22 Juni 2008

Aprilia 850 Mana: Einsamer V-Twin sucht Zielgruppe

Kein Kuppeln, kein Schalten: Aprilia bietet mit der 850 Mana das erste Naked Bike mit Vollautomatik an. Doch kaum einer will es kaufen. Das ist ungerecht, denn die schmucke Italienerin steckt voll brillianter Ideen.


Präzises, punktgenaues Schalten gilt unter schnellen Bikern als eine Königsdisziplin. Verhinderte Moto-GP-Piloten, die sich bevorzugt am Rand des roten Bereichs bewegen, rüsten ihre Serienmaschinen deshalb gerne mit einer elektronischen Sehhilfe, dem so genannten „Schaltblitz“, auf. Der italienische Hersteller Aprilia baut nun ein Sport-Modell, das auf den ganzen Firlefanz komplett verzichtet: Die vollautomatische 850 Mana kommt seit Anfang des Jahres ohne Kupplung und ohne manuelles Schaltgetriebe daher. Ein erfolgreiches Konzept im Rollerbau, doch ist das noch ein Motorrad?

Während der ersten Kilometern auf der Mana ist der Phantomschmerz fast unerträglich. Beim Abbiegen an der Kreuzung oder wenn sich der fließende Verkehr aufstaut, greift die linke Hand im Reflex ins Leere. Die suchenden Fingerspitzen melden Alarm, die Kopfhaut unter dem Helm brennt augenblicklich, und die Synapsen kreischen: Der Hebel ist weg! Das hört sich lustig an, ist es aber nicht, wenn man mit einem Bike mit immerhin 76 PS und über 230 Kilogramm Schubgewicht unterwegs ist.

Die Panik lässt bald nach und weicht erstaunlichem Fahrspaß. Die Mana fährt sich flüssig, ist wenig nervös beim entspannten Wedeln, und erinnert – agil wie sie ist - etwas an die extreme Buell mit deren kurzem Radstand. Für große Fahrer über 1,80 ist sie fast zu kompakt gebaut; da steht der Tankrand dem Knieschluss im Wege. Dennoch: Hat man die Kupplung vergessen, fühlt man sich auf der Mana zuhause. Obwohl die Vielfalt der Schaltmöglichkeiten wahrlich irritierend sind. Im Selbstschalt-Modus „Sport Gear“ können mit dem Fußpedal sieben Gänge durchgeschaltet werden - fast konventionell also, sieht man vom fehlenden Leerlauf zwischen dem ersten und zweiten Gang und der verschwundenen Kupplung ab.

Alternativ dazu funktioniert der „Sport Gear“-Modus auch über zwei Tasten an der linken Lenkerarmatur, eine Art Tiptronic, wie sie z.B. Audi oder Citroen am PKW-Lenkrad anbieten. Weil die Mana leider keinen Drehzahlmesser hat, erinnert ein gelbes Warnlicht an der Armatur ans Hochschalten. In der Praxis hat man das Fußpedal schnell vergessen, ignoriert im Regelfall auch den „Sport Gear“, und verlässt sich auf die Vollautomatik, die an Güte und Gutmütigkeit nicht zu überbieten ist.

Der „Autodrive“ bietet drei verschiedene so genannte „Mappings“, also von einer elektronischen Blackbox gesteuerte Fahrmodi an: Touring, Sport und Rain. Letzterer reduziert die verfügbare Leistung und das Drehmoment; die Mana fährt sich damit wie unter Valium – was auf schlüpfligem Kopfsteinpflaster oder in verregneten Autobahn-Baustellen neben einem LKW nicht das schlechteste aller Gefühle ist.

Über das „Sport“-Mapping, bei dem der Motor fast bis ans Ende des Drehzahlbandes ausgedreht wird, lässt sich trefflich streiten: Auf Strecken mit harten Steigungen und kurzen Serpentinen wird man es lieben, im norddeutschen Flachland oder in niederrheinischen Kreisverkehren ist es definitiv obsolet. Sportliches Fahren erledigt der Piloteur ohnehin mit den Tasten am Lenker.

