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01 Juli 2010

Kommentar: Elektromobilität - Senats-Totentanz in Hamburg ... Party in Stuttgart

Die Harlistas sind wieder aus der Stadt. In Hamburg ist wieder Ruhe eingekehrt. Jetzt ist wieder Zeit. Zeit für eine gekübelte Portion Häme, Spott und fragende Anwürfe.

Hamburg wird nächstes Jahr Umwelthauptstadt. Umwelthauptstadt 2011 Europas sogar, ein schöner Titel. Doch außer die Harley Days von der Reeperbahn verbannen zu wollen, scheint dem Schwarz-Grünen Senat zur Beweisführung, diesen Titel zu Recht erhalten zu haben, noch nichts eingefallen zu sein.

Ein Konzept? Ein öffentlicher Plan? Vorbereitende PR mit provokanten Claims wie "Wir sind das Ende des Öls"? Fehlanzeige.

Wo bleiben die Projekte, mit denen eine Umwelthauptstadt Zeichen setzt? Wo in der Innenstadt wird an dem Netz von Elektrozapfstellen gebaut? Wo sind die Anreize für die Pendler aus dem Speckgürtel, sich mit der Frage alternativer Transportmittel zu beschäftigen?

Spricht Ole von Beust schon mit Shai Agassi, der in Pilotprojekten in Israel, Dänemark und Japan einen Verbund von Service-Stationen aufbaut, an denen Elektroautos Strom tanken und frische Batterien beziehen? Wer spricht mit VW, Audi und BMW? Wer mit Tesla? Lasst uns die Facebook-Gruppe "Ich will meinen Ole im Tesla sehen" gründen...

Wo ist der Energie-Konzern, der sich mit einer Flotte von leihbaren E-Rollern a la Stattauto in die Innenstadt wagt? Bleibt es bei der sagenhaft erfolgreichen roten Fahrradflotte? Hat Hamburg nicht eine eigenen Stromversorger gegründet, der sich ohnehin anders positionieren muss als EON oder Vattenfall? Aufwachen. Investieren in die Zukunft.

Klar kann man mit E-Mobilen, E-Sportwagen und Elektrorollern zur Zeit keine riesigen Gewinne einfahren. Klar schwadroniert die Bundesregierung (was sie ja gerne tut), wenn sie das gewagte Ziel vorgibt, dass bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland fahren sollen. Aber es gibt keine Alternative. "Zwar garantiert nicht jede Innovation auch sofortigen Erfolg", diktiert Mercedes-Chef Dieter Zetsche dem Handelsblatt ins Stammbuch. "Aber fehlende Innovation garantiert mit Sicherheit das Scheitern."

Wo wir schon bei den Schwaben sind: In Stuttgart tut sich was. Die machen es vor, die heimlichen Umwelthauptstädter.

Dort haben sich die Stadt und der Energieversorger EnBW zusammen getan, um beim Projekt "Elektronauten" mit einem Schlag die größte Zweirad-Elektroflotte Deutschlands auf die Straße zu bringen: Fast 3.000 Personen haben sich als Testfahrer beworben; 500 Elektronauten sind nun ausgewählt worden, um mit E-Rollern und dem Stuttgarter E-Baby ELMOTO E-Mobilität auf die Überholspur zu bringen. Jetzt am kommenden Sonntag, dem 4. Juli, 2010 werden die Elektrofahrzeuge, die EnbW auch in seiner Kundenzeitschrift in hoher Auflage vorgestellt hat, im Stuttgarter Raum zum Alltag.

In einer ehemaligen Mercedes-Benz Niederlassung - inzwischen das offizielle Elektromobilitätszentrum der Modellregion Stuttgart - werden am 4. Juli die E-Bikes an die 500 Elektronauten ausgegeben. Nach der Übergabe erfolgt eine gemeinsame Bike-Parade zur Party am Schlossplatz - ok, das sind nicht ganz die Harley Days, aber ist doch symbolträchtig: 4. Juli - Independence Day ...

Das war Harry Hurtig, live für moto1203 aus Stuttgart. Wir schalten zurück nach Hamburg. Hallo Studio? Hallo Schaltzentrale? Hallo Rathaus? Ist jemand auf Sendung? Hört mich jemand?

25 März 2010

KTM wagt sich ins wilde Elektro-Gelände

Zu früh, zu unsicher, zu marginal – bisher scheuen die etablierten Hersteller den Einstieg in den Markt mit Elektro-Motorrädern. Jetzt preschen die Österreicher von KTM vor und stellen in Tokyo zwei sportliche „Freeride“-Modelle vor. moto1203 hat die ersten Bilder.

Als der Motorradhersteller KTM im Oktober 2008 einen Crosser mit Elektro-Antrieb zeigte, hielten die meisten Betrachter die Maschine für eine witzige Fingerübung der Ingenieure aus dem österreichischen Mattighofen.


Weit gefehlt: KTM, bekannt für seine Sportmotorräder, stellt heuer auf der Tokyo Motorcycle Show zwei serienreife „Freeride“-Modelle vor. Sowohl die Supermoto- als auch die Enduro-Version laufen mit einer exklusiven, zum Patent angemeldeten gekapselten Batterie-Motor-Einheit. Beide „Zero-Emission“-Motorräder sollen im Frühjahr 2011 käuflich zu erwerben sein.



Dass KTM den Eintritt in den unerforschten Markt mit Elektromotorrädern wagt und dabei keinen Pendler-Roller präsentiert, kommt nicht von ungefähr. Die Firma ist auf die Bereiche Offroad, Supermoto und Sportsbike spezialisiert, wirbt mit dem Slogan „Ready to Race“ und lebt vom Image des Zweirad-Seriengewinners bei der Rallye Dakar.

Die Geschäfte laufen zur Zeit allerdings wie bei allen anderen Herstellern suboptimal; Zeit also für Diversifizierung und neue Käuferschichten.

Stefan Pierer, der Vorstandsvorsitzender von KTM: „Emissionsfreie Fortbewegung mit dem Motorrad bringt kurzfristig vor allem für den Offroad-Sport neue Impulse und eröffnet völlig frische Perspektiven, deshalb sind wir hier in doppelter Hinsicht gefragt.“ Pierer erhofft sich von der E-Strategie – und der deutlichen reduzierten Geräuschkulisse bei Elektro-Rennen – neue Rennklassen und eine bessere Akzeptanz für stadtnahe Enduro- und Motocross-Strecken: „Wenn die Anwendung des Sportgerätes lautlos näher an ‚zu Hause’ rückt, können neue Zielgruppen erschlossen werden.“

Laut KTM werden sowohl die Supermoto, für die eine Straßenzulassung möglich ist, als auch die Gelände-Version von einem Block aus Lithium-Ionen-Batterien angetrieben, die für ein Drehmoment von 45 Nm schon bei 500 Umdrehungen pro Minute sorgen. Für die Steuerung sorgt ein Drive-by-Wire-System in Verbindung mit einem eigens entwickelten Controller.



