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16 März 2010

Hell For Leather meldet: Take-over-Gerüchte bei Harley-Davidson


Zur Zeit schießen die Spekulationen in der amerikanischen Blogger-Szene ins Kraut: An der Wall Street werden Harley-Davidson-Aktien gehandelt wie blöd, der kurs ist inzwischen um 5 % nach oben geschossen.
Der Grund für die Spekulaten: Ein Bericht der Nachrichten-Agentur Reuters. Es wird gemunkelt, dass die amerikanische Investitions-Gesellschaft KKR die Aktienmehrheit und H-D übernehmen will. Mal sehen, was sich da in den nächsten Tagen tut.

22 November 2009

Bye, Bye Harley: Erik Buell fängt nach Werksschließung von Vorne an


Was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Erik Buell, der Gründer der von Harley-Davidson schnell und schnöde beerdigten Motorradmarke aus East Troy, Wisconsin, verlässt den "Berater"-Job beim Totengräber Harley-Davidson und macht sich zusammen mit einigen Veteranen aus dem Werksumfeld selbständig.
Details sind noch nicht bekannt, doch der Buell-Übervater will "Erik Buell Racing" gründen - zunächst wohl eine kleine, aber feine Fahrzeug-Schmiede, in der auf der Basis der 1125R mit dem von Rotax entwickelten Motor anspruchsvolle Sportinstrumente ausgeliefert werden sollen.
Zwei Dinge sind dazu auf die Schnelle anzumerken: So klein - als Rennmotorrad-Entwickler - hat Erik Buell von 26 Jahren schon einmal angefangen. Entwickelt hat sich aus dem Workshop eine Firma und Kultmarke, die 2006 das 100.000ste Fahrzeug auslieferte. Ob Erik Buell diesmal noch die Power und den Biss hat, wieder Großes zu entwickeln, ist eher unwahrscheinlich. Die Zeiten und vor allem das finanzielle Umfeld hat sich verändert. Aber man weiß ja nie.
Und dann: Damals hat Erik Buell auf ein Pferd - und einen Motor - gesetzt, der aus einem Sportfahrzeug ein Kultobjekt gemacht hat. So anachronistisch der überarbeitete HD Thunderstorm-V2-Motor inzwischen sein mag, er hat dem Vehikel ein unverwechselbares Herz und Sinne betörenden Sound gegeben.
Mit dem Rotax-Aggregat, das um Längen moderner und kraftvoller aber gleichwohl emotionsfreier ist, verliert Erik Buell sein Alleinstellungsmerkmal und den - so sagt man neudeutsch - UPS - unique selling point.
Aber auch da kann man sich täuschen. Vielleicht kaufen die Leute alles, was Erik Buell auf den Markt bringt: Nicht zuletzt ist der Mann schon jetzt eine Legende und der Mann, den selbst Harley-Davidson nicht tot kriegen konnte.

UPDATE:
Hier ein Zitat aus einer Mail von Erik Buell: ""It is a new world for us, and we have our freedom again. H-D owns the name, but we will do what we can to add to the value and mystique of these bikes that are no longer produced. This will make for an intense and crazy year, but fun."

Wie heisst es doch immer in diesen Ami-Western: "Go west, young man." Und wie elektrisiert Erik Buell von seinem Unternehmen ist, sieht man hier in diesem Video:



23 Oktober 2009

Buell-Aus: Panikanfall beim Dinosaurier Harley-Davidson


Harley-Davidson hat ein Geldproblem und die Käufer sterben aus. In ihrer Not machen die Amis die innovative Marke von Erik Buell dicht und wollen die prestigeträchtige Tochter MV Agusta verscherbeln. Übrig bleiben nur Alteisen.

Der Computerhersteller Apple hat Steve Jobs, die amerikanische Motorradgemeinde ihren Propheten Erik Buell. Der ehemalige Renningenieur von Harley-Davidson baute 1983 in einem Schuppen erste eigene Motorräder und hat unter seinem Namen eine erfolgreiche Motorradmarke etabliert. 2006 lief im Werk in East Troy, Wisconsin, die hunderttausendste Buell vom Band.

Buells sind skurril, bissig, sie bocken und bollern. Ausgestattet mit Motoren auf der Basis der museumsreifen Harley-V-Twins, mit Ventilatoren, die wie ein Kühllaster dröhnen, um den hitzeanfälligen hinteren Zylinder zu kühlen. Doch der geniale Tüftler Erik Buell hat wegweisende Konzepte für die Branche entwickelt und verwirklicht: kompakte Auspuffanlagen unter dem Motor, Bremsscheiben montiert an der Felge, Benzintank im Rahmen und Ölreservoir in der Hinterradschwinge. Buells Visionen wie etwa die Firebolt oder das neue Superbike 1125R haben einen schrägen Charakter, das hat sie einzigartig und erfolgreich gemacht. Buell-Fahrer lieben ihre Fuhre wie Nerds ihr iPhone.

Seit 2003 ist Buell eine hundertprozentige Tochter von Harley-Davidson. Doch nun hat die Konzern-Mutter kurzerhand beschlossen, Buell zu schließen. Ende Oktober werden die letzten ihrer Art gebaut; Erik Buell und seine 180 Mitarbeiter müssen gehen.

Eine zweite Harley-Tochter wird ebenfalls dichtgemacht. Die italienische Edelbike-Schmiede MV Agusta, vor 16 Monaten für rund 70 Millionen Euro erworben, steht zum schnellen Verkauf. Harley muss sparen und braucht Geld.

Leere Kassen, erdrückende Kredite


Bei Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise im Motorradgeschäft voll durch. In den ersten drei Quartalen 2009 sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 71,4 Prozent gefallen, die neuen Maschinen stehen wie festgeschraubt bei den amerikanischen Händlern. Im vierten Quartal wird die Produktion weiter zurückgefahren, und die Sportster-Modelle werden bis Ende des Jahres nicht mehr gebaut. Um 2010 über die Runden zukommen, benötigen die Amis insgesamt 1,2 Milliarden Dollar.

Innovation und Flexibilität waren nie Harleys Stärken. Technische Anstöße kamen von außen, bei der V-Rod etwa von Motorenbauer Porsche. Oder eben von Erik Buell, dem hauseigenen Think Tank und Gegengewicht zu der Heavy-Metal-Fraktion. Jetzt in der Krise zuckt der Konzern, killt Buell und tapst weiter im Reflex wie ein früh ergrauter Bär. Alte Modelle, altes Klientel. Die Konzentration auf das Tafelsilber - das Fabrikat Harley-Davidson - soll es richten. "Unserer Strategie beruht darauf, die Marke für einen langfristigen Wachstum vorzubereiten und durch eine Fokussierung gute Resultate zu erzielen," erklärt Keith Wandell, Chief Executive Officer von Harley.

