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20 August 2009

TTXGP: Elektro Grand Prix kommt nach Deutschland - Rennserie ab 2010


Die deutschen Motorsport-Granden wachen auf: Zum Superbike-Rennwochenende vom 4. bis 6. September sind die englischen Veranstalter des TTXGP offiziell eingeladen, eine Woche später zum Finallauf der IDM in Hockenheim hat der Deutschen Motorsport Verband (DMV) Demo-Fahrten mit einem E-Renner aufs Programm gesetzt. Das Ziel: eine deutsche Rennserie mit alternativen Antrieben schon in 2010.

Bei beiden Veranstaltungen sollen Demonstrations-Runden gefahren werden, um die neue E-Serie den deutschen Rennsportfans vorzustellen.

Die Engländer vom TTXGP haben bereits angekündigt, mit mehreren Teams vom allerersten Rennlauf auf der Isle of Man in diesem Jahr am Ring Flagge zu zeigen.

Hans-Robert Kreutz, Rennarzt und Präsident des Deutschen Motorsport Verbands (DMV), zur Veranstaltung in Hockenheim: "Dieses Jahr machen wir nur Demo-Fahrten. Aber wir wollen bereits 2010 eine eigene Klasse in Deutschland etablieren und sind zur Zeit mit verschiedenen Firmen und Teams im Gespräch." Kreutz sagt, dass sowohl am Samstag als auch am Renn-Sonntag die E-Maschinen - bzw. die E-Motoren - angeworfen werden.

Das deutsche Team von XXL Racing, das auf der Isle of Man den zweiten Platz belegt hatte, ist am Nürburgring wohl vor Ort; für die Präsentation in Hockenheim haben Marko Werner, Thomas Schuricht und Thomas Schönfelder bereits zugesagt und ihre Maschine zur Verfügung gestellt.

Damit zeichnet sich ab, was bereits auf der Isle of Man diskutiert wurde: die Internationalisierung der E-Rennen vor dem Hintergrund der kürzlichen Anerkennung einer völlig eigenen "Alternativ"-Klasse durch den Internationalen Motorsportverband FIM.

Das Foto zeigt den E-Racer von XXL Racing bei der technischen Abnahme vor dem Rennen auf der Isle of Man.

30 Juli 2009

BMW: Motorradsparte fährt weiter Superbike


Es wurde schon viel über den Ausstieg von BMW aus der Formel 1 geschrieben - auch über die wachsweiche Argumentation mit der ausschließlichen Betonung der "stategischen Neuausrichtung" des Konzern. Hier zur Verdeutlichung der O-Ton von der überraschend einberufenen Pressekonferenz am 29.Juli in München.

Das hat natürlich Fragen aufgeworfen:

- Was bedeutet die Neuausrichtung, bei der in Zukunft der bisherige Jahresetat von geschätzten 150 Mio. Euro in die Entwicklung von Elektromobilität und Imagekampagnen zur Verdeutlichung der "nachhaltigen Unternehmenspolitik" fließen sollen, für die Motorradsparte?

- Was passiert mit dem erfolgreich aufgenommenen Engagement in der Superbike-WM? Für wen und womit fahren Ruben Xaus und Troy Corser im kommenden Jahr?

Die Antwort dazu kommt direkt von Pressesprecher Rudolf Probst von BMW Motorrad. Er sagt, dass die Formel 1-Entscheidung der Automobil-Sparte und des Gesamtkonzerns die Motorrad-Aktivitäten nicht berühre: "Für uns ist das Engagement im Superbike-Sektor unabdingbar, das Salz in der Suppe. Wir sind auch in der kommenden Saison weiter auf der Rennstrecke - auf verschiedenen Ebenen: in der Superbike-Serie als auch mit Partnern bei der IDM."

Das ist doch mal ein klares Wort. Hätte auch keiner verstanden, wenn BMW jetzt NUR noch E-Roller bauen würde.



29 Juli 2009

Rennunfall UK: Josh Brookes als menschliches Torpedo

An einem schönen Wochenende in Mallory Park .. Ohne Worte ...

19 Juni 2009

Elektro-Grand Prix Isle of Man: Gentlemen, start your Batteries!


Den tragischen ersten Grand Prix für Elektromotorrädern gewannen indische Nobodys – mit Hilfe eines exzentrischen Engländers. Auch ein deutscher Starter kam überraschend aufs Podium.

