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11 Dezember 2009

Moto Morini: Verwirrung um den Stand der Bike-Produktion

So isses nun mal in Zeiten der Krise: Die Gerüchte überschlagen sich und jeder Blogger wqill der Schnellste sein, wenn es darum geht, den Tod eines kleinen, aber feinen Herstellers zu vermelden. Zu weit aus dem Fenster gewagt hat sich vor zwei Tagen wohl asphalt & rubber mit der Meldung, dass Moto Morini de facto die Geschäfte eingestellt habe. Moto Morini hat sofort dementiert, zu Recht, und darauf verwiesen, man habe nur einen weiteren Freitag an einen italienischen Feiertag angehängt ...

Die Lage scheint allerdings etwas verwirrender, wenn man sich das Zitat anschaut, dass MotorcycleNews MCN einem Sprecher von Moto Morini zuschreibt. Er wird folgendermaßen zitiert: " ...at present Moto Morini is only producing bikes to order while they clear a backlog of machines in stock." Also doch Produktionsstopp, nur noch Bikes to Order...

Fakt und gute Nachricht ist, dass nach dem Sprecher Moto Morini die Produktion auf unabsehbare Zeit gestoppt wird, aber Kundenwünsche / Händlernachfragen zunächst aus der Halde im Lager befriedigt werden. Wenn man etwas nicht vorrätig hat, wird es eben gebaut. Macht ja kaufmännisch keinen Sinn, den Bestand unnötig aufzufüllen, wenn die Abverkäufe nicht so flutschen wie gewünscht.

Die schlechte Nachricht könnte sein, dass das auf der EICMA vorgestellten 2010er Granpasso- und Granferro-Modelle gar nicht erst in Produktion gehen. Ein stehendes Band ist in der Regel der Anfang vom Ende. Das italienische Procedere der Band-Stillegung - und damit einhergehend Kurzarbeit - erinnert stark an Buell. Auch dort wurde vor dem entgültigen Aus zunächst angekündigt, die Belegschaft für drei Monate auf Urlaub zu schicken. Unbezahlt natürlich.

Jetzt wird darüber spekuliert, ob sich nicht ein Investor finden könnte, mit dessen Spritze die Produktion wieder hoch gefahren werden könnte. Ja, vielleicht findet man einen Geldgeber, aber soooo viele sind auch in Italien nicht unterwegs, und die schauen sich zur Zeit schon MV Agusta an. Hat Harley-Davidson vor 18 Monaten noch 70 Mio Euro gekostet, aber ist jetzt sicher billiger zu haben.

Posted via email from m o t o 1 2 0 3 - road kill

02 Dezember 2009

Yamaha Motors: In der Krise wird jeder Yen gespart ...

Passend zu den verheerenden Produktionszahlen im Oktober diese kleine, schmutzige Geschichte über Yamaha: http://tiny.cc/yamaha
Ich stelle mir das - um im Sport-Bild zu bleiben - bei Bayer Leverkusen ungefähr so vor: Tante Käthe aka Rudi Völler geht in den Ruhestand, Rene Adler muss in die Produktion oder wird Rezeptionist am Leverkusener Hauptsitz von Bayer.
Überhaupt werden alle Verträge mit den teuren Bayer-Profis storniert. Statt dessen spielt nächstes Jahr in der Ersten Liga ein Team mit, das beliebig aus den jeweiligen Kurzarbeitern rekrutiert wird... Der Trainer wirds schon richten.

Motorradmarkt: das Leiden der Japaner in Zahlen vom Oktober 2009

Die Japan Automobile Manufacturers Association (JAMA) ist ein getreuer Lieferant von Statistiken - auch wenn sie weh tun. So weh wie die aktuellen Oktober 2009-Zahlen über die vier großen japanischen Motorradhersteller:

Hier die Kurzzusammenfassung:

1. Im Oktober 2009 wurden 51.018 Fahrzeuge gebaut - ein Minus von - 69.105 Stück und - 57,5 Prozent im Vergleich zum Oktober 2008.

2. Das in Europa (und bei moto1203) relevante Segment über 250 Kubik verlor im gleichen Zeitraum - 64,9 Prozent.

3. In die EU wurden im Oktober 2009 16.992 Stück geliefert - ein sattes Minus von - 79,3 Prozent.

4. Kawasaki hat die Produktion im Oktober um 62,6 Prozent zurückgefahren.

5. Das ganze ist eine Momentaufnahme für den Oktober, aber die Zahlen für die ersten Zehn Minate des Jahres Jan. - Okt. 2009 sprechen eine ähnliche Sprache: Die großen Vier produzierten 544.405 Einheiten - ein Rückgang von aktuell 45,7 Prozent im Vergleich zu den 1.003.099 Stück im gleichen Zeitraum 2008.

Posted via email from m o t o 1 2 0 3 - road kill

22 November 2009

Bye, Bye Harley: Erik Buell fängt nach Werksschließung von Vorne an


Was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Erik Buell, der Gründer der von Harley-Davidson schnell und schnöde beerdigten Motorradmarke aus East Troy, Wisconsin, verlässt den "Berater"-Job beim Totengräber Harley-Davidson und macht sich zusammen mit einigen Veteranen aus dem Werksumfeld selbständig.
Details sind noch nicht bekannt, doch der Buell-Übervater will "Erik Buell Racing" gründen - zunächst wohl eine kleine, aber feine Fahrzeug-Schmiede, in der auf der Basis der 1125R mit dem von Rotax entwickelten Motor anspruchsvolle Sportinstrumente ausgeliefert werden sollen.
Zwei Dinge sind dazu auf die Schnelle anzumerken: So klein - als Rennmotorrad-Entwickler - hat Erik Buell von 26 Jahren schon einmal angefangen. Entwickelt hat sich aus dem Workshop eine Firma und Kultmarke, die 2006 das 100.000ste Fahrzeug auslieferte. Ob Erik Buell diesmal noch die Power und den Biss hat, wieder Großes zu entwickeln, ist eher unwahrscheinlich. Die Zeiten und vor allem das finanzielle Umfeld hat sich verändert. Aber man weiß ja nie.
Und dann: Damals hat Erik Buell auf ein Pferd - und einen Motor - gesetzt, der aus einem Sportfahrzeug ein Kultobjekt gemacht hat. So anachronistisch der überarbeitete HD Thunderstorm-V2-Motor inzwischen sein mag, er hat dem Vehikel ein unverwechselbares Herz und Sinne betörenden Sound gegeben.
Mit dem Rotax-Aggregat, das um Längen moderner und kraftvoller aber gleichwohl emotionsfreier ist, verliert Erik Buell sein Alleinstellungsmerkmal und den - so sagt man neudeutsch - UPS - unique selling point.
Aber auch da kann man sich täuschen. Vielleicht kaufen die Leute alles, was Erik Buell auf den Markt bringt: Nicht zuletzt ist der Mann schon jetzt eine Legende und der Mann, den selbst Harley-Davidson nicht tot kriegen konnte.

