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23 Juli 2009

Ural-Gespann: Jagd auf Roter Oktober

Es ist schon zur Tradition geworden: Jedes Jahr verschickt Hari Schweighöfer eine schräge Presseerklärung und kündigt ein schräges Ural-Gespann an - die Limited Edition des kommenden Jahres... Hier ein Auszug:

"Jedes Jahr gibt der Ural Europa-Importeur im Sibirischen Werk eine kleine Ural-Besonderheit in streng limitierter Auflage zur Fertigung in Auftrag. Das Modell heuer: Ural Limited Edition 10/09 “Roter Oktober”, angelehnt an den ersten Roman von Tom Clancy und der gleichnamigen Verfilmung.

Und hier die kommenden Fragen gleich vorweg beantwortet:

1.) Ist “Roter Oktober” ein russisches Raketen-U-Boot der Typhoon Klasse?
Nein! „Roter Oktober“ ist kein U-Boot, sondern ein russisches Ural Beiwagenboot angeflanscht an ein russisches Ural Motorrad der Limitierten Edition des Jahrgangs 2009.

2.) Hat „Roter Oktober“ einen magnethydrodynamischen Antrieb (MHA)?
Nein! „Roter Oktober“ hat keinen magnethydrodynamischen Antrieb (MHA) sondern einen schwarz getarnten Boxermotor (SBM) mit Hubraum 750 ccm, welcher zirka 40 PS über Kardantrieb an das Hinterrad gibt.

3.) Und ist daher fähig, sich geräuschlos fortzubewegen?
Ja und nein! Dieses Fahrzeug lässt sich auf den 18 Zöllern von Heidenau sanft und geräuschlos im Schiebebetrieb bewegen. Nur macht das Niemand. Einmal den schwarz getarnten Boxermotor (SBM) aktiviert, nimmt das heisere Böllern der 2 schlanken Auspufftüten sofort gefangen.

Wie immer bei Ural´s limitierten Modellen gibts kleine nette Details: Diesmal sind es die Retourgangschaltung am Tank und eine kleine praktische Tasche am Po des Beiwagens mit eindeutiger Signierung der Herkunft aller Ural-Motorräder.

Die Jagd auf Roter Oktober ist ab sofort eröffnet. Nicht mehr als 30 Stück werden im Oktober 2009 in den Ural-Werften vom Stapel gelassen.

Mehr dazu unter www.ural.cc
Und hier eine Reportage darüber, wie viel Spaß man mit einem Ural-Gespann haben kann: IRBIT BIKE SHOW - Wodka im Tank der Ural

26 Mai 2008

Irbit Bike Show: Wodka im Tank der Ural


Reichen drei Räder für eine bessere Zukunft? Das marode Ural-Motorradwerk in Sibirien kämpft um sein Überleben. Die Fans allerdings feiern die glorreiche Vergangenheit der Komsomolzen-Marke. Ich habe auf der letzten wodka-geschwängerten Irbit Bike Show recherchiert.

Stix schwankt und schwitzt. Der Russe trägt trotz der prallen Sonne eine geringelte Wollmütze, schwere Springerstiefel und eine speckige Lederweste. Nach einem Dutzend Tritte auf den Kickstarter dünstet er den konsumierten Wodka literweise aus. Vergeblich: Seine Ural, ein schwarzes Boxer-Ungetüm Baujahr 1990, röchelt schwer, aber springt nicht an. Anna, seine hochattraktive Freundin im Seitenwagen, begutachtet mucksmäuschen-still ihre schwarzen Fingernägel.

Auch die russischen Bikeri, die das Pärchen und ihren neu adoptierten deutschen Freund umringen, sind peinlich berührt. Stix, dessen richtiger Namen längst vergessen ist, ist der Präsident des Black Knifes. Dem Motorradclubs aus Yekaterinburg eilt der Ruf der ganz bösen Buben voraus. Stix ist für seinen Jähzorn bekannt; was kommt jetzt? Gott sei Dank nur neuer Wodka. Stix reicht mir die Flasche, tritt gegen den Zylinder der Ural und lässt lachend einen Wortschwall los. Ich spreche kein Wort Russisch, aber verstehe: Monster. Wodka. Und Druschba. Freundschaft.