Der Vater des Elektrorennsports trägt einen verlotterten Parka und geht gerne barfuss. Cedric Lynch aus Potters Bar bei London bindet seine grauen Strähnen zu einem schütteren Zopf und spricht in exakt jenem seltsam singenden Oberklassen-Englisch, das bei Monty Python-Sketchen für die meisten Lacher sorgt: “Meinen ersten Motor habe ich in den Siebziger Jahren gebaut, nachdem mir jemand ein Elektrobastelbuch geschenkt hat.“

Das Bürschchen mit dem hohen IQ hat seither den Lynch-Motor entwickelt, einen extrem kompakten und gleichwohl hoch effizienten Gleichstrom-Bürstenmotor. Wenig Gewicht und Wirkungsgrad über 90 Prozent - Lynchs Motor ist der heimliche Held unter den Startern beim ersten Grand Prix-Rennen für Motorräder ohne Verbrennungsmotorräder während der traditionsreichen TT Races 2009 auf der Isle of Man. Acht von 13 Teams, die an der Startlinie stehen, setzten auf Cedrics Lynchs Erfindung.

SLIDESHOW ZUR ELEKTRO GRAND PRIX BEI SPIEGEL ONLINE

Azhar Hussain, ein smarter Londoner mit pakistanischen Wurzeln, ist der Mastermind hinter dem TTX Grand Prix. Er hat die Veranstaltung aus dem Boden gestampft, sie bei der internationalen Motorsport Föderation FIM als eigene Klasse durchgeboxt, und den Widerstand der widerborstigen Inselbewohner gegen die Neuerung schwach geredet. Jetzt sind alle auf der Insel begeistert von der Sache; der Umweltminister des Eilands rühmt den Event: „Wir haben über Hundert Jahre Renntradition, aber mit dieser Innovation und diesem Rennen schreiben wir Geschichte.“ Das ist sicher Hussains Verdienst, aber auch er erkennt neidlos an: „Cedric ist der wahre Star.“

David gegen Goliath

Stars wären gerne auch andere. Etwa Michael Czysz, der aus Portland, Oregon gekommen ist. Er hat mehrere Jahre vergeblich versucht, ein Superbike „Made in the USA“ auf die Beine zu stellen. Im letzten September ist Czysz auf den E-Bike-Zug aufgesprungen. Er ist zwei Tage vor dem Start eingeflogen – mit großer Entourage und Westcoast-Pomp: Ein eigenes Filmteam soll den großen Auftritt festhalten.

Das kommt im Fahrerlager, wo die restlichen 16 Teams ihre Zelte aufgeschlagen haben, genauso schlecht an wie Czysz’ rabenschwarze Sonnenbrille und seine Pomade. Czysz und sein Bike – optisch ohne Zweifel eine Augenweide – residieren außerhalb an einem geheimen Ort.

Auch für die anderen amerikanischen Start-ups wie Brammo, Mission Motors und Electric Motors steht viel auf dem Spiel. Sie müssen ihre elektrischen Straßenmaschinen wie die Mission One promoten und haben viel Geld investiert: Brammo hat einen Sponsor-Deal mit der Kaufhauskette BestBuy und bereits über 10 Mio. US-Dollar in das Enertia-Bike gesteckt. Dennoch hat sie alle der „Racing Spirit“ angesteckt – auf der Grünfläche hinter der Hauptribüne, wo die Reifen-Trucks und die Wohnwagen der Fahrer für das Feld der TT-Rennen dicht gedrängt stehen, sind die E-Biker trotz völlig unterschiedlicher Budgets alle gleich.

Alle wollen gewinnen, im historischen Jahr eins des Elektrorennsports: die Studenten von der Brunel University, ihre Kommilitonen aus Kingston, die Österreicher vom Htblauva-Team und natürlich das ManTTX-Racing von der Insel selbst.