UPDATE:
Hier ein Zitat aus einer Mail von Erik Buell: ""It is a new world for us, and we have our freedom again. H-D owns the name, but we will do what we can to add to the value and mystique of these bikes that are no longer produced. This will make for an intense and crazy year, but fun."

Wie heisst es doch immer in diesen Ami-Western: "Go west, young man." Und wie elektrisiert Erik Buell von seinem Unternehmen ist, sieht man hier in diesem Video:



23 Oktober 2009

Buell-Aus: Panikanfall beim Dinosaurier Harley-Davidson


Harley-Davidson hat ein Geldproblem und die Käufer sterben aus. In ihrer Not machen die Amis die innovative Marke von Erik Buell dicht und wollen die prestigeträchtige Tochter MV Agusta verscherbeln. Übrig bleiben nur Alteisen.

Der Computerhersteller Apple hat Steve Jobs, die amerikanische Motorradgemeinde ihren Propheten Erik Buell. Der ehemalige Renningenieur von Harley-Davidson baute 1983 in einem Schuppen erste eigene Motorräder und hat unter seinem Namen eine erfolgreiche Motorradmarke etabliert. 2006 lief im Werk in East Troy, Wisconsin, die hunderttausendste Buell vom Band.

Buells sind skurril, bissig, sie bocken und bollern. Ausgestattet mit Motoren auf der Basis der museumsreifen Harley-V-Twins, mit Ventilatoren, die wie ein Kühllaster dröhnen, um den hitzeanfälligen hinteren Zylinder zu kühlen. Doch der geniale Tüftler Erik Buell hat wegweisende Konzepte für die Branche entwickelt und verwirklicht: kompakte Auspuffanlagen unter dem Motor, Bremsscheiben montiert an der Felge, Benzintank im Rahmen und Ölreservoir in der Hinterradschwinge. Buells Visionen wie etwa die Firebolt oder das neue Superbike 1125R haben einen schrägen Charakter, das hat sie einzigartig und erfolgreich gemacht. Buell-Fahrer lieben ihre Fuhre wie Nerds ihr iPhone.

Seit 2003 ist Buell eine hundertprozentige Tochter von Harley-Davidson. Doch nun hat die Konzern-Mutter kurzerhand beschlossen, Buell zu schließen. Ende Oktober werden die letzten ihrer Art gebaut; Erik Buell und seine 180 Mitarbeiter müssen gehen.

Eine zweite Harley-Tochter wird ebenfalls dichtgemacht. Die italienische Edelbike-Schmiede MV Agusta, vor 16 Monaten für rund 70 Millionen Euro erworben, steht zum schnellen Verkauf. Harley muss sparen und braucht Geld.

Leere Kassen, erdrückende Kredite


Bei Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise im Motorradgeschäft voll durch. In den ersten drei Quartalen 2009 sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 71,4 Prozent gefallen, die neuen Maschinen stehen wie festgeschraubt bei den amerikanischen Händlern. Im vierten Quartal wird die Produktion weiter zurückgefahren, und die Sportster-Modelle werden bis Ende des Jahres nicht mehr gebaut. Um 2010 über die Runden zukommen, benötigen die Amis insgesamt 1,2 Milliarden Dollar.

Innovation und Flexibilität waren nie Harleys Stärken. Technische Anstöße kamen von außen, bei der V-Rod etwa von Motorenbauer Porsche. Oder eben von Erik Buell, dem hauseigenen Think Tank und Gegengewicht zu der Heavy-Metal-Fraktion. Jetzt in der Krise zuckt der Konzern, killt Buell und tapst weiter im Reflex wie ein früh ergrauter Bär. Alte Modelle, altes Klientel. Die Konzentration auf das Tafelsilber - das Fabrikat Harley-Davidson - soll es richten. "Unserer Strategie beruht darauf, die Marke für einen langfristigen Wachstum vorzubereiten und durch eine Fokussierung gute Resultate zu erzielen," erklärt Keith Wandell, Chief Executive Officer von Harley.

Das erinnert an einen Bären, der sich im Fangeisen den Fuß abnagt, um freizukommen. Denn wie die Amputation von Buell die dadurch entstehenden Kosten von mindestens 83 Millionen Euro zur Schließung des HD-Riesenlochs beitragen sollen, kann man nicht unbedingt verstehen. Harley weiß es auch nicht: "Wir haben die Benefits, die aus der Schließung von Buell entstehen, noch nicht quantifiziert," sagt Harley Chief Financial Officer John Olin. Doch das kratzt CEO Wandell nicht: "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Konzept die Kraft der Marke Harley-Davidson verstärken und weiter in Schwung bringen können."

Branchen-Insider zweifeln stark daran, dass man einen alternden Hersteller mit Sparen allein über die Runden bringt. "Weiter nur die Marke Harley-Davidson auszubeuten, ist schlichtweg lächerlich. Harley-Fans haben sich den Schriftzug schon tätowiert - wie ausgebeutet kann man denn noch sein?", wird ein Wall-Street-Banker mit Erfahrung in der Motorradbranche zitiert.

Buell-Fans auf der schwarzen Liste

Bei den Buell-Fahrern ist die Konzernmutter nur noch Hassobjekt. Sie haben mit der emotionalen Videomessage von Erik Buell, in der er das Ende seines Lebenswerks ankündigt, genug gehört. In den einschlägigen Fan-Foren der Marke wird zu drastischen Maßnahmen geraten ("Truly idiotic decision by the Harley Davidson (mis)management. Shoot them!") und zu Online-Protesten gerüstet.

