Seit dem vergangenen Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert, und man mag das als Vorboten werten: Die Eicma 2008 wurde gestern mit einem Modell-Feuerwerk der italienischen Hersteller für das Publikum eröffnet.
Allen voran Ducati: Die Superbike-Bauer aus Bologna stellen mit dem neuen Streetfighter in Normal- und S-Ausführung und zwei neuen 1198ern gleich zwei komplett neue Linien vor.
Star auf dem Mailänder Laufsteg ist unbestritten der neue Streetfighter: Ein Naked-Bike mit 155 PS und 115 Nm Drehmoment, heraus gekitzelt aus einem überarbeiteten L-Twin-Motor mit 1099 Kubikzentimetern Hubraum. Allein das ist schon atemberaubend, doch das Design stellt die Fahrleistungen noch in den Schatten – einen schärferen sogenannten Cafe-Racer wird es im Modelljahr 2009 nicht geben. Der Ducati Streetfighter ist damit erster Anwärter auf den Titel "Bike of the Show".Überrascht hat auch Moto Guzzi, trotz der Spekulationen über die Schließung des Stammwerks in Mandello. Die Traditionsmarke unter dem Piaggio-Dach hat mit der neuen Stelvio 1200 TT (1151 Kubikzentimeter Hubraum und 105 PS) eine massive und günstig avisierte Reise-Enduro aufgelegt, die den Platzhirschen von BMW durchaus Paroli bieten kann.
Dass über den Preis etwas geht, hat Guzzi erst vor wenigen Wochen in Berlin bewiesen: Dort gewannen sie mit dem billiger angebotenen Modell Norge die Ausschreibung der Berliner Polizei gegen die weiß-blaue Konkurrenz.Aprilia, eine andere Piaggio-Tochter, glänzt ebenfalls mit guten Ideen. Nachdem bereits auf der Intermot in Köln im Oktober das neue Superbike RSV4 von der Leine gelassen wurde, wird in Mailand nun die komplette Ausstattung der Dorsurodo-, Shiver- und Mana-Familie mit ABS vorgestellt.
Und was in der Mana mit ihrem revolutionären Automatikgetriebe steckt, beweist die Konzept-Studie Mana X: In diesem Flat-Track-Racer ist der 839-Kubikzentimer-Motor der Straßenversion verbaut, aber die Maschine ist um alle unnötigen Verkleidungen erleichtert und mit dem Underseat-Auspuff und der Crosser-Sitzbank optisch eine Augenweide.
Stylistisch mithalten können da allenfalls noch die neu gestaltete Brutale von MV Agusta, die DB7 Oronero von Bimota und die neue 990 SMT von KTM, eine interessante Mischung aus Sport-Tourer und Supermoto.
Mit 115 PS aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum wird sie wohl als agile Alternative zu den kleineren BMW-Enduros, der Ducati Multistrada und der Triumph Tiger vermarktet. Hohe Frontscheibe und Tourenkoffer für die 990 SMT sind jedenfalls im Angebot der Österreicher – ebenso wie die bisher kräftigste Maschine aus der Mattighofener Powerschmiede, die KTM RC8 R mit 180 PS Leistung.Ganz andere Wege geht Honda. Während auf der Kölner Messe noch die absonderliche Zukunftsstudie V4 und die neue Fireblade den Stand bestimmten, kümmert sich der Branchen-Primus im Rollerland Italien um den Massenmarkt: Bezahlbare und mit Blick auf die Betriebskosten sympathische Modelle wie das High-Tech-Modell SW-T400 (Viertakt-Zweizylinder mit endlos Stauraum und kombiniertem ABS) oder der überarbeitete SH125i bestimmten die Pressekonferenz.
Das liegt im Trend – auch in Deutschland: Allein im September 2008 wurden knapp 1000 Roller, 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, zugelassen.Bleibt noch BMW zu erwähnen: Die Bayern zeigen neben dem neuen Naked Bike F 800 R mit dem Lo Rider eine Konzept-Studie, die auf dem klassischen Boxer-Roadster basiert, aber top-moderne Stilmix-Elemente aus 50er-Jahre-Cruiser und aktuellem Superbike zusammen führt: Drahtspeichenfelgen und Wave-Bremsscheiben, Upside-Down-Telegabel und Scrambler-Tüten fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das man bisher aus Bayern nicht gesehen hat.
Der Clou: Beim Lo Rider soll der Kunde vor der Auslieferung Gestalter werden. Die Maschine ist konzipiert als Baukastensystem, kombinierbar sind verschiedene Sitzbänke, Auspuffanlagen, Frontpartien und Farbgebungen für das Motorgehäuse – Pimp my Bike also serienmäßig. Wann die Studie kommen soll, ist noch unklar.Der Messewart
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