Indische Connection

Auch Kapil Shelke, Ketan Mhasawede und Krunal Nanavati vom indischen Team TORK sind wegen des Sieger-Pokals gekommen. Die drei Maschinenbau-Studenten aus Punai, allesamt Anfang Zwanzig, haben keinen Sponsor. Den Flug haben sie selbst bezahlt und die unzähligen Stunden, die sie in ihre Maschine gesteckt haben, zahlen sich nur in Form einer ansehnlichen Abschlussarbeit aus. Doch die drei Jungs sind zuversichtlich: „Wir schaffen das, wir haben vielleicht nicht die besten Batterien oder den besten Rahmen, aber mit John Crellin einen der besten Fahrer.“ Und eben Unterstützung durch den Favoriten, der beide Testläufe im Lauf der Woche in der schnellsten Zeit absolviert hat: Team Agni. Dessen Besitzer hat ihnen die Agni-Antriebsmotoren frei Haus geliefert.

„Ich kenne Cedric seit über zwanzig Jahren, mein Haus ist sein Haus,“ sagt Arvind Rabadia. Der geborene Londoner hat vor einigen Jahren den Hardware-Laden seiner Eltern im Eastend verkauft und damit Agni-Motors in Indien gegründet. In Gandhidham, eine Stunde von der pakistanischen Grenze entfernt, werden von zwei Dutzend Arbeitern Elektromotoren für Schiffe und Go-Karts in Kleinserie gebaut. Konstrukteur Cedric Lynch, den Rabadia beim Umzug gleich mit genommen hat, hat bei Agni eine Entwicklungs-Abteilung, aus der auch der speziellen Agni-Motor für den TTX Grand Prix stammt.

Die Rennmaschine, mit der Fahrer Rob Barber für Team Agni an den Start geht, ist auf den ersten Blick eine konventionelle Suzuki GSXR 750; Rahmen, Felgen und Bremssystem sind unverändert geblieben. Befeuert wird das rote Gefährt nach der TTX Grand Prix-Prämisse „zero carbon, clean emission“ allerdings verbrennungsfrei von zwei gekoppelten Elektro-Motoren, die das Hinterrad mit 42 PS antreiben. Die Motoren saugen die nötige Kraft aus 42 koreanischen Kokam Lithium-Polymer-Zellen mit 70 AH.

Vergessene Siemens-Ware

„Die Inder haben ein gutes Paket, das absolut auf die Isle of Man passt,“ sagt Thomas Schönfelder. Der Kasseler fährt TT-Rennen im siebten Jahren; er weiß, dass kaum ein anderer Kurs auf der Welt Fahrer und Maschine so viel abverlangt. Die „Mountain Course“-Strecke, auf der seit 1907 Motorradrennen ausgetragen werden, führt über rund 60 Kilometer vom Start in der Inselhauptstadt Douglas durch winklige Ortsdurchfahrten mit gemeinen Haarnadelkurven. Unebene Landstraßen mit fiesen Brücken führen über Ramsey hoch zum 427 Meter hohen Pass am Snaefell. Von dort geht es zurück zum Zieleinlauf in Douglas – insgesamt 225 Kurven, eine Tortur in Fast Forward ohne Auslaufzone. Leitungsmasten, Telefonzellen und Mauern, die die Strecke säumen, sind mit Heuballen notdürftig gepoltert.

Schönfelder ist mit Thomas Schuricht und Marko Werner von XXL Racing am Start. Das Trio aus Kassel hat rund 30.000 Euro aus den eigenen Taschen in das Low-Budget-Projekt gesteckt. „Nein, wir fahren keinen Agni-Motor, sondern einen wassergekühlten Siemens- Drehstrommotor in Verbindung mit Lithium-Mangan-Zellen“, sagt Thomas Schuricht. Eingepasst in den Rahmen einer alten Laverda, Baujahr 1996, bringt die XXL-Rennmaschine 45 KW – vergleichbar etwa 62 PS. Schuricht, der wie Marco Werner bei einem Bosch-Dienst gelernt hat und jetzt am Fahrzeugtechnischen Zentrum in Kassel unterrichtet: „Der Motor selbst könnte das Doppelte leisten, aber wir haben ihn bewusst gedrosselt, um das Maximale über die lange Distanz rauszuholen.“

Dass die Kasseler überhaupt antreten, liegt an den guten Beziehungen zu einem alten Siemens-Entwickler: Der Motorentyp wurde dort in den Neunziger Jahren entwickelt, aber verschwand im Regal. Schuricht schüttelt den Kopf: „Typisch für deutsche Großkonzerne. Erfinden tolle Teile, aber verwerten sind nicht.“ Beim TTXGP ist Siemens’ Altmetall, ohne Wissen der Zentrale recyclet, in Verbindung mit Schönfelders Erfahrung auf der Strecke die Überraschung: XXL liegt nach den Trainingstagen überraschend weit Vorn.