Belagert wird auch die Harley-Davidson-Seite. Dort liegt ein nettes Online-Gadget, mit dem Biker ihren eigenen Text-Banner entwerfen und auf der Web-Seite zeigen können. Drei Tage nach dem Aus für die Buell-Bauer aus Milwaukee zog der Harley-Administrator unter dem Ansturm entnervt die Handbremse. Er setzte den Begriff "Buell" zu Begriffen wie "Shit!" und "&%*@!" auf die schwarze Liste. Inzwischen wird jede Wortmeldung zum Thema Buell konsequent ausgefiltert.

Der Protest der Buell-Fahrer kommt Harley spürbar ungelegen. Um die Abwicklung schnell über die Bühne zu bringen und die Wogen zu glätten, unterstützt der Konzern die amerikanischen Buell-Händler. Egal zu welchem Preis sie eine Maschine losschlagen, der Händler bekommt vom Konzern mindestens 5000 Dollar. Damit ist auch der rapide Preisverfall der letzten Tage zu erklären - die neuen Superbikes 1125R waren in manchen US-Showrooms für 4999 Dollar zu haben.

In Hamburg kostet die gleiche Maschine erstaunlicherweise immer noch den Listenpreis: 12.899 Euro.

Komplette Slideshow zur Buell-Story bei SPON

22 Oktober 2009

BUELL: Spitzenware auf dem Ramschtisch ...3333,00 Euro

Da sind doch von euch Usern Zweifel aufgekommen an dem gestern vermeldeten Preis von 3333,00 Euro, zu dem Buells zur Zeit in den USA losgeschlagen werden. Hier das Bild zur Meldung und der Bericht bei den Kollegen von Asphalt & Rubber sowie der Hintergrund dazu.


Es gibt nämlich nicht wenige Händler (speziell natürlich Buell-Händler), die ob der angespannten Lage auf dem Ami-Markt zum Panikverkauf neigen: Nach den neuen Zahlen des amerikanischen Motorcycle Industry Council (MIC) sind die Verkäufe für Roller, Motorräder und ATVs in den ersten neun Monaten 2009 insgesamt um 40 Prozent gefallen. Da wird man schon nervös, wenn man auf einem vollen Lager und einer Marke sitzt, die gerade zugemacht wurde.

21 Oktober 2009

BUELL-Schließung: Neue Buell 1125CRs für 3.333,00 Euro zu haben

Es tut sich viel in den USA nach der Buell-Schließung. Hier die Updates:

1. Bei manchen amerikanischen Händlern stehen brandneue Lightnings und 1125R für den Kampfpreis von 4995,00 USD im Schauraum. Die Szene kauft ein - > hier ein Beispiel aus Texas

2. Harley zahlt jedem Händler eine garantierte Summe von 5.000 Euro für jede verkaufte Buell, egal welches Modell. Die Bestände sollen raus, so schnell wie möglich. Das heisst, wer jetzt in einen amerikanischen Laden stiefelt, kann sich sicher sein dass, alles über 5.000 USD verhandelter Endpreis der Profit des Händlers ist - und viele sagen sich: Weg mit Schaden als gar kein Cash in der Kasse. Hier der entsprechende Link: hellforleathers

3. Bei Buell in Hamburg soll die 1125CR immer noch den Listenpreis kosten: 12.899 Euro. Mal sehen, wie lange der Preis hält ... er kann aber auch noch steigen, wenn die Nachfrage das Angebot am Ende übersteigt...

4. Die Buell-Fahrer organiseren sich und wollen die Schließung nicht so ohne weiteres hinnehmen. Das Harley-Management wird zum Hassobjekt. Viele einträge in den Buell-Foren sind nicht druckreif ....

5. Eine Gruppe von Geschäftsleuten aus Wisconsin - in East Troy in diesem Bundestatt steht die Fabrik - bastelt an einem Übernahmekonzept, hat Erik Buell angeschreiben und will die Marke und die Fabrikation retten. Wäre doch irgendwie auch witzig - wenn am Ende Buell überlebt und Harley auf der Strecke bleibt.

16 Oktober 2009

Honda: Tochter Montesa entlässt 50 % der Belegschaft


Was für eine Woche für die Branche.

1. Erst der komplette Aus für Buell.

2. Nun schlechte Nachrichten aus Spanien. In der alten Montesa-Fabrikation in Barcelona soll nach dem Hinweis eines spanischen Insiders 140 Beschäftigte entlassen werden - mithin also etwa 50 Prozent der Belegschaft.

Honda hält die Besitzanteile an dem Werk seit Markeintritt in Spanien 1980 - die Japaner waren damals als Preis für den Zugang zum lukrativen spanischen Markt gezwungen, ein Joint Venture mit einem einheimischen Hersteller einzugehen.

Nach Angaben aus Spanien ist die Fabrikation bei Montesa auf max. 80.000 Einheiten pro Jahr ausgelegt, hat aber seit der Übernahme durch Honda nie mehr als jährlich 35.000 Units hauptsächlich im Rollersegment gebaut.

3. Ach ja: Auch in Italien rumort es gewaltig. Bei Moto Guzzi wird immer noch tageweise gestreikt und Moto Morini beantragt "Amministrazione controllata" - nach Aussage des Importeurs eine "Form staatlicher Aufsicht über Unternehmen; und in Italien absolut nicht unüblich)" - nach Google-Übersetzung allerdings "Konkursverwaltung" ...

Schönes Wochenende.

Branchenkrise: Harley-Davidson macht Buell dicht und verkauft MV Agusta


Harley-Davidson hat gestern überraschend verkündet, die Produktion von Buell Motorcycles komplett einzustellen. Die letzten Maschinen sollen am 30. Oktober 2009 vom Band laufen. Zusätzlich bietet Harley die Marke MV Agusta zum Kauf an.

