Vor einem Jahr machte Harley-Davidson eine Firmentochter, die Boller-Schmiede des Tüftlers Erik Buell, dicht. Der Zorn darüber hat die Kreativität der Fans angestachelt: PegaususRaceTeam und Gruner Engineering präsentieren jetzt das perfekte Naked Bike - die Buell Typhon 1190.
Allein der Rock 'n' Roll im Übungsraum mit seiner Band The Thunderbolts, so geht die Sage unter den Fans der Marke, habe Erik Buell die schlimmste Zeit seines Lebens überstehen lassen: den November 2009.
Der amerikanische Hersteller Harley-Davidson schrammte damals hart an der Pleite vorbei; am Leben gehalten nur durch eilig gewährte Milliarden-Kredite des Risiko-Investors Warren Buffet und der amerikanischen Notenbank. Der Preis dafür: Harley musste schleunigst abspecken - und Erik Buell nach nur fünf Tagen Vorlaufzeit seiner 180-köpfigen Belegschaft mitteilen, dass Buell, die einzig innovative Tochter von Harley-Davidson, mit sofortiger Wirkung dicht gemacht werde - trotz viel versprechender Projekte.
Buell. Mausetot. Für die amerikanische Motorradszene, die den Querdenker Erik verehrt wie die Nerd-Gemeinde den Apple-Gott Steve Jobs, war das Aus der Marke, bei der über 100.000 Maschinen vom Band gelaufen waren, ein Sakrileg. Geharnischte Proteste und Hass-Tiraden auf Harley-Davidson folgten. Jetzt haben ausgerechnet ein deutsches Rennteam und ein Ingenieurbüro aus Wolfsburg dafür gesorgt, dass die Marke auferstanden ist: Sie präsentierten die Buell Typhon 1190.
Buell klein aber fein
"Erik hat es selbst nicht glauben wollen, was wir aus seinem Motorrad gemacht haben", sagt Teamchef Jens Krüper vom PegasusRaceTeam. Eriks Motorrad - das ist die Rennmaschine 1190 RR-B, die Buell und eine Handvoll Ingenieure seit der Schließung von Buell in der kleinen Manufaktur E.B.R. in East Troy, Wisconsin für Connaisseure bauen. Die Zweizylinder-1190 RR-B läuft auch in manchen deutschen Rennklassen unangefochten vorne weg - 2010 hat Pegasus damit den "Sound of Thunder" und Streckenkämpfe gegen höher eingeschätzte Vierzylinder wie die BMW S1000RR gewonnen.
"Ehrlich gesagt waren wir so überlegen, dass wir Zeit für dumme Gedanken hatten", lacht Krüper und fügt an: "Unsere Idee war, mit der Erfahrung aus dem Rennsport eine Fahrmaschine mit geiler Performance und völlig eigenem Design zu entwickeln. Natürlich auf der Basis der 1190 RR von Erik, aber voll tauglich für die Straße."
Als Partner holten sich die Rennstall-Profis die Wolfsburger Entwickler Gruner Engineering & Design an Bord. Gruner entwickelt ansonsten Baugruppen für Volkswagen und fertigt CAD-Prototypen. Krüper gibt zu: "Ohne die Kompetenz und digitale Modellbauerfahrung von Gruner wären wir nicht soweit."
Abnehmer stehen schon jetzt Schlange
Mit der 1190 Typhon sind die beiden Partner schon erstaunlich weit gekommen. Und das in nur fünf Wochen: "Den Oktober und Anfang November haben wir quasi Nonstop durchgearbeitet", erinnert sich Krüper, der zusammen mit dem Gruner-Mann Heiko Jessat die Maschine auf der Datenbasis von E.B.R. hat entstehen lassen. Design, Teil-Fertigung durch Rapid Prototyping am Rechner; alle Designteile wurden mit 3D-Printern aus Kunststoffgranulat geformt. Und das Rapid Design sieht superb aus: Die Liebhaber der knüppelharten Buell-Optik der XB-Modelle seit 2002 mit schmaler Frontpartie weinen vor Ergriffenheit. Das Herz der Beauty bleibt allerdings die Erik-Buell-Technik: der Leichmetallrahmen mit integrierten Benzintank und Leichtmetallschwinge mit Öl-Reservoir, der Wasser gekühlte 1190 ccm V2-Rotaxmotor mit 185 PS bei 11.500 Umdrehungen - bei nur 161 Kilo Leergewicht. Geschwindigkeiten jenseits von 250 km/h sind locker drin.
"Im Grunde fehlen ein paar Blinker, eine taugliche Auspuffanlage und eine Typenzulassung, dann wäre das Gerät fit für die Straße", sagt Jens Krüper. Und es gibt etliche Optionen. Krüper denkt über eine limitierte, von Buell handsignierte Auflage von zehn Exemplaren nach. Abnehmer stehen schon Schlange, obwohl kein Preis feststeht. Auch ein Umbau-Kit für ältere Buell-Modelle wie die 1125R/CR und XB sind im Gespräch.