Bist Du des Wahnsinns, hatten mich wohlmeinende Freunde gefragt, als ich ihnen erzählte, dass ich mit Zelt und Schlafsack zum Camping nach Irbit wollte.

Irbit liegt gut 300 Kilometer östlich des Urals. An 363 Tagen im Jahr ist dort tote Hose, nur während der restlichen 48 Stunden geht die Post voll ab. Seit zehn Jahren wird in dem unbedeutenden Provinznest die Irbit Motorcycle Show ausgerichtet, ein Biker-Meeting, über das viel gemunkelt wird. Gegen Irbit sei das Elefantentreffen eine Versammlung frommer Betschwestern; die Teilnehmer allesamt üble Zeitgenossen und meist nur auf Freigang.

Freunde, es kam ganz anders.

Fast 5.000 russische Motorradfahrer sind gekommen, mit Sack und Pack, und haben aus einem holprigen Acker an einem kleinen See eine improvisierte Zeltstadt gemacht. Feuer und Grills kokeln, überall quäken tragbare Stereoanlagen und Autoradios. Wacken meets Ural: Die Verkaufstände von Heavy Metal-Aufnähern und Festival-Devotionalien sind aus den gleichen rohen Planken zusammengehauen wie die Toilettenhäuschen, vor denen sich lange Schlangen bilden.

Alle Fotos aus Irbit >


Ein Dunst aus Alkohol, Grillfleisch und Abgasen liegt über dem Gelände; heraus in den blauen Himmel ragt nur die riesige Bühne, auf der Rock- und Metal-Band sich abwechselnd um den Dezibel-Preis bemühen. Vor der Bühne herrscht Anarchie; Gespanne mit sieben oder acht Beifahrern karriolen wild durch die Zuhörer.

Doch Freunde, alles bleibt freundlich und friedlich.

Gekommen sind die Biker aus allen Ecken der Föderation, wie die zarte Ludmilla nach einem langen Ritt aus dem 1800 Kilometer entfernten Moskau. Oder Sergej und Kolja vom der wilden MC R19-Horde aus Kasachstan - auf Straßen mit Schlaglöchern so groß, dass Kleinwagen unversehens darin verschwinden. Ihre Maschinen hätten bei einem deutschen TÜV-Inspektor den Puls in den roten Bereich getrieben: uralte und notdürftig zusammengeflickte Ural- oder Dnepr-Gespanne; als Replikas der BMW R71 meist gebaut, als ihre Fahrer noch nicht auf der Welt waren. Qualmende Izh-58-Zweitakter auf den technischen Stand der DKW NZ 350, und vorsintflutliche Jawas.

Die vielen alten Hondas und Yamahas, die über den Festival-Platz toben, sind alle aus dritter oder vierter Hand und keinesfalls verkehrssicher. Die neueren Maschinen, darunter eine Fireblade, werden bestaunt als die Exoten, die sie sind.

„Für Irbit sind die Show und die Motorräder ein Segen. Die Stadt lebt davon. Zwar nicht mehr gut, aber wir leben noch,“ sagt Vladimir Kurmatchev, der das Festival offiziell eröffnet hat. Kurmatchev ist nicht nur Schirmherr der Veranstaltung, sondern auch Leitender Direktor der lokalen Ural-Werke. In Irbit werden seit 1942 die berühmt-berüchtigten russischen Gespanne hergestellt. Als Kurmatchev vor 35 Jahren am Montageband angefangen hat, war die Marke noch ein sowjetischer Staatsbetrieb und musste sich um den Absatz der Maschinen nicht sorgen.