Nach den Worten von Pressesprecher Paul James, ist die Schließung des Buell-Werks in East Troy die Konsequenz der verheerenden Ergebnisse der letzten Geschäftsquartale und der Versuch, den extrem kriselnden Mutterkonzern selbst zu retten: "Wir müssen uns auf Harley-Davidson konzentrieren. Die Aufgabe von Buell sei "part of Harley-Davidson's go-forward business strategy. The new long-term strategy aims to drive company growth through a focus of efforts and resources on the Harley-Davidson brand."

Bereits im September hatte Buell Motorcycles angekündigt, seine Produktionsstätte in East Troy, Wisconsin, für den gesamten November und Dezember 2009 zu schließen und den Großteil der Beschäftigten quasi für 2 Monate zu entlassen.

Der Niedergang von Buell, das über 25 Jahre Motorräder produziert hat, hatte sich angedeutet. Schon im Mai 2009 hatte die neue Geschäftsführung bei Harley-Davidson beschlossen, dass der Neubau eines neuen Produktionstraktes bei Buell - im Investitionswert von rund 11 Mio. USD - ersatzlos gestrichen sei.

Jetzt kamen die schlechten Verkäufe hinzu: Im dritten Quartal 2009 hatten Buell und MV Agusta zusammen weltweit noch 1850 Maschinen verkauft; im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum noch über 2800 gewesen.

Sorgen auch um Harley-Davidson

Auch bei Buell Mutter Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise durch. Im Werk Wauwatosa und einer ungenannten Anzahl weiter Standorte wurde schon Anfang Oktober die Produktion für insgesamt 14 Wochen gestoppt - de facto fällt damit das gesamte vierte Quartal 2009 weg. Der weltweite Absatz sank in 2009 quasi um ein Viertel.

Wie schwer Harley-Davidson überhaupt angeschlagen ist, mag man aus dem HD-Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2009 ersehen. Darin wird beschrieben, dass die Finanzierungstochter Harley-Davidson HDFS im Jahr 2010 insgesamt 1,2 Milliarden USD benötigt, um über die Runden zu kommen. Harley-Davidson Financial Services (HDFS) finanziert den Kauf von Harleys auf Kredit - ein risiko- und zur Zeit verlustreiches Geschäft, wenn man Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergibt.

Die Schließung von Buell hat der charismatische Kopf der Marke, der Gründer Eric Buell, in einem Video auf der Website von Buell selbst bekannt gemacht - ein Video, das belegt wie nah ihm die Zerstörung seines Lebenswerkes geht.

18 September 2009

Studie über Markenwert: Harley schmiert heftig ab

Es geht im Verkauf zwar auch um PS bei Motorrädern, doch viel wichtiger ist die Marke, und was der Käufer damit verbindet: Abenteuer & Freiheit, das Gefühl von Easy Rider. Damit werden etwa Harleys verkauft.

Doch mit dem Markenwert gehts bei Harley nun bergab. Das haben die Markenanalysten von Interbrand in ihrem aktuellen Ranking festgestellt, das am Freitag vorgestellt wurde. Interbrand ermittelt die Rangfolge der wichtigsten Marken jährlich gemeinsam mit dem US-Magazin "Business-Week".

Harley-Davidson hat danach im Vergleich zum Vorjahr satte 43 Prozent verloren, der errechnete Firmenwert liegt nur noch 4,3 Milliarden USD. Mehr verloren im Ranking haben nur noch zwei Firmen und übliche Verdächtige - die Bank UBS und die Citibank.

Mit dem Verlust von 43 Prozent in den letzten zwölf Monaten ist Harley in dem von Analysten und bei der Kreditvergabe als wichtigen angesehenen Markenranking von Platz 50 auf Platz 73 abgerutscht. Auf Platz 1 hält sich seit Jahren Coca-Cola.

Andere Top-100-Marken-Firmen, die auch Motoräder herstellen, sind BMW und Honda. Sie swind vergleichsweise ungeschoren davon gekommen und haben jeweils nur moderate 7 Prozent verloren.

Im Handelsblatt wird ein deutscher Vertreter von Interbrand, Nik Stucky, zum Verlust von Harley zitiert: "Das Unternehmen hat seit Jahren ein Markenproblem." Das Handelsblatt schreibt weiter: "Nun komme obendrein ein finanzielles Problem hinzu."

16 September 2009

Branchenkrise: Buell und Harley-Davidson schließen Werke für zwei Monate

Buell Motorcycle hat angekündigt, seine Produktionsstätte in East Troy, Wisconsin, für den gesamten November und Dezember 2009 zu schließen. Die Arbeiter, die von der Schließung betroffen sind, erhalten in der Zeit Lohn für 8 Tage, den Rest der Zeit sich sie formell gesehen arbeitslos, aber weiter krankenversichert.

Ob ihr oberster Chef, der Harley-Davidson Präsident und Chief Executive Officer Keith Wandell auf einen vergleichbaren Anteil an seinem jährlichen Grundgehalt von 975.000 USD - plus Aktienoptionen und Boni - verzichtet, ist nicht bekannt.

Der letzte Arbeitstag für die Buell-Leute ist der 30. Oktober, vorgesehener Wiederarbeitsbeginn ist am 4. Januar 2010. Die Entscheidung des Buell-Managements - mit positiven Folgen für das Betriebsergebnis 2009, aber wohl verheerenden Auswirkungen auf die Arbeitsmoral und das Betriebsklima - war nötig geworden, weil die "Absatzzahlen unter der aktuellen Finanzkrise" schwer gelitten haben.

Die Krise bei Buell hatte sich angedeutet. Schon im Mai 2009 hatte die neue Geschäftsführung bei Buells Muttergesellschaft Harley-Davidson beschlossen, dass der Neubau eines neuen Produktionstraktes bei Buell - im Investitionswert von rund 11 Mio. USD - ersatzlos gestrichen sei. Harley-Sprecherin Rebecca Bortner damals: "Buell hat beschlossen, in Anbetracht des gegenwärtigen wirtschaftlichen Klimas den bisherigen Standort beizubehalten."

Sorgen bei der Mutter

Auch bei Buell Mutter Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise durch. Im Werk Wauwatosa und einer ungenannten Anzahl weiter Standorte wurde die Produktion für insgesamt 14 Wochen gestoppt - de facto fällt damit das gesamte vierte Quartal 2009 weg.

