26 Oktober 2007

Kimberley 4: Neunhundert Millimeter Wasser

In der letzten Nacht vor der langen Rückfahrt nach Darwin campen wir auf dem Zeltplatz von Halls Creek. Hier im Süden fasert das tropische Kimberley aus und macht dem trockenen ariden Klima Platz, das in den Weiten der Great Sandy Desert und der Tanami-Wüste herrscht. Ideales Motorradgeläuf, das haben wir bei unserem Abstecher zum Wolfe Creek Meteoritenkrater erkundet. „So ein, zwei Tage könnte ich hier noch gut bleiben. Einfach runter von den Straßen und wirklich rein ins Gelände“, räsoniert Andreas. „Ja, wenn wir noch Zeit hätten...,“ stimmt ihm Wally zu.

Ja, irgendwie ist die Zeit wie im Flug vergangen. Dabei haben wir gar nicht alles gesehen. Broome haben wir ausgelassen; wir hatten keine Lust auf asphaltierte Straßen und nächtliche Exkursionen ins Kneipenleben. Und an einem anderen Ziel, das wir uns unbedingt vorgenommen hatten, sind wir mit unseren Maschinen gescheitert: an den Mitchell Falls, wohl den schönsten Wasserfällen im Kimberley.

Der Weg zu den dreistufigen Kaskaden führt zwingend durch eine tückische Furt am King Edward River. Wally war sichtlich beeindruckt: „In der Mitte liegen große Felsen unter Wasser, ich bin mir wirklich nicht sicher, ob wir das hinkriegen.“ Verständlich; mit seinen Einssechzig standen ihm die Fluten bis zur Hüfte.

Auch Hardy, der nicht zum ersten Mal an einer kritischen Flussdurchfahrt stand, war sich nicht sicher: „Über neunhundert Millimeter Wasser ist schon ziemlich viel Holz für die Enduros. Wenn eine kippt, läuft uns die Brühe in die Luftfilter und den Motor. Dann ist Ende, Schluss mit lustig.“

Den Ausschlag gabt schließlich das Gerippe eines ausgebrannten Ford-Pick-ups. Vor ein paar Tagen, so war uns berichtet worden, hatte sich der Fahrer im Fluss festgerödelt und musste mit Hilfe einer Seilwinde freigeschleppt werden. Offensichtlich hat der genervte Fahrer versucht, den triefnassen Truck sofort wieder zu starten. Die Folge: Kabelbrand. Totalschaden. Knapp 60.000 Euro und alle Urlaubsträume perdu. Das war's dann. Für ihn und für uns.

Wir schlugen unsere Zelte gemütlich weiter unten am Fluss auf und beratschlagen am Lagerfeuer die Lage. Hardy holte noch ein Bier aus der Eisbox, stocherte in der Glut und fasste lapidar zusammen: „Eine Fahrt durch das Kimberley verläuft selten nach Plan. Aber Spaß hat man allemal.“

Eine Übersicht über die Tour bei Google Maps mit weiteren Infos

(c) Jochen Vorfelder

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