Surrend zum Sieg

Am Renntag scheint die Sonne; die Tribüne am Start ist voll besetzt. Zu den Rennen, immer Anfang Juni, kommen zehntausende Motorsport-Fans aus ganz Europa. Zusammen mit den Speed-verrückten Einheimischen bevölkern sich jeden Stehplatz an der Strecke. Der technische Inspektor witzelt: „Heute wäre auch ein Tag für Solar-Bikes, oder?“

Eine gemeinsame Startaufstellung gibt es bei der TT nicht, die Fahrer fahren gegen die Zeit. Sie werden im Abstand von 30 Sekunden auf die Strecke geschickt: Den Ruhm, als erste Fahrer bei einem offiziellen E-Rennen losgesurrt zu sein, heimst der Fahrer von Mission Motors ein. Auch Stefan Gulas mit den beiden Maschinen von Team eRockit in Berlin und das Einmann-Unternehmen Harald Gasse, der den einzigen Scooter gemeldet hatte, wären gerne an den Start gegangen. Technische Probleme. Gulas erkennt neidlos an: „Technik ist die deine Sache. Aber auf der Isle of Man bringt man die nur zum Laufen, wenn man auch das Rennsport-Knowhow hat.“

Das zahlt sich bei Thomas Schönfelder aus. Nach einem Drittel des Rennens – der schnieke Renner von Michael Czysz, das Experimental-Bike von Kingston und der hausgemachte Ducati-Agni-Klon vom ManTTX-Team sind bereits ausgefallen, liegt Schönfelder auf dem zweiten Platz. Dann fällt er plötzlich zurück, wird von einem der amerikanischen Brammo-Fahrer überholt. „ Das war volle Absicht. Auch bei E-Bikes braucht man die richtige Rennstrategie,“ sagt Schönfelder später. „Ich kenn doch die Strecke, in Ramsey vor den Bergen ist noch gar nichts entschieden.“

Schönfelder behält Recht, dass er Gas raus nimmt, und die Batteriereserven für die Steigungen durchs Hochmoor schont. Nach 29:04 Minuten fällt für XXL Racing die Zielflagge – zweiter Platz für Schöbfelder, sein erstes Podium bei der TT, und eine besondere Genugtuung: Der alte Siemens-Motor hat mit über 170 Stundenkilometer die höchste gemessene Geschwindigkeit erreicht.

Gewonnen haben wie erwartet die Inder: Die drei Punaier Studenten landen auf Platz 8, aber Team Agni mit Rob Barber im Sattel und dem getunten Motor von Cedric Lynch waren nicht zu schlagen. Siegerzeit 25:53 Minuten für 60,3 Kilometer, damit hat der erste TTXGP-Gewinner Barber den alten Rundenrekord für 50-Kubik-Maschinen gebrochen. Auch Thomas Schuricht ist begeistert: “Alle großen Teams aus den USA geschlagen, was will man mehr?“ Er ist sich nicht sicher, ob diese Chance jemals wieder kommt: “Nächstes Jahr werden die Karten komplett neu gemischt – andere Teams, effizientere Batterien und Motoren. Und unterm Strich höherer Geschwindigkeiten.“

Triumph und Tragödie

Mit Highspeed geht es zwei Stunden nach dem TTXGP-Zieleinlauf wieder zur Sache: Im Senior TT, dem letzten Rennen der diesjährigen Races über sechs lange Runden und 360 Kilometer, prügeln die Fahrer explosive 1000-Kubik-Maschinen über den Kurs. Auch John Crellin, der Pilot der TORK-Maschine, und TTXGP-Gewinner Rob Barber sitzen wieder im Sattel.

