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13 Januar 2010

Harley Days 2010: Hambuger Senat will Gefälligkeits-Vollbremsung


Um die Dinge gleich richtig zu stellen:

Die Harley-Modelle 2010 sind altvordere, schwergewichtige Abstrusitäten. Die gemeuchelten Buells waren dagegen Ausgeburten von Innovationsfreude.

Und hochnäsige Harley-Fahrer sind nicht unbedingt die sympathischsten Zeitgenossen auf diesem Planeten.
Doch die Harley Days 2010 in Hamburg verbieten zu wollen, ist ein Unding.

Hamburg will Weltstadt sein und soll Europas Umwelthauptstadt 2011 werden. Dazu gehört nicht nur die Entwicklung eines plakativen Marketing-Konzepts und die statistische Reduktion von CO2-Emissionen.
Die politischen Kräfte in der Stadt müssen auch genügend Hirnschmalz und Überzeugungskraft entwickeln, um aus einer am permanenten Verkehrskollaps leidenden Metropole eine Modellstadt mit intelligenten urbanen Verkehrskonzepten zu machen.

Dieses Spagat hat Hamburg bisher vermieden; bisher ist ausser einer Strassenbahnlinie nichts von visionärer Weiterentwicklung bekannt, der dem Titel "Hauptstadt" gerecht werden könnte. Keine intelligenten Verkehrszonen, keine städtisches Car-Sharing, keine Ausleihstationen von Elektro-Bikes, und und und ...

Stattdessen läßt sich der strahlende Große Vorsitzende Ole von Beust der Schwarz-Grünen Versuchs-Koalition von seinem GAL-Juniorpartner wie das Schwein durchs Dorf treiben und will am Randgruppenproblem Harley Days ein gutmenschgefälliges Exempel statuieren.

Gegen den erklärten Willen seiner eigenen Partei: Auf dem kommenden Parteitag werden etliche CDU-Rebellen - allesamt Nicht-Motorradfahrer - mit Unterstützung der Hotellerie und Handelskammer einen Gegenantrag einbringen - freie Fahrt für freie Harley-Bürger.

Das muss man nicht überzeugend finden, zeugt ab er von einem gesunden Politikverständnis: Nicht, alles was im Rathaus gekungelt wird, muss gut sein.

Und vor allem: Was kommt also Nächsten dran? Der Motorrad-Gottesdienst, der ebenfalls 40.000 Biker zieht? Die Kreuzfahrtschiffe, die bei jeder der mehrere Dutzend Ein- oder Ausfahrt mehr Abgase in die Luft blasen als die gesamte Biker-Parade?

Ja, die Beschwerden der Anwohner. Aber mal Hand aufs Herz: Wer kann nüchternen Hauptes auf den Reeperbahn-Kiez ziehen und Pensionsruhe erwarten oder gar einklagen? Draussen am Großmarkt - wo es für die Biker dieses Jahr hingehen soll - stören die Harley Days nur die frischen Tomaten, die beim Bollern der V-Twins etwas in Vibrieren kommen.

Mehr aktuelle Fakten dazu bei Spiegel Online unter http://tiny.cc/harleydays2010

Harley Days: noch ist Abzug aus Hamburg nicht entschieden...


Den traditionellen Harley Days in Hamburg droht ein Umzug: Der Senat will den "riesigen Kindergeburtstag für Männer" nicht mehr in Europas Umwelthauptstadt 2011 haben. Ätzende Kritik kommt vom Veranstalter, vom Tourismusverband der Stadt und vor allem aus der CDU.

Sven Hielscher, CDU-Bezirksabgeordnete aus Hamburg-Altona, hat es auf den Magen geschlagen: "Ich könnte gleich kotzen. Hamburg ohne Harley Days, das ist kleinkariert, provinzlerisch und einer Weltstadt unwürdig."