Wie schwer Harley-Davidson angeschlagen ist, mag man aus dem HD-Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2009 ersehen. Darin wird beschrieben, dass die Finanzierungstochter Harley-Davidson HDFS im Jahr 2010 insgesamt 1,2 Milliarden USD benötigt, um über die Runden zu kommen. Harley-Davidson Financial Services (HDFS) finanziert den Kauf von Harleys auf Kredit - ein risiko- und zur Zeit verlustreiches Geschäft, wenn man Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergibt.

Da fällt es nicht mehr ins Gewicht, dass alle Direktoren von Harley 2009 eine Sonderzahlung von 1.500 USD erhalten, um sich HOG-gerecht im Harley Store einzukleiden.

02 September 2009

Motorrad-Zulassungen: Auch August 2009 war mieser Monat

Die Zulassungen von Krafträdern kommen nicht auf die Füsse: Nach den aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hat der Motorradmarkt weiter an Kraft verloren.

In 08/2009 wurden insgesamt 12.442 Fahrzeuge zugelassen - unterm Strich ein Minus von -26,3 Prozent gegenüber dem Vormonat Juli und minus -20,6 Prozent gegenüber August 2008.

Auch der Gebrauchtmarkt tritt auf der Stelle. Insgesamt 46.190 Besitz-Umschreibungen werden für den August vermeldet; minus -13,7 Prozent als im Juli 2008. Immerhin ein Lichtblick: Im Juli 2008 war es noch schlechter, hier gilt es plus +5,8 Prozent.

Der Trend geht also hin zum Gebrauchtmotorrad, der Markt hat sich hier im Vergleich zu 2008 in den ersten 8 Monaten des Jahres mit minus -0,8 Prozent wacker gehalten.

Fazit: Hoffnung für die Händler, die sich auch auf den Gebrauchtmarkt spezialisiert haben, wenig Licht im Tunnel für die Hersteller.

24 August 2009

MZ: Emmely soll marode Motorenwerke Zschopau retten



Die Ex-Motorradfahrer Wimmer und Waldmann wollen die marode Ost-Motorradmarke MZ retten. Bisher waren die Business-Pläne bescheiden. Jetzt soll das Land Sachsen und ein neuer Partner helfen – und der Bau des Elektrorollers emmely.

Es sind die letzten Getreuen, die zur Pressekonferenz gekommen sind. Eine Handvoll einheimischer Nostalgiker mit ausgewaschenen MZ-T-Shirts und eine Trupp schwarz gekleideter Biker stehen Spalier auf dem Gelände der Motorenwerke Zschopau. Es ist heiß. Sehr heiß. Die Hitze liegt wie eine dicke Rheumadecke über den schläfrigen riesigen Werkshallen. Dort drin regt sich nichts.

Nur auf dem Hof ist Betrieb: Sachsens Finanzminister Prof. Georg Unland von der CDU (Korrektur: Prof. Georg Unland wurde von Sachsens CDU-Ministerpräsident Tillich 2008 ins Kabinett berufen, ist aber parteilos. J.V.) steigt aus seinem Dienstwagen, zieht sein Anzug-Jacke an, und strebt mit dynamischem Wahlkampf-Schritt auf Martin Wimmer zu: „Freut mich, Sie zu sehen, Herr Wimmer. Können wir anfangen?“

Wimmer kann. Er führt den Politiker zu seinem Highlight des Tages: den Prototypen eines Elektrorollers mit Namen emmely, grün-weiß in den Farben von MZ. Mit emmely, in wenigen Tagen eiligst zusammengebaut aus einem chinesischen Massenprodukt und einem Batterie-Motor-Block des neuen Partners Clean Mobile, will Wimmer retten, was viele für ein extrem riskantes Investment halten.

Schlingerkurs bei der Finanzierung

Prof. Unland ist die letzte Hoffnung für den abgewirtschafteten sächsischen Motorradhersteller MZ: Wimmer, der ehemalige Motorradfahrer, hat mit seiner Frau Dr. Martina Häger und seinem Rennkollegen Ralf Waldmann im März 2009 das Werk und die Marke MZ gekauft. Für angeblich 4 Mio. Euro vom malaysischen Mischkonzern Hong Leong und einem vagen, konventionellen Geschäftsmodell: 125er Viertakt-Maschinen und Roller sollten von 50 Mitarbeitern montiert, die Teile wie in der Branche üblich aus China bezogen werden.

Der Plan stößt auf Beifall in der extrem strukturschwachen Region: „MZ lebt!“. Aber in der Branche und der Landespolitik überwiegt die Skepsis: Auf dem 125er- und Rollermarkt tummeln sich unzählige Mitbewerber. Mindestens 70 Mio. Euro Verlust haben die Vorbesitzer aus Malaysia mit MZ gemacht; schon 1996 gab es einen Konkurs, nachdem geschätzte 45 Mio. DM Treuhand-Gelder, Landeszuschüsse und Fördersummen verbrannt worden waren.

Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) erklärt, man wolle sich mit keinen weiteren Fördergelder am Kauf beteiligen, aber Anträge auf Zuschüsse bei Neuentwicklungen wolle man wohlwollend prüfen. Bisher sind keine Anträge im Wirtschaftsministerium eingegangen. Auch die Banken halten sich zurück bei der Kreditzusage.

Womit soll jetzt die Entwicklung und Produktion vorfinanziert werden? Die diesjährige Saison ist vorbei. Von den versprochenen 50 Arbeitsplätzen sind 23 besetzt, sie kümmern sich um Verwaltung und Ersatzteilversorgung. Bis die Kundschaft in 2010 wieder Mopeds und Roller kauft, kommen ein langen Herbst und ein harter Winter im Erzgebirge. Wimmer ist nach knapp vier Monaten mit seiner abenteuerlichen MZ-Fahrt in eine Sackgasse gelandet: Ohne Kreditzusagen sind Anträge auf Landesförderung und staatliche Bürgschaft erfolglos, ohne Bürgschaft durch das Land sind die Taschen der Banken wie zugenäht.

Nach Wirtschaftsminister Jurk jetzt also Prof. Unland: Martin Wimmer steht in der brütenden Sonne und erklärt dem Finanzminister, der jede Landesbürgschaft über 2,5 Mio. Euro persönlich zeichnen muss, die strombetriebene emmely. Prof. Unland nickt wohlwollend.