Im alltäglichen Fahrbetrieb oder für das lockere Gleiten über Landstraßen reicht der „Touring“-Modus, bei dem die Automatik ohne spürbaren Ruck die sieben virtuellen Gänge durchschaltet – virtuell deshalb, weil das Getriebe vom Mutterkonzern Piaggio mit seinen Scheiben und Riemen eigentlich stufenlos ist. Kompliment an die Entwickler und Programmierer: Der von Rollern bekannte Gummiband-Effekt bei der Beschleunigung ist völlig verschwunden. Selbst grobes Dreh am Gasgriff beeindruckt die Man nicht, Lastwechsel und schlackernde Kette sind unbekannt.

Ohnehin haben die Entwickler von Aprilia viel Hirnschmalz auf die Mana verwandt und sich witzige Details wie die Handbremse für den sicheren Stand auch am Berg ausgedacht. Wo bei anderen Motorrädern der Sprit eingefüllt wird, sitzt bei der Mana ein für Zweiradverhältnisse voluminöser Kofferraum mit großer Klappe. Dort lässt sich ein großer Integralhelm samt Regenzeug verstauen; die 12 Volt-Steckdose und ein Handy-Fach ist dort auch untergebracht. Der Tank liegt unter der geteilten Sitzbank; der Einfüllstutzen ist über das klappbare Soziusteil zu erreichen.

Auch sonst ist die Mana State of the Art: modernes Design mit der derzeit bei italienischen Bikes unvermeidlichen Schlupfaugen-Scheinwerfer an einer 43er Upside-Down-Gabel und einem kühn geknickten Edelstahl-Schalldämpfer. Am Motor sind für meinen Geschmack zu viele Plastikverkleidungen montiert, doch das Aggregat selbst ist über jeden Zweifel erhaben. Der wassergekühlte 90-Grad-V2-Viertakter, der übrigens auch im Gilera-Roller GP 800 verbaut wird, hängt in einem grazilen Gitterrohrrahmen. 17-Zoll-Räder mit einem 180er Breitreifen hinten werden von drei Scheibenbremsen locker beherrscht. Als Zubehör bietet Aprilia ein Kofferset mit Topcase sowie eine halbhohe Scheibe an.

Was der Mana fehlt, sind neben feineren Einstellungsmöglichkeiten für die Federung, einem serienmäßigem ABS und einem wartungsfreien Riemenantrieb die erhofften Käufer. Seit Anfang des Jahres hat Aprilia in Deutschland unter Hundert Exemplare der Mana ausgeliefert; verkauft wurden noch weit weniger. Motorrad-Automatik ist Neuland; nicht im nur im technischen Sinne, sondern auch psychologisch betrachtet. Obwohl die vielseitige Mana alle Merkmale für ein erfolgreiches Motorrad besitzt, bleibt sie doch für viele Kaufinteressenten ein verkleideter Roller.

Doch in der Verkaufskrise von Aprilia liegt die charmante Chance für den potentiellen Käufer – noch kann er handverlesener Erstbesitzer eines Automatik-Tourer, des Sendboten einer völlig neuen Motorrad-Klasse, werden.

(c) Jochen Vorfelder

16 Juni 2008

MZ: Belegschaft will weiter kämpfen

Die Belegschaft des maroden Motorradherstellers MZ, dessen malayische Investor Hong Leong die Schließung des Zschopauer Werkes für Ende 12008 angekündigt hat, will weiter um den Erhalt der Produktion und die 40 verbliebenen Arbeitsplätze kämpfen.

Steve Yap, der von Hong Leong eingesetzte Geschäftsführer von MZ, erklärte auch nach einem Besuch des sächsischen Wirtschaftsministers Thomas Jurk (SPD) im Unternehmen, sein Unternehmen halte an der beschlossenen Schließung fest. Allerdings sei der Konzern, der seit 1999 bei MZ das Sagen hat, an, weiter nach potentiellen Investoren für eine Übernahme Ausschau halten zu wollen. Die Tür sei offen, so Yap.

