12 Juli 2006

"Steilpässe": VI. Goletto delle Crocette - Geheimnisse der Hochebene

Die Strecke zwischen Breno im Val Camonica und dem Garda-See führt zwischen Campoloro und Giogo del Maniva über Pässe mit enormen Weitblicken.

Die Ausblicke sind die nötige Entschädigung. Denn die Straße ist gelinde gesagt wenig motorradgerecht und schreit nach einer großen Reiseenduro mit grobem Gestoll: Zwischen dem Passo di Croce Domini und Goletto delle Crocette (2070 Meter) folgt ein Schlagloch dem anderen; auf langen Strecken gibt es nur Schotter.

Durch eine Straße erschlossen ist die kahle Hochebene nur wegen einer Lausch-Station der NATO, die beim Goletto delle Crocette auf einem Hügel thront. Während des Kalten Krieges wurde von hier aus rund ums Jahr versucht, den Funkverkehr der Warschauer-Pakt-Flotte im Mittelmeer abzuhören. Inzwischen funktioniert das vollkommen digital mit direktem Zugriff auf Satelliten-Relais und vom Schreibtisch in Brüssel aus.

Die Anlage ist komplett aufgegeben und liegt mit den verbogenen Alu-Spiegeln und demolierten Innereien wie ein havariertes UFO in der Landschaft.

Keiner hat sich die Mühe gemacht, den Betonklotz mit dem Tunnelsystem rückzubauen, oder wenigstens nach dem Auszug mal durchzufeudeln.

Die Zufahrt ist optisch nicht zu verfehlen; am Tor haben Unbekannte Löcher in den Zaun geschnitten und die Ruine damit dem langjährigen Wirken versprengter Autonomer, marodisierender Vandalisten und Friedensfreunden mit Farbeimern übereignet. Unbedingt anschauen und sich wundern.

Offen: Ganzjährig
Wertungspunkte : **** (4 von 6)

© Jochen Vorfelder

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