Posts mit dem Label e-max werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label e-max werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

09 Oktober 2008

Elektrobikes: Power aus der Steckdose


Es tut sich etwas auf dem Markt der Elektro-Roller, die in Halle 4.1 zu finden sind: Die Verkaufszahlen steigen, der Leidendruck durch hohe Spritpreise und quälendes Umweltbewusstsein nimmt zu. Kein Wunder also, dass selbst die Etablierten wie Honda und BMW die Möglichkeiten sondieren.

Beim Käufer sind bisher nur die Kleinen wie e-max oder Vectrix: e-max hat seit Juli rund 1500 Stück der Modellvarianten 90s und 110s ausgeliefert, die Händler berichten von steigender Nachfrage auch in Österreich: In der Alpenrepublik wird der Kauf eines E-Fahrzeugs mit 300 Euro staatlich subventioniert. Zur Saison 2009 sollen die beiden Modell auch mit Batterien kommen, die Reichweite und Leistung weiter erhöhen.

Beim Berliner Vertrieb des Vectrix (im Bild) backt man dagegen noch relativ kleine Brötchen: Weltweit 2000, aber nur 50 Stück in Deutschland hat man bisher in 2008 verkauft. Wahrscheinlich liegt es am illusorischen Preis, der bei 9.999 Euro schwebt.

intermot2008koeln

09 Juni 2008

e-max-Scooter: Rollendes Sparschwein

Klimawandel, hohe Spritpreise – von den großen Motorradhersteller kommen keine Antworten. Die kleine bayrische Firma e-max präsentiert jetzt einen Elektroroller auf dem deutschen Markt. moto1203 fuhr den Scooter mit eingebautem Sparmodus exklusiv für SPIEGEL Online.

Wer hätte das gedacht, dass Stop-and-Go richtig Laune machen kann. Ran an die Ampel, Handbremse betätigt, und plötzlich ist sie da: die e-max-Stille. Kein nervöses Knattern. Wo sich bei einem normalen 50-ccm-Roller der Verbrennungsmotor verbirgt, ist beim neuen e-max 90s eine Silicon-Batterie untergebracht. Sie gibt ihre Kraft an den fast lautlosen Elektromotor ab. Kein Scheppern dringt aus der Verkleidung. Man hört plötzlich wieder Amseln zwitschern und technisch beschlagene Fußgänger nicken wohlmeinend herüber. Seit ich mit dem Elektroroller unterwegs bin, wird das Pendeln in die Hamburger Innenstadt zum Wohlfühl-Erlebnis.

Bildstrecke bei SPIEGEL Online

Der neue 90s sei auf dem deutschen Markt schlichtweg einzigartig - so stellt ihn Thomas Grübel, der Chef von e-max, vor: ein Roller, durch den E-Motor absolut abgasfrei, aber mit einer Spitzenleistung von 3,85 kW vergleichbar mit jedem handelsüblichen 50-ccm-Flitzer. Und als Clou, passend zur aktuellen Spritpreis-Explosion: unschlagbar billig. „Sie können an jeder Steckdose, an der Sie vorbei kommen, nachladen“, hatte Göbel gesagt, „und das zu einem Preis, den kein anderer Roller schlagen kann. Ungefähr 3 Kilowattstunden, umgerechnet also etwa 55 Cent, verbraucht der e-max pro Hundert Kilometer.“ Das hört sich gut an: Ein konventioneller Scooter verbraucht auf der gleichen Distanz bis zu drei Liter Mischung, die derzeit mit rund 4,50 Euro zu Buche schlagen.

Also los. Das Ladegerät wird in einer geräumigen Luke unter der Sitzbank verstaut. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der 90s kaum von seiner Zweitakter-Verwandtschaft: schnelles italienisches Design wie bei einer eleganten Vespa, schnittige Trittbretter und eine voluminöse Sitzbank für Zwei auf den üblichen 13-Zoll-Räder. Der Tacho ist übersichtlich und zeigt auch die Restladung und die maximale Reichweite an.

Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man an der bayrischen Elektro-Novität technische Feinheiten wie zwei Scheibenbremsen und die freiliegende Einarmschwinge. Sie wird durch keinen Auspuff verdeckt und führt das Hinterrad, in dessen Nabe der 4000 W-Elektromotor surrt. Er treibt den Roller direkt an, ohne Getriebe und ohne oder die üblichen Verschleißteile wie Keilriemen oder Kette. Kupplung und Schaltung sucht man ebenfalls vergeblich, deshalb ist der Betrieb auch ohne Motorradführerschein kinderleicht: Aufsteigen, Schlüssel rein, am Gasgriff drehen und auf geht’s.