An die vage Perspektive einer Finanzspritze durch Übernahme klammert sich auch die Belegschaft. Sie demonstrierte am vergangenen Freitag in Dresden vor der Sächsischen Aufbaubank (SAB) und nutzte den Besuch des ministers im Werk, entschlossenheit zu zeigen. Ob das etwas nützt - und potentielle Geldgeber gar positiv stimmt - darf nach den einschlägigen Erfahrungen aus dem Bochumer Nokia-Werk eher negativ beurteilt werden.

Das Land Sachsen jedenfalls, so Wirtschaftsminister Jurk, sei nicht in der Lage, unterstützend einzugreifen. MZ ist bereits seit 1990 durch Zuschüsse in zweistelliger Millionenhöhe gefördert worden. Für Firmen, die bereits gefördert wurden, könne man nicht noch einmal Fördermittel ausschütten.

Der Markwart

13 Juni 2008

Motorrad-Auktion: 300 Preziosen unterm Hammer

Das englische Auktionshaus Bonhams versteigert am 30. Juni im RAF-Museum in Hendon bei London 300 historische Motorräder des österreichischen Sammlers Prof. Fritz Ehn. Die „Ehn Collection“ ist die bis dato größte Motorrad-Einzelsammlung, die auf einen Schlag unter den Hammer kommt.

Den Besitzer wechseln sollen kostbare Einzelstücke wie eine 1927er Böhmerland Reisemodell, eine Brough Superior 1 von 1935, eine Laurent et Klement von 1904, mehrere Vincent Black Shadow, eine 1929er Neander P3 und mehrere Norton mit Königswelle. Aber auch Youngtimer wie eine MV Agusta 750S America von 1976 und ein Prototyp der Suzuki Katana stehen neben jüngeren Motorrädern und Rollern zum Verkauf. Der Auktionator Bonhams rechnet mit Einzelerlösen bis zu 50.000 Euro und einem Gesamtergebnis weit über einer Mio. Euro.

Die angebotenen Maschinen stammen allesamt aus dem Motorradmuseum Eggenburg bei Wien. Ehn, der seit über vier Jahrzehnten sammelt, hatte das Museum 1981 gegründet; inzwischen war dort der Bestand auf über 500 kostbare Einzelstücke angewachsen. „Wissens, es war schon a bisserl voll“, sagte Ehn in einem Gespräch mit SPIEGEL Online. „Und jetzt, wo Ich über 60 bin, will ich es doch a bisserl langsamer angehen lassen.“ Ehn will in Eggenburg neben Sonderausstellungen nur noch rund 200 Zweiräder österreichischer Provenienz zeigen.

Das Sammeln kann Ehn allerdings nicht lassen. Doch „auf sanften Druck meiner Frau“, der Motorräder schon immer zu schnell und zu gefährlich waren, will er sich nun einem weitaus gemütlicheren Fortbewegungsmittel zuwenden. Einen Großteil des Erlöses der Motorrad-Auktion wird Ehn zukünftig in den Erwerb von historischen Traktoren stecken: „Für mich wird das quasi die Entdeckung der Langsamkeit.“

10 Juni 2008

MZ: Zschopau macht zum Jahresende dicht

Bei einer weiteren ostdeutschen Traditionsmarke gehen die Lichter aus: Die Firmenleitung der Motorrad- und Zweiradwerke Zschopau (MZ) hat die Schließung des Werkes zu Ende 2008 angekündigt, nachdem der malaysische Investor Hong Leong Industries Berhad Ende vergangener Woche die finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte. Hong Leong war 1996 bei MZ eingestiegen.