Er rekapituliert: „Ende der Achtziger hatten wir noch fast 7.000 Beschäftigte und haben jährlich 140.000 Stück produziert. Fast alle für das Militär, für den Einsatz in den Kolchosen und den großen russischen Privatmarkt.“ Der Niedergang nahm mit Gorbatschows Glasnost seinen Lauf. Kurmatchev: „Auf die Marktwirtschaft waren wir nicht vorbereitet. Die Verkäufe gingen Jahr für Jahr zurück.“

Inzwischen sind die Ural-Werke mehrfach durch die Hände von russischen Investoren gegangen und zu einer unbedeutenden Manufaktur geschrumpft. Von den 7.000 Genossen und Genossinnen, die 1990 die Urals bauten, stehen heute noch 600 auf der Gehaltsliste. Sie fertigten 2007 rund 2.000 Maschinen; über 90 Prozent davon für Liebhaber der Gespanne in Europa und den USA.

Der russische Markt selbst ist tot: „2007 haben wir nur noch 100 Maschinen verkauft.“ Vom Stolz der sowjetischen Motorradproduktion sind nur Ruinen übrig. In den riesigen leeren Werkshallen rosten die alten Fertigungsanlagen; die neuen Modelle werden in kleinen, abgetrennten Ecken in Handarbeit montiert. „Konsequentes Downsizing“, nennt Vladimir Kurmatchev den traurigen Abgesang.

Doch eine Resthoffnung besteht. Die Maschinen sind weniger grob geschnitzt und in Maßen zuverlässiger. Viele Anbauteile werden nicht mehr selbst gefertigt, sondern in Italien, Japan und Taiwan zugekauft. Mit einer Baureihe von eleganten Retro-Maschinen für Europa und Modellen wie der Gear-up, die mit Desert-Storm-Camouflage den amerikanischen Geschmack treffen soll, ist die Palette clever erweitert worden. Der europäische Importeur im österreichischen Linz hat mit technischen Infusionen dafür gesorgt, dass die Maschinen endlich mit funktionierenden Bremsen und zuverlässiger Elektronik ausgestattet werden und die Euro3-Norm-Hürde schaffen.

Und mit der Pustinja war in diesem Frühjahr wieder ein Verkaufsschlager zu den Händlern kommen: mit über 380 kg Leergewicht echt Heavy Metal, aber mit Reservekanister und Verbandskasten so Vertrauen erweckend wie ein Schweizer Lawinenhund. Allradantrieb und Rückwärtsgang wecken den Wunsch, den Asphalt sofort in Richtung schlammige Niederungen zu verlassen. Die limitierte Auflage von 35 Stück war vergriffen – innerhalb von Tagen. Für Herbst 2008 ist das Modell „Arctic“ geplant.

„Wir sind wieder konkurrenzfähig“, schreit Kurmatchev noch trotzig, doch seine weiteren Ausführungen gehen im Getöse unter. Auf der Bühne spielt inzwischen eine Band, deren blutjunger Sänger mit wehendem Haar und schwarz-weiß bemaltem Gesicht den Skandalrocker Alice Cooper imitiert.

Die begnadeten Dilettanten legen einen brachialen Klangteppich über die Bikeri, die in ihrem Rausch nicht nur restlos begeistert, sondern ausgelassen wie kleine Kinder sind. Die musikalische Reminiszenz an die Siebziger Jahre passt zu dem Festival wie der Wodka zum Ural. Ein Trip zur Irbit Motorcycle Show ist wie eine Zeitreise in die ersten Jahre des deutschen Wirtschaftwunders: ein Ritt durch die Tage, als Motorradfahren noch aus der Not geboren war, und deutsche Halbstarke sich noch kein Auto leisten konnten.

Freunde, eigentlich waren das doch schöne Zeiten.

(c) Jochen Vorfelder

Die Irbit Motorcycle Show findet jedes Jahr Ende Juli statt. Eine einwöchige Motorradreise mit Festival-Camping, Werksbesichtigung und viertägiger Rundfahrt mit Ural-Leihmaschinen organisiert der europäische Importeur der Ural im österreichischen Linz. Mehr Infos und Kontakt unter www.ural.cc

13 August 2007

Sardinien: Ferien auf dem Bauenhof, Fahren auf der Ural, und überhaupt



Der Wert der Dinge erweist sich ja oft erst nach geraumer Zeit. Das geht inzwischen auch den Bloggern so, die über die Jahre hinweg scheinbar ziellos sinnlose Texte angehäuft, und sich in der Zwischenzeit häufig gefragt haben: Warum bloß?