Das erinnert an einen Bären, der sich im Fangeisen den Fuß abnagt, um freizukommen. Denn wie die Amputation von Buell die dadurch entstehenden Kosten von mindestens 83 Millionen Euro zur Schließung des HD-Riesenlochs beitragen sollen, kann man nicht unbedingt verstehen. Harley weiß es auch nicht: "Wir haben die Benefits, die aus der Schließung von Buell entstehen, noch nicht quantifiziert," sagt Harley Chief Financial Officer John Olin. Doch das kratzt CEO Wandell nicht: "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Konzept die Kraft der Marke Harley-Davidson verstärken und weiter in Schwung bringen können."

Branchen-Insider zweifeln stark daran, dass man einen alternden Hersteller mit Sparen allein über die Runden bringt. "Weiter nur die Marke Harley-Davidson auszubeuten, ist schlichtweg lächerlich. Harley-Fans haben sich den Schriftzug schon tätowiert - wie ausgebeutet kann man denn noch sein?", wird ein Wall-Street-Banker mit Erfahrung in der Motorradbranche zitiert.

Buell-Fans auf der schwarzen Liste

Bei den Buell-Fahrern ist die Konzernmutter nur noch Hassobjekt. Sie haben mit der emotionalen Videomessage von Erik Buell, in der er das Ende seines Lebenswerks ankündigt, genug gehört. In den einschlägigen Fan-Foren der Marke wird zu drastischen Maßnahmen geraten ("Truly idiotic decision by the Harley Davidson (mis)management. Shoot them!") und zu Online-Protesten gerüstet.

Belagert wird auch die Harley-Davidson-Seite. Dort liegt ein nettes Online-Gadget, mit dem Biker ihren eigenen Text-Banner entwerfen und auf der Web-Seite zeigen können. Drei Tage nach dem Aus für die Buell-Bauer aus Milwaukee zog der Harley-Administrator unter dem Ansturm entnervt die Handbremse. Er setzte den Begriff "Buell" zu Begriffen wie "Shit!" und "&%*@!" auf die schwarze Liste. Inzwischen wird jede Wortmeldung zum Thema Buell konsequent ausgefiltert.

Der Protest der Buell-Fahrer kommt Harley spürbar ungelegen. Um die Abwicklung schnell über die Bühne zu bringen und die Wogen zu glätten, unterstützt der Konzern die amerikanischen Buell-Händler. Egal zu welchem Preis sie eine Maschine losschlagen, der Händler bekommt vom Konzern mindestens 5000 Dollar. Damit ist auch der rapide Preisverfall der letzten Tage zu erklären - die neuen Superbikes 1125R waren in manchen US-Showrooms für 4999 Dollar zu haben.

In Hamburg kostet die gleiche Maschine erstaunlicherweise immer noch den Listenpreis: 12.899 Euro.

Komplette Slideshow zur Buell-Story bei SPON

22 Oktober 2009

BUELL: Spitzenware auf dem Ramschtisch ...3333,00 Euro

Da sind doch von euch Usern Zweifel aufgekommen an dem gestern vermeldeten Preis von 3333,00 Euro, zu dem Buells zur Zeit in den USA losgeschlagen werden. Hier das Bild zur Meldung und der Bericht bei den Kollegen von Asphalt & Rubber sowie der Hintergrund dazu.


Es gibt nämlich nicht wenige Händler (speziell natürlich Buell-Händler), die ob der angespannten Lage auf dem Ami-Markt zum Panikverkauf neigen: Nach den neuen Zahlen des amerikanischen Motorcycle Industry Council (MIC) sind die Verkäufe für Roller, Motorräder und ATVs in den ersten neun Monaten 2009 insgesamt um 40 Prozent gefallen. Da wird man schon nervös, wenn man auf einem vollen Lager und einer Marke sitzt, die gerade zugemacht wurde.

21 Oktober 2009

BUELL-Schließung: Neue Buell 1125CRs für 3.333,00 Euro zu haben

Es tut sich viel in den USA nach der Buell-Schließung. Hier die Updates:

1. Bei manchen amerikanischen Händlern stehen brandneue Lightnings und 1125R für den Kampfpreis von 4995,00 USD im Schauraum. Die Szene kauft ein - > hier ein Beispiel aus Texas

2. Harley zahlt jedem Händler eine garantierte Summe von 5.000 Euro für jede verkaufte Buell, egal welches Modell. Die Bestände sollen raus, so schnell wie möglich. Das heisst, wer jetzt in einen amerikanischen Laden stiefelt, kann sich sicher sein dass, alles über 5.000 USD verhandelter Endpreis der Profit des Händlers ist - und viele sagen sich: Weg mit Schaden als gar kein Cash in der Kasse. Hier der entsprechende Link: hellforleathers

3. Bei Buell in Hamburg soll die 1125CR immer noch den Listenpreis kosten: 12.899 Euro. Mal sehen, wie lange der Preis hält ... er kann aber auch noch steigen, wenn die Nachfrage das Angebot am Ende übersteigt...

4. Die Buell-Fahrer organiseren sich und wollen die Schließung nicht so ohne weiteres hinnehmen. Das Harley-Management wird zum Hassobjekt. Viele einträge in den Buell-Foren sind nicht druckreif ....

5. Eine Gruppe von Geschäftsleuten aus Wisconsin - in East Troy in diesem Bundestatt steht die Fabrik - bastelt an einem Übernahmekonzept, hat Erik Buell angeschreiben und will die Marke und die Fabrikation retten. Wäre doch irgendwie auch witzig - wenn am Ende Buell überlebt und Harley auf der Strecke bleibt.

16 Oktober 2009

Branchenkrise: Harley-Davidson macht Buell dicht und verkauft MV Agusta


Harley-Davidson hat gestern überraschend verkündet, die Produktion von Buell Motorcycles komplett einzustellen. Die letzten Maschinen sollen am 30. Oktober 2009 vom Band laufen. Zusätzlich bietet Harley die Marke MV Agusta zum Kauf an.

Nach den Worten von Pressesprecher Paul James, ist die Schließung des Buell-Werks in East Troy die Konsequenz der verheerenden Ergebnisse der letzten Geschäftsquartale und der Versuch, den extrem kriselnden Mutterkonzern selbst zu retten: "Wir müssen uns auf Harley-Davidson konzentrieren. Die Aufgabe von Buell sei "part of Harley-Davidson's go-forward business strategy. The new long-term strategy aims to drive company growth through a focus of efforts and resources on the Harley-Davidson brand."