Durch die Schließung des Werks verlieren die 40 Mitarbeiter, die in Zschopau noch Motorräder bauen, ihren Arbeitsplatz. Der Betriebsratschef Steffen Dögnitz hat inzwischen Protestaktionen angekündigt; am kommenden Freitag soll eine erste Kundgebung in Dresden vor der Sächsischen Aufbaubank (SAB) stattfinden. Zudem sei man, so Dögnitz, in Kontakt mit einem potenziellen ausländischen Investor, der Hong Leong ein "ordentliches Angebot" zur Übernahme vorgelegt habe. Der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) kündigte bei einem Krisengespräch am Dienstag Nachmittag im Zschopauer Werk an, alles zu tun, um MZ am Leben zu erhalten. "Das Wichtigste ist, dass die 40 MZ-Mitarbeiter in der Region eine berufliche Perspektive finden", sagte Jurk.

Pikant ist der Zeitpunkt der angekündigten Schließung: Ende 2008 läuft für Hong Leong die Bindefrist für die Fördermittel des Landes Sachsen aus, die über Jahre in das notleidende Unternehmen flossen. Eine Sprecherin des sächsischen Wirtschaftsministeriums kündigte an zu prüfen, ob alle Bedingungen der Förderung auch eingehalten worden seien.

Bei MZ wurden in den vergangenen Jahren Zweiräder von 125 bis 1000 ccm gebaut; das Topmodell der aktuellen Modell-Palette ist die 1000 SF, ein Naked Bike mit einem wassergekühlten Viertakt-Reihenzweizylinder-Motor mit 113 PS.

Fernsehen: NDR masht die Telekom...

Frage: Was kommt raus, wenn man bayrische Altrocker ("Skandal im Sperrbezirk"), einen öffentlich-rechtlichen Sender ("NDR") und die deutschen Abhör-Europameister ("Telekom") in Web 2.0 masht?

Antwort: ein durchaus amüsanter Videobetrag...

09 Juni 2008

e-max-Scooter: Rollendes Sparschwein

Klimawandel, hohe Spritpreise – von den großen Motorradhersteller kommen keine Antworten. Die kleine bayrische Firma e-max präsentiert jetzt einen Elektroroller auf dem deutschen Markt. moto1203 fuhr den Scooter mit eingebautem Sparmodus exklusiv für SPIEGEL Online.

Wer hätte das gedacht, dass Stop-and-Go richtig Laune machen kann. Ran an die Ampel, Handbremse betätigt, und plötzlich ist sie da: die e-max-Stille. Kein nervöses Knattern. Wo sich bei einem normalen 50-ccm-Roller der Verbrennungsmotor verbirgt, ist beim neuen e-max 90s eine Silicon-Batterie untergebracht. Sie gibt ihre Kraft an den fast lautlosen Elektromotor ab. Kein Scheppern dringt aus der Verkleidung. Man hört plötzlich wieder Amseln zwitschern und technisch beschlagene Fußgänger nicken wohlmeinend herüber. Seit ich mit dem Elektroroller unterwegs bin, wird das Pendeln in die Hamburger Innenstadt zum Wohlfühl-Erlebnis.

Bildstrecke bei SPIEGEL Online

Der neue 90s sei auf dem deutschen Markt schlichtweg einzigartig - so stellt ihn Thomas Grübel, der Chef von e-max, vor: ein Roller, durch den E-Motor absolut abgasfrei, aber mit einer Spitzenleistung von 3,85 kW vergleichbar mit jedem handelsüblichen 50-ccm-Flitzer. Und als Clou, passend zur aktuellen Spritpreis-Explosion: unschlagbar billig. „Sie können an jeder Steckdose, an der Sie vorbei kommen, nachladen“, hatte Göbel gesagt, „und das zu einem Preis, den kein anderer Roller schlagen kann. Ungefähr 3 Kilowattstunden, umgerechnet also etwa 55 Cent, verbraucht der e-max pro Hundert Kilometer.“ Das hört sich gut an: Ein konventioneller Scooter verbraucht auf der gleichen Distanz bis zu drei Liter Mischung, die derzeit mit rund 4,50 Euro zu Buche schlagen.