Der Anlass für die galligen Beschwerden des Altonaer Partei-Granden: Im Auftrag des Schwarz-Grünen Senats haben Kultur- und Umweltbehörde der Hansestadt unisono erklärt, dass es für das alljährliche Harley-Spektakel, das an drei Tagen bis zu einer halben Million Besucher anlockt, 2010 keine Genehmigung mehr geben werde.

Die Begründung für die angedrohte Absage ist bisher dünn. Susanne Frischling von der Kulturbehörde erklärt, die Harley Days seien eine besonders umstrittene Veranstaltung. Es habe regelmäßig Beschwerden von Anwohnern durch die enorme Lärmbelästigung gegeben.

Der Sprecher der Umweltbehörde fügt an, das Verkehrsaufkommen sei enorm und Abgaswerte seien überschritten worden. Und vor dem Hintergrund, dass Hamburg europäische Umwelthauptstadt 2011 werde, müsse es erlaubt sein, die Harley Days in Frage zu stellen. Und zu der Frage, warum man die Harley Days aus der Stadt treiben will und gleichzeitig den Hamburger Motorradgottesdienst behält - dazu fällt keinem Sprecher etwas ein.

Ankündigung auf dünnem Eis

Beschwerden über die Harley Days sind nicht neu. Seit 2003 ist die laut krachende Biker-Sause, die bergeweise Müll und heftige Gummi-Spuren auf dem Asphalt produziert, deshalb von der Reeperbahn über den Hafen bis hin zu den abgelegenen Parkplätzen bei der HSH Nordbank Arena bereits mehrfach umgezogen. 2010 sollte das Treffen am abgelegenen Großmarkt in Hammerbrook abgehalten werden. Uwe Bergmann vom Veranstalter uba Event-Agentur: "Der Großmarkt wäre ideal gewesen. Der Ort ist zentral genug, aber es gibt keine Anwohner und genügend Platz".

Jetzt sondiert Bergmann andere Ausweichquartiere vor den Toren Hamburgs, doch Einfluss auf die Route der erwarteten 60.000 Biker hat er kaum: "Die Harley-Fahrer werden trotzdem auf den Kiez fahren wollen. Nur müssen sie dann durch die ganze Stadt knattern", sagt er.

Aber ihr Geld werden die Besucher woanders ausgeben; Bergmann spricht bereits mit Norderstedt und Lübeck. Das wiederum bringt die Hamburger Hotellerie und die Handelkammer auf die Palme: "Die Harley Days haben Tausende Übernachtungen gebracht und einen Umsatz in siebenstelliger Höhe", sagt Gregor Maihöfer vom Hotel- und Gaststättenverband. Die Handelskammer äußerte Unverständnis für die Senatshaltung, da die Harley Days als Großveranstaltung einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellten.

Doch offensichtlich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Bisher gibt es noch keine bindende Abstimmung des Schwarz-Grünen Senats, der bei einem Antrag für die Veranstaltung bei einem der formell zuständigen Hamburger Bezirke die Entscheidung erst an sich ziehen müsste.

Schwarz gegen Schwarz-Grün

Deshalb sind die Grabenkriege auch innerparteilich noch lange nicht ausgefochten. Sven Hielscher und mehrere Abgeordneten-Kollegen bereiten für den Landesparteitag der Hamburger CDU, der Mitte Februar statt finden soll, einen Antrag vor, der wohl auch von der Schwarz-Grünen Bezirksregierung in Altona unterstützt wird.

Inhalt: volle Unterstützung der Harley Days 2010 in Hamburg und Aufforderung an die CDU-Kollegen im Schwarz-Grünen Rathaus, sich entsprechend zu verhalten.

Hilscher ist nämlich richtig sauer: "Man kann ja gleich Auto- und Motorradfahren überhaupt verbieten. Und das Einlaufen der Kreuzfahrtschiffe oder der Betrieb des kohlebefeuerten, historischen Eisbrechers Stettin im Altonaer Museumshafen gleich mit. Damit kann man richtig Werbung für die Weltstadt Hamburg machen."