Die erstmal verwendete Kopplung von Akkus und elektrischem Synchronmotor in einem Paket sollen die bei Cross-Maschinen üblichen Verschleiß-, Schmutz- und Wasser-Probleme auffangen. Bei einem Gewicht im 90 Kilogramm seien die Spitzengeschwindigkeit von 70 km/h und die Leistung von umgerechnet bis zu 30 PS mit der einer herkömmlichen 125 ccm-Zweitakt-Maschine zu vergleichen. Die Fahrzeit auf der 21-Zoll-Bereifung liegt bei etwa einer Stunde. Danach muss der Akku 90 Minuten lang geladen werden. Bis zur Serienmaschine soll sich jedoch im Batteriebereich noch viel tun: Der derzeit verwendetet Typ reicht für ca. 500 Ladungen, was nach Aussage von KTM dem normalen „Lebenszyklus“ eines Enduro-Motorrades entspricht.

Mit den sportlichen „Freeride“-Modellen positioniert sich KTM abseits der großen japanischen Herstellern, die eher den Roller-Markt dominieren werden, und BMW, wo über ein eigenes, langfristiges „Elektro-Konzept für die urbane Mobilität“ nachgedacht wird.



Konkurrenten für die „Freeride“-Modelle sind deshalb eher erfolgreiche Newcomer wie Zero Motorcycles, denen KTM zumindest an einem Punkt Paroli bieten kann: dem Preis. Unter 10.000 Euro soll der Käufer ab Frühjahr oder Sommer 2011 zahlen – nicht mehr als für eine konventionelle Sport-Enduro aus dem gleichen Haus.

19 Januar 2010

Audi - das erste (inoffizielle) E-Bike-Koncept

Wahr ist: Audi hat schon einmal ein Motorrad gebaut. In den Siebzigern, einen Vierzylinder auf der Basis des Audi 50-Motors. (Den Bericht über die Z02 gibts über die Suche und das Suchwort Audi.).

Falsch ist: Das diese Studie eines flotten E-Bikes des Industrie-Designers Juan Sebastián Orozco Herrera in irgend einer Form mit den Ingolstädtern abgesprochen wäre ....

Posted via web from m o t o 1 2 0 3 - road kill

05 Oktober 2009

E-Bikes: MotoCzysz kooperiert mit den Indern von von Bajaj

Der amerikanische Hersteller von hochwertigen E-Bikes MotoCzysz hat angekündigt, zusammen mit dem Massenhersteller von Zweiräder Bajaj bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen unter dem Codenamen "Dream Project, Next Generation Automobile" zu kooperieren.

MotoCzysz, die Firma des exzentrischen Michael Czysz, will dabei seine Erfahrung bei der Entwicklung von Batterien und Fahrwerken einbringen, während das indische Konglomerat Bajaj seine finanzstarken Produktionskapazitäten einbringen will. Bajaj hält auch einen großen Aktienanteil an KTM, das selbst 2010 einen Elektro-Crosser auf den Markt bringen will.

Hier ein Auszug aus der Presseerklärung: " The Joint Venture project will be a clean-sheet design, prioritizing safety, efficiency, performance and style. It will combine leading green technologies with innovative packaging and style solutions to create an affordable alternative to the traditional automobile. “Michael Czysz has a rare skill set with first hand experience in internal combustion, electrification, motorcycle and overall environmental design. Given his unique design background and history of innovation we are excited about the possibilities of this project” says Rajiv Bajaj, MD of BAL. “When I walked through the gates of Bajaj I was immediately moved, the place, the people and the family are inspiring, it feels like anything is possible and the level of competence I saw was world class, Bajaj is an ideal partner.” says Michael Czysz.

Mehr dazu hier.

Honda Cub: Zeitwende beim bestverkauftesten Zweirad der Welt


Während andere japanische Massenhersteller sich noch winden, hat zumindest Honda die Zeichen der Zeit für den kompletten Umbau der urbanen Mobilität erkannt. Das Unternehmen hat jetzt Bilder eines Elektro-Cub freigegeben - der Strom-Version des weltweit meist verkauftesten Zweirads Honda Super Cub: Welcome the EVE-Cub. Das Honda Cub ist mit seiner Stückzahl von über 60 Millionen seit Baubeginn 1958 die Mutter aller Zweiradverkäufe.

Honda will das Fahrzeug Ende des Monats auf der jährlichen Tokyo Motor Show vorstellen, hat aber noch nicht bestätigt, dass es sich dabei um das Fahrzeug handelt, das ab 2010 weltweit in der Verkauf gehen soll.

Zu erkennen ist vorab schon einmal das Honda-Konzept: relativ hochwertige Materialien sowie der Einsatz von zwei Nabenmotoren.

16 September 2009

E-Bikes: Streit um den Geschwindigkeitsrekord ....

Foto: (c) Mission Motors

Neue Technologie, neue Bikes, neuer Streit: In den USA wird unter den Liebhabern der E-Bike-Fraktion heftig debattiert, wer zur Zeit den Rekord für das schnellste Motorrad mit elektrischem Antrieb hält.

Der Hintergrund: Mission Motors, deren E-Maschine beim TTXGP auf der Isle of Man den vierten Platz belegt hatte, hat ein speziell aufbereitetes Bike auf die Salz-Rennstrecke der Bonneville Salt Flats geschickt, und damit eine Geschwindigkeit von 150.059 Meilen pro Stunde - also 241,5 Stundenkilometer - erreicht. Wired berichtete darüber.

Nun meldet sich killacycle zu Wort. Deren elektrisches Dragbike wurde am 23. Oktober 2008 am Ende der Viertelmeile mit 174.05 Meilen pro Stunde (280,04 km/h) gestoppt...

Nun streiten sich die Experten: Wer hat das schnellste E-Bike? Und werden da nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Viertelmeile bei stehendem Start und zweifaches Durchfahren einer Distanz?

Anyway, vielleicht sollten sich die Amis mal mit xxl racing aus Kassel unterhalten. Deren angekündigte, öffentliche Rekordfahrt mit ihrer E-Maschine scheiterte bisher an der Genehmigung durch die Behörden, aber man hört so Einiges ... sie schreiben jedenfalls auf ihrer Website: "Der eingesetzte Synchron-Elektromotor ermöglicht uns ein grosses Drehzahlband, mit dem eine Spitzengeschwindigkeit von über 200km/h erreicht wird."

20 August 2009

TTXGP: Elektro Grand Prix kommt nach Deutschland - Rennserie ab 2010


Die deutschen Motorsport-Granden wachen auf: Zum Superbike-Rennwochenende vom 4. bis 6. September sind die englischen Veranstalter des TTXGP offiziell eingeladen, eine Woche später zum Finallauf der IDM in Hockenheim hat der Deutschen Motorsport Verband (DMV) Demo-Fahrten mit einem E-Renner aufs Programm gesetzt. Das Ziel: eine deutsche Rennserie mit alternativen Antrieben schon in 2010.