Bereits im September hatte Buell Motorcycles angekündigt, seine Produktionsstätte in East Troy, Wisconsin, für den gesamten November und Dezember 2009 zu schließen und den Großteil der Beschäftigten quasi für 2 Monate zu entlassen.

Der Niedergang von Buell, das über 25 Jahre Motorräder produziert hat, hatte sich angedeutet. Schon im Mai 2009 hatte die neue Geschäftsführung bei Harley-Davidson beschlossen, dass der Neubau eines neuen Produktionstraktes bei Buell - im Investitionswert von rund 11 Mio. USD - ersatzlos gestrichen sei.

Jetzt kamen die schlechten Verkäufe hinzu: Im dritten Quartal 2009 hatten Buell und MV Agusta zusammen weltweit noch 1850 Maschinen verkauft; im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum noch über 2800 gewesen.

Sorgen auch um Harley-Davidson

Auch bei Buell Mutter Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise durch. Im Werk Wauwatosa und einer ungenannten Anzahl weiter Standorte wurde schon Anfang Oktober die Produktion für insgesamt 14 Wochen gestoppt - de facto fällt damit das gesamte vierte Quartal 2009 weg. Der weltweite Absatz sank in 2009 quasi um ein Viertel.

Wie schwer Harley-Davidson überhaupt angeschlagen ist, mag man aus dem HD-Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2009 ersehen. Darin wird beschrieben, dass die Finanzierungstochter Harley-Davidson HDFS im Jahr 2010 insgesamt 1,2 Milliarden USD benötigt, um über die Runden zu kommen. Harley-Davidson Financial Services (HDFS) finanziert den Kauf von Harleys auf Kredit - ein risiko- und zur Zeit verlustreiches Geschäft, wenn man Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergibt.

Die Schließung von Buell hat der charismatische Kopf der Marke, der Gründer Eric Buell, in einem Video auf der Website von Buell selbst bekannt gemacht - ein Video, das belegt wie nah ihm die Zerstörung seines Lebenswerkes geht.

18 September 2009

Studie über Markenwert: Harley schmiert heftig ab

Es geht im Verkauf zwar auch um PS bei Motorrädern, doch viel wichtiger ist die Marke, und was der Käufer damit verbindet: Abenteuer & Freiheit, das Gefühl von Easy Rider. Damit werden etwa Harleys verkauft.

Doch mit dem Markenwert gehts bei Harley nun bergab. Das haben die Markenanalysten von Interbrand in ihrem aktuellen Ranking festgestellt, das am Freitag vorgestellt wurde. Interbrand ermittelt die Rangfolge der wichtigsten Marken jährlich gemeinsam mit dem US-Magazin "Business-Week".

Harley-Davidson hat danach im Vergleich zum Vorjahr satte 43 Prozent verloren, der errechnete Firmenwert liegt nur noch 4,3 Milliarden USD. Mehr verloren im Ranking haben nur noch zwei Firmen und übliche Verdächtige - die Bank UBS und die Citibank.

Mit dem Verlust von 43 Prozent in den letzten zwölf Monaten ist Harley in dem von Analysten und bei der Kreditvergabe als wichtigen angesehenen Markenranking von Platz 50 auf Platz 73 abgerutscht. Auf Platz 1 hält sich seit Jahren Coca-Cola.

Andere Top-100-Marken-Firmen, die auch Motoräder herstellen, sind BMW und Honda. Sie swind vergleichsweise ungeschoren davon gekommen und haben jeweils nur moderate 7 Prozent verloren.

Im Handelsblatt wird ein deutscher Vertreter von Interbrand, Nik Stucky, zum Verlust von Harley zitiert: "Das Unternehmen hat seit Jahren ein Markenproblem." Das Handelsblatt schreibt weiter: "Nun komme obendrein ein finanzielles Problem hinzu."

16 September 2009

Branchenkrise: Buell und Harley-Davidson schließen Werke für zwei Monate

Buell Motorcycle hat angekündigt, seine Produktionsstätte in East Troy, Wisconsin, für den gesamten November und Dezember 2009 zu schließen. Die Arbeiter, die von der Schließung betroffen sind, erhalten in der Zeit Lohn für 8 Tage, den Rest der Zeit sich sie formell gesehen arbeitslos, aber weiter krankenversichert.

Ob ihr oberster Chef, der Harley-Davidson Präsident und Chief Executive Officer Keith Wandell auf einen vergleichbaren Anteil an seinem jährlichen Grundgehalt von 975.000 USD - plus Aktienoptionen und Boni - verzichtet, ist nicht bekannt.

Der letzte Arbeitstag für die Buell-Leute ist der 30. Oktober, vorgesehener Wiederarbeitsbeginn ist am 4. Januar 2010. Die Entscheidung des Buell-Managements - mit positiven Folgen für das Betriebsergebnis 2009, aber wohl verheerenden Auswirkungen auf die Arbeitsmoral und das Betriebsklima - war nötig geworden, weil die "Absatzzahlen unter der aktuellen Finanzkrise" schwer gelitten haben.

Die Krise bei Buell hatte sich angedeutet. Schon im Mai 2009 hatte die neue Geschäftsführung bei Buells Muttergesellschaft Harley-Davidson beschlossen, dass der Neubau eines neuen Produktionstraktes bei Buell - im Investitionswert von rund 11 Mio. USD - ersatzlos gestrichen sei. Harley-Sprecherin Rebecca Bortner damals: "Buell hat beschlossen, in Anbetracht des gegenwärtigen wirtschaftlichen Klimas den bisherigen Standort beizubehalten."

Sorgen bei der Mutter

Auch bei Buell Mutter Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise durch. Im Werk Wauwatosa und einer ungenannten Anzahl weiter Standorte wurde die Produktion für insgesamt 14 Wochen gestoppt - de facto fällt damit das gesamte vierte Quartal 2009 weg.

Wie schwer Harley-Davidson angeschlagen ist, mag man aus dem HD-Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2009 ersehen. Darin wird beschrieben, dass die Finanzierungstochter Harley-Davidson HDFS im Jahr 2010 insgesamt 1,2 Milliarden USD benötigt, um über die Runden zu kommen. Harley-Davidson Financial Services (HDFS) finanziert den Kauf von Harleys auf Kredit - ein risiko- und zur Zeit verlustreiches Geschäft, wenn man Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergibt.

Da fällt es nicht mehr ins Gewicht, dass alle Direktoren von Harley 2009 eine Sonderzahlung von 1.500 USD erhalten, um sich HOG-gerecht im Harley Store einzukleiden.