Also los. Das Ladegerät wird in einer geräumigen Luke unter der Sitzbank verstaut. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der 90s kaum von seiner Zweitakter-Verwandtschaft: schnelles italienisches Design wie bei einer eleganten Vespa, schnittige Trittbretter und eine voluminöse Sitzbank für Zwei auf den üblichen 13-Zoll-Räder. Der Tacho ist übersichtlich und zeigt auch die Restladung und die maximale Reichweite an.

Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man an der bayrischen Elektro-Novität technische Feinheiten wie zwei Scheibenbremsen und die freiliegende Einarmschwinge. Sie wird durch keinen Auspuff verdeckt und führt das Hinterrad, in dessen Nabe der 4000 W-Elektromotor surrt. Er treibt den Roller direkt an, ohne Getriebe und ohne oder die üblichen Verschleißteile wie Keilriemen oder Kette. Kupplung und Schaltung sucht man ebenfalls vergeblich, deshalb ist der Betrieb auch ohne Motorradführerschein kinderleicht: Aufsteigen, Schlüssel rein, am Gasgriff drehen und auf geht’s.

Der e-max schnurrt wie ein Kätzchen, zügig und flott zieht er davon; wer mag, kann den roten „Boost“-Schalter neben dem Gasgriff drücken und extra Leistung zuschalten. Die Tücken der Stadtfahrt macht der e-max klaglos mit: Die Gabel schluckt das Kopfsteinpflaster; die beiden Bremsen geben keinen Anlass zur Klage. Auch zu Zweit kariolt es sich munter auf dem e-max. Leider hält der Fahrspaß nicht lange vor: Die maximale Reichweite liegt bei rund 50 Kilometer. Beim Schwestermodell, dem bis auf die Batterie baugleichen 110s, ist nach 75 Kilometern Schluss. Doch ist das tatsächlich ein gravierender Nachteil?

Jein. Die durchschnittliche Laufleistung von 50-ccm-Rollern liegt in Deutschland bei etwa 4000 Kilometer pro Jahr. Und Fernfahrten sind die absolute Ausnahme. „Wir bauen keine Langstreckenfahrzeuge,“ sagt Grübel, „sondern eine kluge Alternative für überfüllte Innenstädte und Büro-Pendler.“ Und die fahren in der Regel pro Arbeitstag kaum mehr als dreißig Kilometer, kommen abends nach Hause – und hängen den Roller für mindestens 3 bis 4 Stunden ans Netz.

Erprobt ist das Konzept ohnehin: In China, wo der e-max nahe Shanghai in einer eigenen Fabrik gefertigt wird, wurden allein im Jahr 2006 rund 23 Millionen Stromer produziert; in einigen versmogten Großstädten sind Verbrennungsmotoren bereits gebannt. Der Trend reicht bereits bis nach Südtirol: In Bozen haben E-Roller eine Sonderzulassung für die verkehrsfreie Quartier im Zentrum.

Thomas Grübel und seine Partner von System Auto Parts SAP, die den 90s und den 110s ab Mitte Juni zunächst über 120 Partner des Kymco-Händlernetzes bundesweit vertreiben, quittieren den Durchmarsch des Elektroantriebs mit einer gewissen Genugtuung. Als Grübel vor sieben Jahren angefangen hat, den e-max zu planen, wurde er mitunter belächelt. Doch der Bayer war und ist felsenfest davon überzeugt, dass Elektrorollern in der Zukunft des individuellen Nahverkehrs eine wichtige Rolle spielen werden. Ein erster Kooperationsvertrag mit Honda für den japanischen Markt ist vereinbart.

