23 April 2012

11. Mai in Monaco: Über Hundert Ducatis kommen unter den Hammer

Am 11. Mai kommt in Monaco die größte private Ducati-Sammlung unter den Hammer; Carlo Saltarelli, Ducati-Testfahrer und Händler, hat in den vergangenen dreissig Jahren über Hundert Maschinen aus Borgo Panigale zusammengetragen - sie kommen nun alle auf einen Schlag zur Versteigerung.

Zusätzlich zur Saltarelli-Sammlung bringt Ducati selbst zwei Einzelstücke ins Angebot: die Desmosedici von Casey Stoner aus dem Jahr 2010 sowie eine MotoGP-Maschine von Valentino Rossi aus dem Jahr 2011.
10. Mai, Monaco: Ein Muss für Ducatisti mit dem nötigen Kleingeld ... Herr Piëch, übernehmen Sie!

PS: Allein der Katalog von RM Auctions zur Veranstaltung ist pure Ducati Porn. Siehe unter http://viewer.zmags.com/publication/ed52d7ab#/ed52d7ab/1

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19 April 2012

Audi kauft Ducati : Ein kleines Geschenk zum 75ten Geburtstag

Am Dienstag dieser Woche feierte Ferdinand Piëch seinen 75ten Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte der VW-Patriach sich selbst: Seine Konzern-Tochter Audi kaufte pünktlich zum Fest die italienische Motorradschmiede Ducati.

Über den Verkauf der Motorradmarke Ducati an einen deutschen Automobilhersteller war seit Anfang des Jahres spekuliert worden; als mögliche Käufer wurden auch Daimler und BMW ins Gespräch gebracht. Seit Mittwoch Nachmittag ist die Tinte unter dem Vertrag nun trocken: Für rund 860 Millionen Euro hat die Volkswagen-Tochter Audi den Zweirad-Hersteller vom bisherigen Besitzer-Konsortium, unter Führung der italienischen Investindustrial, übernommen. Was will der Volkswagen-Konzern mit einem italienischen Motorradhersteller?

Rational oder gar volkswirtschaftlich ist die Übernahme der Firma, die im Bologneser Vorort Borgo Panigale Edelware für Premium-Kunden fertigt, nicht zu erklären. Auf die Zahlen von Audi oder gar die Gesamtbilanz der VW-Gruppe hat das Jahresergebnis der neuen zwölften Marke im Gruppen-Portfolio keinen signifikanten Einfluss.  

Rote Federn für das Ego

Ducati ist fazt ausschließlich eine Herzensangelegenheit des VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und ein weiterer Beweis für dessen langen Atem, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat. Seit der Hobby-Motorradfahrer Piëch Mitte 1972 bei Audi als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben anheuerte, hat es den Markensammler gewurmt, dass Audi seine Zweiradvergangenheit mit NSU und DKW nicht weiter verfolgt hat. Dass sein Lebenswerk ein unvollständiges Konglomerat ohne Zweirad-Sparte hat ihn besonders mit Blick nach München und BMW von jeher gewurmt.

Jetzt vierzig Jahre später, an der Spitze des Konzerns, erfüllt er sich seinen lang gehegten Wunsch: „Ein kleiner feiner Motorradhersteller würde gut zu uns passen“, sagte Piëch 2008 in einem Interview. Er trauere noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können. Piëch outete sich schon damals als Fan der Italo-Marke mit seinem persönlichen Favoriten, dem Superbike Ducati 1098 R: "180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm als ein Bugatti." 

Piëch ist ein knallharter Kaufmann, aber manche Entscheidungen trifft er aus dem Bauch heraus. Der Machtmensch konnte es schlichtweg nicht länger ertragen, dass seine Lieblingsmotorrad-Marke in den vergangenen drei Jahren mit dem „Feind“,  der Daimler-Tochter AMG, aufs Engste kooperierte.   

Altes Investoren-Karussell

Piëch und seine Tochter Audi sind nicht die ersten Geldgeber, der sich an Ducati versuchen. Seit Mitte der Achtziger Jahre wurde die Firma mehrfach weitergereicht; mit wechselndem Erfolg. "Mit den ersten Neubesitzern, den Castiglioni-Brüder, ging es bergab; Mitte der Neunziger waren wir völlig am Boden,“ erzählt der Museums-Kurator und Chronist der Marke, Livio Lodi. "Erst der Einstieg der TPG im Jahr 1996 hat uns gerettet." 

Die Amerikaner von der Texas Pacific Group (TPG) tauschten zügig das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein und krempelten die Produktlinie komplett um. Mit den Superbikes 996 und 1098, dem Reiseliner Multistrada und der neuen Monster wurde die Gewinnzone wieder erreicht, bevor im Jahr 2006 die InvestIndustrial übernahm. Die italienischen Investoren, die sich die Anteile mit dem Private Equity Fonds BS und einem kanadischen Pensionsfonds teilten, reduzierten weiter Fertigungskosten. Sie hielten die Premiummarke Ducati – im Gegensatz zu anderen Marken wie die Japaner - während der Branchenkrise 2009 in der Gewinnspur. 

InvestIndustrial-Chef Andrea Bonomi und sein Statthalter Claudio Domenicali bauten Fertigungen in Brasilien und Thailand und erweiterten die Modellpalette: Vor zwei Jahren wurde mit der Diavel der Muscle-Bike-Markt erobert; Ende Januar wurde in Abu Dhabi das neue Superbike, die 1199 Panigale, gelauncht.    