Bei beiden Veranstaltungen sollen Demonstrations-Runden gefahren werden, um die neue E-Serie den deutschen Rennsportfans vorzustellen.

Die Engländer vom TTXGP haben bereits angekündigt, mit mehreren Teams vom allerersten Rennlauf auf der Isle of Man in diesem Jahr am Ring Flagge zu zeigen.

Hans-Robert Kreutz, Rennarzt und Präsident des Deutschen Motorsport Verbands (DMV), zur Veranstaltung in Hockenheim: "Dieses Jahr machen wir nur Demo-Fahrten. Aber wir wollen bereits 2010 eine eigene Klasse in Deutschland etablieren und sind zur Zeit mit verschiedenen Firmen und Teams im Gespräch." Kreutz sagt, dass sowohl am Samstag als auch am Renn-Sonntag die E-Maschinen - bzw. die E-Motoren - angeworfen werden.

Das deutsche Team von XXL Racing, das auf der Isle of Man den zweiten Platz belegt hatte, ist am Nürburgring wohl vor Ort; für die Präsentation in Hockenheim haben Marko Werner, Thomas Schuricht und Thomas Schönfelder bereits zugesagt und ihre Maschine zur Verfügung gestellt.

Damit zeichnet sich ab, was bereits auf der Isle of Man diskutiert wurde: die Internationalisierung der E-Rennen vor dem Hintergrund der kürzlichen Anerkennung einer völlig eigenen "Alternativ"-Klasse durch den Internationalen Motorsportverband FIM.

Das Foto zeigt den E-Racer von XXL Racing bei der technischen Abnahme vor dem Rennen auf der Isle of Man.

13 August 2009

Siemens baut E-Chopper - leider (bisher) nur als Einzelstück


Die Energie Service Division, anscheinend der innovative Arm von Siemens USA, hat mit einem unerwarteten Partner einen Chopper mit Elektromotor gebaut: Orange County Choppers, die aus Funk und Fernsehen bekannte Hardcore-Schraubertruppe um Paul Teutul Senior. (im Bild)

Die Maschine, von der es nur ein Einzelstück geben soll, hat angeblich eine Reichweite von 60 Meilen und soll mit dem fetten 300er Hinterreifen auch 100 Meilen schnell sein. Dass Siemens gute Elektromotoren bauen kann, hat bereits das XXL-Team mit einem entsprechenden Aggregat der Firma beim TTX Grand Prix auf der Isle of Man in diesem Jahr bewiesen.

Das Bike soll nach einer Promotion-Tour durch die USA 2010 zu Gunsten einer Stiftung versteigert werden.

Warum ist das interessant?

Teutuls Werk - ganz im Stil von OCC, aber mit Sicherheit nicht so laut - belegt die These, dass die Neuorientierung der Zweiradbranche in vollem Gange ist. Elektro wird kommen, mit Macht. Der Wandel des Antriebsaggregates vom Verbrennungsmotors hin zum Stromer und das dazu benötigte Know-How gibt völlig anderen Spielern und Firmen eine Chance auf dem Markt - es muss nicht immer Honda, BMW oder Yamaha sein. Möglich wären auch Siemens und Newcomer wie e-max, Zero und Konsorten. Spannende Zeiten liegen vor uns...

Mehr dazu bei WIRED/Autopia.

21 Juli 2009

BMW: Sieht so der kommende E-Scooter aus?

Die Spatzen pfeifen und twittern es ja schon länger von den Dächern: Auch BMW wird in den wachsenden Markt mit Elektrofahrzeugen einsteigen. Gemutmaßt wurde bisher - wohl zu Recht - , dass das (gescheiterte) Experiment C1 eine geeignete Fahrzeugplattform sein könnte.

Die Spanier von www.soloscooter.com haben sich nun in der Gerüchteküche weit vorgewagt und einen Entwurf von Oberdan Bezzi sowie eine optisch modifizierte C1 ins Netz gestellt.

Spekuliert wird in dem (spanischen) Artikel auch über die technischen Details des Gefährts: Lithium-Batterien sollen drei Stunden Fahrzeit bei einer maximalen Geschwindigkeit von 120 kmh bringen. Soloscooter - und damit geht die zur Zeit haltlose Spekulation weiter - kündigt den Prototypen des Elektro-BMW-Scooter für 2010 und den Sprung in den Verkauf für 2011 an ... man wird sehen, vielleicht schon auf der nächsten EICMA in Mailand im Herbst.

17 Juli 2009

E-Bikes: BestBuy wird zum ersten Discounter für Elektro-Moppets

Bei BestBuy in den USA - zumindest in den Filialen der Discounter-Kette im Nord-Westen der Vereinigten Staaten - wird nun außer der neuen Brammo Enertia auch das Ultramotor A2B-Moped angeboten.

Der Trend zum relativ hochwertigen Elektrofahrzeug - die Enertia kostet rund 10.000, das A2B um die 3.000 Dollar - schwappt inzwischen auch über den Atlantik nach England: Das A2B gibt es auch in den Electric Transport Shops in Oxford, Cambridge und Camden Town für unter 2000 englische Pfund.

14 Juli 2009

E-Bikes: Brammo Enertia jetzt offiziell im Vertrieb

Offizieller Rollout: Seit gestern vertreibt die Warenhauskette BestBuy im Nordwesten der USA das Elektromotorrad Enertia des Herstellers Brammo. Das erste Bike war vor drei Tagen von der Produktionsstraße gelaufen: "I just got off of the first ride of the first 100% production ready bike off the assembly line! We call it the "Golden Bike" altho in white..."

Die Enerita leiste umgerechnet etwa 13 PS, ein Drehmoment von 13 Nm und soll die Höchstgeschwindigkeit von knapp 110 kmh über eine Distanz von 70 Kilometern halten.

Brammo hat eine Rennversion der Enertia beim diesjährigen, erstmalig stattgefundenen E-Bike-Rennen auf der Isle of Man eingesetzt und war mit großem Tross und gesponsert von BestBuy angetreten. Schneller waren allerdings kleine Hersteller aus Indien und ein deutsches Team aus Kassel.

Die Enertia ist nicht das erste E-Bike, das in den USA käuflich zu erwerben ist, aber Brammo ist der erste Hersteller, der mit BestBuy einen namhaften Massenvertrieb vorweisen kann.

10 Juli 2009

Elektro-Scooter: Piaggio kündigt Hybride für 2010 an

Als erster Roller- und Motorradhersteller wagt sich Piaggio auf den Hybid-Markt: Der Hersteller nahe Pisa will ab 2010 einen Hybridantrieb für Motorroller anbieten. Der Hybridantrieb ist nach Angaben von Piaggio derzeit als Prototyp in den Rollermodellen Vespa LX, Vespa X8 und dem dreirädrigen Mp3 zu sehen.