Und Erik Buell selbst ist von der 1190 Typhon inzwischen so angetan, dass er sich eine Kleinserie direkt aus Wisconsin vorstellen kann. Doch erst mal hat der Altvater ein anderes Projekt in Sichtweite: Ab 1. Januar 2011 darf er nach dem vertraglichen geregelten Rauswurf bei Harley-Davidson wieder Straßenmotorräder bauen - die geplante 1190 RS könnte ein Erfolg werden. Wenn da nicht Harley-Davidson wäre: Die Spielverderber aus Milwaukee sitzen auf dem Namensrecht "Buell" und rücken es nicht raus.
Aber wie das mit dem Tüftler so ist: Auch dafür wird sich Erik Buell eine elegante technische Lösung einfallen lassen.
Foto-Strecke zur Buell Typhon 1190 bei SPON
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19 Dezember 2010
20 März 2010
READY TO RACE ... Kommt mir das irgendwie bekannt vor? Woher hat Erik bloß den genialen Claim?
Ready to race - hab ich doch schon mal irgendwo gelesen... Ob die bisherigen User den Slogan geschützt haben?
Wenigsten sind die Maschinen nicht Kürbis-gelb.
22 November 2009
Bye, Bye Harley: Erik Buell fängt nach Werksschließung von Vorne an
Was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Erik Buell, der Gründer der von Harley-Davidson schnell und schnöde beerdigten Motorradmarke aus East Troy, Wisconsin, verlässt den "Berater"-Job beim Totengräber Harley-Davidson und macht sich zusammen mit einigen Veteranen aus dem Werksumfeld selbständig.
Details sind noch nicht bekannt, doch der Buell-Übervater will "Erik Buell Racing" gründen - zunächst wohl eine kleine, aber feine Fahrzeug-Schmiede, in der auf der Basis der 1125R mit dem von Rotax entwickelten Motor anspruchsvolle Sportinstrumente ausgeliefert werden sollen.
Zwei Dinge sind dazu auf die Schnelle anzumerken: So klein - als Rennmotorrad-Entwickler - hat Erik Buell von 26 Jahren schon einmal angefangen. Entwickelt hat sich aus dem Workshop eine Firma und Kultmarke, die 2006 das 100.000ste Fahrzeug auslieferte. Ob Erik Buell diesmal noch die Power und den Biss hat, wieder Großes zu entwickeln, ist eher unwahrscheinlich. Die Zeiten und vor allem das finanzielle Umfeld hat sich verändert. Aber man weiß ja nie.
Und dann: Damals hat Erik Buell auf ein Pferd - und einen Motor - gesetzt, der aus einem Sportfahrzeug ein Kultobjekt gemacht hat. So anachronistisch der überarbeitete HD Thunderstorm-V2-Motor inzwischen sein mag, er hat dem Vehikel ein unverwechselbares Herz und Sinne betörenden Sound gegeben.
Mit dem Rotax-Aggregat, das um Längen moderner und kraftvoller aber gleichwohl emotionsfreier ist, verliert Erik Buell sein Alleinstellungsmerkmal und den - so sagt man neudeutsch - UPS - unique selling point.
Aber auch da kann man sich täuschen. Vielleicht kaufen die Leute alles, was Erik Buell auf den Markt bringt: Nicht zuletzt ist der Mann schon jetzt eine Legende und der Mann, den selbst Harley-Davidson nicht tot kriegen konnte.
UPDATE:
Hier ein Zitat aus einer Mail von Erik Buell: ""It is a new world for us, and we have our freedom again. H-D owns the name, but we will do what we can to add to the value and mystique of these bikes that are no longer produced. This will make for an intense and crazy year, but fun."
Wie heisst es doch immer in diesen Ami-Western: "Go west, young man." Und wie elektrisiert Erik Buell von seinem Unternehmen ist, sieht man hier in diesem Video:
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23 Oktober 2009
Buell-Aus: Panikanfall beim Dinosaurier Harley-Davidson

Harley-Davidson hat ein Geldproblem und die Käufer sterben aus. In ihrer Not machen die Amis die innovative Marke von Erik Buell dicht und wollen die prestigeträchtige Tochter MV Agusta verscherbeln. Übrig bleiben nur Alteisen.
Der Computerhersteller Apple hat Steve Jobs, die amerikanische Motorradgemeinde ihren Propheten Erik Buell. Der ehemalige Renningenieur von Harley-Davidson baute 1983 in einem Schuppen erste eigene Motorräder und hat unter seinem Namen eine erfolgreiche Motorradmarke etabliert. 2006 lief im Werk in East Troy, Wisconsin, die hunderttausendste Buell vom Band.
Buells sind skurril, bissig, sie bocken und bollern. Ausgestattet mit Motoren auf der Basis der museumsreifen Harley-V-Twins, mit Ventilatoren, die wie ein Kühllaster dröhnen, um den hitzeanfälligen hinteren Zylinder zu kühlen. Doch der geniale Tüftler Erik Buell hat wegweisende Konzepte für die Branche entwickelt und verwirklicht: kompakte Auspuffanlagen unter dem Motor, Bremsscheiben montiert an der Felge, Benzintank im Rahmen und Ölreservoir in der Hinterradschwinge. Buells Visionen wie etwa die Firebolt oder das neue Superbike 1125R haben einen schrägen Charakter, das hat sie einzigartig und erfolgreich gemacht. Buell-Fahrer lieben ihre Fuhre wie Nerds ihr iPhone.