28 August 2009

Harely-Davidson: Fat Bob goes India ...


Passend zum Sachs-MadAss-Zug nach Westen (Siehe unten) hier folgende Geschichte: Stell Dir vor, es gäbe einen Markt von über 1 Milliarde Menschen, und eine große amerikanische Motorradmarke überliesse diese Goldgrube (immerhin der zweitgrößte Motorradmarkt der Welt) Grau-Importen und dem Zufall...

Unmöglich? Nein, bisher Fakt. Harley-Davidson hat in dieser Woche bestätigt, dass zum ersten Mal in der über 100jährigen Firmengeschichte ein Vertrag über die Etablierung einer General-Importeurs-Lizenz für Indien unterzeichnet wurde ...

Hier Auszüge aus der offiziellen Erklärung:

"The company has established a subsidiary to be located in Gurgaon, near Delhi, and has begun the process of seeking dealers.

Harley-Davidson Motor Company President and Chief Operating Officer, Matthew Levatich, is an invited speaker at the Society of Indian Automobile Manufacturers annual convention on August 28, and will provide further details on the company’s plans then.

“As India continues to extend its global reach, so does Harley-Davidson,” said Levatich. “We believe Harley-Davidson has outstanding opportunities for continued growth around the world.”

The company’s current approach is to import its motorcycles, accessories and riding gear, and it will continue to evaluate how best to evolve its approach to the market as Harley-Davidson’s business in India grows.

“We are committed to India for the long term, and we are focused right now on establishing a strong foundation,” said Harley-Davidson Inc. President and Chief Executive Officer Keith Wandell."

Hier noch ein paar Tips für den "long term", abgeleitet aus der Grafik unten: Think big, Listen more, Talk less, Peacefully digest all good and bad in life ....

27 April 2009

Branchenkrise bei Harley: Mit Vollgas in die Vergangenheit

Bei Harley-Davidson wird die komplette Führungsspitze ausgewechselt – der alte Vorstand hatte keine Antworten auf hausgemachte Kredit-Probleme und die Vergreisung der Kunden. Jetzt sollen es ein Mann knapp vor der Pensionsgrenze und ein Re-Import aus Italien richten.


Wer dieser Tage in Naples, Florida, unter der gleißenden Frühlingssonne die Gateway Lane hinunter fährt, erfasst das Problem auf den ersten Blick: Vor den schnucken Anwesen in den Seitenstrassen sind „For Sale“-Schilder in den Rasen gepflockt. Beim Motorrad-Händler ein Stückchen weiter, unter der Harley-Davidson-Reklame, parken Fat Bobs, V-Rods und 35.000 USD-Flagschiffe in Reihe. Fabrikneu, noch nicht zugelassen, liegen sie wie Blei im Regal.

Tony „Just call me Tony“, der Verkäufer, jammert: „So schlecht wie im letzten Winter ging das Geschäft noch nie.“ Die Absatzkrise hat nicht nur GM, Ford und Chrysler im Mark getroffen, sondern auch ein weitere amerikanische Ikone. Das erste Opfer: der alternde Vorstand und CEO James „Jim“ Ziemer, der nach vierzig Jahren Dienst im Stammwerk in Milwaukee Harley-Davidson verlässt. Er war in den letzten kritischen Monaten nur noch mit flammenden Durchhalte-Appellen aufgefallen.

Ersetzt wird er durch den ebenfalls 59-jährigen Keith Wandell, ein anderes Urgestein vom Mischkonzern und Autozulieferer Johnson Controls; ebenfalls aus Milwaukee, Wisconsin: „just down the road“, würde man vor Ort sagen. Wahrscheinlich kennen sich der alte Firmenlenker und der neue Mann, der den schwer angeschlagenen Motorradbauer in die Zukunft führen soll, seit Jahren aus dem Golfclub und der Kirchengemeinde; Milwaukee ist konservativ, überschaubar und eigentlich eine geschlossene Gesellschaft.

Wandell wurde erst in den Wochen vor Weihnachten 2008 einem breiteren Publikum bekannt: Da wurde der Zuliefererchef in zweiter Reihe mit den drei Bossen von GM, Ford und Chrysler vorgeladen und musste zur Frage aussagen, wie man eine Industrie so gründlich in den Schlamassel reiten und dennoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses so hochmütig auftreten kann.

Unmoderne Maschinen und geriatrische Kunden


Nicht nur in der Harley-Zentrale und bei Wandell ist das Alter – bzw. ein gewisser Altersstarrsinn - ein Problem: Auch die Vertretung in Naples leidet unter mangelnder Inspiration und Vergreisung im Kundenkreis. Gekauft wie die Wahnsinnigen haben im Sunshine-State Florida bisher die angegrauten Baby-Boomer, die sich auf dem Sattel der Dickschiffe an die wilden Zeiten zurück sehnen. Deren Ersparnisse und Alterversorgung sind in den letzen zwei Jahren mit dem Debakel der amerikanischen Pensionskassen und der Immobilienkrise, in der die Grundstücks- und Condo-Preise wie in einem Maelstrom ins Bodenlose gezogen wurden, in Schall und Rauch aufgegangen. „Just call me Tony“, der Verkäufer von Luxus-Spielzeugen, bemerkt zu Recht: „Toys for Old Boys sind momentan schwer an den Mann zu bringen.“

Die Auswirkungen spürt vor allem die Konzern-Tochter Harley-Davidson Financial Services (HDFS). Vor 15 Jahren gegründet, hat das Finanzhaus in den vergangenen Jahren Subprime-Kredite wie Konfetti unter die potentiellen Käufer geworfen – mit der gleichen verheerenden „No Money Down!“-Strategie, die auch dem Immobilienmarkt vor Ort schon das Rückgrat gebrochen hat.

Nach Angaben der Ney York Times sind ein Viertel der 2008er Käuferkredite, die HDFS im Gesamtwert von etwa 2,8 Milliarden USD mit im Schritt 18 Prozent Zinsen vergeben hat, „subprime“ – also nicht mit entsprechenden Gegenwerten oder Abschlagszahlungen der Käufer abgesichert. Ein Motorrad-Blogger nannte die Situation „ein Kartenhaus im Erdbebengebiet“.

Das haben auch die Bankhäuser und Investoren gemerkt, bei denen sich HDFS die Vorfinanzierung – gebündelt als Kreditpaket oder weiter veräußert so genannte „Securities“ – zu günstigeren Zinsen besorgt hat: Sie wollen ihr Geld zurück. Schnell, bevor noch mehr Kredite platzen, und gebrauchte Harleys von säumigen Ratenzahlern in rauen Mengen auf den Hof geschoben werden.

