Januar und Wochenende in Hamburg - da kommen zwei Dinge zusammen: draußen die Kälte und dann etwas Zeit, um über die kommende Motorradsaison nachzudenken. Angespornt werden die Gedanken vom kommenden Event in den Messehallen, wo Mensch und Maschine schön auf einem Haufen und im Warmtrocknen zusammenkommen: die Hamburger Motorradtage.Ich verzichte dankend auf einen Besuch und habe mir für die Tage ein anderes Thema vorgenommen: Carbon. Denn wer sich mal auf dem Zubehör- und Veredlermarkt umschaut, findet kaum noch eine Krad ohne die federleichten und gleichzeitig stabilen Kunsstoffteile.
Siehe z.B. die 2006er Multistrada 1000S DS, die schon serienmäßig mit vorderem Schutzblech und diversen Abdeckungen in Carbon daher kommt. Wer dann den hochnot-offiziellen Ducati-Zubehör-Katalog studiert oder auf dem Netz nach den semi-professionellen Anbietern und laminierenden Heimwerkern googlet, wird mit Carbon-Teilen geradewegs zugeschüttet.Das hat zumindest zwei Gründe: Wenn's um tatsächliche und maximale Gewichtsersparnis geht - also bei der üblichen Straßenmaschine, die von Garage ins Büro und STVO-gerecht durchs Wochenende bewegt wird - wirken die Kohlenstoffmoleküle wahre Wunder. Zweitens könnte man natürlich darüber spekulieren, daß die gehypten Teile derzeit ein absolutes Muss sind und jeden überzogenen Preis rechtfertigen. Das verkauft man gerne.
Viele Leute finden das Thema allerdings ziemlich langweilig - eh, sind doch nur angeschraubte Plastikteile. Ich allerdings glaube, daß das komplette Carbon-Bike (Tank, Rahmen, Felgen) nicht mehr lange auf sich warten läßt, weil Carbon bauliche Möglichkeiten bietet, die noch lange nicht ausgeschöpft sind. Nix mit Nano-Jahrzehnt, Carbon ist angesagt. Das findet übrigens auch ein Autor, der aus einer ganz anderen Richtung kommt: Bruce Sterling, der regelmäßig eine Kolumne im Kultmagazin WIRED füllt, und sich seit vielen Jahren mit Carbon beschäftigt.
Also aber sofort in unregelmäßiger Folge: mehr zu Carbon, dem Baustoff der Zukunft. Dann klären wir auch die Frage, was der High-Tech-Baustoff mit dem begnadeten Visionär R. Buckminster Fuller und seinem Dreirad für acht Personen zu tun hat.
© Jochen Vorfelder
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