Bei dem nach einem Forschungs- und Entwicklungsaufwand von zehn Mio. Euro patentierten Antriebsaggregat handelt es sich um die Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektromotor. Die Ladung des Lithium-Akkus wird bei normalem Fahrbetrieb konstant aufrecht erhalten und reicht im Alleinbetrieb über Batterie 20 Kilometer. Wenn die Batterie leergefahren ist, kann sie über einen beliebigen 220-V-Wechselstromanschluss wieder aufgeladen werden.

Der Durchschnittsverbrauch bei gemischter Fahrweise liegt bei 1,66 Liter je 100 Kilometer und damit deutlich unter dem eines handelsüblichen Motorrollers mit vergleichbarer Hubraumklasse.

"Es handelt sich nicht nur um einen Scooter mit zwei Motoren, sondern um ein Antriebskonzept, das einen herkömmlichen Verbrennungsmotor und einen Elektromotor zu einem sparsamen und umweltfreundlichen Verkehrsmittel vereint", so Piaggio. Die ersten in Italien montierten Fahrzeuge sollen Mitte kommenden Jahres in den Handel gebracht werden - zum Verkaufspreis unter 10.000 Euro.

Mehr Infos: pressetext.deutschland

09 Juli 2009

E-bikes: Italiener können auch elektrisch

Aus einer kleinen italienischen Moto-Schmiede kommt dieser Herausforderer auf dem Markt für Offroad-Elektrobikes: die Bull aus dem Hause EVOLT in Monticello nördlich von Mailand. Sie gut gemacht aus.

Der Crosser wird von einem 84 Volt Elektromotor gepowert, der seine Kraft aus einem Lithium-Batteriensatz mit 30 Ah zieht. Damit soll die Bull fähig sein, 2 Stunden offroad zu absolvieren und eine maximale Geschwindigkeit von 70 - 90 Stundenkilometer zu machen. Ob diese Geschwindigkeit über die ganze Zeit gehalten werden kann, ist fraglich, hängt wohl vom Gelände ab.

Weil Elektromotoren ihre Power unabhängig von der Drehzahl sofort liefern, ist das Drehmoment imposant: 480 Newtonmeter. Wow.

Über Preise und Lieferadresse in Deutschland ist auf der italienischen Website von EVOLT, auf der auch ein Roller und ein etwas keinere Offroader angeboten werden, erst einmal nichts zu erfahren. Aber zumindest eine Kontaktadresse gibt es ...

06 Juli 2009

BMW-Elektro-Bike: umweltfreundlich - aber tödlich

Die Freunde von Gas2.0 haben ein surreales Gefährt ausgegraben - Halbo, den Wettbewerbsbeitrag des Franzosen Pierre Yohanes Lubis zum BMW Motorrad Innovation Contest 2009.

Ein Einrad - unterstützt durch eine kleine Heckrolle - mit Elektroantrieb. Details über Art des E-Motors, die Batterien, Reichweite und Realisierung gibt es nicht, aber sicher ist: Das Halbo ist saugefährlich - und wir werden es in absehbarer Zeit nicht im Straßenverkehr sehen.

Der letzte öffentliche Workshop zum BMW Motorrad Innovation Contest 2009 - mit Einsendeschluß am 17. Juli, also haltet euch ran - findet übrigens in Berlin statt: Am just dem gleichen Tag um 18:00 Uhr in Spandau, in den BMW-Werken, Am Juliusturm 14, 13599 Berlin.

Was BMW aus dem Ideenwettbewerb macht, steht in den Sternen. Ich schieße mal aus der Hüfte: In der R&D-Abteilung sitzen Menschen vor dem CAD-Computer und überarbeiten die alten Blaupausen des C1. Da passt doch ne große Batterie rein.

Was meint ihr? Wie sieht die erste E-BMW 2010 aus?

01 Juli 2009

E-Bikes: Brammo-Chef Craig Bramscher schaut in die Zukunft


Wir hatten darüber berichtet - das Enertia Elektro-Bike von Brammo - hat in einer aufgebohrten Rennversion beim ersten E-Grand Prix auf der Isle of Man vor zwei Wochen einen guten dritten Platz belegt.

In einem Interview mit Wes Siler, einem der Kollegen vom "Hell for Leather"-Blog hat nun der Mastermind von Brammo, Craig Bramscher, ausführlich erklärt, wie er sich die kommerzielle Zukunft seiner Firma so vorstellt: "Wir werden der nächste große amerikanische Motorrad-Bauer sein."

Hier der Link zum Feature-Interview (auf englisch...)

Der Blogwart, Foto (c) Hell for Leather Magazine

19 Juni 2009

Elektro-Grand Prix Isle of Man: Gentlemen, start your Batteries!


Den tragischen ersten Grand Prix für Elektromotorrädern gewannen indische Nobodys – mit Hilfe eines exzentrischen Engländers. Auch ein deutscher Starter kam überraschend aufs Podium.

Der Vater des Elektrorennsports trägt einen verlotterten Parka und geht gerne barfuss. Cedric Lynch aus Potters Bar bei London bindet seine grauen Strähnen zu einem schütteren Zopf und spricht in exakt jenem seltsam singenden Oberklassen-Englisch, das bei Monty Python-Sketchen für die meisten Lacher sorgt: “Meinen ersten Motor habe ich in den Siebziger Jahren gebaut, nachdem mir jemand ein Elektrobastelbuch geschenkt hat.“

Das Bürschchen mit dem hohen IQ hat seither den Lynch-Motor entwickelt, einen extrem kompakten und gleichwohl hoch effizienten Gleichstrom-Bürstenmotor. Wenig Gewicht und Wirkungsgrad über 90 Prozent - Lynchs Motor ist der heimliche Held unter den Startern beim ersten Grand Prix-Rennen für Motorräder ohne Verbrennungsmotorräder während der traditionsreichen TT Races 2009 auf der Isle of Man. Acht von 13 Teams, die an der Startlinie stehen, setzten auf Cedrics Lynchs Erfindung.

SLIDESHOW ZUR ELEKTRO GRAND PRIX BEI SPIEGEL ONLINE

Azhar Hussain, ein smarter Londoner mit pakistanischen Wurzeln, ist der Mastermind hinter dem TTX Grand Prix. Er hat die Veranstaltung aus dem Boden gestampft, sie bei der internationalen Motorsport Föderation FIM als eigene Klasse durchgeboxt, und den Widerstand der widerborstigen Inselbewohner gegen die Neuerung schwach geredet. Jetzt sind alle auf der Insel begeistert von der Sache; der Umweltminister des Eilands rühmt den Event: „Wir haben über Hundert Jahre Renntradition, aber mit dieser Innovation und diesem Rennen schreiben wir Geschichte.“ Das ist sicher Hussains Verdienst, aber auch er erkennt neidlos an: „Cedric ist der wahre Star.“

David gegen Goliath

Stars wären gerne auch andere. Etwa Michael Czysz, der aus Portland, Oregon gekommen ist. Er hat mehrere Jahre vergeblich versucht, ein Superbike „Made in the USA“ auf die Beine zu stellen. Im letzten September ist Czysz auf den E-Bike-Zug aufgesprungen. Er ist zwei Tage vor dem Start eingeflogen – mit großer Entourage und Westcoast-Pomp: Ein eigenes Filmteam soll den großen Auftritt festhalten.

