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22 Juli 2010

Film "Knight and Day" - Tom Cruise auf der gefakten Ducati - der "Duprilia"

Donnerstag: Die neuen Filme laufen an. Diesmal die neue Agentenschmonzette "Knight and Day" mit dem notorischen und scientologischen Tom Cruise und der sehr blonden Cameron Diaz in den Hauptrollen.

Weiterer Hauptdarsteller: eine Ducati Hypermotard - die Jungs aus Bologna waren schon immer gut in dieser Art von Product Placement. Bei der ARD nennt man das Schleichwerbung und Kommentatoren werden dafür gerügt oder entlassen. Schwamm drüber.

Was allerdings pikant ist: Die Ducati, die in dem Film für ein paar gute Stunts benutzt wird, ist keine Hypermotard. Werfen wir doch mal ein Blick auf das Bild.

Was auffällt: Cameron Diaz ist nicht Cameron Diaz, sondern eine Puppe. Auch Schwamm drüber. Macht nicht viel Unterschied. Interessant ist das Motorrad. Eine Hypermotard mit dieser Schwinge? Mit dieser Vordergabel? Mit diesem Motor? Stammt der nicht von Aprilia? Doch, das ist doch eigentlich die SXV 550!

In der Tat: Der komplette Unterbau der "Ducati" ist eine Aprilia, nur der Rahmen, die roten Plastikteile und die Armaturen sind von der Hypermotard. Eine Duprilia also.

Wie das? Aufklärung kommt vom Stuntkoordinator des Filmes hier nach dem Klick zu Hell for Leathers.

PS: Zu der deutschen Premiere des Filmes am Dienstag Abend in München sind Cruise und Diaz wieder schön mit Automobilen gefahren. Von BMW. Echten.

Posted via email from m o t o 1 2 0 3 - my daily road kill

06 November 2008

EICMA 2008: Heimspiel für Ducati, Guzzi & Co.

Sie lieben das Schaulaufen auf dem Mailänder Catwalk: eine halbe Million Besucher werden auf der diesjährigen Motorrad-Messe Eicma erwartet. Ducati schickt die heißesten Models ins Rennen, aber auch BMW ist für eine Überraschung gut. moto1203 stellt die wichtigsten Neuheiten vor.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert, und man mag das als Vorboten werten: Die Eicma 2008 wurde gestern mit einem Modell-Feuerwerk der italienischen Hersteller für das Publikum eröffnet.

Allen voran Ducati: Die Superbike-Bauer aus Bologna stellen mit dem neuen Streetfighter in Normal- und S-Ausführung und zwei neuen 1198ern gleich zwei komplett neue Linien vor.

Star auf dem Mailänder Laufsteg ist unbestritten der neue Streetfighter: Ein Naked-Bike mit 155 PS und 115 Nm Drehmoment, heraus gekitzelt aus einem überarbeiteten L-Twin-Motor mit 1099 Kubikzentimetern Hubraum. Allein das ist schon atemberaubend, doch das Design stellt die Fahrleistungen noch in den Schatten – einen schärferen sogenannten Cafe-Racer wird es im Modelljahr 2009 nicht geben. Der Ducati Streetfighter ist damit erster Anwärter auf den Titel "Bike of the Show".

Überrascht hat auch Moto Guzzi, trotz der Spekulationen über die Schließung des Stammwerks in Mandello. Die Traditionsmarke unter dem Piaggio-Dach hat mit der neuen Stelvio 1200 TT (1151 Kubikzentimeter Hubraum und 105 PS) eine massive und günstig avisierte Reise-Enduro aufgelegt, die den Platzhirschen von BMW durchaus Paroli bieten kann.

Dass über den Preis etwas geht, hat Guzzi erst vor wenigen Wochen in Berlin bewiesen: Dort gewannen sie mit dem billiger angebotenen Modell Norge die Ausschreibung der Berliner Polizei gegen die weiß-blaue Konkurrenz.

Aprilia, eine andere Piaggio-Tochter, glänzt ebenfalls mit guten Ideen. Nachdem bereits auf der Intermot in Köln im Oktober das neue Superbike RSV4 von der Leine gelassen wurde, wird in Mailand nun die komplette Ausstattung der Dorsurodo-, Shiver- und Mana-Familie mit ABS vorgestellt.

Und was in der Mana mit ihrem revolutionären Automatikgetriebe steckt, beweist die Konzept-Studie Mana X: In diesem Flat-Track-Racer ist der 839-Kubikzentimer-Motor der Straßenversion verbaut, aber die Maschine ist um alle unnötigen Verkleidungen erleichtert und mit dem Underseat-Auspuff und der Crosser-Sitzbank optisch eine Augenweide.

Stylistisch mithalten können da allenfalls noch die neu gestaltete Brutale von MV Agusta, die DB7 Oronero von Bimota und die neue 990 SMT von KTM, eine interessante Mischung aus Sport-Tourer und Supermoto.

