Seit Freitag ist der Deal perfekt: Harley-Davidson übergibt den italienischen Hersteller MV Agusta, den die Amerikaner erst vor zweieinhalb Jahren gekauft hatten, an die Holding des Italieners Claudio Castiglioni. Über den Kaufpreis wird eisernes Stillschweigen gewahrt - angeblich soll es sich aber um einen symbolischen Preis handeln. Der Verkauf war von Harley-Davidson seit einem Jahr angestrengt worden: Um die eigene Produktion wieder in die Erfolgsspur zu bringen, hatte HD-Chef Keith Wandell zunächst Buell geschlossen und dann die Hilfe des Bankenkonsortiums Paribas angestrengt, um für MV Agusta einen Käufer zu finden. Zuvor hatte HD nach dem Kauf für rund 70 Mio. Euro noch einige weitere Dollars in den defizitäten italienschen Hersteller investiert und Fertigungsanlagen modernisiert. “MV Agusta ist eine stolze Marke und wir wünschen Herrn Castiglioni und seinen Mitarbeitern alles Gute”, so Keith Wandell. “Unsere Entscheidung MV Agusta zu verkaufen, spiegelt unsere Strategie wieder, unsere Anstrengungen und Investitionen auf die Marke Harley-Davidson zu konzentrieren, weil wir glauben, dass dies der Weg für langfristiges Wachstum ist.” Claudio Castiglioni ist bei MV Agusta kein Unbekannter. Bereits 2004 hatte Castiglioni, der damalige Besitzer, über die Hälfte von MV für rund 65 Millionen Euro an den malaysischen Autobauer Proton verkauft, die Anteile aber nur ein Jahr später zum symbolischen Preis von einem Euro zurückbekommen. Im Sommer 2008 stieg dann Harley-Davidson ein - für kaum 24 Monate. Neben Castiglioni hatte es weitere Interessenten an MV Agusta gegeben, darunter die US-Gruppe Texas Pacific Group TPG, die ab 1996 für fast zehn Jahre Ducati in Besitz genommen hatte. Für die TPG hatte der Ex-Ducati-Chef Federico Minoli die Kauf-Verhandlungen geführt - ein ausgewiesener Gegner und Rivale von Claudio Castiglioni. Zum Auftakt holt sich Castiglioni nun Massimo Bordi an Bord. Bordi hatte über zwei Jahrzehnte für Ducati in der Motorenentwicklung gearbeitet. Kenner der italienischen Besitzer-Szene - von vielen auch als inzestiöse Veranstaltung bezeichnet - vermuten nun, dass auch der Designer Massimo Tamborini wieder reaktiviert wird - Tamburini hatte u.a. die MV Agusta F4 gezeichnet, hatte aber Anfang des Jahres im Streit mit den Amerikanern das Handtuch geworfen. Wie sich die neuerliche Übernahme von MV Agusta auf die Modellpolitik auswirkt - unklar. Ob der erwartete neue Dreizylinder-Motor schon auf der nächsten Intermot im Oktober 2010 in Köln vorgestellt wird - ebenfalls unwahrscheinlich. Man rechnet mit Mitte 2011.
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