
Wer die Bilder, die ich auf der Irbit Bike Show 2007 geschossen habe, betrachtet, dem fällt vor allem eins auf:
Russische Biker und ihre Mädels sind unglaublich jung. Das läßt sich schnell erklären, denn in den drögen Vororten herunter gekommener ex-sowjetischer Metropolen sind Zweiräder ein probates und vor allem bezahlbaren Mittel für kleine Fluchten.
Wem diese knappe Erklärung nicht reicht, und es eher sorgsam evaluiert und untermauert haben will, kann zu wissenschaftlichen Hilfsmitteln greifen. Zumindest in der USA und Großbritannien, denn dort ist die Aufarbeitung des Phänomens "Motorradfahren" ein ernstzunehmender Forschungszweig.
Einen Blick in diesen abgelegenen Wissenschaftkosmos bietet regelmäßig u.a. das online verfügbare
International Journal of Motorcycle Studies: "The International Journal of Motorcycle Studies (IJMS) is dedicated to the study and discussion of motorcycling culture in all its forms—from the experience of riding and racing to the history of the machine, the riders and design to the images of motorcycling and motorcyclists in film, advertising and literature."
In der aktuellen Ausgabe wird auch - auf die britische Bühne transferiert - die Frage, warum die russischen
Bikerii so jung sind, beleuchtet und in erheblicher Tiefe ausgelotet. Die Autorin Suzanne McDonald-Walker hat für ihren Artikel "
Outcast but not Cast Out: The Effects of Marginalisation on the British Motorcycling Community" Motorradfahrer auf der Insel interviewt und die Antworten in Zusammenhang mit der Entwicklung und Lage der britischen Arbeiterklasse gestellt.
Was die Biker von damals zu sagen hatten, gilt auch für die Russen heute:"I mean, young men of my background, my class, couldn’t afford cars…. The only way you could get to work without pedaling your bicycle was by buying a little motorcycle. And… there was a genuine culture around motorcycles then. You know, young men bought motorcycles, rode motorcycles."
Auf deutsch: In Sibirien heute isses wie in London und Castrop-Rauxel in den frühen Sechzigern. Nix zu knabbern, kein Arsch inner Hose. Aber solang der Ford Taunus unerschwinglich ist, fahren wir halt Zündapp. So wars damals, oder?
(c) Jochen Vorfelder