Mit 115 PS aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum wird sie wohl als agile Alternative zu den kleineren BMW-Enduros, der Ducati Multistrada und der Triumph Tiger vermarktet. Hohe Frontscheibe und Tourenkoffer für die 990 SMT sind jedenfalls im Angebot der Österreicher – ebenso wie die bisher kräftigste Maschine aus der Mattighofener Powerschmiede, die KTM RC8 R mit 180 PS Leistung.

Ganz andere Wege geht Honda. Während auf der Kölner Messe noch die absonderliche Zukunftsstudie V4 und die neue Fireblade den Stand bestimmten, kümmert sich der Branchen-Primus im Rollerland Italien um den Massenmarkt: Bezahlbare und mit Blick auf die Betriebskosten sympathische Modelle wie das High-Tech-Modell SW-T400 (Viertakt-Zweizylinder mit endlos Stauraum und kombiniertem ABS) oder der überarbeitete SH125i bestimmten die Pressekonferenz.

Das liegt im Trend – auch in Deutschland: Allein im September 2008 wurden knapp 1000 Roller, 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, zugelassen.

Bleibt noch BMW zu erwähnen: Die Bayern zeigen neben dem neuen Naked Bike F 800 R mit dem Lo Rider eine Konzept-Studie, die auf dem klassischen Boxer-Roadster basiert, aber top-moderne Stilmix-Elemente aus 50er-Jahre-Cruiser und aktuellem Superbike zusammen führt: Drahtspeichenfelgen und Wave-Bremsscheiben, Upside-Down-Telegabel und Scrambler-Tüten fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das man bisher aus Bayern nicht gesehen hat.

Der Clou: Beim Lo Rider soll der Kunde vor der Auslieferung Gestalter werden. Die Maschine ist konzipiert als Baukastensystem, kombinierbar sind verschiedene Sitzbänke, Auspuffanlagen, Frontpartien und Farbgebungen für das Motorgehäuse – Pimp my Bike also serienmäßig. Wann die Studie kommen soll, ist noch unklar.

Der Messewart

09 Oktober 2008

Aprilia: Offensive der Piaggio-Kids


Aprilia, der flotte Spross der italienischen Roller-Dynastie Piaggio, will 2009 dem Establishment in der Superbike-Klasse und dem Newcomer, der BMW S 1000 RR, Paroli bieten. Dafür dient die RSV4 Factory (im Bild), die in Köln vorgestellt wird: Ein Superbike mit 65-Grad-V4-Triebwerk , für die Straße adaptiert von der Aprila-Rennversion, die in der Superbike-WM laufen wird.

Nach Deutschland sollen ab April 2009 etwa 150 Stück kommen; die PS-Zahl soll knapp unter 200 liegen, das Gewicht ebenso.

Ansonsten hat man fürs nächste Jahr in Sachen Modellpflege die Hausaufgaben gemacht - die drei Modell Mana, Shiver und Dorsoduro werden 2009 mit einem ABS ausgeliefert.

intermot2008koeln

22 Juni 2008

Aprilia 850 Mana: Einsamer V-Twin sucht Zielgruppe

Kein Kuppeln, kein Schalten: Aprilia bietet mit der 850 Mana das erste Naked Bike mit Vollautomatik an. Doch kaum einer will es kaufen. Das ist ungerecht, denn die schmucke Italienerin steckt voll brillianter Ideen.


Präzises, punktgenaues Schalten gilt unter schnellen Bikern als eine Königsdisziplin. Verhinderte Moto-GP-Piloten, die sich bevorzugt am Rand des roten Bereichs bewegen, rüsten ihre Serienmaschinen deshalb gerne mit einer elektronischen Sehhilfe, dem so genannten „Schaltblitz“, auf. Der italienische Hersteller Aprilia baut nun ein Sport-Modell, das auf den ganzen Firlefanz komplett verzichtet: Die vollautomatische 850 Mana kommt seit Anfang des Jahres ohne Kupplung und ohne manuelles Schaltgetriebe daher. Ein erfolgreiches Konzept im Rollerbau, doch ist das noch ein Motorrad?

Während der ersten Kilometern auf der Mana ist der Phantomschmerz fast unerträglich. Beim Abbiegen an der Kreuzung oder wenn sich der fließende Verkehr aufstaut, greift die linke Hand im Reflex ins Leere. Die suchenden Fingerspitzen melden Alarm, die Kopfhaut unter dem Helm brennt augenblicklich, und die Synapsen kreischen: Der Hebel ist weg! Das hört sich lustig an, ist es aber nicht, wenn man mit einem Bike mit immerhin 76 PS und über 230 Kilogramm Schubgewicht unterwegs ist.

Die Panik lässt bald nach und weicht erstaunlichem Fahrspaß. Die Mana fährt sich flüssig, ist wenig nervös beim entspannten Wedeln, und erinnert – agil wie sie ist - etwas an die extreme Buell mit deren kurzem Radstand. Für große Fahrer über 1,80 ist sie fast zu kompakt gebaut; da steht der Tankrand dem Knieschluss im Wege. Dennoch: Hat man die Kupplung vergessen, fühlt man sich auf der Mana zuhause. Obwohl die Vielfalt der Schaltmöglichkeiten wahrlich irritierend sind. Im Selbstschalt-Modus „Sport Gear“ können mit dem Fußpedal sieben Gänge durchgeschaltet werden - fast konventionell also, sieht man vom fehlenden Leerlauf zwischen dem ersten und zweiten Gang und der verschwundenen Kupplung ab.

