11 Mai 2011

Auktion von Steve-McQueen-Motorrad: 400 Kubik gegen den rasenden Wahnsinn

Für Steve McQueen war es der Ritterschlag: Im August 1971 schaffte es der Hollywood-Star auf dem Titel des Fachblattes Sports Illustrated - auf einer obskuren Geländemaschine. Jetzt kommt McQueens „Husqvarna 400“ in Kalifornien unter den Hammer.

Am 14. Mai treffen sie sich auf dem jährlichen Quail Motorcycle Gathering auf dem gepflegten Geläuf der Quail Lodge in Carmel, Kalifornien: die Devotionalien-Sammler und Oldtimer-Fans. Das Auktionshaus Bonhams versteigert in diesem Jahr Nachbauten der beiden Chopper aus Easy Rider. Doch die meisten Bieter werden wohl ihre Kreditkarte zücken, wenn eine Husqvarna 400 mit Rahmennummer MI3845 aus dem Jahr 1971 aufgerufen wird.

Bonhams rechnet für diese Husqvarna mit einem Zuschlag zwischen 50.000 und 70.000 Dollar – überraschend für einen Oldtimer, der in diesem Zustand sonst für rund 6.000 Dollar zu haben ist. Der Grund: MI3845 ist die Original-Husky, mit der die Hollywood-Größe Steve McQueen 1971 auf dem Titel der stockkonservativen Sports Illustrated abgebildet wurde - mit nacktem Oberkörper. Ein kleiner Skandal im damals prüden Amerika, aber passend zum Charakter des Motorrads und des Machos McQueen: rüpelig, laut und kaum kontrollierbar.

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Zur Fotostrecke bei Spiegel Online:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-67798.html

Frank Bullit fährt nach Erfurt

McQueen, der strahlende Hollywood-Star, war – das ist die bittere Wahrheit – ein Schizophrener mit manisch-depressiven Phasen. Privat war er „wie eine Landmine, leicht erregbar und willkürlich explosiv“, schreibt der Autor Christopher Sandford, der die bisher beste McQueen-Biografie veröffentlicht hat. Und weiter: "Zu Hause lümmelte McQueen rum, mit seinen Bierdosen und Motorrädern, mit seinen Gewehren, seinen hässlichen Hunden und noch hässlicheren Aufpassern – und vor allem – seinen Stimmungen.“ Seine erste Frau Neile Adams ließ sich scheiden, weil McQueen sie betrunken und unter Drogen hemmungslos prügelte und bedrohte. Dass der Mann mit diesen vielen dunklen Seiten zumindest öffentlich die Balance halten konnte, ist McQueens Elixier außerhalb des Rampenlicht zu verdanken – seinem Leben als Rennfahrer und Biker.

Wenn McQueen mit einem Motorrad unterwegs war, wirkten die Kilometer wie Betablocker gegen seinen latenten Wahnsinn. Sandford zitiert ihn dazu: „Jedes Mal, wenn die Welt um mich herum nur noch schlecht ist, denke ich an Leute da draußen, die eine gute Zeit auf dem Motorrad haben. Das gibt mir einen andere Perspektive.“ Der erfolgreiche Schauspieler McQueen konnte es sich leisten, am Set lange Pausen zur „Erholung“ einzufordern – tats, und brach sofort mit Biker-Freunden zu Offroad-Trips oder zu Rennen auf. Auch dabei war er durchaus erfolgreich: In seinem Nachlass finden sich die Pokalen der Motocross- und Wüstenrennen, an denen er teilnahm.

Im September 1964 fuhr McQueen im US-amerikanischen Team bei der Internationalen Six-Days-Trial-Trophy, einer Zuverlässigkeitsfahrt durch die DDR. Weil er in Erfurt mit geprellten Rippen früh ausschied, fand er Zeit, nach London zu fliegen, um dort über zwei neue Rollen zu verhandeln: "The Cincinnati Kid" und „Frank Bullit“ machten McQueen endgültig zum Superstar.

Als McQueen im Herbst 1970 mit seinen Rennfahrer-Epos "Le Mans" beginnen sollte, verschob er kurzfristig den Drehbeginn. Der Grund: Er hatte sich unter dem falschem Namen Harvey Mushman für die "Baja 1000" angemeldet, einem Geländerennen längs der mexikanischen Halbinsel – und er brauchte die Aufnahmen für eines der Projekte, die ihm besonders am Herz lagen: die Motorrad-Dokumentation „On Any Sunday“.

Kapriolen für die Kamera

McQueens Rennfilme waren allesamt erfolgreich: "Le Mans", der Film über das Traditionwelle 24-Stunden-Rennen in Frankreich, spielt heute noch Tantiemen ein. "On Any Sunday", den er 1971 für den Regisseur Bruce Brown teilweise finanzierte, ist gar ein echtes Phänomen und Dauerbrenner: Die dramaturgisch langatmige, aber schräge Hommage an eine Handvoll amerikanischer Profi-Rennfahrer und Dropouts wurde für rund 300.000 Dollar produziert, aber hat in den letzten vierzig Jahren über 26 Millionen Dollar eingespielt.

Geliebt und bei Amazon in den Warenkorb gelegt wird „On Any Sunday“ nicht zuletzt wegen seiner Schluss-Sequenz: Steve McQueen und zwei Kumpels kariolen über den Strand, stürzen, lachen und reiten der Sonne entgegen – der Star auf der Husqvarna.

Das Ende von "On Any Sunday" bei Youtube:

http://youtu.be/1qODJEH1JhE

Spätestens mit dieser Einstellung und dem Cover von Sport Illustrated im gleichen Jahr hatte McQueen die Maschine zum Kult unter amerikanischen Bikern gemacht hat. Ein kleines Marketing-Wunder: Cross-Maschinen in den siebziger Jahre und besonders Zweitakter wie Husqvarna waren für ihre technische Anfälligkeit und gelinde gesagt eigenwilliges Fahrverhalten bekannt; sie sicher durchs Gelände zu steuern und am Ziel anzukommen, war Schwerstarbeit, verbunden mit einem Quentchen Glück.

Doch Dank McQueens Faible für die Renner mit dem roten Tank erlebten die obskuren Fahrgeräte einen nie wieder erreichten Verkaufsboom in den USA – bevor sie in den Jahrzehnten danach wieder in der Versenkung verschwanden. Heute erlebt die Marke ein Revival: Die ehemals schwedische Marke ist seit 2007 eine Tochter von BMW Motorrad und wird im italienischen Varese produziert. In ihrer Heimat Schweden werden unter dem Namen nur noch Nähmaschinen und Kettensägen hergestellt.

„Steve muss diese Husky viel gefahren, aber nicht richtig gepflegt haben. Nicht richtig abgespritzt nach dem Einsatz. Der Rahmen hatte Spuren von Salzwasser und Rost,“ sagt der Ex-Rennfahrer und Mechaniker Marty Tripes, der MI3845 originalgetreu restauriert hat und zur Versteigerung eingeladen ist.

Wenn Quail in den Siebziger statt gefunden hätte – Steve McQueen wäre sicher gekommen. Er war auch in Sachen Motorrad ein Zwangscharakter, ein manischer Sammler. Nach McQueens Tod im November 1980 war der Bestand an Motorrädern in seinen Garagen auf über zweihundert Stück angewachsen. Neben MI3845 waren noch weitere Huskys darunter.

Steve McQueens Husky 400 bei Bonhams at Quil:

http://www.bonhams.com/usa/auction/19391/lot/101/

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

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