Seit 2003 ist Buell eine hundertprozentige Tochter von Harley-Davidson. Doch nun hat die Konzern-Mutter kurzerhand beschlossen, Buell zu schließen. Ende Oktober werden die letzten ihrer Art gebaut; Erik Buell und seine 180 Mitarbeiter müssen gehen.
Eine zweite Harley-Tochter wird ebenfalls dichtgemacht. Die italienische Edelbike-Schmiede MV Agusta, vor 16 Monaten für rund 70 Millionen Euro erworben, steht zum schnellen Verkauf. Harley muss sparen und braucht Geld.
Leere Kassen, erdrückende Kredite
Bei Harley-Davidson schlägt die Absatzkrise im Motorradgeschäft voll durch. In den ersten drei Quartalen 2009 sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 71,4 Prozent gefallen, die neuen Maschinen stehen wie festgeschraubt bei den amerikanischen Händlern. Im vierten Quartal wird die Produktion weiter zurückgefahren, und die Sportster-Modelle werden bis Ende des Jahres nicht mehr gebaut. Um 2010 über die Runden zukommen, benötigen die Amis insgesamt 1,2 Milliarden Dollar.
Innovation und Flexibilität waren nie Harleys Stärken. Technische Anstöße kamen von außen, bei der V-Rod etwa von Motorenbauer Porsche. Oder eben von Erik Buell, dem hauseigenen Think Tank und Gegengewicht zu der Heavy-Metal-Fraktion. Jetzt in der Krise zuckt der Konzern, killt Buell und tapst weiter im Reflex wie ein früh ergrauter Bär. Alte Modelle, altes Klientel. Die Konzentration auf das Tafelsilber - das Fabrikat Harley-Davidson - soll es richten. "Unserer Strategie beruht darauf, die Marke für einen langfristigen Wachstum vorzubereiten und durch eine Fokussierung gute Resultate zu erzielen," erklärt Keith Wandell, Chief Executive Officer von Harley.
Das erinnert an einen Bären, der sich im Fangeisen den Fuß abnagt, um freizukommen. Denn wie die Amputation von Buell die dadurch entstehenden Kosten von mindestens 83 Millionen Euro zur Schließung des HD-Riesenlochs beitragen sollen, kann man nicht unbedingt verstehen. Harley weiß es auch nicht: "Wir haben die Benefits, die aus der Schließung von Buell entstehen, noch nicht quantifiziert," sagt Harley Chief Financial Officer John Olin. Doch das kratzt CEO Wandell nicht: "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Konzept die Kraft der Marke Harley-Davidson verstärken und weiter in Schwung bringen können."
Branchen-Insider zweifeln stark daran, dass man einen alternden Hersteller mit Sparen allein über die Runden bringt. "Weiter nur die Marke Harley-Davidson auszubeuten, ist schlichtweg lächerlich. Harley-Fans haben sich den Schriftzug schon tätowiert - wie ausgebeutet kann man denn noch sein?", wird ein Wall-Street-Banker mit Erfahrung in der Motorradbranche zitiert.
Buell-Fans auf der schwarzen Liste
Bei den Buell-Fahrern ist die Konzernmutter nur noch Hassobjekt. Sie haben mit der emotionalen Videomessage von Erik Buell, in der er das Ende seines Lebenswerks ankündigt, genug gehört. In den einschlägigen Fan-Foren der Marke wird zu drastischen Maßnahmen geraten ("Truly idiotic decision by the Harley Davidson (mis)management. Shoot them!") und zu Online-Protesten gerüstet.
Belagert wird auch die Harley-Davidson-Seite. Dort liegt ein nettes Online-Gadget, mit dem Biker ihren eigenen Text-Banner entwerfen und auf der Web-Seite zeigen können. Drei Tage nach dem Aus für die Buell-Bauer aus Milwaukee zog der Harley-Administrator unter dem Ansturm entnervt die Handbremse. Er setzte den Begriff "Buell" zu Begriffen wie "Shit!" und "&%*@!" auf die schwarze Liste. Inzwischen wird jede Wortmeldung zum Thema Buell konsequent ausgefiltert.
Der Protest der Buell-Fahrer kommt Harley spürbar ungelegen. Um die Abwicklung schnell über die Bühne zu bringen und die Wogen zu glätten, unterstützt der Konzern die amerikanischen Buell-Händler. Egal zu welchem Preis sie eine Maschine losschlagen, der Händler bekommt vom Konzern mindestens 5000 Dollar. Damit ist auch der rapide Preisverfall der letzten Tage zu erklären - die neuen Superbikes 1125R waren in manchen US-Showrooms für 4999 Dollar zu haben.
In Hamburg kostet die gleiche Maschine erstaunlicherweise immer noch den Listenpreis: 12.899 Euro.
Komplette Slideshow zur Buell-Story bei SPON
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