Der e-max schnurrt wie ein Kätzchen, zügig und flott zieht er davon; wer mag, kann den roten „Boost“-Schalter neben dem Gasgriff drücken und extra Leistung zuschalten. Die Tücken der Stadtfahrt macht der e-max klaglos mit: Die Gabel schluckt das Kopfsteinpflaster; die beiden Bremsen geben keinen Anlass zur Klage. Auch zu Zweit kariolt es sich munter auf dem e-max. Leider hält der Fahrspaß nicht lange vor: Die maximale Reichweite liegt bei rund 50 Kilometer. Beim Schwestermodell, dem bis auf die Batterie baugleichen 110s, ist nach 75 Kilometern Schluss. Doch ist das tatsächlich ein gravierender Nachteil?

Jein. Die durchschnittliche Laufleistung von 50-ccm-Rollern liegt in Deutschland bei etwa 4000 Kilometer pro Jahr. Und Fernfahrten sind die absolute Ausnahme. „Wir bauen keine Langstreckenfahrzeuge,“ sagt Grübel, „sondern eine kluge Alternative für überfüllte Innenstädte und Büro-Pendler.“ Und die fahren in der Regel pro Arbeitstag kaum mehr als dreißig Kilometer, kommen abends nach Hause – und hängen den Roller für mindestens 3 bis 4 Stunden ans Netz.

Erprobt ist das Konzept ohnehin: In China, wo der e-max nahe Shanghai in einer eigenen Fabrik gefertigt wird, wurden allein im Jahr 2006 rund 23 Millionen Stromer produziert; in einigen versmogten Großstädten sind Verbrennungsmotoren bereits gebannt. Der Trend reicht bereits bis nach Südtirol: In Bozen haben E-Roller eine Sonderzulassung für die verkehrsfreie Quartier im Zentrum.

Thomas Grübel und seine Partner von System Auto Parts SAP, die den 90s und den 110s ab Mitte Juni zunächst über 120 Partner des Kymco-Händlernetzes bundesweit vertreiben, quittieren den Durchmarsch des Elektroantriebs mit einer gewissen Genugtuung. Als Grübel vor sieben Jahren angefangen hat, den e-max zu planen, wurde er mitunter belächelt. Doch der Bayer war und ist felsenfest davon überzeugt, dass Elektrorollern in der Zukunft des individuellen Nahverkehrs eine wichtige Rolle spielen werden. Ein erster Kooperationsvertrag mit Honda für den japanischen Markt ist vereinbart.

Und die Kritiker, die darauf verweisen, dass Strom ja per se nicht völlig emissionslos gewonnen werden kann oder gar aus einem AKW stammt? Denen kommt er inzwischen schlitzohrig mit einem Hinweis auf der Roller-Website entgegen: „Viele Stromanbieter haben spezielle Ökostrom-Pakete im Angebot. So haben Sie die Möglichkeit, die Energie aus Wind, Wasser oder Sonne in Ihren e-max zu packen.“

Nach einer Woche Fahrbetrieb bin auch ich vom e-max überzeugt, sogar begeistert. Mit einem E-Roller im Verbund mit S- und U-Bahn bin ich in einer Großstadt wie Hamburg rundum mobil, spare Geld im Vergleich zum konventionellen Motoroller und kann mir ein Öko-Label auf den Helm kleben. Doch uneingeschränkt zum Kauf empfehlen kann man ihn dennoch nicht: Der e-max ist zu langsam und damit gefährlich.

Doch dieser Vorwurf gilt gleichwohl nicht nur für ihn, sondern für alle Fahrzeuge seiner Klasse, die steuerfrei und mit dem kleinen Versicherungskennzeichen gefahren werden dürfen. Sie sind durch die gesetzlich vorgeschriebene Drosselung auf maximal 45 Kilometer pro Stunde rollende Verkehrshindernisse. Statt mit fünfzig oder sechzig locker im fließenden Verkehr mit zu schwimmen, wurde von hinten gedrängelt, von der Seite schräg angeschaut, und von vorne geschnitten. Der Bleifuß, er kennt kein Erbarmen.

Nur im Stop-Modus, direkt an der Ampel, da ist es dann wieder da: das e-max-Gefühl. Das Gefühl, das in der Stille ruht.

Mehr Infos zum e-max-Roller

22 November 2007

Elektroroller: Absolution aus der Steckdose

Klimabewusstes Fahren ist angesagt. Der Elektro-Roller hat das Zeug, im Frühjahr 2008 zum Trendfahrzeug zu werden. Zwei Newcomer wollen den deutschen Markt aufrollen.