Risikoinvestment: Über ein Zehntel der Belegschaft muß gehen

Wie eng die Lage tatsächlich ist, hat Harley bereits Anfang des Jahres erfahren müssen, nachdem der Finanzchef Saiyid Naqvi nach nicht ein mal zwei Jahre im Amt zurück getreten war, Ziemer seinen Abschied angekündigt hatte, und das Unternehmen eine erste dringende Finanzspritze brauchte. Das anerkannte Unternehmens-Barometer, die Rating-Agentur Standard & Poor's, stufte die aktuelle Bewertung von A auf BBB+ zurück - ein Verlust von zwei Punkten und ein klares Signal: „Risko-Investment!“.

Entsprechend sahen die Konditionen aus, mit dem Berkshire Hathaway, Warren E. Buffett’s Investment-Firma, und Harleys Großanteilseigner Davis Selected Advisers zu Hilfe eilten: Sie pumpten jeweils 300 Mio. USD in die leeren Kassen von Milwaukee – zu leckeren 15 Prozent Zinsen. Doch die 600 Millionen werden nicht lange reichen. Tom Bergmann, Harley-Davidson’s aktueller Finanzchef, hat bereits einen Finanzierungsbedarf von rund 1 Milliarde USD allein für 2009 in den Raum gestellt.

Harley reagiert natürlich auf die angespannte Finanzlage und den schwindsüchtigen Aktienkurs, denn seit letzten September hat ein Anteilschein über 60 Prozent verloren und dümpelt nun bei 18 USD – das Unternehmen will unter den Rettungsschirm der Obama-Administration und hat harte Einschnitte angekündigt: Werkschließungen, Kurzarbeit. 1100 der knapp 10.000 festen Mitarbeiter und 300 bis 400 Teilzeitkräfte müssen bis 2010 gehen. Auch die Stückzahl, die dieses Jahr vom Band läuft, wird drastisch zurückgefahren, statt der projektierten 305.000 Einheiten auf derzeit 264.000. (Im Jahr 2006 lag die Zahl der weltweit ausgelieferten Maschinen noch über 350.000.)

Auch die anderen Hersteller, die Japaner und BMW, haben ihre Jahresprognosen für den amerikanischen Markt inzwischen angepasst, doch Harley hat ein spezielles Manko: Es verkauft alte Technik für ein noch älteres Publikum. Der durchschnittliche „Captain America“ – Rentner auf Harleys sehen sich gerne in der Tradition von „Easy Rider“ - ist inzwischen über 50 Jahre alt und mit der Modellpalette werden die lukrativen Sport- und Supersportler-Segmente, auf die gutbetuchte Mittdreißiger abfahren, quasi nicht bedient.

Kein Sinn für scharfe Italienerinnen

In Milwaukee kennt man das Problem schon seit Jahren und hat die V-Rod-Motoren und neuerdings die XR 1200 aus diesem Grund entwickelt. Auch die sportliche Buell-Linie und vor zwei Jahren die Edelmarke MV Agusta in Italien hat man sich einverleibt: Die Idee war ein Mega-Anbieter für alle Zielgruppen unter einem H-D-Dach. Doch der quicke Jungborn durch die Heirat mit den scharfen Modellen aus Italien und die Infusion von neuen Ideen über den genialen Tüftler Erik Buell funktionieren nicht.

Im Gegenteil: Der trockene Harley-Mann Matt Levatich, bei MV Agusta ans Ruder geschickt, hat versucht, im Pasta e Vino-Milieu Kostenkontrolle üben zu lassen und die Fertigungseffizienz erhöht. Dabei hat der 44jährige viel kreatives Porzellan zerschlagen.

Im Januar reichte schließlich der Mentor der Marke und Taktgeber der MV-Agusta-Design-Abteilung, Massimo Tamburini, seine Demission ein. Wie man hört, im bösen Streit. Jetzt ist Matt Levatich zurück in Wisconsin und wird beim Stühlerücken bei Harley-Davidson nach oben weg befördert, zum Chief Operation Officer, ab 1. Mai verantwortlich fürs Tagesgeschäft bei einer der weltweit immer noch bekanntesten Brands.

Die Stärke der Marke ist inzwischen auch ihr Nachteil: Im Gegensatz zu den Achtziger Jahren, als man noch bis zu einem Jahr auf seine Harley warten musste, ist die Mitgliedschaft in der weltweiten „HOG-Family“ inzwischen mit einem Scheck und dem Anbringen des Nummernschilds besiegelt. Echte Fans wenden sich mit Grausen ab, neue wachsen nicht nach.

Der Abgang der Amis ist eine gute Nachricht für MV Agusta, wo an Stelle von Levatich nun Enrico D'Onofrio, früher Finanzchef bei Ducati, einsteigt. Man spricht wieder Italienisch, Gott sei Dank. Ob die mit dem Eigengewächs Levatich – auch schon fünfzehn Jahre dabei - erhofften Change- und Synergie-Effekten jemals in Milwaukee Wirkung zeigen?

In Naples, Florida, sind sie bisher noch nicht angekommen. Die spärlichen Besucher, die sich in den Harley-Show Room verirrt haben, brauchen kein Customizing oder Powersports-Zubehör, sondern eher Sehhilfe und Hörgerät. Auch „Just call me Tony“ ist nicht ganz auf Höhe der Krise. Auf die Möglichkeit angesprochen, mit ein paar schnellen MV-Agusta-Italienerinnen ein anderes Klientel in den Laden zu locken, fühlt er sich eher brüskiert: „Was soll das sein, MV Agusta?“

(c) Jochen Vorfelder

16 April 2009

Harleys: Auspufftüten im Libanon-Style

Weil moto1203 in zehn Tagen auf Moppet-Tour in den Libanon geht, und dort die Bikerszene etwas anders aussieht als an den hier handelsüblichen Treffpunkten wie der Spinnerbrücke in Berlin oder am Zollenspieker in Hamburg, wollen wir zur Definition der Unterschiede heute mal den guten alten Hausphilosophen Karl Marx bemühen.

Marxens berühmter Satz - "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein" - (im Gegensatz zu Hegelschem Denken, demzufolge das Bewusstsein das Sein bestimmen würde) erklärt nämlich, warum die Customizer-Szene in der Levante auf so absonderliche Ideen wie den im unteren YouTube-Video vorgestellte Harley-Auspuff kommt.