Für die billigste Ducati Monster 696 werden in Deutschland 8790 Euro, für das Spitzenmodell 1199 Panigale S Tricolore mindestens 28.690 Euro fällig. Ducati hat im Jahr 2011 etwa 42.000 Motorräder weltweit verkauft und damit einen operativen Gewinn von rund 110 Mio. Euro erwirtschaftet: eine stattliche Rendite von rund 20 Prozent, die kein Automobilhersteller erreicht, und ideale Voraussetzung also, um Ducati anzubieten. 

Denn verkaufen mussten die Italiener: Auf Dauer kann keine Motorradfirma in der Größe von Ducati ohne Wachstum überleben; Status quo ist Rückschritt. Doch eitere internationale Märkte, einen größeren Anteil am Gesamtmarkt, hohe Investitionen in eine breitere Modell-Palette – das geht nur mit einem potenten neuen Investor, für den 860 Mio. Euro kein Problem sind. Wie Audi.

Kritik an der Übernahme kam schon vor der Vertragsunterzeichnung. Die Schuldenlast in Bologna sei zu hoch; das Image beschädigt. Das sei keine Ehe, die funktionieren könne. Das Handelsblatt schreibt: „„Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben.“

Synergieeffekte für Beide, Sicherheit für Ducati

Mitnichten. Offensichtlich hat die Durchleuchtung der Firmenbücher durch die Wirtschaftsprüfer in den vergangene Wochen ergeben, dass Ducatis eigentlich Kredit- und Schuldenlast unter 200 Mio. Euro liegt – eine überschaubare Summe bei einem 2011er Gewinn von rund 110 Mio Euro. 

Und auch die Kritik an der aufwendigen Rennsport-Abteilung Ducati Corse zieht nicht. Das exorbitante Jahrengehalt von angeblich 12 Mio. Euro des Spitzenfahrers Valentino Rossi bringen Sponsoren mit, die wegen ihm auf den Zug gesprungen sind.  Dass er zur Zeit frustriert hinterher fährt, zählt nicht: Das gern zitierte Klischee „Win on sunday, sell on monday“ gilt schon lange nicht mehr und Ducati-Liebhaber sind quasi immunisiert gegen kurzfristige Niederlagen.

Auch sind die technischen Welten, die mit Ingolstadt und Bologna aufeinander prallen, so verschieden nicht. Im Gegenteil; ein interessanter technischer Austausch ist garantiert. Sowohl bei Audi als auch in der Entwicklungsabteilung von Ducati dreht es sich um automobile Themen der Zukunft: möglichst effiziente Hochleistungsmotoren, optimale Ausnutzung von begrenztem  Hubraum, maximalem Leichtbau durch den Einsatz von neuen Werkstoffen wie Karbon. Gerade in der Werkstoffentwicklung hat VW/Audi gegenüber der Konkurrenz in München aufzuholen und mit Ducati einen guten Partner, der tief im technologischen Kernland Italiens in der Po-Ebene verwurzelt ist.

Auch bringen die Ingenieure der VW-Gruppe spezielles Motorrad- und Ducati-Knowhow mit. Der V-Rod-Revolution Motor, der 2001 von Harley-Davidson auf den Markt gebracht wurde, entstand am Bildschirm der Porsche-Motorenentwickler in Zuffenhausen. Und Ingolstadt selbst hat schon seit längerem einen direkten Draht in die Motorrad-Fertigung bei Ducati: Der Audi-Mann Thomas Mehringer arbeitete u.a. bei Lamborghini, bevor er von Beginn 2008 bis Dezember 2011 oberster Qualitätsprüfer bei den „Roten“ in Bologna wurde.

Der Kauf von Ducati hat übrigens auch Auswirkungen auf Mercedes. Die Daimler-Tochter Mercedes AMG kooperiert seit Ende 2010 mit dem Motorradhersteller. So stattet das Autounternehmen den MotoGP-Rennstall von Ducati mit Mercedes-Fahrzeugen aus; keine duc-Präsentation kam ohne AMG-Präsenz über die Bühne. Nach der Übernahme durch Audi ist damit jetzt Schluss. Mercedes werde die Zusammenarbeit mit Ducati mit sofortiger Wirkung beenden, sobald der Verkauf an Audi abgeschlossen ist, sagte ein Daimler-Sprecher am Donnerstag in Stuttgart.

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Audi-Ducati-Deal: Die Tinte ist trocken.

14 Februar 2012

Over and out ....

So, moto1203 meldet sich jetzt mal für geraume Zeit ab - zum jährlichen Datenentzug und traditionellen Twitter-Facebook-Fasten in einem Funkloch in einer wlan-losen Gegend.




13 Februar 2012

Ducati-Verkaufsgerüchte: Warum es jetzt doch Audi werden könnte

Das Frühjahr kommt, und wie in fast jedem Jahr wird eine neue Aufführung einer der beliebtesten italienischen Comedia del Arte aufgeführt: Die Ducati-Gerüchteküche.
Nachdem im  Herbst 2007 noch Harley-Davidson als potentieller Investor oder Käufer der italienischen Motorrad-Edelmarke genannt wurde, und im April VW 2008 an der Reihe war, gehen die Besitzer nun wieder auf die Bühne und nehmen einen neuen Verkaufsanlauf. Die Zeit ist günstig.