Das kommt im Fahrerlager, wo die restlichen 16 Teams ihre Zelte aufgeschlagen haben, genauso schlecht an wie Czysz’ rabenschwarze Sonnenbrille und seine Pomade. Czysz und sein Bike – optisch ohne Zweifel eine Augenweide – residieren außerhalb an einem geheimen Ort.

Auch für die anderen amerikanischen Start-ups wie Brammo, Mission Motors und Electric Motors steht viel auf dem Spiel. Sie müssen ihre elektrischen Straßenmaschinen wie die Mission One promoten und haben viel Geld investiert: Brammo hat einen Sponsor-Deal mit der Kaufhauskette BestBuy und bereits über 10 Mio. US-Dollar in das Enertia-Bike gesteckt. Dennoch hat sie alle der „Racing Spirit“ angesteckt – auf der Grünfläche hinter der Hauptribüne, wo die Reifen-Trucks und die Wohnwagen der Fahrer für das Feld der TT-Rennen dicht gedrängt stehen, sind die E-Biker trotz völlig unterschiedlicher Budgets alle gleich.

Alle wollen gewinnen, im historischen Jahr eins des Elektrorennsports: die Studenten von der Brunel University, ihre Kommilitonen aus Kingston, die Österreicher vom Htblauva-Team und natürlich das ManTTX-Racing von der Insel selbst.

Indische Connection

Auch Kapil Shelke, Ketan Mhasawede und Krunal Nanavati vom indischen Team TORK sind wegen des Sieger-Pokals gekommen. Die drei Maschinenbau-Studenten aus Punai, allesamt Anfang Zwanzig, haben keinen Sponsor. Den Flug haben sie selbst bezahlt und die unzähligen Stunden, die sie in ihre Maschine gesteckt haben, zahlen sich nur in Form einer ansehnlichen Abschlussarbeit aus. Doch die drei Jungs sind zuversichtlich: „Wir schaffen das, wir haben vielleicht nicht die besten Batterien oder den besten Rahmen, aber mit John Crellin einen der besten Fahrer.“ Und eben Unterstützung durch den Favoriten, der beide Testläufe im Lauf der Woche in der schnellsten Zeit absolviert hat: Team Agni. Dessen Besitzer hat ihnen die Agni-Antriebsmotoren frei Haus geliefert.

„Ich kenne Cedric seit über zwanzig Jahren, mein Haus ist sein Haus,“ sagt Arvind Rabadia. Der geborene Londoner hat vor einigen Jahren den Hardware-Laden seiner Eltern im Eastend verkauft und damit Agni-Motors in Indien gegründet. In Gandhidham, eine Stunde von der pakistanischen Grenze entfernt, werden von zwei Dutzend Arbeitern Elektromotoren für Schiffe und Go-Karts in Kleinserie gebaut. Konstrukteur Cedric Lynch, den Rabadia beim Umzug gleich mit genommen hat, hat bei Agni eine Entwicklungs-Abteilung, aus der auch der speziellen Agni-Motor für den TTX Grand Prix stammt.

Die Rennmaschine, mit der Fahrer Rob Barber für Team Agni an den Start geht, ist auf den ersten Blick eine konventionelle Suzuki GSXR 750; Rahmen, Felgen und Bremssystem sind unverändert geblieben. Befeuert wird das rote Gefährt nach der TTX Grand Prix-Prämisse „zero carbon, clean emission“ allerdings verbrennungsfrei von zwei gekoppelten Elektro-Motoren, die das Hinterrad mit 42 PS antreiben. Die Motoren saugen die nötige Kraft aus 42 koreanischen Kokam Lithium-Polymer-Zellen mit 70 AH.

Vergessene Siemens-Ware

„Die Inder haben ein gutes Paket, das absolut auf die Isle of Man passt,“ sagt Thomas Schönfelder. Der Kasseler fährt TT-Rennen im siebten Jahren; er weiß, dass kaum ein anderer Kurs auf der Welt Fahrer und Maschine so viel abverlangt. Die „Mountain Course“-Strecke, auf der seit 1907 Motorradrennen ausgetragen werden, führt über rund 60 Kilometer vom Start in der Inselhauptstadt Douglas durch winklige Ortsdurchfahrten mit gemeinen Haarnadelkurven. Unebene Landstraßen mit fiesen Brücken führen über Ramsey hoch zum 427 Meter hohen Pass am Snaefell. Von dort geht es zurück zum Zieleinlauf in Douglas – insgesamt 225 Kurven, eine Tortur in Fast Forward ohne Auslaufzone. Leitungsmasten, Telefonzellen und Mauern, die die Strecke säumen, sind mit Heuballen notdürftig gepoltert.

Schönfelder ist mit Thomas Schuricht und Marko Werner von XXL Racing am Start. Das Trio aus Kassel hat rund 30.000 Euro aus den eigenen Taschen in das Low-Budget-Projekt gesteckt. „Nein, wir fahren keinen Agni-Motor, sondern einen wassergekühlten Siemens- Drehstrommotor in Verbindung mit Lithium-Mangan-Zellen“, sagt Thomas Schuricht. Eingepasst in den Rahmen einer alten Laverda, Baujahr 1996, bringt die XXL-Rennmaschine 45 KW – vergleichbar etwa 62 PS. Schuricht, der wie Marco Werner bei einem Bosch-Dienst gelernt hat und jetzt am Fahrzeugtechnischen Zentrum in Kassel unterrichtet: „Der Motor selbst könnte das Doppelte leisten, aber wir haben ihn bewusst gedrosselt, um das Maximale über die lange Distanz rauszuholen.“

Dass die Kasseler überhaupt antreten, liegt an den guten Beziehungen zu einem alten Siemens-Entwickler: Der Motorentyp wurde dort in den Neunziger Jahren entwickelt, aber verschwand im Regal. Schuricht schüttelt den Kopf: „Typisch für deutsche Großkonzerne. Erfinden tolle Teile, aber verwerten sind nicht.“ Beim TTXGP ist Siemens’ Altmetall, ohne Wissen der Zentrale recyclet, in Verbindung mit Schönfelders Erfahrung auf der Strecke die Überraschung: XXL liegt nach den Trainingstagen überraschend weit Vorn.