Wer schon mehrere Bürgerkriege überlebt hat, vor dessen Haustür die eine oder andere Autobombe hochgegangen ist, und nicht zuletzt bei der Tor durchs Land den einen oder anderen schwer bewaffneten Milizionäre am Checkpoint passiert, muss wahrscheinlich beim Design das Erlebte verarbeiten... Voila, der Maschinengewehr-Auspuff.


Der Videowart

PS: Je länger ich das Video anschaue, desto stärker zweifle ich, dass es sich um eine Harly handelt. Best Bets gefragt - was meint die geneigte Leserschaft, was ist das für eine Maschine ????

03 Februar 2009

Neuzulassungen: nette Statistik Januar 2009

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast - wird gerne im Labor gefeixt - doch unlauteres Ansinnen wollen wir dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg nicht unterstellen.

Außerdem: Zahlen lügen nicht. Und sind manchmal verheerend - wie bei den aktuellen Zulassungszahlen für den Januar 2009:

- Insgesamt 4.850 Krafträder wurden laut der Pressestelle des KBA in den ersten 31 Tages des Jahres zugelassen - kann diese Zahl bei über 80 Millionen Deutschen beeindrucken? Nein, aber es kommt noch schlimmer.

- 4.850 Units (Roller, Kleinkrafträder und echte Bikes) sind ein satter Rückgang gegenüber dem Vormonat Dezember von -34,5 Prozent. Na, ja, der Januar ist eisekalt... aber das Argument zählt nicht.

- 4.850 Krafträder im Monat Januar 2009 sind vor allem ein noch deutlicher Rückgang zum Januar 2008: -43,5 Prozent - manche würden sagen, der Markt hat sich aktuell halbiert.

Was heißt das für den Frühling? Händlersterben?

Zitieren wir doch einfach aus der aktuellen Motorradnews 2/2009 und lassen dazu andere Pressesprecher zu Wort kommen.

Rudolf Probst, BMW: "2009 wird sicher ein ganz spannendes Jahr."

Kai Swaton, Ducati: "Wir sehen uns gut gerüstet, um unsere Marktposition weiter auszubauen."

Berhard Gneithing, Harly-Davidson: "Wir rechnen für 2009 mit moderatem Wachstum."

Kerstin Martens, Honda: "Fest steht, dass Motorrad gefahren wird: Der Bestand nimmt weiter zu."

Rolf Wassmer, Suzuki: "Dennoch zeigen einige Signale, dass sich die Situation in den nächsten Monaten positiv verändern kann."

Ralf Keller, Yamaha: "Von daher steht einem erfolgreichen Jahr 2009 also nichts im Wege."

Na also, alles im Lot, hört sich doch ganz nett an.

Nett? Nett? Da fällt mir doch ein anderes Zitat aus der Frankfurter am Sonntag (FAS) wieder ein: "Nett? Was heißt hier nett? Nett ist der kleine Bruder von Scheisse!"

Der Statistikwart

09 Oktober 2008

Harley-Davidson: Amerikanische Muskelspiele


Zur Pressekonferenz kam extra Michael van der Sande, der Vice-President der Bike-Bauer aus Milwaukee, eingeflogen - und stellte die aktuelle Version des Erfolgsmodells V-Rod vor: Die V-Rod VRSCF "Muscle" (im Bild) mit dem 1247 ccm-Zweizylinder-V-Motor bringt wassergekühlte 125 PS und 115 Nm Drehmoment auf den Prüfstand.

Der "Power Cruiser" sieht mit dem neuen Rahmen und flachen Design jetzt noch gemeiner aus. Der Rest der Palette von Softtail- bis Dyna-Baureihe wurde wie jedes Jahr geringfügig überarbeitet.

Erik Buell, der böse Bube in der Harley-Familie, hat mit dem von Rotax entwickelten Helicon V2-Aggregat im neuen "Cafe Racer" Buell R1225 CR endlich einen Antrieb, bei dem er aus dem Vollen schöpfen kann. 148 PS machen aus dem Buell-Konzept der konzentrierten Triebwerk-, Tank und Auspuff-Masse endlich ein stimmiges Oevre.

intermot2008koeln

15 Juli 2008

Schräglage: Anwälte, kauft mehr Harleys!

Auf den Hamburger Harley Days feierte Gründer-Urenkel Bill Davidson lustig mit - zuhause in Milwaukee hat er nichts zu lachen. Amerikas Kultbike-Firma steckt in der Krise. Eine Soli-Aktion solventer Zahnärzte und Anwälte wäre jetzt nicht schlecht.

Bei Harley-Davidson wird zurzeit viel gefeiert: Am vergangenen Wochenende eröffnete in Milwaukee mit viel Tamtam das Firmenmuseum, im nächsten Monat findet unweit des neuen Harley-Tempels zum 105. Firmengeburtstag eine große Biker-Parade statt. Dabei herrscht bei der Kultmarke eigentlich alles andere als Partystimmung; nicht nur die US-Automobilindustrie bleibt wegen des hohen Benzinpreises auf ihren Geländewagen sitzen. Auch die amerikanischen Motorradbauer geraten zusehends in den Mahlstrom: Die Verkäufe vom Maschinen über 125 ccm rauschten in den ersten drei Monaten des Jahres um gewaltige 14 Prozent in die Tiefe.

Harley-Davidson, die Bigbike-Schmiede in Milwaukee, trifft das besonders massiv. Die Zahl der zwischen New York und Los Angeles verkauften Sportster, Fat Bobs und V-Rods ging um 12,8 Prozent zurück. Harley ist extrem abhängig vom heimischen Markt: Sieben von zehn Maschinen werden dort verkauft.

Harley muss – trotz gewaltiger Rücklagen aus den fetten Jahren und steigender Verkaufszahlen in Europa - den Gürtel enger schnallen. Vorstandschef James Ziemer hat bestätigt, dass in den nächsten Monaten bis zu 730 Jobs gestrichen werden - immerhin satte acht Prozent der Belegschaft. Nur noch rund 300.000 der für 2008 geplanten 330.000 Maschinen sollen dieses Jahr ausgeliefert werden.

Ziemer macht dennoch auf Optimismus: "Wir investieren weiter in Marketing, die Entwicklung neuer Modelle und Expansion im internationalen Geschäft, um wieder in die Wachstumszone zu kommen." Flucht nach vorne also, mit gut gefüllter Kriegskasse. Ziemers Blick in Sachen Expansion geht dabei nach Italien.

Italo-amerikanische Hochzeit?

Nach Meldungen der Mailänder Finanzpresse wollen die Erben der beiden Schulfreunde William Harley und Arthur Davidson, welche die Firma 1903 in Wisconsin gründeten, für die italienische Marke MV Agusta geschätzte 200 Millionen Euro ausgeben. Die letzten Gerüchte aus Mailand besagen, dass die Übernahme kurz bevorsteht.