Bei Rennklassen wie den Superkibes oder dem Senior TT geht es für alle Fahrer trotz des brennenden Ehrgeizes, eine Plakette mit nach Hause zu nehmen, ums pure Überleben. Bei Spitzen über 280 Stundenkilometer müssen sie jederzeit damit rechnen, dass eine plötzliche Windböe sie von der Strecke oder in eine der Natursteinmauern wischt. Seit die TT im Jahr 1907 das erste Mal gefahren wurde, starben über 220 Starter. 2005, im schlimmsten Jahr, gab es neun Tote. Für Tony Brown, Chief Minister der Inselregierung, kein Grund zur Aufregung: „’Die Races sind Teil unserer Tradition. Und kein Fahrer wird gezwungen zu starten.“

Rob Barber, der strahlende Champion vom Vormittag, hat gegen die Werks-Superbiker wie John McGuinness oder Steve Plater keine Chance. Er landet nach dem ermüdendem Kampf durch das „Street Furniture“ – so nennen die Fahrer die Kanaldeckel, Risse und Unebenheiten in der Piste – mit acht Minuten Rückstand auf dem zwölften Platz.

John Crellin, mit 55 Jahren einer der TT-Veteranen, kommt in der fünften Runde nicht nach Douglas zurück. Kurz vor dem Pass am Snaefell stürzt er mit seiner Suzuki an der „Mountain Box“. An dieser Stelle haben die Fahrer in einer gezogenen Linkskurve über 200 Stundenkilometer auf dem Tacho. Crellin, der Einheimische aus Douglas, ist wohl sofort tot. Minuten, nachdem Crellin von der Strecke geschafft wird, geht das Rennen weiter.

Rob Barber passiert die „Mountain Box“ kurz nach dem Unfall. „Als ich vorbei kam, ist gerade der Helikopter gelandet. Schrecklich. Aber ist die Isle of Man. Jeder von uns weiß, auf was er sich hier einlässt – einen Moment nicht aufgepasst, und es kann dein letzter gewesen sein.“

Barber will nächstes Jahr seinen TTXGP-Titel verteidigen. Crellins Tod, der ist mit einer stillen Gedenkminute abgehakt. „Ich bin mir sicher, John starb glücklich und mit sich im Reinen. Es war ein großartiger Tag für ihn – er stand auf dem Siegerpodium heute morgen. Was kannst du mehr erwarten?“

27 Mai 2009

Elektro-Racer: Isle of Man fährt grün mit TTXGP

Sie geht mit der Zeit, die Mutter aller Motorradrennen: Bei der 102. Auflage der TT Races auf der Isle of Man steht außer den traditionellen Wettfahrten ein Lauf mit emissionsfreien Bikes auf dem Programm. 23 Elektro-Maschinen sind gemeldet - darunter auch zwei deutsche Exoten.

Auf der Isle of Man, wo seit mehr als hundert Jahren in der ersten Juli-Woche schwere Motorräder dröhnen und sich Fahrer mit Vollgas durch enge Dorfdurchfahrten winden, säuseln bei der diesjährigen Auflage des Klassikers erstmals auch Elektro-Racer. Am 12. Juni findet auf dem traditionellen Mountain-Rundkurs über 60 Kilometer ein Rundenrennen mit streng reglementierten Maschinen statt.

Die wichtigste Regel lautet "non-carbon": Verbrennungsmotoren sind verboten, die Alternativen müssen "emissionsfrei" sein. Azhar Hussain, der clevere Londoner Unternehmer, der den grünen Grand Prix ins Leben gerufen hat: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Zündkerzen bald der Vergangenheit angehören."

Elektro also, kein Qualm von verbranntem Öl, kein Kreischen von hochgezüchteten Rennaggregaten - zumindest bei dieser E-Wettfahrt. Die traditionellen Rennen der Superbikes und Privatfahrer ziehen sich über eine ganze Rennwoche hin - davor graust vielen Fans und Inselbewohnern.

Insulaner wollen selbst gewinnen


Doch die Veranstalter des mörderischen Spektakels, das jährlich Todesopfer fordert, finden den neuen TTX Grand Prix spannend und zukunftsweisend. "Eine phantastische Verbindung unserer Tradition mit den Herausforderungen neuer Technologien, was will man mehr", sagt John Shimmin, Umweltminister des Eilands zwischen Großbritannien und Irland. Shimmin gibt am 12. Juni nicht nur den Startschuss für den weltweit ersten Rennlauf mit emissionsfreien Rennmaschinen, sondern schickt auch ein eigenes Insel-Team namens ManxTT Racing ins Rennen.

