
Alles fing mit einem Sofa und einer Landkarte in einem britischen Magazin an.
Ewan McGregor - Schauspieler und bekennender Motorradabhängiger - sagt, er habe eines Nachmittags auf besagtem Sofa gelegen und einen Reisebericht gelesen. Er fuhr dabei mit dem Finger über die Landkarte und bemerkte, daß eine Fahrt um die Welt über Festland nur zweimal unterbrochen werden mußte - kurz an der Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska und etwas länger natürlich am Nordatlantik zwischen der amerikanischen Ostküste und Großbritannien.
Da stand er auf, griff sich das Telefon und rief seinen Freund Charley Boorman an: "Charley", sagte er, "du solltest vielleicht mal zum Essen vorbei kommen. Wir haben da was zu besprechen."
Das Essen hatte Folgen: Ewan und Charley besorgten sich bei BMW als Sponsor mehrere R 1150 GS Adventure und fuhren ab April 2004 in 115 Tagen rund 36.000 Kilometer durch Europa, die Ukraine, Russland, Kazachstan, die Mongolei, Sibirien, Alaska, Kanada und die Vereinigten Staaten, bevor sie wieder britischen Boden betraten.
Die beiden Freunde - erstaunlicherweise sind sie das auch noch nach der Fahrt - sind nicht nur erfolgreiche Schauspieler (McGregor etwa ist bekannt aus "Trainspotting" und als Obi-Wan Kenobi in "Star Wars"), sondern auch absolute Medienprofis. Kein Meter ihrer Fahrt verging unbeobachtet, undokumentiert und ungeplant. Auf ihren Helmen und Maschinen waren Kameras montiert; ihre medialen und technischen Begleitteams waren perfekt vorbereitet und ausgerüstet.
Ihre Fahrt wird seit seit zwei Jahren unter dem Label "Long Way Round" perfekt vermarktet. Entstanden ist ein Buch (siehe Titel oben), eine Fernsehserie in der englischen BBC, eine DVD-Version aller zehn Folgen und ein Soundtrack ("Was wir unterwegs am liebsten gehört haben.")
Seit Mitte 2006 ist das 3-DVD-Set mit allen zehn Episoden auch auf Deutsch erhältlich. 2 Freunde, 2 Bikes, 115 Tage und 36.000 Kilometer - das reicht nach einer langen Nacht vor der Glotze.
Bald kommt Nachschub. McGregor und Boorman haben ihre weiteren Reisepläne bekanntgegeben: zwei Trips - zwei Fernsehserien, wahrscheinlich zwei Bücher - als Fortsetzung der Long Way Round-Saga unter den bezeichnenden Labels "Long Way Down" und "Long Way Up".
Für 2007 ist zunächst der Trip von London nach Kapstadt - Long Way Down - geplant, während Lond Way Up die Jungs von Argentinien in die USA führen soll. Neid.
© Jochen Vorfelder