Neues aus der italienischen Gerüchteküche: Nach Recherchen - bzw. Vermutungen - von Motociclismo.it steht die Unternehmensgruppe von Paolo Berlusconi, dem Bruder von Silvio B., in Verhandlungen mit Harley-Davidson, dem derzeitigen Besitzer der italienischen Edel-Bike-Schmiede MV.
Paolo Berlusconi hält bereits Anteile an einem anderen italienischen Zweirad-Unternehmen - Garelli, das unter dem alten reputierlichen Markennamen Roller in China produzieren läßt.
Harley-Davidson hat gestern überraschend verkündet, die Produktion von Buell Motorcycles komplett einzustellen. Die letzten Maschinen sollen am 30. Oktober 2009 vom Band laufen. Zusätzlich bietet Harley die Marke MV Agusta zum Kauf an.
Nach den Worten von Pressesprecher Paul James, ist die Schließung des Buell-Werks in East Troy die Konsequenz der verheerenden Ergebnisse der letzten Geschäftsquartale und der Versuch, den extrem kriselnden Mutterkonzern selbst zu retten: "Wir müssen uns auf Harley-Davidson konzentrieren. Die Aufgabe von Buell sei "part of Harley-Davidson's go-forward business strategy. The new long-term strategy aims to drive company growth through a focus of efforts and resources on the Harley-Davidson brand."
Bereits im September hatte Buell Motorcycles angekündigt, seine Produktionsstätte in East Troy, Wisconsin, für den gesamten November und Dezember 2009 zu schließen und den Großteil der Beschäftigten quasi für 2 Monate zu entlassen.
Der Niedergang von Buell, das über 25 Jahre Motorräder produziert hat, hatte sich angedeutet. Schon im Mai 2009 hatte die neue Geschäftsführung bei Harley-Davidson beschlossen, dass der Neubau eines neuen Produktionstraktes bei Buell - im Investitionswert von rund 11 Mio. USD - ersatzlos gestrichen sei.
Jetzt kamen die schlechten Verkäufe hinzu: Im dritten Quartal 2009 hatten Buell und MV Agusta zusammen weltweit noch 1850 Maschinen verkauft; im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum noch über 2800 gewesen.
Sorgen auch um Harley-Davidson
Auch bei Buell Mutter Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise durch. Im Werk Wauwatosa und einer ungenannten Anzahl weiter Standorte wurde schon Anfang Oktober die Produktion für insgesamt 14 Wochen gestoppt - de facto fällt damit das gesamte vierte Quartal 2009 weg. Der weltweite Absatz sank in 2009 quasi um ein Viertel.
Wie schwer Harley-Davidson überhaupt angeschlagen ist, mag man aus dem HD-Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2009 ersehen. Darin wird beschrieben, dass die Finanzierungstochter Harley-Davidson HDFS im Jahr 2010 insgesamt 1,2 Milliarden USD benötigt, um über die Runden zu kommen. Harley-Davidson Financial Services (HDFS) finanziert den Kauf von Harleys auf Kredit - ein risiko- und zur Zeit verlustreiches Geschäft, wenn man Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergibt.
Die Schließung von Buell hat der charismatische Kopf der Marke, der Gründer Eric Buell, in einem Video auf der Website von Buell selbst bekannt gemacht - ein Video, das belegt wie nah ihm die Zerstörung seines Lebenswerkes geht.
Weitaus tiefer gehende Probleme als Ducati - Wo zeige ich bloß die neuen Knüller? - hat die Edelmarke MV Agusta. Seit das Baby der Casteliogni-Brüder von Harley-Davidson übernommen wurde, wird im Werk in Varese vom abgesandten Directing Manager Matt Levatich kräftig saniert.
Das hat im Verein mit dem finanziellen Bermuda-Dreieck, das zum Verkauf geführt hat, zur Folge, dass die Modellentwicklung stockt - weder auf der Intermot noch im November auf der EICMA darf man von MV Agusta etwas Neues erwarten. Das muss erst mal nichts Schlechtes heißen: Die ausgestellten Brutale und F4-Modelle sind erprobte und edle Modelle, die sich im teuren Nischenmarkt ihre Kundschaft erkämpfen. Und angeblich zeichnet die Design-Legende Tamborini an etwas ganz Neuem ...
Immerhin hat das Harley-Engagement wohl dazu geführt, dass man sich die horrenden Kölner Standkosten geleistet hat.