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29 Oktober 2007

Kimberley-Video: Am Ende aller Wege

Nachdem ihr es nun in den letzten Postings in aller Ausführlichkeit lesen durftet und die Details des Kimberley-Trips bei Google Maps nachschlagen könnt, will ich euch auch den Video nicht vorenthalten.

Hauptdarsteller: Andreas Rust aus Deutschland, Wally Ross aus Australien und meine Wenigkeit auf XT 600, Hardy Meyer aus Australien vom Veranstalter Biketours Australia im Landcruiser.



Der Videowart

26 Oktober 2007

Kimberley 4: Neunhundert Millimeter Wasser

In der letzten Nacht vor der langen Rückfahrt nach Darwin campen wir auf dem Zeltplatz von Halls Creek. Hier im Süden fasert das tropische Kimberley aus und macht dem trockenen ariden Klima Platz, das in den Weiten der Great Sandy Desert und der Tanami-Wüste herrscht. Ideales Motorradgeläuf, das haben wir bei unserem Abstecher zum Wolfe Creek Meteoritenkrater erkundet. „So ein, zwei Tage könnte ich hier noch gut bleiben. Einfach runter von den Straßen und wirklich rein ins Gelände“, räsoniert Andreas. „Ja, wenn wir noch Zeit hätten...,“ stimmt ihm Wally zu.

Ja, irgendwie ist die Zeit wie im Flug vergangen. Dabei haben wir gar nicht alles gesehen. Broome haben wir ausgelassen; wir hatten keine Lust auf asphaltierte Straßen und nächtliche Exkursionen ins Kneipenleben. Und an einem anderen Ziel, das wir uns unbedingt vorgenommen hatten, sind wir mit unseren Maschinen gescheitert: an den Mitchell Falls, wohl den schönsten Wasserfällen im Kimberley.

Der Weg zu den dreistufigen Kaskaden führt zwingend durch eine tückische Furt am King Edward River. Wally war sichtlich beeindruckt: „In der Mitte liegen große Felsen unter Wasser, ich bin mir wirklich nicht sicher, ob wir das hinkriegen.“ Verständlich; mit seinen Einssechzig standen ihm die Fluten bis zur Hüfte.

Auch Hardy, der nicht zum ersten Mal an einer kritischen Flussdurchfahrt stand, war sich nicht sicher: „Über neunhundert Millimeter Wasser ist schon ziemlich viel Holz für die Enduros. Wenn eine kippt, läuft uns die Brühe in die Luftfilter und den Motor. Dann ist Ende, Schluss mit lustig.“

Den Ausschlag gabt schließlich das Gerippe eines ausgebrannten Ford-Pick-ups. Vor ein paar Tagen, so war uns berichtet worden, hatte sich der Fahrer im Fluss festgerödelt und musste mit Hilfe einer Seilwinde freigeschleppt werden. Offensichtlich hat der genervte Fahrer versucht, den triefnassen Truck sofort wieder zu starten. Die Folge: Kabelbrand. Totalschaden. Knapp 60.000 Euro und alle Urlaubsträume perdu. Das war's dann. Für ihn und für uns.

Wir schlugen unsere Zelte gemütlich weiter unten am Fluss auf und beratschlagen am Lagerfeuer die Lage. Hardy holte noch ein Bier aus der Eisbox, stocherte in der Glut und fasste lapidar zusammen: „Eine Fahrt durch das Kimberley verläuft selten nach Plan. Aber Spaß hat man allemal.“

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

25 Oktober 2007

Kimberley 3: Vegemite für die XT-Ketten

Schotter und Staub. Unter diesen Verhältnissen ist keine elaborierte Verkehrsführung zu erwarten: Die Gibb River Road ist zwar die Lebensader der Region und kommt auf der Straßenkarte als fette Linie daher. In Wahrheit ist sie eine rund 700 Kilometer lange und kurvige, bucklige und staubige, extrem hinterhältige Lehm- und Waschbrettpiste. Auf ihr wechseln sich tückische Sprunghügel mit überraschenden Flussdurchfahrten und tiefe Spurrillen mit üblen Schlammlöchern ab.

Mit knappen Worten: Die Strecke ist eine der schönsten Urlaubsrouten, die man in Australien finden kann.