Mit geballten Ambitionen: "Wir machen das nicht nur, weil wir den Planeten retten können. Wir wollen auch gewinnen", sagt Keith McKay, Team-Leiter bei ManxTT Racing.

Die Insulaner stoßen auf harte Konkurrenz von 16 Teams - allesamt mit Elektroantrieb. Vertreten sind Bikes aus Österreich, Italien und Indien, aber auch neun Starter aus den USA. Darunter etablierte E-Firmen und Hersteller wie Mission Motors, Electric Motor Sports, MotoCzysz und Brammo, aber auch Bastler-Teams wie KillaCycle.

Sie messen sich vor allem mit den britischen Teams von EVO Design und den Maschinen, die vom Londoner Imperial College, der Kingston University und der Brunel University ins Rennen geschickt werden.

Mit Laverda und einem technischen Kniff

Gegen die geballte US-Kraft und das wissenschaftliche Know-how der Londoner Unis setzt das XXL-Racing-Team aus Kaufungen in Nordhessen Entschlossenheit und Muskelmasse. Thomas Schönfelder, ein erfahrener Isle-of-Man-Racer, hat zusammen mit einem Elektronikspezialisten und einem Software-Entwickler eine betagte Laverda so umgebaut und mit Akkus bestückt, dass das Schwergewicht seine Höchstgeschwindigkeit "weit über 200 km/h" auf der gesamten Rundendistanz halten könne. Schönfelder zum Konzept: "An den Kraftreserven wird's nicht mangeln. Selbst die Bremsenergie wird in die Batterie zurückgespeist."

Das E-Rockit-Team aus Berlin will dagegen mit zwei völlig verschiedenen Maschinen in Douglas an den Start. Die E-Rockit, bei der Fahrer Rigo Richter mit Fahrradpedalen über den 60-Kilometer-Kurs strampelt, ist das Serienmodell der Kreuzberger Manufaktur - eine knapp 30.000 Euro teure Mensch-Maschinen-Hybrid-Kreation, die in dem hochkarätigen Starterfeld keine Chancen auf einen der vorderen Plätze hat. Sie läuft nur so schnell, wie Richter in die Pedale tritt. Erfinder Stefan Gulas ficht das nicht an. Ihm geht es vor allem um die Werbewirkung. "Dabei sein im ersten Feld ist alles."

Anders der zweite E-Racer, den Gulas mit Fahrer David Madsen-Mygdal an den Start bringt: Er ist im Vergleich zur massiven Laverda von Schönfelder ein schmales Leichtgewicht, und könnte deshalb ein Titelanwärter sein.

Einen "über 16 Kilowatt starken Motor" haben Gulas und sein Team dafür in einen Aprilia-Rennrahmen verbaut und das Gefährt mit einem technischen Kniff noch schneller gemacht. So weit bisher auszumachen, ist die E-Rockit-Aprila der einzige E-Starter mit einem Schaltgetriebe. "Wir sind gut genug, um für eine Überraschung zu sorgen", meint Stefan Gulas.

(c) Jochen Vorfelder

10 März 2009

Bilderkiste: Aufnahmen vom Motorradrennen Hockenheim 1962


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Gestern mal wieder in der Krabbelkiste mit alten Bildern gestöbert, dabei ist mir diese Sequenz in die Hände gefallen, und hat einige nette Erinnerungen geweckt.

Gemacht habe die Aufnahmen ich selbst als kleiner Junge, sitzend im zarten Alter von 7 Jahren auf der Schulter meines Vaters, beim Besuch der alten Rennstrecke in Hockenheim, auf der Rückseite ist die Jahreszahl 1962 vermerkt.

Also schon bisschen her, da gab es noch kein Motodrom, sondern nur den alten Rundkurs, der im Süden (siehe letztes Bild) bis an die Dorfgrenze von Hockenheim ran reichte. Dort stand auch die Holztribüne, von der aus die Aufnahmen gemacht wurden.

Wer gefahren oder gewonnen hat, habe ich vergessen. Man wird halt älter und vergesslicher... was ja auch sein Gutes hat.

28 August 2008

Isle of Man 2009: Strecke frei für Elektro-Racer


Die Tourist Trophy-Rennen auf der Isle of Man werden grüner: Ab 2009 werden auf der Insel auch Rennläufe mit Elektro-Motorräder ausgetragen. Aktuell allerdings haben die Veranstalter noch mit türkischen Hackern zu kämpfen.