Technisches Hilfswerk aus Bayern


„Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst haben wir als MZ auf Dauer keine Chance“, konzidiert Martin Wimmer. An den 125er-Modellen mit dem erprobten Verbrennungsmotor will man festhalten, aber ansonsten soll die Fertigung radikal umgestellt werden: „Elektrofahrzeuge für die urbane Mobilität, darin liegt auch unsere Zukunft.“ Ein guter Plan, wie Häschen aus dem Hut gezaubert, aber in Zeiten des grundsätzlichen Mobilitätswandels einer mit Perspektive: Nur ein radikaler Schwenk weg vom alten, stinkigen Zweitakter-Image kann MZ vielleicht noch retten.

Die emmely wird in den nächsten Monaten weiter entwickelt und getestet, am Design werde noch gefeilt. Sie soll im Frühjahr 2010 in den Verkauf gehen, als Modell EL1 mit einer maximalen Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Die EL2 mit Mopedgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern soll wenig später kommen, ebenso ein „revolutionäres“ Hybridfahrzeug mit 80 Sachen, dessen Lithiumbatterie während der Fahrt geladen wird.

Geliefert wird der Antrieb der Fahrzeuge aus München, von einem neuen MZ-Kooperationspartner. Die Clean Mobile AG liefert bisher Batterien, Controller und Elektromotoren für Post-E-Bikes und den Brennstoffzellen-Antrieb für die Trikes der gelben Post.





Ein seriöser Partner also für Wimmer, Häger und Waldmann: Man hat einen Kooperationsvertrag über zwei Jahre vereinbart. Clean Mobile liefert im Consumer-bereich exklusiv an MZ, die Zschopauer verbauen in dieser Zeit bei der Montage vor Ort ausschließlich E-Aggregate aus München. Alle Beteiligten wären zufrieden, wäre da nicht das fehlende Geld. Denn finanziell beteiligen, das will sich auch Clean Mobile nicht.

Realistisch gesehen, braucht MZ mindestens 5 Mio. Euro, um über die Runden zu kommen. Das Geld muss von den ungenannten Banken kommen. Aber Prof. Unland und das Land Sachsen müssen dafür 90 Prozent der Investitionen in Millionenhöhe verbürgen.

Die Zeit läuft aus

Die Unterlagen, die das Land bei einem Bürgschaftsantrag in dieser Höhe erwartet, sind noch nicht fertig. Vielleicht noch zwei, drei Wochen, sagt Wimmer. Erst wenn sie im Ministerium entgegen genommen sind, machen sich Spezialisten von PricewaterhouseCoopers im Auftrag des Landes Sachsen an die Prüfung der MZ-Bücher und des Geschäftsmodells.

Man wird mit der Bank reden und in den Betrieb kommen müssen. Eine Bewertung und Entscheidung braucht Zeit. Wochen, womöglich Monate. Martin Wimmer sagt: „Wir hoffen natürlich, dass es schnell geht, möglichst schnell, vielleicht noch vor den Wahlen.“

Prof. Unland nickt wieder wohlwollend und formuliert seine Antwort bedächtig und vorsichtig: „Mir hat gefallen, was ich heute hier gesehen habe. Aber die Vergabe einer Bürgschaft, und dabei geht es ja um öffentliche Gelder, ist immer eine Sachentscheidung basierend auf den Fakten, und keine politische Entscheidung.“

Martin Wimmer lächelt müde.

Auch Unland wirkt erschöpft. Die stehende Hitze hat ihm sichtlich zugesetzt. Er nimmt auf der neuen emmely Platz. Fahren, nein, fahren will er mit dem Hoffungsträger heute nicht mehr. Er hat heute noch zwei weitere Ortstermine; sein Auto wartet schon.

Neuzulassungen Juli: 2009 wird ein schlechtes Jahr für Motorrad-Hersteller ...

Auch die Verkaufszahlen im Juli 2009 lassen für die Zweiradbranche nur einen Schluß zu: 2009 wird als ein Krisenjahr in die Geschichte eingehen. Laut den amtlichen Zahlen des Kraftverkehrsbundesamtes wurden in 07/2009 insgesamt 16.874 Krafträder verkauft.

Das sind noch einmal 2,4 Prozent weniger als im schwachen Vormonat und 21,6 Prozent weniger als im Vergleichsmonat Juli 2008. Insgesamt 118.788 Fahrzeuge wurde seit Januar an den Mann bzw. die Frau gebracht - summa summarum 13,4 Prozent weniger als 2008.

Betroffen sind davon hauptsächlich die großen Hersteller BMW, Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki; kleine Nischenproduzenten wie Ducati haben sich im Vergleich zum Vorjahr gut geschlagen und erzielten moderate Zuwächse.

21 August 2009

Magazine-Krise: Bauer Verlag entläßt BIKE-Chefredakteur Steve Rose

Nach der Motor Presse Stuttgart (MPS), bei der im Mai 2009 Redaktionsplätze bei MOTORRAD gestrichen wurden, greift nach einer Meldung aus den USA nun der Hamburger Bauer Verlag bei seinem internationalen Ableger Bauer Media Group durch: Beim englischen BIKE, nach eigenen Angaben "Britain's best-selling bike magazine", wurde der Chefredakteur Steve Rose überraschend entlassen.

Rose war erst 2007 zum Chef von BIKE ernannt worden, damals noch unter der Ägide des alten Besitzers, der EMAP Gruppe. Bauer Media hatte u.a. BIKE erst im vergangene Jahr gekauft.

In den einschlägigen Foren wird kolportiert, dass "Rose mit der neuen Verlagsleitung nicht zurecht kam und sich mehr klare Strategien von oben gewünscht hatte. Andererseits ist Rose mehr der Typ des schreibenden Journalisten statt des kühl kalkulierenden Chefredakteurs."

Die Entlassung von Steve Rose, eines unter Moto-Journalisten sehr beliebten Kollegen, fällt zusammen mit der allgemeinen Krise der Druck-Branche: BIKE hat nach Schätzungen noch eine monatliche Auflage von etwa 70.000 Exemplaren - ein schlechtes Ergebnis für den UK-Markt und Tendenz fallend.