Auf halber Strecke zwischen Kununurra und Derby liegt an der Gibb River Road das Mount Barnett Roadhouse. Mit „Free Coffee for Drivers“ hatte die Tankstelle, die zu einer kleinen Aborigines-Gemeinde gehört, gelockt. Hinter dem Tresen steht Mary Swenson, Mitte Fünfzig, energisch, mit sonnengegerbtem Gesicht und fast türkisen Augen. Mary ist eine strenge Mamsell, bis sie ins Erzählen kommt. Wie die meisten „Einheimischen“ ist auch sie nur Teilzeitkraft. Die weitaus meisten Stationen im Kimberley sind in der Regenzeit dicht. Die Angestellten wie Mary verbringen die Zwangsferien dann im Süden oder Queensland. Mary sagt, dass ihr der Wechsel gerade recht kommt: „Nach zwölf Monaten im Kimberley wäre ich total verbuscht.“

Der kleine Laden führt neben Sprit alles, was man so braucht: Zeitungen, nur drei Tage alt. Säcke voller Eis, Bier in Dosen, eine kleine Auswahl an frischem Gemüse, tief gefrorene Känguruh-Steaks und natürlich Vegemite, die Kraft-Paste mit Suppenwürfelgeschmack, für Wally. Hardy hat zu dem für echte Australier unerlässlichen Frühstücks-additiv seine eigene Meinung: „Wenn Wally es nicht alle macht, nehmen wir's zum Schmieren der XT-Ketten.“

Im Mount Barnett Roadhouse werden auch die Tickets für den Zeltplatz am Manning River verkauft, zu dem wir über einen sieben Kilometer langen, ausgewaschenen Knüppelpfad gelangen. Das Lager ist wieder schnell aufgeschlagen; Hardy kocht wie üblich wie ein junger Küchengott. Der Abend am Feuer und die Nacht vergehen lau und sternenklar. Das Kreuz des Südens und die Milchstraße sind so gleißend und eindrucksvoll, als seien sie direkt auf die Netzhaut gelasert.

Dann ist Morgen und auch der ist perfekt: Wally und ich sitzen in Badehosen auf einem Fels an der Manning Gorge, die man über einen Fußpfad durch den Busch erreicht. Die Mühe und der einstündige Anmarsch haben sich gelohnt. Wir lassen uns von oben berieseln, und lauschen dem Wasserfall, der neben uns über kleine Stufen mäandert, und in unser Tauchbecken stürzt. Libellen schwirren vorbei; die Sonne bricht sich in der Gischt und wirft einen kleinen Regenbogen. Der Himmel ist berauschend blau.

Das ist im Kimberley nicht immer so. In der „Wet Season“ ist die Gibb River Road und damit fast jeder Zugang gesperrt, weil zwischen November und April sintflutartige Regenfälle niederprasseln. Erst ab Mai weichen die dunklen Wolken, die tagelang wie eine feuchte Rheumadecke über dem Gebiet hängen, den ersten Sonnenwochen.

Die beste Reisezeit: die Monate der „Dry Season“ ab Mai, wenn die Gräser der Savannen und die Eukalyptus-Wälder in vollem Saft stehen. Dann treiben die flaschenförmigen Boab-Bäume, die nur im Kimberley zu finden sind, aus und die weiten Ebenen verwandeln sich in wogende Blumenmeere. Es duftet und riecht nach frischem, feuchten Leben; die Wasserfälle, Tümpel und versteckten Badestellen, die den Besuch des Kimberley so einzigartig machen, quellen über vor Nass.

Schon Wochen später – im August oder September – lernt man das zweite Gesicht des Kimberley kennen. Nur noch klägliche Rinnsale tröpfeln über die nackten Felskaskaden und die unbarmherzige Tropensonne („Between eleven and three slip under a tree!“) hat jegliches Sprießen und Ranken ausnahmslos verdorrt. Fünfundvierzig Grad im Schatten sind in den Kimberley-Sommern keine Seltenheit.

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

23 Oktober 2007

Kimberley 2: Waltzing Mathilda aus dem Autoradio

Einige der losen Etappenziele haben wir bereits hinter uns gelassen: Nach einem kurzen Abstecher zum Kakadu National Park sind wir zügig über Katherine, wo den einsame Victoria Highway nach Westen beginnt, und das gottverlassene Timber Creek nach Kununurra gefahren.

Am Tag danach hatte das Offroad-Abenteuer im Kimberley begonnen: Die Region ist ein Eldorado für Reisende, die wie wir Orte der Entschleunigung und der Abgeschiedenheit suchen. Hundert bis zweihundert Kilometer im Sattel sind uns auf den Schotten- und Staubpisten genug pro Fahrtag. Und alle in unserer Gruppe wollen lieber draußen im Outback bleiben, als sich in den quirligen Städtchen wie Kununurra oder Broome zu vergnügen. Broome mit seiner historischen Altstadt hat sich in den letzten Jahren gar zu einem Backpacker- und Surfer-Mekka mit einer schicken Restaurant-Szene entwickelt. Dort kann man durchaus eine zweite Übernachtung einlegen und hippes Nightlife genießen.