Im vergangenen Dezember wurde als Generalprobe angeblich ein Börsengang in Hongkong geprüft. Aktuell bieten der Besitzer, der italienische Investor Investindustrial, die Firma zum Verkauf an. Der Preis, den Investindustrial erlösen will: jenseits von 1 Milliarde Euro. Den dreifachen Kaufpreis.
Ein gewagtes Unterfangen - diesen Preis wqerden sie am Ende so oder so nicht kriegen, sie gehen aber erst einmal hoch in die Verhandlungen.

Hier eine erste Analyse der Gemengelage, das hoffentlich nicht in einem klassischen italienischen Drama endet.

Erster Akt.

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender des größten europäischen Fahrzeug-Mischkonzerns VW und bekannt für seine unternehmerischen Alleinfahrten, hat im Frühjahr 2008 in einem Gespräch anklingen lassen, dass der Konzern sehr wohl am Erwerb eines "kleinen, wertvollen Motorradherstellers" interessiert sein könnte.
Piëch trauerte 2008 noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können. Piëch outete sich selbst damals als Duc-Fahrer - es war eine 1098: "180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm als eine 1001-PS-Bugatti."

Seit 1985, als Ducati tatsächlich völlig am Boden lag, hat die Edelschmiede im Bologneser Stadtteil Borge Panigale einen beachtlichen Turnaround hingelegt: „Ende der Achtziger ging es bergab, es wurde nichts mehr investiert, und Mitte der Neunziger waren wir völlig am Boden. Die Technik und die Maschinen wie die 916 waren Spitzenklasse, aber Geld gab es keins in der Kasse“, erzählte mir damals ein Ducati-Mann. „Erst der Einstieg der TPG 1996 hat uns gerettet.“

Die TPG ist die Texas Pacific Group. Die amerikanischen Investoren kauften Ducati von der Cagiva-Gruppe der Gebrüder Castiglioni und standen bei der Übernahme unter Heuschrecken-Verdacht. Doch die Amerikaner zerschlugen die Firma nicht, sondern setzten auf eine langfristige Strategie: Sie tauschten unter der Leitung von Federico Minoli das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein, und krempelten die Produktion komplett um.

2006 hat die TPG Ducati wieder abgegeben – an die italienischen Eigentümer von InvestIndustrial S.A. und sicher mit einer netten Rendite. Seit 2007 hat InvestIndustrial immer wieder signalisiert, dass die Investoren an einem Weiterverkauf durchaus interessiert wären.

Ein Angebot von VW, das angeblich mit einem Co-Investor - einer kanadischen Finanzgruppe - bereits die Ducati-Zahlen unter die Lupe nahm, wäre also nicht auf taube Ohren treffen. Doch offensichtlich kamen die Unterhändler damals nicht zusammen - ich vermute, die Italiener waren damals zu gierig. Bei aller Liebe zum Zweirad - Ferdinand Piëch ist ein Kaufmann ohne Hang zum Bunga-Bunga.

Zweiter Akt.

Ducati hat Ende Januar / Anfang Februar die Panigale, das neue Super-Flagschiff, in Abu Dhabi gelauncht. Troy Bayliss, die versammelte internationale Fachpresse und die ganz schnellen Journis waren vor Ort.
Die Panigale hat Signalwirkung und trägt folgende Fakten auf dem Wappen: Ducati ist es - schaut man auf die Verkaufszahlen - noch nie so gut gegangen wir im Moment. Trotz der Tatsache, dass man in der MotoGP mit Doktor Rossi und Hayden hinterher fährt, strahlt der Name und schreit laut "Rennsport!". 

Das zieht: In den USA, in UK, in Deutschland und auch auf den asiatischen Märkten fährt die Marke im Moment nur in eine Richtung: aufwärts. Dabei werden die sensationellen Verkaufs-Zahlen, die Ducati 2011 eingefahren hat, inzischen nicht nur von den seltenen Superbikes generiert, sondern von einem geschickten Produkt- und Zielgruppen-Mix. Verkaufsrenner sind neben den Brot-und-Butter-Monstern auch der Tourer Multistrada und der Cruiser Diavel. Andere bikes sind echte Schauraum-Looser - wie die Hypermotard oder die Streetfighter.

So betrachtet, ist das Frühjahr 2012 eine brilliante Zeit, um Borgo Panigale und die Marke zum Verkauf zu bringen. Doch das Zeitfenster wird nicht ewig anhalten: Komme ein Einbruch noch in diesem Jahr, komme eine weitere Rezession, der auch die Premium-Kundschaft vorsichtiger agieren läßt oder in den Strudel zieht, dann ist die Chance vertan. Dann wäre Ducati immer noch zu verkaufen - aber nicht zum gewünschten Preis.

Denn die Bilanzahlen - genaue sind nicht bekannt, da ducati nicht mehr börsennotiert ist und sie nicht veröffentlichen muss - sind angeblich nicht so gut: Dort sollen dem Vernehmen nach Kredite und ihre Bezinsung bis in Höhe von fast 900 Mio Euro auf dem Unternehmen lasten.

Der Status Quo - die positiven, öffentlichen Verkaufszahlen - lässt sich auf Dauer nur halten, wenn es weiter aufwärts geht: Auf Dauer muss jede Motorradfirma in dieser Dimension wie Ducati wachsen. Weitere Märkte, einen größeren Anteil am Gesamtmarkt. Status quo ist Rückschritt. 

