
Nach Recherchen von Motociclismo sind die chinesischen Investoren beim italienischen Hersteller Benelli weiter gewillt, Geld in die ungewisse Zukunft der Marke zu versenken.
Seit Benelli im Oktober 2005 von der chinesischen Qianjiang-Gruppe übernommen wurde, die pro Jahr rund eine Million Motorräder bis 150 cm³ baut, haben die Chinesen nach Marktkennern ungefähr 10 Mio. Euro in die Modernisierung der Benelli-Fertigung und die Entwicklung neuer Modell investiert.
Jetzt ist Qianjiang offensichtlich bereit, für neue Modelle noch einmal 20 Mio. Euro nachzuschiessen. Der Vorstandsvorsitzende von Quanjiang, Haimei Yan, hat dies am Rande einer Konferenz in Mailand verlauten lassen und gleichzeitig angemerkt: "Benelli ist nicht profitabel, aber wir glauben an die Marke." Als größten derzeitigen Probleme bezeichnete Yan nicht die aktuelle Absatzkrise, sondern unverblümt die italienische Bürokratie: "Es ist die Art, wie hier business gemacht wird. Ausufernde Bürokratie, Papierkrieg bei Importen aus China und unklare Geschäftsabläufe behindern die schnelle Entwicklung."
Der Einstieg der Chinesen bei Benelli war 2005 mit gemischten Reaktionen aufgenommen worden. Während Finanzinvestoren den neuen Cashflows begrüßten, hatte die Branche selbst abwartend reagiert und höchste Heuschreckengefahr vermutet: Der Abfluss des technischen Know-hows nach China könne auf Dauer auch dazu führen, dass die Marke ausblute.
Benelli hat angekündigt, zu Jahresende wohl auf der EICMA in Mailand die neue DUE 756 zu präsentieren, einen wohl 90 PS starken Parallel-Twin. Kommen soll auch eine völlig neue Linie mit einem 600er Vierzylinder, der angeblich um die 130 PS leisten soll.

