Ein inzwischen auf Rente rauchender Bundeskanzler hat einmal gesagt: “Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.”
Andererseits beweist das 125jährige Jubiläum der Erfindung des “Fahrzeugs mit Gasmotorenantriebs” durch den schwäbischen Tüftler Carl Benz, dass Visionäre langfristig Weichen stellen. Ohne Carl Benz und seine Hartnäckigkeit hätte auch die Geschichte des motorisierten Zweirads einen anderen Verlauf genommen.
Damit wären wir bei Attila Kiss und seiner Vision des Elektroantriebs bei Motorrädern. Zero, Brammo in den USA, Elmoto und Quanta, Elektroroller aus dem Baumarkt; es gibt auch hier zu Lande erfolgversprechende Ansätze, Motorräder aus der Zwei- und Viertakterecke in die Zukunft zu befördern. Doch so konsequent wie der Designer Kiss haben bisher wenige die Weiterentwicklung unseres Lieblingsfortbewegungsmittel weiter gesponnen.
Das Gauss-Konzept von Attila Kiss ist eine reine Studie, steckt aber voller spannender Ideen – im Benzschen Sinne.
Kiss schreibt: “Das Hauptkonzept der Gauss ist die variable Fahrwerksgeometrie, welche sich dynamisch der Situation anpasst. Ein konventionelles Fahrwerk bedeutet immer einen Kompromiss.
Diesen Kompromiss wollte ich mit Hilfe einer künstlichen Muskulatur umgehen und so die Fahrdynamik des Motorrades verbessern.
Namensgeber für das Motorrad war übrigens Johann Carl Friedrich Gauß, ein deutscher Mathematiker und Physiker, da er auf dem Gebiet des Magnetismus forschte.“
Angedacht als Antrieb beim Gauss-Konzept ist ein Permantmagnetsynchronmotor mit 110 KW, er sollte Luft gekühlt und per Hydraulik mit dem Hinterrad angebunden sein. Ein Kühlkörper aus Aluminium ist mit dem Motor verbunden und mit einem Kühlschacht umkleidet. Ein modular aufgebautes Akkukonzept besteht aus zwei Basisformen. Geschaltet werden die Akkus über steckbare Metallpins und den Connectoren an den Enden.
Die künstliche Muskulatur – also Fahrwerk und Federelemente – erlaubt eine variable Geometrie, welche sich der Fahrbahn und dem Fahrer anpasst. Wendigkeit, Beschleunigungs- / Bremsstabilität, Sicherheit und vor allem der Fahrspaß sollten gesteigert werden. Der Verbundrahmen vereint die kostengünstige Fertigung eines Aluminiumrahmens und die Vorteile von Karbon. Durch das Aufschäumen des Aluminiums an den Nahtstellen kann sich das Harz bei der Karbonverarbeitung mit dem Aluminiumrahmen verbinden.
Ein Cockpit im jetzigen Sinne hat das futuristische Konzept nicht mehr. Es wird mittels einer speziellen Brille, welche mit einer Kombination der Headsup-und der Motiontracking-Technologie ausgestattet ist, sichtbar. Die Brille dient gleichzeitig als Schlüssel.
Auch Fahrwerks- und sicherheitsrelevante Daten, wie z.B. Reifendruck, können auf diesem Wege dargestellt werden. Das Heads Up Display (HUD) der Gauss ist interaktiv. Fahrwerkeinstellungen können mittels Brille schnell und ohne Werkzeug vorgenommen werden.
Ob das jemals verwirklicht wird? Ob das technisch geht? Keine Ahnung. Aber Carl Benz war von seiner Idee des “Fahrzeugs mit Gasmotorenantriebs” überzeugt, obwohl in den ersten zwei Jahren nach der ersten Fahrt niemand sein Automobil kaufen wollte, und es zum Patent angemeldet. Erfolgreich. Wie wir inzwischen wissen.
Mehr über das Gauss-Konzept unter http://www.gauss-concept.com
Fotos (c) Gauss Concept