Alternativ dazu funktioniert der „Sport Gear“-Modus auch über zwei Tasten an der linken Lenkerarmatur, eine Art Tiptronic, wie sie z.B. Audi oder Citroen am PKW-Lenkrad anbieten. Weil die Mana leider keinen Drehzahlmesser hat, erinnert ein gelbes Warnlicht an der Armatur ans Hochschalten. In der Praxis hat man das Fußpedal schnell vergessen, ignoriert im Regelfall auch den „Sport Gear“, und verlässt sich auf die Vollautomatik, die an Güte und Gutmütigkeit nicht zu überbieten ist.

Der „Autodrive“ bietet drei verschiedene so genannte „Mappings“, also von einer elektronischen Blackbox gesteuerte Fahrmodi an: Touring, Sport und Rain. Letzterer reduziert die verfügbare Leistung und das Drehmoment; die Mana fährt sich damit wie unter Valium – was auf schlüpfligem Kopfsteinpflaster oder in verregneten Autobahn-Baustellen neben einem LKW nicht das schlechteste aller Gefühle ist.

Über das „Sport“-Mapping, bei dem der Motor fast bis ans Ende des Drehzahlbandes ausgedreht wird, lässt sich trefflich streiten: Auf Strecken mit harten Steigungen und kurzen Serpentinen wird man es lieben, im norddeutschen Flachland oder in niederrheinischen Kreisverkehren ist es definitiv obsolet. Sportliches Fahren erledigt der Piloteur ohnehin mit den Tasten am Lenker.

Im alltäglichen Fahrbetrieb oder für das lockere Gleiten über Landstraßen reicht der „Touring“-Modus, bei dem die Automatik ohne spürbaren Ruck die sieben virtuellen Gänge durchschaltet – virtuell deshalb, weil das Getriebe vom Mutterkonzern Piaggio mit seinen Scheiben und Riemen eigentlich stufenlos ist. Kompliment an die Entwickler und Programmierer: Der von Rollern bekannte Gummiband-Effekt bei der Beschleunigung ist völlig verschwunden. Selbst grobes Dreh am Gasgriff beeindruckt die Man nicht, Lastwechsel und schlackernde Kette sind unbekannt.

Ohnehin haben die Entwickler von Aprilia viel Hirnschmalz auf die Mana verwandt und sich witzige Details wie die Handbremse für den sicheren Stand auch am Berg ausgedacht. Wo bei anderen Motorrädern der Sprit eingefüllt wird, sitzt bei der Mana ein für Zweiradverhältnisse voluminöser Kofferraum mit großer Klappe. Dort lässt sich ein großer Integralhelm samt Regenzeug verstauen; die 12 Volt-Steckdose und ein Handy-Fach ist dort auch untergebracht. Der Tank liegt unter der geteilten Sitzbank; der Einfüllstutzen ist über das klappbare Soziusteil zu erreichen.

Auch sonst ist die Mana State of the Art: modernes Design mit der derzeit bei italienischen Bikes unvermeidlichen Schlupfaugen-Scheinwerfer an einer 43er Upside-Down-Gabel und einem kühn geknickten Edelstahl-Schalldämpfer. Am Motor sind für meinen Geschmack zu viele Plastikverkleidungen montiert, doch das Aggregat selbst ist über jeden Zweifel erhaben. Der wassergekühlte 90-Grad-V2-Viertakter, der übrigens auch im Gilera-Roller GP 800 verbaut wird, hängt in einem grazilen Gitterrohrrahmen. 17-Zoll-Räder mit einem 180er Breitreifen hinten werden von drei Scheibenbremsen locker beherrscht. Als Zubehör bietet Aprilia ein Kofferset mit Topcase sowie eine halbhohe Scheibe an.

Was der Mana fehlt, sind neben feineren Einstellungsmöglichkeiten für die Federung, einem serienmäßigem ABS und einem wartungsfreien Riemenantrieb die erhofften Käufer. Seit Anfang des Jahres hat Aprilia in Deutschland unter Hundert Exemplare der Mana ausgeliefert; verkauft wurden noch weit weniger. Motorrad-Automatik ist Neuland; nicht im nur im technischen Sinne, sondern auch psychologisch betrachtet. Obwohl die vielseitige Mana alle Merkmale für ein erfolgreiches Motorrad besitzt, bleibt sie doch für viele Kaufinteressenten ein verkleideter Roller.

Doch in der Verkaufskrise von Aprilia liegt die charmante Chance für den potentiellen Käufer – noch kann er handverlesener Erstbesitzer eines Automatik-Tourer, des Sendboten einer völlig neuen Motorrad-Klasse, werden.

(c) Jochen Vorfelder