Dafür braucht Ducati - unabhängig vom Reibach, den die Investoren machen - Cash Flow, eigenes Geld. Weitere Kredite sind auf Dauer zu teuer - deshalb sucht man jetzt Geldgeber, um flüssig zu sein, zu tilgen und um Kreditbelastung anzugeben - durch Börsengang oder durch Verkauf.
Dritter Akt. 

Offiziell wurde in den letzten Wochen über zwei Optionen gesprochen, die InvestIndustrial erwägt.

Ein Börsengang in Hongkong - an diesem chinesisch orientierten Stock Market gehen Edelmarken wie z.B. Prada lieber an den Start als etwa in New York - ist ein Risiko. Denn der Erlös für die Anteilhaber an Investindustrial bei einem so genannten Floating - das nach Angaben von Bloomberg von Goldman Sachs und der Deutschen Bank gesteuert werden soll - ist weit mehr von Faktoren wie dem oben erwähnten Zeitfenster abhängig als bei Option zwei: den Verkauf an einen anderedn Investor oder ein Konsortium.

Doch auch diese zweite Option garantiert nicht, dass die derzeitgen Besitzer ihren gewünschten Schnitt machen. Ducati ist zwar (zur Zeit) ein attraktives Übernahme-Objekt, doch ein Verkauf ist immer ein zähes Unterfangen.

Über einen Kaufpreis wird erst verhandelt, wenn nach mehreren Monaten eine Due Diligence auf dem Tisch liegt - das Ergebnis der kompletten Durchleuchtung einer Firma - finanziell und technisch. Und das ist sehr, sehr sensibel: Nehmen wir mal für einen kurzen, lustigen Moment an, BMW stiege ein.

Dann müsste Ducati sich tief in jede Schublade, in jeden Computer und voll in die Karten schauen lassen - selbst im Allerheiligsten, der Entwicklungsabteilung von Ducati Corse etwa. Wie apart: Da fährt man ab Frühjahr wieder SBK gegeneinander und die entsandten Prüfer der Münchener lungern im Werk in Bologna in der heiligen Ducati Corse-Abteilung um.
Endspiel.

Wer kauft Ducati? Als Kandidaten genannt werden zur Zeit "von wohl unterrichteten Quellen" die Inder von Mahindra oder Hero, Volkswagen, Audi, Mercedes und BMW.
Die Inder? Sie wären eventuell ein Partner in einem Konsortium oder bei einem Börsengang, der die Kriegs- und Entwicklungskasse bei Ducati füllt. 10 bis 30 Prozent Aktienanteil, warum nicht. Asien ist interessant. Indien allemal. Ducati baut gerade ein Werk in Thailand, auch ein guter Markt, dafür braucht man einen Partner, der die Zielgruppen kennt. Aber eine völlige Übernahme durch Mahindra oder Hero? Nein.

BMW? München? Nie und nimmer. Was sollen die Münchener mit einer zweiten erfolgreichen Motorradmarke? Sich gegenseitig den Markt streitig machen? Da glaube ich nicht dran. Wenn je überhaupt, dann in einer anderen Situation - wenn es Ducati mal wieder richtig schlecht geht und so reibungslos zu haben sein sollte wie Husqvarna. (Obwohl, Husqvarna war auch nicht billig, weil die Gebrüder Castiglioni mit im Spiel waren, aber das ist eine andere Geschichte ...)

Mit Mercedes fährt Ducati seit über einem Jahr eine extrem erfolgreiche Kooperation über die Muscle-Tochter AMG. Ich kann mich an keine Marketing-Veranstaltung, keine Modell-Präsentation im letzten Jahr erinnern, die eine der beiden Marken alleine bestritten hätte. Zwischen Mercedes AMG und Ducati passt zur Zeit - wie man so schön sagt - kein Blatt Papier.
 
Was ist mit Volkswagen? Wie gesagt: Ferdinand Piëch ist ein Kaufmann, obwohl es ihn sicherlich in den Fingern und in der Gashand juckt.

Volkswagen hat dermaßen gut gefüllte Säckel, dass der Kauf defintiv eine Option wäre - als Geldanlage und als Prestigeobjekt. Die Käuferschaft von Ducati fährt ohnehin schon VW Group: Bentley, Bugatti, Lamborghini und Porsche. Da würde eine Ducati Panigale noch gut in die Garage passen.

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Trotzdem: Nach den letzten Gerüchten läuft es am Ende doch nicht auf Mercedes AMG, sondern auf eine Tochter der Volkswagen Group raus: Audi.

Die Ingolstädter sollen Ducati für Ferdinand Piëch sichern und dem VW-Gruppen-Portfolio einverleiben. Angeblicher Bar-Preis - 80 bis 100 Mio Euro plus Bürgschaft / Übernahme des Zinsschulden-Dienstes der Bologneser Kredite - in Summe also wein Angebot von etwa 750 bis 800 Mio. Euro. Ganz schön happig für eine mittelständische Firma aus Bologna.

Es soll jetzt sogar sehr schnell gehen, angeblich sind die Due Diligence-Spezialisten von Audi mit einem Vorkaufsrecht schon in Bologna.

Ferdinand Piëch feiert am 17. April seinen 75. Geburtstag. Vielleicht wird ja Ducati sein schönstes Geburtstagsgeschenk.

