Um die Dinge gleich richtig zu stellen:
Die Harley-Modelle 2010 sind altvordere, schwergewichtige Abstrusitäten. Die gemeuchelten Buells waren dagegen Ausgeburten von Innovationsfreude.
Und hochnäsige Harley-Fahrer sind nicht unbedingt die sympathischsten Zeitgenossen auf diesem Planeten.
Doch die Harley Days 2010 in Hamburg verbieten zu wollen, ist ein Unding.
Hamburg will Weltstadt sein und soll Europas Umwelthauptstadt 2011 werden. Dazu gehört nicht nur die Entwicklung eines plakativen Marketing-Konzepts und die statistische Reduktion von CO2-Emissionen.
Die politischen Kräfte in der Stadt müssen auch genügend Hirnschmalz und Überzeugungskraft entwickeln, um aus einer am permanenten Verkehrskollaps leidenden Metropole eine Modellstadt mit intelligenten urbanen Verkehrskonzepten zu machen.
Dieses Spagat hat Hamburg bisher vermieden; bisher ist ausser einer Strassenbahnlinie nichts von visionärer Weiterentwicklung bekannt, der dem Titel "Hauptstadt" gerecht werden könnte. Keine intelligenten Verkehrszonen, keine städtisches Car-Sharing, keine Ausleihstationen von Elektro-Bikes, und und und ...
Stattdessen läßt sich der strahlende Große Vorsitzende Ole von Beust der Schwarz-Grünen Versuchs-Koalition von seinem GAL-Juniorpartner wie das Schwein durchs Dorf treiben und will am Randgruppenproblem Harley Days ein gutmenschgefälliges Exempel statuieren.
Gegen den erklärten Willen seiner eigenen Partei: Auf dem kommenden Parteitag werden etliche CDU-Rebellen - allesamt Nicht-Motorradfahrer - mit Unterstützung der Hotellerie und Handelskammer einen Gegenantrag einbringen - freie Fahrt für freie Harley-Bürger.
Das muss man nicht überzeugend finden, zeugt ab er von einem gesunden Politikverständnis: Nicht, alles was im Rathaus gekungelt wird, muss gut sein.
Und vor allem: Was kommt also Nächsten dran? Der Motorrad-Gottesdienst, der ebenfalls 40.000 Biker zieht? Die Kreuzfahrtschiffe, die bei jeder der mehrere Dutzend Ein- oder Ausfahrt mehr Abgase in die Luft blasen als die gesamte Biker-Parade?
Ja, die Beschwerden der Anwohner. Aber mal Hand aufs Herz: Wer kann nüchternen Hauptes auf den Reeperbahn-Kiez ziehen und Pensionsruhe erwarten oder gar einklagen? Draussen am Großmarkt - wo es für die Biker dieses Jahr hingehen soll - stören die Harley Days nur die frischen Tomaten, die beim Bollern der V-Twins etwas in Vibrieren kommen.
Mehr aktuelle Fakten dazu bei Spiegel Online unter http://tiny.cc/harleydays2010






