23 August 2006

"Steilpässe": VII. Loiblpass - Fronarbeit vor der Vernichtung

Von aus Österreich führen viele Wege über die Karawanken nach Slowenien; einer der ältesten Nord-Süd-Verbindungen ist der Loibl-Pass über 1367 Meter zwischen Ferlach in Kärnten und dem slowenischen Trzic.

Die heutige Passstrasse mit zwei Dutzend Serpentinen auf österreichischer Seite folgt einer Trasse aus dem 15. Jahrhundert - von Ferlach aus windet sich der Asphalt durch einige kleinere Dörfer und ein enges Tal mit wenig Verkehr, denn der Transit wird heute durch den fast parallel verlaufenden Loibltunnel der Autobahn E 652 abgewickelt.

Seit die Strecke durch den Berg - die vor dem Zerfall Jugoslawien neben dem Wurzenpass eine der wichtigsten Verbindungen zum Autoput und den Süd-Osten Europas war - freigegeben wurde, ist die alte Passstraße verkehrtstechnisch obsolet - und dadurch die richtige Strecke für die Multistrada, die sich vor allem auf den kurzen Beschleunigungsstrecken zwischen den Kehren vor keinem Supersportler verstecken muß.

Wer der alten Trassenführung folgt, passiert kurz nach der Grenzstation zwischen Österrreich und Slowenien eine Gedenkstätte, die an die KZ-Insassen erinnert, die zwischen März 1943 und Mai 1945 während des Baus des 1570 Meter langen Tunnels dort im Außenlager Ljubelj-Süd des KZs Mauthausen interniert waren. (Auf österreichischer Seite gab es ein zweites Außenlager.)

Von den Anlagen auf der heute slowenischen Seite, in denen die bis zu 1600 Gefangenen aus ganz Europa als Arbeitssklaven gehalten wurden, sind heute nur noch einige wenige Grundmauern, Reste der Wäscherei und der Latrinen, die Umrisse einiger Baracken sowie einige Mauern des räumlich ausgegliederten Krematoriums erhalten.

Nachdem den Fronarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen - im Winter fiel die Temperatur regelmäßig auf minus 20 Grad - der provisorische Durchstich durch den Berg im Dezember 1943 gelungen war, wurde die Zahl der Insassen reduziert: durch Rückverlagerung nach Mauthausen und durch Fälle von Euthanasie.

Die Überlebenden mußten das schmale Tunnel-Profil, das zunächst nur eine maximale Fahrzeuggröße von unter 2 x 3 Metern zuließ, im folgenden Jahr erweitern. Am 7. Mai 1945 schließlich befreiten sich die letzten 950 Gefangen selbst und stießen in dem Tal, das sich gen Süden nach Slowenien öffnet, zu jugoslawischen Partisanen.

Offen: Ganzjährig
Wertungspunkte : *** (3 von 6)

© Jochen Vorfelder

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