Auch MOTORRAD, wo der chirurgische Eingriff in die Redaktion schneller als bei Bauer kam, leidet unter Leserschwund. Das Monats-Blatt hat in den vergangenen fünf Jahren rund 19 Prozent des Gesamtverkaufs verloren und liegt beim Einzelverkauf zur Zeit noch bei knapp über 40.000 Exemplaren.Die Abonnentenzahl ist im gleichen 5-jährigen Zeitraum um 17 Prozent gesunken. Branchenkenner fragen sich wohl zu Recht, ob der 14-tägige Rhythmus für ein solches Special-Interest-Magazin noch zeitgemäß ist.


Dabei ist MOTORRAD vergleichsweise noch gut dabei: Schrillere Titel wie etwa die BIKER NEWS stürzen 2009 komplett ab - nach den aktuell vorliegenden Zahlenverkauft das Blatt noch 12.000 Stück am Kiosk und hat in den letzten fünf Jahren einen Rückgang am Kiosk von 72 Prozent zu vermelden. Trotz Babes on Bikes ...

13 August 2009

Branchenkrise: Gewinn bei Piaggio sinkt um 45,6 Prozent im ersten Halbjahr

Wie bei den meisten anderen Herstellern auch, spiegelt das Betriebsergebnis des ersten Halbjahres 2009 der Piaggio Group das miese Marktklima wieder: Der Gewinn ist mit insgesamt 25,7 Millionen Euro im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2008 (47,3 Mio. Euro) um satte 45,6 Prozent gesunken.

Auch der Verkauf von Fahrzeugen ist zurückgegangen: 314.200 Stück Aprilia, Moto Guzzi, Piaggio and Vespa wurden verkauft - ein Minus von 115,6 Prozentim Vergleich zu Januar bis Juni 2008. Dabei sind die Regionen nicht alle gleichsam betroffen: In den USA fiel der Verkauf um 44 Prozent, in Europa insgesamt um 17 Prozent und im Mutterland Italien um 6,9 Prozent.

Doch Vorsicht: Die Zahlen aus den USA signalisieren lediglich, dass sich der Markt wieder im Mittelfeld einpendelt - 2008 war der Piaggio-Verkauf dort um 28,7 Prozent gestiegen.

Die Anwort des Konzerns auf die Krise hört sich an wie bei allen anderen Firmen der Branche: höhere Produktivität bei gleichzeitiger Kostenminimierung soll es richten.

Hier der komplette Bericht

- der übrigens mit "Trend turnaround in Q2 2009" betitelt ist - ach, was lieben wir unsere Spindoctors von der PR-Abteilung...

Wir halten es in Sachen Einschätzung da lieber mit den Anlage-Analysten von Standard & Poors's und Moody's, die der Piaggio Group unisono ein Rating von BB respektive Ba2 geben.

Was Rating von BB bzw. Ba2 bedeuten? "Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen."

04 August 2009

BMW-Motorrad: Zweiter Quartalsbericht 2009 ohne richtiges Drehmoment

Der BMW-Konzern hat seinen zweiten Quartalsbericht 2009 mit den Auto- und Motorradergebnissen für das erste Halbjahr veröffentlicht: Hier einige Zitate zur freien Interpretation.

"In der Halbjahresbetrachtung ergab sich ein Minus von 16,0 % auf 46.974 verkaufte Motorräder."

"In Europa setzte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 33.117 BMW Motorräder ab, dies entspricht im Vorjahresvergleich einem Rückgang von 20,3 %. Vor allem in Deutschland (7.648 Einheiten / – 26,6 %), Spanien (2.827 Einheiten / – 42,1 %), Frankreich (3.470 Einheiten / – 25,3 %) und Italien (8.331 Einheiten / – 16,9 %) waren die negativen Rahmenbedingungen besonders deutlich zu spüren."

"Das EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) im Segment Motorräder betrug im zweiten Quartal 2009 insgesamt 26 Mio. Euro (– 53,6 %) und in den ersten sechs Monaten 54 Mio. Euro (– 41,3 %). Entsprechend lag das Ergebnis vor Steuern (Gewinn) mit 24 Mio. Euro von April bis Juni 2009 um 54,7 % unter dem Vorjahreswert, in der Halbjahresbetrachtung ging dieses um 42,5 % auf 50 Mio. Euro zurück."

"Bedingt durch das wirtschaftlich schwierige Umfeld hat die BMW Group auch die Motorradproduktion gezielt verringert. Im zweiten Quartal 2009 liefen 21.152 BMW Motorräder vom Band (– 33,8 %), von Januar bis Juni 2009 wurde die Motorradproduktion um 17,0 % auf 50.263 Einheiten reduziert."

Harte Zeiten, die BMW wie folgt kommentiert:

"Im Motorradgeschäft setzt die BMW Group im weiteren Verlauf des Jahres 2009 die Modelloffensive fort, um der durch die globale Wirtschaftskrise ausgelösten Kaufzurückhaltung zu begegnen. Dennoch geht das Unternehmen davon aus, dass der Motorradabsatz unter dem Niveau des Vorjahres liegen wird."

Der komplette Zweite Quartalsbericht 2009 hier online.

28 Juli 2009

BMW: Chef von Kuenheim schilt E-Roller-Hersteller als Bastler

Hendrik von Kuenheim ist Chef der BMW-Motorradsparte - jenem Konzernteil in München und Berlin-Spandau, bei dem es im Mai Kurzarbeit gegeben hat.

Wer diesen für die Beschäftigten nicht unbedeutenden Anlaß als Indiz dafür nimmt, dass von Kuenheim mit offenen und weit blickenden Augen durch die Welt schreitet, sieht sich zumindest nach der Lektüre eines von Kuenheim-Interviews in der sonntäglichen FAZ enttäuscht.

Besonders folgende Passage hat es mir angetan: "Der Stand der Technik ermöglicht es heute nicht, Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu produzieren, die der Kunde dann auch bereit ist in großen Stückzahlen zu kaufen. Die Batterie-Technik ist heute noch nicht so weit. Akzeptable Autos oder Motorräder, die auch die Kundenerwartungen erfüllen, gibt es noch nicht. Vielleicht wird es 2013 oder 2014 so weit sein, nicht vorher. Fahrzeuge, die es heute gibt, sind Insellösungen oder unausgereifte Bastellösungen."