Auch an der Windjana Gorge lassen wir es langsam angehen. Hardy hantiert an seinen Kochplatten mit den Küchenutensilien, während Wally vergnügt unseren Tour-Klassiker „Waltzing Mathilda“ mitpfeift und die Kartoffeln schält. Wally liebt Kartoffeln. Täglich. Andreas, kurz im Busch verschwunden, kommt mit Feuerholz im Schlepptau zurück und bereitet den Grill für die Steaks vor. Andreas liebt Steaks. Auch gerne täglich. Ich habe mein Zelt aufgebaut und hieve noch zwei Sprit-Kanister vom Dachgepäckträger, um die Tanks unserer Yamahas nachzufüllen. Die Handgriffe und die Rollen sind nach fast zwei Wochen on the Road gut verteilt.

Obwohl wir uns allesamt in Darwin bei der Abfahrt das erste Mal getroffen haben, vertragen wir uns prächtig. Dazu trägt nicht zuletzt das Fortbewegungsmittel Motorrad bei. Auch grundverschiedene Charaktere kommen gut miteinander aus, wenn tagsüber der Abstand mehrere hundert Meter beträgt. Jeder kann seinen eigenen Gedanken nachhängen, und keiner ist gezwungen, den anderen in einer stickigen Fahrerkabine ertragen zu müssen.

Die Einsamkeit und Ruhe im Kimberley hat nicht nur uns angezogen, sondern auch andere Urlauber, die in Australiens Weiten nach den abgelegensten Winkel suchen. Auf dem Campingplatz, den die Windjana-Ranger unterhalten, hat sich ein buntes Völkchen versammelt. Ein deutsches Pärchen mit einem gemieteten 4x4-Camper, bleich vom europäischen Winter und sichtlich noch nicht lange unterwegs, kämpft mit einer Spraydose gegen die Moskitos in ihrem Kokon. Eine australische Familie, auf Reisen mit drei strohblonden Sprösslingen wie Orgelpfeifen, hat neben dem riesigen Wohnmobil den Gasgrill angeworfen. Ein bärtiger Einzelgänger, Marke „Crocodile Dundee“, in einem uralten Landcruiser beschallt mit dem Autoradio den Platz und kramt auf der offenen Pritsche. Das Kimberley, vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp gehandelt und immer noch weit ab der gängigen touristischen Trampelpfade, lockt zunehmend mehr Reisende an.

Die meisten kommen über die Gibb River Road. Die grobe Offroad-Piste ist die spannende Alternative zu dem auf ganzer Länge asphaltierten Great Northern Highway weit im Süden, und die einzige Straße, die durchs nördliche Kernland des Kimberleys führt. Die Traverse erschließt zwischen Kununurra und Derby ein Dutzend Rinderfarmen, deren Weiden sich mit den Flächen Belgiens oder der Niederlande durchaus messen können. Von der Gibb River Road führen eine Handvoll Stichstraßen zu einer überschaubaren Zahl von Aborigine-Siedlungen. Das war's.

Das Kimberley ist selbst für australische Verhältnisse „very remote“ und faktisch erst kürzlich erschlossen. Erst ab 1878 kamen die ersten Rinderzüchter wie die Duracks, McDonalds oder Bradshaws mit ihren Herden aus New South Wales oder Queensland und nahmen die Einöden in Besitz, in denen zuvor Aborigine-Ureinwohner gesiedelt hatten. Manche vitale Landverbindung wie etwa die Trasse zur ältesten Missionsstation vor Ort und heutigen Aborigine-Gemeinde Kalumburu wurden erst vor 50 Jahren vermessen.

Kein Wunder also, dass auf einer Fläche, die um ein Viertel größer als die Bundesrepublik ist, inklusive der Stadtbewohner von Derby, Kununurra und Broome gerade einmal 35.000 Menschen siedeln. In manchen Ecken des Kimberley trifft man tagelang auf kein entgegenkommendes Fahrzeug.

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

22 Oktober 2007

Kimberley 1: von Grillen und Krokodilen in der Windjana Gorge

Grillen zirpen; es raschelt im Unterholz. Vogelschwärme schweben, von warmen Winden scheinbar mühelos getragen, vorbei. Hoch oben kreisen gefiederte Räuber. Die steil aufragenden Wände der Schlucht strahlen in rotem Licht; Wolken wie rosa Zuckerwatte ziehen auf.

Der Sonnenuntergang und die jähe Dämmerung an der Windjana Gorge könnten spektakulärer nicht sein. Idyllen und Illusionen, wie man sie sonst nur von Postkarten kennt, werden perfekt bedient. Wir sitzen staunend auf einem Fels.