Surrend zum Sieg

Am Renntag scheint die Sonne; die Tribüne am Start ist voll besetzt. Zu den Rennen, immer Anfang Juni, kommen zehntausende Motorsport-Fans aus ganz Europa. Zusammen mit den Speed-verrückten Einheimischen bevölkern sich jeden Stehplatz an der Strecke. Der technische Inspektor witzelt: „Heute wäre auch ein Tag für Solar-Bikes, oder?“

Eine gemeinsame Startaufstellung gibt es bei der TT nicht, die Fahrer fahren gegen die Zeit. Sie werden im Abstand von 30 Sekunden auf die Strecke geschickt: Den Ruhm, als erste Fahrer bei einem offiziellen E-Rennen losgesurrt zu sein, heimst der Fahrer von Mission Motors ein. Auch Stefan Gulas mit den beiden Maschinen von Team eRockit in Berlin und das Einmann-Unternehmen Harald Gasse, der den einzigen Scooter gemeldet hatte, wären gerne an den Start gegangen. Technische Probleme. Gulas erkennt neidlos an: „Technik ist die deine Sache. Aber auf der Isle of Man bringt man die nur zum Laufen, wenn man auch das Rennsport-Knowhow hat.“

Das zahlt sich bei Thomas Schönfelder aus. Nach einem Drittel des Rennens – der schnieke Renner von Michael Czysz, das Experimental-Bike von Kingston und der hausgemachte Ducati-Agni-Klon vom ManTTX-Team sind bereits ausgefallen, liegt Schönfelder auf dem zweiten Platz. Dann fällt er plötzlich zurück, wird von einem der amerikanischen Brammo-Fahrer überholt. „ Das war volle Absicht. Auch bei E-Bikes braucht man die richtige Rennstrategie,“ sagt Schönfelder später. „Ich kenn doch die Strecke, in Ramsey vor den Bergen ist noch gar nichts entschieden.“

Schönfelder behält Recht, dass er Gas raus nimmt, und die Batteriereserven für die Steigungen durchs Hochmoor schont. Nach 29:04 Minuten fällt für XXL Racing die Zielflagge – zweiter Platz für Schöbfelder, sein erstes Podium bei der TT, und eine besondere Genugtuung: Der alte Siemens-Motor hat mit über 170 Stundenkilometer die höchste gemessene Geschwindigkeit erreicht.

Gewonnen haben wie erwartet die Inder: Die drei Punaier Studenten landen auf Platz 8, aber Team Agni mit Rob Barber im Sattel und dem getunten Motor von Cedric Lynch waren nicht zu schlagen. Siegerzeit 25:53 Minuten für 60,3 Kilometer, damit hat der erste TTXGP-Gewinner Barber den alten Rundenrekord für 50-Kubik-Maschinen gebrochen. Auch Thomas Schuricht ist begeistert: “Alle großen Teams aus den USA geschlagen, was will man mehr?“ Er ist sich nicht sicher, ob diese Chance jemals wieder kommt: “Nächstes Jahr werden die Karten komplett neu gemischt – andere Teams, effizientere Batterien und Motoren. Und unterm Strich höherer Geschwindigkeiten.“

Triumph und Tragödie

Mit Highspeed geht es zwei Stunden nach dem TTXGP-Zieleinlauf wieder zur Sache: Im Senior TT, dem letzten Rennen der diesjährigen Races über sechs lange Runden und 360 Kilometer, prügeln die Fahrer explosive 1000-Kubik-Maschinen über den Kurs. Auch John Crellin, der Pilot der TORK-Maschine, und TTXGP-Gewinner Rob Barber sitzen wieder im Sattel.

Bei Rennklassen wie den Superkibes oder dem Senior TT geht es für alle Fahrer trotz des brennenden Ehrgeizes, eine Plakette mit nach Hause zu nehmen, ums pure Überleben. Bei Spitzen über 280 Stundenkilometer müssen sie jederzeit damit rechnen, dass eine plötzliche Windböe sie von der Strecke oder in eine der Natursteinmauern wischt. Seit die TT im Jahr 1907 das erste Mal gefahren wurde, starben über 220 Starter. 2005, im schlimmsten Jahr, gab es neun Tote. Für Tony Brown, Chief Minister der Inselregierung, kein Grund zur Aufregung: „’Die Races sind Teil unserer Tradition. Und kein Fahrer wird gezwungen zu starten.“

Rob Barber, der strahlende Champion vom Vormittag, hat gegen die Werks-Superbiker wie John McGuinness oder Steve Plater keine Chance. Er landet nach dem ermüdendem Kampf durch das „Street Furniture“ – so nennen die Fahrer die Kanaldeckel, Risse und Unebenheiten in der Piste – mit acht Minuten Rückstand auf dem zwölften Platz.

John Crellin, mit 55 Jahren einer der TT-Veteranen, kommt in der fünften Runde nicht nach Douglas zurück. Kurz vor dem Pass am Snaefell stürzt er mit seiner Suzuki an der „Mountain Box“. An dieser Stelle haben die Fahrer in einer gezogenen Linkskurve über 200 Stundenkilometer auf dem Tacho. Crellin, der Einheimische aus Douglas, ist wohl sofort tot. Minuten, nachdem Crellin von der Strecke geschafft wird, geht das Rennen weiter.

Rob Barber passiert die „Mountain Box“ kurz nach dem Unfall. „Als ich vorbei kam, ist gerade der Helikopter gelandet. Schrecklich. Aber ist die Isle of Man. Jeder von uns weiß, auf was er sich hier einlässt – einen Moment nicht aufgepasst, und es kann dein letzter gewesen sein.“

Barber will nächstes Jahr seinen TTXGP-Titel verteidigen. Crellins Tod, der ist mit einer stillen Gedenkminute abgehakt. „Ich bin mir sicher, John starb glücklich und mit sich im Reinen. Es war ein großartiger Tag für ihn – er stand auf dem Siegerpodium heute morgen. Was kannst du mehr erwarten?“

02 Juni 2009

E-Bike Elmoto: Das schwäbische Stadt-Stromerle

Pedelecs sind Fahrräder mit Elektromotoren - leider sahen sie bisher meistens aus wie vom Orthopäden verschrieben. Zwei Stuttgarter Designer beweisen jetzt mit dem schnittigen Strom-Moped Elmoto, dass Öko-Zweiräder Stil haben und Spaß machen können.

Zugegeben: Ganz legal ist es nicht, mit Oliver Seme auf dem Kleinkraftrad über den Stuttgarter Schlossplatz zu brettern. Doch am Elmoto scheint sich keiner der Passanten in der Fußgängerzone zu stören. Beim Stopp an einem der In-Cafés wird der motorisierte Eindringling eher freundlich und neugierig beäugt: "Ja, das isch ja schick. Aber habt ihr kein Motorle?", fragt eine Frau mit Einkaufstüten und Kinderwagen im Schlepptau.

