
Der deutsche Branchenprimus BMW reagiert auf die Absatzkrise bei den Zweiradhändlern: Die Bayern haben heute überraschend bekannt gegeben, dass im Frühjahr 2010 eine weltweite Vertriebskooperation mit dem Möbel- und Selbstbauriesen IKEA gestartet werden soll.
Wie BMW-Motorradchef Hendrik von Kuenheim und IKEA-Gründer Ingvar Kamprad gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt mitteilten, wurde vereinbart, dass ab März des kommenden Jahres testweise zunächst über 20 ausgewählte deutsche Filialen des Einrichtungs-Discounters ein modifiziertes, für den Selbstbau radikal vereinfachtes Boxer-Modell als Bausatz ausgeliefert werden soll.
Das Motorrad soll sich in Form und Technik am Modelljahr 2002 orientieren, 750 Kubik haben und in rund 300 Einzelteilen zum Verkauf kommen. Der Prototyp sei bereits im Fahr- und Testbetrieb; er soll im Herbst vorgestellt werden.
BMW will nach den Wort von Kuenheims mit der überraschenden Zusammenarbeit neue Käuferschichten erschließen: "Wir wissen, dass unser Hausmarkt der besser verdienenden GS- und Tourer-Käufer irgendwann erschöpft sein wird. Mit dem Einsteiger-Modell bei IKEA zielen wir direkt auf die Mittdreißiger und Familienväter mit schmalerem Budget, die ohnehin Spaß am Basteln und Zusammenbauen haben."
Wegen dieser Zielgruppe und dem weltweiten Netzwerk von Filialen sei IKEA der richtige Partner; dadurch habe man sich gegen einen deutschen Partner entschieden: "Auch mit Aldi und Lidl waren wir zunächst im Gespräch."
Hergestellt und verpackt werden sollen die Einzelteile des Billigboxers in China, wo BMW seit September 2007 bereits den Motor der G 650 Xcountry vom chinesischen Hersteller Loncin bauen läßt. Weil die aufwendige und arbeitsintensive Endfertigung bei dem neuen Modell, das unter dem Codename "Billy Road" läuft, entfallen wird, soll der Preis unter 4000 Euro liegen.
Der Käufer kann sich das Motorrad wie bei IKEA üblich über hauseigene Spediteure nach Hause bringen lassen; das Bike soll wie bei allen Produkten, die bei dem Möbelvermarkter im Angebot sind, mit einer ausführlichen und leicht verständlichen Bauanleitung und entsprechend hochwertigem Werkzeug ausgeliefert werden.
Garantieansprüche entfallen beim Selbstbau; allerdings bietet IKEA an, die Maschine bei Nichtgefallen zurück zu nehmen. Ingvar Kamprad in Frankfurt: "Alles was bei IKEA rausgeht, kann innerhalb von drei Monaten auch zurück gebracht werden."
Falls sich das neue Vertriebsmodell bewährt, ist eine Ausweitung zunächst auf die europäischen und asiatischen IKEA-Filialen angedacht. Den amerikanischen Markt, so von Kuenheim, wolle man zunächst nur beobachten, da er durch die spezielle US-Gesetzgebung mit hohen Regressansprüchen ein "tückisches Pflaster" sei.
April, April ;)
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