Der Hörspiel / Radio-Doku-Tipp: The Degner Defection

Im September 1961 setzte sich der Motorradfahrer und DDR-Rennstar Ernst Degner beim Schwedischen Grand Prix in Christianstad ab.

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Noch im gleichen Jahr heuerte Suzuki den Überläufer an und holte ihn in die Entwicklung nach Japan. Ein Jahr später gewann Degner für Suzuki die Weltmeisterschaft - mit seinen DDR-Knowhow.

Degner starb 1983 auf Teneriffa unter ungeklärten Umständen - unter Mordverdacht steht die Stasi.

Der britischer Radiobeitrag "Das Überlaufen von Degner" (30:00 min) bei BBC 4 Radio, mit dem excellenten Sprecher Stephen Evans.

http://www.bbc.co.uk/iplayer/console/b01byhrg

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01 Februar 2012

Honda Europe - die ungeschminken, deprimierenden Zahlen aus dem Geschäftsbericht

Bilanzen und Zahlen zu lesen ist ja normalerweise eine Spezialdisziplin für Buchhalter. Doch in manchen Fälle geben sie ungeschminkt die Wahrheit wieder.
Werfen wir also heute einen Blick auf die Bilanzzahlen von Honda, die in Japan veröffentlicht wurden. Und bangen: Wird das hoffentlich wieder besser?

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Die Motorradverkäufe von Honda sind im vergangenen Jahr 2011 wieder gestiegen - von 9.639.000 im Jahr 2010 - auf stattliche 11.445.000 Stück. Gratulation, damit ist Honda immer noch Weltmarktführer.

Doch schaut man genauer hin - besonders nach Europa - dann ist Alarm angesagt. Während im Jahr 2007 noch 329.000 Stück verkauft wurden, sind es nach dem Tiefpunkt 2010 (199.000) im zurückliegenden Jahr gerade mal wieder 202.000. Mau.

In den USA sieht es nicht besser aus.

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Das schlägt sich natürlich in den Erlösen nieder. Seit 2007 haben sich diese Zahlen in Europa von 219,7 Mio. Yen auf 103,8 Mio. Yen mehr als halbiert. Honda verkauft in Europa ein Drittel weniger, aber das Restgeschäft rentiert sich in der EU immer weniger. In den USA schon gar nicht - ein Drittel ist deprimierend.

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Europa wird für den Marktführer tendenziell ein uninteressanter Markt, ein Nebenkriegsschauplatz. Die Musik spielt in Indien, in Thailand, in Indonesien, in China natürlich. Dort fahren in der Regel keine Fireblades, auch die neuen NC 700-Modelle sind dort hoffnungslos übermotorisiert. Die Mittelklasse dort hat 250 Kubik.

Hoffen wir das Beste. Denn wenn man diese Statistik weiter denkt, kehrt Honda dahin zurück, wo es hergekommen ist: nach Asien. Und wir stehen ohne Fireblades da. Das wär nicht schön.

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30 Januar 2012

Ende einer Ehe: BMW Motorrad und David Robb trennen sich nach zwei Jahrzehnten

Eine überaus erfolgreiche Ära geht zu Ende. BMW Motorrad wird heute im Laufe des Tages die Trennung von Chef-Designer David Robb bekannt geben. 

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Der Amerikaner Robb war 1993 bei den Münchenern ins Design-Team eingestiegen; unter seiner Leitung hat sich die Aussenwahrnehmung  des damals bis ins Mark biederen Herstellers völlig verändert. 

Robbs Einfluß und Zeichenfeder machte aus dem Produzenten von altfränkischen Gummikühen eine Marke, die für elegante Sportmotorrädern wie der S 1000 RR oder den Megatourer K 1600 steht.

BMW hat das Ausscheiden von Robb am Wochenende bestätigt. Der Nachfolger soll noch heute bekannt gegeben werden. Die wahrscheinlichen Option: eine Lösung aus dem hauseigenen Designzentrum oder ein  Import aus Italien.

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25 Januar 2012

KTM will mit 200 Kubik den Zukunftmarkt Indien erobern

Wer Europa mit unter 1,0 Mio. verkaufter Einheiten für einen großen Motorradmarkt hält, war noch nie in Indien: Auf dem Subkontinent wurden im Jahr 2011 rund 12 Mio. in 2011 Mopeds, Roller und Motorrädern verkauft. Und der Markt wächst: Für 2012 wird ein weiteres Wachstum von 15% erwartet.

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Kein Wunder also, dass auch europäische Hersteller auf das El Dorado schielen. Aktueller Kandidat: KTM.

Zusammen mit dem indischen Partner und Anteilsgaber an Mattighofen, dem zweitgrößten indischen Hersteller Bajaj, wurde gestern in New Dehli von KTM-CEO Stefan Pierer und Bajaj-CEO Rajiv Bajaj gemeinsam die KTM Duke 200 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit diesem Motorrad steigt KTM mit Bajaj erstmals in den indischen Markt ein und erwartet einen Absatz von rund 20.000 Stück. "In einem ersten Schritt werden 34 Flagshipstores künftig KTM exklusiv anbieten. Sechs weitere sollen in 2012 eröffnet werden. Mit zusätzlich weiteren 40 Servicepartnern soll KTM als Premiumanbieter im indischen Markt verankert werden", skizziert CEO Stefan Pierer den Plan zum Markteintritt.