Natürlich hat das Gefährt einen Motor, erklärt Seme geduldig, aber eben kein konventionelles Verbrennungsaggregat: Das Elmoto, das aussieht wie eine Kreuzung aus Mountainbike und Motocrosser, säuselt wie eine Nähmaschine und wird von einem Akku und einem Elektromotor in der hinteren Radnabe angetrieben. Auch Seme, einer der Erfinder, hat noch Schwierigkeiten, seine Kreation einzuordnen: "Also ein richtiges Pedelec ist es definitiv nicht, aber auch kein Moped."

Aus Italien, wie ein anderer Betrachter zu wissen glaubt, stammt das Elmoto jedenfalls nicht: "Wir verbauen aus Kostengründen natürlich Technikteile und Batterien aus China und Taiwan", erklärt Oliver Seme. Aber die Idee, das Niemandsland zwischen Fahrrad, Elektroroller und Moped neu zu besetzen, komme ganz klar aus dem Ländle: "Alles schwäbisch!"

Zu gewagt für den Stromriesen

Genauer gesagt: aus der Stuttgarter Innenstadt. Dort sitzt im achten Stock eines Bürohochhauses die Design-Schmiede IPDD. "Wir haben vor ein paar Jahren einem großen Energieversorger vorgeschlagen, langfristige Stromverträge so ähnlich wie im Mobilfunkgeschäft mit einem coolen Produkt zu koppeln. Also kostenloses Fahrzeug statt kostenloses Handy", sagt Stefan Lippert, einer der Chefs von IPDD und die zweite treibende Kraft hinter dem Elmoto. Die Idee wurde abgelehnt. Lippert, ein im Süden eingebürgerter Norddeutscher, und Seme, den auch als IT- und Management-Consultant arbeitet, fingen an, das Fahrzeug auf eigene Rechnung zu entwickeln.

"Anfang 2008 hatten wir uns schon auf den Elektroantrieb festgelegt, sind aber noch ganz anderen Vorstellungen nachgegangen. Die ersten Entwürfe haben nach voll verkleideter Ducati gerochen", erinnert sich Lippert. Doch der kühlen Analyse der technischen Beschränkungen und einer klaren Definition möglicher Zielgruppen fiel nicht nur die Verkleidung zum Opfer: "Wir mussten radikal abspecken, weil wir drei Prämissen erfüllen wollten", sagt Lippert. "Das Elmoto sollte erstens möglichst leicht sein, dann möglichst charmant daher kommen und sich vor allem ohne zusätzlichen Führerschein so einfach wie ein Fahrrad bedienen lassen."

>> FOTOSTRECKE: Unterwegs mit dem Elmoto: Stuttgart unter Strom <<

Das Stuttgarter Profi-Tüftler-Team, inzwischen auf ein halbes Dutzend Mitarbeiter angewachsen, hat sein Ziel erreicht: Das Elmoto wiegt fahrbereit gerade einmal 50 Kilogramm. Der Akku wird hinter einer Plastikverschalung versteckt. Und der Prototyp, der zurzeit mit geringen Modifikationen im nahen Balingen in Serie montiert wird, fährt sich flott und leicht wie ein Mountainbike.

Der Lithium-Ionen-Batterieblock liefert bis zu zwei KW. Damit überwindet das Bike problem- und emissionsfrei die Höhenunterschiede, die in Stuttgart gang und gäbe sind. 65 Kilometer weit reicht eine Akku-Ladung bei gedrosseltem Tempo 45 (dem Versicherungskennzeichen und der Fahrerlaubnis L1E geschuldet), dann muss das Elmoto wieder für ein paar Stunden an die Steckdose. Kosten auf hundert Kilometer: je nach Strompreis um die 50 Eurocent.

Stilsicher abfahren zum Bäcker

"Klar ist das Elmoto auf die Ökozielgruppe zugeschnitten", skizziert Lippert sein Marketing-Konzept. "Und Elektro-Flitzer sind für die Fahrt zum Bäcker, die kurzen Wege ins Büro oder fürs Cruisen in die Innenstadt von den Kosten her nun mal erste Wahl." Aber ein Fahrzeug muss, das betont er immer wieder, auch Spaß machen und Emotionen bei den hippen Urbanisten wecken: "Wir wollen der rollende iPod oder der Smart auf zwei Rädern werden für die First Movers und die Väter, die erst zahlen, und sich dann von ihren Jungs das coole Spielzeug leihen."

Cool ist beim Elmoto allemal der Stil- und Komponentenmix: ein leichter Alu-Rahmen, hochwertige Mountainbike-Armaturen, Hydraulikscheiben-Bremsen von Magura, eine Gabel von Marzocchi, Doppel-Ölfederbeine hinten, spezielle Bereifung von Schwalbe - gelabelt werden die Teile in der ausgelieferten Version allerdings allesamt unter der Marke Elmoto. "Also das Beste aus den zwei Welten Mountainbike und Moped, damit kriegen wir die Leute", hofft Lippert.

Lippert und Seme konnten sich im vergangenen Herbst der Nachfragen von kaufwilligen Interessenten und potentiellen Investoren kaum erwehren. Mit der Finanzkrise hat sich der Wind gedreht. "Die Taschen sind wie zugenäht", sagt Lippert. "Keiner will zurzeit ins Risiko gehen." So steckt inzwischen fast ausschließlich privates Geld der Firmengründer im Elmoto. Seme gibt zu Protokoll, dass sie bis dato "der Gegenwert von drei netten Einfamilienhäusern" versenkt hätten. Die Schlaglöcher auf der Finanzierungsstrecke, die das Elmoto bisher zurückgelegte, haben auch die Auslieferung verzögert. Geplant war der März, inzwischen ist Ende Juni aktuell. "Wir ziehen das jetzt durch", gibt Seme fast trotzig zu Protokoll. "Dieses Jahr wollen wir noch hundert Stück verkaufen, 2010 soll es eine vierstellige Zahl werden."

Damit das klappt, wollen Lippert und Seme beim Verkauf einen besonderen Weg einschlagen: über den Fahrradhandel. "Das Elmoto ist das logische Aufsteigermodell im Fahrradladen, wo für ein handgefertigtes Rad schon 3000 bis 4000 Euro auf den Tisch gelegt werden", sagt er.

Zudem sei man mit diesem Vertriebskanal näher in der Innenstadt - wo das Elmoto für Furore sorgen soll. Klar wolle man auch Motorradhändler beliefern, die in der Regel aber weit ab vom Schuss im Industriegebiet sitzen: "Und wenn man ehrlich ist - der hart gesottene Motorradkunde, für den ist das Elmoto im besten Fall eine Zweitfahrzeug."

Jochen Vorfelder

27 Mai 2009

Elektro-Racer: Isle of Man fährt grün mit TTXGP

Sie geht mit der Zeit, die Mutter aller Motorradrennen: Bei der 102. Auflage der TT Races auf der Isle of Man steht außer den traditionellen Wettfahrten ein Lauf mit emissionsfreien Bikes auf dem Programm. 23 Elektro-Maschinen sind gemeldet - darunter auch zwei deutsche Exoten.