Na super Position, vor allem vor dem Hintergrund, dass von Kuenheim wenige Zeilen davor konzidierte, dass 1) China ein Markt der Zukunft ist, 2) laut BMW-Markforschung der Kunde mit einem Elektroantrieb mindestens 100 Kilometer weit fahren möchte, und 3) die Frage der "urbanen Transportation" BMW-Motorrad sehr intensiv beschäftigt.

Zählt man 1 und 2 und 3 zusammen, kommt man auf 4 Überlegungen:

- Der durchschnittliche 45er Roller in Deutschland fährt kaum mehr über 5000 Kilometer im Jahr und in der Regel in der Stadt: vom Speckgürtel ins Büro und zurück oder mal rund ums Eiscafe.

- Hat sich die BMW-Marktforschung die falsche Zielgruppe ausgesucht?

- Sind die erfolgreichen Massenhersteller in China, wo der gemeine E-Roller ein Renner ist, und die erfolgreichen deutschen Importeure und Vertreiber allesamt Inselbewohner und unausgereifte Bastler?

- Ist der bayrische Dickschiff-Werk-Chef nicht irgendwie etwas hochnäsig, wenn er in Sachen Elektroantrieb die Angebote ignoriert und in die weite Zukunft 2014 verweist. Seine "Tausende Ingenieure, die alle nach dem Besten streben", hats vielleicht doch etwas gewurmt ...

PS: Hier die weltweiten monatlichen Verkäufe von BMW im Vergleich 2009 versus 2008 nach Zahlen der amerikanischen Dealernews.


Januar 2009: 3,731, + 1,1 Prozent zu 3,689 in 2008

Februar 2009: 4,401, - 29,6 Prozent zu 6,254 in 2008

März 2009: 9,100, - 18 Prozent zu 11,093 in 2008

April 2009: 10,166, - 18,6 Prozent zu 12,489 in 2008

Mai 2009: 10,172, - 12,2 Prozent zu 11,580 in 2008

Juni 2009: 9,402, - 13,8 Prozent zu 10,904 in 2008

Wenn diese Zahlen stimmen - Dealernews hat sie noch nicht dementiert - dann verwundert es doch schon, wenn von Kuenheim in der FAZ wie folgt zitiert wird: "Der Auftragseingang von BMW für neue Motorräder war im Juni das erste Mal seit neun Monaten im positiven Bereich. Wir hatten einen massiven Auftragseinbruch im Januar, auch noch im Februar, aber jeden Monat hat sich das kontinuierlich verbessert. Da ist also Licht am Ende des Tunnels."

Welcher Auftragseingang, welcher Verkauf, welcher Tunnel?

21 Juli 2009

Statistik: schlechte Zahlen für japanische Bike-Hersteller


Wir haben ein wenig in den Statistiken gegraben, die JAMA regelmäßig veröffentlicht: Jama ist die Vereinigung der japanischen Fahrzeug-Hersteller und protokolliert zur Zeit der schlechten Lauf der vier Bike-Bauer Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki.

Ist schon demoralisierend, wenn man sich die Zahlen der vier Großen anschaut:

Im Mai 2007 in Japan produzierte Fahrzeuge über 250 ccm -
Honda 12.793, Suzuki 20.154, Yamaha 15.972, Kawasaki 15.835, Gesamt 64.754

Im Mai 2008 in Japan produzierte Fahrzeuge über 250 ccm -
Honda 4.074, Suzuki 10.676, Yamaha 14.414, Kawasaki 9.425, Gesamt 38.591

Im Mai 2009 in Japan produzierte Fahrzeuge über 250 ccm -
Honda 4.482, Suzuki 5.889, Yamaha 7.006, Kawasaki 3.944, Gesamt 21.321

Zwei Drittel der Produktion in Japan ist weggebrochen, der Gürtel muss enger geschnallt werden ...

kein Wunder, dass Honda und Yamaha ihre Teilnahme an der EICMA 2009 im November angesagt haben.

17 Juli 2009

Branchenkrise: Vectrix USA geht in die Insolvenz

Es hatte sich schon im April abgezeichnet und wir hatten darüber berichtet: Dem amerikanischen Hersteller von Großrollern Vectrix geht finanziell die Luft aus.

Mike Boyle, Chef der Firma mit Sitz in Middletown, Rhode Island, hat damit begonnen, die Arbeitsverträge mit der Mehrzahl der Angestellten des Roller-Herstellers aufzulösen und hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren beantragt. Vectrix hatte in den letzten Wochen versucht, staatliche finanzielle Unterstützung für die Firma zu bekommen, war dabei aber gescheitert. Jetzt sind zunächst etwa vier Fünftel der Angestellten in der Zentrale ohne Arbeit; die Website www.vectrix.com ist bereit tot.

Die Insolvenz tritt nach amerikanischem Recht innerhalb 30 Tagen in Kraft, falls kein Investor gefunden werden sollte. Das dürfte schwierig werden: "The company has made every effort to reduce costs and conserve cash, but market conditions continue to be difficult and the results of sales have been very disappointing." schrieb Boyle in einem Memo an die amerikanischen Händler.

Nach Auskunft von Sven Wedemeyer, Vertriebsleiter bei Vectrix Deutschland in Berlin, ist der deutsche Vertrieb, die Wartung und der Verkauf durch die unabhängige deutsche Filiale vom Insolvenzantrag der amerikanischen Zentrale nicht betroffen. "Wir verkaufen weiter," sagt Wedemeyer. "Auch die Produktionsstätte in Polen macht weiter."

Das für dieses Jahr avisierte zweite Modell von Vectrix, der kleinere VX2, mit dem ein breiterer Kundenkreis angesprochen werden sollte, wird allerdings auf frühestens 2010 verschoben. Das Flagschiff von Vectrix, der VX1, deckt mit einem Preis knapp unter 10.000 Euro kaum einen Massenmarkt ab, mit dem Geld verdient werden könnte.