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Die Duke 200 entstand als logische Weiterentwicklung der neuen kleinen Duke-Plattform, auf der auch die erfolgreiche Duke 125 aufgesetzt wurde. Basis ist der flüssigkeitsgekühlte 1-Zylinder-4-Takt-Motor, der bei der KTM-weltweit angebotenen 200er Duke auf 200 Kubik aufgebohrt wurde.

Jetzt fehlt nur noch China.

16 Januar 2012

Zahlen 2010: BMW wächst und wächst ....

Mit 104.286 (Vj.: 98.047 Eh) verkauften Motorrädern lieferte BMW Motorrad im Jahr 2011 mehr Motorräder aus als je zuvor in seiner knapp 90‑jährigen Geschichte. Das entspricht einem Plus von 6,4% gegenüber dem Vorjahresergebnis. Zwölf Monate in Folge konnten 2011 mehr Motorräder verkauft werden als im Jahr 2010.

Das Absatzergebnis 2011 liegt damit deutlich über der bisherigen Bestmarke aus dem Jahr 2007 (102.467 Eh).


Starkes Wachstum in Deutschland, Frankreich und Übersee.

Erneut größter Einzelmarkt und zugleich der Markt mit dem stärksten Absatzzuwachs war Deutschland. Mit 20.002 Fahrzeugen wurden 2.846 Motorräder oder 16,6 % mehr verkauft als 2010. BMW Motorrad behauptet damit die Marktführerschaft im Segment über 500 cm3. Der Marktanteil bei den Neuzulassungen konnte um 1,7 % auf 24,9 % ausgebaut werden. Jedes vierte neu zugelassene Motorrad über 500 cm3 in Deutschland kam somit aus dem BMW Motorrad Werk in Berlin.

Wie im Vorjahr war Italien der zweitstärkste Einzelmarkt. Hier wurden 13.600 Motorräder (VJ.: 14.234 Eh / - 4,5 %) verkauft. Im insgesamt rückläufigen italienischen Motorradmarkt verkaufte BMW Motorrad zwar 634 Fahrzeuge weniger, konnte aber seine Marktposition deutlich ausbauen und die Volumenführerschaft übernehmen. Der Marktanteil von BMW Motorrad im Segment über 500 cm3 stieg auf 19,9 % (Vj.: 18,4 %).

In der Reihenfolge der größten Absatzmärkte folgen USA (10.203 Eh / +7,4%) und Frankreich (9.850 Eh / +15,0 %).

Nach Deutschland konnte in Brasilien die stärkste Absatzsteigerung erzielt werden (5.442 Eh / +55,2 %). Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich dieser Markt zu einem der großen Absatzmärkte für BMW Motorrad. Um der wachsenden Bedeutung des Marktes gerecht zu werden, produziert BMW Motorrad inzwischen die G 650 GS, die F 800 R und die F 800 GS im brasilianischen Manaus für den lokalen Markt.

Insgesamt sehr positiv entwickelten sich für BMW Motorrad nahezu alle weiteren lateinamerikanischen Märkte sowie Osteuropa und Asien.

R 1200 GS weiterhin erfolgreichstes BMW Motorrad.

Insgesamt erfolgreichstes Modell war 2011 erneut die große Reiseenduro BMW R 1200 GS mit 18.413 verkauften Einheiten (Vj.: 18.768 Eh) gefolgt von ihrem Schwestermodell, der R 1200 GS Adventure, mit 10.453 Einheiten (Vj.: 11.648 Eh).

Die Mittelklasse-Enduro F 800 GS kommt mit 9.829 Einheiten auf den dritten Rang, dicht gefolgt vom Touren-Klassiker BMW R 1200 RT (9.540 Eh) und dem Supersportler S 1000 RR (9.044 Eh). Die im Frühjahr 2011 eingeführten Supertourer K 1600 fanden weltweit 8.019 Kunden. Hervorragende Absatzzahlen erzielten daneben die Roadster F 800 R (7.986 Eh) und R 1200 R (7.310 Eh) sowie die F 650 GS (6.145 Eh).

BMW Motorrad Ausblick 2012.

Mit der neuen G 650 GS Sertao, der überarbeiteten S 1000 RR, dem Boxer-Sondermodell R 1200 GS Rallye und Sondermodellen der K 1300 R und K 1300 S hat BMW Motorrad sein umfangreiches Produktportfolio für die Motorrad-Saison 2012 erneut gestärkt. Darüber hinaus gehen von Frühjahr an die ersten BMW Maxi-Scooter C 600 Sport und C 650 GT an den Start. Mit den Scootern erweitert BMW Motorrad sein Geschäftsfeld um die Facette der Urban Mobility.

Husqvarna Motorcycles braucht neue Märkte.

Das für die Marke Husqvarna Motorcycles relevante Hubraum-Segment 51 bis 750 cm3 war im Jahr 2011 erneut stark rückläufig. Husqvarna Motorcycles lieferte in diesem schwierigen Marktumfeld 9.286 Motorräder (Vj.: 12.066 Eh / -23,0 %) an seine Handelsorganisation aus. Auf Grund der in 2011 eingeleiteten Strukturmaßnahmen der weltweiten Vertriebsorganisation von Husqvarna übersteigt der tatsächliche Retail der zurückliegenden Saison die Werksauslieferungen jedoch deutlich. Insgesamt wurden weltweit 11.243 Husqvarnas an Kunden übergeben.