Auf der Isle of Man, wo seit mehr als hundert Jahren in der ersten Juli-Woche schwere Motorräder dröhnen und sich Fahrer mit Vollgas durch enge Dorfdurchfahrten winden, säuseln bei der diesjährigen Auflage des Klassikers erstmals auch Elektro-Racer. Am 12. Juni findet auf dem traditionellen Mountain-Rundkurs über 60 Kilometer ein Rundenrennen mit streng reglementierten Maschinen statt.

Die wichtigste Regel lautet "non-carbon": Verbrennungsmotoren sind verboten, die Alternativen müssen "emissionsfrei" sein. Azhar Hussain, der clevere Londoner Unternehmer, der den grünen Grand Prix ins Leben gerufen hat: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Zündkerzen bald der Vergangenheit angehören."

Elektro also, kein Qualm von verbranntem Öl, kein Kreischen von hochgezüchteten Rennaggregaten - zumindest bei dieser E-Wettfahrt. Die traditionellen Rennen der Superbikes und Privatfahrer ziehen sich über eine ganze Rennwoche hin - davor graust vielen Fans und Inselbewohnern.

Insulaner wollen selbst gewinnen


Doch die Veranstalter des mörderischen Spektakels, das jährlich Todesopfer fordert, finden den neuen TTX Grand Prix spannend und zukunftsweisend. "Eine phantastische Verbindung unserer Tradition mit den Herausforderungen neuer Technologien, was will man mehr", sagt John Shimmin, Umweltminister des Eilands zwischen Großbritannien und Irland. Shimmin gibt am 12. Juni nicht nur den Startschuss für den weltweit ersten Rennlauf mit emissionsfreien Rennmaschinen, sondern schickt auch ein eigenes Insel-Team namens ManxTT Racing ins Rennen.

Mit geballten Ambitionen: "Wir machen das nicht nur, weil wir den Planeten retten können. Wir wollen auch gewinnen", sagt Keith McKay, Team-Leiter bei ManxTT Racing.

Die Insulaner stoßen auf harte Konkurrenz von 16 Teams - allesamt mit Elektroantrieb. Vertreten sind Bikes aus Österreich, Italien und Indien, aber auch neun Starter aus den USA. Darunter etablierte E-Firmen und Hersteller wie Mission Motors, Electric Motor Sports, MotoCzysz und Brammo, aber auch Bastler-Teams wie KillaCycle.

Sie messen sich vor allem mit den britischen Teams von EVO Design und den Maschinen, die vom Londoner Imperial College, der Kingston University und der Brunel University ins Rennen geschickt werden.

Mit Laverda und einem technischen Kniff

Gegen die geballte US-Kraft und das wissenschaftliche Know-how der Londoner Unis setzt das XXL-Racing-Team aus Kaufungen in Nordhessen Entschlossenheit und Muskelmasse. Thomas Schönfelder, ein erfahrener Isle-of-Man-Racer, hat zusammen mit einem Elektronikspezialisten und einem Software-Entwickler eine betagte Laverda so umgebaut und mit Akkus bestückt, dass das Schwergewicht seine Höchstgeschwindigkeit "weit über 200 km/h" auf der gesamten Rundendistanz halten könne. Schönfelder zum Konzept: "An den Kraftreserven wird's nicht mangeln. Selbst die Bremsenergie wird in die Batterie zurückgespeist."

Das E-Rockit-Team aus Berlin will dagegen mit zwei völlig verschiedenen Maschinen in Douglas an den Start. Die E-Rockit, bei der Fahrer Rigo Richter mit Fahrradpedalen über den 60-Kilometer-Kurs strampelt, ist das Serienmodell der Kreuzberger Manufaktur - eine knapp 30.000 Euro teure Mensch-Maschinen-Hybrid-Kreation, die in dem hochkarätigen Starterfeld keine Chancen auf einen der vorderen Plätze hat. Sie läuft nur so schnell, wie Richter in die Pedale tritt. Erfinder Stefan Gulas ficht das nicht an. Ihm geht es vor allem um die Werbewirkung. "Dabei sein im ersten Feld ist alles."

Anders der zweite E-Racer, den Gulas mit Fahrer David Madsen-Mygdal an den Start bringt: Er ist im Vergleich zur massiven Laverda von Schönfelder ein schmales Leichtgewicht, und könnte deshalb ein Titelanwärter sein.

Einen "über 16 Kilowatt starken Motor" haben Gulas und sein Team dafür in einen Aprilia-Rennrahmen verbaut und das Gefährt mit einem technischen Kniff noch schneller gemacht. So weit bisher auszumachen, ist die E-Rockit-Aprila der einzige E-Starter mit einem Schaltgetriebe. "Wir sind gut genug, um für eine Überraschung zu sorgen", meint Stefan Gulas.

(c) Jochen Vorfelder

15 Mai 2009

E-Motorrad: Zero Motorcycles kommt ab Juli nach Deutschland

Der amerikanische Hersteller Zero Motorcycles drängt in den deutschen Markt für E-Straßenbikes. Das Zero S ist voraussichtlich Anfang Juli in Deutschland lieferbar und kann ab sofort über den Onlineshop auf www.zeromotorcycles.com bestellt werden.

„Es war von Anfang an unser Ziel, ein leistungsstarkes Elektromotorrad für den Straßenverkehr zu entwickeln, das die Branche grundlegend verändert. Das Zero S ist ein faszinierendes Motorrad, das mit jeder Straße, jedem Hügel und jedem Hindernis spielend fertig wird“, sagt Neal Saiki, Erfinder und Gründer von Zero Motorcycles. „Das Zero S vereint Leistungsstärke mit komplett elektrischem Antrieb.“

Entwickelt für ein leichtes Manövrieren im Stadtverkehr und für gelegentliche Fahrten abseits der Straße verfügt das Zero S über maximale Beschleunigungskraft. Ein leichtgewichtiges Design sorgt für ersataunliches Leistungsgewicht, das die Reichweite und die Fahreigenschaften des Motorrades stark verbessert. Dank seines geringen Gewichts mit lediglich 102,1 Kilogramm hat das Zero S eine Reichweite von bis zu 97 km und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 km/h.

Das Zero S wird von einem schadstofffreien Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Wie fast alle verwendeten Materialien der Zero S ist auch dieser komplett recyclebar. Die deponiefähige Batterie braucht weniger als vier Stunden zum Aufladen und muss dazu an eine Standard 110 oder 220 Volt Steckdose angeschlossen werden. Das Zero S verursacht bei der Nutzung keine Emission und ist zudem ökonomisch sinnvoll mit Betriebskosten von weniger als 1 Cent pro Kilometer.

Der voraussichtliche Preis für die Zero S liegt bei circa 9.900 Euro zusätzlich Versand aus den USA.