Strategisch würde die italo-amerikanische Hochzeit durchaus Sinn machen. Harley-Davidson würde durch MV Agusta - bekannt für Modelle wie F4 und Brutale - sein Image bei jüngeren, sportlicher orientierten Fahrern aufpolieren. Der Versuch vor einem Jahr, zu diesem Zwecke Ducati zu akquirieren, scheiterte.

Fremd sind sich die Premium-Spezialisten von MV Agusta und die amerikanischen Bigbiker ohnehin nicht: Am heutigen Sitz von MV im norditalienischen Varese stand bis 1978 das Aermacchi-Werk, das in den Siebziger Jahre Harley-Davidson gehörte. Die Amis verkauften die Anlage bald wieder an die Castiglioni-Brüder, die dort Cagiva gründeten und MV Agusta wieder Leben einhauchten.

Während MV Agusta das Harley-Image aufpolieren könnte, soll der Umsatz zukünftig aus Taiwan kommen. Neben Indonesien war Taiwan eines der letzten Länder in Asien, das die Einfuhr von hubraumstarken Motorrädern bisher offiziell untersagt hatte. Das Verbot wurde 2007 aufgehoben; vergangenen Monat wurde in Taipei ein Flagship Store eröffnet.

Rocker im Robinson-Club

In der amerikanischen Zentrale erhofft man sich aus Taipei Verkaufszahlen, die den heimischen Verlust zumindest teilweise kompensieren können, und vor allem große Strahlkraft für den wichtigen Markt auf dem chinesischen Festland. Ob das klappt, ist offen: Die Verkaufszahlen der Niederlassungen in Peking und Shanghai sind geheime Kommandosache; die Straßen- und Verkehrsverhältnisse im Reich der Mitte schreien allerdings eher nach wendigen Enduros mit langem Federweg.

Bei einer anderen Kultmarke, der Ost-Traditionsschmiede MZ im sächsischen Zschopau gehen wohl Ende des Jahres die Lichter aus. Damit Harley dieses Schicksal erspart bleibt und die Hallen in Milwaukee nicht im Dunkel versinken: Ihr Rechtsanwälte, Amtsleiter und Besserverdienende, geht Harleys kaufen!

Damit ihr die fetten neuen Mopeds auch zu beherrscht, bietet Harley-Davidson Deutschland in seiner "Academy of Motorcycling" übrigens die passenden Einsteiger-Kurse in den Robinson Clubs am Fleesensee und auf Mallorca an.

Also schön üben und hinterher dann auf Rocker machen. Hierzu der passende Video.



(c) Jochen Vorfelder

05 Juli 2007

Fallen Angels: Wer war nun der Mörder in Ibbenbüren?

Ende Mai 2007 wurde Robert K., der 47 jährige Mitinhaber eines Harley Davidson Stores in Ibbenbüren von bisher unbekannten Personen angeschossen. Das bekannte Mitglied des deutschen Hells Angels-Charters starb wenig später in der Werkstatt.

Obwohl sofort nach dem Anschlag die ersten Vermutungen laut wurden, es handle sich um eine Auseinandersetzung zwischen den Hells Angels und den verfeindeten Bandidos, und vier Wochen nach der Tat auch zwei Mitglieder der Bandidos in Untersuchungshaft genommen wurden, ist der Hergang der Tat immer noch so unbeantwortet wie die Frage nach den Tätern.

Einer der beiden Bandidos ist inzwischen wieder auf freiem Fuß; die Hells Angels schweigen ebenso wie die Bandidos. Schweigen wird ohnehin groß geschrieben in den straffen Hierarchien der beiden Clubs. Rederecht für die Angels haben nur die beiden authorisierten "Spokespersons"; nur "Django" aus Bremen und ein Angel in Stuttgart sprechen derzeit mit Journalisten.

Warum ich das erzähle? Bei den Online-Recherchen nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen bin ich auf eben jenen Stuttgarter, den Präsidenten des dortigen Hells Angels Charters gestoßen - und er hat sich als überraschend vielschichtige Persönlichkeit entpuppt.

Am besten gefallen hat mir auf seiner Website der Link zu seiner Ausstellung über die Deportation der württembergischen Juden während der Nazi-Diktatur. Erwartet man so ja nicht.

Die Ausstellung "Die Chemie der Erinnerung" wird gegenüber der Gedenkstätte “Zeichen der Erinnerung” in der Otto-Umfrid-Straße im Inneren Nordbahnhof, Stuttgart, bis Dezember 2007 gezeigt.

(c) Jochen Vorfelder

(c) Foto: Lutz Schelhorn

19 Februar 2007

Traummotorräder - und wo sie herkommen...

Der gute Dennis vom Moppedblog hat kürzlich eine auf den ersten Blick interessante Statistik vorgestellt: Laut einer Umfrage von TNS-Infratest vom November 2006 würde sich der gemeine deutsche Zweiradfahrer am ehesten entweder eine BMW R1150GS oder eine Harley Davidson Fatboy kaufen - vorausgesetzt, er hätte das nötige Kleingeld dazu.

Auf den zweiten Blick spannender ist allerdings eine andere Frage: Wie kommt es dazu, daß sich manche Firmen in der Gunst des Kunden durchsetzen und andere nicht? Und wenn sie erfolgreich sind - warum dann auch noch weltweit auf den unterschiedlichsten Märkten? Warum also hat BMW über alle hinweg Segmente gesehen weltweit einen fast zu vernachlässigenden Marktanteil und Honda solch eine Dominanz?

Eine leise Ahnung von der wahrscheinlichen Antwort gibt ein Artikel, der am Wochenende in der New York Times erschienen ist und seit gestern auch online steht: "From 0 to 60 to World Domination" beschreibt, wie es der japanische Hersteller Toyota geschafft hat, sich - gemessen in Automobilquantenzeiten - innerhalb kürzester Zeit an die Weltspitze in Sachen Branding, Innovation und Verkaufszahlen zu setzen.

Wer sich für Zweiräder interessiert, kann manchmal von den Vierrad-Bauern viel lernen. (Apropos lernen: Hier lernt man übrigens auch, warum der anglo-amerikanische Journalismus in Sachen Industriereportage und -Dossier immer noch Weltniveau ist.)

Der Platzwart

15 Februar 2007

Neue Filme: peinlich bis auf die Knochen ...

Neue Filme am Horizont: Am 22. Februar kommt der neue Fantasy-Actionstreifen „Ghost Rider“ ins Kino und Mitte April folgt die Roadmovie-Komödie „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“.