Und die Kritiker, die darauf verweisen, dass Strom ja per se nicht völlig emissionslos gewonnen werden kann oder gar aus einem AKW stammt? Denen kommt er inzwischen schlitzohrig mit einem Hinweis auf der Roller-Website entgegen: „Viele Stromanbieter haben spezielle Ökostrom-Pakete im Angebot. So haben Sie die Möglichkeit, die Energie aus Wind, Wasser oder Sonne in Ihren e-max zu packen.“

Nach einer Woche Fahrbetrieb bin auch ich vom e-max überzeugt, sogar begeistert. Mit einem E-Roller im Verbund mit S- und U-Bahn bin ich in einer Großstadt wie Hamburg rundum mobil, spare Geld im Vergleich zum konventionellen Motoroller und kann mir ein Öko-Label auf den Helm kleben. Doch uneingeschränkt zum Kauf empfehlen kann man ihn dennoch nicht: Der e-max ist zu langsam und damit gefährlich.

Doch dieser Vorwurf gilt gleichwohl nicht nur für ihn, sondern für alle Fahrzeuge seiner Klasse, die steuerfrei und mit dem kleinen Versicherungskennzeichen gefahren werden dürfen. Sie sind durch die gesetzlich vorgeschriebene Drosselung auf maximal 45 Kilometer pro Stunde rollende Verkehrshindernisse. Statt mit fünfzig oder sechzig locker im fließenden Verkehr mit zu schwimmen, wurde von hinten gedrängelt, von der Seite schräg angeschaut, und von vorne geschnitten. Der Bleifuß, er kennt kein Erbarmen.

Nur im Stop-Modus, direkt an der Ampel, da ist es dann wieder da: das e-max-Gefühl. Das Gefühl, das in der Stille ruht.

Mehr Infos zum e-max-Roller

06 Juni 2008

Globalisierung: Inder kaufen italienische Designer

Quasi als Nachschlag zur gestrigen "Schräglage"-These - dem Osten gehört die Zukunft auf dem Motorrad-Markt - kam heute die Meldung über den Ticker, dass das große indische Hersteller-Konglomerat Mahindra Group 100 Prozent Anteile an der italienischen Motorrad-Designern Engines Engineering S.p.A. gekauft hat.

Engines Engineering, dessen Name in Fragen Motorradtechnik und Design meist nicht in der ersten Reihe genannt wird, betreut im Hintergrund Firmen wie Ducati, Malaguti, Benelli, Gilera und asiatische Brands wie Yamaha und die Chiniesen von Loncin.

Damit hat Mahindra, eine der zehn größten indischen Industrie-Gruppen mit einem Schwerpunkt auf Fahrzeugfertigung, sich einen reichen Fundus an technischem und optischen Know-How an Bord geholt und ist bestens aufgestellt, auch in der Zweirad-Produktion - im Massernmarkt Indfien und darüber hinaus eine wichtige Rolle zu spielen.

Interessant im Zusammenhang mit dem Artikel von gestern ist vor allem die Verbindung von Loncin und Mahindra - bei Loncin werden die ersten BMW-Motoren in China produziert. Ja, das ist Globalisierung - jeder weiß alles, jeder baut alles. Nur machen es die Einen eben billiger.

05 Juni 2008

Schräglage: Genosse von Kuenheim, übernehmen Sie!

Keine Lust auf asiatische Zweiräder und amerikanisches Heavy Metal? Dann waren BMW-Motorräder bisher die erste Wahl. Inzwischen kommen einige Motoren der weiß-blauen Bikes aus Fernost. Für die Münchner könnte das aus zwei Gründen gefährlich werden: Die Marke "Made in Germany" droht zu verwässern und schon haben Chinesen einen bayerischen Bike-Klassiker geklont. Mehr in der Kolumne "Schräglage" bei SPIEGEL Online.

Der Platzwart

01 Juni 2008

Überlandtour: Enfields und Fahrer in New Dehli

Die zehn Enfield-Fahrer, die vor einigen Wochen in Schnewerdingen (Heide) gestartet sind, sind inzwischen gut in New Dehli angekommen. Gratulation auch von moto1203!

Hier der ausführliche Reise-Blog

Der Reisewart