„Ist doch faszinierend“, sagt Wally aus Sydney, mit dem ich auf unserer Motorradtour durch das Kimberley an der Windjana Gorge Station mache. „Man hat immer die gleichen Bilder von Australien im Kopf. Von der strahlend weißen Sydney-Oper. Oder vom kargen Ayers Rock im trockenen, roten Hinterland.“ Er denkt nach und kratzt seinen schütteren Haarkranz. „Eigentlich ist alles ganz anders. Die Oper ist grau und baufällig. Und das Outback ist in Wirklichkeit feucht und grün.“

In der Tat. An der Windjana-Schlucht zwängt sich der Lennard River spektakulär durch den Kalkstein der Napier Range, einer kargen Felsbarriere im äußersten Nordwesten Australiens. Vor 350 Millionen Jahren im Devon, einer kurzen geochronologischen Periode des Paläozoikums, brandeten hier die Wellen einer tropischen Ursee gegen ein riesiges Korallenriff.

Wasser gibt es am Lennard River noch heute im Überfluss. In dem kilometerlangen Tal, das der Fluss ausgewaschen hat, wogt ein dichter, duftender Eukalyptuswald; die Gräser stehen in sattem Grün. Im Kimberley ist das Outback anders, als man es erwartet: saftig und blühend. Aber auch gefährlich vital. Vor uns, in dem klaren Becken unterhalb einer kleinen Stromschnelle, driftet ein Dutzend Süßwasserkrokodile ziellos wie geflößte Baumstämme.

Bevor es dunkel wird, laufen Wally und ich uns zurück zu unserem Zeltplatz. Unser Leben unter freiem Himmel ist längst Routine. Vor zwölf Tagen sind wir zu der Rundtour, die uns in knapp drei Wochen von Darwin durch das Kimberley bis an den Indischen Ozean und zurück führen soll, gestartet: Außer mir sind der Australier Wally, mit 57 Jahren der Älteste in unserer Gruppe, Andreas, ein blonder Zweimeter-Hüne aus dem Sauerland, und Hardy mit von der Partie.

Hardy hat es vor 20 Jahren aus der norddeutschen Tiefebene ins Outback und in die Dienste von Bike Tours Australia verschlagen. Jetzt ist er unser Tourguide, unser Koch und die gute Seele der Reisetruppe. Hardy steuert den Toyota Landcruiser samt Anhänger, in dem unser Gepäck, unsere Camping-Ausrüstung, die Feldküche und eine Werkstatt samt Ersatzmotorrad in Einzelteilen verstaut sind.

Den fast 4000 Kilometer langen Rundkurs durch das Northern Territory und Western Australia, den die meisten Reisenden mit gemieteten 4x4-Wohnmobilen in Angriff nehmen, wollen wir drei Motorrad-Fahrer mit XT600-Enduro-Maschinen bewältigen. Mal sehen, was draus wird. Ein Video vielleicht?

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

Australien: Offroad durch das Kimberley

Gerade ist das neue ADAC reisemagazin "Australien" erschienen - ein schönes Heft, nicht zuletzt angereichert durch meine Reportage "Am Ende aller Wege", die von der Redaktion mit folgenden Worten umschrieben wurde:

"Durchs Kimberley. Ein Bericht über eine 4000 Kilometer lange Motorrad-Tour durch den wilden Nordwesten. Oder vom Reiz und risdiko fieser Flussdurchfahrten, staubiger Pisten und einer Kraftpaste mit Suppenwürfel-Geschmack."

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem soll die Geschichte nicht vorenthalten werden. Nachdem dem Abstecher nach Bali von letzter Woche vorbei ist, ziehen wir jetzt gemeinsam weiter Richtung Osten und beginnen mit einer kleinen Kimberley-Serie.

Hier die Übersicht über die Tour, wir empfehlen die angebotene größere Kartenübersicht:


Größere Kartenansicht

Der Textwart

05 Juli 2007

Australien-Video: Offroad im Kimberley

Ok, jetzt haben mich schon so viele Nicht-Motorradfahrer gefragt, wie das denn so sei, auf zwei Rädern durch Australien zu bretzeln, dass es langsam lästig wird.

Mit Worten allein ist es bei Leuten ohne Moppet-Erfahrung nicht getan. Vielleicht hilft dieser Video weiter, den ich bei YouTube online geschoben habe.

Aufgenommen in der gigantischen Kimberley-Region im Norden von Western Australia, abseits der üblichen Gravel Roads. Die Kamera, eine kleine Canon Ixus zum Knipsen, war am Lenker der XT 600 befestigt.

Der Platzwart