Heizungsbauer abwracken

Was woanders auf den Schrottplatz soll, wird in Beirut noch meistbietend verscherbelt. Dass bisher viele der Rostlauben aus Duisburg, Hamburg oder Berlin kamen, ist nicht zu übersehen.

Maen Helwe sagt, er liebt die Deutschen: „Sehr gute Autos, perfekt für mich und meinen Bruder.“

Helwe betreibt an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, eine florierenden Automobilhandel. Sein Bruder leitet die prosperierende Zweigstelle in den südlichen Hisbollah-Vororten. Auch dort ist gut Geld zuhause und gelegentliche Luftangriffe – wie die israelischen vom Jahr 2008 – hinterlassen Totalschäden und den Wunsch nach einem Neuwagen. Doch neuerdings haben die Helwes Stress mit ihrem deutschen Lieferanten und den Nutzfahrzeugen – wegen der Abwrackprämie. Der Nachschub bleibt aus.

FOTOSTRECKE MIT DEUTSCHEN ROSTLAUBEN BEI SPIEGEL ONLINE

Die Helwes haben deshalb ihr Sortiment weiter in Richtung Nobelkarossen umgestellt. Ein Onkel hat einen während des Bürgerkriegs ausgewanderten Schulfreund in den USA kontaktiert. Der organisiert jetzt den Nachschub an Lexus, Hummers, großen BMW7ern und Benz-Limos. Sie sind bei Hisbollah-Funktionären, fundamentalistischen Schiiten, sektiererischen Drusen und christlichen Maroniten gleichermaßen beliebt.

Noch vor fünf oder sechs Jahren war der Helwesche Autohof fast ausschließlich mit Importen aus Deutschland voll. Sowohl das Luxussegment als auch das Lieferwagen-Geschäft mit ihrem Mann in Hamburg hat sich rentiert. Der Euro stand so schlecht zum Dollar, dass durchgerostete Käfer, Benz-Limousinen und schrabbelige Lieferwagen in rauen Mengen über Hamburg oder Bremerhaven verschifft wurden. Jeder noch so alte Fiat Ducato, Renault Rapide und sogar rare VW-Pritschenwagen wie der von Dachdecker Prehn aus Lübeck fand einen Abnehmer. Halwe weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann jedes Auto noch verkaufen, das hängt nur vom Preis ab.“

Wie gesagt, Halwe liebt die Deutschen und ihre Autos. Doch mit dem Höhenflug des Euro bis auf zeitweise 1,60 Dollar wurden Einkäufe auf dem amerikanischen Markt interessant. Halwe ist da ganz Geschäftsmann, und als solcher kann man sich in der Levante keine Sentimentalitäten leisten: „Wir kaufen da, wo wir die günstigsten Angebot finden.“ Auch wenn der Euro momentan wieder etwas schwächelt: Die Preise sind zur Zeit sensationell auf dem amerikanischen Markt – die Zahl derer zwischen Boston und Frisco, die ihre teuren SUVs und V8-Limousinen aus purer Not abstoßen müssen, ist riesig.

So sind die alten Deutschen vom Hof gekommen, fast neue Amis werden verkauft. Aber Autohändler Helwe wäre kein richtiger Libanese, wenn er nicht ein Quäntchen Wehmut zulassen und den alten Zeiten nachtrauen würde: „Vor allem die deutschen Transporter haben wir gerne verkauft. Die hatten immer so schöne bunte Aufschriften. Was bedeutet eigentlich Heizungsbau?“

16 April 2009

Harleys: Auspufftüten im Libanon-Style

Weil moto1203 in zehn Tagen auf Moppet-Tour in den Libanon geht, und dort die Bikerszene etwas anders aussieht als an den hier handelsüblichen Treffpunkten wie der Spinnerbrücke in Berlin oder am Zollenspieker in Hamburg, wollen wir zur Definition der Unterschiede heute mal den guten alten Hausphilosophen Karl Marx bemühen.

Marxens berühmter Satz - "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein" - (im Gegensatz zu Hegelschem Denken, demzufolge das Bewusstsein das Sein bestimmen würde) erklärt nämlich, warum die Customizer-Szene in der Levante auf so absonderliche Ideen wie den im unteren YouTube-Video vorgestellte Harley-Auspuff kommt.

Wer schon mehrere Bürgerkriege überlebt hat, vor dessen Haustür die eine oder andere Autobombe hochgegangen ist, und nicht zuletzt bei der Tor durchs Land den einen oder anderen schwer bewaffneten Milizionäre am Checkpoint passiert, muss wahrscheinlich beim Design das Erlebte verarbeiten... Voila, der Maschinengewehr-Auspuff.


Der Videowart

PS: Je länger ich das Video anschaue, desto stärker zweifle ich, dass es sich um eine Harly handelt. Best Bets gefragt - was meint die geneigte Leserschaft, was ist das für eine Maschine ????

28 Februar 2008

Beirut: Mit welcher Maschine fahrn wir heut? Honda oder Simson?


Die ersten Frühlingssonnenstrahlen lassen nicht nur hier in Hamburg und weiterer Umgebung die Herzen schneller schlagen und die Gashand etwas unruhig werden.

Folgende Geschichte erreichte mich von einem Bike-Bruder aus dem Libanon: "Yeah, ich habe meine CB 750er Honda wieder. Habe sie bei exakt dem Typen gefunden, der sie von mir 1981 in Beirut gekauft hatte. Sieht natürlich frustrierend aus...

Aber als Bonus hat er noch seine 70er Simpson draufgepackt ... alles für schlappe 1350 Euro, inkl. neue Reifen, Taschen für die Honda und eine Kiste voll sonstiger Teile …


Die Zonen-Simpson, Baujahr 1983, hat nur 600 km auf dem Tacho; sie wird schnell wieder auf Trab gebracht sein, schätze ich ...

Die Honda, Baujahr 1977, wird etwas länger brauchen, bis sie wieder fahrbereit ist. Sie hat zwar nur 40.000 Km auf dem Tacho, ist aber seit 1997 nicht gefahren worden ...

Basteln ist also angesagt. Aber wenn die CB wieder fliegt, wird es nur noch voran gehen, auch wenn das Land jede Minute auseinander fliegen kann."

Good luck, F. Ich komm dann vorbei für die Tour runter ins Bekaa-Tal ... und die gute DDR-Simson nicht verwechseln mit den Simpsons ausm Fernsehn...