Der Griff am Gasgriff zeitigt unerwartete Effekte: Holler, der Roller, er zieht los wie Schmidts Katze. Und schnurrt zufrieden wie dieselbe. Keine blauen Abgasschwaden, kein nervöser Zweitakter: Der Test eines Elektrorollers beruhigt ungemein. „Was den meisten im ersten Moment fehlt, ist der Sound. Man gleitet fast lautlos durch die Stadt“, sagt Isabel Löbl. Die junge Berlinerin ist Geschäftsführerin von Vectrix Deutschland und soll dem amerikanischen Hersteller, der bisher in Europa in Portugal, Spanien und Italien vertreten ist, im kommenden Jahr den deutschen Markt öffnen.

Vectrix, das den „MAXI-Scooter“ als erstes Modell anbietet, setzt auf ein zahlungskräftiges Publikum: „Wie in Kalifornien und Florida, wo wir eine bestimmte umweltbewusste Gruppe angesprochen haben, zielen wir auch in Deutschland auf ein gehobenes Segment“, sagt Scott Williams, der Chefverkäufer von Vectrix. Er will den Vectrix-Roller mit Standard-Technik - Nickel-NiMH-Batterien, stufenloser Elektromotor am Hinterrad, 230 kg Leergewicht – als rollenden iPod auf dem Markt positionieren: „Ein must-have“.

Wie das in Deutschland funktionieren soll, ist laut Isabel Löbl zur Zeit noch in der Schwebe: „Wir können uns ein exklusives Store-in-Store-Konzept vorstellen, bei dem wir bei anderen unterschlüpfen. Oder aber wir eröffnen in den Metropolen eigene Flagship Stores wie bereits in Mailand oder Madrid.“

Schon im Sommer 2008 soll die deutsche Niederlassung, in welcher Form auch immer, in Polen montierte Fahrzeuge ausliefern. Unterstützen sollen diese Tour de Force spektakuläre Ausstellungstücke und Elektrostudien wie das Vectrix SBK-Superbike. Die Elektro-Rennmaschine, vorgestellt vor wenigen Tagen auf der Mailänder Motorradshow, soll über 200 Stundenkilometer schnell werden und diese Leistung über 70 Kilometer Reichweite bringen. Wann das E-Geschoss in Produktion gehen soll, steht in den Sternen, aber 500 Bestellungen will Vectrix vorab verbuchen. Eine gewagte Stückzahl – bei einem High-End-Festpreis von 55.000 Euro.



Ein völlig anderes Konzept, um Klima schonende Elektroroller in Deutschland an den Mann zu bringen, kommt aus Bayern. Keine spektakuläre Studie, aber solides Ingenieurwissen und bezahlbare Produkte. e-max aus Oberhaching bei München entwickelt – gestützt von einem deutschen Investoren-Konsortium – seit 2003 Elektroroller und lässt in China in der Nähe von Shanghai fertigen. Die Bayern verbauen in ihrer Modellpalette (ab 3000 Euro) zur Zeit als einzige Anbieter auf dem deutschen Markt auch Lithium-Ion-Batterien. Die Hightech-Zellen sind nicht unbedingt leichter als die konventionellen Silikon- oder Nickel-Speicher, aber spürbar schneller zu laden und wesentlich leistungsfähiger.

„Hundert Kilometer Spitzengeschwindigkeit, 150 Kilometer Reichweite und ein Ladezyklus von rund drei Stunden, mit dieser Kombination nehmen wir den Elektro-Kritikern den Wind aus den Segeln“, glaubt Thomas Grübel, der Chef von e-max. Er ist überzeugt, das ideale Gefährt für Städter, Pendler und Sonntagsausflügler im Angebot zu haben. Seinen Angriff auf die 125er-Motorrad-Klasse, den neuen 190 L mit 10 PS, will er ab Frühjahr 2008 über das bundesweite Händlernetz von Kymco mit immerhin 640 Standorten vertreiben lassen.

Auch dort werden unbequeme Kundenfragen zu beantworten sein: „Null-Emissionen, ein umweltfreundliches Fahrzeug“, ist das nicht eine schierer Marketing-Gag? Grübel kommt leicht ins Grübeln: „Die Fahrzeuge sind im Betrieb definitiv emissionsfrei. Aber woher der Strom kommt – von Greenpeace Energy, aus Kohlekraft oder Kernkraft – darauf haben wir keinen Einfluss. Dort liegen natürlich die zusätzlichen Emissionen und die tatsächlichen Umweltkosten.“

Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Klima-Debatte sei jede Alternative zur Verbrennung fossiler Energien zunächst akzeptabel. Für die meisten Fahrer zähle ohnehin nur der Blick ins Portemonnaie und die Kostenbilanz aller Elektro-Flitzer, sagt Göbel: „Der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde liegt bei 13 Cent. Für 100 Kilometer brauche ich also eine Ladung im Wert von rund 35 Cent.“ Ja und? „Ein konventioneller Roller schluckt auf der Strecke locker zwei bis drei Liter Sprit, also etwa 3,80 Euro.“

(c) Jochen Vorfelder