07 September 2011

Honda und der EV-neo: Wohin fährt der Mubarak der Branche?

Für sich genommen, war der 24. August ein Tag wie jeder andere im Jahr 2004.

Ich saß in einem Zug in Richtung Süddeutschland. In Russland sprengte eine Gruppe von tschetschenischen Selbstmordattentäterinnen zeitgleich zwei Flugzeug, die gerade vom Moskauer Flughafen Domodedovo abgehoben hatten. In Tokyo stellte Honda am 24. August 2004 den ersten fahrbereiten Prototypen eines Elektro-Rollers, des Moped-EV, vor.

Die Weltlage war also so wie immer im Jahr 2004. Ich ging meiner Wege, der Terrorismus ging seiner, und Honda war eine Weltmacht auf dem Motorradmarkt, der sich von einer Delle in der Konjunktur Ende des vergangenen Jahrhunderts schnell erholt hatte. Es war nicht abzusehen, dass sich etwas verändern würde: Honda war King unter den Japanern, und die Japaner zeigten, wo es lang ging, den Europäern. Die litten unter dem Nippon-Technik-Terror.

Deshalb schien die Ankündigung in Tokyo, in "kurzer Zeit" mit der Serienproduktion des Moped EV zu beginnen, durchaus glaubhaft. Die Zeit für Honda schien reif, nachdem man sich seit 1994 mit der Entwicklung von E-Bikes beschäftigt und mit dem CUV ES einen E-Scooter als japanisches Behördenfahrzeug gebaut hatte.

Bilder: Moped EV, (c) Honda

Auch das Fahrzeug schien reif. Es wog mit einem Alu-Rahmen nur 44 Kilo, lief mit neuartigen Nickel-Wasserstoff-Akkus, die 3,6 kW lieferten, und hatte eine "außergewöhnlich lange" Reichweite. Honda, der Marktführer auf ewig und Mubarak der Zweirad-Technologie, hatte es mal wieder allen gezeigt, damals im April 2004.

Inzwischen sind sieben Jahre vergangen und alles ist anders. Die Leitmarken in Sachen Motorrad-Technologie sitzen allesamt in Europa und heissen BMW, Triumph, Ducati und Aprilia. Den Japanern und vor allem Honda ist der Saft ausgegangen. Dafür haben sie an totem Gewicht zugelegt. Sie hören nicht zu, wenn ihre europäischen Statthalter ihnen etwas verklickern oder vorschlagen, oder verstehen es einfach nicht.

Im Juni 2011 - man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Schlappe 17 Jahre nach dem ersten ausgelieferten CUV ES und lange sieben Jahre nach dem Moped-EV - im Juni 2011 also, stellte Honda in Barcelona den Elektroroller EV-neo vor: der japanische Betrag zur technologischen Weiterentwicklung des Zweirads, ein "Quantensprung."

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Bild: EV-neo, (c) Honda

Der EV-neo hat einen Sitz, leistet 2,8 kW, aber ist dafür 110 Kilogramm schwer, 66 Kilo schwerer als das 1994er Moped-EV. Als Reichweite wird "max. 40 Kilometer" angegeben. Hondas Antwort auf Peugeot-Roller und kommende BMWs E-Scooter wird zur Zeit noch nicht auf dem Markt angeboten - sie wird mit einer Mega-Flotte von 18 Fahrzeugen von der Stadtverwaltung von Barcelona getestet.

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Meine Prognose: Der EV-neo wird nie in private Hand geraten, sondern noch weitere sieben Jahre getestet. Zu Recht. Mit diesem peinlichen Teil würde man sich selbst an der Trinkhalle bei den Baumarkt-Roller-Spezies lächerlich machen.

Wieviele Flutkatastrophen, Tsunamis und Fukushimas gab es eigentlich in den letzten Jahren in Hondas Research & Development-Abteilung? Kann das mal jemand checken? Oder einen Arzt rufen, der etwas gegen die Schockstarre unternimmt?

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

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