Die Antwort hat mein alter Onkel, übrigens ein begnadeter Motorradbastler und manischer Sammler vor dem Herrn, so formuliert: "Weggschmissen is schnell, aber gfunden nimmer." Ja, alles kann man irgendwann mal brauchen.

Ähnlich muß es am Wochenende der schreibenden Kollegin Carla King ergangen sein, die den Blog American Borders befeuert. Darin beschreibt King diverse Motorradreisen durch die USA, China, Indien und eine Handvoll Länder rund ums Mittelmeer.

Vor allem die italienischen Einträge in ihren Blogs, die teilweise bis ins Jahr 1995 zurück reichen, kamen ihr jetzt wieder überraschend in den Sinn, als die New York Times auf ihren Reiseseiten das Ziel Sardinien - und speziell den für Amerikaner doch wohl ungewöhnlichen Urlaub auf dem Bauernhof - zum Thema machte.

Back to Nature, the Italian Way heisst der aktuelle NYT-Betrag, der King dazu animierte, auf ihre 2001er Reisetagebücher mit Einträgen über selbige Insel hinzuweisen.

Beides gute Artikel, eine gute Vorbereitung für eine Fahrt nach Sardinien - und eben der Beweis, dass man gute Texte auch länger ablagern lassen kann.

Ach ja, und was mir noch gefallen hat - auf ihrer letzen Fahrt durch die USA, die in die Buchveröffentlichung American Borders mündete, fuhr King just das Eisenschwein, das ich vorletzte Woche in Sibirien bewegen durfte: das Ural-Gespann.

(c) Jochen Vorfelder

07 August 2007

Irbit Bike Show 2007: Wodka & Death Metal

Ein Posting in eigener Sache. Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, mich in Irbit, rund 300 Kilometer östlich des Urals, auf dem platten Land in Sibirien rumzutreiben.

Da sagen sich an 363 Tagen im Jahr Fuchs und Taiga-Hase Gute Nacht. Nur an 48 Stunden ist in Irbit die Hölle los - wenn jährlich Ende Juli rund 3500 russische Bikeri zu der Irbit Bike Show einfallen und mit Hilfe von Sex, Drugs and Rock & Roll - sprich auf Russisch: Sex, Wodka und Death Metal - die Nacht zum Tag machen.

Am Bericht feile ich noch, hier schon einmal eine Auswahl an Fotos. Das gesamte Set gibt es bei flickr.











25 Juli 2007

Ural-Trip: auf nach Sibirien

Die Multistrada steht schwächelnd in der Werkstatt. Da kommt es doch nachgerade gut gelegen, dass ich morgen früh in einen Flieger der Czech Airlines steige. Destination Yekaterinburg; rund 900 Kilometer östlich von Moskau, kurz hinter dem Ural.

Dort werden wir - sprich andere Motoristen und schreibendes Volk - von den Kadern und Managern der Ural-Motorradfabrik erwartet, die uns nach Irbit - weitere drei Stunden Busfahrt gen Osten - geleiten, um uns dort die Produktion der legendären Ural-Maschinen zu erklären.

Weiter auf dem Programm: die Ural Days, eine Mischung aus Harley Days und Wacken-Heavy-Metal-Festival, das wir besuchen, um unsere Zelte dort aufzuschlagen, die ausgestellten Urals und Eigenbauten zu begutachten, die Wodka-Marken durchzutesten, und um mit dem einen Besucher oder der anderen Besucherin zu fraternisieren.

Zur Erholung fahren wir anschließend vier Tage mit Leih-Urals durch die Taiga, Pampa, Steppe, was immer auch - jedenfalls begleitet von einem kleinen Tross, der aus Feldküche, Mechanikern, Dolmetschern und sonstigen Komsomolzen besteht. Mal sehen, wie das kommt, so ein Eisenschwein mit Seitenwagen und doppeltem Hinterradantrieb.

Bleib doch wo du bist, Multistrada!

Wir melden uns. Bald. Mal sehen, was Vodafone roaming in Sibirien zustande bringt.

Der Straßenwart