Mit sehr positiver Medienresonanz wurden die neuen Husqvarna 2-Zylinder Straßenmodelle NUDA 900 und NUDA 900R im Herbst 2011 vorgestellt. Sie stellen einen Meilenstein in der Firmengeschichte von Husqvarna dar. Es sind die ersten völlig neuen in Zusammenarbeit mit BMW Motorrad entwickelten Motorräder und gleichzeitig das Comeback der Marke Husqvarna auf dem Markt für Strassenmotorräder.

Die Markteinführung begann im Dezember 2011. Bereits 605 Fahrzeuge wurden bis Ende 2011 ausgeliefert. Husqvarna rechnet für die diesjährige Motorrad-Saison mit einem spürbaren Wachstum.

11 Januar 2012

R.I.P. Armin G.

Er fing an mit einer gebrauchten Kreidler Florett. Dann kamen andere wichtigere Interessen, wie Politik und Dope, über Armins Leben.

Die führten ihn nach Berlin und in mein Leben, wo wie beide in der gleichen WG und in der Hausbesetzerszene landeten. Ende der 70er Jahre, eine geile Zeit.

Und zu allem Überfluß hatten wir ein Moppet, meine XT 500. Meine XT, die war damals so wertvoll wie unsere Freundinnen, und beides verlieh man nicht.

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Mit einer klitzekleinen Ausnahme: Armin durfte meine XT fahren, als Einziger. Wir hatten viel Spaß zusammen, mit dem Hausbesetzen, mit den Frauen, mit der XT.

Von Berlin sind wir nach Indonesien gegangen; ich bin nach eineinhalb Jahren nach Deutschland zurück gekommen, Armin ist in Indonesien geblieben. Fast 30 Jahre.

Eine XT hat er nie besessen, aber er ist auf Kawasaki und Suzuki umgestiegen, auf eine Zephyr ZR750, eine Z200 und eine GSX. Und natürlich auf die Bebeks, die kleinen Flitzer für den Stadtverkehr in Yogjakarta.

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Armins Herz hing an Ira, seiner javanischen Frau, aber seine Werkstatt war auch nie leer. Es gab ja noch den 1970er Toyota Landcruiser, an dem seit 1985 immer was kaputt war. Zu Basteln - und zu rauchen - gab es also immer was.

Unser Kontakt war sporadisch, aber was sagt das schon? Wenn man auftauchte, lag immer ein Helm bereit.

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Unsere Tour durch Java rüber nach Flores haben wir nicht mehr zusammen geschafft. Denn Armin ist jetzt völlig überraschend in seinem und Iras Haus in Yogjakarta gestorben. Er wurde in Indonesien beerdigt.

Was bleibt? Meine Trauer. Und Armins Website http://tiny.cc/rip-armin , die uns bei Touren durch Indonesien aufs Beste mit Tipps versorgt.

Ride on, du alter Anarchist.


















03 Januar 2012

Motorrad-Tuner Shinya Kimura: Insekten auf Speed - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto

Insekten auf Speed

03.01.2012

Motorrad-Tuner Shinya Kimura

Von Jochen Vorfelder

Jochen Vorfelder

Wer ein Custom-Motorrad von Shinya Kimura kaufen will, braucht 100.000 Dollar und eine Engelsgeduld. In genial irrer Detailarbeit verwandelt der gelernte Insektenforscher alte Motorräder in komplexe Kunstwerke. Ob und wann die Maschinen fertig werden, ist reine Glückssache.

Die Hauptstraße von Azusa ist eine öde Meile in einem dieser charakterlosen, austauschbaren Vororte von Los Angeles. Supermärkte, Drive-Ins und unzählige Gebrauchtwagenhändler wechseln sich in einer schier endlosen, heruntergekommenen Ladenzeile ab. Auch Chabott Engineering fügt sich ein in dieses Bild. Ein verrostetes Rolltor hängt schief in der Führung; an der Dachrinne und der Eingangstür zum Büro blättert der Lack ab.

"Schön, dass Sie uns gefunden haben", sagt Shinya Kimura, der Besitzer von Chabott, und gibt mir die Hand. Das ist die erste Überraschung: Kimuras Händedruck ist weich und sanft, nur angedeutet wie die knappe Verbeugung. Seine Unterarme sind nicht tätowiert - Kimura ist keiner der amerikanischen Motorraddesigner-Machos, kein Jesse James, kein Möchtegern-Star, der gerne mit einem gepiercten Porno-Model auf dem Schoß Hof hält.

Der Weg in die Garage, in der Kimura seit fünf Jahren Motorräder zu seltenen und seltsamen Skulpturen umbaut, ist beschwerlich. Es ist der Weg durch einen Schrottplatz. Von fast jedem Dollar, den er mit seinen spektakulären Umbauten verdient, kauft er gestrandete Wracks: alte Harley-Davidsons und Indians, bevorzugt aus den vierziger Jahren. Englische Triumphs aus den Sechzigern, japanische Einzylinder aus den Siebzigern. "Ich bin wohl ein hemmungsloser Sammler, das ist eine meiner Leidenschaften," sagt der Japaner und schaut dabei, als wolle er sich dafür entschuldigen.