Beide Streifen sind zwei Vertreter des interessanten Phänomens "Product Placement", das bei öffentlich rechtlichen Sendeanstalten gelegentlich noch für Aufregung, Entlassung und ideologischen Zuckungen führt, im Filmgeschäft aber Gang und Gebe ist. James Bond fährt halt Ford Fiesta, wenn es in der Produktionskasse klingelt.

Ob allerdings Harley-Davidson sich mit diesen beiden Newcomern auf der Leinwand einen Gefallen getan hat, mag dahingestellt sein - aber selten ging die Adaption einer Idee in Form eines Drehbuchs so daneben wie bei diesen beiden Machwerken. Wer sich davon inspiriert fühlt, ins Lager der Harley-Fans zu wandern, muß schon ziemlich krank im Kopf sein.

Zitieren wir die HD-Presseabteilung: "Nicolas Cage und Easy-Rider-Urgestein Peter Fonda treffen in der Comic-Verfilmung „Ghost Rider“ aufeinander. Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze (N. Cage) geht einen teuflischen Pakt mit Mephistopheles (P. Fonda) ein: Um seinen sterbenden Vater zu retten, verkauft er seine Seele und trennt sich von seiner großen Liebe Roxanne (Eva Mendes). Blaze ist gezwungen, Nacht für Nacht in Gestalt eines feurigen Dämons auf dem Hell Bike, einer finster gestylten Harley, das Böse zu vernichten. Als Blackheart, Sohn des Mephistopheles, seinen Vater entmachten will, bietet dieser Johnny Blaze die Aufhebung des Fluches an, wenn er Blackheart (Wes Bentley) zur Strecke bringt."

Ich habe den Trailer des Streifens, der derzeit in den USA mit 51 Mio. allein am letzten Wochenende eingespeilten USD an der Spitze der Kino-Charts steht, gesehen. So etwas Grottenschlechtes hätte ich Nicolas Cage - der in der Marvel-Comic-Adaption daher kommt wie ein Zombie aus der Stummfilmzeit - nicht zugetraut.

Goethe wird sich bei dieser Trivialisierung des Ur-Faust im Grabe umdrehen, aber wie heisst es so schön in Abwandlung eines alten Satzes: Sie waren alt und brauchten das Geld... (Im Fall von Cage wohl zur Renovierung des neuen Familienschlosses Neidstein bei Etzelwang in der Oberpfalz.)

Noch schlechter als der folgende Pressetext der Harley-Pressestelle , aber dafür "urkomisch" (Zitat) kommt der Streifen „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“ daher, der im Original "Wild Hogs" heisst.

"Born to be wild – dass das Biker-Credo zu ihrem Lebensmotto werden sollte, hätten sich Doug (Tim Allen), Woody (John Travolta), Bobby (Martin Lawrence) und Dudley (William H. Macy) in ihren wildesten Träumen nicht ausgemalt! Denn im spießigen Vorstadtleben der ungleichen Freunde geht alles seinen geregelten Gang, bis die vier Herren im besten Alter beschließen, den Fernsehsessel gegen coole Chopper von Harley-Davidson einzutauschen. Ihr Trip fordert eine Menge Glück und Geschick – besonders, als die Truppe auf eine echte Biker-Gang trifft, die die Freaks bald auf dem Kieker hat. Auf der Suche nach Abenteuer und Freiheit merken die Kumpels bald, worauf es im Leben eigentlich ankommt: auf echte Freunde und den Mut, etwas zu wagen – auch wenn das Leben scheinbar schon alle Weichen gestellt hat..."

Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel, und laß diese Machwerke an deinen Schäfchen schnell vorüber gehen.

© Jochen Vorfelder

Bilder: © Sony Pictures und © Buena Vista / Touchstone Pictures

04 Dezember 2006

Video: der kleine, aber feine Unterschied zwischen Harley und Ducati

"Das Motorrad", schrieb Thomas Krens, der Direktor der Solomon R. Guggenheim-Stiftung in einem Essay für die New York Times, "ist die perfekte Methapher für das 20. Jahrhundert... erfunden zu Beginn der Industrialisierung, spiegelt seine Entwicklung die Hauptströmungen der Moderne wieder."

Krens hat ein feines Gespür für solche Strömungen - er war es, der 1998 als Kurator einer der erfolgreichsten Ausstellungen der Guggenheim-Stiftung fungierte: "The Art of the Motorcycle" - gestartet in New York, zog die Schau dort 300.000 Besucher im ersten Jahr in ihren Bann, dann 700.00 anschließend im Gehry-Bau in Bilbao, und danach knapp 500.000 in der Zweigstelle in Las Vegas. Obwohl der Kassenschlager inzwischen eingemottet ist, ist für die Begeisterung für das Thema Motorrad noch kein Ende abzusehen. Im Juni dieses Jahres wurde eine Nachfolgeschau mit über 80 zweirädrigen Exponaten erfolgreich im Orlando Museum of Art (OMA) in Florida gezeigt; sie soll auf langjährige Tour gehen.

Doch mit Krens wollen wir uns nicht weiter aufhalten - sondern eher mit zweien seiner Exponate - einer Ducati 916 und einer Harley-Davidson Electra Glide. Beide Maschinen - hier die konsequente Straßenrennmaschine, da der chromblitzende König der Landstraße - hatten exponierte Stellplätze in der Ausstellung - obwohl (oder weil) sie verschiedener nicht sein könnten. Beide stehen für zwei grundsätzlich divergierende technische Richtungen; beide repräsentieren Philosophien des Motorradbaus und des Fahrens als solch, die selbst beim besten Willen kaum zusammenzuführen wären.

Beide Maschinen stehen für Dramen und Dramaturgen. "Das Objekt und seine Geschichte," schrieb Krens über das Motorrad,"ruft wie eine griechische Tragödie die klassischen Themen Rebellion, Begierde, Freiheit, Liebe und Tod auf..."

Das sehen offensichtlich auch die Regisseure der Werbe-Clips so, in denen für die beiden Maschinenwelten und die entsprechenden Käuferschichten in den USA geworben wird. Verschiedener können Clips nicht sein. Viel Spaß dabei.

Zunächst hier ein Harley-Davidson-Clip, der einen gut versteckten Nerv bei betuchten Mittfünfzigern in gesicherter Position und gehobenem Einkommen treffen soll. Klick.



Und Ducati? Es war schon immer etwas elitär, eine italienische Diva zu fahren. Aber halt doch irgendwie sympathisch und faszinierend sowieso. Klick, auf den Video.



Der Platzwart