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25 Mai 2009

Libanon: Wo die deutschen Heizungsbauer abwracken

Was woanders auf den Schrottplatz soll, wird in Beirut noch meistbietend verscherbelt. Dass bisher viele der Rostlauben aus Duisburg, Hamburg oder Berlin kamen, ist nicht zu übersehen.

Maen Helwe sagt, er liebt die Deutschen: „Sehr gute Autos, perfekt für mich und meinen Bruder.“

Helwe betreibt an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, eine florierenden Automobilhandel. Sein Bruder leitet die prosperierende Zweigstelle in den südlichen Hisbollah-Vororten. Auch dort ist gut Geld zuhause und gelegentliche Luftangriffe – wie die israelischen vom Jahr 2008 – hinterlassen Totalschäden und den Wunsch nach einem Neuwagen. Doch neuerdings haben die Helwes Stress mit ihrem deutschen Lieferanten und den Nutzfahrzeugen – wegen der Abwrackprämie. Der Nachschub bleibt aus.

FOTOSTRECKE MIT DEUTSCHEN ROSTLAUBEN BEI SPIEGEL ONLINE

Die Helwes haben deshalb ihr Sortiment weiter in Richtung Nobelkarossen umgestellt. Ein Onkel hat einen während des Bürgerkriegs ausgewanderten Schulfreund in den USA kontaktiert. Der organisiert jetzt den Nachschub an Lexus, Hummers, großen BMW7ern und Benz-Limos. Sie sind bei Hisbollah-Funktionären, fundamentalistischen Schiiten, sektiererischen Drusen und christlichen Maroniten gleichermaßen beliebt.

Noch vor fünf oder sechs Jahren war der Helwesche Autohof fast ausschließlich mit Importen aus Deutschland voll. Sowohl das Luxussegment als auch das Lieferwagen-Geschäft mit ihrem Mann in Hamburg hat sich rentiert. Der Euro stand so schlecht zum Dollar, dass durchgerostete Käfer, Benz-Limousinen und schrabbelige Lieferwagen in rauen Mengen über Hamburg oder Bremerhaven verschifft wurden. Jeder noch so alte Fiat Ducato, Renault Rapide und sogar rare VW-Pritschenwagen wie der von Dachdecker Prehn aus Lübeck fand einen Abnehmer. Halwe weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann jedes Auto noch verkaufen, das hängt nur vom Preis ab.“

Wie gesagt, Halwe liebt die Deutschen und ihre Autos. Doch mit dem Höhenflug des Euro bis auf zeitweise 1,60 Dollar wurden Einkäufe auf dem amerikanischen Markt interessant. Halwe ist da ganz Geschäftsmann, und als solcher kann man sich in der Levante keine Sentimentalitäten leisten: „Wir kaufen da, wo wir die günstigsten Angebot finden.“ Auch wenn der Euro momentan wieder etwas schwächelt: Die Preise sind zur Zeit sensationell auf dem amerikanischen Markt – die Zahl derer zwischen Boston und Frisco, die ihre teuren SUVs und V8-Limousinen aus purer Not abstoßen müssen, ist riesig.

So sind die alten Deutschen vom Hof gekommen, fast neue Amis werden verkauft. Aber Autohändler Helwe wäre kein richtiger Libanese, wenn er nicht ein Quäntchen Wehmut zulassen und den alten Zeiten nachtrauen würde: „Vor allem die deutschen Transporter haben wir gerne verkauft. Die hatten immer so schöne bunte Aufschriften. Was bedeutet eigentlich Heizungsbau?“

07 November 2008

Canning Stock Route Australien: Sprit bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E

Schuld waren die Zecken. Als die Rinderbarone des Kimberleys im äußersten Nordwesten Australiens um 1870 Zebu-Rinder aus Afrika importierten, brach eine Biblische Seuche über die Herden herein. Die mit den Zebus eingeschleppten Zecken vermehrten sich massenhaft; die Wasserstellen färbten sich feuerrot durch den Urin der kranken Tiere, die nach Abkühlung und Linderung ihres hohen Fiebers suchten.

Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.

Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".

Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.

1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.

Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.

Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.

Bilderstrecke von der Canning Stock Tour

Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.

Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.

Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.

Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.

Video von der Canning Stock Tour:



Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de