Über Insekten zum Motorrad

Alte Harleys hatten es Kimura schon zu Hause im japanischen Aichi angetan. Doch sein erstes Motorrad, das er im Alter von 15 Jahren umbaute, war eine kleine Zweitakter-Suzuki mit 50 Kubik. Die über 300 Harleys, die er später für seine frühere Firma Zero Engineering mit einem Team von sechs Mechanikern zusammenbaute, begründeten einen Ruf, der ihn weit über die japanische Szene hinaus bekannt machte. "Es hat mich irgendwann müde gemacht, immer das gleiche Motorrad zu bauen. Ich wollte neue Inspiration, deshalb bin ich in die Vereinigten Staaten gegangen."

"Von Beruf bin ich eigentlich Insektenforscher. Ich habe Entomologie studiert," sagt Kimura. Er stammt aus einer traditionellen japanischen Familie, sein Vater war Dichter, seine Mutter Malerin. Aufgewachsen ist Kimura bei seinem Großvater. "Wir standen uns sehr nahe, bis er starb, als ich zehn Jahre alt war." Sein Großvater war einer der ersten Japaner, der eine amerikanische Indian besaß.

Kimuras Werkstatt ist ein Sammelsurium aus Motorrad-Baustellen. Es gibt nur wenige straßenfertige Maschinen, an den meisten schraubt und baut Kimura von Zeit zu Zeit herum. Eine Indian von 1920 ist einige der wenigen fahrbereiten Exemplare. Eine gedrechselte Holzkiste ersetzt die Satteltaschen; ansonsten ist der Oldtimer fast originalgetreu. Kimura hat die Indian 2010 bei einem 3000-Meilen-Rennen quer durch die Staaten gefahren: "Mein Großvater wäre stolz gewesen," sagt er leise.

Das Problem der Vollendung

In seiner Werkstatt in Azusa arbeitet Kimura in seinem eigenen Takt, in seiner eigenen Ordnung. Geregelte Arbeitszeiten kennt er nicht, oft schläft er auf einer Empore über den Werkbänken. Er besitzt moderne Werkzeugmaschinen, aber arbeitet lieber mit altem Gerät. Teile für Verkleidungen und Aluminiumtanks treibt er mit dem Hammer aus 4 Millimeter dicken Platten. Wenn ein Werkzeug nicht gebraucht wird, kommt es sofort zurück an seinen angestammten Platz. Sein Reich ist übervoll, überall liegen Bauteile, aber Kimura hat offensichtlich ein fotografisches Gedächtnis. Chaos ist Chabott nur für Besucher und seine Kunden, die er sich sorgsam aussucht.

Motorräder baut Kimura nur noch so, wie es ihm gefällt, und für Käufer, mit denen er auf einer Wellenlänge schwingt. "Ich habe keine fertige Idee oder eine Zeichnung, wenn ich mit einem Motorrad anfange. Wenn ich von Anfang an wüsste, was es am Ende gibt, wäre das langweilig." Kimura spricht, so gut es in seinem gebrochenen Englisch geht, lange mit einem Auftraggeber. "Nicht über Motorräder, sondern über ihn. Über Essen, über Musik, über sein Leben. Ich muss sie verstehen, und sie müssen mir vertrauen." Einen Zeitpunkt, an dem der Umbau fertig sein wird, nennt Kimura nie. Er gibt Motorräder nur weg, wenn das Werk seinem Empfinden nach vollendet ist.

Das Problem des Käufers: Seine Umbauten sind eigentlich nie fertig. Die MV Agusta 750 S America, die mitten in der Werkstatt steht, hat er für einen japanischen Sänger gebaut, der schon zwei andere Maschinen von ihm gekauft hat. Kimura hat noch ein Problem mit dem polierten Aluminium-Teil, das hinter dem Vergasern den Rahmen verdeckt. Er hat es schon drei Mal in Handarbeit angefertigt, aber ist mit dem Resultat bisher nicht zufrieden. Er unterbricht unser Gespräch und wechselt in aller Seelenruhe das Blech, ganz so, als säße er in einem Elfenbeinturm beim wissenschaftlichen akkuraten Aufspießen von Insekten.

Kimuras Kreationen tragen Namen wie Dorn oder Silberwespe und stehen ganz in der Tradition der japanischen Wabi-Sabi-Ästhetik - nicht die offenkundige Schönheit ist das Erstrebenswerte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Kimura beschreibt das ähnlich: "Insekten sind nicht für alle Menschen schöne Tiere. Mir gefallen sie, mir machen sie Spaß."

Zwei Motorräder pro Jahr

Zum Spaß lässt Kimura die Flash laufen, eine Ducati mit 750 Kubik-Königswellen-Motor von 1974. Er hat sieben Monate daran gebaut. Der Motor brüllt und rüttelt am Ständer, Kimura strahlt über beide Ohren. Auch mit abgestelltem Motor wirkt das Fahrzeug noch schnell, massiv, und eigen. Am Motor hat Kimura nichts verändert, ihn nur sorgfältig überholt. Seine Kunst liegt in den Details, den handgedrehten Schrauben, den gepunzten Blechen und luftigen Armaturenhalterungen, die den alten L-Twin selbst im Stand fliegen lassen wie eine Libelle. "Es war schön, die Maschine zu bauen", sagt Kimura.

Sammler bezahlen für Maschinen aus dem Hause Chabott Engineering zwischen 75.000 und 100.000 Dollar. Kimura sagt, dass er zwei Motorräder pro Jahr fertig stellen muss, um zu leben. In seiner Werkstatt, in seiner Welt.

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