Die empörten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: "Was soll das? Kriegen wir bald gentechnisch modifizierte Hamster im Rad, die unsere Maschinen antreiben sollen, statt dem Parfüm von Zweitaktern und Castrol-Rennöl?" schreibt Harley Davidson aus Liverpool auf der Website der "Isle of Man Today".

Sieht ganz so aus, Harley. Gestern wurde in London der TTxGP angekündigt. Die Veranstaltung wird das erste emissionsfreie Grand Prix-Rennen ausschließlich für Fahrzeuge sein, die von Elektromotoren oder anderen "alternativen Antrieben" befeuert werden.

Der TTxGP soll in der ersten Juniwoche 2009 auf dem traditionsreichen Rundkurs in verschiedenen Klassen ausgefahren werden. Neben Herstellern von Elektrorollern und -motorrädern sowie Universitäten sollen auch "Garagenfirmen" und private Bastler durch die Klassifizierung eine Chance auf den Gesamtsieg erhalten.

Vorgestellt wurde der TTxGP, der mit dem konventionellen Rennbetrieb radikal bricht, von John Shimmin, dem Umweltminister der Isle of Man: "Seit über hundert Jahren werden hier Rennen gefahren, mit Maschinen, die Beispiel stetiger Innovationen waren. Jetzt läuten wir ein neues Kapitel ein, nämlich state-of-the-art und umweltfreundliche Technologie."

Die ersten von 30 angekündigten Starter mit Maschinen, die Geschwindigkeiten bis zu 175 km/h erreichen sollen, waren auf der Pressekonferenz dabei: Gemeldet haben bereits Brammo Motorsports mit einer Rennversion des Elektrobikes Enertia und ein Team der Kingston University aus South West London.

Initiator des Rennens ist der englische Unternehmer Azhar Hussain, der allerdings noch mit Pech und organistorischen Problemen zu kämpfen hat: Der angekündigte Phototermin für das Enertia-Rennbike wurde abgesagt, weil der Fährbetrieb zur Isle of Man wegen einer Kollision in Liverpool eingestellt wurde. Und gestern war die eigene Website des Öko-Rennens nicht sehr aussagekräftig: Sie war zeitweise gesperrt, nachdem sie von türkischen Hackern mit Tiraden gegen die USA und dem Slogan "No War"gehijackt worden war. Siehe screenshot ...

19 Mai 2008

North West 200 Race Irland: Sohn gewinnt 48 Stunden nach Todessturz des Vaters

Es gibt Rennstrecken und Rennstrecken.

Pisten wie den Lausitzring oder Oschersleben, bei denen ein Fahrfehler unausweichlich in Materialzerschrottung führt, dem Fahrer aber Dank Auslaufzonen und Kiesbett eine statistisch sehr hohe Chance gibt, aus dem Schlammassel heil heraus zu kommen.

Oder Strecken wie die nordirischen Landstrassen, auf denen jedes Jahr Wahnsinnläufe wie die Rennen der North West 200 ausgetragen werden. Am Wochenende fanden in Irland die Rennen wieder einmal statt - und wie jedes Jahr gibt es zumindest einen Toten zu beklagen.

Dieses Jahr, am späten Donnerstag Abend während der Trainingsläufe, stürzte Robert Dunlop, ein lokaler Champion, der das Rennen der 250er-Klasse in den vergangenen zwei Dekaden über ein Dutzend Mal gewonnen hatte. Am Donnerstag verließ ihn sein Glück: Die Ambulanz konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Zwei Tage später gewann sein Sohn Michael Dunlop das Rennen der 250er-Klasse. Der zweite Sohn des Toten, William Dunlop, war ebenfalls gestartet, aber mußte das Rennen wegen eines Maschinenschadens beenden.

Iren sind seltsame Zeitgenossen. Sportminister Edwin Poots: "Everything that is good about Northern Ireland was on display here. We had more people here than were at the FA Cup Final at Wembley."

Und Liam Beckett, der Ex-Mechaniker des verstorbenen Robert Dunlop, kommentierte: "The boys decided they wanted to race for their dad and once the decision was taken, everyone involved was 100% behind them. I went down the road and watched from among the crowd and it took me back 25 years. What an emotionally charged race that was."

Der Rennwart